Payback – Schluss mit Einfach

Ich glaube Payback als Kundenbindungssystem muss ich nicht großartig vorstellen. Nach der girocard ist die Payback Karte die am zweithäufigsten in deutschen Portemonnaies anzutreffende Karte.

Wer kennt nicht die berühmte Frage an der Kasse: „Haben Sie eine Payback-Karte?“. Schwups, Karte gezückt und Bruchteile von Sekunden später ist bereits der Barcode mit der Kundennummer gescannt und die Punkte verbucht. Dazu gibt es immer wieder besondere Coupons die globale oder auf Warengruppen bezogene Zusatzrabatte gewähren. Auch hier wird in der Regel nur der Barcode gescannt. Fertig.

Einfacher und schneller kann man ein solches System nicht gestalten. Dumm nur, dass Payback in den letzten Jahren Stück für Stück von dieser Einfachheit abgewichen ist.

Ein paar Beispiele helfen das zu verdeutlichen:

Die Einführung von Bezahlkarten

Schon seit vielen Jahren bietet Payback verschiedene Bezahlkarten in Deutschland an. Aktuell sind dies eine VISA-Karte und eine Karte der Payback-Mutter American Express. Bis Mitte diesen Jahres gab es auch noch eine maestro-Karte, die gerade bei Vielreisenden sehr beliebt war. Schließlich hatte sie als eine der ersten Karten in Deutschland NFC und der Herausgeber verzichtete auf ein Fremdwährungsentgelt.

Bei Einführung der Karten galt es als besonderes Feature, dass der Bezahl- und der Bepunktungsprozess getrennt wurden. Auf der Rückseite der Karte befindet sich der übliche Barcode mit der Kundennummer. Auf dem Magnetstreifen die Daten der Bezahlkarte. Das soll später noch wichtig werden. Meiner Meinung hat man hier das erste Mal Optimierungspotential am POS verschenkt.

Als die maestro-Karte die Nachfolge der nur bei Teilen der Payback-Partner akzeptierten Payback-Plus-Karte antrat, verpatzte Payback den Kunden verständliche Informationen zum Einsatzgebiet der Karte zu geben. Sie wurde als eine Art „bessere EC-Karte“ angepriesen. Dass zu der Zeit die maestro-Akzeptanz in Deutschland fast ausschließlich dort vorhanden war, wo MasterCard akzeptiert wurde: Kein Wort. Dementsprechend vernichtend waren auch die Urteile in diversen Foren in den ersten Wochen. Erst nach und nach haben die Leute verstanden, dass sie das wohl beste Bezahlprodukt der letzten Jahre in ihrer Brieftasche hielten. Ich muss nicht erwähnen, dass Payback weder NFC noch das fehlende Fremdwährungsentgelt großartig erwähnt hat.

Dennoch waren bis fast zum Schluss rund 500.000 solcher Karten im Umlauf.

Rollout bei neuen Partnern mit suboptimaler Technik

Im Laufe der Jahre kamen weitere Payback-Partner hinzu. Während in Einzelhandelsunternehmen wie real,- oder DM der Barcode-Scanner zur Standardausrüstung gehört, gab und gibt es eine Vielzahl von Partnern (bspw. früher Europcar, heute Burger King) die ein solches Gerät nicht in allen Filialen besitzen.

Burger King setzt z.B. auf Auslesen des Magnetstreifens. Magnetstreifen? War da nicht was? Richtig! Das funktioniert nämlich nur mit den reinen Sammelkarten oder – wenn man Glück hat – mit der App. Doch dazu später mehr.

Wenn also weder Kunde noch Mitarbeiter wissen, dass auf dem Magnetstreifen keine Payback-Informationen enthalten sind, dauert es ungefähr eine Minute und fünf Einleseversuche bis der Mitarbeiter sich an das Abtippen der Kundennummer heranwagt. Aber Obacht. Welche Nummer gilt es denn einzutippen:

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Nur den rechten Teil oder auch die Zahl links? Oder wie sieht es bei der App aus?

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Bei Burgerking wird die Kundennummer samt der Prüfziffern (direkt unterhalb der Barcodes) eingegeben. Diverse andere Händler haben mal nur die Kundennummer oder sogar die komplette Nummer mit dem Präfix 308342 haben wollen.

Bei Nutzung der App zum Scannen der Kundennummer ist es leider auch nicht mehr so einfach. DM, real und Aral verfügen über Scanner, die in der Lage sind, vom Handydisplay einzulesen. Bei REWE gibt es nur in einigen Regionen fest zum Kunden hin montierte Scanner. Diese lesen den Code einwandfrei. Der Scanner am Kassenlaufband ist dazu nicht in der Lage. Sicherheitshalber wird REWE daher auch nicht als Partner aufgeführt, bei dem man mit der App mobil punkten kann.

Punkten bei Webshops

Cashback bei Webshops ist ein großes Thema. Payback bietet eine Vielzahl von Partnern an, bei denen der User für Online-Einkäufe Punkte verdienen kann.

Leider gibt es auch hier wieder keine einheitliche technische Lösung. Bei den meisten Online-Shops war und ist es Pflicht, diesen über die Payback-Seite aufzurufen. Danach sollte der Kunde möglichst ohne Umwege über den Warenkorb zur Kasse schreiten. Ein unbedachter Klick und – gerade zu den Anfangszeiten – das Punktekonto bleibt leer.

Als Service bietet Payback ein Browser-Plugin namens „PIA“ an, was den Benutzer bei direktem Aufruf eines Partnershops daran erinnert, doch bitte über die Payback-Seite zu gehen. Dieses Plugin gibt es übrigens leider nicht für den Apple Browser Safari.

Wer über sein Smartphone einkauft und dabei auch Apps von Händler benutzt geht sowieso häufig leer aus. Nur wenige Partner bieten die Möglichkeit, die Payback-Kundennummer direkt einzugeben.

Meiner Meinung nach ist das eine Lösung für Sammelfreaks. Da gehört schon viel Disziplin dazu, stets den korrekten Workflow einzuhalten.

Die Einführung von Payback Pay als Overkill

Im Juni startete Payback seinen neuen Smartphone-Bezahldienst Payback Pay. Wie so häufig war auch hier DM wieder der erste Partner, der das System eingeführt hat. DM hat als Vorbereitung kräftig investiert und alle seine Kassen mit einem Selbstscan-Terminal für Kunden ausgerüstet. Am Rande sei noch erwähnt, dass die ebenfalls neu angeschafften Kartenterminals mit deaktivierter NFC-Funktion ausgeliefert wurden.

Grundsätzlich stehe ich Barcode-basierten Bezahlsystemen eher kritisch gegenüber, da es einfach zu viele Störfaktoren (Licht, Bildschirmgröße, Benutzerfehler) gibt, die eine schnelle Abwicklung verhindern können.

Vor der ersten Bezahlung bei DM wird der Benutzer wieder vor eine Wahl gestellt:

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Meine ersten Tests, sowohl was das reine Scannen der Kundennummer als auch Payback Pay anging, waren jedoch begeisternd. Sollten alle Payback-Partner das System in dieser Form ausrollen, würde ich dem System eine erfolgreiche Zukunft vorhersagen. Bei einer 100% Abdeckung am POS könnte dann auch die Auswahl entfallen.

Leider kam aber alles anders.

Der nächste Partner sollte real,- heißen. Ich hegte die Hoffnung, dass real,- rechtzeitig zum Start von Payback Pay seine Uralt-Terminals ausmustern würde und ebenfalls auf leistungsfähige Selbstscanner setzt.

Bei real,- ist man wieder den Weg der Sparbrötchen gegangen. Die Pay-Funktion wird aktuell über Handscanner gewährleistet. Je nach Lichteinfall benötigt der Kassenmitarbeiter fünf bis sechs Scananläufe. Da ist Gemecker in der Schlange hinter einem garantiert.

Ein Kunde, der Payback Pay zuerst bei real,- ausprobiert, wird das System garantiert nie nie wieder einsetzen. Wieso man hier so einen Schnellschuss hingelegt hat, ist mir völlig unverständlich!

Mit iPhone kommst Du net rein!

Ende September starteten weitere Partner mit Payback Pay. Darunter auch ARAL. Gleich die erste Überraschung: ARAL setzt ausschließlich auf NFC. Wie sich Payback Pay mit NFC anfühlt: Rudolf Linsenbarth hat einen  ersten Test gewagt.

Wer sich ein wenig mit NFC-Payment beschäftigt hat, der weiß um die Probleme. Die Hersteller der Terminals konnten sich bislang nicht darauf einigen, wo der NFC-Leser angebracht werden soll. ICP hat ihn an der rechten Seite (ARAL, Thalia, Douglas), REA an der linken Seite (ALDI Süd) und der Rest oben im Rahmen des Displays.

Der größte Fauxpas ist aber, dass durch die Verwendung von NFC eine ganze Reihe von Kunden ausgeschlossen werden. So z.B. auch die Benutzer von Apple iPhones. Gerade diese Nutzergruppe gehört weltweit zu denjenigen, die neue Bezahlsysteme am schnellsten adoptieren. Meiner Meinung nach eine völlige Fehlplanung.

Von Steve Jobs lernen

Dem Apple-Gründer wird folgendes Zitat zugesprochen: „Wenn Du etwas nicht einfach hinbekommst, lass es!“

Ich denke, dass die Macher hinter Payback dringend ihre Strategie überdenken sollten und versuchen sollten, gemeinsam mit ihren Handelspartnern, den Weg zurück zur Einfachheit zu finden. Dazu gehört m.E. auch, dass die technischen Einrichtungen zur Erfassung der Kundendaten und zur Bezahlung weitestgehend einheitlich gestaltet werden sollten.

Kartenverweigerung in Handel und Gastronomie: Wie Bullshit-Bingo bei mir zum Boykott führt!

Ich weiß, dass dieses Thema zu sehr kontroversen Diskussionen führen kann. Daher ein paar Worte vorweg: Ich bin nicht für die Abschaffung des Bargelds, sondern für die Wahlfreiheit des Konsumenten. Persönlich finde ich es auch traurig, wenn immer mehr traditionelle Handwerksbetriebe sterben und ganze Viertel nur noch von Systemgastronomie geprägt sind und man kaum noch erkennen kann, ob man jetzt in München oder Hannover sitzt.

Um so schlimmer finde ich es, wenn sich etablierte Unternehmen mit Händen und Füßen gegen aktuelle Entwicklungen sträuben. Dabei könnten sie neben der Qualität und der Individualität so einfach auch mit Kundenservice glänzen. Stattdessen immer wieder die gleichen Diskussionen mit genervten Kunden und keinerlei Einsehen.

Hier mal ein paar typische Sätze, wie sie tagtäglich überall in Deutschland fallen:

„Deutschland ist nun mal kein Kartenzahlerland“

Falsch: Aktuell befinden sich rund 100 Millionen Debitkarten des Marktführers girocard im Umlauf. Fast jeder Bankkunde erhält sie zusammen mit seinem Konto. Nur die wenigsten benutzen sie ausschließlich zum Bargeldbezug. Der Anteil derer, die auch kleine Beträge mit der girocard bezahlen, steigt langsam aber stetig. Hinzu kommen noch rund 31 Millionen Karten der großen Kreditkartenfirmen.

„Kartenzahlung ist einfach zu teuer“

Interessanterweise hört man den Satz nicht nur von Geschäftsinhabern, sondern auch häufig von Kunden, die sich in einer Art Stockholm-Syndrom mit den Geschäftsinhabern solidarisieren. Gerne greifen diese dann auch in Diskussionen am POS mit diesem Argument mit ein.

Dabei kennen die Gebühren für die Kartenzahlung seit Jahren nur eine Richtung: Nach Unten!

Selbst klassische Zahlungsdienstleister vermieten aktuelle Terminals ab 8€/Monat und bieten die Abwicklung von girocard-Zahlungen für 0,19% vom Umsatz zzgl. 4-8 Cent pro Transaktion an. Häufig gibt es auf die Größe des Unternehmens zugeschnittene Pakete mit Freitransaktionen pro Monat, so dass die Grenzkosten lediglich bei den oben erwähnten 0,19% liegen. Dank der Deckelung der Interchange-Fee durch die EU im Dezember 2015 liegen die Kosten für die Akzeptanz von MasterCard und VISA inzwischen irgendwo knapp unter 1%.

Wer ohne Vertragsbindung einsteigen möchte, der kann sich auch ein Einfachterminal von  iZettle, sumUp oder vergleichbaren Anbietern holen. Hier fallen aber höhere Transaktionsgebühren an.

Während die Kosten für die Kartenakzeptanz sinken, steigen die Kosten des Bargeldhandlings teils immens. Da die Geschäftsbanken nunmehr für die Kosten der Echtheitsprüfung von Münzgeld zuständig sind, geben sie diese Kosten über Kontoführungsgebühren oder Einzahlentgelten an ihre Kunden weiter.

„Kartenzahlung dauert zu lange!“

Auch das ist nur bedingt richtig. Die Verwendung aktueller Terminals für Chip & PIN Transaktionen, Offline-Autorisierung bei der girocard und kontaktlose Zahlung per NFC sind nur ein paar Möglichkeiten, die den Durchlauf an der Kasse erhöhen. Wer nicht gerade Mitarbeiter an der Kasse beschäftigt, die durch die klassische ALDI-Schule gegangen sind, der kann kaum behaupten, dass es mit Bargeld an der Kasse schneller ginge. Viele tun sich schon mit einfachsten Rechenoperationen schwer. Wenn die Kasse da nicht den exakten Rückgeldbetrag anzeigen würde…

„Wir hatten das mal. Das hat nie einer genutzt!“

Ein Händler oder Wirt, der das Terminal irgendwo im Schrank aufbewahrt, keinerlei Akzeptanzaufkleber an Kasse oder Ladentür aufhängt und dessen Mitarbeiter nicht aktiv die Kunden fragen, der darf sich auch nicht wundern.

Während man im Supermarkt oder der Tankstelle als Kunde davon ausgehen kann, dass Kartenzahlung akzeptiert wird, so ist das in anderen Branchen nicht so.

„Wir sind zu klein dazu!“ oder „Kartenzahlung am Wurststand? Wie soll das gehen?“

Kein Unternehmen ist zu klein, um guten Kundenservice zu bieten. Es gibt eine Vielzahl von Terminals in allen Größen und Preislagen, die über das Mobilfunknetz arbeiten. Zu den Kosten: siehe oben!

„Unsere Lieferanten müssen wir auch bar bezahlen!“

Zugegebenermaßen ein Problem. In der Gastronomie sicher nicht unüblich. Da aber kaum zu erwarten ist, dass in naher Zukunft alle Gäste bargeldlos bezahlen, ist das eine gute Möglichkeit, um die Kosten der Bargeldeinzahlung bei den Banken zu reduzieren. Einfach alle Lieferungen bar bezahlen. Soll sich doch der Lieferant mit den Kosten herumärgern!

Es gibt aber auch bessere Möglichkeiten: Überweisungen vom Smartphone bei Anlieferung! Egal ob mit der Mobile Banking App von der Hausbank oder einem Produkt eines Fintechs. Man sollte auch als Unternehmer seine Lieferanten mal gelegentlich daran erinnern, welches Jahr wir schreiben.

„Wer bitte bezahlt 2,30€ per Karte?“

Antwort: Immer mehr Menschen tun das im Supermarkt. Warum? Weil es bequemer ist. Im Ausland ist es üblich auch noch kleinere Beträge kontaktlos zu bezahlen. Ob 70 Cent für eine Straßenbahnfahrkarte in Polen (Automaten nehmen vielfach kein Bargeld an) oder für den Zugang zur Bahnhofstoilette. Kein Betrag ist zu klein, als dass er sich nicht mit Karte bezahlen ließe!

„Dann gibt es kein Trinkgeld mehr!“

Das ist so ziemlich der größte Quatsch. Fast alle Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit Karte nicht nur mehr ausgeben (das kann man durchaus für gefährlich halten), sondern auch großzügiger tippen. Wenn ich 50€ im Portemonnaie habe und einen Deckel von 38,50€ zu zahlen habe, dann gebe ich 40€. Mit Karte würde ich (entsprechender Service vorausgesetzt) auch 43€ geben. Wirte, die aus Bequemlichkeitsgründen die Abwicklung von Trinkgeldern über Karte ablehnen, tun ihren Leuten damit wahrlich keinen Gefallen!

„Das ist der Einstieg in die totale Überwachung!“

Nun ja auch wenn die Daten des Zahlungsverhaltens in ihrer Gesamtheit gute Aufschlüsse über die Konsumenten geben, so interessiert es eure Bank nicht die Bohne, dass ihr um drei Uhr morgens 3,50€ bezahlt habt. Dass es sich dabei um ein Bier gehandelt hat, ließe sich allerhöchstens daraus ableiten, dass die Belastung von der Bahnhofskneipe im Hauptbahnhof stammte.

Wer sich bzgl. seines Lebensstils (Party, Alkohol, Fast-Food) darüber Gedanken macht, was bspw. die Krankenkasse davon hält, sollte vielmehr davon Abstand nehmen, entsprechende Beweisfotos auf Facebook und Instagram zu posten!

„Wir sind hier doch nicht in Amerika!“

Auch das ist ein weit verbreitetes Vorurteil. In den USA kann man zugegebenermaßen fast überall mit Karte bezahlen. Aufgrund der vielfach niedrigen Limite der Karten gibt es auf die Anzahl Einwohner bezogen, wohl kaum ein Land mit so vielen Karten. Dennoch ist der Anteil der Barzahlungen in den USA konstant hoch. Auch technologisch hinkt das Land hinterher. Während wir bei uns seit Jahren mit Chip&PIN bezahlen, geht die EMV-Migration in den USA nur mühsam voran!

Während viele von dem fast bargeldlosen Schweden gehört haben, so schaut man in ungläubige Gesichter, wenn man von Polen oder anderen osteuropäischen Ländern berichtet. Viele, die meinen Deutschland sei technologisch ganz weit vorne, sehen in den Polinnen und Polen hauptsächlich die Putzfrau, den Handwerker, aber garantiert nicht die Vertreter eines Landes wo Internet im Zug möglich ist, überall bargeldlos bezahlt werden kann und welches hervorragende Softwareentwickler hervorbringt. Diese schütteln übrigens den Kopf, wenn das Hipster-Café im Haus ihrer Berliner Dependance nur Bargeld akzeptiert!

Diese Liste ließe sich nahezu beliebig weiterführen. Da ich es inzwischen Leid bin, derartig unsinnige Diskussionen mit uneinsichtigen Unternehmerinnen und Unternehmern zu führen oder meinen Ärger an den am wenigsten dafür könnenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszulassen, gehe ich immer konsequenter einen anderen Weg:

  1. Vor Kauf / Bestellung fragen, ob Kartenzahlung möglich ist. Wenn nein, dann wünsche ich einen guten Tag und gehe. Es gibt immer Alternativen!
  2. Hinterlassen von entsprechenden Hinweisen auf Bewertungssystemen wie TripAdvisor, Yelp!, Foursquare oder bei Facebook
  3. Einfach nicht mehr hingehen!

Wer eine solche Vermeidungsstrategie fährt, steht häufig vor dem Problem der alternativen Versorgung, die vielfach mit höheren Preisen einhergeht. Das kann man so machen, muss man aber nicht.

Anstatt jeden morgen auf dem Weg ins Büro die gleichen zwei belegten Brötchen beim Bäcker zu kaufen, kann man sich auch zuhause ein paar Brote schmieren! Den Kaffee kann man sich ebenfalls zuhause kochen und in einem wiederverwendbarem Becher mitnehmen. Darüber freuen sich Konto und Umwelt!

Anstelle des regelmäßigen Gangs zum Spätkauf: Wie wäre es mal mit einem großen Wocheneinkauf im Supermarkt des Vertrauens? Damit spart man richtig!

Wenn die Kneipen und Restaurants in der Stadt nur Bares wollen? Einfach seltener hingehen und stattdessen zu Hause kochen. Spart Geld und ist vielfach auch qualitativ besser.

Wie man sieht, gibt es immer Alternativen. Wie weit jemand dabei gehen möchte, obliegt jedem selbst. Bei Stammläden mache ich auch noch die Ausnahme und suche das Gespräch. Bei Uneinsichtigkeit folgt aber auch hier irgendwann der Boykott.

Ich bin es einfach Leid, dass man in Deutschland mit Problemen kämpfen muss, über die man im Ausland nur lachen kann!

Bargeldlos in Brüssel (update)

Wie versprochen, hier nun ein kurzer Bericht über den Stand des bargeldlosen Bezahlen in Brüssel. Da es ist nur um einen Wochenendtrip handelte, besteht natürlich kein Anspruch auf allumfassende Betrachtung.

Die Ankunft am Freitag:

Angekommen am Bahnhof Brussel-Zuid ging es zuerst zur Metro-Station zwecks Ticketkauf. Ähnlich wie in der Niederlanden kann man sich eine nicht-personalisierte NFC-Karte („Mobib basic“) am Metro-Kiosk kaufen. Diese kann dann mit Guthaben oder Zeitpässen beladen werden. Ich habe mich, nichtwissend dass am autofreien Sonntag der ÖPNV gratis war, für ein 72h Jump-Ticket entschieden. Das kostet 18€ plus 5€ für die NFC-Karte. Mit der Karte muss man sich bei jedem Betreten eines Verkehrsmittels einchecken. Das aus den Niederlanden bekannte Auschecken entfällt in Brüssel. Die 23€ ließen sich problemlos mit MasterCard, VISA, maestro und VPay begleichen. Allerdings sind die Terminals noch nicht kontaktlos. Das Aufladen der Karten kann man an jedem Ticketautomaten vornehmen. Davon gibt es viele auch oberirdisch. Auch diese akzeptieren sämtliche gängigen Karten.

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Unterwegs in der Stadt:

Viele Kebap-Läden, Restaurants und teilweise sogar Kneipen akzeptieren bargeldlose Bezahlung. Bei einem Ägypter wurde mir ungefragt 1€ Surcharge für eine Zahlung mit maestro in Rechnung gestellt.

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Die üblichen Verdächtigen wie McDonalds und Starbucks nehmen sowieso Karten und in inzwischen auch kontaktlos. Bei Starbucks habe ich erfolgreich Apple Pay testen können. Offensichtlich hat man auch hier die CDCVM-Einstellungen in den Terminals richtig gesetzt.

Im Hotel (ibis) ließ es sich selbstverständlich auch bargeldlos bezahlen. Im Gegensatz zu Deutschland gab es an der Hotelbar ein eigenes Terminal. NFC war, obwohl eingebaut, leider deaktiviert. Wahrscheinlich zu dem Zweck, dass das Hotel einem DCC auf´s Auge drücken kann. Das geht kontaktlos nämlich nicht.

Wer eine Karte aus einem Nicht-EUR-Land benutzt, sollte hier stets auf DCC achten. Händler und Gastronomen scheine diese Art der Abzocke für sich entdeckt zu haben.

Kurztrip nach Leuven:

Am Samstag Abend habe ich noch einen Kurztrip mit dem IC ins flämische Leuven unternommen. Die Ticketautomaten der SNCB/NMBS nehmen ebenfalls alle bekannten Karten. Ich habe mich jedoch für ein mobiles Ticket entschieden. Es gibt ein Wochenend-Internet-Spezial, das einem auf die eh schon sehr günstigen Preise nochmal 50% Rabatt gewährt werden.

Zu diesem Zweck habe ich die entsprechende App aus dem AppStore geladen. Ohne Trotz mobiler Registrierung ging die Buchung recht flott und die Bezahlung erfolgte mit MasterCard oder VISA. Leider gibt es, abweichend zur Deutschen Bahn, keine vollwertige Kopie des Tickets als E-Mail. Man hat also weder eine Rechnung noch ein Backup für den Fall, dass das Handy schlappmacht.

In Leuven führte es uns in eine Cash-Only Pizzeria. Das war aber gefühlt der einzige Laden in der wahnsinnig schönen Altstadt mit vielen tollen Gebäuden, der noch nicht im Jahr 2016 angekommen schien.

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Der Weg dorthin führte über einen schönen Marktplatz vor der wieder aufgebauten Uni-Bibliothek. Dort war gerade Rummel und einige der Stände akzeptierten auch Karten!

Das Tram-Museum:

Da am Sonntag der internationale autofreie Sonntag gefeiert wurde, war die Benutzung des ÖPNV der STIB komplett kostenlos. Als Bonbon hatte dann auch das Trammuseum freien Eintritt. Dort findet man eine wunderbare Sammlung historischer Fahrzeuge. Darunter auch Omnibusse.

Weder an der Kasse, noch im Andenkenshop oder Café ließ es sich bargeldlos bezahlen. So wie es aussah geschah da auch viel ehrenamtlich. Die allesamt sehr lecker aussehenden Kuchen erweckten den Eindruck von Mutti selbst gebacken zu sein.

Nun gut, für solche Fälle habe ich ja immer ein wenig Notfallgeld in der Tasche. Der Anblick solcher wunderschönen Fahrzeuge lässt den Ärger dann auch schnell vergessen:

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Der Bahnhof Brussel-Zuid:

Auch wenn es in diesem Bahnhof eine Vielzahl von Shops gibt, so richtig einladend wirkt der Bahnhof wirklich nicht. Die Gastronomie hat eher einen Wartehallencharakter. Man will eigentlich nur schnell weg hier.

Toiletten und Gepäckfächer erwarten Münzgeld. Bei den Gepäckfächern sogar passend. Eine Überzahlung wird nicht akzeptiert. Geld ließ sich aber am Gepäckschalter, der gleichzeitig auch Ticketschalter in der Nacht ist, wechseln.

Aus Ermangelung eines Starbucks ging ich zunächst in den Food-Court. Beim Asiaten ließ es sich problemlos mit NFC bezahlen. Unsere Pappnasen-Franchiser von Asia Hung aus Deutschland kriegen das ja nicht hin. Die anderen Läden im Food-Court hatten auch diese schönen Würfelterminals mit NFC. Leider haben fast alle Läden die linke Seite mit dem Kontaktlos-Logo verdeckt. Im Display wurde, anders als bspw. bei ALDI Süd, nur der Hinweis auf Magnetstreifen (rechts) und Chip (oben stecken) angezeigt. Der Hinweis auf NFC fehlte überall!

Zum Schluss habe ich mir noch einen Kaffee bei „Sams Café“ gegönnt. Die hatten eine tolle Auswahl verschiedener Cafés. Kartenzahlung unter 10€ wurde mit einem Aufschlag von 10 Cent versehen. Surcharges in der Höhe sind ja noch akzeptabel. Da aber das Terminal kaputt war, hieß es auch hier: Nur Barzahlung. Nun ja.

Die Rückfahrt mit dem ICE:

Das Ticket habe ich wie immer als Handy-Ticket im DB Navigator gespeichert. Der netten Dame vom Am-Platz-Service habe ich dann auch direkt meine VISA-Karte für ein alkoholfreies Weizen anvertraut. Zwischen Wagen 29 und dem Bordbistro gibt es ja keinen Schuhladen. Aber wirklich liebe DB: Eigentlich ist dieses Prozedere nicht wirklich 2016! Alle Banken empfehlen ihren Kunden, die Karte nicht mehr aus der Hand zu geben!

Das Fazit:

Die Kartenzahlungssituation scheint alles in Allem etwas besser als in Deutschland. Wer allerdings in einer vollen Kneipe nicht jedes Pintje (2,10€) mit Karte bezahlen will, der sollte auch hier stets Bargeld dabei haben. Es war übrigens die richtige Entscheidung, kurz vor der Abreise in Köln noch einmal einen Sparkassen-Geldautomaten besucht zu haben. Die Notfallreserve ist dann auch fast aufgebraucht.

Update 25.09.2015:

In Belgien gibt es, ähnlich wie in Deutschland, noch ein nationales Zahlungssystem namens Bancontact. Die Karten werden, ebenfalls wie in Deutschland, in der Regel mit einem internationalen Debit-Scheme als Co-Badge herausgegeben:

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Bei meinem Besuch ist mir aber kein Geschäft aufgefallen, welches von Außen sichtbar nur Bancontact akzeptierte. Hier bin ich für entsprechende Hinweise dankbar!

Ohne girocard sieht es mau aus oder warum YoMo ein Erfolg werden könnte

In den letzten Monaten haben einige Banken und Fintechs probiert, den Deutschen innovative Girokonten und Zahlkarten schmackhaft zu machen. Trotz Gebührenfreiheit im In- und Ausland, kostenlosen Barabhebungen, schicker Apps und zeitgemäßem Kartenportfolio (Debit MasterCard und maestro, teils sogar auf einer Karte) kranken alle diese Angebote an einem Punkt: Der fehlenden girocard.

Wer meine Posts aufmerksam verfolgt, der weiß dass ich kein Freund unseres nationalen Alleingangs bin. Technisch fehlen mir die Bezahlfunktion im Internet, sowie die leider nicht abschaltbare Seuche ELV.

Mein größter Kritikpunkt an der girocard liegt aber eher ganz woanders. Ihr Marktanteil ist in Deutschland so hoch, dass sie vielfach die einzige unbare Zahlungsoption am POS ist und somit sowohl ausländische Kunden als auch Nutzer von N26 oder Fidor zu Zwangsbarzahlern macht.

Obwohl in den letzten Jahren zumindest die Akzeptanz der internationalen maestro-Karte deutlich zugenommen hat, erlebt man häufig genug Fälle, wo einen das Bezahlterminal mit der Fehlermeldung „Karte nicht zugelassen“ verspottet.

Gerade in der Gastronomie (und hierbei ist es egal, ob es sich um den Edelitaliener in der Großstadt oder um einen McDonalds in der Provinz handelt) und beim kleineren Einzelhandel kommt man ohne girocard nicht weiter.

Das kann man kritisieren und das tue ich hier nicht zu selten, aber leben muss man mit der Situation dennoch noch eine Weile. Von daher habe ich bislang auch Abstand davon genommen, mein Konto zu Fidor oder N26 zu verlegen. Die Neugier bzgl. deren Apps war ebenfalls nicht groß genug um ein weiteres Konto zum Spielen zu eröffnen.

Seit einigen Tagen verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass das von einer Hand voll Sparkassen gestartete Projekt „YoMo“ (Your Money) genau in diese Lücke vorstoßen möchte und sein Kontoprodukt mit einer girocard anbieten wird.

Es wäre wünschenswert, wenn diese direkt mit NFC erscheinen würde und ein Co-Badge wie maestro hätte. Spannend natürlich auch die Frage nach den Gebühren und dem weiteren Kartenportfolio, sowie dem Dreh- und Angelpunkt: Der YoMo-App.

So richtig viel ist halt noch nicht bekannt. So stay tuned.

Ein Wochenende in Wrocław ohne Bargeld. Na ja fast.

Wer meine Tweets oder diesen Blog verfolgt, der weiß, dass in Polen Bargeld eigentlich nahezu überflüssig ist und man getrost auch ohne mehr als gut zurecht kommt.

Für diejenigen, für die das Neuland ist oder sich das nicht so richtig vorstellen können folgt hier ein kleiner Bericht von meiner Reise mit Torsten und Max.

Zunächst einmal muss man wissen, dass in Polen mit maestro, V-Pay, MasterCard und VISA die wichtigsten Karten flächendeckend in Handel und Gastronomie auch für Kleinstbeträge akzeptiert werden. Mit American Express sieht es eher mau aus. Fast alle Terminals sind weiterhin kontaktlos.

Torsten und ich haben uns in der Grenzstadt Görlitz in Niederschlesien (Neusprech: „Ost-Sachsen“) getroffen und sind gemeinsam mit der Koleje Dolnośląskie nach Breslau gefahren. Die Tickets hierfür habe ich über die Applikation SkyCash per Handy bezogen. SkyCash dient hauptsächlich zum Bezug von Nah- und Fernverkehrstickets sowie dem Lösen von Parkscheinen. Es kann mit vorhandenem Guthaben oder hinterlegter MasterCard oder VISA bezahlt werden. Ein Einzug von einem polnischen Bankkonto ist ebenfalls möglich. (Kosten pro Person für 165km 27,10 PLN = 6,30€)

In Breslau angekommen haben wir uns erst einmal Fahrkarten für den ÖPNV geholt. Ich habe wieder SkyCash genutzt und Torsten hat in der Tram mit seiner kontaktlosen MasterCard zugeschlagen. Kosten für 48h Fahrspaß ohne Betriebspause: 20 PLN = 4,65€.

Die erste kostenpflichtige Besichtigung führte uns hoch hinauf auf den Skytower, dem aktuell höchsten Wohn- und Geschäftsgebäude Polens. Im 49. Stock befindet sich eine rund um verglaste Aussichtsplattform, von der aus man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt hat. Die 11 PLN für das Ticket ließen sich nur bar begleichen kontaktlos bezahlen. Max war so nett und hat am Tag zuvor für uns zugeschlagen. Die Erstattung der ca. 2,59€ haben wir per PayPal vorgenommen.

Das Abendessen im polnischen Restaurant Kurna Chata ließ sich selbstverständlich kontaktlos bezahlen. Da ich an dem Morgen um 2:45 aufgestanden bin, war dann der erste Abend für mich auch hiermit beendet.

Am Samstag starteten wir mit einem, angesichts der Temperaturen von bis zu 31C, recht sportlichen Rundgang. Hala Targowa und Ostrów Tumski standen zuerst auf dem Programm. Danach ging es zur Basisstation der Seilbahn „Polinka“, deren anderes Ende sich auf einem riesigen Hochschulcampus befindet. Für die recht kurze Überfahrt verlangt der Betreiber 3 PLN, die sich natürlich mit Karte bezahlen lassen. Wenn nicht, wie am Wochenende, an beiden Endstellen die Automaten gestört gewesen wären. Also doch der Griff zum Bargeld. Ärgerlich, zumal sich die Tickets auch nicht via Skycash buchen lassen.

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Weiter ging es zur Jahrhunderthalle. Auf dem sehr weitläufigen Gelände mit See und Liegewiese stehen eine Reihe von Streedfood-Trucks. Mit einer Ausnahme nehmen alle, wie in Polen selbstverständlich, Karten ohne Mindestumsatz an. Als alter Ruhri habe ich mir Pommes mit Currywurst gegönnt. Die 10 PLN / 2,34€ konnte ich ohne Probleme kontaktlos mit der MasterCard bezahlen.

 

Am frühen Abend haben wir noch einen Abstecher zu Barbara gemacht. Dahinter verbirgt sich der Anlaufpunkt für Fragen zum Kulturhauptstadtjahr inkl. angeschlossenem Bistro. Sowohl den Kaffee (7,50 PLN = 1,74€) als auch das T-Shirt konnte man mit Karte bezahlen.

Der Aufstieg zur „Büßerinnenbrücke“ hoch oben zwischen den Türmen der Maria-Magdalenenkirche, kostete 5 PLN. Obwohl in der Kirche überall dafür geworben wurde, deren Fanpage auf Facebook zu liken, liebte man es dort in Sachen Bezahlung eher klassisch. Sobald die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.

Wie nicht anders zu erwarten ließen sich das Abendessen sowie der Absacker in einer Bar am Rynek wieder bargeldlos bezahlen.

Sonntag sollte es zurück ins Drittweltland Deutschland gehen. Das benötigte Zugticket am Bahnhof ließ sich genauso problemlos mit Karte bezahlen, wie der Kaffee im Starbucks. Aber das ist ja auch selbst in Deutschland mittlerweile möglich.

Zum Abschied mussten noch einmal 2,50 PLN in bar her. Der Betreiber der Bahnhofstoiletten (sehr sauber und gepflegt) hat noch nicht umgerüstet. In Krakau, Warschau und Posen lässt sich das Geschäft längst kontaktlos verrichten.

Max und Torsten haben kulinarisch noch ein wenig mehr zugeschlagen. Egal ob Knysna, Zapikanka oder Schlemmereien im Café. Auch dort blieb der Bargeldvorrat unangetastet.

Wie ihr seht ist das im Ausland alles längst selbstverständlich. Nur in Deutschland diskutieren rückständige Händler und Gastronomen, sowie vom Stockholm-Syndrom befallene Verbraucher, über Kosten, technische Probleme bei der Akzeptanz oder Überwachung durch Banken, Staat und Krankenkassen.

Mein nächster Zwischenstop führte mich nach Berlin. Dort traf ich dann auf einer Tagung zwei Schweden. Die hatten zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder Scheine und Münzen in der Hand und konnte nicht verstehen, wie wir Kunden uns das in Deutschland gefallen lassen.

Das alles bestärkt mich in meiner Absicht, in Zukunft noch stärker Cash-Only Geschäfte zu boykottieren.

Das erste Mal in freier Wildbahn: iZettle im Imbiss

Der interessierte Surfer stößt immer häufiger auf Werbung für die Kartenakzeptanz mit einfachen, ans Smartphone anschließbaren, Terminals. In freier Wildbahn habe ich diese bislang nur in Taxen der mit myTaxi kooperierenden Zentrale Taxi17 in Köln gesehen.

In Verbindung mit einem iPad basierten Kassensystem und Bondrucker sieht das Ganze so aus:

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Außer, dass das Gerät im Vergleich zu den handelsüblichen Terminals von Verifon oder ingenieco etwas winzig aussieht, funktioniert es genau so, wie der Kunde es erwartet. Vorne befindet sich ein Slot zum Stecken der Karte. Kontaktlose Karten werden einfach in die Nähe des Displays gehalten.

Eine Besonderheit gibt es dennoch: Benutzt man seine girocard so wird die Zahlung über das Co-Badge maestro oder V-Pay abgewickelt. Demnach sind Bankkarten die ausschließlich als girocard funktionieren zur Zeit nicht zugelassen.

Für den Händler unterscheiden sich die Gebühren heute noch stark. So werden 0,95% für Zahlungen mit maestro oder V-Pay fällig. Transaktionen mit Kreditkarten kosten 2,75%. Im Vergleich zu herkömmlichen Anbietern und Terminals ist das inzwischen eher teuer. Vorteil ist jedoch die fehlende Vertragsbindung und der Verzicht auf eine Grundgebühr.

Positiv an diesem Restaurant: Im Fenster sind die Akzeptanzlogos angebracht und das Terminal ist deutlich sichtbar im Kassenbereich platziert. Und das Essen ist auch gut 😉

In Polen sind Kartenterminals in Kebapläden Standard. In Deutschland eher eine Seltenheit und demnach einen Bericht wert.

M. Rhein Grill & Pizzeria in Monheim am Rhein

Seit Kurzem: In Kölner Taxis bargeldlos bezahlen

Ein häufiger Kritikpunkt an den Taxi-Unternehmen ist, dass sie sich teils vehement der bargeldlosen Zahlung verweigern. Diese Haltung hat mit dafür gesorgt, dass sich Apps wie myTaxi so schnell haben durchsetzen können. Auch gegen den Widerstand der Taxizentralen.

In Köln hatte man ein Einsehen und seine Fahrzeugflotte mit moderner Technik ausgerüstet. Dazu gehört sowohl ein NFC-fähiges Kartenterminal oder die Möglichkeit via taxi.eu-App auch per PayPal zu bezahlen.

Da, ähnlich wie in den Supermärkten, die Fahrer teilweise nicht geschult wurden oder unwillig sind, hier ein Tutorial von der Webseite der Taxi Ruf Köln eG

Payment mit der taxi.eu App ist recht simpel. Das Bordsystem des Taxis generiert einen Code, den man in der App eingeben muss.

Ich rate dennoch jedem Fahrgast, vor dem Einsteigen den Fahrer zu fragen, ob er Kartenzahlung oder App-Bezahlung mit taxi.eu anbietet und wenn nicht, das nächste Taxi anzusteuern!

Mehr Infos gibt es auch auf den Social-Media-Auftritten bei Twitter und Facebook. Aber Achtung: Die Leute, die diese Accounts betreiben sind recht „speziell“. Die Art und Weise wie da kommuniziert wird schwankt zwischen unterhaltsam und peinlich.

Wer dauerhaft mitlesen möchte, sollte es sich verkneifen dort zu kommentieren. Oft reicht eine kritische Frage und man wird dauerhaft gesperrt. Insbesondere, wenn man positiv über myTaxi schreibt.

Wettbewerb hilft: Sparen mit BahnCard 50+25 statt BC100

Einige Mitstreiter aus einer BahnCard 100-Gruppe haben, genau wie ich, vor einiger Zeit ihre BahnCard 100 nicht verlängert. Für die, die sich mit dem Thema nicht so auskennen: Die BC100 ist eine Bahn-Flatrate für Deutschland. Mit ihr kann man unbegrenzt in Deutschland nahezu jeden Zug nehmen. Egal ob S-Bahn oder ICE. Hinzu erlaubt sie die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen in rund 120 Städten, sowie einiger Überlandlinien die von DB-Töchtern betrieben werden.

So eine Flatrate ist an sich eine tolle Sache. Einfach einsteigen und losfahren. Die Grenzkosten für einen Wochenendausflug nach Berlin betragen dann auch 0€ plus Hotel.

Genau wie bei Mobilfunkflatrates sollte man natürlich in regelmäßigen Abständen hinschauen, ob man nicht evtl. günstiger ohne wegkommt. Zu diesem Zweck habe ich in den fünf Jahren der BC100-Nutzung stets ein Fahrtenbuch geführt. Dort wurde jede Fahrt mit dem Flexpreis mit 50% Rabatt (Der Rabatt der BahnCard 50, Jahresgebühr wurde berücksichtigt) sowie ÖPNV-Tickets haarklein notiert.

Hatte ich zu Beginn noch sehr deutliche Ersparnisse durch Nutzung der BC100 erzielen können, so näherte sich die Summe der alternativ benötigten Tickets immer mehr der Jahresgebühr der BC100.

Durch die Freigabe des Fernbusmarktes passierte aber recht schnell Folgendes: Waren Sparpreise früher für viele beliebten Strecken kaum zu erhalten, so wendete sich das Blatt recht schnell. Die DB hat massiv die Kontingente erhöht und dabei auch viele Tickets für die 1. Klasse in den Markt gedrückt. Teilweise gibt es auch noch Spartickets wenige Tage vor Abfahrt. Vor drei Jahren noch undenkbar.

Mit dem Wissen im Hinterkopf, habe ich mich entschieden das BC50/25-Experiment zu wagen. Die BahnCard 25 sichert bei langfristiger Buchung 25% auf den Sparpreis. So kommt man gerne mal für 14,25€ von Köln nach Berlin (IC oder ICE 2. Klasse). Die BahnCard 50 nutze ich hingegen bei kurzfristigen Buchungen oder wenn ich noch nicht so genau absehen kann, welchen Zug ich erreiche.

Im ersten Jahr (12.2014-11.2015) habe ich so fast 3.000€ gegenüber dem Preis der BC100 1. Klasse sparen können. In diesem Jahr wird es wohl ähnlich sein.

Wenn man sich auf so eine Sache einlässt: Ja, durch die Sparpreise verliert man etwas Flexibilität, aber bei einem Flugticket hat man das selbe Problem. Man muss weiterhin auch mal gewillt sein, ein Ticket verfallen zu lassen oder auch mal die Differenz zum Flexpreis hinlegen, wenn man den Zug verpasst hat.

Da ich mir angewöhnt habe, bei langen Reisen gerne mal Züge um 04:00 morgens zu nehmen, erhalte ich fast immer Sparpreise, muss dann aber auch noch die Kosten für das Taxi zum Bahnhof einrechnen.

Pro-Tip 1: Es passiert nicht selten, dass ein Ticket für eine Fahrt von bspw. Köln nach Frankfurt/Oder oder Angermünde günstiger ist, als das Ticket bis Berlin. Hier sollte man immer mal ein wenig schauen. Niemand zwingt einen, das Ticket über die ganze Strecke zu nutzen.

Pro-Tip 2: Wer von NRW nach Berlin möchte, sollte am Besten auch schauen, wie die Preise für die Verbindung bspw. Köln-Tantow sind. Tantow ist der letzte Ort vor der polnischen Grenze bei Szczecin. Warum, verrate ich ein anderes Mal.

Ich kann jedem BC100-Nutzer nur empfehlen, das mal für sich durchzurechnen.

Last but not least, hier der Hinweis über eine Neuerung bei der BahnCard 50:

Seit einigen Wochen ist es möglich, Sparpreise auch mit der BC50 zu kombinieren. Das ist aber ausschließlich im Fernverkehr möglich. Sobald man einen Teil der Strecke in einem Regionalzug zurücklegen muss, erhält man die zusätzlichen 25% Rabatt nicht mehr. Klar kann man überlegen, ob man für den Rest der Strecke bspw. ein Verbundticket zusätzlich kauft, aber im Falle eines Anschlussverlustes gibt es dann immer Ärger mit den Fahrgastrechten. Wer also häufig abseits der Fernverkehrslinien unterwegs ist, sollte die zusätzliche BahnCard 25 auf jeden Fall erwerben.

Loyalty-Programm der Accor-Hotelgruppe „Le Club Accorhotels“

Wenn man viel beruflich reist, kommt man zwangsläufig mit den Kundenbindungsprogrammen der Hotelketten in Berührung. Quasi alle Programme versprechen dem Gast exklusive Vorteile wie kostenlose Upgrades, garantierte Verfügbarkeit bei kurzfristigen Buchungen, spezielle Rabatte auf die Zimmerraten und weitere Goodies.

Wie bei allen Rabattsystemen gilt auch hier: Vorteile haben nur die Nutzer, die sich konsequent auf ein bis zwei solcher Programme festlegen. Alle anderen werden zwar irgendwelche Punkte auf ihrem Konto sammeln, aber selten über ein paar Tinnef-Geschenke wie Salz- & Pfeffermühlen hinauskommen. Vielfach verfallen die nicht eingelösten Punkte auch nach einiger Zeit, da die zur Einlösung notwendige Mindestpunktzahl nicht erreicht wurde.

Pro-Tip 1: Bei der Festlegung auf eine Hotelkette sollte das Vorhandensein entsprechender Hotels an möglich vielen Orten, an denen man sich regelmäßig aufhält, sichergestellt sein. Eine Kette mit 13 Hotels in Deutschland, von denen sich vier in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander befinden, bringt es einfach nicht.

Zum Thema Kundenbindungsprogramme gibt es im Internet eine Vielzahl von Webseiten, von daher möchte ich hier nicht alle Einzelheiten und Tricks wiedergeben oder die verschiedenen Programme in Hinblick auf deren Punktwert pro ausgegebenem Euro vergleichen.

Vielmehr möchte ich meine Beweggründe schildern, wieso ich mich genau auf dieses Programm festgelegt habe.

Die Accorhotels-Gruppe betreibt Stand Mitte 2016 rund 3700 Hotels in 92 Ländern, von denen rund 2800 am Programm teilnehmen. Die Bandbreite der Marken reicht dabei von ibis bis hin zu Sofitel. Damit hat man eigentlich in fast allen wirtschaftlich oder touristisch interessanten Regionen eine gute Abdeckung.

Bei den geschäftlichen Aufenthalten achte ich auf die Kombination von vernünftigem Preis und Entfernung zum Bahnhof bzw. Kunden. Die ibis-Hotels liegen meistens verkehrsgünstig und sind auch für mehrtägige Aufenthalte gut geeignet. Gibt es kein ibis in der Nähe, dürfen es auch gerne mercure oder Novotel sein.

Pro-Tip 2: Kaum ein Normalverdiener wird durchgängig in Hotels der Vier- oder Fünf-Sterne-Kategorie übernachten. Von daher ist es wichtig, dass die Hotelgruppe über ein breites Portfolio verfügt. So sammelt man sowohl bei Business-Trips als auch bei privaten Wochenendausflügen oder sogar im Urlaub Punkte.

Accor hat wie gesagt eine sehr gute räumliche Abdeckung, aber auch ein breites Markenportfolio, so dass man eigentlich fast immer ein entsprechendes Hotel am gewünschten Ort findet.

Damit einem keine Punkte entgehen, sollte man folgende Regeln beachten:

  • Buchungen möglichst nur über die Webseite von Accor vornehmen
  • Bei telefonischen oder anders getätigten Buchungen immer sicherstellen, dass man beim Checkin seine Mitgliedskarte vorlegt
  • Umsätze von Hotelbar und Restaurant möglichst immer auf das Zimmer schreiben lassen. Diese werden dann bei Abreise automatisch bepunktet. Dieses Prozedere schont auch die Bargeldvorräte und geht zumindest in Deutschland schneller als die Kartenzahlung. Leider haben viele Hotelbars in Deutschland keine eigenen Terminals und der Gast wird zur Rezeption gebeten. Das ist in anderen Ländern undenkbar (!)
  • Nach dem Aufenthalt den Erhalt und die Anzahl der Punkte genau prüfen und ggf. reklamieren. Die Accor-IT ist da manchmal etwas „speziell“

Neben den normalen Punkten die man für getätigte Umsätze erhält, gibt es immer wieder Sonderaktionen mit vielen zusätzlichen Punkten für bspw. drei Buchungen mit je zwei Übernachtungen. Diese Aktionen können regional beschränkt sein (DACH, Osteuropa etc.) oder nur für Buchungen bei bestimmten Brands gelten. Wer diese Punkte-Turbos nutzen möchte, der sollte die Newsletter immer aufmerksam lesen. Damit lässt sich bares Geld sparen.

Pro-Tip 3: Mit der „Places“-App kann man virtuell im Hotel einchecken und auf Wunsch den Check-In in seiner Facebook-Timeline teilen. Für erfolgreiche Check-Ins (1 Check-In pro Aufenthalt) kann man Badges sammeln. Diese Badges sind mit unterschiedlichen Punktegutschriften verbunden. Auf Deutsch: Geschenktes Geld für zwei Klicks!

Aber was macht man nun mit all den Punkten?

Accor macht es seinen Gästen da sehr einfach. Man kann wahlweise direkt bei der Buchung in 2000 Punkte-Schritten (2000 Punkte=40€) diese anrechnen lassen oder sich Wertchecks ausdrucken, die bei Bezahlung vor-Ort angerechnet werden. Bislang gab es bei fast jeder Rate die Möglichkeit, einen Teil mit Punkten zu bezahlen.

Weiterhin gilt: Es gibt mehrere Status-Level (Silver, Gold, Platinum) die neben den mit dem Status verbundenen Goodies jeweils eine höhere Bepunktung der Umsätze mit sich bringen. Hier gilt also: Wer mehr ausgibt, bekommt auch mehr zurück.

Für den höchsten Status („Platinum“) benötigt man aktuell 60 Übernachtungen pro Jahr. Die kommen leicht zusammen. Als Platinum-Gast erhält man bei mercure 10% Rabatt auf Bar- und Restaurantumsätze.

Pro-Tip 4: Wer viel bei ibis übernachtet, sollte unbedingt die „ibis Business Card“ beantragen. Diese kostet 90€ Jahr und garantiert 10% Rabatt auf Standard-Raten und 5% auf die meisten Aktionsraten. Ebenfalls gibt es 10% Rabatt auf das Frühstück sowie die Bar- und Restaurantumsätze. Mit der Business-Card erhält man automatisch den Gold-Status für die gesamte Hotelgruppe!

Pro-Tip 5: Wer meint, schon zu viele Plastikkarten mit sich herumzuschleppen, sollte sich die Accorhotels App (iOS/Android) herunterladen. Dort lassen sich die Clubkarte sowie die Businesscard bequem anzeigen!

Wie ihr seht, ist das alles doch gar nicht so schwer und anstrengend.

Wer von Euch an Testberichten zu einer Vielzahl von Accor-Hotels interessiert ist, der sollte Torsten Maue auf Twitter folgen.

So und nun viel Spaß beim Punktesammeln!

Zuhause wie im Hotel schlafen: Das „Sweet Bed by ibis“

Wer viel in Hotels übernachtet, kennt das Problem nur zu gut: Schrecklich weiche und durchgelegene Matratzen. Eine Woche in so einem Ding und man ist erst einmal reif für die Reha.

Gerade die etwas höher eingestuften Hotels versprühen, nicht nur vom Interieur her, den Muff der alten Bundesrepublik. Vielfach machen die Betten den Eindruck als ob sich darin schon der ewige Kanzler gewälzt hat.

Die teilweise sehr vorteilhaft fotografierten Zimmer auf den Hotel-Webseiten lassen meistens nur erahnen, was einen im Zimmer erwartet. Wer auf Nummer sicher gehen will, der bucht in Europa einfach ein ibis-Hotel. Und zwar die „roten“ ibis-Hotels. Mit Ausnahme weniger Häuser, die noch nicht renoviert wurden oder sich für ein anderes Konzept entschieden haben (bspw. Dresden), findet man überall die wirklich hervorragenden Sweet Beds vor.

Ich muss sagen, dass ich noch nie zuvor in einem Bett so gut geschlafen habe. Offensichtlich geht es nicht nur mir so. Die Accor-Gruppe hat das erkannt und bietet diese Betten online zum Kauf an.

Wer sich für ein solches Bett interessiert: Ich würde im Nachhinein nicht mehr die 140cm Variante, sondern die etwas breitere und in den Hotels zumeist verwendete Variante mit 160cm Breite wählen.

Wie das Bett aufgebaut ist erfahrt ihr auf YouTube: Sweet Bed by ibis

Und bestellbar ist das Ganze hier: ibis Store

(Foto: ibis Store)