Nein, ich will Eure Karte nicht!

Nachdem gestern schon wieder ein Brief von Payback in der Post lag, ist es jetzt an der Zeit mal etwas zum Thema zu schreiben.

Aber mal ganz von vorne: Ich bin seit ewigen Zeiten Payback-Benutzer, da ich häufig bei real,-, DM und Kaufhof eingekauft habe. Irgendwann kamen dann die Online-Aktionen hinzu und seitdem wir in der Firma mit Aral-Tankkarten ausgestattet sind, dann auch noch die Tankstellenumsätze. Da kommt über´s Jahr gerechnet schon einiges zusammen was ich dann zum Teil spende oder aber (Tankkartenumsätze) aus steuerlichen Gründen in Einkaufsgutscheine bei real,- umwandle.

Soweit so gut. Vor einigen Jahren hat Payback eine Bezahlkarte auf den Markt gebracht. Es handelte sich um eine maestro-Debitkarte und der Issuer war die inzwischen verblichene WestLB. Diese Karte war absolut kostenlos, hatte aber den Nachteil dass zu der Zeit die Akzeptanz von maestro ähnlich eingeschränkt war, wie die von VISA und MasterCard.

Dennoch hat diese Karte eine ganze Menge Fans bis heute. Und das liegt sicherlich nicht am Cashback in Punkten (1P für 10€ Umsatz), sondern vielmehr daran, dass diese völlig kostenlose Karte im Ausland ohne Fremdwährungseinsatz nutzbar ist, schon 2009 kontaktloses Bezahlen (PayPass)  geboten hat und man mit ihr sogar im Ausland online bezahlen kann. Einige Airlines erlassen bei deren Nutzung nämlich die Kreditkartengebühr! Zum Schluss sollen wohl noch rund 500.000 dieser Karten im Umlauf gewesen sein.

Irgendwann wurde die Abwicklung der Karte von der WestLB / Portigon auf die BW.Bank übertragen. Eine Möglichkeit zur Neubeantragung wurde zwar in Aussicht gestellt, letztenendes aber nie realisiert. Grund hierfür war wohl die Tatsache, dass nach Übernahme des Payback-Betreibers Loyalty Partner durch den Kreditkartenriesen American Express sich die Pläne für die Zukunft geändert haben.

Seit geraumer Zeit gibt es als Alternative eine VISA (BW.Bank) die im ersten Jahr kostenfrei ist, sowie eine American Express-Karte. Nun erinnern wir uns alle an die Zeit zurück, wo eine Amex-Karte so etwas wie ein Statussymbol war. Kein festgelegtes Kreditlimit, ein Schweizer Bankier der sich mit der Machete durch den Urwald schlägt, nur um dem Kunden eine verlorene Karte zu ersetzen.

Dabei scheinen viele Kunden zu vergessen, worum es bei einer Bezahlkarte (ich verwende bewusst nicht den Begriff „Kreditkarte“) eigentlich geht. Sie soll nämlich Bezahlprobleme lösen, indem der Kunde auch ohne Bargeld stets flüssig ist. Aber genau diese Anforderung erfüllt die Amex neben Diners und JCB zumindest in Deutschland am Wenigsten. In Deutschland regiert die Debitkarte girocard und immerhin haben nach heldenhaftem Einsatz der EU (Senkung der Interchange-Gebühren) mittlerweile die Discounter VISA und MasterCard für sich entdeckt. Im kleineren Einzelhandel und weiten Teilen der Gastronomie ist man noch lange nicht soweit. Den Schritt, dem Handel ähnliche Konditionen wie die anderen anzubieten, will Amex wohl nicht gehen.

Als Folge des mangelnden Interesses an einer solchen Karte, wurde aus dem einstigen Statussymbol American Express mittlerweile etwas, was ähnlich verramscht wird wie Plattenbauwohnungen in Guben oder Handyverträge bei E-Plus. Die einstige Jahresgebühr, die Amex „Mitgliedsgebühr“ nennt, wird bei vielen dieser Karten zumindest für das erste Jahr erlassen (so wie die Miete in der Plattenbausiedlung) und man findet Werber mittlerweile an jedem Flughafen, bei real,- hinter der Kasse (Handyverträge) und fragt sich: Was soll das?

Payback geht noch einen Schritt weiter: Die Jahresgebühr wurde komplett abgeschafft und die Menge der Zusatzpunkte die es wirklich nur bis Ende des Folgemonats gibt (also wirklich, in Echt jetzt, wir meinen das so) auch mittlerweile bis auf 40.000P (=40€) erhöht.

Jetzt kommen wir aber wieder zu meinem „Bezahlproblem“ was diese Karte nicht ansatzweise löst: Ich reise viel in Polen umher. Polen hat eine eigene Währung und für den Auslandseinsatz verlangt diese Karte 2,2% Aufschlag, während die Payback maestro ohne auskam. Hinzu kommt, dass die American Express-Karte im Gegensatz zu maestro, MasterCard und VISA in Polen ähnlich beliebt ist, wie Erika Steinbach.

Ergo: Es gibt für mich keinerlei Grund, diesen Vertrag abzuschließen. Dennoch scheint Payback es nicht aufgeben zu wollen und schickt mir weiterhin Post und versucht mir dieses, für mich wertlose, Stück Plastik schmackhaft zu machen.

Jetzt erzähle ich Euch, liebe Menschen von Payback, mal etwas von „conversion rate“:

Hättet ihr anstatt eines bunten Dummies mit meinem Namen drauf, eine echte Karte geschickt, die ich mit nur zwei drei Mausklicks aktivieren könnte, hätte ich es vielleicht mal ausprobiert. Kostet ja schließlich nichts.

Ihr, bzw. Euer Bankpartner, habt meine Kontodaten, mein Kartenlimit für Decoupled-Debit bei der maestro und auch die Info, dass ich die bisherige Karte wirklich aktiv nutze. Das hätte man auswerten können.

Aber so: Rundordner!

Ein Gedanke zu “Nein, ich will Eure Karte nicht!

  1. Interessante Ansicht. Ich finde nicht, dass Amex hier sein Produkt verramscht. Payback gehört zu Amex und da macht es Sinn die sich ergebenden Synergien zu nutzen. Lt. Amex macht die PB Amex mitlerweile einen zweistelligen % Anteil am gesamten Portfolio aus, was ich ziemlich beeindruckend finde wenn man bedenkt wie lange es die Karte erst gibt. Ausserdem schlägt Amex mit der Karte mehrere Fliegen zugleich: die Karte spricht ein breiteres Publikum an und erhöht damit die Gesamtzahl der ausgegebenen Karte. 2) die höhere Anzahl an in Umlauf befindlichen Karten führt dazu, dass Amex für die Händler interessanter wird und sich mehr Akzeptanzstellen ergeben (Die Akzeptanzstellen sind in D in letzer Zeit wirklich sprunghaft angestiegen) 3) Amex diversifiziert sein Produktportfolio und stellt sich breiter auf.
    Punkt 3 ist in den USA schon recht lange im gang, also dem Mutterland der Amex. Dort gibt von der schwarzen Centurion bis zum Prepaid Produkt mit cahsback Funktion alles. Macht auch Sinn, denn dadurch verdient man natürlich über das gesammte Marktspektrum Geld.
    Ich denke auch in D will Amex sein elitäres Schicki Micki Image teilweise ablegen und ein breiteres Publikum ansprechen um am Kreditkartenboom in D mitzuverdienen. Dass sich einige Alt-Karteninhaber darüber muckieren finde ich lächerlich. 1) profitieren die auch von dem Mehr an Akzeptanzstellen und 2) bleiben die hochwertigeren Produkte weiterhin bestehen und 3.) ist sehr seltsam sich über eine KK zu definieren und sich angegriffen zu fühlen weil es jetzt eine Payback Amex gibt. In einigen Blogs wurde behauptet das sei nicht mal eine richtige Amex. Dabei hat AE selbst immer betont der Vefügungsramen hat nichts mit der Farbe der Karte zu tun.

    Ich selbt bin mit mit meiner AE Blue sehr zufrieden. Die Akzeptanzstellen bewegen sich GEFÜHLT auf dem Niveau wie Visa und MC vor 10 Jahren.
    P.S. in den USA will Amex bis 2019 mit Visa und Amex gleichauf sein, bei den Akzeptanzstellen.

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