Android Pay im Einsatz

Während man als Besitzer eines iPhones zur kontaktlosen Bezahlung auf Apple Pay angewiesen ist, so hat man als Android-User eine Vielzahl von Alternativangeboten. Neben dem auch für iOS verfügbaren boon, gibt es SEQR (SEPA-Lastschrift), LeuPay, die App der Deutschen Bank sowie einige weitere Dienste.

Der Vorteil von SEQR ist die Abrechnung per einzelner SEPA-Lastschrift vom gewohnten Girokonto. So hat man alle Kartenzahlungen an zentraler Stelle im Überblick. Leider zickt SEQR mit der Firmware in verschiedenen gängigen Bezahlterminals, so dass man das eigentlich nur eingefleischten Fans zumuten mag.

Neben den o.g. HCE-basierten Diensten gibt es aber auch von Google das direkte Pendant zu Apple Pay: Android Pay.

Während man sich inzwischen recht einfach die App boon über eine französische oder irische AppleID herunterladen und installieren kann, so macht Google es dem User mit Android Pay ungleich schwerer.

Mir war es bislang mit meiner Google ID nicht möglich, die App direkt herunterzuladen. Und das obwohl nachträglich die Rechnungsanschrift der ID auf eine Adresse in Warschau ergänzt wurde. Auch das Einlegen einer polnischen SIM hat nicht geholfen.

Netterweise habe ich von @szoszk eine aktuelle Version als APK-Datei erhalten. Diese ließ sich jedoch mit einer deutschen SIM-Karte nicht starten. Erst mit Einlegen einer polnischen SIM konnte ich die App erfolgreich aufrufen.

Ich habe dort zwei Debit MasterCard meiner polnischen Bank hinterlegt. Eine mit Abrechnung in PLN und eine mit Abrechnung in EUR. Entsprechende Angebote gibt es aber auch bspw. von irischen Banken (KBC) für Kunden in Deutschland.

Man kann in der Android Pay App eine Karte als Standardkarte hinterlegen. Wenn man am POS mit einer anderen Karte bezahlen möchte, so muss man die Pay App öffnen und die andere Karte selektieren, bevor man das Telefon an den Kartenleser hält.

Genau hier fängt das Problem an: Nach Einlegen meiner deutschen SIM-Karte hat sich die Pay App nach wenigen Sekunden deinstalliert. Eine Bezahlung am POS war nur noch mit der Standardkarte möglich. Hinzu kommt die böse Falle, dass man eine kurz vor der Deinstallation im Vordergrund geöffnete Karte b.a.w. als Standardkarte versteht. Genauso, wenn im Falle des Wechsels der Karte keine stabile Internetverbindung bestand. Also nicht wundern…

Die eigentliche Registrierung ist ziemlich unspektakulär: Karte fotografieren, per SMS erhaltene TAN der Bank eingeben, fertig!

Hält man das Telefon in Richtung eines aktivierten Kartenterminals, so taucht recht zuverlässig der Entsperrdialog auf. Mein BlackBerry KEYone hat dazu einen Fingerprintreader. Nach kurzer Zeit wird die Zahlung durch ein Abbild der Karte auf dem Display und einen grünen Haken und einer lustigen Animation bestätigt. Darauf folgt kurze Zeit später eine Pushnachricht mit Zahlungsdetails und häufig einem Kartenausschnitt aus Google Maps:

 

 

Überschreitet man die 25€/50 PLN-Grenze, so muss aktuell der PIN-Code der hinterlegten Karte am Bezahlterminal eingegeben werden. Während dies bei Apple Pay Dank CDCVM nur bei Konfigurationsfehlern des Terminals auftritt, ist dies bei Android Pay wohl Standard. Hier sollte in Zukunft wirklich nachgebessert werden.

Die automatische Deinstallation der App und damit verbunden die fehlende Kontrolle über die zu wählende Karte, machen das System für deutsche Kunden zur Zeit noch nicht wirklich attraktiv. Wer, wie @maxfassbrause ein Handy mit Dual-SIM besitzt, hat hier Glück. Wenn die Erstanlage der Google ID im Ausland stattgefunden hat, kann dies auch funktionieren. Bei meinen Recherchen habe ich viele verschiedene, angeblich funktionierende Kombinationen angetroffen, so dass ich diesbzgl. keine allgemein gültige Aussage treffen möchte.

Fazit

Ganz nett. Wer mehr als eine Android Pay fähige Karte hat, sollte tunlichst ein Dual-SIM Handy besitzen. Wem Auslandskonten zu viel Streß sind, der findet mit boon die perfekte Lösung auch für Android.

Open’er Festival: No cash? Where is the problem?

Wie einige andere aus unserer Community, so wurde auch ich von MasterCard zum Hurricane-Festival ins niedersächsische Scheeßel eingeladen. 2017 wollte man dort zum ersten Mal die Kartenzahlung mit einem offenen System näher bringen. Leider befand ich mich zu der Zeit schon auf dem Weg nach Polen, wo einige Tage später das Open’er Festival startete. Daher kam meinem Kollegen @MaxFassbrause und mir die Idee auf, mal einen Vergleich anzustellen.

Da sich die Meisten wohl leider nicht so mit Polen beschäftigen, vorweg mal ein paar Worte zum Veranstaltungsort und zum Thema Kartenzahlung in Polen.

Gdynia – lebenswerteste Stadt in Polen

Bei den auch bei uns üblichen Rankings gewinnt Gdynia regelmäßig Vergleichstests was das Thema Lebensqualität angeht. Das liegt zum Einen sicher an der hervorragenden Lage an der Ostsee mit einem Stadtstrand, so wie man es vielleicht von Barcelona kennt. Zum Anderen hat sich Gdynia in den letzten Jahren mit seinem Hafen zu einer der Wirtschaftszentren Polens entwickelt. Hier ist das Pro-Kopf-Einkommen am Höchsten und das sieht man auch.

So verwundert es auch nicht, dass der Veranstaltungskalender der Stadt prall gefüllt ist und inzwischen der eine oder andere Anwohner über die damit einhergehende Verkehrsbelastung klagt.

Die Anreise nach Gdynia ist von mehreren deutschen Flughäfen aus nach Danzig problemlos möglich. Unter Anderem fliegt WizzAir von Dortmund aus. Mit der Bahn erreicht man Gdynia täglich einmal durchgängig von Berlin aus mit einem EuroCity der PKP IC. Umsteigeverbindungen gibt es über Poznań oder Szczecin.

Kartenzahlung in Polen

Polen ist ein Beispiel dafür, dass auch in Ländern mit einer hohen Bargeldaffinität sich durchaus Kartenzahlung flächendeckend durchsetzen kann. Den Anfang machte MasterCard mit PayPass bereits in 2008. Bei meinen ersten Polenaufenthalten war ich 2009 schon in der Lage fast überall mit Karte zu bezahlen. Viele Händler hatten damals schon NFC-Terminals, die meine Payback Maestro ohne Stecken akzeptierten.

Heute sieht es so aus, dass es mit wenigen Ausnahmen in den Städten kein Café, keine Bäckerei und auch keinen Foodtruck mehr gibt, wo man nicht mindestens ein Kartenzahlungsterminal für seine Kunden bereit hält.

Die polnische Regierung, die ja nicht gerade für die Moderne steht, hat gerade erst wieder bekräftigt, dass jeder Bürger in der Lage sein muss, für sämtliche öffentlichen Dienstleistungen aber auch in privaten Geschäften bargeldlos bezahlen zu können. Polen ist da auf einem sehr guten Weg.

Größte Verbreitung in Polen haben Debit-Varianten von MasterCard und VISA. Akzeptiert werden aber selbstverständlich auch Maestro und V-Pay Karten, obwohl diese im Inland nicht (mehr) ausgegeben werden.

Während bei uns noch viele Kaufleute des rückständigen Marktführers EDEKA ausländische Kunden diskriminieren, in dem sie ausschließlich girocard akzeptieren, stellt in Polen jeder Kebapladen Kartenzahlung auch Touristen aus dem Ausland zur Verfügung.

Lediglich mit der Akzeptanz von American Express ist es hier nicht so gut bestellt. Nur wenige Geschäfte haben das Piktogramm an ihren Türen kleben, wobei ich das Gefühl habe, dass die Zahl aktuell zunimmt.

Die Festivallocation

Das Open’er Festival wird auf einer riesigen Fläche des Flughafens Gdynia-Kosakovo ausgetragen. Der Airport ist ein ehemaliger Militärflughafen und wurde in den letzten Jahren für den zivilen Luftverkehr ausgebaut. Aufgrund von Subventionsstreitigkeiten mit der EU ist er allerdings bis heute nicht in Betrieb gegangen. Hintergrund ist auch, dass der benachbarte Flughafen in Danzig (ca. 30 km Entfernung) nicht ansatzweise ausgelastet ist.

Während des Festivals fahren im Minutenabstand Busse vom Hauptbahnhof zum Festivalgelände und wieder zurück. Hierfür hat man bei sämtlichen Betrieben der Region Busse bestellt. Es dürften so um die 150 Fahrzeuge sein, die mit einer kleinen Betriebspause non-stop dafür sorgen, dass die Gäste sicher zum Gelände und wieder zurück kommen.

Während des Festivals haben alle Mobilfunkanbieter ihr LTE-Netz verstärkt. Nachdem es 2014 hier zu einigen peinlichen Ausfällen kam, konnte ich dieses Jahr problemlos Filmaufnahmen vom BlackBerry nach Facebook hochladen und auch das Surfen im Netz war problemlos möglich.

Zwischen den beiden Hauptbühnen befinden sich unzählige Getränke und Imbissstände. Hinzu kommen mehrere Sponsorentempel, wie von MasterCard und Bacardi die abends laut die Technomucke aufdrehen und wo entsprechend getanzt wird. So richtig habe ich nicht verstanden, was das mit einem Festival zu Tun hat. Aber bitte: Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Mittlerweile ist das Line-up ziemlich bunt gemischt. Neben ewigen Größen des Rocks wie den Foo Fighters gibt es inzwischen auch einiges aus dem Bereich Hip-Hop und elektronischer Musik.

Speisen und Getränke

Einer der Hauptsponsoren ist Heineken, nach dem das Festival früher auch benannt war. Daher gibt es dort hauptsächlich Heineken-Biere zu kaufen. Ein Becher (ca. 0,4l) kostet dieses Jahr 9 PLN (2,13€).

Hinzu kommen einige nett gestylte Lounges wo auch Zywiec, Paulaner, Desperados und Co. im Angebot sind. Alle Biere haben aber einen geringeren Alkoholgehalt, was man durchaus auch schmecken kann.

Fruchtsäfte und Wasser gibt es an den Ständen von Tymbark. Red Bull und Nescafé sind hier aber genauso unterwegs wie auch Jägermeister. Ob es einen Jäger Alkoholfrei gibt? Betrunkene Menschen sieht man hier auf dem Festival nämlich äußerst selten!

Das Angebot an Speisen ist vielfältig und reicht von den in Gdynia sehr beliebten belgischen Fritten (16 PLN/3,78€) über Pizza (ab 21 PLN/4,96€), Nudeln (20 PLN/4,72€) hin zu Sushi, Burgern (auch vegan) und polnischen Gerichten wie Bigos (um die 20 PLN/4,72€). Mein Favorit ist allerdings der wirklich mächtige Pulled Pork Burger für 25 PLN/5,90€.

Komplettiert wird das Ganze durch Crepe und Stroopwafel-Ständen. Man kann sich auf dem Gelände durchaus ein paar Tage durchfuttern. Trotz täglich rund 20 km Fußmarsch wird die Waage einem das kaum verzeihen.

Die Preise sind zwar durchaus höher als in der Stadt aber immer noch im Rahmen.

Bezahlung

Das Open’er Festival arbeitet seit 2008 mit MasterCard zusammen. Sämtliche Stände, egal ob Getränke, Essen oder Merchandising sind an das Bezahlsystem des Festivals angeschlossen. Seine Abbuchungen erhält man daher auch vom Festival und nicht vom einzelnen Händler. Die Foodtrucks haben i.d.R. aber noch eigene Terminals für den Notfall dabei. Früher wurden diese auch benötigt, um VISA-Zahlungen anzunehmen. Die Akzeptanz aller Karten abseits von MasterCard und Maestro gibt es nämlich erst seit 2016.

Um die kontaktlose Kartenzahlung zu promoten, wurden in den vergangenen Jahren tausende Prepaid-MasterCards ausgegeben. Diese konnten auf dem Festival gegen Bargeld aufgeladen werden. Restguthaben, und das ist natürlich ein Vorteil eines offenen Systems, ließ sich in jedem Geschäft auf den Kopf hauen, das MasterCard akzeptierte.

Die Abwicklung von Kartenzahlungen, egal ob kontaktlos mit Karte oder Smartphone, mit Chip & PIN oder Chip & Unterschrift erfolgt schnell und routiniert. Man merkt gleich, dass an den Verkaufsständen keine Menschen arbeiten, die privat nie Karten benutzen. Bzgl. der verschiedenen Zahlmethoden gab es auch nie Unstimmigkeiten und Rückfragen.

Um die Wartezeit zu verkürzen wurde die 50 PLN-Grenze für kontaktlose Bezahlungen ohne PIN aufgehoben. Gesteckt mussten allerdings sämtliche Beträge per PIN oder Unterschrift bestätigt werden. NoCVM gab es nicht.

Sämtliche Zahlungen mit Karten in EUR wurden in PLN abgerechnet. Es kam kein DCC zum Einsatz mit dem viele Händler und Gastronomen in Polen versuchen, noch eine schnelle Mark extra zu verdienen.

Als Terminals stehen dieses Jahr ipp 220 von Ingenico mit abgesetztem PIN-Pad und NFC-Leser zur Verfügung. Diese sind überall gut zugänglich.

MasterCard Promotion

Da sich das kontaktlose Bezahlen in Polen mittlerweile so etabliert hat, wie bei uns das Bezahlen mit Bargeld, wurden 2016 schon die alternativ erhältlichen Wertmarken eingestampft. Stattdessen führte man erstmals ein NFC-Festivalbändchen mit MasterCard-Technologie ein.

Die NFC-Armbänder lassen sich auf dem Festivalgelände gegen Bargeld aufladen. Dazu kann man entweder an einen Schalter gehen oder dies gleich selbst an einem der an vielen Stellen zur Verfügung stehenden Self-service-Terminals erledigen.

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Bei einer Aufladung von mehr als 50 PLN erhält der Kunde 10 PLN Gratisguthaben automatisch hinzu.

Zusätzlich zur Kartenzahlung lassen sich dieses Jahr auch Getränke und einige Snacks per Festival-App bestellen und per MasterPass bezahlen. Interessant hierbei ist, dass dem Kunden 25% Rabatt gewährt werden. Ein Bier (0,4l) kostet so nur 6,75 PLN anstatt 9 PLN.

Beim erstmaligen Aufrufen der Funktion wird man gefragt, ob man bereits eine Masterpass-Wallet besitzt:

 

Auf dem nächsten Screen erhält man eine Übersicht von polnischen Banken, die eine gebrandete Version der Wallet anbieten. Ganz klein unten versteckt sich dann der Link um direkt auf die Wallet mit MasterCard-Branding zuzugreifen. Aber Achtung: Nach versehentlicher Auswahl einer polnischen Bank gelangt man nur durch Löschen der Cookies wieder zu diesem Punkt zurück. Einer von vielen Punkten, der Masterpass irgendwie hakelig erscheinen lässt. Unter iOS war das Ganze übrigens komplett integriert in der App und wesentlich einfacher zu handhaben.

Mit meinen deutschen Sparkassen-Kreditkarten war die Zahlung, wie eigentlich immer in den letzten Jahren nicht möglich. Erst nach Hinterlegung einer polnischen Debit-MasterCard funktionierte dann auch die Bezahlung nach der man einen 2D-Barcode erhält. Mit diesem geht man dann zum Heineken-Stand seines Vertrauens. Allerdings gibt es dort pro Stand wohl nur einen Handscanner zwecks Validierung des Barcodes.

Alles in Allem eine nette Idee, aber der Bezahlprozess mit Masterpass ist für Android Telefone dermaßen zeitaufreibend, dass man schon sehr erpicht auf 50 Euro-Cent Ersparnis pro Bier sein muss, um sich das anzutun. Abgesehen von meinem Sparkassen-Problem dauern sämtliche Schritte mit Masterpass so lange, dass es einfach keinen Spaß macht. Wenn man unbedingt PayPal kopieren möchte, dann aber auch bitte in Sachen Geschwindigkeit und Einfachheit.

Wirklich nirgends Bargeld?

Während man für wirklich nichts auf dem Festival Bargeld benötigt, in sofern man nicht sein Festivalarmband aufladen möchte, gibt es jedoch an einer Stelle Bargeld zurück:

Normale alkoholische Getränke dürfen nicht mit in den Bereich vor den Bühnen genommen werden. Dort wird ein ultra-ultra-Light Bier von Heineken verkauft (gefärbtes Wasser). Die dickwandigeren Becher erfordern einen Pfand von 6 PLN der zwar bargeldlos kassiert, aber mit Münzen erstattet wird. Dort sitzt jemand auf einem Hocker mit einer Kiste voller 2 PLN-Münzrollen.

Geldautomaten auf dem Gelände

Geldautomaten befinden sich i.d.R. neben den NFC-Bändchenausgaben. Ich habe vier Stück gezählt, es soll aber noch ein paar mehr geben. Sie werden dieses Jahr von Planet Cash betrieben und lassen sich in polnischer oder englischer Sprache nutzen.

Angeboten werden neben der Barabhebung auch PIN-Services und das Aufladen polnischer Prepaid-Handies.

Der voreingestellte Abhebebetrag liegt bei 20 PLN und damit eher auf Notfallbargeld für Kartenzahler ausgerichtet. Man konnte aber in 20 PLN Schritten einen beliebigen Betrag bei 2000 PLN eingeben.

Mit meiner deutschen Mastercard wurde mir DCC mit einem Aufschlag von rund 10% angeboten, jedoch netterweise nur einmal zum Abschluss der Transaktion gefragt. Hier ist Euronet eindeutig nerviger.

Die Abbuchung von meiner Mastercard erfolgte ohne Betreiberentgelt zum Firstdata-Kurs.

Schlangen waren an den Automaten im Gegensatz zu vor noch einigen Jahren nicht zu sehen. Was auch daran liegt, dass inzwischen die durchaus wahrnehmbaren niederländischen und deutschen Gäste vermehrt mit eigenen Karten dort bezahlen.

Fazit

Bargeld wird in Gdynia auf dem Open’er Festival schon lange nicht mehr benötigt.

 

 

BackWerk Bezahlkarte: Ernsthaft?

Eine der am Schnellsten wachsenden Franchiseketten in Deutschland ist BackWerk aus Essen. Viele der SB-Bäckereien findet man in 1a Lagen wie Einkaufsstraßen und Bahnhöfen. Genau wie bei ALDI Süd und Lidl legt in man letzter Zeit mehr Wert auf ein modernes Erscheinungsbild und gesteigerte Aufenthaltsqualität wie bspw. im Bremer Hauptbahnhof.

Die BackWerk-Franchisebetriebe akzeptieren in Deutschland fast ausschließlich, wie so viele ihrer Wettbewerber, lediglich Barzahlung. Eine Ketten weite Payment-Strategie gab es bislang leider nicht. Dass es durchaus Nachfrage nach einer unbaren Bezahlmethode gibt, zeigen nicht nur einzelne Franchisenehmer die Karten akzeptieren, sondern auch viele Filialen in denen mehr Schildchen mit „No card payment“ hängen als es dort Brötchen zu kaufen gibt.

Für Stammkunden, die sich auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig einen Kaffee und ein belegtes Brötchen holen kommen so schnell werktäglich 4€ zusammen. Macht in einem durchschnittlichen Arbeitsmonat also 88€ Bargeldbedarf. Was liegt also näher, als dem Kunden hier das Leben zu erleichtern.

Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen in der Essener Franchisezentrale. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit einer Vertreterin des Unternehmens vor zwei Jahren auf einem unserer Kundentage erinnern, wo ich damals deutlich darauf hingewiesen habe, dass die Zukunft den kontaktlosen Verfahren mit gängigen Bank- und Kreditkarten gehört.

Vor einigen Tagen veröffentlichte BackWerk auf seiner Facebook-Seite eine News über die neue BackWerk-Karte. Eine NFC-basierte Kundenkarte die sowohl Loyalty-Funktionen besitzt (anstelle der Stempelkarte die einem den jeweils elften Kaffee gratis gewährt) und zur Bezahlung in den Bäckereien dienen soll. Für Android-Nutzer gibt es das ganze auch als App.

Die Sache hat nur einen Haken: Man kann online zwar seinen Konto- & Punktestand einsehen aber das war es dann auch. Das Aufladen der Karte funktioniert ausschließlich gegen Bargeld in den teilnehmenden BackWerk-Filiallen.

Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2017. Das Jahr, indem nicht nur der NFC-Rollout bei den großen Handelsketten (mit Ausnahme von EDEKA, aber das ist eine andere Geschichte) abgeschlossen ist, sondern kompatible Terminals in Cafés, Gaststätten, Zeitungsläden und sogar an den Bahnhofstoiletten finden sind. 2017 ist auch das Jahr, indem die Sparkassen ihre Kreditkarten mit NFC ausstatten werden. Und selbst für den Otto-Normalverbraucher hat sich etwas getan: Des Deutschen liebste Karte, die girocard, ist kontaktlos. Genossenschaftsbanken und Sparkassen planen schon die Einführung der girocard als App für Android Smartphones.

Das Thema NFC nimmt langsam Fahrt auf. Ich sehe täglich stets mehr Leute kontaktlos auch für kleinere Beträge bezahlen. Vor einem Jahr war ich noch der Exot der partout seine Karte (oder das Smartphone) nicht aus der Hand geben wollte. Das ändert sich gerade schlagartig.

So richtig kann das mit der Closed-Loop-Karte also nicht Euer Ernst sein, oder? Klar, ihr sagt auf Eurer Facebook-Seite dass das bargeldlose (haha) Bezahlen nur ein Nebenaspekt sei. Aber mal im Ernst: Dieses ganze Stempelkartengedöns ist doch sowas von 1978. Wenn ich im Bahnhof stehe und die Schlange bei BackWerk zwei Mal länger ist, als bei Le Crobag, dann hole ich dort meinen Kaffee.

Ihr werdet jetzt sagen: Aber Starbucks macht doch auch so etwas. Ja, aber zum Einen ist BackWerk nicht Starbucks und zum anderen bietet deren Kundenkarte das Aufladen per Kreditkarte im Web oder im Store an und es gibt dazu dauerhafte Anreize wie den Extrashot Espresso im Gegenwert von 80 Cent. Pro Kaffee versteht sich.

Nun gut, der Kaffee ist bei Starbucks auch etwas teurer als bei Euch. Aber dennoch versucht man es dem Kunden in Sachen Payment gleich auf mehrere Arten leichter zu machen. Starbucks hat mit Ausnahme einiger von SSP betriebenen Stores seit Jahren kontaktlose Kartenterminals und das ohne einen Mindestumsatz. Ich zahle dort regelmäßig auch einen einfachen Espresso mit MasterCard.

Beruhigend finde ich übrigens, dass sich neben mir noch eine Vielzahl anderer User auf Facebook fragen, wieso man nicht auf kreditwirtschaftliche Standards gesetzt hat.

Da kann man nur sagen: Zeichen der Zeit nicht erkannt!

yomo – Ich bin raus!

Ich war von der Idee einiger Sparkassen, zusammen mit den Kunden, ein neues Kontoprodukt zu entwickeln sehr angetan. Den Ankündigungen zu Folge sollte es gegen N26 positioniert werden und durch eine kostenlose Basisversion junge Kunden davon abhalten, direkt nach Ende der Ausbildung (in der Sparkassen-Konten in der Regel kostenlos geführt werden) zu einem der vielen Wettbewerber abzuwandern.

Die Idee, mit dem Marktführer girocard an den Start zu gehen, fand ich zunächst recht schlüssig. Mit einer girocard in Kombination mit Maestro ist man zumindest im Euro-Raum sehr gut aufgestellt. Zahlungen in Fremdwährungen werden aber teilweise mit Postengebühren ab 77 Cent bestraft, so dass selbst der für Dresdner yomo-User nicht ungewöhnliche Abstecher nach Tschechien oder Polen unangenehm teuer werden kann. Insbesondere, wenn man bedenkt dass eine Strassenbahnfahrkarte in Breslau um die 70 Cent kostet.

Bereits die Art und Weise, wie die Kontoeröffnung funktioniert, schreckt ab. Die zehn beteiligten Sparkassen haben teilweise stark abweichende Gebühren bei der Nutzung von Debit- und Kreditkarten im Ausland. Man stelle sich mal vor, dass irgendwann jede deutsche Sparkasse yomo anbietet und man sich durch die Preis- und Leistungsverzeichnisse von aktuell 396 Instituten quälen darf. Nein Danke!

Jetzt kann man natürlich sagen: Wen interessieren schon Fremdwährungen. Die meisten sind froh, einmal im Jahr nach Mallorca fliegen zu dürfen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sowohl N26 als auch Fidor und sogar die zur Sparkassengruppe indirekt dazu gehörende DKB ohne Aufschlag operieren. Die DKB hat, völlig konträr zu restlichen Marktentwicklung, diesen Schritt erst im letzten Jahr gewagt weil offenbar ein Bedarf da war.

Beim Anspruch, ein modernes Kontoprodukt zu liefern, darf mit der girocard nicht Schluss sein. Auf Twitter wurden die User gefragt, was sie sich denn für weitere Produkte (MasterCard oder VISA, Debit oder Credit) wünschen und welche Funktionen die App bereitstellen soll. Weiterhin wurden User eingeladen, ihre Wünsche an das yomo-Team zu senden. Ich habe dies bspw. in einem Blog-Beitrag getan.

Viele Tester forderten ein öffentliches Forum zum Austausch. Damit hat man sich lange Zeit sehr schwer getan. Auf Eigeninitiative einiger Tester wurde dann irgendwann eine Möglichkeit zum Austausch per Slack geschaffen. Leider findet die Kommunikation dort zum größten Teil zwischen den Testern statt. Insbesondere dann, wenn es um die Zukunft des Produkts geht.

Bis heute gibt es keine öffentliche Roadmap, was die Tester denn noch so erwarten können. Statt klarer Ansagen wurde die Entwicklung eines Type-Ahead-Feldes zur Ergänzung von Empfängernamen und IBAN per Instagram-Story gefeiert. Die Funktion ist übrigens noch nicht in der aktuellen App-Version enthalten.

Nachdem ich das Thema jetzt schon einige Monate verfolge und seit April auch den aktuellen Stand testen konnte, steht mein Entschluss jedoch fest: Ich breche den Test ab.

Abgesehen von den immer noch präsenten technischen Unzulänglichkeiten wie einer zeitweise fehlerhaften Anzeige von Saldo und Buchungsposten, fehlt mir einfach die Perspektive.

Wenn ich ein Produkt entwickle, muss ich mich zwischen Innovation und „Me, too“ entscheiden. Möchte ich einem im Markt eingeführten Wettbewerber etwas entgegensetzen, so kommt es darauf an, in möglichst kurzer Zeit ein vergleichbares oder idealerweise besseres Produkt auf die Beine zu stellen. Das ist eindeutig nicht gelungen. Aktuell bietet yomo nur einen Bruchteil der Funktionen, die man als Sparkassenkunde von seinem bisherigen Konto kennt. Eine international und online einsetzbare Debit Mastercard ist nicht vorhanden. Selbst Paydirekt als „Alternative“ im Versandhandel lässt sich nicht nutzen. Hier schickt man den Kunden direkt zu PayPal, denen man ja eigentlich auch etwas entgegensetzen wollte.

Habe ich den Anspruch, etwas Innovatives zu schaffen, darf meine erste Amtshandlung aber auch nicht darin bestehen, mich den Restriktionen vorhandener IT-Systeme zu unterwerfen, die mein Vorhaben evtl. erschweren und wo es gilt, als erstes einmal Schnittstellen zu schaffen, die möglicherweise fehleranfällig sind.

Weiterhin muss die Kommunikation mit Kunden und Testern, offen stattfinden. Ich habe so das Gefühl, dass jegliche Aussage des yomo-Teams zuvor mit sämtlichen 396 Sparkassenvorständen abgestimmt werden muss. So kann das natürlich nicht funktionieren.

Ich sehe aktuell weder eine Strategie hinter, noch eine Zukunft für yomo.

Ich kann den Sparkassen daher nur raten, die Konfrontation mit dem Kartellamt zu suchen und ein bundesweit einheitliches Basiskontomodell zu schaffen, das für den Nutzer kostenlos ist. Es sollte neben der girocard eine kostengünstige Debitkarte von MasterCard oder VISA geben, die direkt mit dem Konto verbunden und ohne Bonitätsprüfung ausgegeben wird.

Aus der Kombination der Stärken der Sparkassen (Filialdichte, persönliche Ansprechpartner, erstklassiges Online- und App-Angebot, Vertrauen bei den Kunden in die Marke) lässt sich mehr herausholen als über den Versuch mit einem abgespeckten App-Konto gegen ein Startup wie N26 anzutreten, welches sich durch regelmäßige technische und kommunikative Pannen ständig selbst ins Knie schießt.

 

 

 

 

yomo: Viele Fragen, keine Antworten!

Ich bin ja bekanntermaßen als „Sparkassenversteher“ in unserer kleinen, aber feinen, Paymentnerd-Community verschrieen und war daher um so mehr enttäuscht, nicht gleich zu den ersten Beta-Testern von yomo gehören zu dürfen, die bereits im Dezember 2016 eingeladen wurden.

Nach den ersten Testberichten von zugegebenermaßen kritischen Bloggern wie Torsten Maue (@tmmd), dessen Kritik ich teile, hatte ich die Hoffnung zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht etwas mehr vom endgültigen Produkt sehen zu können.

Ende April war es dann soweit. Unverhofft wurde ich zur Beta eingeladen und habe sodann erst einmal einen Samstag damit verbracht, die Preis- und Leistungsverzeichnisse der teilnehmenden Sparkassen zu studieren. Die Kreissparkasse Köln (@kskkoeln) stach positiv hervor, da sie beim Fremdwährungseinsatz der girocard auf ein Mindestentgelt verzichtete. Wie das mal später werden soll? Keine Ahnung. Die Frage scheinen sich die Sparkassen wohl selbst noch nicht gestellt zu haben.

Nun gut, der Onboarding-Prozess verlief einigermaßen reibungslos, wenn man davon absieht, dass der erste Videoident-Prozess fehlschlug. Dieser soll übrigens bei Endgerätewechsel immer wieder fällig werden. Die Kosten hierfür trägt die kontoführende Sparkasse aktuell. Wie sich das rechnen soll ist mir allerdings schleierhaft.

Seitdem habe ich also eine stylish aussehende girocard mit NFC und eine App, mit der man SEPA-Überweisungen ohne weitere TAN-Eingabe tätigen kann. Ach ja: Es gibt einen Schalter in der App, mit der man seine girocard temporär sperren kann. Das war es dann aber auch.

Zurück bleiben eine Menge unbeantworteter Fragen. Das fängt ganz banal schon einmal mit der GeldKarte-Funktion an. Die girocard unterstützt die GeldKarte und girogo. Leider muss man zum Aufladen der Karte an den Geldautomaten. In der App lässt sich weder ein Aboladen-Auftrag anlegen, noch ist es möglich die Karte über den PC zu laden, da die dafür benötigten giropay-Zugangsdaten (Onlinebanking) fehlen. Immerhin kann man wohl theoretisch etwas Geld auf ein Postbankkonto der EURO Kartensysteme überweisen und zwei Tage später dann… Ich erspare mir den Rest.

Ohne Onlinebanking-Zugang lassen sich weder giropay noch sofort.de nutzen. Gleiches gilt für das neue Online-Bezahlsystem Paydirekt. Somit bleiben dem yomo Kunden nur noch PayPal bzw. Bankeinzug um irgendwie im Internet etwas einzukaufen. Besser kann man seine Kunden nicht vergraulen.

Im Gegensatz zu Torsten finde ich, dass die Ausgabe einer girocard in Deutschland immer noch ein Muss ist. Das mag man doof finden, aber als Kartenzahler hat man eh schon genug Schwierigkeiten in Deutschland. Weitere selbst auferlegte Einschränkungen sind für den Durchschnittskunden da kaum zu rechtfertigen.

Gerade die Karten der Sparkassen bieten eine Vielzahl von Funktionen, die allesamt auf der yomo-Karte präsent sind, deren Nutzung aber nur eingeschränkt möglich ist. Offensichtlich hat da jemand nicht zu Ende gedacht. Wenn man yomo bewusst simpel hätte halten wollen, hätte man sinnvollerweise die GeldKarte-Funktion einfach weggelassen. Die ausgerufene Zielgruppe kann mit diesem Payment-Dinosaurier eh nichts anfangen.

Aktuell ist es sehr still um das Produkt. Im Slack-Forum diskutieren eher die Betatester untereinander, als dass seitens yomo hier substantielle Informationen in die Community getragen werden. Das ist in sofern Schade, als dass der aktuelle Entwicklungsstand nicht einmal ansatzweise dazu taugt, gegen die ursprünglich mal genannten Wettbewerber wie N26 anzutreten. Wenn also wirklich gerade der Launch in den AppStores vorbereitet wird, dann kann man das nur als Selbstmord bezeichnen.

Es fehlt einfach so viel, um yomo als Girokonto-Alternative zu bezeichnen, als dass man damit live gehen könnte. Die Geschwindigkeit, mit der Verbesserungen in der App in der Vergangenheit umgesetzt wurden, lassen auch nicht auf eine Art „Big Bang“ schließen. Dafür fehlt einfach noch so ziemlich alles, was ein Konto ausmacht.

Wenn wir mal die ganzen technischen Betrachtungen weglassen und den Vergleich mit den wirklich tollen Apps der Sparkassengruppe unterlassen, so bleibt eigentlich noch die Frage nach der Zielgruppe.

Wer interessiert sich für ein Bankkonto, mit dem man aktuell lediglich Überweisungen tätigen kann und innerhalb der Eurozone gut bargeldlos bezahlen kann, sowie innerhalb Deutschlands auf das größte Netz von Geldautomaten kostenlos zugreifen kann?

Ketzerisch gesprochen fallen mir dazu nur N26-Kunden ein, die mehr als fünf Mal im Monat kostenlos Bargeld am Automaten ziehen wollen und die die Akzeptanzlücke der N26-Karten mit einer kostenlosen girocard stopfen wollen. Hurra, ob das so gewollt ist!?

Zugegebenermaßen ist es sehr mutig, in so einem Stadium mit dem Produkt in den öffentlichen Betatest zu gehen, aber es muss doch irgendwie klar sein, dass der aktuelle Entwicklungsstand mehr Fragen aufkommen lässt, als durch die vorliegende App beantwortet werden. Das hätte man sich sicherlich vorher denken und sich entsprechend in der Kommunikation vorbereiten können. Schade eigentlich.

Im Gegensatz zu Torsten werde ich aber am Ball bleiben und berichten.

JustPay-Pleite: Hört endlich mit dem Unsinn auf! (aktualisiert)

Vor einigen Tagen meldete der Betreiber einiger Bezahlkartensysteme in deutschen Sportarenen Insolvenz an. Zu Recht fragen sich die Kunden, was mit dem noch auf diesen Karten gespeicherten Guthaben passiert. Laut E-Geld-Richtlinie müssen die Einlagen der Kunden getrennt verwaltet werden und dürfen nicht zur Bedienung von Verbindlichkeiten des Betreibers herangezogen werden.

In der Theorie hört sich das gut an. In der Praxis sieht das aber so aus, dass der vorläufige Insolvenzverwalter erst einmal auf dem Geld sitzt und Wochen vergehen können, bis über die Auszahlung an die Karteninhaber entschieden wird.

Aktualisiert: JustPay nutzt seit Längerem eine regulatorische Ausnahme und fällt nicht mehr unter die E-Geld-Richtlinie. Damit dürfte das Guthaben der Kunden in den Lostopf der Verteilung fallen. Ob da nach Abschluss des Insolvenzverfahrens noch etwas für die Quote übrig bleibt, darf bezweifelt werden!

Die Bezahlkarten standen von Anfang an in der Kritik. Dem verständlichen Wunsch von Caterern und Fans nach schnellstmöglicher Abwicklung des Bezahlvorgang standen die allseits bekannten Nachteile gegenüber. Neben der beschränkten Einsatzfähigkeit ausschließlich in Stadien die das gleiche System verwenden, parkt man eigentlich ungewollt Geldbeträge von denen man nicht genau weiß, wann man diese tatsächlich wieder verwenden kann.

Vor zwanzig Jahren hätte man solche Systeme durchaus noch als alternativlos darstellen können, da die NFC-Übertragung in Verbindung mit Prepaidkarten eine schnelle und sichere Abwicklung auch offline ermöglicht.

Dass es auch anders geht, beweisen Großveranstaltungen bspw. in Polen. Das Open´er Festival, Polens größtes Alternative-Rock-Festival in Gdynia, funktioniert seit 2008 komplett ohne Bargeld an den Verkaufsständen. Dort setzt man seitdem auf die Kontaktlostechnologie PayPass von MasterCard.

Da in den ersten Jahren noch wenige Kunden solche Karten besaßen, wurden seitens des Bankpartners pro Festivaljahr zehntausende Prepaid-MasterCards auf dem Festival kostenlos ausgeteilt. Diese konnten vor Ort per Barzahlung aufgeladen werden. Restguthaben ließ sich problemlos bei jeder MasterCard-Akzeptanzstelle ausgeben.

Um die Zahlungsabwicklung zu beschleunigen, wurde für Zahlungen auf dem Festivalgelände die sonst existierende 50 PLN-Grenze (ca. 11€) ab der die PIN-Eingabe verpflichtend ist, aufgehoben. Nach unbestätigten Informationen soll der Zahlungsdienstleister auch Einiges an Technik auf dem Festival aufgebaut haben, um die Abwicklung zu beschleunigen.

Aber wir müssen gar nicht nach Polen schauen. So etwas Ähnliches gab es auch in Deutschland beim VfB Stuttgart. Dort wurden Stadionkarten mit PayPass-Funktion ausgegeben, die auch an allen anderen MasterCard-Terminals nutzbar waren. Kunden konnten selbstverständlich auch mit ihren eigenen Karten bezahlen. Leider hat man das System inzwischen eingestellt und auf klassische Chip & PIN-Kartenzahlung gesetzt. Ob das inzwischen wieder geändert wurde, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Da leider viel zu wenige Deutsche überhaupt eine MasterCard oder VISA-Karte besitzen und noch weniger über eine solche Karte mit NFC-Funktion, kann dieser Service eher als zusätzliches Angebot für aufgeschlossene Kunden und natürlich für Besucher aus dem Ausland dienen.

In nahezu jedem deutschen Portemonnaie befindet sich aber mindestens eine girocard oder Maestro-Karte. Viele girocards besitzen weiterhin den GeldKarte-Chip, der kontaktlos via girogo (vornehmlich SparkassenCards) oder durch Stecken ausgelesen werden kann. Zusätzlich startete 2016 der Roll-Out kontaktlosfähiger girocards, bei denen die Zahlungen direkt dem verbundenen Bankkonto belastet werden.

Da moderne Bezahlterminals heute alle Verfahren gleichzeitig unterstützen und die girocard mittlerweile in fast allen Fällen im Offline-Modus betrieben werden kann, sollte sich das Argument „Stadionkarten sind schneller“ mittlerweile erledigt haben.

Mit Hilfe von Rabattanreizen bei Bezahlung mit Systemen ohne PIN-Eingabepflicht lässt sich sicherlich auch noch steuern, dass die schnellste Variante auch am Häufigsten von den Fans genutzt wird.

Last but not least sind solche Großveranstaltungen auch eine gute Gelegenheit, das Thema Kartenzahlung (insbesondere Kontaktloszahlungen) den Menschen näher zu bringen. Wer es gewohnt ist, am Samstag Nachmittag sein Bier mit einem Tap zu bezahlen, der wird sicherlich eher mal die Frage stellen, wieso der Stammitaliener oder die Kantine eigentlich auf Bargeld bestehen. Daher sollten sich die beteiligten Unternehmen auch überlegen, ob man statt teurer Bandenwerbung im Stadion nicht vielleicht einfach mal ein spezielles Angebot für die kostengünstige Abwicklung der Zahlungen unterbreitet.

Achtung: Autom. Währungsumrechnung (DCC) jetzt auch kontaktlos

Alle Jahre wieder, immer kurz nach Beginn der Hauptreisezeit, häufen sich die Beschwerden über überhöhte Kartenabrechnungen bei Einsatz in Fremdwährung. Das dahinterliegende System nennt sich DCC (Dynamic Currency Conversion) und soll dem Kunden im Idealfall die Möglichkeit geben, günstiger als zu den Konditionen seines Kartenherausgebers, im Ausland zu bezahlen.

Zumindest bei deutschen Kunden trifft das nur in seltenen Fällen zu. Solche könnten sein, wenn bspw. Kunden der Deutschen Bank oder vieler Sparkassen ihre girocard (Maestro oder V-Pay-Funktion) einsetzen. Hier wird häufig ein Minimalentgelt (0,77€-1,50€) pro Zahlung angesetzt.

In aller Regel aber, trifft das für deutsche Kunden nicht zu, die zur MasterCard oder VISA-Karte greifen und normalerweise zwischen 0% und 1,85% Umrechnungsgebühr bezahlen würden. Der Aufschlag der Händler liegt fast immer deutlich darüber.

Die Regeln besagen, dass der Kunde aktiv vor die Wahl gestellt werden muss. Entweder durch die Kassenkraft (die teilweise mit Suggestivfragen gezielt in die Irre führt) oder direkt am Terminal. Wenig intuitive (oder bewusst verwirrende) Bedienerführung sorgen dann auch oft dafür, dass der Kunde am Ende gegen seinen Willen der Umrechnung zustimmt.

Bislang galt der Tipp: Wenn möglich kontaktlos zahlen. Leider ist der nun obsolet. Ich habe heute das erste CCV-Terminal gesehen, wo nach dem „Tap“ der Kunde nach der Währungsumrechnung gefragt wurde. Das lief zwar in diesem Falle sehr transparent ab, hat aber dennoch nicht verhindert, dass ich unkonzentriert wie ich war, daneben getippt habe.

Also: Schön aufgepasst am POS und im Zweifelsfalle die Kassenkraft bitten zu stornieren!

Update 11.05.2017: Nach mehreren Leserhinweisen, soll es DCC bei NFC schon seit Längerem geben und bspw. auch in Polen angewandt werden. Also: Augen auf an der Kasse!

Esso: Good Bye girogo, hello girocard contactless!

Ein weiteres großes Unternehmen unterstützt ab sofort kontaktlose Zahlungen mit der deutschen girocard: Esso.

Ursprünglich sollten alle rund 1000 Tankstellen in Deutschland schon im Laufe des 1. Quartals umgerüstet sein. Ende April war es denn endlich soweit: Das, was mit kontaktlosen MasterCard und VISA-Karten seit Jahren möglich ist, nun endlich auch mit des Deutschen liebster Karte, der girocard.

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Aber Halt! War da nicht noch was? Genau: Die Sparkassen starteten mit viel Tamtam im Jahr 2012 eine Kooperation mit Esso, die im Rahmen dieser Zusammenarbeit das kontaktlose Bezahlen über die GeldKarte namens girogo angeboten haben.

Neben der reinen Bezahlung bis 20€ (später 25€) unterstütze Esso auch das Aufladen via POS-Laden (fester Betrag i.H.v. 35€ gegen PIN) und Abo-Laden (Betrag zwischen 20€ und 50€, festgelegt im Online-Banking).

Während die Volks- und Raiffeisenbanken dem gesamten GeldKarte-System den Stecker gezogen haben, hat die Sparkassengruppe an girogo festgehalten und das System in der Reihenfolge für die Verarbeitung kontaktloser Transaktionen nach Vorne gesetzt.

Daher war es natürlich für einige sehr spannend, wie Esso damit umgehen würde. Wie im deutschen Einzelhandel üblich: Alles streng geheim:

Das Ergebnis diverser Tests ist eindeutig: girogo wurde zu Gunsten von girocard kontaktlos abgeschaltet. Aus Sicht der Kunden mit neuen Karten auch sehr zu begrüßen. Das Nachsehen haben die Kunden, die noch reine girogo-Karten besitzen. Egal ob SparkassenCards oder irgendwelche Stadionkarten, deren Restguthaben sich nun nicht mehr so einfach in Bier Benzin umwandeln lässt.

Wie in einigen Beiträgen zu erfahren war, hat eine weitere girogo-Akzeptanzstelle auch aufgegeben: Die ehemaligen Kaisers-Tengelmann-Märkte bieten vielfach gar keine NFC-Bezahlung mehr an. Die Leute bei EDEKA mögen Lebensmittel lieben, aber in Sachen Payment sind die eher nicht so weit vorne.

Aus Nutzersicht natürlich ebenso spannend, ist die Frage, wie es mit dem Roll-Out weitergeht. Wann kommen die kleineren Händler dran und was ist mit den vielen onlinefähigen Ticketautomaten, die gerade erst die girogo-Akzeptanz verpasst bekommen haben?! Hier rächen sich mehrjährige Ausschreibungs- und Roll-Out-Phasen wenn man, wie in Deutschland leider üblich, auf den aktuellen technischen Stand setzt und nicht in die Zukunft schaut!

boon & Apple Pay im Alltagstest

Auch wenn Apple Pay noch nicht offiziell in Deutschland gestartet ist, so gibt es dennoch mit boon von Wirecard eine auch für den Laien leicht über den französischen AppStore zu beziehende Prepaid-Alternative zur eigenen Kreditkarte in der Wallet.

Boon ist im Frühjahr 2016 zunächst in UK gestartet. Aufgrund der doppelten Währungsumrechnung habe ich das Produkt zunächst nur zu gelegentlichen Tests eingesetzt, um festzustellen, in wie weit die Terminals der Händler in Deutschland schon kompatibel waren. Denn schon damals wurde den Nutzern von Apple Pay versprochen, dass sie an jedem NFC-fähigen Terminal weltweit willkommen wären. Das war zu der Zeit allerdings noch Wunschdenken.

Jetzt, mit dem Marktstart in Frankreich, macht boon natürlich auch für einen deutschen Konsumenten Sinn. Die Registrierung bei wirecard erfordert keine Fake-Adresse und man kann bequem via SEPA-Überweisung sein Konto schnell und kostenlos auffüllen. Die manuelle Aufladung ist weiterhin mit VISA-Karten einiger Issuer kostenlos.

Nach nunmehr rund drei Monaten mit boon, ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wie alltagstauglich ist Apple Pay in Deutschland im Jahre 2017 wirklich?

Supermärkte und Discounter

Egal, ob Lidl, ALDI oder REWE: Mit boon ist man überall flüssig und der Zahlungsprozess läuft angenehm schnell vonstatten. Mindestumsätze gibt es hier nicht. Über EDEKA kann ich leider nichts Positives sagen. Die Märkte, die ich kenne, arbeiten noch mit alten Artema Hybrid-Terminals und nehmen teilweise sogar 10€ Mindestumsatz. Logisch, dass ich da lieber zum Wettbewerber gehe.

Essen und Trinken

Starbucks akzeptiert schon seit Langem kontaktlose Zahlungen. Das funktioniert mit Apple Pay ebenfalls. Bei McDonalds, KFC und Burger King kann man sagen: Überall, wo MasterCard kontaktlos akzeptiert wird, funktioniert auch boon. Es gibt nur noch wenige Franchisenehmer, die sich auf die girocard oder gar Barzahlung beschränken.

Vapiano, als einer der ersten deutschen Ketten mit PayPass-Akzeptanz, verarbeitet auch Zahlungen mit Apple Pay zuverlässig. Der Wettbewerber L´Osteria hat hingegen NFC an allen Terminals deaktiviert.

Auf Reisen

Positiv getestet wurden die Tankstellen Esso und Aral, wobei ich bei Aral aber auch gelegentlich auf Terminals gestossen bin, die Fehlermeldungen produzierten. Hier ist es immer sinnvoll, eine normale Karte dabei zu haben.

Sowohl an Autobahnraststätten als auch an großen Bahnhöfen ist es inzwischen möglich, die Toiletten mit NFC zu bezahlen. Bei Sanifair funktioniert Apple Pay problemlos. Die Rail & Fresh-Toiletten von Hering sorgen noch manchmal für Probleme. Auch hier ist eine zweite Kreditkarte (oder eine 1€-Münze) sehr zu empfehlen.

Bahn- und ÖPNV-Tickets lassen sich heute noch nicht mit Apple Pay erwerben. Die meisten kommunalen Betriebe beschränken ihre NFC-Akzeptanz auf girogo. Die Deutsche Bahn hat NFC in ihren Reisezentren deaktiviert und deren Automaten haben heute noch keine entsprechenden Lesegeräte.

Abseits des Mainstreams

Dass die großen Kettenbetriebe bereits für Apple Pay ausgerüstet sind, verwundert nicht weiter. Damit ein Zahlungssystem im Alltag funktioniert, ist es jedoch wichtig, wie es um die Akzeptanz in kleineren Geschäften und Restaurants bestellt ist.

Meine Challenge bestand daher auch darin, genau an solchen Orten zu testen, wo man es nicht unbedingt erwartet.

Egal, ob in der Apotheke in Duisburg-Ruhrort, einem Griechen in Ottersweier, der Linde in Sasbach oder an der Hotelbar im ibis: Das System funktioniert einfach. Inzwischen haben auch viele kleinere Betriebe im Rahmen der üblichen Zyklen neue Terminals erhalten, die Mastercard und VISA kontaktlos verarbeiten.

Klar, dass es fast überall noch ungläubig staunende Gesichter gab, aber das sind wir Payment Nerds ja schon von unseren kontaktlosen Karten gewöhnt.

Immerhin konnte ich in den letzten drei Monaten etwas über 1.500€ geschäftlichen und privaten Umsatz über boon abwickeln.

Alles super, oder?

Ja, aber mit einer Einschränkung: Betrachtet wurden natürlich nur Akzeptanzstellen, die heute schon MasterCard kontaktlos verarbeiten. Interessant hierbei: Restaurants in der Badischen Provinz gehören häufiger dazu als solche in der Kölner Innenstadt, wo es häufig heißt „Nur Bargeld“ oder „EC-Karte ab 20€“.

Insgesamt inzwischen eine gute Ausgangsbasis für den Marktstart von Apple Pay in Deutschland, aber für den großen Durchbruch fehlen natürlich noch die ganzen Läden, die heute ausschließlich auf Bargeld setzen.

Wenn man aufmerksam lauscht, so scheint auch hier langsam ein Umdenken einzusetzen und die Anzahl der Terminals steigt insgesamt. Ob hier aber konsequent auf die Implementierung aller Kartenverfahren gesetzt wird, oder aber bei girocard kontaktlos Schluss sein wird, bleibt abzuwarten.

Hier liegt der schwarze Peter aber ganz eindeutig bei den Acquirern, ihre unsägliche und in Zeiten von N26 & Co. überholte Kommunikationsstrategie in Richtung ihrer Kunden zu ändern. Die Kreditkarte, die häufig gar keine ist, ist schon lange nicht mehr nur Zahlungsmittel der kaufkräftigen, zumeist ausländischen Touristen, die sich eher seltener in eine Gelsenkirchener Straßenbahn verirren.

Für viele Bankkunden sind MasterCard oder VISA inzwischen die präferierten Zahlungsmittel, Die girocard dient häufig nur noch als Backup, so sie sie nicht ganz verschmähen.

Bargeldlos zur CeBIT 2017

Mein erstes Mal ist schon eine ganze Weile her: Anno 1992 war ich zum ersten Mal auf der CeBIT als Gast. Mein erstes Mal als Unteraussteller war 1993 am Stand von ZyXEL Communications. Zur Hochzeit der damals noch nicht Post/BZT-zugelassenen Modems mit denen man sich in privaten Mailboxen einwählen konnte. Ich habe also quasi das Ende des Postmonopols und den Start der digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 hautnah miterlebt.

Schon zu der Zeit war ich kein Freund von Bargeld und glücklich darüber, dass man in den Messerestaurants mit Kreditkarte bezahlen konnte. Leider war das in den frühen 1990ern an den vielen Wurstständen, Snackbars und Eisständen noch nicht möglich.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Die NFC-Welle rollt über unser Land und selbst die sonst so zurückhaltenden Discounter sind Apple Pay-ready. Man sollte meinen, dass dies auch seine Spuren auf der Welt größten ITK-Messe hinterlassen hätte. Aber lest selbst.

Die Anreise

Wie üblich habe ich die Reise mit der Bahn angetreten. Während zu Anfang des Jahrtausends schon drei Monate vorher nicht mehr an eine Sitzplatzreservierung zu Messezeiten zu denken war, sieht das anno 2017 anders aus. Selbst vier Wochen vor dem Reisedatum waren noch Sparpreise erhältlich. Für die Fahrt in der 1. Klasse (Hin mit dem IC2 und zurück mit einem ICE) habe ich knapp 75€ bezahlt. Das kann sich sehen lassen.

Mein Frühstück habe ich wie immer bei REWE To Go im Kölner Hauptbahnhof gekauft. Im IC2 gibt es nämlich nur einen Am-Platz-Service der auf Bargeld besteht. Am Montag kam noch hinzu, dass die Experten es nicht einmal geschafft haben, Kaffee zu liefern. Wohl dem, der vorgesorgt hat.

Da mein Ticket lediglich bis Hannover Hbf galt, tat sich hier die erste Falle auf. CeBIT-Tickets gelten wohl seit einigen Jahren nicht mehr automatisch als Ticket für den ÖPNV im Großraum Hannover. Mit der City-Ticket-Funktion des Fernverkehrstickets kann man aber lediglich die U-Bahn 8/18 zur Messe Nord nehmen. Wer sich also in einen Metronom zum Messebahnhof Laatzen setzt, fährt schwarz.

Die Automaten der Üstra akzeptieren übrigens immer noch nur die deutsche girocard und GeldKarte. Für eine Messestadt ist das mehr als peinlich. Aber Düsseldorf ist da ja auch keinen Deut besser.

Die Bahnen waren angenehm leer und es gab auch keinerlei Schlange am Eingang. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Aber bei einem Rückgang von 800.000 Besuchern im Rekordjahr 2001 auf jetzt erwartete 200.000 Besucher auch kein Wunder.

Auf dem Messegelände

Mit erster Besuch führte mich zum Stand von SecuSmart, der BlackBerry-Tochter die unsere Kanzlerin mit einem speziell gesicherten BlackBerry Q10 ausgestattet hat. Kollegen meiner Firma GFI haben dort am Montag und Dienstag interessierten Kunden Rede und Antwort zu den BlackBerry-Softwarelösungen gestanden.

Auf dem Weg dorthin hieß es natürlich: Augen offen halten.

Sowohl auf dem Außengelände als auch in den Hallen waren an den Verkaufsständen leider keinerlei Akzeptanzsticker zu sehen. Neben den Registrierkassen waren auch keine Kartenterminals zu sehen.

Mit Ausnahme eines „Healthy-Food“-Stands in Halle 11, dort wo sich viele Startups präsentierten, waren Kartenterminals nur in den Restaurants zu finden.

Damit hat sich gegenüber 1992 eigentlich so gut wie nichts verändert. Immerhin ließ sich in der Pizzeria an Halle 14 kontaktlos mit Apple Pay bezahlen. Das Essen war lecker und preislich völlig im Rahmen.

Besonders positiv zu erwähnen: Ich habe den Bewirtungsbeleg irgendwo auf dem Messegelände verloren. Meine E-Mail-Anfrage mit den Kartenzahlungs- und Produktdaten wurde von der Catering-Firma der Messe prompt beantwortet. Bereits am frühen Morgen erhielt ich ein PDF mit einer Belegkopie. Das nenne ich wirklich mal 1a Service!

Nach einigen weiteren Standbesuchen habe ich mich mit Juliane und David von MasterCard in besagter Halle 11 zum Kaffee getroffen. Es ist immer wieder schön, Menschen die man sonst nur von angeregten Twitter-Diskussionen kennt, im echten Leben zu treffen. Und beschäftigte natürlich die Frage, wie es mit Payment in den nächsten Jahren weiter geht und welche besonderen Herausforderungen wir in Deutschland noch zu bewältigen haben.

Vertane Chance

Die CeBIT war immer die Leitmesse für IT und Kommunikation und das Aushängeschild für den Technologiestandort Deutschland. Auch Akquirer sowie die Hersteller von Kartenterminals und Online-Payment-Lösungen waren früher immer mit großen Ständen vertreten.

Wo, wenn nicht nicht hier, sollte man eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen?

Es ist schon klar, dass für die überschaubare Anzahl von Messetagen nicht für jeden Eisstand ein Verifone H5000 gekauft oder dauerhaft gemietet werden kann. Genau hierfür wurden aber die Einfachterminals entwickelt, die es von Concardis, iZettle und Co. ohne Grundgebühr für kleines Geld zu kaufen gibt. Bei den Margen sollten die 0,95%-2,7% absolut keine Rolle spielen. Und wenn doch, können das Magnum oder die Bratwurst gerne 10 Cent teurer werden. Auf der Messe achtet da eh niemand drauf.

Weiterhin frage ich mich, wieso es problemlos möglich ist, vom kompletten Messestand, bis hin zur Kaffeemaschine und Zierpflanzen alles für die fünf Tage mieten zu können. Nur  bei Kartenterminals scheint dies immer ein Problem zu sein.

Wo sind die Akquirer oder sogar die Schemes mit entsprechenden Angeboten? Es kann doch nicht so schwer sein, für solche Events mal 100-200 aktuelle Terminals auf Lager zu halten und so Werbung in eigener Sache zu betreiben. Ich gehe sogar soweit, dass man im Grunde auch auf sämtliche Interchange- und Technikgebühren verzichten sollte und den Käufern darüberhinaus 5-10% Rabatt auf die gekauften Artikel gewähren oder aber auf die Bargeldakzeptanz komplett verzichten sollte.

Auf einer Messe für Fachpublikum wird sich sicherlich niemand finden, der nicht mindestens eine girocard im Gepäck hat.

Die Rückfahrt

Zum Schluss wurde es noch mal ein wenig hektisch, da ich noch meinen Mantel in Halle 6 abholen durfte. Aber ich habe es dennoch pünktlich zum Hauptbahnhof geschafft.

Auf den Bahnsteigen stehen immer noch die von GEILE Warenautomaten betriebenen Snackautomaten mit girogo-Akzeptanz. Der Bezahlprozess hat dort nie, wie auf dem Automaten beschrieben, funktioniert. Statt „Select, Tap, Go“ musste man „Tap, Select, Tap, Go“ machen. Auch nur etwas für Eingeweihte. Auf den Hinweis der falschen Anleitung und der vom Kartensensor nicht abgeschliffenen MasterCard und VISA-Logos hat GEILE nie geantwortet. Das kennt man aber von Selecta in Deutschland auch. Ganz anders die Schweizer!

Die Automaten funktionieren allerdings, wie einige andere auch, nicht mehr mit den neuen Sparkassen-Karten mit girocard kontaktlos und girogo auf einer Karte. Ich habe das im November gemeldet und es sollte eigentlich kurzfristig behoben werden. Leider Fehlanzeige. Aber nun gut: girogo ist eh tot und die GEILE Automaten werden bundesweit eh sukzessive von Selecta-Automaten abgelöst.

Der Zug lief pünktlich in Hannover ein. Zeit, für einen Kaffee aus dem BordRestaurant, der mir an den Platz gebracht wurde. Leider musste ich hierfür meine MasterCard aus der Hand geben. Eigentlich ein No-Go aber die Bahn ist da einfach noch nicht soweit.