Viele Bürgerinnen und Bürger reagierten bereits mit wenig Verständnis darauf, dass nach all den Preissteigerungen der vergangenen Jahre in der Gastronomie, nun erneut der Mehrwertsteuersatz für Speisen von 19% auf 7% gesenkt werden soll. Noch weniger Verständnis erntete der DeHoGa dafür, dass sich diese Ersparnis, anders als von der Politik versprochen, nicht für die Kunden bemerkbar machen werde. Stattdessen soll dieser „Befreiungsschlag“ für Investitionen genutzt werden.
Jeder, der in den letzten Jahren nicht unter einem Stein geschlafen hat, hätte genau das voraussagen können. Kostensteigerungen durch höhere Lebensmittelpreise, höhere Kosten für Energie und nicht zuletzt den gestiegenen Mindestlohn werden überproportional weitergegeben, wohingegen direkt wirksame Steuergeschenke in den Taschen der Wirte verschwinden. Auch wenn der DeHoGa anderes behauptet: Das Preisniveau in der Gastronomie hat in vielen Regionen durch teurere Hauptspeisen, separate Bepreisung früher inkludierter Beilagen und teils absurd angehobener Getränkepreise ein Niveau erreicht, dass ein Urlaub in der Schweiz als gar nicht mehr so bedrohlich für das eigene Konto wahrgenommen wird.
Potenziale zur Kostensenkung und Optimierung der Abläufe werden in der Gastronomie abseits der Franchiseketten viel zu wenig gehoben. Services wie QLub oder Qerko trifft man in Deutschland so gut wie nie an. Diese erlauben nicht nur das Bestellen via QR-Code am Platz, sondern auch das Aufteilen und Bezahlen der Rechnung. Das entlastet Kellnerinnen und Kellner und erhöht die Zufriedenheit der Gäste, da unnötige Wartezeiten entfallen. Weitere Nebeneffekte eines solchen Systems: Nachbestellungen von Getränken können problemlos erfolgen und Tische stehen früher wieder zur Verfügung. Das erhöht den Umsatz.
Aber es fängt häufig schon bei den kleinen Dingen an: Eine vernünftige Webseite mit aktuellen Öffnungszeiten und ein betreuter Google Places-Eintrag scheint viele Wirte zu überfordern. Klar, wer ein örtliches Monopol genießt und wessen Laden durch Laufkundschaft jeden Abend brechend voll ist, wird vielleicht ohne „Schnickschnack“ auskommen, aber gerade Touristen suchen zuerst bei den diversen Bewertungsportalen nach Inspiration.
Da passt es ins Bild, dass sich der DeHoGa auch gegen eine Kartenakzeptanzpflicht ausspricht. Kartenakzeptanz ist in der heutigen Zeit das absolute Minimum an Kundenservice, was man als Gast erwarten kann. Anstatt dass der DeHoGa offensiv für eine Modernisierung und Professionalisierung der Branche eintritt, macht man sich zum Schutzpatron der Ewiggestrigen und Mauschler.
Die Hauptgeschäftsführerin des DeHoGa-Bundesverbandes, Ingrid Hartges, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Bei einer verpflichtenden Kartenzahlung sehe ich Probleme bei Kleinstumsätzen, also zum Beispiel bei der Kugel Eis, dem Bier oder Kaffee“. Also genau die Käufe, bei denen selten unaufgefordert ein Beleg ausgestellt wird und Kunden dies meist auch nicht wünschen.
Anders, als noch vor ein paar Jahren, sind die Reaktionen in den Sozialen Medien eindeutig. Die Leute haben genug von Cash-only und dem Einsacken von Steuergeschenken bei gleichzeitigem Beharren auf dem Privileg der kreativen Buchführung.
Es war ein großer Fehler der Koalition, der Branche überhaupt dieses Steuergeschenk zu machen. Aber ein noch größerer Fehler, dieses nicht an Kartenakzeptanz und lückenlose TSE-Pflicht zu koppeln. Die Bundesregierung hat sich wieder einmal zur Dienerin von Lobbyisten gemacht.

