boon in Frankreich gestartet. Apple Pay auch für Deutsche in EUR (Update)

Bereits vor einiger Zeit habe ich, wie auch viele andere, einen Artikel mit einem kleinen How-To für die Registrierung bei boon UK publiziert.

Die Lösung war mit ein paar Nachteilen verbunden. Eine Registrierung funktionierte nur mit einer englischen Anschrift (die nicht verifiziert wurde) und, da die Abrechnung in GBP durchgeführt wird, fielen u.U. zwei Mal Fremdwährungsgebühren an. Ein Top-Up war, abgesehen von der Nutzung einer Kreditkarte, nur mit Faster Payments möglich.

Bereits im Sommer 2016 ist Apple Pay auch in Frankreich gestartet. Die Wirecard Bank hat sich aber bis Januar 2017 mit dem Start ihres Dienstes in Frankreich Zeit gelassen.

So, genug der Worte. Hier nun die Kurzanleitung, wie man sich für boon aus Deutschland registriert:

  • Registrieren einer Apple-ID mit „Frankreich“ als Land (am Besten vom Desktop aus)
  • Wechseln der iTunes/App-Store-Anmeldung auf die französische ID
  • Wechseln der Region auf „Frankreich“
  • Neu eingefügt: Neustart des iPhone
  • Herunterladen von boon aus dem App-Store
  • Starten der Anwendung und Durchlaufen des Registrierungsprozess mit eurer Heimatadresse in Deutschland
  • Upgrade auf boon Basic oder besser noch boon Plus
  • Für das Upgrade auf boon Plus müsst ihr euren Ausweis scannen, sowie die erste Seite einer Kreditkartenabrechnung, Kontoauszug, Stromrechnung etc. abfotografieren
  • Sobald die Karte der Apple Wallet hinzugefügt wurde, könnt ihr wieder eure gewohnte AppleID anmelden und die Region zurück auf „Deutschland“ setzen.
  • Achtung: Die französische ID solange behalten, wie boon nicht in Deutschland gestartet ist. Nur hierüber erhaltet Ihr Updates der App, die teilweise notwendig sind um die Funktionsfähigkeit zu gewährleisten!

Folgende kostenlosen Auflademöglichkeiten existieren:

  • SEPA-Überweisung (ihr erhaltet eine deutsche(!) IBAN)
  • VISA-Karte (das manuelle Aufladen ist je nach Herausgeber der Karte kostenlos)

Mit MasterCard aufladen, sowie die automatische Aufladung mit VISA kosten 1% des Aufladebetrags bei einem Minimum von 1€.

Das Aufladen per SEPA-Überweisung hat bei mir weniger als einen Tag benötigt (Überweisung vom Konto einer Sparkasse)

Akzeptanz in Deutschland

Gegenüber meinen ersten Tests im Sommer 2016 scheinen nunmehr weitere Händler ihre Terminals upgedated zu haben. Erfolgreiche Zahlungen wurden von mir u.a. bei folgenden Händlern getätigt, bzw. wurden mir von Benutzern berichtet:

  • REWE / REWE to Go
  • Lidl
  • ALDI Süd
  • Kaufland
  • McDonalds
  • Burgerking
  • Vapiano
  • Selecta Automaten
  • Sanifair WC
  • Starbucks
  • ARAL
  • Esso
  • iZettle-Terminals

Mögliche Stolperfallen

Einige Userinnen und User haben mir von Problemen bei der Registrierung berichtet. Folgende Dinge sind noch zu beachten:

  • Wenn bei Registrierung/Nutzung der AppleID eine Kreditkarte abgefragt wird, dann bitte dieses Support-Dokument von Apple beachten!
  • Wenn das Hinzufügen der Karte aus der boon-App in die Wallet Streß macht, das Gerät bitte neu starten und etwas warten!
  • Zur Aufladung dürfen nur Kreditkarten aus Ländern verwendet werden, wo boon verfügbar ist. Deutschland fällt darunter, da es bei uns die Android-Version offiziell gibt.
  • Bei der Registrierung dürfen auch nur Mobilfunknummern aus Ländern verwendet werden, die an boon teilnehmen. Ansonsten muss der Account manuell freigeschaltet werden

So und jetzt viel Spaß mit Apple Pay in Deutschland!

Bargeldlos in Genf

Anlässlich der Installation einer Unified Communication-Lösung, die MIFID II konform auch die Telefonate, die über Mobiltelefone geführt werden, aufzeichnet, hat es mich für zweieinhalb Tage nach Genf verschlagen.

Selbstredend habe ich nebenbei auch testen wollen, wie es um die Akzeptanz bargeldloser Bezahlverfahren in der Schweiz steht.

Aufgrund meines Kartenportfolios hatte ich nicht wirklich Lust, Bargeld am Automaten zu ziehen (4,50€ mit der SparkassenCard +1%) und habe es dieses Mal wirklich auf Zero-Cash angelegt. Da ich mit der SparkassenCard (girocard plus maestro) mind. 0,77€ pro Zahlung berappen darf, war die Karte der Wahl eine MasterCard Gold meiner Sparkasse mit 1% Fremdwährungszuschlag. Weil die Karte dazu noch Chip&Signature und kein NFC unterstützt, war der Kugelschreiber mein bester Freund.

Die Reise habe ich, wie meistens, mit der Bahn unternommen. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt in der ersten Klasse des ICE hat 140€ gekostet. Ich habe es als Handyticket bezogen und mit besagter MasterCard beglichen. Für die Fahrt zum Hauptbahnhof musste ich noch ein Einzelticket bei der KVB erwerben. Das Ganze natürlich als Handyticket.

An der Haltestelle wurde ich von einem Anfangzwanziger angesprochen, ob ich ihm nicht einen Fuffi für das Ticket wechseln könnte. Meine Hinweise auf die GeldKarte („habe ich nicht geladen“) und die App der KVB bzw. HandyTicketDeutschland („habe ich auch nicht“) fand wenig Gegenliebe. Da habe ich mir es erspart zu fragen, ob dieser Payment mäßig unterversorgte Mensch vielleicht die PayPal App auf seinem iPhone hat. Ich hätte ja meine, stets geladene, GeldKarte nehmen können, um ein Ticket für ihn zu kaufen. Das nur am Rande.

Für die Reise habe ich mich im REWE-to-Go am Kölner Hauptbahnhof noch mit etwas Proviant eingedeckt. Den Kleinbetrag von 3,80€ habe ich kontaktlos mit einer Debit MasterCard beglichen. Das erstaunt dort inzwischen auch niemanden mehr.

Mit dem ICE ging es nach Basel SBB und weiter mit Umstieg in Biel/Bienne mit einem Neigetechnikzug (ICN) nach Genf. Die Fahrt verlief inkl. der zwei Umstiege reibungslos. Im Zug habe ich meine letzten EUR-Münzen gegen einen Kaffee getauscht. Ich war ehrlich gesagt zu faul, um aufzustehen und selbst ins Bistro zu rennen oder den APS-Mitarbeiter mit der Karte loszuschicken.

In Genf angekommen, ging es erst einmal ins Hotel. Das ibis Centre Gare liegt nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof und wurde vor Kurzem im neuen ibis Design renoviert. Das Frühstück hätte etwas umfangreicher sein können. Da bin ich aus Wien und Kraków ehrlich gesagt Besseres gewohnt. Ansonsten ist dieses Hotel nur zu empfehlen. Freundliche Mitarbeiter, gute Lage und bequeme ibis-Betten.

Da uns am ersten Abend nicht gerade nach Experimenten zu Mute war, zog es uns zum Essen ins Vapiano. Im Nachhinein betrachtet war das wohl ein Fehler. Das Preisniveau lag, wie in der Schweiz üblich, mind. um den Faktor 2,5 höher als in Deutschland. Dafür war das Essen OK, aber nicht brilliant. Zu ähnlichen Preisen haben wir in Genf Besseres erhalten.

Beim Vapiano fiel zuerst auf, wie normal DCC mittlerweile in der Schweiz ist. Dieses System, dass dem Kunden den Service bietet, in Heimatwährung zu bezahlen, ist aufgrund der schlechten Wechselkurse ein Quell ständigen Ärgers. Vorgabemäßig war an den Würfelterminals die Belastung in EUR eingestellt. Die Bedienung (Pfeiltaste nach unten oben am Würfel, dann OK unten auf dem PINPad) ist für Ungeübte doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Weiter ging es in eine Brasserie am Place du Molard mit Hausbrauerei. Ein halber Liter Bier kostet, je nach Sorte, zwischen 8,40€ und 9,40€. Hier wurden ebenfalls alle Karten genommen und es kam wieder die Frage nach DCC.

Den Rückweg haben wir mit der Tram angetreten. Das ist übrigens eine ganz tolle Sache der Genfer Hoteliers. Jeder Gast erhält für die Dauer seines Aufenthalts eine Karte für den ÖPNV. In unserem Fall war diese drei Tage gültig, was einem Preisvorteil von 30 CHF entspricht.

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Das ÖPNV-Netz ist gut ausgebaut. Es fahren in dichtem Takt eine Vielzahl von Bussen, Trolleys und Trams. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der City liegt aber irgendwo im Bereich den man auch zu Fuß schaffen könnte. Für diejenigen, die ihre ÖPNV-Tickets bezahlen müssen, bieten die Automaten neben der Zahlung mit CHF und EUR (!)-Münzen auch die Akzeptanz aller gängigen Karten an. Das las sich auf einer Travelseite zu Genf übrigens ganz anders. Das nur am Rande.

Insgesamt zwei Mal waren wir in der Spaghetti Factory zu Mittag. Das Essen war um Längen besser als im Vapiano Genf, die Mitarbeiter super aufmerksam und freundlich und überraschte dadurch, dass DCC gar nicht erst angeboten wurde. Man hatte seine mobilen Terminals auch nicht von Six….

Abends hatte ich noch einen englischen Pub im Visier, aber dort gab es keine Akzeptanzzeichen der Tür, dafür aber Burger zu McDonalds-Konditionen (11 CHF). Also haben wir noch etwas weitergesucht und eine nette Pizzeria gefunden. Dort hingen zwar auch keine Akzeptanzlogos, aber wir wurden dort quasi vom Chef mit den Worten „Credit card? No Problem!“ empfangen und in den Arm genommen. Das Pizzen waren wirklich gut, auch wenn Preise um 23CHF bei uns Touristen aus Niedriglohnländern ein Stöhnen hervorrufen.

Die letzte Stationen waren ein Starbucks und die Hotelbar des ibis. Der Starbucks bot kein DCC an. Das Hotel jedoch schon. Die Dame an der Rezeption hat beim Checkout auch offen zugegeben, dass sie jedem Gast die Zahlung immer in Landeswährung empfiehlt.

Am Ende der Reise stand der (CHF) Bargeldzähler bei 0€. Das musste dann mit Hefeweizen im ICE gefeiert werden. Natürlich mit MasterCard bezahlt.

Was die Verbreitung der Kontaktloszahlung angeht: Eigentlich sieht man fast überall NFC-fähige Terminals. In der Gastronomie wo der Kellner das Terminal bedient, wird aber dennoch die Karte defaultmäßig gesteckt.

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Fazit:

Bargeldlos in der Schweiz geht, auch wenn es sicherlich Orte gibt, die noch keine Karten akzeptieren. Für einen umfänglichen Test müsste man aber auch Bäckereien, kleinere Dienstleistungsgeschäfte etc. mit einbeziehen. Dazu war in den zwei Tagen aber leider keine Zeit. Im und um den Genfer Hauptbahnhof hat man aber überall die Akzeptanzlogos der gängigen Kartenanbieter in der Tür hängen sehen.

Update zum Thema DCC:

Der Schweizer Zahlungsdienstleister verspricht den Kunden eine Rückerstattung, wenn der Kurs seiner Hausbank günstiger als DCC sein sollte. Das finde ich in sofern bemerkenswert, als dass dies bei den im Terminal angezeigten Kursen durchgängig der Fall war. Da hofft man wohl darauf, dass der Kunde zu faul ist.

Unterwegs im ÖBB Nightjet

Die meisten Bahninteressierten werden es bereits mitbekommen haben. Nach mehreren Fahrplanwechseln mit Linienkürzungen und Streichungen, hat sich die Deutsche Bahn endgültig aus dem Geschäft mit den klassischen Nacht- und Autozügen verabschiedet.

Offiziell wird dieser Schritt mit den hohen Verlusten und dringendem Investitionsbedarf begründet. Kenner der Materie werfen der DB allerdings einige üble Taschenspielertricks vor, die die Verluste künstlich in die Höhe getrieben haben, um die Nummer beim Aufsichtsrat durchzubekommen.

Sei es, wie es mag. Neben einigen saisonalen Angeboten privater EVUs, sind die österreichischen Bundesbahnen in die Bresche gesprungen und haben ehemals gemeinsam betriebene Linien nun unter eigener Regie übernommen. Einige ehemalige DB-Angebote in Richtung Schweiz haben die ÖBB ebenfalls übernommen.

Warum Nachtzug

Da ich fast alle meine Reisen mit der Bahn tätige, stehe ich häufiger vor dem Problem, dass Reisezeit und nutzbare Zeit am Zielort nicht unbedingt in einem guten Verhältnis zu einander stehen. Für die Strecke von Köln nach Wien benötigt der direkte ICE 9h15. Die schnellste Verbindung mit Umstieg in Frankfurt immerhin noch 8h15. Rechnet man den Vor- und Nachlauf mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein, so gehen fast immer zehn Stunden für eine Strecke drauf. Sicher, man kann im ICE arbeiten, dösen, essen oder sich betrinken. Der Tag aber, ist so oder so hinüber.

Mit dem Nachtzug hingegen gewinnt man im Idealfall einen Tag. Gerade für verlängerte Wochenenden in der Donaumetropole ideal!

Im konkreten Fall habe ich ein paar Tage rund um den Jahreswechsel 2016/2017 in Wien verbracht (siehe auch: Bargeldlos in Wien). Entgegen dem ursprünglichen Plan am 2. Januar nach Hause zu fahren und erst gegen 23:00 in der Wohnung zu sein, habe ich am 23.12. noch einmal spontan nach Preisen für den Nightjet am 01.01. gesucht. Trotz der relativ kurzen Zeit bis Reiseantritt habe ich noch einen guten Preis erhalten (siehe unten). Rechne ich die gesparten Übernachtungskosten von knapp 100€ inkl. Frühstück heraus, so kann man das Ticket durchaus als Schnäppchen bezeichnen. Da lohnte es sich auch, das bereits vorhandene Sparpreisticket für den ICE gegen Gebühr zu stornieren.

Freier Eintritt in die Lounge

Die ÖBB bietet allen Reisenden im Schlafwagen, unabhängig von einer Statuskarte, den freien Zugang zu ihren Lounges am Tag der Reise. Da das Wetter an dem Tag zusehends schlechter wurde, war ich für das Angebot sehr dankbar.

Die Lounge im neuen Hauptbahnhof verfügt über bequeme Sitzlandschaften mit Tischen und Steckdosen an fast jedem Platz. Neben den üblichen Softdrinks und – genießbaren – Kaffeespezialitäten gab es auch Gösser Pilsener aus der Flasche, ein paar Knabbersachen und etwas, was wie Kuchen aussah.

Die dreieinhalb Stunden bis zur Abfahrt des Nightjets vergingen dort wie im Flug.

Das Boarding

Ich wurde von zwei Stewards des Caterers „Newrest Wagon Lits“ freundlich empfangen. Der jüngere der beiden Herren sollte übrigens ab Passau die Zugführerbinde übernehmen. Er hatte nämlich die entsprechende Ausbildung in seiner Zeit bei der DB absolviert.

Nach Abfahrt in Wien wurden erst einmal die Tickets kontrolliert und die Bestellungen für das Frühstück und den Weckdienst aufgenommen.

Jeder Schlafwagengast wurde darüberhinaus mit einem kleinen Willkommenspaket begrüßt, in dem sich u.a. Hausschlappen, eine Piccolo-Flasche Prosecco und Ohropax-Stöpsel befinden.

Das Abteil

Ein Argument der DB für die Einstellung des Nachtverkehrs war auch das veraltete Wagenmaterial und der angeblich niedrige Standard. Der Schlafwagen des Zuges war von der Bauart  WLABmz173.1 und von der DB Autozug übernommen. Erkennbar auch an der rot/lichtgrauen Lackierung. Bis zur Überarbeitung durch die ÖBB wird der auch noch einige Monate so weiter fahren.

Die Einschätzung aus dem Bahntower kann ich so gar nicht nachvollziehen. An vielen Stellen im Abteil und Dusche/WC an den Waggonköpfen kam schon das aus den ICE bekannte Holz in Multiplex-Optik zum Einsatz. Die Betten auch im 2. Klasse-Abteil haben eine angenehme Breite von einem Meter und eine bequem harte Matratze. Lediglich die Fensterdichtungen hätten mal überarbeitet werden können.

Im Standard-Abteil findet sich hinter Klapptüren ein Waschtisch mit Spiegel und Steckdose für Rasierer.

Die Abteile lassen sich verschließen. Für den Zutritt von Außen gibt es eine Schlüsselkarte mit Lochkartenmuster.

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Eine weitere Steckdose befindet sich am Kopf des untersten Bettes und ist für eine Leistung von 150W ausgelegt. Wer also mit vielen Geräten und/oder mehreren Reisenden in so einem Abteil unterwegs ist, sollte über Akkupacks und Mehrfachstecker nachdenken. Hier könnte die ÖBB sicher noch etwas nachlegen. Genauso wäre WLAN sinnvoll.

Sanitäre Einrichtungen

Im Schlafwagen gibt es – neben den in die Deluxe-Kabinen integrierten Duschen und WC´s – jeweils ein WC und ein kombiniertes WC mit Duschkabine am Kopf. Die Sauberkeit war gegeben. Lediglich die Papierkörbe sind ein wenig zu klein, so dass stets benutzte Papierhandtücher hinaushingen. Das sieht nicht schön aus. Aber im Grunde kennt man das aus den ICE. Einige Pappnasen verstehen die englische Aufschrift „Push“ nicht und stopfen ihre Papiertücher in sämtliche Öffnungen der Schränke der WC-Kabine….

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Wer morgens wirklich duschen möchte, sollte aber ein Deluxe-Abteil wählen. Schließlich kann niemand garantieren, dass zur gewünschten Zeit die Kabine frei ist. Wer, wie ich, am Zielort wohnt, kann sich den Aufpreis lieber sparen und stattdessen zu Hause duschen. Als Alternative gibt es in vielen größeren Stationen in Deutschland aber auch Duschkabinen in den WC-Anlagen der Bahnhöfe.

Verpflegung an Bord

Nachdem die Ticketkontrolle durchgeführt wurde, hatte ich die Möglichkeit beim Steward eine Kleinigkeit zu Essen zu bestellen.

Ich habe mich für eine Gulaschsuppe entschieden, die recht schmackhaft, aber ein wenig zu kühl war. Für 5,60€ inkl. recht sättigender Sandwiches als Beilage ein mehr als fairer Preis, der allerdings bar zu entrichten war.

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Um besser Essen zu können, wurde ein kleiner Tisch aufgebaut. Diese befinden sich normalerweise hinter Klappen im Gang des Waggons. Nach dem Essen wurde der Tisch schnell wieder abgebaut und das Bett ausgeklappt.

Kann man im Schlafwagen wirklich schlafen?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Es soll ja Leute geben, die selbst ohne Alkoholeinfluss tief und fest auf einer Bassbox in der Disco schlafen können. Ich bin da leider etwas empfindlicher und das ist auch das große Manko der Schlafwagen.

Zum Einen gibt es eine ganze Reihe von Lichtquellen, wie bspw. floureszierende Aufkleber, beleuchtete Schalter und ein kleiner Spalt unten an der Tür, wo sich das Blech etwas verzogen hat.

Zum Anderen brummt quasi die ganze Zeit die Belüftung. Lediglich beim Flügeln des Zuges in Nürnberg sowie während Recuperationsphasen ist es eine Weile ruhig. Das kann schon ganz schön nervig sein. Getoppt wird der Soundteppich allerdings von der Spülung des WCs im Deluxe-Abteil inmitten des Waggons. Man liegt quasi direkt mit dem Ohr daneben.

Aus den genannten Gründen war an Tiefschlaf nicht zu denken. Allerdings fühlte ich mich am Tag danach dennoch nicht wirklich gerädert und bin nach kurzem Aufenthalt zu Hause frohen Mutes ins Büro gefahren. Somit konnte ich problemlos einen Urlaubstag einsparen, den ich ansonsten sinnlos im Zug verbracht hätte.

Vielleicht ist das aber auch alles Gewöhnungssache. Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach den Prosecco statt des Bieres trinken. Von Sekt werde ich nämlich immer schon nach drei Schluck müde.

Das Frühstück

Das Wecken erfolgte vereinbarungsgemäß eine Stunde vor Ankunft in Köln. Wie angekündigt, kam 10 Minuten später der Steward mit dem Klapptisch und Frühstückstablet vorbei.

Im Preis sind sechs Komponenten inbegriffen. Jede weitere kostet einen Aufpreis von einem EUR (alles bar zu bezahlen). Das Heißgetränk kann man sich kostenlos nachfüllen lassen.

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Der Kaffee war genießbar, die Brötchen OK. Man merkte ihnen aber an, dass sie vom Vorabend waren. Ich glaube etwas Brot als Alternative würde einen noch besseren Eindruck hinterlassen.

Wie komme ich an ein Ticket und was kostet es?

Tickets lassen sich sowohl über bahn.de als auch oebb.at beziehen. Da die DB für eine Übergangszeit noch Tickets mit BahnCard-Rabatt verkaufen darf, ist aktuell für Schlafkabinen die DB die bessere Adresse. Ein weiterer Vorteil bei der DB: Sparpreis-Tickets lassen sich teilweise stornieren. Bei einem Nightjet-Ticket gilt das lediglich für den Fahrkartenanteil (ohne Reservierung Schlafplatz) und es werden aktuell 19,50€ Stornogebühren zusätzlich abgezogen. Tickets sind als PDF zu erhalten und müssen aber ausgedruckt mitgeführt werden.

Für die einfache Strecke in einer Einzelkabine habe ich 151,90€ bezahlt. Die unterschiedlichen Abteilkategorien findet ihr hier.

Fazit

Die Reise im Nachtzug ist nach wie vor eine gute Alternative auf längeren Strecken. Vielfach lässt sich auch noch Geld dabei sparen. Auf jeden Fall spart man aber eine Menge Zeit.

Die ÖBB tut wirklich Alles, damit sich der Gast wohlfühlen kann. Die Inklusivleistungen für Schlafwagengäste sind vorbildlich.

Demnach wird das sicher nicht die letzte Fahrt im ÖBB Nightjet gewesen sein.

Eine Sache aber sollte die ÖBB unbedingt überdenken: Es kann nicht sein, dass sich die Deutsche Bahn aus dem Geschäft zurückzieht, der ÖBB die notwendigen Investitionen und das unternehmerische Risiko überlässt und dann nicht nur günstigere Preise anbieten kann, sondern darüber hinaus noch die Vertriebsprovision einstreicht.

Die ÖBB sollte tunlichst dafür sorgen, dass über oebb.at stets der günstigste Preis verfügbar ist und die BahnCard wie VorteilsCARD und Halbtax-Abo die üblichen 25% Rabatt sicherstellen.

Bargeldlos in Wien

„Zwischen den Jahren“ soll es sich besonders entspannt im Büro arbeiten lassen. Um die Kolleginnen und Kollegen nicht dabei unnötig zu stören, habe ich mich für eine Kurzreise nach Wien entschieden.

Ich war zuvor zwei Mal dort. Immer nur für ein kurzes Wochenende. Viel zu wenig für eine so große und schöne Stadt.

Wie meistens, bin ich auch dieses Mal mit der Bahn dorthin gefahren. Das Sparschiene-Ticket (1. Klasse ICE Direktverbindung, 77€) habe ich über die Seite der ÖBB gebucht, da unsere DB etwas teurer war. Beim Buchen mit meiner MasterCard überraschte mich dann erstmals die Zweifaktor-Authentifizierung über eine TAN in der „S-ID-Check“ App.

Entgegen meinen persönlichen Präferenzen, aber aufgrund der Zugbindung, entschied ich mich ein Taxi über die taxi.eu-App und nicht über myTaxi zu bestellen. myTaxi ist bei Vorausbestellungen leider sehr unzuverlässig in Köln. Aber auch mit der offiziellen App der etwas bräsigen Taxiruf Köln e.G. kann man inzwischen bargeldlos bezahlen. Evtl. muss man dafür fünf Fahrer am Bahnhof abklappern und vier Konzessionsnummern aufschreiben und bei der Stadt Köln anschwärzen. Bestellt man über die App mit Hinweis „EC-Kartenzahlung“ hat man die Probleme aber nicht. Ich wurde von einem Fahrer abgeholt, dem ich vor wenigen Wochen gezeigt habe, wie er über sein Taxi-Dispo-Display eine App-Zahlung initiieren kann. Auch hier ist – wie fast überall – der Kunde derjenige der schulen darf.

Im ICE konnte man selbstverständlich im BordRestaurant mit Karte zahlen. Um nach Stunden langem Dösen im Sitz zwei drei Schritte gehen zu können, habe ich auf den Am-Platz-Service verzichtet. Dabei muss man auch immer seine Karte unbeaufsichtigt aus der Hand geben. Das mag ich nicht so.

Um in Wien mobil zu sein, habe ich mir über die Handyticket-App der Wiener Linien eine Wochenkarte (16,20€) gekauft. Dies ging problemlos auch Wochen im Voraus. Bezahlt wurde mit MasterCard. An den Automaten der U-Bahn lassen sich Tickets auch bargeldlos beziehen. In den Fahrzeugen und an einigen oberirdischen Haltestellen findet man jedoch Automaten aus der Steinzeit und das Angebot besteht lediglich aus einem Einzelfahrschein (Erwachsene oder Kind):

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Das Verkehrsangebot der Wiener Linien ist meiner Meinung nach ausgezeichnet. Der Takt bleibt dicht bis nach Mitternacht. Viele Straßenbahn- und unzählige Buslinien ergänzen die gut ausgebaute U-Bahn. Dank vieler Tangential- und Querlinien der Tram, kommt man überall sehr schnell hin und muss nicht erst in die City, um dann wieder hinaus zu fahren. Als Kind des Ruhrgebiets kommen einem da die Tränen. Das gab es bei uns auch alles und fiel in Wellen der Idiotie der NRW-Politiker zum Opfer. Selbst heute noch werden Außenäste von Strassenbahnen stillgelegt.

Die ersten drei Nächte habe ich im ibis Styles Wien City verbracht. Das Hotel liegt an einer viel befahrenen Straße und direkt an der Hochbahnstrecke der U6. Aber keine Angst: Die Fenster sind sehr gut isoliert und der Ausblick ist für ÖPNV-Nerds wie mich einfach nur gigantisch:

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Sieht die Kreuzung nicht etwas nach Schönhauser/Ecke Eberswalder im Prenzlauer Berg aus?

Wie man am Foto erahnen kann, verfügte das Zimmer über eine kleine Dachterrasse. Dank strahlendem Sonnenschein ließ es sich hier gemütlich im Freien einen Kaffee trinken. Der ist im ibis Styles übrigens – genau wie der umfangreiche Frühstück – im Preis enthalten. In der Lobby steht eine Kaffeemaschine, an der sich jeder Gast bis 22:00 Uhr bedienen kann. Schön wäre es, wenn zusätzlich zu den typischen To-Go Bechern Tassen bereitstünden. Das verursacht mit der Gastro-Spülmaschine nur wenig Aufwand und die Umwelt würde es freuen.

Das Styles ist eines meiner aktuellen Lieblingshotels von Accor. Die Zimmer sind sehr stylish eingerichtet. Dank zweimaliger Upgrades kann ich allerdings nicht sagen, wie die Standardzimmer sind. Mein Besuch im ibis Styles Berlin Mitte vor einigen Tagen war da leider sehr ernüchternd.

Das Wiener Styles verfügt über eine kleine Bar. Seine Getränke kann man sich einfach auf die Zimmerrechnung setzen lassen. Speisen gibt es jedoch keine. Dafür findet man in unmittelbarer Nähe das Café Blaustern. Den Tip erhielt ich beim ersten Aufenthalt im Januar von einem Mitarbeiter des Hotels. Und ich muss sagen: Top!

Es gibt dort auch noch später am Abend warme Gerichte in wirklich netter Atmosphäre. Kartenzahlung war auch hier kein Problem. Direkt an der Tür klebten alle Akzeptanzsticker. Da meine beiden Bons jeweils über 20€ lagen, kann ich nicht sagen, ob ein Mindestumsatz für Kartenzahlung erwartet wird.

Auffällig in der Nachbarschaft war noch ein Würstlstand, der ab 4€ Kredit- und Debitkarten akzeptiert hat. Genauso ein Dönerverkauf mit angeschlossenem Minimarkt (MU 5€).

Bei meinen vielen Fahrten mit dem ÖPNV habe ich auch immer wieder einen Blick in die üblichen Läden an den Bahnhöfen geworfen. Aber Bäckereien, Kioske, Dönerstände, Asia-Imbisse haben fast ausnahmslos keine Sticker im Fenster und Terminals ließen sich auch nicht von Außen erkennen. Das gleiche galt für die Weihnachts-/Wintermärkte der Stadt.

Nach drei Nächten bin ich aus Preisgründen in ein anderes ibis Hotel umgezogen. Es handelte sich dabei um das ibis Wien City in der Schönbrunner Str. Auch dieses Hotel ist gut an die Öffis angebunden, jedoch ist die Straße etwas gewöhnungsbedürftig.

Auch hier wieder gewohnt gute ibis-Qualität. Mein Zimmer war schon im neuen dunkelgrau-rot Look. Die warmen Farben machen das Zimmer wirklich gemütlich. Auffällig war die Größe. Die sonst immer etwas gedrungene Bank zwischen Fenster und Bett war hier sehr sehr lang. In dem Zimmer kann man gerne auch mal länger verweilen.

Das Hotel verfügte über eine 7/24h Bar und der Betreiber meint – im Gegensatz zu vielen anderen Ibis-Hotels – das auch Ernst. Keine dunklen Räume, hochgestellten Stühle etc. Hier konnte man jederzeit frisch gezapftes Gösser Pils erhalten. Daneben ein paar Ibis-Paninis, Suppe, Würstchen und Chili-con-Carne aus der Dose (O-Ton).

Auch hier war das Setzen des Konsums auf die Zimmerrechnung kein Problem. Was – wie auch im Styles -aufgefallen ist, ist die Tatsache dass man darauf verzichtet hat, dem Gast irgendwelche Zettel zur Unterschrift vorzulegen. Hier scheint man seinen Gästen zu vertrauen. Andererseits schützt einen die Unterschrift als Gast aber auch davor, dass man versehentlich oder absichtlich die Zeche für jemand Anderen bezahlen darf.

Das Sammeln auf der Zimmerrechnung bietet die altbekannten Vorteile: Erhalt der Loyalty-Punkte und einfache Kartenzahlung beim Check-out. Aber dazu kommen wir später noch einmal.

Nach dem Check-in im Ibis Wien Mitte habe ich mich mit der Tramlinie 6, die quer durch den 10. Bezirk führt und ein Wien zeigt, dass an Köln Kalk erinnert, auf den Weg zum Zentralfriedhof gemacht. Dort habe ich im Concordia Schlössl am Eingang 1 zu Mittag gegessen. Den Tip habe ich von einer Twitter-Followerin erhalten.

Der Laden hat schon seinen Charme. Leider muss man dazu sagen, dass am Eingang weder Akzeptanzlogos klebten, noch auf Speisekarte oder der Webseite ein Hinweis auf Kartenzahlung vorhanden war. Ich war mental schon darauf vorbereitet, etwas von meiner Barreserve anzutasten, habe aber dennoch gefragt. Der Ober meinte dann „Eigentlich erst ab 20€, aber passt scho“. So konnte ich dann auch meine 15,50€ mit der Karte begleichen. Fragen hilft!

An einem Abend war ich mit Kollegen im Einstein in der Nähe des Rathauses zum Abendessen verabredet. Auch hier war Kartenzahlung kein Problem. Lediglich die girocard versagte mit „Chip nicht lesbar“, obwohl selbst auf dem Terminal noch der maestro-Aufkleber pappte. Also durfte meine Debit MasterCard herhalten. Nun gut.

Zwischendurch war ich noch bei Mc Donalds (NFC an EASY-Order Terminals) und beim Wienerwald im Hauptbahnhof. Dort riss dann meine No-Cash-Serie endgültig und das für einen nahezu ungeniessbaren Fraß. Das Backhendl war trocken und wie Gummi. Das kenne ich aus München anders.

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende. Am 01. Januar hieß es dann: Abschied nehmen. Vor dem Check-out dann erst einmal die tolle Nachricht erhalten, dass der Acquirer six, an dessen Systemen ca. 90% aller österreichischen POS-Terminals hängen, mal wieder einen Totalausfall zu beklagen hat.

Da das Hotel auch an six angeschlossen war und der Imprinter irgendwo im Keller lag, blieb den Mitarbeitern nur noch die Option, eine Fotokopie der MasterCard anzufertigen und nach Wiederherstellung des Dienstes „Cardholder not present“-Transaktionen durchzuführen. Wehe dem, der keine Kreditkarte hat. Mit der girocard hätte man dann erst einmal zum Automaten laufen dürfen (die waren von der Störung nicht betroffen).

Leider war es am Neujahrstag plötzlich kälter geworden, so dass bis auf einen kurzen Ausflug zum Grab von Falco auf dem Zentralfriedhof, Zeit totschlagen angesagt war. Mein Nachtzug geht erst um 20:30 ab Wien Hauptbahnhof.

Also erst einmal zur L`Osteria am Hauptbahnhof. Auch wenn es sich hierbei um einen deutschen Franchise-Betrieb handelt, so bin ich doch mittlerweile echt begeistert. Das Preisniveau liegt irgendwo im Bereich von Vapiano aber man wird am Platz bedient und in allen drei bislang besuchten Filialen immer überaus freundlich und schnell.

Inzwischen hatte man bei six wohl wieder die Server neu gestartet, so dass die Kartenzahlung problemlos funktionierte. Es gab allerdings eine kleine Überraschung:

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Ihr seht richtig: Die Transaktion wurde über das Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft abgewickelt.

Frisch gestärkt ging es dann weiter in die Lounge der ÖBB zu der man mit einem Schlafwagenticket freien Zugang hat. Das Ticket hat mit BahnCard 25-Rabatt als „Sparpreis Europa“ übrigens 151,90€ gekostet und gilt für eine Einzelkabine 2. Klasse. Gebucht habe ich es bei der Deutschen Bahn, weil lustigerweise es hier umgekehrt zur Hinreise war und die ÖBB wesentlich mehr Geld für das Ticket sehen wollte.

Der Vollständigkeit halber noch eine Liste der bar getätigten Zahlungen:

  • 3,50€ Döner (Mindestumsatz 5€ für Karte)
  • 3,00€ bar gegebene Trinkgelder (Rest über Karte)
  • 9,70€ für ungeniessbaren Wienerwald-Fraß
  • 2,00€ für ein Schließfach im Hauptbahnhof

Fazit

Positiv fiel auf, dass wenn irgendwo Karten akzeptiert wurden, immer die gängigsten vier Karten vertreten waren. Vielfach auch Amex und JCB. In den von mir besuchten Supermärkten Eurospar und Billa (REWE) wurde die Bezahlung per NFC angeboten. Bei Billa war ein Double-Tap fällig, da zunächst das Vorhandensein eines Stammkundenkontos gecheckt wurde. In der Gastronomie wurden zwar NFC-fähige Terminals verwendet, jedoch stets die Karte gesteckt. Im Einstein wurde ich auch noch über die Gefahren von NFC „aufgeklärt“.

Allerdings findet man im Alltag, genau wie bei uns in Deutschland, genügend Läden die keine Karten akzeptieren oder intransparent mit Mindestumsätzen agieren. Egal ob Bäcker oder Restaurant. In sofern kann man sagen: Nur ein minimaler Unterschied zu Berlin. Sorry liebe Österreicher!