Bargeldlos in Wien

„Zwischen den Jahren“ soll es sich besonders entspannt im Büro arbeiten lassen. Um die Kolleginnen und Kollegen nicht dabei unnötig zu stören, habe ich mich für eine Kurzreise nach Wien entschieden.

Ich war zuvor zwei Mal dort. Immer nur für ein kurzes Wochenende. Viel zu wenig für eine so große und schöne Stadt.

Wie meistens, bin ich auch dieses Mal mit der Bahn dorthin gefahren. Das Sparschiene-Ticket (1. Klasse ICE Direktverbindung, 77€) habe ich über die Seite der ÖBB gebucht, da unsere DB etwas teurer war. Beim Buchen mit meiner MasterCard überraschte mich dann erstmals die Zweifaktor-Authentifizierung über eine TAN in der „S-ID-Check“ App.

Entgegen meinen persönlichen Präferenzen, aber aufgrund der Zugbindung, entschied ich mich ein Taxi über die taxi.eu-App und nicht über myTaxi zu bestellen. myTaxi ist bei Vorausbestellungen leider sehr unzuverlässig in Köln. Aber auch mit der offiziellen App der etwas bräsigen Taxiruf Köln e.G. kann man inzwischen bargeldlos bezahlen. Evtl. muss man dafür fünf Fahrer am Bahnhof abklappern und vier Konzessionsnummern aufschreiben und bei der Stadt Köln anschwärzen. Bestellt man über die App mit Hinweis „EC-Kartenzahlung“ hat man die Probleme aber nicht. Ich wurde von einem Fahrer abgeholt, dem ich vor wenigen Wochen gezeigt habe, wie er über sein Taxi-Dispo-Display eine App-Zahlung initiieren kann. Auch hier ist – wie fast überall – der Kunde derjenige der schulen darf.

Im ICE konnte man selbstverständlich im BordRestaurant mit Karte zahlen. Um nach Stunden langem Dösen im Sitz zwei drei Schritte gehen zu können, habe ich auf den Am-Platz-Service verzichtet. Dabei muss man auch immer seine Karte unbeaufsichtigt aus der Hand geben. Das mag ich nicht so.

Um in Wien mobil zu sein, habe ich mir über die Handyticket-App der Wiener Linien eine Wochenkarte (16,20€) gekauft. Dies ging problemlos auch Wochen im Voraus. Bezahlt wurde mit MasterCard. An den Automaten der U-Bahn lassen sich Tickets auch bargeldlos beziehen. In den Fahrzeugen und an einigen oberirdischen Haltestellen findet man jedoch Automaten aus der Steinzeit und das Angebot besteht lediglich aus einem Einzelfahrschein (Erwachsene oder Kind):

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Das Verkehrsangebot der Wiener Linien ist meiner Meinung nach ausgezeichnet. Der Takt bleibt dicht bis nach Mitternacht. Viele Straßenbahn- und unzählige Buslinien ergänzen die gut ausgebaute U-Bahn. Dank vieler Tangential- und Querlinien der Tram, kommt man überall sehr schnell hin und muss nicht erst in die City, um dann wieder hinaus zu fahren. Als Kind des Ruhrgebiets kommen einem da die Tränen. Das gab es bei uns auch alles und fiel in Wellen der Idiotie der NRW-Politiker zum Opfer. Selbst heute noch werden Außenäste von Strassenbahnen stillgelegt.

Die ersten drei Nächte habe ich im ibis Styles Wien City verbracht. Das Hotel liegt an einer viel befahrenen Straße und direkt an der Hochbahnstrecke der U6. Aber keine Angst: Die Fenster sind sehr gut isoliert und der Ausblick ist für ÖPNV-Nerds wie mich einfach nur gigantisch:

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Sieht die Kreuzung nicht etwas nach Schönhauser/Ecke Eberswalder im Prenzlauer Berg aus?

Wie man am Foto erahnen kann, verfügte das Zimmer über eine kleine Dachterrasse. Dank strahlendem Sonnenschein ließ es sich hier gemütlich im Freien einen Kaffee trinken. Der ist im ibis Styles übrigens – genau wie der umfangreiche Frühstück – im Preis enthalten. In der Lobby steht eine Kaffeemaschine, an der sich jeder Gast bis 22:00 Uhr bedienen kann. Schön wäre es, wenn zusätzlich zu den typischen To-Go Bechern Tassen bereitstünden. Das verursacht mit der Gastro-Spülmaschine nur wenig Aufwand und die Umwelt würde es freuen.

Das Styles ist eines meiner aktuellen Lieblingshotels von Accor. Die Zimmer sind sehr stylish eingerichtet. Dank zweimaliger Upgrades kann ich allerdings nicht sagen, wie die Standardzimmer sind. Mein Besuch im ibis Styles Berlin Mitte vor einigen Tagen war da leider sehr ernüchternd.

Das Wiener Styles verfügt über eine kleine Bar. Seine Getränke kann man sich einfach auf die Zimmerrechnung setzen lassen. Speisen gibt es jedoch keine. Dafür findet man in unmittelbarer Nähe das Café Blaustern. Den Tip erhielt ich beim ersten Aufenthalt im Januar von einem Mitarbeiter des Hotels. Und ich muss sagen: Top!

Es gibt dort auch noch später am Abend warme Gerichte in wirklich netter Atmosphäre. Kartenzahlung war auch hier kein Problem. Direkt an der Tür klebten alle Akzeptanzsticker. Da meine beiden Bons jeweils über 20€ lagen, kann ich nicht sagen, ob ein Mindestumsatz für Kartenzahlung erwartet wird.

Auffällig in der Nachbarschaft war noch ein Würstlstand, der ab 4€ Kredit- und Debitkarten akzeptiert hat. Genauso ein Dönerverkauf mit angeschlossenem Minimarkt (MU 5€).

Bei meinen vielen Fahrten mit dem ÖPNV habe ich auch immer wieder einen Blick in die üblichen Läden an den Bahnhöfen geworfen. Aber Bäckereien, Kioske, Dönerstände, Asia-Imbisse haben fast ausnahmslos keine Sticker im Fenster und Terminals ließen sich auch nicht von Außen erkennen. Das gleiche galt für die Weihnachts-/Wintermärkte der Stadt.

Nach drei Nächten bin ich aus Preisgründen in ein anderes ibis Hotel umgezogen. Es handelte sich dabei um das ibis Wien City in der Schönbrunner Str. Auch dieses Hotel ist gut an die Öffis angebunden, jedoch ist die Straße etwas gewöhnungsbedürftig.

Auch hier wieder gewohnt gute ibis-Qualität. Mein Zimmer war schon im neuen dunkelgrau-rot Look. Die warmen Farben machen das Zimmer wirklich gemütlich. Auffällig war die Größe. Die sonst immer etwas gedrungene Bank zwischen Fenster und Bett war hier sehr sehr lang. In dem Zimmer kann man gerne auch mal länger verweilen.

Das Hotel verfügte über eine 7/24h Bar und der Betreiber meint – im Gegensatz zu vielen anderen Ibis-Hotels – das auch Ernst. Keine dunklen Räume, hochgestellten Stühle etc. Hier konnte man jederzeit frisch gezapftes Gösser Pils erhalten. Daneben ein paar Ibis-Paninis, Suppe, Würstchen und Chili-con-Carne aus der Dose (O-Ton).

Auch hier war das Setzen des Konsums auf die Zimmerrechnung kein Problem. Was – wie auch im Styles -aufgefallen ist, ist die Tatsache dass man darauf verzichtet hat, dem Gast irgendwelche Zettel zur Unterschrift vorzulegen. Hier scheint man seinen Gästen zu vertrauen. Andererseits schützt einen die Unterschrift als Gast aber auch davor, dass man versehentlich oder absichtlich die Zeche für jemand Anderen bezahlen darf.

Das Sammeln auf der Zimmerrechnung bietet die altbekannten Vorteile: Erhalt der Loyalty-Punkte und einfache Kartenzahlung beim Check-out. Aber dazu kommen wir später noch einmal.

Nach dem Check-in im Ibis Wien Mitte habe ich mich mit der Tramlinie 6, die quer durch den 10. Bezirk führt und ein Wien zeigt, dass an Köln Kalk erinnert, auf den Weg zum Zentralfriedhof gemacht. Dort habe ich im Concordia Schlössl am Eingang 1 zu Mittag gegessen. Den Tip habe ich von einer Twitter-Followerin erhalten.

Der Laden hat schon seinen Charme. Leider muss man dazu sagen, dass am Eingang weder Akzeptanzlogos klebten, noch auf Speisekarte oder der Webseite ein Hinweis auf Kartenzahlung vorhanden war. Ich war mental schon darauf vorbereitet, etwas von meiner Barreserve anzutasten, habe aber dennoch gefragt. Der Ober meinte dann „Eigentlich erst ab 20€, aber passt scho“. So konnte ich dann auch meine 15,50€ mit der Karte begleichen. Fragen hilft!

An einem Abend war ich mit Kollegen im Einstein in der Nähe des Rathauses zum Abendessen verabredet. Auch hier war Kartenzahlung kein Problem. Lediglich die girocard versagte mit „Chip nicht lesbar“, obwohl selbst auf dem Terminal noch der maestro-Aufkleber pappte. Also durfte meine Debit MasterCard herhalten. Nun gut.

Zwischendurch war ich noch bei Mc Donalds (NFC an EASY-Order Terminals) und beim Wienerwald im Hauptbahnhof. Dort riss dann meine No-Cash-Serie endgültig und das für einen nahezu ungeniessbaren Fraß. Das Backhendl war trocken und wie Gummi. Das kenne ich aus München anders.

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende. Am 01. Januar hieß es dann: Abschied nehmen. Vor dem Check-out dann erst einmal die tolle Nachricht erhalten, dass der Acquirer six, an dessen Systemen ca. 90% aller österreichischen POS-Terminals hängen, mal wieder einen Totalausfall zu beklagen hat.

Da das Hotel auch an six angeschlossen war und der Imprinter irgendwo im Keller lag, blieb den Mitarbeitern nur noch die Option, eine Fotokopie der MasterCard anzufertigen und nach Wiederherstellung des Dienstes „Cardholder not present“-Transaktionen durchzuführen. Wehe dem, der keine Kreditkarte hat. Mit der girocard hätte man dann erst einmal zum Automaten laufen dürfen (die waren von der Störung nicht betroffen).

Leider war es am Neujahrstag plötzlich kälter geworden, so dass bis auf einen kurzen Ausflug zum Grab von Falco auf dem Zentralfriedhof, Zeit totschlagen angesagt war. Mein Nachtzug geht erst um 20:30 ab Wien Hauptbahnhof.

Also erst einmal zur L`Osteria am Hauptbahnhof. Auch wenn es sich hierbei um einen deutschen Franchise-Betrieb handelt, so bin ich doch mittlerweile echt begeistert. Das Preisniveau liegt irgendwo im Bereich von Vapiano aber man wird am Platz bedient und in allen drei bislang besuchten Filialen immer überaus freundlich und schnell.

Inzwischen hatte man bei six wohl wieder die Server neu gestartet, so dass die Kartenzahlung problemlos funktionierte. Es gab allerdings eine kleine Überraschung:

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Ihr seht richtig: Die Transaktion wurde über das Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft abgewickelt.

Frisch gestärkt ging es dann weiter in die Lounge der ÖBB zu der man mit einem Schlafwagenticket freien Zugang hat. Das Ticket hat mit BahnCard 25-Rabatt als „Sparpreis Europa“ übrigens 151,90€ gekostet und gilt für eine Einzelkabine 2. Klasse. Gebucht habe ich es bei der Deutschen Bahn, weil lustigerweise es hier umgekehrt zur Hinreise war und die ÖBB wesentlich mehr Geld für das Ticket sehen wollte.

Der Vollständigkeit halber noch eine Liste der bar getätigten Zahlungen:

  • 3,50€ Döner (Mindestumsatz 5€ für Karte)
  • 3,00€ bar gegebene Trinkgelder (Rest über Karte)
  • 9,70€ für ungeniessbaren Wienerwald-Fraß
  • 2,00€ für ein Schließfach im Hauptbahnhof

Fazit

Positiv fiel auf, dass wenn irgendwo Karten akzeptiert wurden, immer die gängigsten vier Karten vertreten waren. Vielfach auch Amex und JCB. In den von mir besuchten Supermärkten Eurospar und Billa (REWE) wurde die Bezahlung per NFC angeboten. Bei Billa war ein Double-Tap fällig, da zunächst das Vorhandensein eines Stammkundenkontos gecheckt wurde. In der Gastronomie wurden zwar NFC-fähige Terminals verwendet, jedoch stets die Karte gesteckt. Im Einstein wurde ich auch noch über die Gefahren von NFC „aufgeklärt“.

Allerdings findet man im Alltag, genau wie bei uns in Deutschland, genügend Läden die keine Karten akzeptieren oder intransparent mit Mindestumsätzen agieren. Egal ob Bäcker oder Restaurant. In sofern kann man sagen: Nur ein minimaler Unterschied zu Berlin. Sorry liebe Österreicher!

8 Gedanken zu “Bargeldlos in Wien

  1. Also ich hätte zu dem Döner einfach noch ein Softdrink genommen, dann wäre der Mindestumsatz erreicht 😉

    Die Bezahlkultur ist in Österreich ja sehr ähnlich zu der deutschen. Aber NFC ist dort bestimmt schon bei den Kunden angekommen, weil mittlerweile die meisten Maestro-Karten die Funktion unterstützen sollen.

    Hast du Kunden gesehen, die kontaktlos bezahlt haben? Ich habe in Deutschland noch nie einen gesehen.

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