BackWerk Bezahlkarte: Ernsthaft?

Eine der am Schnellsten wachsenden Franchiseketten in Deutschland ist BackWerk aus Essen. Viele der SB-Bäckereien findet man in 1a Lagen wie Einkaufsstraßen und Bahnhöfen. Genau wie bei ALDI Süd und Lidl legt in man letzter Zeit mehr Wert auf ein modernes Erscheinungsbild und gesteigerte Aufenthaltsqualität wie bspw. im Bremer Hauptbahnhof.

Die BackWerk-Franchisebetriebe akzeptieren in Deutschland fast ausschließlich, wie so viele ihrer Wettbewerber, lediglich Barzahlung. Eine Ketten weite Payment-Strategie gab es bislang leider nicht. Dass es durchaus Nachfrage nach einer unbaren Bezahlmethode gibt, zeigen nicht nur einzelne Franchisenehmer die Karten akzeptieren, sondern auch viele Filialen in denen mehr Schildchen mit „No card payment“ hängen als es dort Brötchen zu kaufen gibt.

Für Stammkunden, die sich auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig einen Kaffee und ein belegtes Brötchen holen kommen so schnell werktäglich 4€ zusammen. Macht in einem durchschnittlichen Arbeitsmonat also 88€ Bargeldbedarf. Was liegt also näher, als dem Kunden hier das Leben zu erleichtern.

Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen in der Essener Franchisezentrale. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit einer Vertreterin des Unternehmens vor zwei Jahren auf einem unserer Kundentage erinnern, wo ich damals deutlich darauf hingewiesen habe, dass die Zukunft den kontaktlosen Verfahren mit gängigen Bank- und Kreditkarten gehört.

Vor einigen Tagen veröffentlichte BackWerk auf seiner Facebook-Seite eine News über die neue BackWerk-Karte. Eine NFC-basierte Kundenkarte die sowohl Loyalty-Funktionen besitzt (anstelle der Stempelkarte die einem den jeweils elften Kaffee gratis gewährt) und zur Bezahlung in den Bäckereien dienen soll. Für Android-Nutzer gibt es das ganze auch als App.

Die Sache hat nur einen Haken: Man kann online zwar seinen Konto- & Punktestand einsehen aber das war es dann auch. Das Aufladen der Karte funktioniert ausschließlich gegen Bargeld in den teilnehmenden BackWerk-Filiallen.

Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2017. Das Jahr, indem nicht nur der NFC-Rollout bei den großen Handelsketten (mit Ausnahme von EDEKA, aber das ist eine andere Geschichte) abgeschlossen ist, sondern kompatible Terminals in Cafés, Gaststätten, Zeitungsläden und sogar an den Bahnhofstoiletten finden sind. 2017 ist auch das Jahr, indem die Sparkassen ihre Kreditkarten mit NFC ausstatten werden. Und selbst für den Otto-Normalverbraucher hat sich etwas getan: Des Deutschen liebste Karte, die girocard, ist kontaktlos. Genossenschaftsbanken und Sparkassen planen schon die Einführung der girocard als App für Android Smartphones.

Das Thema NFC nimmt langsam Fahrt auf. Ich sehe täglich stets mehr Leute kontaktlos auch für kleinere Beträge bezahlen. Vor einem Jahr war ich noch der Exot der partout seine Karte (oder das Smartphone) nicht aus der Hand geben wollte. Das ändert sich gerade schlagartig.

So richtig kann das mit der Closed-Loop-Karte also nicht Euer Ernst sein, oder? Klar, ihr sagt auf Eurer Facebook-Seite dass das bargeldlose (haha) Bezahlen nur ein Nebenaspekt sei. Aber mal im Ernst: Dieses ganze Stempelkartengedöns ist doch sowas von 1978. Wenn ich im Bahnhof stehe und die Schlange bei BackWerk zwei Mal länger ist, als bei Le Crobag, dann hole ich dort meinen Kaffee.

Ihr werdet jetzt sagen: Aber Starbucks macht doch auch so etwas. Ja, aber zum Einen ist BackWerk nicht Starbucks und zum anderen bietet deren Kundenkarte das Aufladen per Kreditkarte im Web oder im Store an und es gibt dazu dauerhafte Anreize wie den Extrashot Espresso im Gegenwert von 80 Cent. Pro Kaffee versteht sich.

Nun gut, der Kaffee ist bei Starbucks auch etwas teurer als bei Euch. Aber dennoch versucht man es dem Kunden in Sachen Payment gleich auf mehrere Arten leichter zu machen. Starbucks hat mit Ausnahme einiger von SSP betriebenen Stores seit Jahren kontaktlose Kartenterminals und das ohne einen Mindestumsatz. Ich zahle dort regelmäßig auch einen einfachen Espresso mit MasterCard.

Beruhigend finde ich übrigens, dass sich neben mir noch eine Vielzahl anderer User auf Facebook fragen, wieso man nicht auf kreditwirtschaftliche Standards gesetzt hat.

Da kann man nur sagen: Zeichen der Zeit nicht erkannt!

yomo – Ich bin raus!

Ich war von der Idee einiger Sparkassen, zusammen mit den Kunden, ein neues Kontoprodukt zu entwickeln sehr angetan. Den Ankündigungen zu Folge sollte es gegen N26 positioniert werden und durch eine kostenlose Basisversion junge Kunden davon abhalten, direkt nach Ende der Ausbildung (in der Sparkassen-Konten in der Regel kostenlos geführt werden) zu einem der vielen Wettbewerber abzuwandern.

Die Idee, mit dem Marktführer girocard an den Start zu gehen, fand ich zunächst recht schlüssig. Mit einer girocard in Kombination mit Maestro ist man zumindest im Euro-Raum sehr gut aufgestellt. Zahlungen in Fremdwährungen werden aber teilweise mit Postengebühren ab 77 Cent bestraft, so dass selbst der für Dresdner yomo-User nicht ungewöhnliche Abstecher nach Tschechien oder Polen unangenehm teuer werden kann. Insbesondere, wenn man bedenkt dass eine Strassenbahnfahrkarte in Breslau um die 70 Cent kostet.

Bereits die Art und Weise, wie die Kontoeröffnung funktioniert, schreckt ab. Die zehn beteiligten Sparkassen haben teilweise stark abweichende Gebühren bei der Nutzung von Debit- und Kreditkarten im Ausland. Man stelle sich mal vor, dass irgendwann jede deutsche Sparkasse yomo anbietet und man sich durch die Preis- und Leistungsverzeichnisse von aktuell 396 Instituten quälen darf. Nein Danke!

Jetzt kann man natürlich sagen: Wen interessieren schon Fremdwährungen. Die meisten sind froh, einmal im Jahr nach Mallorca fliegen zu dürfen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sowohl N26 als auch Fidor und sogar die zur Sparkassengruppe indirekt dazu gehörende DKB ohne Aufschlag operieren. Die DKB hat, völlig konträr zu restlichen Marktentwicklung, diesen Schritt erst im letzten Jahr gewagt weil offenbar ein Bedarf da war.

Beim Anspruch, ein modernes Kontoprodukt zu liefern, darf mit der girocard nicht Schluss sein. Auf Twitter wurden die User gefragt, was sie sich denn für weitere Produkte (MasterCard oder VISA, Debit oder Credit) wünschen und welche Funktionen die App bereitstellen soll. Weiterhin wurden User eingeladen, ihre Wünsche an das yomo-Team zu senden. Ich habe dies bspw. in einem Blog-Beitrag getan.

Viele Tester forderten ein öffentliches Forum zum Austausch. Damit hat man sich lange Zeit sehr schwer getan. Auf Eigeninitiative einiger Tester wurde dann irgendwann eine Möglichkeit zum Austausch per Slack geschaffen. Leider findet die Kommunikation dort zum größten Teil zwischen den Testern statt. Insbesondere dann, wenn es um die Zukunft des Produkts geht.

Bis heute gibt es keine öffentliche Roadmap, was die Tester denn noch so erwarten können. Statt klarer Ansagen wurde die Entwicklung eines Type-Ahead-Feldes zur Ergänzung von Empfängernamen und IBAN per Instagram-Story gefeiert. Die Funktion ist übrigens noch nicht in der aktuellen App-Version enthalten.

Nachdem ich das Thema jetzt schon einige Monate verfolge und seit April auch den aktuellen Stand testen konnte, steht mein Entschluss jedoch fest: Ich breche den Test ab.

Abgesehen von den immer noch präsenten technischen Unzulänglichkeiten wie einer zeitweise fehlerhaften Anzeige von Saldo und Buchungsposten, fehlt mir einfach die Perspektive.

Wenn ich ein Produkt entwickle, muss ich mich zwischen Innovation und „Me, too“ entscheiden. Möchte ich einem im Markt eingeführten Wettbewerber etwas entgegensetzen, so kommt es darauf an, in möglichst kurzer Zeit ein vergleichbares oder idealerweise besseres Produkt auf die Beine zu stellen. Das ist eindeutig nicht gelungen. Aktuell bietet yomo nur einen Bruchteil der Funktionen, die man als Sparkassenkunde von seinem bisherigen Konto kennt. Eine international und online einsetzbare Debit Mastercard ist nicht vorhanden. Selbst Paydirekt als „Alternative“ im Versandhandel lässt sich nicht nutzen. Hier schickt man den Kunden direkt zu PayPal, denen man ja eigentlich auch etwas entgegensetzen wollte.

Habe ich den Anspruch, etwas Innovatives zu schaffen, darf meine erste Amtshandlung aber auch nicht darin bestehen, mich den Restriktionen vorhandener IT-Systeme zu unterwerfen, die mein Vorhaben evtl. erschweren und wo es gilt, als erstes einmal Schnittstellen zu schaffen, die möglicherweise fehleranfällig sind.

Weiterhin muss die Kommunikation mit Kunden und Testern, offen stattfinden. Ich habe so das Gefühl, dass jegliche Aussage des yomo-Teams zuvor mit sämtlichen 396 Sparkassenvorständen abgestimmt werden muss. So kann das natürlich nicht funktionieren.

Ich sehe aktuell weder eine Strategie hinter, noch eine Zukunft für yomo.

Ich kann den Sparkassen daher nur raten, die Konfrontation mit dem Kartellamt zu suchen und ein bundesweit einheitliches Basiskontomodell zu schaffen, das für den Nutzer kostenlos ist. Es sollte neben der girocard eine kostengünstige Debitkarte von MasterCard oder VISA geben, die direkt mit dem Konto verbunden und ohne Bonitätsprüfung ausgegeben wird.

Aus der Kombination der Stärken der Sparkassen (Filialdichte, persönliche Ansprechpartner, erstklassiges Online- und App-Angebot, Vertrauen bei den Kunden in die Marke) lässt sich mehr herausholen als über den Versuch mit einem abgespeckten App-Konto gegen ein Startup wie N26 anzutreten, welches sich durch regelmäßige technische und kommunikative Pannen ständig selbst ins Knie schießt.