Nach Automatensprengungen: Rostocker Straßenbahn AG stellt Bargeldakzeptanz an Outdoor-Automaten ein

Aufgrund wiederholter Sprengung von Fahrkartenautomaten teilte die Rostocker Straßenbahn AG mit, dass bis auf Weiteres an stationären Automaten kein Bargeld mehr angenommen wird. Nutzer müssen ihre Tickets nunmehr mit „EC“-Karte bezahlen. Natürlich meint die RSAG hiermit die girocard der Deutschen Kreditwirtschaft. Auch zehn Jahre nach Änderung des Namens scheint sich dieser nicht bis zu allen Akzeptanzpartnern herumgesprochen zu haben.

Wer unbedingt Tickets bar bezahlen möchte, kann dies an den Automaten in den Fahrzeugen oder an Automaten der Deutschen Bahn tun.

Diese Maßnahme gilt „bis auf Weiteres“. Ich finde, spätestens hier sollte bei den Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe mal der Wecker klingeln. In freier Wildbahn aufgestellte Automaten, die dazu noch Banknoten akzeptieren, sind einfach eine Einladung an Knackerbanden. Insbesondere bei den inzwischen gängigen Preisen im deutschen Nahverkehr und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es durchaus Menschen gibt, die diese Automaten mit 50€-Scheinen füttern um ihr Monatsticket zu bezahlen, lohnt sich ein solcher Aufbruch schnell.

Jeder dieser Automaten muss regelmäßig angefahren werden, mit frischem Wechselgeld gefüttert und von den Einnahmen befreit werden.

Wer sich diesen ganzen logistischen Irrsinn ersparen möchte, verzichtet im ersten Schritt auf die Möglichkeit der Barzahlung. Aber selbst dann möchten noch Papierrollen und je nach verwandter Technik Tinte in den Automaten oder Stempelautomaten nachgefüllt werden.

Einen Schritt weiter gehen u.a. die MPK Wrocław mit dem von der polnischen Münzprägeanstalt (Mennica Polska) implementierten System des Paperless Ticketing auf Basis von Debit- und Kreditkarten sowie der Urban Card die mit dem deutschen VDV e-Ticket vergleichbar ist.

Bereits heute sind in den Breslauer Fahrzeugen alle Automaten rein für die Verarbeitung von Kartenzahlungen ausgerüstet, werden aber nach nur drei Jahren ersetzt. Die stationären Automaten mit Bargeldakzeptanz und Ticketdruck, sowie der Verkauf von Papierfahrscheinen an vielen Kiosken bleiben aber bestehen. Dies wohl auch aus Rücksichtnahme auf die vielen deutschen Touristen in der Stadt, die mit bargeld- und kontaktlosem Bezahlen anscheinend überfordert sind.

Sobald der Echtbetrieb im März startet, werde ich vor Ort sein und anschließend hier berichten.

 

Verfrühtes Weihnachtsgeschenk: Erste Sparkassen mit Push-Mitteilungen für Kreditkarten

Ein Feature, das bei den jungen Challenger-Banken und Fintechs seit geraumer Zeit zum Standard gehört, hat bei den ersten Sparkassen nun auch Einzug erhalten: Push-Mitteilungen bei Kreditkarten-Autorisierungsanfragen.

Zu diesem Zweck wurde die schön länger bestehende Funktion des Kontoweckers im Online- und Mobile-Banking erweitert. Der Kontowecker konnte bislang bei bestimmten Umsätzen, Kontoständen und ausgeführten girocard-Buchungen Nachrichten versenden. Den Kunden stehen dabei E-Mail, SMS und Push-Nachrichten zur Auswahl:

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Die Push-Mitteilung enthält alle wesentlichen Daten der Autorisierungsanfrage sowie den obligatorischen Hinweis, dass es sich nicht um die endgültige Buchung handelt.

Nach erstmaligem Setzen des Weckers, dauert es jedoch ein paar Stunden, bis die Funktion auch tatsächlich aktiv ist. Ich habe den Wecker nachmittags eingerichtet und die darauf hin getätigten Einkäufe wurden erst einmal nicht berücksichtigt.

Einmal registriert, vergehen aber schon noch ein paar Minuten bis zur Benachrichtigung. Das ist inhaltlich verschmerzbar, schließlich „weiß man ja“, wo man gerade bezahlt hat, sollte aber zügig an die Geschwindigkeit von bspw. Revolut herankommen. Bei Zahlung mit der Revolut Mastercard rappelt das Handy kaum zwei Sekunden später, nachdem man im Handel den grünen „OK“-Knopf betätigt hat.

Während es begleitend zur Neueinführung des Kontoweckers sogar TV-Spots und eine Plakatkampagne gab, hat es dieses Feature klammheimlich ins System geschafft. Ich gehe aber davon aus, dass sobald alle Sparkassen die Funktion implementiert haben werden, auch hier noch mal ein wenig die Werbetrommel gerührt werden wird.

Damit neigt sich ein Jahr zu Ende, das für Sparkassen-Kunden eine ganze Reihe von überfälligen Innovationen gebracht hat:

  • Kontaktloses Bezahlen mit girocard, MasterCard und VISA.
  • Umstellung der Kreditkarten auf Chip & PIN.
  • Die erste Sparkasse (Siegen) testet die neue Debit MasterCard.
  • Vorbereitungen für eine Mobile Payment-Lösung auf HCE-Basis für Android-Telefone sind ebenfalls im Gange
  • Pilotprojekte mit Blue Code App-Payment

Schön wäre es jetzt, wenn auch der Kartenwecker für die girocard auf Autorisierungsanfragen reagieren würde, auch wenn dort außer dem Betrag aktuell nur die Terminalnummer zur Anzeige zur Verfügung steht. Wobei ich mich natürlich schon frage, wieso die Netzbetreiber keine Listen mit Terminal-ID´s und den dazu passenden Händlern per API zur Verfügung stellen.

Kosten

Bei 396 Sparkassen (Stand Januar 2017) ist es natürlich schwer allgemeingültige Aussagen zu treffen. In der Regel sind Push-Mitteilungen aber in den meisten Privatgirokonten kostenlos.

Bei Firmenkonten fallen bei meiner Sparkasse Bühl 3 Cent für eine Push-Mitteilung und 9 Cent für eine SMS an.

Führt man, so wie ich, Privat- und Firmenkonten mit der gleichen Benutzerkennung, so lässt sich als Abrechnungskonto das private Girokonto auswählen und somit sind die Mitteilungen auch für das Firmenkonto kostenlos.

Ergänzung: Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls dabei

Ich wurde von @slx13 darauf hingewiesen, dass die Genossen den Service inzwischen auch anbieten. Im Gegensatz zu den Sparkassen werden die angefragten Umsätze auch in der Umsatzübersicht zur jeweiligen Karte angezeigt, also analog zur Vorgehensweise der Sparkassen bei girocard-Zahlungen:

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Fazit

Mit Einführung des Kreditkartenweckers holt die Sparkassen-Finanzgruppe technisch auf. Die Institute sollten jedoch dringend ihre Preispolitik überdenken und unsinnige Cent-Gebühren streichen, die in der Realität die wenigsten Nutzer treffen, aber nach Außen ein absolut negatives Bild abgeben.

Warum der geplante Bargeldeinzug bei Asylbewerbern in Österreich eine Nebelkerze ist

Dass sich die gerade in Wien formierende neue Regierung unter Beteiligung der FPÖ nicht lange mit irgendwelchem populistischen Unsinn Zeit lassen würde, war eigentlich jedem klar.

Bei einer der ersten Maßnahmen, die es in die Nachrichten nördlich der Alpen geschafft hat, handelt es sich um den geplanten Einzug von Bargeld und die Durchsuchung von Handys von Geflüchteten. Das Geld soll einen Beitrag zur Deckung von Unterbringungskosten leisten. Mit der Durchsuchung von Smartphones, die m.E. gegen jegliche Persönlichkeitsrechte verstößt, erhofft man sich eine sicherere Feststellung der Identität der Geflüchteten.

Beide Forderungen finden auch hierzulande viele Anhänger, zumal sich die Beweggründe auf den ersten Blick erst einmal nachvollziehen lassen: Ein Bürger muss, bevor er Grundsicherung erhält, zunächst sein eigenes Vermögen aufbrauchen. Asylbewerber mit nicht geklärter, oder mehreren Identitäten stellen unsere Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen.

Bereits 2015, auf dem Höhepunkt der Zufluchtswelle, waren die Smartphones im Besitz von Geflüchteten im Übrigen Grund genug für eine, von Populisten angestossene, lachhafte Neiddebatte.

Wer, teils nach Jahre langer Flucht, mehrfach ausgeraubt wurde, Beamte bestechen musste und von Schleppern wie eine Weihnachtsgans ausgenommen wurde, am Ende vielleicht noch 200€ in der Tasche hat, die für ein Bahnticket zu den Verwandten nach Deutschland oder eine warme Winterjacke dienen sollen, wird mit diesem Betrag sicherlich wenn überhaupt, dann nur einen symbolischen, Beitrag zur Kostendeckung beitragen können. Im Übrigen erhalten Asylbewerber zumindest in Deutschland ein kleines Taschengeld zur Deckung des wichtigsten Bedarfs. Es darf daher bezweifelt werden, ob sich der Verwaltungsaufwand überhaupt lohnt.

In sofern soll diese Maßnahme erst einmal den rechten Deppen unter den Wählern als Signal dienen: „Wir tun was!“ und weniger ein konkretes Problem lösen.

Ähnlich verhält es sich mit der Durchsuchung von Smartphones. Jeder, der sich in letzter Zeit einmal für eine Reise in die USA interessiert hat, wird über den Einsatz von Tools nachgedacht haben, die sein Gerät für die Durchsuchung bei der Einreise optimieren und Apps sowie Zugangsdaten und private Dokumente in die Cloud schieben und temporär löschen.

Wie immer, wenn Populisten irgendwelche Gesetze beschließen, die Stärke und Entschlossenheit zeigen sollen, handelt es sich dabei in Wirklichkeit um Beruhigungspillen für die eigenen Wähler, deren Horizont über KRONE/BILD und einem Konto bei der Filialbank um die Ecke nicht hinausgehen dürfte.

Für die meisten Wähler populistischer Parteien kommen die Geflüchteten ja sowieso aus irgendwelchen unterentwickelten Ländern, nur um es sich in unseren Sozialsystemen gemütlich zu machen.

Wenn man sich nur die Dauer und die durchschnittlichen Kosten einer mehrmonatigen Flucht durch x Länder ansieht, so muss man zwangsläufig zu der Erkenntnis kommen, dass hier eher die Mittelschicht flieht oder aber ziemlich viele Verwandte das Geld für ein Mitglied der Familie zusammenkratzen mussten.

Wer, mit Hilfe von Google Maps, Messengern und Facebook-Gruppen seine Flucht auf dem Smartphone organisiert und den Kontakt mit der Familie in der Heimat und am Zielhort hält oder sich mit Schleppern abspricht, dem sollte man schon zutrauen, alleine schon wegen der Widrigkeiten auf der Flucht, möglichst ein aufgeräumtes Smartphone mit sich herumzutragen, auf dem man nicht zu viele Hinweise hinterlässt, die einen als attraktive Geisel für Erpressungsgeldforderungen erscheinen lassen.

Und was das Thema Bargeld angeht: Es ist kein Wunder, dass eine solche Maßnahme natürlich im deutschsprachigen Raum Befürworter findet, wo man sich ein Leben ohne Bargeld nicht vorstellen kann und selbst schon Probleme damit hat, einen in Stockholm üblichen bargeldlosen Flohmarkt für möglich zu halten.

Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer es bspw. in einem afrikanischen Land gewohnt war, seine alltäglichen Zahlungen mit Systemen wie M-Pesa via SMS durchzuführen, der wird früher oder später auch auf die Idee kommen, sich einen Dienst zu suchen, mit dem man international an sein Geld kommt. Auch ohne auffällige goldene Amex. Menschen aus muslimischen Ländern werden wohl eher dem informellen Hawala-System vertrauen und sich so unterwegs den Nachschub an Geld sichern. Egal ob es sich dabei um eigenes Geld oder Zuschüssen der Verwandten zuhause handelt.

Am Ende wird man also ein paar armen Schluckern ein paar Euro abknöpfen und vielleicht den Namen von zwei drei technisch nicht versierten Fastrentnern mit Hilfe rechtlich fragwürdiger Durchsuchungen feststellen. Wer aber einigermaßen im Hier und Jetzt lebt, sich etwas mit Technik beschäftigt, der wird auch ohne kriminelle Absichten über solche Maßnahmen lachen.

Ich hätte da mal einen Tip an FPÖ (und AfD): Anstatt solche schwachsinnigen Säue durchs Dorf zu treiben, könnte man sich ja mal Gedanken über ein sinnvolles Einwanderungsrecht machen (für die, die ihr Glück weitab der Heimat suchen wollen) und weiterhin damit aufhören, Waffen in alle Welt zu liefern, korrupte Regimes zu unterstützen und mit der EU-Außenhandelspolitik Märkte in Schwellenländern zu zerstören.

Und es tut sich was…

Nachdem in diesem Jahr der Brezelbäcker Ditsch mit seinen Bahnhofsfilialen den Anfang gemacht hat und mit kontaktloser Kartenzahlung gestartet ist, folgen immer mehr kleine und größere Betriebe diesem Beispiel.

Ein direkter Wettbewerber um Pendlerkunden ist das Plattlinger Unternehmen yorma´s, das ebenfalls vornehmlich an Bahnhöfen mit Convenience Stores vertreten ist. Während man bei Ditsch auf fest montierte Terminals an jeder Kasse setzt, kommen bei yorma´s mobile Terminals ohne Kassenanbindung zum Einsatz. Das mag für den Einstieg OK sein,  wird bei steigender Einsatzfrequenz natürlich zu einem Bremsklotz werden.

Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass yorma´s die Kartenakzeptanz sehr offensiv bewirbt. Neben entsprechenden Posts auf den Socialmedia-Kanälen präsentiert bspw. die Filiale im Hamburger Hauptbahnhof auf mehreren Flatscreens die entsprechenden Logos unübersehbar für Kunden. Ähnliches wurde mir auch aus München berichtet.

Abseits der bundesweit präsenten Franchise-Betriebe entscheiden sich auch immer mehr regionale Bäckerei- und Café-Ketten für die Einführung von Kartenakzeptanz. Einige Beispiele:

Sparkassen und Genossenschaftsbanken arbeiten aktuell ebenfalls daran, in ihren Geschäftsgebieten lokal tätige Bäckereien zu akquirieren. Das ist in sofern sehr schlau, als dass man gerade bei nahezu täglich stattfindenden Einkäufen, sei es nun das Frühstücksbrötchen oder  der Coffee-To-Go, sehr schnell die Vorzüge der kontaktlosen Kartenzahlung schätzen lernt. Und wer einmal kleinere Beträge schnell und komfortabel kontaktlos beglichen hat, wird in Zukunft seine Karte noch häufiger als bisher einsetzen. Passend dazu auch der „Jetzt anfangen“-Spot von @girocard.

Um ehrlich zu sein, hätte ich vor zwei Jahren nicht erwartet, wie schnell das plötzlich geht.

Vielen Dank für das Foto an @regnerischerTag

„Mit Karte bitte“ heißt nicht mehr unbedingt mit girocard

Wie Kontaktlostechnologie und neue Wettbewerber am Bankenmarkt das Nutzerverhalten verändern

Die girocard als Nachfolgerin der EC-Karte war über viele Jahre die Standardkarte der deutschen Bankkundinnen und Bankkunden. Zu nahezu allen Girokonten wurde eine solche Karte mit ausgegeben. Mit ihr ließ sich bequem Geld am Geldautomaten abheben, Kontoauszüge ziehen oder im Geschäft bezahlen. Wenn man denn wollte. Letztere Möglichkeit kam in der Regel eher für höhere Beträge ab 50€ zum Einsatz.

Mit MasterCard und VISA verband der deutsche Bankkunde seit je her automatisch Kreditkarten. Banken verknüpften teilweise sehr hohe Anforderung an die Bonität des Kunden mit der Ausgabe einer solchen Karte. So verwundert es nicht, dass nur ein kleiner Teil der deutschen Kunden überhaupt eine solche Karte besitzt.

Derjenige, der eine solche Karte besitzt, lässt sich nicht selten in der Schublade verstauben und setzt sie höchstens einmal zur Buchung einer Reise, beim Edelitaliener oder zum Einkauf im Netz ein, wenn es keine andere Bezahlmöglichkeit gibt.

Der Logik folgend, funktionierte auch die Kommunikation der Zahlungsdienstleister in Richtung Handel und Gastronomie. Es galt die Faustregel: girocard muss sein. Ausländische Debitkarten („Maestro“ oder „V-Pay“) sollte ein Händler akzeptieren, der in Grenznähe zu den Benelux-Ländern oder Österreich sein Geschäft betreibt. Kreditkartenakzeptanz wurde stets mit Tourismus und hohen Umsätzen wohlhabender Kunden in Verbindung gebracht.

Soweit so gut. Aber stimmt das heute wirklich noch?

Auf diese Frage kann man nur mit einem klaren „Nein“ antworten, denn bereits seit Jahren steht bei Banken wie der ING-DiBa oder DKB die VISA-Karte im Mittelpunkt. Die ING-DiBa verrechnet Umsätze einzeln mit dem Girokonto und damit handelt es sich bei dieser Karte eigentlich um eine Debitkarte. Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank führt man gerade die „Debit MasterCard“ ein, die allen Kunden die Akzeptanzvorteile einer MasterCard bietet.

Junge Internet- oder Smartphone-Banken wie N26, Fidor, Revolut, bunq und Co. verzichten komplett auf die girocard. Hier gibt es in der Regel eine Debit MasterCard oder eine Maestro-Karte zum Konto. Selbst eine der ältesten Online-Banken der Republik, die netbank, hat zum Oktober diesen Jahres alle girocards deaktiviert und durch Debit MasterCard ersetzt.

Wer heute mit dem Smartphone zahlen möchte und Apps wie boon oder SEQR nutzt, verwendet ebenfalls eine virtuelle MasterCard.

Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben ihre Kreditkarten inzwischen auch mit der NFC-Technologie ausgestattet, so dass auch die Kunden dieser Institute bequem kleinere Beträge mit Kreditkarte kontaktlos begleichen können.

Was heißt das für den Handel?

Für Handel und Gastronomie bedeutet das, dass eine alleinige Akzeptanz der girocard früher oder später zu Problemen auch mit deutschen Kunden führen wird. Ganz zu schweigen davon, dass Gäste aus dem Ausland in diesem Falle sowieso zu unfreiwilligen Barzahlern würden.

Das kontaktlose Bezahlen kann dort auftrumpfen, wo in kurzer Zeit viele Kunden bedient und abkassiert werden wollen. Neben der Supermarktkasse kommen hier natürlich Bäckereien, Cafés und Fastfood-Restaurants in den Sinn. Aber gerade dort sind die Rechnungsbeträge häufig gering, teilweise sogar unter 2€.

Um Kunden nicht mit Mindestumsätzen und Surcharging (Kosten für Kartenzahlung) verärgern zu müssen, ist es wichtig, dass man sich als Geschäftsinhaber nach geeigneten Zahlungsdienstleistern umschaut. Idealerweise nach solchen, die keine fixe Postengebühr erheben und keine oder nur geringe Unterschiede bei der Bepreisung der Abwicklung der unterschiedlichen Kartenarten machen.

Brezeln bargeldlos: NFC Rollout bei Ditsch

Kontaktlose Kartenzahlung ist schneller und hygienischer als Zahlungen mit Münzen und Scheinen. An Orten, wo unverpackte Lebensmittel und hohe Kundenfrequenz zusammenkommen, kann die Technologie ihre Stärken also voll ausspielen.

Da ist es nur logisch, dass der Mainzer Brezelbäcker Ditsch seine Filialen bundesweit mit Kartenterminals ausstattet. Ditsch findet man hauptsächlich an hoch frequentierten Orten wie Bahnhöfen und in Einkaufzentren. Zum Sortiment gehören neben Brezeln auch Mini-Pizzen, Croissants und Baguette.

Ditsch setzt auf das altbekannte Verifone H5000-Terminal, wie man es auch von Lidl, Kaufland und Esso her kennt. Die Geräte sind gut erreichbar und im Blickfeld des Kunden montiert. Aktuell ziert das Gehäuse ein Hinweisschild auf die kontaktlose Bezahlung u.a. mit girocard, VISA und MasterCard.

Die Abwicklung der Zahlung funktioniert äußerst schnell. Die Anbindung an der Kassensystem erspart die manuelle Eingabe des Betrags und anschließende Bestätigung am Kassensystem. Die Autorisierungszeiten der Zahlung lagen zwischen „nicht messbar“ (MasterCard Credit) und knapp unter 2 Sekunden (girocard der Sparkasse mit Online-Präferenz).

Bei meinen Testeinkäufen gab es weder irgendwelche Mindestumsätze noch komische Kommentare bzgl. der Bonhöhe. Die Mitarbeiterinnen sagten allerdings jeweils „Sie können die Karte jetzt einstecken“. Es gab jedoch keine fälschlichen Aufforderungen zum Unterschreiben des Belegs. In sofern durch und durch ein positives Kundenerlebnis, wie man es gerade am Anfang bei fast allen anderen Retailern vermisst hat.

Im Gegensatz zu anderen Franchiseketten wie bspw. McDonald’s scheint man in Mainz das Thema Payment zentral und ernsthaft zu betreiben und seine Agenturpartner genannten Franchisenehmer auf der Reise in die neue Bezahlwelt mitzunehmen. Ich habe von anderen Twitterern bislang noch keine Hinweise auf Einschränkungen bzgl. Kartentypen oder Mindestumsätzen gehört. Fragen zum Thema beantwortet das Social Media-Team auf Facebook sehr schnell und liefert auch Feedback aus der Fachabteilung.

Inzwischen hat auch Yorma´s, die ebenfalls an Bahnhöfen mit ihren Convenience-Stores vertreten sind, angekündigt bald Kartenzahlung zu akzeptieren:

Stellt sich nun noch die Frage, wie die frisch zum Valora-Konzern gehörende neue Schwester BackWerk mit Kartenzahlung umgehen wird. Bislang konnte man sich nur dazu durchringen, ein NFC-basiertes ClosedLoop-Verfahren bei einigen Franchisestores zu implementieren. Gerade bei BackWerk begegnen einem immer wieder haufenweise Hinweise auf die ausschließliche Bargeldakzeptanz. Da scheint also auch Bedarf zu sein.

Mit Revolut in Danzig unterwegs

Vor Kurzem habe ich ein wenig über die Mehrwährungskarte von Revolut geschrieben. Während es damals um den Beantragungsprozess und die Funktionen in der dazugehörigen App ging, möchte ich Euch heute über meine Erfahrungen auf der ersten Reise mit Revolut nach Polen berichten.

Über das Einheitswochenende sollte es nach Gdańsk gehen. Die Reise begann, wie üblich, um 03:30 morgens am Freitag den 29.09.17. Mein Taxi habe ich per Taxi.eu-App extra mit Kartenakzeptanz bestellt. Um kurz vor Vier dann die ernüchternde Meldung „Karte nicht zugelassen“, die sich später auch im REWE to go des Kölner Bahnhof wiederholt hat. Leider hatte Revolut an dem Freitag ein Serverproblem, was sich bis in den späten Nachmittag hinziehen sollte. Nun gut. Ich reise halt nie mit nur Karten einer Bank. Von daher: Ärgerlich, aber verschmerzbar.

Irgendwann liefen dann die Server von Revolut wieder und ich konnte aus dem fahrenden Zug heraus ein kleines Problem lösen. Ich besaß noch ein polnisches EUR-Konto mit einem Guthaben von 15 Cent. Eine Kontoauflösung mit Guthaben war nicht möglich und eine Überweisung in EUR kostet 5 PLN (ca. 1,20€). Also was Tun?

Ganz einfach: Per Revolut 9,85 EUR auf das Konto überwiesen und mit der, noch aktiven, Debit MasterCard flugs 10 EUR zurück auf das Revolut-Konto geladen. Wie schön, dass der Dienst auch bei solchen Edgecases hilft 😉

Akzeptanz in Polen

Da man in Polen eigentlich überall mit Karte bezahlen kann, kam die Revolut MasterCard natürlich dementsprechend häufig zum Einsatz. Überall dort, wo man kontaktlos bezahlen konnte, wurde in PLN abgerechnet und zunächst das Zloty-Guthaben bei Revolut belastet.

Egal, ob gesteckt oder per NFC erhält man kurz nach der Transaktion eine Pushnachricht mit den Details. Bei bekannten Händlern wird auch deren Logo eingeblendet. Die Erkennung der Umsatzart (Lebensmittel, Freizeit, Transport etc.) ist ziemlich akkurat.

In der Danziger Region benötigt man Bargeld wirklich nur für die, in ausreichender Anzahl vorhandenen, öffentlichen Toiletten und für Trinkgeldzahlungen, da viele Wirte Tipping per Karte nicht erlauben.

ÖPNV in der Dreistadt – Tarifhölle par Excellence

Wer in der Dreistadt (Gdansk, Gdynia, Sopot) mit dem ÖPNV unterwegs sein möchte, der steht leider vor einem absoluten Tarifwirrwarr.

Je nach Stadt gibt es Fahrkartenautomaten (Kartenakzeptanz, teilweise NFC) oder nur Verkauf beim Fahrer. Es gibt Tickets des jeweiligen kommunalen Verkehrsbetriebs, Tickets des Verkehrsverbunds und Tickets für die S-Bahn ähnliche SKM.

Und man sollte wissen, dass ein Ticket für eine einzelne Fahrt „Bilet jednorazowy“ mit Verlassen des Fahrzeugs seine Gültigkeit verliert, also beim Umstieg ein weiteres Ticket benötigt wird. Natürlich gibt es auch ein „Bilet czasowy“ dass für eine Stunde gilt, aber nicht als Handyticket gelöst werden kann.

Wer diesen ganzen Mist umgehen möchte und dazu noch die regionalen Eisenbahnen (SKM, PKM, PR) nutzen möchte, geht an einen Schalter der SKM und verlangt nach einem „Bilet metropolitalny wszystkich organizatorów“ welches es als 24h und 72h Ticket gibt.

An den Schaltern der SKM kann man problemlos mit Mastercard, also auch mit der Revolut-Karte, bezahlen.

Vorsicht vor DCC („Dynamic Currency Conversion“)

Bei gesteckten Zahlungen (u.a. an Geldautomaten, aber auch am POS) kommt inzwischen fast immer die nervige Frage nach der Währungsumrechnung. Hier gilt es, wie bei allen anderen Karten auch, peinlich darauf zu Achten, dass man in der jeweiligen Landeswährung bezahlt.

Vereinzelt soll es DCC auch in Polen mittlerweile kontaktlos geben. Das ist mir dort bisher nicht untergekommen. Beim Check-out im Hotel Mercure wurde prompt auch bei kontaktloser Zahlung nach DCC gefragt. Etwas Wachsamkeit schadet aber nie!

Währungen halten

Viele werden jetzt sagen: Das kann meine N26, Fidor oder DKB-Karte (teilweise) auch! Wieso also Revolut?

Es gibt natürlich eine Reihe von anderen Angeboten in Deutschland, wo zum jeweils aktuellen Tageskurs ohne Aufschlag umgerechnet wird. Wie der Kurs am jeweiligen Tag aussieht, kann man als Kunde jedoch nicht beeinflussen.

Gerade für Menschen, die häufiger in bestimmte Länder reisen, kann es jedoch interessant sein, die jeweilige Landeswährung dann zu kaufen, wenn sie gerade mal etwas schwächelt.

Genau das, geht mit der Revolut-App mit wenigen Klicks. Da ich häufig in Polen bin, ist es für mich natürlich schon interessant, bei einem schwachen Zloty zuzugreifen.

Gerade bei sehr volatilen Währungen, kann man mit der Revolut App den einen oder anderen EUR sparen, wenn man sich rechtzeitig eindeckt.

Fazit

Jeder, der häufig in Länder ohne EUR reist, sollte sich Revolut definitiv einmal anschauen.

Aktuell gibt es eine spezielle Promotion für den deutschen Markt: Die normalerweise fälligen 6€ für den Versand der ersten Karte entfallen momentan, so dass man Karte und App völlig kostenlos selbst testen kann.

Warum viele Kartenzahlung als langsam empfinden

Eines der beliebtesten Argumente der Kartenzahlungsgegner lautet: „Kartenzahlung ist wesentlich langsamer als Barzahlung“.

Und in der Tat ist dieses Argument auch heute noch nicht immer völlig von der Hand zu weisen. Umso wichtiger ist es einmal zu beleuchten, woran das liegen kann und was jeder einzelne Kunde tun kann, damit das nicht so bleibt.

Die Dauer des Bezahlvorgang hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab, nämlich der eingesetzten Technik und den beteiligten Personen.

Kartenterminals und deren Anbindung an den Zahlungsdienstleister

Moderne Kartenterminals sind in der Lage Kartenzahlungen in wenigen Sekunden komplett abzuwickeln. Zwischen dem Bestätigen der PIN durch den Kunden und der Zahlungsgenehmigung vergeht im Idealfall nicht einmal eine Sekunde.

Neben einer schnellen Anbindung via DSL gibt es zusätzlich auch die Möglichkeit die Zahlung kleinerer Beträge komplett offline abzuwickeln und die Daten zeitversetzt zu übermitteln.

Neben einer direkten Prüfung der PIN gegen die Karte (Offline-PIN) kann der Kartenherausgeber einen gewissen Betrag festlegen, unterhalb dessen eine Online-Autorisierung nicht erfolgen muss. Die girocard hat darüber hinaus noch einen weiteren Speicher. Dort kann eine wöchentliche Gesamtsumme festgelegt werden, die offline abgerechnet werden kann. Der Zähler wird bei jeder Online-Zahlung oder Geldautomatenbesuch zurückgesetzt.

Früher war es auch nicht unüblich Terminals via ISDN oder sogar analogem Modem anzubinden. Neben der benötigten Zeit für den Aufbau der Verbindung, sorgen auch immer wieder kleine Alltagsfallen für Verzögerung. Das typische Beispiel ist das kleine Hotel, dessen wenige Amtsleitungen durch Gäste und das Fax der Rezeption belegt werden. Da kann es dann schon einmal eine Minute oder länger dauern bis ein Bezahlvorgang endlich abgeschlossen werden kann.

Gerade in der Gastronomie kommen heutzutage gerne Terminals mit WLAN-Anbindung oder GPRS-Mobilfunkkarte zum Einsatz. Bei beiden Technologien ist es natürlich wichtig, dass auch am hintersten Tisch oder Draußen auf der Terrasse ein Signal in ausreichender Stärke vorhanden ist. Dennoch  achtet hierauf kaum einer. Irgendwann werden die Gäste halt wieder entnervt zum Tresen gebeten, um ihren Deckel zu begleichen. Auch dadurch verliert man Zeit.

Fehlende oder schlechte Kassenanbindung der Terminals

Im Supermarkt oder bei McDonald’s ist es längst Standard, dass der zu zahlende Betrag von der Kasse an das Kartenzahlungsterminal übermittelt wird. Der Kunde muss dann idealerweise lediglich seine Karte vor das Terminal halten oder die Karte einstecken und mit der PIN die Zahlung freigeben.

An dieser Stelle lauern gleich mehrere Zeitdiebe:

  • Elektronisches Lastschriftverfahren (ELV) und ältere Kreditkarten erzeugen einen Beleg, den der Kunde unterschreiben muss. Da ein Kugelschreiber nur in den seltensten Fällen auf Thermopapier sofort funktioniert und auch die Unterschrift kontrolliert werden möchte, kann man diese Verfahren getrost als „Kartenzahlung zum Abgewöhnen“ bezeichnen.
  • Karten mit mehreren unterstützten Bezahlverfahren können Terminal und Kunde vor eine ziemliche Herausforderung stellen. Als Beispiel sei die Tankstellenkette ARAL genannt. Nach Einstecken der girocard in das Terminal von ICP wird erst einmal von lautem Klacken des Auswurfmechanismus begleitet, geprüft ob ARAL dem Kunden das Lastschriftverfahren „anbieten“ möchte oder doch eine durch PIN gesicherte Zahlung im girocard-Netzwerk erfolgen soll.
  • Eine fehlende Kassenanbindung sorgt dafür, dass die Kassenkraft das Terminal zunächst zu sich zieht, den Zahlbetrag eintippt und dann ggf. den Kunden noch um seine Karte bittet. Nach erfolgter PIN-Eingabe nimmt die Kassenkraft vielfach das Terminal wieder zu sich und kontrolliert Displayausgabe und den Händlerbeleg ob auch „Zahlung erfolgt“ vermerkt seht. Ggf. wird der Beleg dann wieder dem Kunden gereicht, um eine Unterschrift zu Leisten.
  • Eine schlecht programmierte Kassenanbindung, wie man sie bspw. bei Rossmann antrifft, sorgt für endlose Wartezeit zwischen der erfolgten Genehmigung der Zahlung und dem Ausdruck des Kassenbons. Auch Lidl hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Mal erwartete die Kasse bei bestimmten Bezahlarten eine manuelle Eingabe der Kassenkraft („Unterschrift? [0]=nein [1]=ja) oder nahm sich ohne ersichtlichen Grund eine Bedenkzeit von bis zu drei Sekunden bis zum Beginn des Bondrucks. Diese Probleme tauchen auch regelmäßig nach Updates der Kassensoftware wieder auf.
  • „Anwendungsauswahl am POS“ ist ein Zwangsfeature mit dem die EU uns Kunden beglückt hat. Seit dem 9.6.2016 sollte der Kunde wählen können, ob – entsprechende Akzeptanz vorausgesetzt – er mit girocard oder dem meist auf den Karten vorhandenen internationalen Co-Badge Maestro bzw. V-Pay zahlen möchte. Händler, die die entsprechende Verordnung wortgetreu umgesetzt haben, bieten dem Kunden nach Stecken der Karte erst einmal einen Auswahldialog, dessen Sinn weder der Kunde noch die meisten Kassenmitarbeiter verstehen. Beispiele sind Esso und die Restaurantkette Marché.

Faktor Mensch

Während die technischen Herausforderungen in der Regel durch aktuelle Terminals und eine gute Betreuung der Händler durch ihre Zahlungsdienstleister und Softwareentwickler verhältnismäßig leicht in den Griff zu bekommen sind, entsteht die meiste Wartezeit durch den Faktor Mensch.

Nehmen wir als Beispiel eine klassische Situation in einem Restaurant. Der Gast bittet um die Rechnung und die Servicekraft entschwindet sofort in Richtung Tresen, um dann mit Kassenbon und Portemonnaie zu den Gästen zurückzueilen. In diesem Fall hätte der Gast natürlich direkt „Mit Karte bitte“ sagen können. Die Servicekraft hätte aber auch aktiv fragen oder das mobile Terminal ungefragt mit an den Tisch bringen können.

Auch im Supermarkt sieht es selten besser aus. Selbst wenn der Kunde seine Karte bereits in der Hand hält, wird häufig erst der Betrag genannt und vom Kunden erwartet, dass er „Mit Karte bitte“ sagt. Wiederum vergehen endlose Sekunden.

Ein Extrembeispiel habe ich heute morgen an der Kasse bei ALDI erlebt. Eine Kundin hatte knapp 20€ zu bezahlen. Nach dem Einpacken der Ware in ihre mitgebrachte Tasche holte sie ihr Portemonnaie hervor, öffnete zuerst das Münzfach, dann das Banknotenfach, worauf sie feststellte, dass ihr Bargeldvorrat nicht ausreichte. Daraufhin bat sie um Kartenzahlung, schloss die beiden Fächer, öffnete ein weiteres Fach, kramte ihre girocard hervor, die sich in einer Schutzhülle befand. Karte gesteckt, PIN eingegeben, Karte wieder in die Schutzhülle und anschließend ins Portemonnaie bugsiert. Dieses geschlossen und in der Handtasche verstaut. Insgesamt hat der Vorgang fast eine Minute benötigt. Erst danach konnte der nächste Kunde (ich) abkassiert werden.

Der Herr hinter mir war schon sichtlich genervt, als er meine Karte sah. Während der Kassierer meine drei Teile scannte, bat ich direkt um Kartenzahlung, habe sofort die kontaktlose Karte ans Terminal gehalten und keine zwei Sekunden später war der Bon gedruckt.

Fazit

Neben den technischen Faktoren, die sich durch die weitere Verbreitung der kontaktlosen Zahlverfahren mit der Zeit relativieren, ist der größte Bremsklotz am POS immer noch der Mensch.

Im Interesse aller nachfolgenden Kunden und um mit dem Vorurteil der langsamen Kartenzahlung aufzuräumen bitte:

  • Rechtzeitig und klar verständlich den Wunsch mit Karte zu zahlen äußern
  • Die Karte bereit halten oder das Smartphone für die Zahlung vorbereiten
  • Gerade in hochfrequentierten Geschäften auf kontaktlose Zahlverfahren oder Karten mit PIN-Eingabe setzen

In diesem Sinne: Viel Spaß bei Eurem Training am POS 😉

Stuttgart: Mein erstes Barcamp

Ich habe in der Vergangenheit viele Konferenzen besucht. Meist waren dies Treffen von Anwendern einer bestimmten Software wie bspw. die DNUG Jahreskonferenzen oder auch Kundentage von IT-Unternehmen. Teilweise habe ich diese auch mit ausgerichtet oder war Sprecher zu dem einen oder anderen Thema.

Eines hatten alle Konferenzen bislang gemeinsam: Der größte Teil des Programms bestand aus Powerpoint-Vorträgen, garniert mit ein paar Live-Klicks, die einem zumeist passiven Teilnehmerkreis präsentiert wurden. Höhepunkt der Interaktion war zumeist die „Ask the IBM“-Session, die man eher „Schlag‘ die IBM“ nennen sollte.

Am Ende einer Session blieb es immer verdächtig ruhig. Außer den beiden üblichen Fragestellern in jeder Runde: Null Feedback. Freundliches Klatschen. Das wars. Das eigentliche Feedback bekam nur, wer sich zu den Leuten an den Kaffeetisch gesellte. Da wurden sich die Münder fusselig geredet.

Frontalunterricht wie zu Kaiser´s Zeiten

In den letzten Jahren reifte in mir eine immer stärker werdende Ablehnung gegen solche Veranstaltungsformen. Im Netz habe ich schon häufiger von den sogenannten Barcamps (auch Un-Konferenzen) gelesen. Dennoch hatte ich eine nur vage Vorstellung, was auf einem solchen Camp tatsächlich passiert.

Angefixt vom Blogger-Kollegen @tmmd habe ich mich dieses Jahr zum Barcamp Stuttgart angemeldet. Dieses Barcamp ist ein Themen offenes Barcamp. Im Gegensatz zu Treffen von Foodbloggern, Typo3-Cracks und Personalentwicklern, darf man sich hier nicht wundern, wenn neben Empfehlungsmarketing, SEO und Website-Tuning auch Spiele-Sessions, Erfahrungsberichte über Depressionen und BDSM auf dem Sessionplan auftauchen.

Die Konferenz bist Du!

Die Agenda des jeweiligen Barcamp-Tages wird am Morgen erst aufgestellt. Jeder, der eine Session anbieten möchte, stellt diese in wenigen Sätzen vor und fragt, wer sich dafür interessiert. Abhängig von der Anzahl der Interessenten und evtl. benötigter Technik wird dieser Session ein Zeitpunkt und ein Raum zugewiesen.

Ich wollte zuvor nicht glauben, dass sich auf der Basis bis zu 13 parallele Sessions auf die Beine stellen lassen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Rein ins kalte Wasser

Von Barcamp-Neulingen wird erwartet, dass auch sie sich mit einer Session einbringen. Damit verhindert man auch, dass die Hemmungen selbst aktiv zu werden, mit jeder tollen Session an der man teilgenommen hat, noch steigen.

Zu den jüngsten Sessiongebern gehörte ein Junge (ca. 10 Jahre) der eine Einführung in eine Programmiersprache gehalten hat.

Meine erste Sessions hießen „Hilfe, wir haben Lotus Notes!“ und „Cashless in Deutschland“. Zwei Themen, für die ich mich begeistere und wo es zu einem lebhaften und interessanten Austausch kam. Sowas wünsche ich mir eigentlich auch von der DNUG.

Fazit

Abgesehen davon, dass ich mir den Termin für 2018 (15./16.9.2018) in meinem Kalender blocke, werde ich mir überlegen, wir man mit Elementen dieses Veranstaltungskonzepts auch eigenen Events mehr Leben einhauchen kann.

Ich kann jedem nur empfehlen, mal an einem Barcamp teilzunehmen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Revolut – Der Joker auf Reisen

Nach dem das Ende der Payback Maestro Karte im Juni 2016 besiegelt wurde, stellte sich mir wieder die Frage: Wie gehst Du mit Fremdwährungsumsätzen um. Für meine Polen-Reisen hatte ich bis vor Kurzem noch ein Konto bei der Alior Bank. Aber schon bei meinem Aufenthalt in der Schweiz im Januar, hieß es wieder: 1% Aufschlag.

Klar hätte ich mir ein Konto bei N26 oder Fidor holen können. Aber der Deutsche trennt sich bekanntermaßen eher von seiner Ehefrau als von seiner Bank.

Eine inzwischen nicht mehr ganz so neue Lösung bietet das britische Fintech Revolut  mit einer Prepaid-Mastercard (NFC-fähig) und einer dazugehörigen Smartphone-App.

Was macht die Revolut-Karte

Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine Karte, mit der man ohne Aufschlag in aktuell 120 verschiedenen Währungen bezahlen kann und 25 Währungen halten kann.

Zwischen den Währungen kann man einfach in der App Gelder transferieren. An Werktagen ist der Kursaufschlag nur minimal und immer günstiger als bei den deutschen Geschäftsbanken. Am Wochenende wird der sog. Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis für eine Währung immer etwas höher. Wer also verreist, sollte immer darauf achten, genügend Reserven in der jeweiligen Währung vorzuhalten.

Bei Bezahlung wird zunächst das Guthaben in der jeweiligen Währung belastet. Reicht dieses nicht aus, so wird auf die anderen Währungen zurückgegriffen und die Beträge entsprechend umgerechnet.

Schön finde ich, dass man in der App auf vielfache Weise Sicherheitseinstellungen für die Karte beeinflussen kann. Von einer temporären Komplettsperre, der Änderung der PIN bis hin zur Sperrung von Umsätzen mit Magnetstreifen, NFC-Zahlungen un Geldautomatennutzung. Spannend finde ich die Möglichkeit Kartenumsätze nur zu genehmigen, wenn sich das Handy des Karteninhabers in Nähe des Bezahlterminals aufhält. Hierzu kommuniziert die App den Standort des Nutzers.

Leider unterstützt die Karte aktuell kein Mastercard SecureCode. Durch die Möglichkeit, Fernabsatz-Zahlungen in der App zu sperren, ist dies aber durchaus akzeptabel.

P2P-Überweisungen

Ähnlich, wie man es bereits von PayPal kennt, kann man per Revolut Geld an Freunde und Familie transferieren. Dabei scannt die App zuerst, wer von den Kontakten im Adressbuch auch Revolut-Nutzer ist. Geldversenden funktioniert aber auch sehr einfach an Nicht-Revolut-Nutzer. Für diese wird ein Link generiert, der sich per E-Mail oder SMS verschicken lässt. Der Empfänger klickt den Link an und gibt einfach seine Bankdaten ein oder kann sich an Ort und Stelle dafür entscheiden, Revolut-Nutzer zu werden.

Im Gegensatz zu KWITT der Sparkassen, funktioniert dies auch einwandfrei mit Konten im Ausland. Genau das Richtige für den „international Lifestyle“ den das Fintech propagiert.

Eine neue Funktion in der App unterstützt auch das Aufteilen von Rechnungen („Split bill“).

Geld aufladen

Geld lässt sich ganz einfach per SEPA-Überweisung auf das Revolut-Konto übertragen. Das dauert in der Regel unter zwei Tage. Für Zahlungen in EUR und GBP erhält der Benutzer eine eigene IBAN (GB-Konto). Wer Zahlungen in anderen Währungen entgegennehmen möchte, der kann sich für jede Währung getrennt Bankdaten in der App anzeigen lassen. Dabei handelt es sich dann aber um Sammelkonten und es ist wichtig, dass der Absender den in der App angezeigten Betreff auch wirklich in die Überweisung hineinschreibt.

Eine weitere Möglichkeit zum „Top-up“ ist der Einsatz von Debit- oder Kreditkarten. Mit der Android-App lassen sich NFC-fähige Karten direkt auslesen. Ansonsten kann man eine Karte auf per Fotoscan in die App übernahmen.

Erkennt das System die verwendete Karte als Debit-Karte (auf Basis der verwendeten BIN-Datenbank), so ist das Aufladen kostenlos. Bei Kreditkarten fallen 1% Gebühren an.

Meine Sparkassen-VISA wird jedenfalls als Debitkarte erkannt!

Die App unter iOS bietet auch die Möglichkeit, per Apple Pay sein Revolut-Konto aufzuladen. Zumindest mit der virtuellen Mastercard von boon ist dies jedoch nicht möglich.

UK-Konto ohne Adressnachweis

Da der Benutzer mit Revolut eine GB-IBAN erhält und mit dem Konto auch Überweisungen empfangen und senden kann, eignet es sich ideal für diejenigen die für eine kurze Zeit in UK leben und arbeiten wollen. Revolut bezeichnet sein Produkt auch als „vollwertiges UK-Konto“.

Normalerweise kann der Prozess mit „Proof of identity“ oder „Proof of Address“ ziemlich nervenaufreibend sein.

Der Registrierungsprozess

Die Registrierung für Revolut ist denkbar einfach: App herunterladen, starten und seinen Ausweis von beiden Seiten abfotografieren. Dazu verlangt die App noch ein Selfie und das war´s. Bei mir hat es keine Stunde gedauert, bis das Konto eröffnet wurde.

Die Kosten

In der Basisversion ist das Konto komplett kostenlos. Die Revolut-Karte kostet einmalig 6€ und ist drei Jahre gültig. Im Preis inbegriffen sind ATM-Verfügungen bis zum Gegenwert von 200€ pro Monat.

Der Versand einer Ersatzkarte kostet aktuell 8€.

Seit Kurzem wird auch eine Premium-Variante angeboten. Das monatliche ATM-Limit verdoppelt sich auf 400€ pro Monat und die Karte sieht etwas edler aus. Eine weltweit gültige Reisekrankenversicherung ist ebenfalls inkludiert wie weitere Limiterhöhungen beim Währungstausch und verbessertem Customer-Support. Ob einem das die 7€ pro Monat Wert sind, muss jeder selbst entscheiden. Klar ist aber auch, dass kein Startup auf Dauer rein von kostenlosen Services leben kann. Irgendwann muss irgendwie eine Monetarisierung stattfinden.

Fazit

Für Kunden von Filialbanken eine ideale Ergänzung des eigenen Kartenbestands aufgrund der nicht vorhandenen Fremdwährungsgebühren.

Das Produkt eignet sich wegen der geringen Kosten auch besonders für die Bankkunden, die nur mal gelegentlich etwas mit Mastercard bezahlen wollen/müssen und ansonsten im Alltag mit ihrer girocard auskommen. Mit effektiv 2€ pro Jahr Gebühren und kostenlosem Aufladen/Einsatz der Karte schlägt Revolut fast jedes Prepaid-Produkt. Die Möglichkeit, die Karte per App komplett zu sperren und in die Schublade zu legen ist für den Anwendungsfall genial.

Wer sich viel im Ausland aufhält und gelegentlich auch schon einmal Zahlungen in Fremdwährung entgegennehmen muss/möchte, der wird mit dem Produkt seine Freude haben.

Anfang Oktober erfahrt ihr dann, wie sich die Karte bei ihrem ersten Einsatz in Polen bewährt hat.