App-basierte Handytickets sind kein Ersatz für moderne Ticketautomaten

Aus Sicht des Nutzers sind Handytickets eine praktische Sache, insbesondere dann, wenn man hierfür eine App nutzen kann, die nicht nur in der eigenen Stadt oder dem eigenen Verbund funktioniert.

Vorreiter war hier HandyTicket Deutschland welches aktuell mit VRR, VRS und VBB drei der größten deutschen Verkehrsverbünde abdeckt. Die Bezahlung geht schnell und einfach via monatlicher Rechnung oder aber als Prepaid-Konto.

Abgesehen davon, dass es natürlich viele Regionen gibt, wo andere Anbieter bevorzugt werden und man damit jeweils eine weitere App samt Registrierung und hinterlegten Zahlungsdaten benötigt, gibt es natürlich auch Städte, die darauf verzichten.

Im positiven Fall ist ein Handyticket eine Erleichterung für den Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.

Leider kann es aber immer mal wieder vorkommen, dass technisch etwas nicht rund läuft. Angefangen beim leeren Akku des Öffinutzers genau in dem Moment wo der Prüfdienst das Ticket sehen möchte. Einige der Apps funktionieren nicht zuverlässig, wenn kein Datenempfang (oder nur EDGE) möglich ist. Während man dies beim Ticketkauf noch nachvollziehen kann, so hört der Spaß auf, wenn auch das Anzeigen, eines mit dem aktuell benutzen Gerät, gekauften Tickets daran scheitert, dass sich das Handy mal wieder mit irgendeinem WLAN -Hotspot verbinden will. Diese Fälle gab es in der Vergangenheit leider häufiger. Gerade bei den Android-Versionen der Apps.

Für die Verkehrsbetriebe sind Handytickets natürlich in erster Linie auch eine Möglichkeit um Kosten einzusparen. Anstatt Fahrzeuge und wichtige Haltestellen mit teuren Automaten auszustatten, werden Benutzer bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf die Apps verwiesen. Wenn ich aber schon die Hardware des Öffinutzers für den Vertrieb meiner Fahrkarten nutze, dann müssen solche Lösungen aber auch gewissen Qualitätskriterien genügen.

Es darf weder das Fehlen einer gültigen Internetverbindung noch die Nichterreichbarkeit der eigenen Server dazu führen, dass der Kunde seine bezahlten Tickets nicht vorzeigen kann. Ebenfalls sollte ein leerer Akku niemals zum Problem des Kunden gemacht werden. Die Identifizierung über E-Mail Adresse oder Rufnummer sollte genügen, um mit einem Anruf beim Service-Center das Vorhandensein eines Tickets zu validieren. Idealerweise natürlich über eine Online-Verbindung mit Hilfe der mobilen Terminals des Prüfdiensts.

Ein immer wieder unterschätztes Problem sind die Bezahlmöglichkeiten. Gerade für Besucher aus dem Ausland sind Einschränkungen auf deutsche Bankkonten, giropay, Mobilfunkrufnummer deutscher Provider etc. eine unüberwindbare Barriere bei der Benutzung des ÖPNV. Das gleiche gilt natürlich auch für Apps, die nicht in verschiedenen Sprachen erhältlich sind.

Solange diese Fragen ungeklärt sind, solange müssen die Verkehrsbetriebe auch alternative Vertriebswege mit zeitgemäßen Bezahlmöglichkeiten anbieten. Wie so etwas geht, zeigen u.a. die kommunalen Verkehrsbetriebe der Stadt Breslau in Polen.

links: Stationärer Automat in Magdeburg (Münzen + GeldKarte)
rechts: Automat in Breslauer Bus mit ausschließlicher Kartenakzeptanz (inkl. kontaktlos)

Es kann nicht angehen, dass Hardware- und Betriebskosten der Vertriebsinfrastruktur und die Risiken der Verfügbarkeit von den Verkehrsbetrieben auf den Nutzer abgewälzt werden, ohne dass dieser dadurch auch nur einen einzigen spürbaren Vorteil hat. Die 3% Rabatt die bspw. der VRS seinen Nutzern gewährt sind da nur ein Anfang.

Daher wundert Euch nicht, dass ich trotz Smartphone auch immer wieder Tickets am Automaten kaufe und den Verkehrsbetrieben bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf den Zahn fühle.

Bargeldlos in: Magdeburg

Nachdem ich @tmmd bislang meistens auf polnischem Staatsgebiet getroffen habe, folgte ich am ersten Augustwochenende 2017 seiner Einladung nach Magdeburg. Mein letzter Aufenthalt dort war so um 2003 und ich war damals in einem Hotel außerhalb untergebracht, so dass ich von der eigentlichen Stadt so gut wie nichts mitbekommen habe.

Die Anreise

Die Anreise erfolgte wie immer mit der Deutschen Bahn und einem Sparpreisticket mit Zugbindung. Um allen Eventualitäten vorzubeugen, fahre ich daher immer gerne etwas früher von zuhause los und nutze die Zeit für ein kleines Frühstück im Bahnhof. Die erste Überraschung erlebte ich noch im Kölner Hauptbahnhof. Der „Brezelbäcker“ Ditsch hat inzwischen NFC-fähige Kartenterminals installiert. Diese sind vom Kunden bequem bedienbar.

NFC-Test noch vor dem ersten Kaffee

Klar, dass ich hier natürlich einen ersten Test unternehmen musste. Da Ditsch explizit das girocard-Logo in der Liste der kontaktlos akzeptierten Karten aufführte, versuchte ich zuerst damit zu bezahlen. Leider hagelte es bei allen drei Versuchen Fehlermeldungen, so dass ich auf die MasterCard auswich. Die Abwicklung der PayPass-Zahlung war in weniger als einer Sekunde erfolgt und ist damit wirklich mehrfach schneller, als das Bezahlen mit Bargeld.

Das Motel One

In Magdeburg angekommen ging ich zunächst ins Hotel. Torsten hatte mir das „Motel One“ empfohlen. Während fast alle aktuellen Häuser der Kette Neubauten sind, wurde hier ein wirklich prachtvolles Gemäuer gegenüber dem Magdeburger Dom saniert. Wer schon einmal in einem Motel One übernachtet hat, der weiß das schicke Design der Häuser zu schätzen. Die Bezahlung der Hotelrechnung erfolgt vorab beim Check-In. Ich habe meine MasterCard verwendet. Die NFC-Funktion war „absichtlich“ am Terminal deaktiviert worden und die nette Dame an der Rezeption meinte, dass sie dies auch bei ihren privaten Karten explizit hat sperren lassen. Nun gut.

Noch ein Tipp für Sparfüchse: Zum Buchen des Hotelzimmers habe ich über das Cashback-Portal Shoop das Buchungsportal HRS aufgerufen und dort gebucht. So erhalte ich in Kürze noch etwas über 7€ zurück.

Magdeburger Verkehrsbetriebe

Die MVB verfügt über ein großes Netz an Straßenbahnlinien, mit denen man im dichten Takt – auch am Abend und am Wochenende – schnell von A nach B kommt. Ab 23:00 übernehmen – auch in der Woche – Nachtbusse den Verkehr. Das ist etwas, wovon man als Westdeutscher nur träumen kann. Eine Tageskarte ist für 5,10€ zu haben, was für die gebotene Leistung wirklich ein Schnäppchen ist.

Wer sein Ticket mit Karte bezahlen möchte, hat allerdings nur die Wahl zwischen der GeldKarte-Funktion an den stationären Automaten oder der Benutzung der Automaten der Deutschen Bahn. Die Automaten in den Fahrzeugen akzeptieren lediglich Bargeld.

Die über easyGO bereitgestellte Handyticket-Funktion ist leider auch keine Alternative. Im Gegensatz zu den Stadtwerken Bonn, erlaubt die MVB lediglich die Bezahlung über die Handyrechnung. Damit bleiben Kunden von vielen Mobilfunkdiscountern genauso außen vor, wie Besucher aus dem Ausland. Für mich als Firmenkunde stellt sich zusätzlich das Problem, dass wir die Funktion Providerbilling komplett haben sperren lassen.

Wenn Magdeburg wirklich 2025 als Kulturhauptstadt Europas auftreten möchte, sollte man sich langsam mal Gedanken über eine Ausschreibung für neue Ticketautomaten machen. Wie man in Köln und Berlin ja leidvoll erfahren durfte, kann das auch mal ein paar Jahre dauern, bis die Geräte dann endlich funktionsfähig zur Verfügung stehen.

Böhmische Knödel und Pasta

Am Freitag ging es für mich zunächst in Wenzel´s Prager Bierstuben zum Mittagessen. Wie der Name schon verrät, handelt es sich um ein Böhmisches Brauhaus. Für knapp 9€ gibt es die Klassiker als Mittagstisch. Davon wird man gut satt. Aktuell hat man einige exklusive Sommerbiere im Programm, die wirklich sehr zu empfehlen sind. Die Bezahlung war laut Aushang mit girocard und Maestro möglich. Da das Essen so lecker war, sind wir am Samstag Abend direkt noch mal zusammen dorthin gegangen.

Am Freitag Abend stand aber erst einmal ein Klassiker des kontaktlos bezahlten Essens auf der To-Do Liste: Vapiano. Hier werden so ziemlich alle Karten akzeptiert und bis auf die girocard auch kontaktlos. Ich entschied mich für die Nutzung meiner MasterCard. Das Essen war, wie bei Vapiano üblich, sehr lecker. Auffallend war nur, dass der Koch sich irgendwie mehr für die schnuckelige Blondine hinter mir interessierte als für den Garpunkt meiner Rinderfiletstreifen. Ich konnte es ihm ehrlich gesagt nicht wirklich verübeln.

Den Abend haben wir dann mit einem Highlight ausklingen lassen.

Strandbar bargeldlos

Die Strandbar Petriförder wirbt direkt am Eingang unübersehbar für das bargeldlose Bezahlen:

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Es ist hier selbstverständlich, dass man auch ein einzelnes Bier mit Karte bezahlen kann. Das dazugehörige, von VR-Pay bereitgestellte, Ingenieco-Terminal hatte allerdings ein Problem mit NFC. MasterCard-Transaktionen wurden mehrfach abgebrochen, so dass ich auf Chip & PIN ausgewichen bin. Torsten verwendete darauf hin seine 1822mobile girocard und wurde gleich mit ELV bestraft.

In der Form habe ich sowas noch nicht in Deutschland erlebt. Klar, in polnischen Diskotheken und Londoner Pubs ist es längst Usus, einzelne Getränke mit Karte zu begleichen, aber bei uns wird meistens ja noch ein Mindestumsatz erwartet, den man nur mit einer Lokalrunde knacken könnte.

Darüber hinaus ist die Lage an der Elbe einfach traumhaft. Der richtige Ort, um nach einem anstrengenden Tag bei einem Bier (Hefeweizen 0,5l für 3,90€) auszuspannen. Gelegentlich gibt es dort auch eine Grillhütte und weitere Getränkestände. Dort waren aber beim zweiten Besuch am Samstag keine Terminals sichtbar.

Übrigens: Auf Gläser wird 1€ Pfand erhoben. Die kann man mit Karte bezahlen, erhält sie aber in bar zurück. Der Trinkgeldbecher freut sich 😉

Frühstück – Die wichtigste Mahlzeit des Tages

Am Samstag ging es zum Frühstück ins Magado das abends Burger und Cocktails bietet. Für knapp über 10€ gibt es neben Kaffee ein recht umfangreiches Frühstücksbuffet. Spiegelei und Rührei werden in der Küche frisch zubereitet. Das gibt schon einmal 10 Pluspunkte. Es gibt doch nichts Schlimmeres als warm gehaltenes Rührei in Blockform.

Da weder an der Tür noch auf der Facebook-Seite irgendwelche Hinweise auf Kreditkartenakzeptanz zu sehen waren, haben wir unsere girocards benutzt.

Da ein wenig Abwechslung nicht schaden kann, wählten wir am Sonntag das Alex aus. Dabei handelt es sich um eine Restaurantkette. Das Haus in Magdeburg erstreckt sich über zwei Etagen. Im oberen Stockwerk war das gleiche Frühstücksbuffet noch einmal aufbaut. Entsprechend voll war es dann auch.

Das Buffet war deutlich umfangreicher als im Magado, aber meiner Meinung nach waren sowohl die Brötchen als auch das Rührei zwei Klassen schlechter. Aber dennoch muss man sagen, dass hier jeder auf seine Kosten kommt.

Bezahlt wurde kontaktlos mit MasterCard bzw. VISA.

Sehenswürdigkeiten

Zwischen den Mahlzeiten und der Arbeit gab es natürlich noch einiges zu besichtigen. Torsten ist ein wandelndes Geschichts- und Heimatkundelexikon und wußte zu jeder Brücke und jedem Bauwerk eine Geschichte zu erzählen.

Neben einem Rundgang durch den Magdeburger Dom standen u.a. der Wissenschaftshafen, die Elbauen am ehemaligen Güterbahnhof, eine der Eisenbahnhubbrücken, sowie ein Rundgang durch das ehemalige Sanierungsgebiet Buckau auf dem Programm.

Nach soviel Fußmarsch war am Freitag Nachmittag erst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen angesagt. Eher zufällig entdeckten wir das Café am Domfelsen welches ab 10€ zumindest girocard akzeptierte.

Am Samstag Abend sind wir auf den Albinmüller-Turm gestiegen. Oder viel mehr gefahren, da ich den Aufzug vorzog. Erstmals gab es verlängerte Öffnungszeiten bis 1 Uhr nachts, so dass man theoretisch den Sonnenuntergang hätte fotografieren können. Leider spielte das Wetter nicht so mit. Dennoch hatte man von da oben eine gigantische Aussicht:

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Um auf den Turm zu gelangen, galt es ein Drehkreuz überwinden. Hierzu musste man 2€ einwerfen. Eigentlich sollte dies die einzige geplante Barausgabe des Wochenendes werden.

Mindestumsatz für die Tageskarte zum Elbauenpark und Jahrtausendturm

Eines der Highlights von Magdeburg ist umfraglich der Jahrtausendturm. Ursprünglich nur für die Dauer der Gartenschau gedacht, steht das Gebäude nunmehr seit 18 Jahren und ist mit 60 Metern das höchste Holzgebäude Deutschland. Innen lassen sich 6000 Jahre Menschheitsgeschichte auf mehreren Etagen erleben. Die Ausstellung ist insbesondere für Kinder interessant, da es hier viel zum Anfassen und Ausprobieren gibt.

 

 

Eine Tageskarte kostet 6€. Laut Webseite kann man an der Hauptkasse mit girocard bezahlen. Vor Ort versicherten sich gleich drei Mitarbeiter gegenseitig, dass sie die Anweisung hätten, nicht unter 20€ (Torsten hat 10€ gehört) Karten zu akzeptieren. Man gab mir eine Postkarte mit einem Feedback-Formular mit. Da ich inzwischen das Kontaktformular der zuständigen Gesellschaft im Netz entdeckt habe, entschied ich mich für die digitale Variante. Die erste Reaktion, die ich am Montagnachmittag erhielt, lässt darauf schließen, dass die Mitarbeiter entweder falsch informiert waren oder sich spontan den Mindestumsatz ausgedacht haben.

Auch hier wieder der Hinweis auf 2025!

Weitere Stationen

Neben dem obligatorischen Snack bei McDonalds (Kontaktlos, alle gängigen Karten) standen noch ein Mittagessen im Espressokartell (Kontaktlos, alle gängigen Karten, ab 10€) sowie die Cocktailbar One (alle gängigen Karten ab 15€, kein NFC) auf dem Programm. Da mein Lieblingscocktail Mojito hier um 5,20€ liegt, mussten es schon drei werden, um den Mindestumsatz zu erreichen. Aber ich denke das ist für eine Cocktailbar OK.

Nicht so toll ist allerdings, dass man in Sachsen-Anhalt wohl in der Gastronomie noch rauchen darf. Selbst in Läden mit Restaurantbetrieb fanden sich noch Aschenbecher.

Die Rückreise

Da ich noch ein wenig Zeit hatte, bin ich noch ein wenig durch den Bahnhof gelaufen. Neben McDonalds gibt es hier einen SPAR Express der kontaktlose Kartenzahlung ohne Mindestumsatz akzeptiert. Die von Sanifair betriebene WC-Anlage lässt sich ebenfalls mit der passenden Kreditkarte kontaktlos öffnen.

Fazit

Zugegebenermaßen ist der Test verständlicherweise leicht unfair, da Torsten ebenfalls ein Kartenfreak ist und natürlich die Empfehlungen entsprechend ausgesprochen hat.

Während die von der Stadt Magdeburg betriebenen Einrichtungen noch Nachholbedarf haben, lässt es sich in der Gastronomie gut ohne Bargeld auskommen.

Man sollte sich aber auf jeden Fall auch die Mühe machen und nach der Akzeptanz fragen. Leider bringen nicht alle Wirte entsprechende Akzeptanzsticker an. Was da die Motivation ist, kann ich leider nicht sagen.

Rückblickend kann man aber auch sagen, dass Torsten an diesem Wochenende wahrscheinlich häufiger zur girocard gegriffen haben mag, als in den letzten drei Jahren zusammen.

Neue Ticketautomaten der KVB

Die Kölner Verkehrsbetriebe erneuern zur Zeit ihre inzwischen ziemlich betagten Ticketautomaten. Dabei werden rund 900 Geräte getauscht, die sich in der Mehrzahl in den Fahrzeugen befinden. Es gibt aber auch einige stationäre Automaten an wichtigen Haltestellen.

Die letzte Generation bot neben der Zahlung mit Münzen auch die Akzeptanz der GeldKarte. Einige Automaten an den Haltestellen erlaubten auch die Bezahlung mit girocard und PIN.

Einer der Hauptkritikpunkte war – typisch Deutschland – die fehlende Akzeptanz von Banknoten. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. Hier sprechen einfach Kostengründe und die auch in Deutschland nicht dauerhaft auszubremsende Tendenz zur Kartenzahlung dagegen.

Ein wesentlicher Schritt in die Zukunft ist aber die Möglichkeit, nunmehr auch im Fahrzeug mit Karte zu bezahlen. Akzeptiert werden neben der GeldKarte: girocard, MasterCard und VISA. Es ist davon auszugehen, dass ausländische Maestro und V-Pay-Karten ebenfalls funktionieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten werden jetzt alle Karten auch kontaktlos verarbeitet. Dies war zuvor girogo vorbehalten. Erfolgreich getestet wurde auch die Bezahlung mittels Apple Pay. Die etwas zickige App SEQR für Android versagte jedoch ihren Dienst. Girocard kontaktlos wird irgendwann folgen.

Als weiteres Highlight besitzen die Automaten einen Barcode-Scanner, der es ermöglicht ein zuletzt gekauftes Ticket erneut zu erwerben.

Mehr Bilder der Automaten findet ihr hier.

Seit Mai 2016 hatten die Nutzer der KVB die Möglichkeit, die neuen Automaten an ausgewählten Standorten zu testen und Feedback zu geben. Das Feedback wurde zwar vom Social-Media Team der KVB weitergereicht, es kam jedoch nie etwas aus der entsprechenden Fachabteilung zurück. In sofern finde es schon einmal positiv, dass die Payment-Probleme mit kontaktlosen Karten noch vor dem massenhaften Rollout der Automaten beseitigt werden konnten.

Schade, denn hier hätte sich eine gute Gelegenheit geboten, den Nutzer wirklich in ein wichtiges Investitionsprojekt einzubinden. Man hat zwar über die diversen Kanäle wie dem KVB-Blog über das Projekt zu Beginn informiert, aber aktuelle Wasserstandsmeldungen gab es nur auf explizite Nachfrage. Carola, Regina, Pia und Markus von der KVB wurden dann auch häufiger einmal von mir mit Fragen zu Problemen belästigt.

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Endlich: Tickets mit Apple Pay bei der KVB bezahlbar!

Damit in Zukunft mehr Tickets bargeldlos erworben werden, sollte aber kurzfristig girocard kontaktlos nachgerüstet werden. Girogo ist genau wie die GeldKarte nie richtig von den Bankkunden angenommen worden. Ich bin wohl einer der wenigen Leute, die das System noch ab und an außerhalb eines Fußballstadions verwenden 😉

Alternativ lassen sich Fahrkarten aktuell über die App von HandyTicket Deutschland und den DB Navigator erwerben. HTD bietet 3% Rabatt auf Einzelfahrausweise. Das jeweils vierte Ticket einer Preisstufe wird noch stärker rabattiert, so dass der Nutzer hier auf den Preis eines 4er-Tickets gelangt. Im VRR hingegen muss man ein 4er (oder 10er)-Ticket vorab komplett bezahlen und beim Abfahren darauf achten, dass es noch freie „Streifen“ gibt. Beim Kauf eines Einzelfahrausweises wird man nämlich nicht daran erinnert.

Fazit

Mit den neuen Automaten ist man in Köln gut für die Zukunft aufgestellt, auch wenn man nicht den Mut hatte, wie in Breslau ganz auf die Bargeldannahme in den Fahrzeugen zu verzichten.

Barrierefreiheit im ÖPNV: Mehr als nur Rollstuhlrampen

Die Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel sind verpflichtet, bis spätestens 2022 ihre Angebote barrierefrei auszustatten. Eine große Aufgabe, bei denen die meisten von uns an Aufzüge, Rollstuhlrampen, Niederflurfahrzeuge und Hilfen für sehbehinderte Menschen denken.

Viele Betriebe bzw. Aufgabenträger wissen heute kaum, wie sie die Kosten für bauliche Maßnahmen und die Erneuerung der Fahrzeugflotte aufbringen sollen. Dennoch führt an diesen Maßnahmen kein Weg vorbei, wenn man nicht Teile der potentieller Nutzer ausschließen möchte. Im Zuge der immer älter werdenden Nutzer sind sämtliche Erleichterungen ein Fortschritt für alle.

Darüber hinaus sollte man aber auf keinen Fall vergessen, dass neben den physischen Zugangshürden aber noch ein anderes Problem besteht, dass viele potentielle Nutzer der Öffis abschreckt: Ticketing und Payment.

Wenn je nach Region oder Vertriebsweg Einzelfahrscheine entweder entwertet aus dem Automaten kommen, man nach Einstieg im Fahrzeug oder sogar vor Betreten des Fahrzeugs an der Haltestelle das Ticket stempeln muss, dann sind das Fallen, die gerne mal mit 60 EUR geahndet werden.

Kurzstreckenregelungen, die mal einen Umstieg zulassen, diesen teilweise aber zwischen SPNV und ÖPNV ausschließen oder sogar ganz verbieten, sorgen zusätzlich für Verwirrung.

Neben den tariflichen Spitzfindigkeiten fangen die Probleme aber schon beim Ticketkauf an. Im Jahre 2017 sollte man eigentlich davon ausgehen, dass ein Fahrscheinbezug mit gängigen Karten bargeldlos möglich sei.

Leider weit gefehlt: In der zweitgrößten Stadt des Landes und Touristenhochburg Hamburg setzt die Hochbahn auf die GeldKarte. Dieses Verfahren wurde vom Nutzer nie richtig angenommen. Viele Geldinstitute, u.a. die komplette genossenschaftliche Bankengruppe, geben daher auf neuen Karten diese Funktion gar nicht mehr aus. Damit verhindert man nicht nur die Nutzung durch ausländische Touristen komplett, sondern setzt auf eine Lösung die nicht einmal dem im Inland lebenden Nutzer gerecht wird.

In Berlin akzeptiert die BVG neben der deutschen girocard immerhin Maestro. Damit dürfte man alle deutschen Bankkunden erreichen, zusätzlich Niederländer, Österreicher, Belgier und teilweise Besucher aus der Schweiz. Aber bereits bei Luxemburgern (V-Pay Land) oder Besuchern aus dem Nachbarland Polen (Banken geben nur MasterCard und VISA als Debitkarten heraus) versagen die Automaten und zwingt die Nutzer zur Bezahlung mit Bargeld.

In vielen weiteren Städten wie bspw. Ulm wird zwar die girocard akzeptiert, aber nur bei einem Mindestkauf von 10€, einer Summe die im ÖPNV der Stadt nicht einmal beim Kauf einer Tageskarte erreicht wird.

Mit gutem Beispiel voran gehen bspw. München, Frankfurt, Nürnberg (sogar Amex wird hier akzeptiert) und demnächst Köln. Dort ist, bzw. wird dann der Ticketkauf problemlos auch mit MasterCard und VISA möglich sein.

Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Leider scheint bei vielen Betrieben keinerlei Kompetenz in Sachen Payment vorhanden zu sein. Das fängt schon bei Kenntnissen über die Kosten der einzelnen Bezahlverfahren an.

Versuche, mit den Betrieben in eine Diskussion einzusteigen, enden meistens mit Allgemeinplätzen und der Wiedergabe der typischen Urban Legends.

Gerne wird auch auf das Angebot von Handy-Tickets hingewiesen. Leider berücksichtigen die Verkehrsbetriebe weder, dass die Vertriebsprovision wesentlich höher ist, als es die Kosten für eine Kartenzahlung sind, noch dass die Handyticket-Apps nichts für Gelegenheitsnutzer sind.

Einige dieser Systeme funktionieren ausschließlich mit deutschen Mobilfunknummern und rechnen über den Mobilfunkanbieter ab (was nicht jeder Anbieter unterstützt). Und sind wir doch mal ehrlich:

Wenn nahezu jeder Verbund oder jeder größere Betrieb über eine eigene Lösung verfügt, wer möchte sich da für eine einzelne Tageskarte jeweils registrieren und seine Daten hinterlassen? Richtig: Niemand – außer einer Handvoll Freaks.

Ansonsten basteln fast alle Verbünde an Lösungen auf Basis des VDV eTicket-Systems herum. Natürlich jeder einzeln. Unsere niederländischen Nachbarn hingegen haben landesweit eine einheitliche Chipkarte, die mit Guthaben aufgeladen werden kann und in jedem Bus bis hin zum ICE nutzbar ist.

In Deutschland erfinden aber alle das Rad wieder neu. Anscheinend scheint die Finanznot bei den Verkehrsbetrieben immer noch nicht so groß zu sein, als dass man gemeinsam auf international erprobte Verfahren setzen würde. In sofern sind die Krokodilstränen der ÖPNV-Lobbyisten auch mit Vorsicht zu genießen.

Wer aber mögliche Nutzer mit komplizierten Tarifen und unnötigen Schwierigkeiten beim Ticketkauf zusätzlich zu den nicht immer guten Verkehrsangeboten belastet, der braucht sich über einen miesen Modal-Split nicht wundern. Andererseits befinden sich die ÖPNV-Systeme in vielen Großstädten am Rande ihrer Kapazität. Vielleicht will man ja auch so verhindern, dass die Systeme komplett kollabieren.

Mein Wunsch an die ÖPNV-Funktionäre: Wenn ihr Euch trefft, redet nicht nur über Optimierungsmöglichkeiten bei der Fahrzeuginstandhaltung. Beschäftigt Euch endlich seriös mit Ticketing und Payment!

Nutzt eure, zumeist vom Steuerzahler bezahlten, Ausflüge in europäische Metropolen wie London nicht nur zum privaten Shopping, sondern schaut euch die dort vorhandenen Systeme genau an. Dann fragt Euch bitte, ob ihr bei den üblichen Laufzeiten einer Ausschreibung im Jahr 2021 ein Bezahlsystem bereitstellen wollt, welches den technologischen Stand der späten 1990er besitzt oder ob es nicht etwas moderner sein darf.

Danke!

NFC statt Banknoten – Die KVB liegt richtig

Kommunaler ÖPNV-Anbieter zu sein ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Neben der chronischen Unterfinanzierung leiden sie vielfach unter Kommunalpolitikern die in Sonntagsreden bessere Leistungen fordern, aber seit Jahren weder einen aktuellen Nahverkehrsplan auf die Reihe bekommen, noch sich ihrer Aufgabenträgerschaft für den kommunalen Nahverkehr überhaupt bewusst sind. Die Nutzer spenden auch eher selten Lob.

Aber das, was momentan in Köln in Bezug auf die neuen Ticketautomaten abgeht, spottet jeder Beschreibung.

Die Kölner Verkehrsbetriebe haben sich dazu entschieden, knapp 900 Automaten (stationär und in den Fahrzeugen) neu zu beschaffen. Nachdem der Großteil der Altgeräte nur mit Münzen und GeldKarte, einige aber auch mit der girocard, zu benutzen waren, wollte man mit den neuen Geräten ins 21. Jahrhundert durchstarten.

Erstmals sollten alle Automaten, egal ob stationär und mobil, alle gängigen Debit- und Kreditkarten akzeptieren. Egal ob girogo mit der Sparkassencard oder die internationalen Verfahren PayPass/PayWave mit MasterCard oder VISA: Die neuen Automaten unterstützen alles.

Also alles toll? Nein, denn wir leben in Deutschland.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis der Kölner Stadtanzeiger sich darüber echauffierte, wie rückständig doch die KVB sei, da sie im Gegensatz bspw. zur Düsseldorfer Rheinbahn auf die Annahme von Banknoten verzichten.

Aber wer ist hier eigentlich rückständig?

In den Taschen der Deutschen befinden sich fast 100 Millionen girocards, hinzu kommen noch Millionen von MasterCards und VISA-Karten. Nachdem die großen Handelsketten den Rollout von NFC abgeschlossen haben, werden sich die Bankengruppen einer Ausgabe entsprechender Karten auch nicht mehr verschließen können. Egal, ob Apple Pay & Co. doch noch den Weg nach Deutschland finden.

Die Millioneninvestition in neue Automaten ist eine Entscheidung für die Zukunft. Bei einer geschätzten Lebensdauer größer zehn Jahren, kann ein Unternehmen es sich nicht leisten, Technik von gestern zu verbauen. Insbesondere dann nicht, wenn neben den Einmalkosten noch mit rund 400.000€ jährlichen Folgekosten für die Banknotenakzeptanz gerechnet wird.

Der Trend zur Kartenzahlung ist nicht zu leugnen, auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich noch weit hinten liegt. Neben der deutschen Bargeldverliebtheit, liegt m.E. die Hauptschuld aber auch bei Handel- und Dienstleistungsunternehmen, die mit Mindestumsätzen und Jammerei über die angeblichen Kosten, dem Kunden ein schlechtes Gewissen machen wollen.

Dennoch werden wir in fünf Jahren mit Sicherheit zurückblicken und uns fragen, wieso die „Blechschweine“ überhaupt noch Münzen akzeptieren.

Rückständig sind demnach der Kölner Stadtanzeiger und sein Boulevard-Pendant Express. Aber was kann man von Printmedien auch schon erwarten, die nicht einmal in der Lage sind, eine vernünftige App entwickeln zu lassen, mit der man als Abonnent bequem alle Printinhalte lesen kann.