Verfrühtes Weihnachtsgeschenk: Erste Sparkassen mit Push-Mitteilungen für Kreditkarten

Ein Feature, das bei den jungen Challenger-Banken und Fintechs seit geraumer Zeit zum Standard gehört, hat bei den ersten Sparkassen nun auch Einzug erhalten: Push-Mitteilungen bei Kreditkarten-Autorisierungsanfragen.

Zu diesem Zweck wurde die schön länger bestehende Funktion des Kontoweckers im Online- und Mobile-Banking erweitert. Der Kontowecker konnte bislang bei bestimmten Umsätzen, Kontoständen und ausgeführten girocard-Buchungen Nachrichten versenden. Den Kunden stehen dabei E-Mail, SMS und Push-Nachrichten zur Auswahl:

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Die Push-Mitteilung enthält alle wesentlichen Daten der Autorisierungsanfrage sowie den obligatorischen Hinweis, dass es sich nicht um die endgültige Buchung handelt.

Nach erstmaligem Setzen des Weckers, dauert es jedoch ein paar Stunden, bis die Funktion auch tatsächlich aktiv ist. Ich habe den Wecker nachmittags eingerichtet und die darauf hin getätigten Einkäufe wurden erst einmal nicht berücksichtigt.

Einmal registriert, vergehen aber schon noch ein paar Minuten bis zur Benachrichtigung. Das ist inhaltlich verschmerzbar, schließlich „weiß man ja“, wo man gerade bezahlt hat, sollte aber zügig an die Geschwindigkeit von bspw. Revolut herankommen. Bei Zahlung mit der Revolut Mastercard rappelt das Handy kaum zwei Sekunden später, nachdem man im Handel den grünen „OK“-Knopf betätigt hat.

Während es begleitend zur Neueinführung des Kontoweckers sogar TV-Spots und eine Plakatkampagne gab, hat es dieses Feature klammheimlich ins System geschafft. Ich gehe aber davon aus, dass sobald alle Sparkassen die Funktion implementiert haben werden, auch hier noch mal ein wenig die Werbetrommel gerührt werden wird.

Damit neigt sich ein Jahr zu Ende, das für Sparkassen-Kunden eine ganze Reihe von überfälligen Innovationen gebracht hat:

  • Kontaktloses Bezahlen mit girocard, MasterCard und VISA.
  • Umstellung der Kreditkarten auf Chip & PIN.
  • Die erste Sparkasse (Siegen) testet die neue Debit MasterCard.
  • Vorbereitungen für eine Mobile Payment-Lösung auf HCE-Basis für Android-Telefone sind ebenfalls im Gange
  • Pilotprojekte mit Blue Code App-Payment

Schön wäre es jetzt, wenn auch der Kartenwecker für die girocard auf Autorisierungsanfragen reagieren würde, auch wenn dort außer dem Betrag aktuell nur die Terminalnummer zur Anzeige zur Verfügung steht. Wobei ich mich natürlich schon frage, wieso die Netzbetreiber keine Listen mit Terminal-ID´s und den dazu passenden Händlern per API zur Verfügung stellen.

Kosten

Bei 396 Sparkassen (Stand Januar 2017) ist es natürlich schwer allgemeingültige Aussagen zu treffen. In der Regel sind Push-Mitteilungen aber in den meisten Privatgirokonten kostenlos.

Bei Firmenkonten fallen bei meiner Sparkasse Bühl 3 Cent für eine Push-Mitteilung und 9 Cent für eine SMS an.

Führt man, so wie ich, Privat- und Firmenkonten mit der gleichen Benutzerkennung, so lässt sich als Abrechnungskonto das private Girokonto auswählen und somit sind die Mitteilungen auch für das Firmenkonto kostenlos.

Ergänzung: Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls dabei

Ich wurde von @slx13 darauf hingewiesen, dass die Genossen den Service inzwischen auch anbieten. Im Gegensatz zu den Sparkassen werden die angefragten Umsätze auch in der Umsatzübersicht zur jeweiligen Karte angezeigt, also analog zur Vorgehensweise der Sparkassen bei girocard-Zahlungen:

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Fazit

Mit Einführung des Kreditkartenweckers holt die Sparkassen-Finanzgruppe technisch auf. Die Institute sollten jedoch dringend ihre Preispolitik überdenken und unsinnige Cent-Gebühren streichen, die in der Realität die wenigsten Nutzer treffen, aber nach Außen ein absolut negatives Bild abgeben.

Warum der geplante Bargeldeinzug bei Asylbewerbern in Österreich eine Nebelkerze ist

Dass sich die gerade in Wien formierende neue Regierung unter Beteiligung der FPÖ nicht lange mit irgendwelchem populistischen Unsinn Zeit lassen würde, war eigentlich jedem klar.

Bei einer der ersten Maßnahmen, die es in die Nachrichten nördlich der Alpen geschafft hat, handelt es sich um den geplanten Einzug von Bargeld und die Durchsuchung von Handys von Geflüchteten. Das Geld soll einen Beitrag zur Deckung von Unterbringungskosten leisten. Mit der Durchsuchung von Smartphones, die m.E. gegen jegliche Persönlichkeitsrechte verstößt, erhofft man sich eine sicherere Feststellung der Identität der Geflüchteten.

Beide Forderungen finden auch hierzulande viele Anhänger, zumal sich die Beweggründe auf den ersten Blick erst einmal nachvollziehen lassen: Ein Bürger muss, bevor er Grundsicherung erhält, zunächst sein eigenes Vermögen aufbrauchen. Asylbewerber mit nicht geklärter, oder mehreren Identitäten stellen unsere Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen.

Bereits 2015, auf dem Höhepunkt der Zufluchtswelle, waren die Smartphones im Besitz von Geflüchteten im Übrigen Grund genug für eine, von Populisten angestossene, lachhafte Neiddebatte.

Wer, teils nach Jahre langer Flucht, mehrfach ausgeraubt wurde, Beamte bestechen musste und von Schleppern wie eine Weihnachtsgans ausgenommen wurde, am Ende vielleicht noch 200€ in der Tasche hat, die für ein Bahnticket zu den Verwandten nach Deutschland oder eine warme Winterjacke dienen sollen, wird mit diesem Betrag sicherlich wenn überhaupt, dann nur einen symbolischen, Beitrag zur Kostendeckung beitragen können. Im Übrigen erhalten Asylbewerber zumindest in Deutschland ein kleines Taschengeld zur Deckung des wichtigsten Bedarfs. Es darf daher bezweifelt werden, ob sich der Verwaltungsaufwand überhaupt lohnt.

In sofern soll diese Maßnahme erst einmal den rechten Deppen unter den Wählern als Signal dienen: „Wir tun was!“ und weniger ein konkretes Problem lösen.

Ähnlich verhält es sich mit der Durchsuchung von Smartphones. Jeder, der sich in letzter Zeit einmal für eine Reise in die USA interessiert hat, wird über den Einsatz von Tools nachgedacht haben, die sein Gerät für die Durchsuchung bei der Einreise optimieren und Apps sowie Zugangsdaten und private Dokumente in die Cloud schieben und temporär löschen.

Wie immer, wenn Populisten irgendwelche Gesetze beschließen, die Stärke und Entschlossenheit zeigen sollen, handelt es sich dabei in Wirklichkeit um Beruhigungspillen für die eigenen Wähler, deren Horizont über KRONE/BILD und einem Konto bei der Filialbank um die Ecke nicht hinausgehen dürfte.

Für die meisten Wähler populistischer Parteien kommen die Geflüchteten ja sowieso aus irgendwelchen unterentwickelten Ländern, nur um es sich in unseren Sozialsystemen gemütlich zu machen.

Wenn man sich nur die Dauer und die durchschnittlichen Kosten einer mehrmonatigen Flucht durch x Länder ansieht, so muss man zwangsläufig zu der Erkenntnis kommen, dass hier eher die Mittelschicht flieht oder aber ziemlich viele Verwandte das Geld für ein Mitglied der Familie zusammenkratzen mussten.

Wer, mit Hilfe von Google Maps, Messengern und Facebook-Gruppen seine Flucht auf dem Smartphone organisiert und den Kontakt mit der Familie in der Heimat und am Zielhort hält oder sich mit Schleppern abspricht, dem sollte man schon zutrauen, alleine schon wegen der Widrigkeiten auf der Flucht, möglichst ein aufgeräumtes Smartphone mit sich herumzutragen, auf dem man nicht zu viele Hinweise hinterlässt, die einen als attraktive Geisel für Erpressungsgeldforderungen erscheinen lassen.

Und was das Thema Bargeld angeht: Es ist kein Wunder, dass eine solche Maßnahme natürlich im deutschsprachigen Raum Befürworter findet, wo man sich ein Leben ohne Bargeld nicht vorstellen kann und selbst schon Probleme damit hat, einen in Stockholm üblichen bargeldlosen Flohmarkt für möglich zu halten.

Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer es bspw. in einem afrikanischen Land gewohnt war, seine alltäglichen Zahlungen mit Systemen wie M-Pesa via SMS durchzuführen, der wird früher oder später auch auf die Idee kommen, sich einen Dienst zu suchen, mit dem man international an sein Geld kommt. Auch ohne auffällige goldene Amex. Menschen aus muslimischen Ländern werden wohl eher dem informellen Hawala-System vertrauen und sich so unterwegs den Nachschub an Geld sichern. Egal ob es sich dabei um eigenes Geld oder Zuschüssen der Verwandten zuhause handelt.

Am Ende wird man also ein paar armen Schluckern ein paar Euro abknöpfen und vielleicht den Namen von zwei drei technisch nicht versierten Fastrentnern mit Hilfe rechtlich fragwürdiger Durchsuchungen feststellen. Wer aber einigermaßen im Hier und Jetzt lebt, sich etwas mit Technik beschäftigt, der wird auch ohne kriminelle Absichten über solche Maßnahmen lachen.

Ich hätte da mal einen Tip an FPÖ (und AfD): Anstatt solche schwachsinnigen Säue durchs Dorf zu treiben, könnte man sich ja mal Gedanken über ein sinnvolles Einwanderungsrecht machen (für die, die ihr Glück weitab der Heimat suchen wollen) und weiterhin damit aufhören, Waffen in alle Welt zu liefern, korrupte Regimes zu unterstützen und mit der EU-Außenhandelspolitik Märkte in Schwellenländern zu zerstören.

Und es tut sich was…

Nachdem in diesem Jahr der Brezelbäcker Ditsch mit seinen Bahnhofsfilialen den Anfang gemacht hat und mit kontaktloser Kartenzahlung gestartet ist, folgen immer mehr kleine und größere Betriebe diesem Beispiel.

Ein direkter Wettbewerber um Pendlerkunden ist das Plattlinger Unternehmen yorma´s, das ebenfalls vornehmlich an Bahnhöfen mit Convenience Stores vertreten ist. Während man bei Ditsch auf fest montierte Terminals an jeder Kasse setzt, kommen bei yorma´s mobile Terminals ohne Kassenanbindung zum Einsatz. Das mag für den Einstieg OK sein,  wird bei steigender Einsatzfrequenz natürlich zu einem Bremsklotz werden.

Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass yorma´s die Kartenakzeptanz sehr offensiv bewirbt. Neben entsprechenden Posts auf den Socialmedia-Kanälen präsentiert bspw. die Filiale im Hamburger Hauptbahnhof auf mehreren Flatscreens die entsprechenden Logos unübersehbar für Kunden. Ähnliches wurde mir auch aus München berichtet.

Abseits der bundesweit präsenten Franchise-Betriebe entscheiden sich auch immer mehr regionale Bäckerei- und Café-Ketten für die Einführung von Kartenakzeptanz. Einige Beispiele:

Sparkassen und Genossenschaftsbanken arbeiten aktuell ebenfalls daran, in ihren Geschäftsgebieten lokal tätige Bäckereien zu akquirieren. Das ist in sofern sehr schlau, als dass man gerade bei nahezu täglich stattfindenden Einkäufen, sei es nun das Frühstücksbrötchen oder  der Coffee-To-Go, sehr schnell die Vorzüge der kontaktlosen Kartenzahlung schätzen lernt. Und wer einmal kleinere Beträge schnell und komfortabel kontaktlos beglichen hat, wird in Zukunft seine Karte noch häufiger als bisher einsetzen. Passend dazu auch der „Jetzt anfangen“-Spot von @girocard.

Um ehrlich zu sein, hätte ich vor zwei Jahren nicht erwartet, wie schnell das plötzlich geht.

Vielen Dank für das Foto an @regnerischerTag

„Mit Karte bitte“ heißt nicht mehr unbedingt mit girocard

Wie Kontaktlostechnologie und neue Wettbewerber am Bankenmarkt das Nutzerverhalten verändern

Die girocard als Nachfolgerin der EC-Karte war über viele Jahre die Standardkarte der deutschen Bankkundinnen und Bankkunden. Zu nahezu allen Girokonten wurde eine solche Karte mit ausgegeben. Mit ihr ließ sich bequem Geld am Geldautomaten abheben, Kontoauszüge ziehen oder im Geschäft bezahlen. Wenn man denn wollte. Letztere Möglichkeit kam in der Regel eher für höhere Beträge ab 50€ zum Einsatz.

Mit MasterCard und VISA verband der deutsche Bankkunde seit je her automatisch Kreditkarten. Banken verknüpften teilweise sehr hohe Anforderung an die Bonität des Kunden mit der Ausgabe einer solchen Karte. So verwundert es nicht, dass nur ein kleiner Teil der deutschen Kunden überhaupt eine solche Karte besitzt.

Derjenige, der eine solche Karte besitzt, lässt sich nicht selten in der Schublade verstauben und setzt sie höchstens einmal zur Buchung einer Reise, beim Edelitaliener oder zum Einkauf im Netz ein, wenn es keine andere Bezahlmöglichkeit gibt.

Der Logik folgend, funktionierte auch die Kommunikation der Zahlungsdienstleister in Richtung Handel und Gastronomie. Es galt die Faustregel: girocard muss sein. Ausländische Debitkarten („Maestro“ oder „V-Pay“) sollte ein Händler akzeptieren, der in Grenznähe zu den Benelux-Ländern oder Österreich sein Geschäft betreibt. Kreditkartenakzeptanz wurde stets mit Tourismus und hohen Umsätzen wohlhabender Kunden in Verbindung gebracht.

Soweit so gut. Aber stimmt das heute wirklich noch?

Auf diese Frage kann man nur mit einem klaren „Nein“ antworten, denn bereits seit Jahren steht bei Banken wie der ING-DiBa oder DKB die VISA-Karte im Mittelpunkt. Die ING-DiBa verrechnet Umsätze einzeln mit dem Girokonto und damit handelt es sich bei dieser Karte eigentlich um eine Debitkarte. Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank führt man gerade die „Debit MasterCard“ ein, die allen Kunden die Akzeptanzvorteile einer MasterCard bietet.

Junge Internet- oder Smartphone-Banken wie N26, Fidor, Revolut, bunq und Co. verzichten komplett auf die girocard. Hier gibt es in der Regel eine Debit MasterCard oder eine Maestro-Karte zum Konto. Selbst eine der ältesten Online-Banken der Republik, die netbank, hat zum Oktober diesen Jahres alle girocards deaktiviert und durch Debit MasterCard ersetzt.

Wer heute mit dem Smartphone zahlen möchte und Apps wie boon oder SEQR nutzt, verwendet ebenfalls eine virtuelle MasterCard.

Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben ihre Kreditkarten inzwischen auch mit der NFC-Technologie ausgestattet, so dass auch die Kunden dieser Institute bequem kleinere Beträge mit Kreditkarte kontaktlos begleichen können.

Was heißt das für den Handel?

Für Handel und Gastronomie bedeutet das, dass eine alleinige Akzeptanz der girocard früher oder später zu Problemen auch mit deutschen Kunden führen wird. Ganz zu schweigen davon, dass Gäste aus dem Ausland in diesem Falle sowieso zu unfreiwilligen Barzahlern würden.

Das kontaktlose Bezahlen kann dort auftrumpfen, wo in kurzer Zeit viele Kunden bedient und abkassiert werden wollen. Neben der Supermarktkasse kommen hier natürlich Bäckereien, Cafés und Fastfood-Restaurants in den Sinn. Aber gerade dort sind die Rechnungsbeträge häufig gering, teilweise sogar unter 2€.

Um Kunden nicht mit Mindestumsätzen und Surcharging (Kosten für Kartenzahlung) verärgern zu müssen, ist es wichtig, dass man sich als Geschäftsinhaber nach geeigneten Zahlungsdienstleistern umschaut. Idealerweise nach solchen, die keine fixe Postengebühr erheben und keine oder nur geringe Unterschiede bei der Bepreisung der Abwicklung der unterschiedlichen Kartenarten machen.