Wer sich in diesem Sommer in irgendeinem sozialen Medium angemeldet hat, dem wird zwangsweise das Thema Trinkgeld über den Weg gelaufen sein. Sei es nun in irgendwelchen Ragebait-Posts aus den USA, in denen Wirte ihren Gästen irgendwie versuchen mitzuteilen, dass wer nicht mindestens 20% Tip da lässt, doch besser zuhause bleiben sollte oder die anlässlich einer Klage der Verbraucherzentrale Brandenburg gegen den hiesigen Starbucks-Lizenznehmer AmRest Deutschland, Diskussion um vorbelegte Trinkgeld-Buttons an Kartenterminals an Orten, wo man normalerweise keinen Tip hinterlassen würde.
In einem Restaurant mit Bedienung und unter der Voraussetzung, dass der Service gut war, lasse ich gerne 10% Trinkgeld da. Eine entsprechende Vorbelegung am Kartenterminal mit Standardwerten von sagen wir mal 5%, 10% und 15% hilft da natürlich schon. Etwas Anderes ist es natürlich, wenn der Wirt mit diesen gängigen Werten spielt. In einer Filiale von L’Osteria wurden daraus nämlich 9%, 12% und 20%. Sicherlich liesse sich über den entsprechenden Button auf dem winzigen Lightspeed-Terminal resp. dem Mobiltelefon der Bedienung ein abweichender Betrag eingeben, aber irgendwie greift man dann doch zum mittleren Wert. Komplett nervig finde ich diese Abfragen aber an irgendwelchen Verkaufsständen am Bahnhof oder SB-Terminals in der Systemgastronomie.
Kommen wir aber mal zum eigentlichen Thema: Man kann das Ganze nämlich auch für den Gast entspannter gestalten. In Polen ist mir in der letzten Zeit häufiger eine Lösung namens Global Tips begegnet. Hier kann der Gast in Ruhe einen QR-Code scannen und, je nach Konfiguration, „seinen“ Kellner anhand von Fotos auswählen und eine entsprechende Summe zukommen lassen. Die Mitarbeitenden haben auch die Möglichkeit, einen kurzen Hinweis zu hinterlegen, was sie sich von dem Trinkgeld leisten möchten (in diesem Falle „Ich sammle für ein Leben in Porto“). Das Ganze wird im Übrigen bei Global Tips um die Möglichkeit ergänzt, direkt Feedback bei Google Places zu hinterlassen und in der Speisekarte zu blättern. Bezahlen lässt sich mit Karte unter Eingabe der Kartennummer, Apple Pay/Google Wallet und natürlich BLIK.
Der größte Vorteil ist hier eindeutig, dass man das Ganze in Ruhe machen kann und nicht am Terminal herumfummeln muss, während der Kellner einfach nur den nächsten Gast bedienen möchte. Scannt man den QR-Code von Global Tips, so wird automatisch ein App Clip installiert. Dabei handelt es sich um eine Mini-Anwendung, die sich auch von zuhause aus noch bequem aufrufen lässt:

Alles in Allem eine sehr schöne Sache. Was allerdings direkt ins Auge springt: Auf die gegebene Trinkgeldsumme schlägt der Anbieter seine Transaktionskosten drauf. Ich persönlich finde das fair, andere Gäste dürfte das zunächst etwas abschrecken. Normalerweise sieht man die Kosten der Kartenzahlung als Gast ja nicht.

