Bargeldlos in Brüssel (update)

Wie versprochen, hier nun ein kurzer Bericht über den Stand des bargeldlosen Bezahlen in Brüssel. Da es ist nur um einen Wochenendtrip handelte, besteht natürlich kein Anspruch auf allumfassende Betrachtung.

Die Ankunft am Freitag:

Angekommen am Bahnhof Brussel-Zuid ging es zuerst zur Metro-Station zwecks Ticketkauf. Ähnlich wie in der Niederlanden kann man sich eine nicht-personalisierte NFC-Karte („Mobib basic“) am Metro-Kiosk kaufen. Diese kann dann mit Guthaben oder Zeitpässen beladen werden. Ich habe mich, nichtwissend dass am autofreien Sonntag der ÖPNV gratis war, für ein 72h Jump-Ticket entschieden. Das kostet 18€ plus 5€ für die NFC-Karte. Mit der Karte muss man sich bei jedem Betreten eines Verkehrsmittels einchecken. Das aus den Niederlanden bekannte Auschecken entfällt in Brüssel. Die 23€ ließen sich problemlos mit MasterCard, VISA, maestro und VPay begleichen. Allerdings sind die Terminals noch nicht kontaktlos. Das Aufladen der Karten kann man an jedem Ticketautomaten vornehmen. Davon gibt es viele auch oberirdisch. Auch diese akzeptieren sämtliche gängigen Karten.

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Unterwegs in der Stadt:

Viele Kebap-Läden, Restaurants und teilweise sogar Kneipen akzeptieren bargeldlose Bezahlung. Bei einem Ägypter wurde mir ungefragt 1€ Surcharge für eine Zahlung mit maestro in Rechnung gestellt.

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Die üblichen Verdächtigen wie McDonalds und Starbucks nehmen sowieso Karten und in inzwischen auch kontaktlos. Bei Starbucks habe ich erfolgreich Apple Pay testen können. Offensichtlich hat man auch hier die CDCVM-Einstellungen in den Terminals richtig gesetzt.

Im Hotel (ibis) ließ es sich selbstverständlich auch bargeldlos bezahlen. Im Gegensatz zu Deutschland gab es an der Hotelbar ein eigenes Terminal. NFC war, obwohl eingebaut, leider deaktiviert. Wahrscheinlich zu dem Zweck, dass das Hotel einem DCC auf´s Auge drücken kann. Das geht kontaktlos nämlich nicht.

Wer eine Karte aus einem Nicht-EUR-Land benutzt, sollte hier stets auf DCC achten. Händler und Gastronomen scheine diese Art der Abzocke für sich entdeckt zu haben.

Kurztrip nach Leuven:

Am Samstag Abend habe ich noch einen Kurztrip mit dem IC ins flämische Leuven unternommen. Die Ticketautomaten der SNCB/NMBS nehmen ebenfalls alle bekannten Karten. Ich habe mich jedoch für ein mobiles Ticket entschieden. Es gibt ein Wochenend-Internet-Spezial, das einem auf die eh schon sehr günstigen Preise nochmal 50% Rabatt gewährt werden.

Zu diesem Zweck habe ich die entsprechende App aus dem AppStore geladen. Ohne Trotz mobiler Registrierung ging die Buchung recht flott und die Bezahlung erfolgte mit MasterCard oder VISA. Leider gibt es, abweichend zur Deutschen Bahn, keine vollwertige Kopie des Tickets als E-Mail. Man hat also weder eine Rechnung noch ein Backup für den Fall, dass das Handy schlappmacht.

In Leuven führte es uns in eine Cash-Only Pizzeria. Das war aber gefühlt der einzige Laden in der wahnsinnig schönen Altstadt mit vielen tollen Gebäuden, der noch nicht im Jahr 2016 angekommen schien.

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Der Weg dorthin führte über einen schönen Marktplatz vor der wieder aufgebauten Uni-Bibliothek. Dort war gerade Rummel und einige der Stände akzeptierten auch Karten!

Das Tram-Museum:

Da am Sonntag der internationale autofreie Sonntag gefeiert wurde, war die Benutzung des ÖPNV der STIB komplett kostenlos. Als Bonbon hatte dann auch das Trammuseum freien Eintritt. Dort findet man eine wunderbare Sammlung historischer Fahrzeuge. Darunter auch Omnibusse.

Weder an der Kasse, noch im Andenkenshop oder Café ließ es sich bargeldlos bezahlen. So wie es aussah geschah da auch viel ehrenamtlich. Die allesamt sehr lecker aussehenden Kuchen erweckten den Eindruck von Mutti selbst gebacken zu sein.

Nun gut, für solche Fälle habe ich ja immer ein wenig Notfallgeld in der Tasche. Der Anblick solcher wunderschönen Fahrzeuge lässt den Ärger dann auch schnell vergessen:

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Der Bahnhof Brussel-Zuid:

Auch wenn es in diesem Bahnhof eine Vielzahl von Shops gibt, so richtig einladend wirkt der Bahnhof wirklich nicht. Die Gastronomie hat eher einen Wartehallencharakter. Man will eigentlich nur schnell weg hier.

Toiletten und Gepäckfächer erwarten Münzgeld. Bei den Gepäckfächern sogar passend. Eine Überzahlung wird nicht akzeptiert. Geld ließ sich aber am Gepäckschalter, der gleichzeitig auch Ticketschalter in der Nacht ist, wechseln.

Aus Ermangelung eines Starbucks ging ich zunächst in den Food-Court. Beim Asiaten ließ es sich problemlos mit NFC bezahlen. Unsere Pappnasen-Franchiser von Asia Hung aus Deutschland kriegen das ja nicht hin. Die anderen Läden im Food-Court hatten auch diese schönen Würfelterminals mit NFC. Leider haben fast alle Läden die linke Seite mit dem Kontaktlos-Logo verdeckt. Im Display wurde, anders als bspw. bei ALDI Süd, nur der Hinweis auf Magnetstreifen (rechts) und Chip (oben stecken) angezeigt. Der Hinweis auf NFC fehlte überall!

Zum Schluss habe ich mir noch einen Kaffee bei „Sams Café“ gegönnt. Die hatten eine tolle Auswahl verschiedener Cafés. Kartenzahlung unter 10€ wurde mit einem Aufschlag von 10 Cent versehen. Surcharges in der Höhe sind ja noch akzeptabel. Da aber das Terminal kaputt war, hieß es auch hier: Nur Barzahlung. Nun ja.

Die Rückfahrt mit dem ICE:

Das Ticket habe ich wie immer als Handy-Ticket im DB Navigator gespeichert. Der netten Dame vom Am-Platz-Service habe ich dann auch direkt meine VISA-Karte für ein alkoholfreies Weizen anvertraut. Zwischen Wagen 29 und dem Bordbistro gibt es ja keinen Schuhladen. Aber wirklich liebe DB: Eigentlich ist dieses Prozedere nicht wirklich 2016! Alle Banken empfehlen ihren Kunden, die Karte nicht mehr aus der Hand zu geben!

Das Fazit:

Die Kartenzahlungssituation scheint alles in Allem etwas besser als in Deutschland. Wer allerdings in einer vollen Kneipe nicht jedes Pintje (2,10€) mit Karte bezahlen will, der sollte auch hier stets Bargeld dabei haben. Es war übrigens die richtige Entscheidung, kurz vor der Abreise in Köln noch einmal einen Sparkassen-Geldautomaten besucht zu haben. Die Notfallreserve ist dann auch fast aufgebraucht.

Update 25.09.2015:

In Belgien gibt es, ähnlich wie in Deutschland, noch ein nationales Zahlungssystem namens Bancontact. Die Karten werden, ebenfalls wie in Deutschland, in der Regel mit einem internationalen Debit-Scheme als Co-Badge herausgegeben:

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Bei meinem Besuch ist mir aber kein Geschäft aufgefallen, welches von Außen sichtbar nur Bancontact akzeptierte. Hier bin ich für entsprechende Hinweise dankbar!

4 Gedanken zu “Bargeldlos in Brüssel (update)

  1. Der guten Ordung halber ein Link zu einem kritischeren Beitrag über das bargeldlose Bezahlen in Belgien:
    http://amaizeg.blogspot.de/2016/01/pinnen-in-belgie-liever-niet.html

    „Regelmatig kun je wel met Belgische bankkaart betalen maar niet met een Nederlandse pinpas. ‚Nederlandse kaarten accepteren we niet‘.
    We zijn toch in het land waar de hoofdstad van de Europese Unie zich bevindt? Hoezo niet kunnen pinnen met Nederlandse kaart?“

    Offenbar gibt es doch ein „Bancontact-Only“-Problem in manchen kleinen Geschäften.

    Gefällt mir

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