Heiligabend. Zeit, um auf das Jahr 2025 zurückzublicken und was es im Payment so alles dieses Jahr passiert ist. Um es mal kurz zu machen: Mehr, als ich Anfang des Jahres erwartet habe. Nachdem die wirklich spannenden Themen zeitweise eher spärlich zu finden waren, gab es dann im Rückblick doch einiges bemerkenswertes:
Gründung der Initiative „Deutschland zahlt digital“
Im März gründete sich die Initiative „Deutschland zahlt digital“. Vorbild ist die polnische „Fundacja Polska Bezgotówkowa“ in der sich führende Akteure des bargeldlosen Bezahlens und des polnischen Staats zusammengeschlossen haben, um die letzten weißen Flecken im Payment zu eliminieren. Dies sollte auch mit einem Angebot erreicht werden, bei dem Händler in den ersten zwölf Monaten keinerlei Transaktionskosten bezahlen mussten.
In Deutschland hat es zwar nicht für eine Beteiligung des Staates gereicht, aber immerhin wird die Liste der Teilnehmenden Partner immer länger und das Angebot erfreut sich großer Beliebtheit. Auch hier gilt: 12 Monate keine Kosten für die Händler.
Nachdem ich Leute mit dem Beispiel Polen immer wieder genervt habe, ein Stück persönliche Genugtuung. Wobei ich aber auch sagen muss, dass dieses Jahr wirklich der richtige Zeitpunkt war, um mit dem Thema zu starten. Denn auch auf Kundenseite tat sich einiges und das ist quasi die Voraussetzung, um mit so einer Initiative nicht ins Leere zu laufen.
Kundinnen und Kunden erwarten Kartenakzeptanz
Während der Covid-Pandemie haben sowohl die Kartenakzeptanz als auch die Nutzung kontaktloser Karten drastisch zugenommen. In der jährlich von gfk im Auftrag von Mastercard durchgeführten Studie zum Bezahlverhalten in Deutschland lassen sich einige spannende Zahlen finden:
- 88% der Befragten erwarten digitale Bezahlmöglichkeiten
- >36% nutzen bereits Formen von Mobile Payment
- 40% haben bereits ein Geschäft verlassen oder gar nicht erst betreten, weil dort nur Bargeld akzeptiert wurde
Gerade die letzte Zahl macht Mut für die Zukunft. Ich erinnere mich noch zu gut daran, dass man auf die Frage nach Kartenzahlung im Geschäft ungläubig angeschaut wurde und sich andere Kunden mit dem Händler oder Gastronom solidarisierten. Diese Zeiten sind glücklicherweise aus und vorbei.
Koalitionsvertrag sieht Pflicht zur Akzeptanz digitaler Bezahlung vor
Als im März CDU/CSU und SPD über einen Koalitionsvertrag verhandelten, kam auch die Pflicht zur Akzeptanz digitaler Bezahlmethoden auf den Tisch. Leider, und wie nicht anders zu erwarten, gibt es bislang keine konkreten Gesetzentwürfe. Und der DeHoGa hat sich heute auch schon einmal vorsorglich für den Fall zur Stelle gemeldet, dass den Koalitionären etwas über Weihnachten in den Sinn kommt: „Gaststättenverband gegen Pflicht zur Bereitstellung von Kartenzahlung“
Spannenderweise führt der DeHoGa hier die klassischen Beispiele an, wo in den seltensten Fällen unverlangt Quittungen ausgestellt werden: Die Kugel Eis, die Tasse Kaffee oder das Glas Bier. Da mag sich jeder seinen Teil denken.
Mehr Kostentransparenz durch payved
Was 2021 mit einer Handvoll Angeboten gestartet ist, hat sich inzwischen zu einem echten Vergleichsportal für die Kosten der Kartenakzeptanz entwickelt. Mit dem Relaunch im September 2025 kamen nicht nur viele neue Angebote auf die Plattform, sondern es lassen sich auch detaillierte Kostenvergleiche berechnen. Hierzu folgt demnächst noch ein eigener Artikel.
Disclaimer: payved.de entstand mit Unterstützung von Visa Europe und wird von einer Firma an der ich beteiligt bin, betrieben.
Wero kriegt Rückenwind
Nachdem im Jahr 2024 die Sparkassen und Genossenschaftsbanken hierzulande mit Wero für Peer-to-Peer-Zahlungen gestartet sind und noch eine Weile gebraucht haben, um sich vollständig vom bisher bestehenden System Kwitt zu lösen und andere Banken noch etwas zögerlich an der Seitenlinie standen, so haben sich in diesem Jahr nicht nur erwartbare Player wie die Deutsche Bank, Postbank und ING angeschlossen, sondern auch Revolut. Daneben hat auch N26 seine Absicht erklärt, in 2026 Wero integrieren zu wollen.
Im Herbst startete mit Eventim auch der erste Online-Shop, der Wero als Bezahlmöglichkeit anbot. Allerdings erst einmal nur für Kundinnen und Kunden der Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Wenn man mal den doch arg unglücklichen Start der epi außer Betracht lässt: Sollte sich mit Wero tatsächlich eine europäische Alternative für den Zahlungsverkehr etablieren? In Anbetracht der stets schriller werdenden Signale aus den USA wäre das mehr als angebracht.
SumUp akzeptiert native girocard Zahlungen
Etwas, was nun wirklich die wenigsten auf dem Zettel hatten passierte im Sommer. SumUp akzeptiert girocard-Zahlungen mit Hilfe des SumUp Solo Terminals. Zwar nur kontaktlos (gesteckt wird weiterhin über das Co-Badge autorisiert) und nicht bspw. direkt mit dem Smartphone via Tap-to-Pay. Allerdings dürften sich darüber schon viele Apple Pay Nutzer freuen, deren digitale girocard kein Co-Badge kennt (1822direkt und Commerzbank lassen grüßen).
Günstigere Preise für die girocard-Zahlungen gibt es allerdings nicht.
Click to pay
Ein kurzes Thema des letztjährigen Rückblicks. Sieht man heute etwas häufiger, aber ich möchte mal behaupten, dass kein normaler User das bewusst als eigenständiges Produkt wahrnimmt. Dort, wo es beim Checkout angeboten wird, ist es praktisch. Was die Registrierung und die Verwaltung angeht, so gibt es einen Flickenteppich. Bei Visa kann man das wahlweise über einen Link auf der Visa-Webseite machen oder m.W. auch über die App des Kartenherausgebers, bspw. der DKB. Mastercard bietet eine ähnliche Oberfläche an, über die man allerdings „zur Zeit“ keine Karten manuell hinzufügen kann.
Bezahlen mit dem iPhone ohne Apple Pay
Angefeuert vom Digital Services Act (DSA) der EU, steht Banken in Europa nun auch die NFC-Schnittstelle des iPhones für eigene Bezahllösungen zur Verfügung. Wie erwartet haben mit Verspätung die Genossenschaftsbanken mit ihrer girocard davon Gebrauch gemacht. Allerdings waren sie aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf nicht die Ersten. Das war PayPal mit seiner Debit Mastercard.
Wie man leider nach den Erfahrungen unter Android sagen muss, ist das Ergebnis genau so gruselig wie erwartet. Damit wird man keine Nutzer ohne Zwang oder dauerhafte und teure Incentivierung von Apple Pay weglocken können.
Agentic Commerce
Wer so ein wenig die Pressemeldungen von Visa und Mastercard verfolgt hat, der wird 2025 zwangsweise auf das Thema Agentic Commerce gestossen sein. Auch wenn jetzt vieles noch ein wenig wie Zukunftsmusik klingt, aber im Hintergrund werden längst die Schnittstellen gebaut, die es einer AI ermöglichen, im Auftrag des Konsumenten Käufe durchzuführen und zu bezahlen. Neben der Zusammenstellung und Buchung einer Traumreise mit individuellen Wünschen, können solche Systeme aber durchaus bei ganz alltäglichen Dingen zum Einsatz kommen. Beispielsweise wenn es darum geht, dass jeden Monat eine bestimmte Menge und Sorte Katzenfutter bestellt werden muss und die AI für dich Preise und Lieferzeiten vergleicht und die Bestellung automatisch vornimmt. Der Amazon Dash-Button lässt grüßen. Der wurde übrigens bei uns eingestellt, weil dem Kunden nicht klar vermittelt wurde, dass der Druck auf den Knopf einen kostenpflichtigen Kauf auslöst und der fällige Betrag nicht deutlich genannt wurde. Da bin ich mal gespannt, was sich Gerichte und Gesetzgeber zum Thema Agentic Commerce einfallen lassen werden.
Viel spannender in dem Kontext dürfte allerdings ein Nebeneffekt sein: Händler, Reiseveranstalter und Co. müssen ihre Angebote via API in einem standardisierten Format anbieten. Damit lassen sich nicht nur einfacher Integrationen in eigene Bestellsysteme vornehmen, sondern es liefert auch einen Beitrag zu mehr Barrierefreiheit, indem spezialisierte Programme hier wesentlich schneller die benötigten Informationen zusammenstellen und vergleichen können.

