ApplePay in UK gestartet

Am gestrigen Dienstag sind die ersten Banken in UK mit ApplePay live gegangen. Dank 250.000 Terminals im Lande können die Kunden in den nächsten Tagen sicherlich ohne groß Suchen zu müssen, den Dienst ausprobieren.

Ersten Berichten zu Folge soll der Zutritt zur Londoner U-Bahn per ApplePay mehr Zeit in Anspruch nehmen als bei Verwendung einer kontaktlosen Mastercard oder VISA-Karte.

Einige Banken, die ursprünglich ab Tag 1 dabei sein wollten, konnten ihren Zeitplan offensichtlich nicht halten. Es passierte das, was zu erwarten war: Aufgebrachte Kunden ließen in den sozialen Medien ihren Frust ab.

Es ist noch nicht klar welches das nächste Land in Europa sein wird, wobei ich auf Schweden, Polen und die Schweiz tippen würde.

Deutschland wird wegen des gerade in Fahrt kommenden Rollouts von NFC fähigen Terminals sicherlich noch ein paar Monate warten müssen.

Diese Verschnaufpause sollten Kreditinstitute und Netzbetreiber dringend nutzen, um eine Lösung für den deutschen Markt zu entwickeln. Denn hier regiert immer noch die girocard, wobei deren Zukunft auf einmal mehr als ungewiss erscheint.

Banken und Sparkassen, die hier pennen, werden ihr blaues Wunder erleben. Junge, technisch aufgeschlossene Kunden, denen die Kreditinstitute seit Jahren versuchen Kartenzahlung auch für kleinere Beträge schmackhaft zu machen, werden hier mit den Füßen abstimmen. Liebe Sparkassen: Wer ein iPhone hat, wird garantiert nicht seine GeldKarte mit girogo am Geldautomaten aufladen!

MasterCard reitet die nächste Angriffswelle auf die girocard

Wer mir Anfang des Jahres gesagt hätte, dass der Tag bald kommt, wo die girocard (ec-Karte) der deutschen Kreditwirtschaft zum Abschuss freigegeben wird, den hätte ich für vollkommen verrückt erklärt.

Die girocard wird von nahezu jeder Bank in Deutschland mit Eröffnung eines Girokontos ausgegeben. Ihr Marktanteil am Karten gestützten Zahlungsverkehr liegt daher bei 92%. Viele Händler und Gastronomen akzeptieren aus diesem Grunde lediglich die girocard via Chip&PIN oder lesen die Kontodaten des Karteninhabers für das Lastschriftverfahren aus.

Der neue Chef von MasterCard Deutschland Paweł Rychlinski ließ verlauten, dass in Kürze die erste große Bank in Deutschland auf ein Debit-Produkt von MasterCard setzen wird. Ob es sich hierbei um Maestro oder eine Debit MasterCard handeln wird, geht aus dem Artikel der Wirtschaftswoche nicht hervor. Der Umstand dass neben NFC auch auf Online-Shopping hingewiesen wird, deutet aber eher auf die u.a. in Polen und der Schweiz eingeführte „Debit MasterCard“ hin. Sicherlich gibt es Länder in denen man mit maestro und der 16-stelligen PAN auch Online einkaufen kann, aber die Regel ist das nicht.

Dass in der größten Volkswirtschaft der EU ein nationales Zahlungssystem überlebt hat, ist angesichts des gemeinsamen Binnenmarks ein Witz. Nicht nur, dass an der girocard viele Produktinnovationen wie NFC und Virtualisierung (Mobile Payment) vorbeigegangen sind, vielmehr behindert ihr Marktanteil ausländische Besucher in unserem Land ungemein.

Bislang hatte kein Marktteilnehmer in Deutschland den Mut, an dieser Situation etwas zu Ändern. Die Übermacht der DK schien zu groß.

Genau wie zu den Zeiten, als Wien von den Truppen des Osmanischen Reiches belagert war, muss es nun auch wieder ein Pole richten. Ich wünsche Herrn Rychlinski viel Erfolg bei seinem Versuch, in die Fußstapfen von Jan Sobieski III zu treten 😉

Das Verbrauchermagazin „test“ versucht Mobile Payment zu testen

In wohl kaum einem Land in Europa verstehen die Menschen so wenig von den Möglichkeiten und der Technik des bargeldlosen Bezahlen wie in Deutschland. Es dauert keine fünf Minuten nach der Veröffentlichung eines Artikels im Netz, bis die ersten „Nur Bares ist Wahres!“, „Kreditkarten führen in die Verschuldung“ und „Es geht den Staat nichts an, wo und was ich einkaufe“-Kommentare online zu finden sind.

Wenig hilfreich dabei ist auch, dass selbst die sog. Qualitätsmedien oft munter Begriffe durcheinander werfen. Dass die mittlerweile seit 2007 in „girocard“ umbenannte Bankkarte immer noch „ec-Karte“ genannt wird, mag das geringste Problem sein. Das nur vorweg.

Heute früh wurde ich via Twitter auf einen Artikel im Verbrauchermagazin „test“ – herausgegeben von der Stiftung Warentest – aufmerksam. Dort beschreibt ein Reporter seinen Versuch, beim Discounter ALDI Nord zu bezahlen.

Der Autor beschreibt sehr treffend das in Deutschland herrschende Chaos bei den bargeldlosen und kontaktlosen Zahlungssystemen. Aufgrund mangelnder Akzeptanz von VISA und MasterCard auf der einen Seite und völlig realitätsfernen Versuchen der Sparkassen auf der anderen Seite, mit girogo der GeldKarte neues Leben einzuhauchen, zeichnet sich ein kaum zu vermittelnder Flickenteppich bei der Akzeptanz der Systeme.

Jedoch sehe ich die Aufgabe eines Verbrauchermagazins nicht darin, die eigene Ahnungslosigkeit der Mitarbeiter zur Schau zu stellen. Es ist die originäre Aufgabe, den Konsumenten über solche Systeme aufzuklären.

Der genannte Discounter ALDI Nord beschreibt auf seiner Webseite in den FAQ sehr ausführlich, welche Systeme akzeptiert werden. Hier wird ebenfalls der Unterschied zwischen der nationalen girocard und den internationalen Systemen V-Pay und maestro erklärt. Kürzer und besser kann man es nicht machen.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir Artikel in der „test“ negativ aufgefallen sind. Im Frühjahr 2010 wurde die maestro-Karte von Payback beschrieben. Die Karte besaß und besitzt zwei sehr interessante Vorteile: Der Kartenherausgeber verzichtet auf Fremdwährungsentgelte (i.d.R. zwischen 1% und 2,2% vom Umsatz) und sie verfügt über CVC-Code und MasterCard Secure-Code. So ausgestattet kann man bei einigen Airlines online buchen und muss keinen Kreditkartenzuschlag bezahlen. Diese Karte ist seit 2009 mein ständiger Begleiter auf Auslandsreisen. „test“ attestierte dennoch: „Diese Karte ist überflüssig“.

Bei aller Kritik an diesem Artikel: Er sollte allen Beteiligten am Markt dennoch zu Denken geben. Banken, Sparkassen, Netzbetreiber und Händler müssen endlich eine gemeinsame und stringente Vermarktungsstrategie für kontaktlose und mobile Bezahlmethoden finden. Inkompatibilitäten und Akzeptanzhemnisse sind abzubauen.

Großveranstaltungen bieten ideale Voraussetzungen um neue Technologien bekannter zu machen. So hat MasterCard sukzessive alle wichtigen Open-Air-Festivals in Polen im Sponsoring. Egal ob Open´er Festival in Gdynia oder Przystanek Woodstock im Oderbruch: Überall heißt es PayPass statt Cash.

Die anstehende Regulierung des Interbankenentgelts bietet Unternehmen wie B+S oder TeleCash auch eine ideale Steilvorlage um ihre CRM-Systeme auf der Suche nach girocard/ELV-Only Händlern zu durchforsten.

Sorgt dafür, dass 2016 endlich auch bei uns gilt: „Ein Terminal, alle Karten!“

Das Leihfahrradsystem der KVB – Ein erster Praxistest

Das Leben in der Großstadt hat viele Vorteile. Einer davon ist der Umstand, dass man im Grunde ohne Auto auskommen kann. Neben dem öffentlichen Nahverkehr der auch spät am Abend auf den Hauptachsen noch im dichten Takt unterwegs ist, werden neue Mobilitätskonzepte natürlich zuerst in den Metropolen getestet und eingeführt.

Nicht mehr ganz so neu ist die Idee der Leihfahrräder. Einer der Vorreiter war die Deutsche Bahn, die ein flexibles System schon vor Jahren vorgestellt hat. Seit Kurzem mischt auch unsere KVB in dem Bereich mit. Zusammen mit dem Partner nextbike wurden über 900 Fahrräder innerhalb Kölns verteilt, die nun auf radelnde Kundschaft warten.

Zu Berücksichtigen ist aber, dass das Bediengebiet leider nicht die komplette Stadt Köln umfasst und Fahrräder außerhalb eigentlich nicht zurückgegeben werden dürfen.

Aber eines nach dem Anderen. Zunächst zur Anmeldung: Der Prozess ist sehr einfach und schnell über die Webseite kvb-rad.de zu erledigen. Nach Hinterlegung der Kartendaten (MasterCard/VISA/Amex) werden zunächst neun Euro auf das Konto geladen. Diese kann der frisch gebackene Leihrad-Nutzer dann sofort abradeln.

Der Prozess der Ausleihe bzw. Rückgabe funktioniert wahlweise über eine App auf dem Smartphone oder über den im Fahrrad integrierten Bordcomputer (Rufnummer+PIN). Bei den ersten Tests gab es Schwierigkeiten mit der Synchronisation und es kam eigentlich immer vor, dass mehrere Versuche zur Rückgabe benötigt wurden. Aber hier sind Verbesserungen angekündigt.

Die Fahrräder verfügen über einen bequemen Sattel und ein meiner Meinung nach etwas zu rudimentär konstruiertes Gepäckfach am Lenker. Eine Drei-Gang-Narbenschaltung und Rücktrittsbremse versetzen mich zwar ein wenig in meine Kindheit zurück und versuchen gar nicht erst, mit meiner 27-Gang-Schaltung des Trekking-Bikes zu konkurrieren. Für den üblichen Stadtverkehr reicht das vollkommen.

Ein großer Vorteil der Implementierung in Köln (im Gegensatz zu nextbike in München) besteht darin, dass innerhalb definierter Gebiete eine Rückgabe an jeder Straßenkreuzung erfolgen kann und man nicht auf bestimmte Stationen angewiesen ist. In der Praxis findet man die Räder aber auch vor den Werkstoren von Firmen, an den Rad-Stangen vor Wohnhäusern und auch schon einmal ein 200 Meter außerhalb der eigentlichen Bedienzone. Aber keine Angst: Das Rad steht dort nie lange. Ein anderer dankbarer Kunde freut sich, etwas weniger Laufen zu müssen.

In der Praxis findet man die Räder dann zumindest in dem von mir befahrenen Gebiet in Köln-Mülheim eigentlich überall. Die App hilft hier bei der Lokalisierung.

Was kostet der Spaß?

Der Regeltarif beträgt 1€ für jede angefangene halbe Stunde. Besonders interessant ist das System aber für Abo-Kunden der KVB. Mit dem eTicket lässt sich nicht nur das Bike entleihen, sondern KVB-Kunden fahren grundsätzlich die erste halbe Stunde für umsonst. Damit eignet sich das KVB-Rad insbesondere für den vielleicht etwas längeren Heimweg von der Stadtbahn-Haltestelle. Ich für meinen Teil erspare mir so die Warterei auf den Anschlussbus am Wiener Platz.

Wer kein KVB-Abo hat sollte entweder eines abschließen oder kann für 48€/Jahr ein Abo bei nextbike abschließen und erhält ebenfalls jeweils die erste halbe Stunde kostenlos.

Was ist nicht so gut?

Die oben beschriebenen Schwierigkeiten bei der Entleihe bzw. Rückgabe via Bordcomputer können ziemlich aufhalten. Zu allem Überfluss wurde das System wohl so geändert, dass nunmehr die Rückgabe ausschließlich über den Bordcomputer erfolgt. Bei mir hat das bislang nie funktioniert. Hier steht ein Test noch aus.

Die App

Die App gibt es leider nur für Android und iOS. Wer – wie ich – einen BlackBerry besitzt, kommt wieder nur auf Umwegen an die App. Eigentlich unverständlich. Eine Veröffentlichung in der BlackBerry-World und die dazu notwendige Repakettierung dauert keine Stunde. Würde die KVB als Kompromiss den auf allen BlackBerry 10-Geräten vorinstallierten Amazon AppStore nutzen, wäre nicht einmal dieser Schritt notwendig. Es wäre wirklich schön, wenn die KVB hier wie HandyTicket Deutschland sich durchringen könnte, die paar notwendigen Handgriffe durchzuführen bzw. vom App-Entwickler durchführen zu lassen.

Fazit

Insgesamt ist das KVB Rad eine coole Sache und passt zum Lebensstil einer Metropole. Wenn die paar kleinen technischen Hürden beseitigt werden und das Bediengebiet noch erweitert würde, wäre das sehr begrüßenswert.

Der Tag nach dem Unwetter – Spaß mit der Bahn

Liebe Freunde von der DB,

heute war kein guter Tag für uns. Dass nach einem Unwetter erst einmal aufgeräumt werden muss: Geschenkt. Zugverspätungen weil eingleisige Streckenführung: Auch geschenkt. Aber dass trotz heftigster Kritik und wiederkehrenden Versprechungen des Bahnvorstands eine solche Betriebssituation zu völligem Informationschaos führt, darf einfach nicht mehr passieren. Aber der Reihe nach:

Der ICE 640/650 von Berlin nach Köln wurde bis kurz vor Abfahrt auf dem Berliner Hauptbahnhof mit +10 (Verzögerung aus vorheriger Fahrt angezeigt). Angezeigt? Na ja: Ausgerechnet die am zentralsten gelegene Zuganzeigetafel stellte nur Pixelmüll dar. Die Lautsprecherdurchsagen? Von der Blechelse gesprochenen Texte waren kaum zu hören, weil zu leise.

Zu dem Zeitpunkt, wo der Zug hätte eintreffen sollen (und den Ostbahnhof längst hätte verlassen müssen) wurden dann erst 40 und später 55 Minuten Verspätung wegen einer Streckenstörung angezeigt. Da andere Züge fuhren, konnte diese Störung eigentlich nicht auf der Stadtbahn vorgelegen haben. Oder doch? Eine Info wäre mal nett gewesen.

Als Nächstes blieb der Zug dann auf der Verbindungskurve in Lehrte stehen. Eingleisige Streckenführung als Folge des Unwetters. Verbindungskurve? Ja richtig: Die Strecke nach Braunschweig. Auch diese Information wurde bis kurz vor Braunschweig Hauptbahnhof nicht gegeben. Ist ja für den Fahrgast auch nicht wichtig dass mindestens noch mal 30 weitere Minuten hinzukommen.

Nächste Zwangspause: Bielefeld Hauptbahnhof. Weitere 20 Minuten sollten hinzukommen, weil der Ersatz für den Lokführer nicht rechtzeitig eingetroffen ist. Nun gut: Gesetzlich vorgegebene Lenkzeiten sind einzuhalten.

Nächste Station: Nächster Spaß. Offensichtlich wurde in Hamm nicht rechtzeitig ein zweiter Lokführer gefunden. Also keine Zugteilung in Hamm. Irgendwann zwischen Hamm und Dortmund erreichte uns dann die Durchsage, dass der Zug wahrscheinlich in Duisburg enden würde. Duisburg? Aber eigentlich saß ich doch im Zugteil via Hagen und Wuppertal. Die ersten Fahrgäste machten sich auf in Richtung Dienstabteil. Dann kam die Durchsage, dass diese Info nur für den vorderen Zugteil gelte und man in Dortmund bitte in einen IC am gleichen Bahnsteig wechseln solle. Wohlgemerkt: Ca. drei Minuten vor Eintreffen in Dortmund!

Statt des erwarteten IC 2229 fuhr aber der nachfolgende ICE der Linie 10 aus Berlin ein. Auch sehr gut gefüllt. Keine Minute später dann der IC 2229 an einem anderen Bahnsteig. Vom Bahnsteigsprecher keine Info, ob die Leute aus dem 650er stattdessen den ICE nehmen sollten. Also wieder einmal rennen mit 25kg Koffer.

Auch wenn bei der DB Fahrzeugmangel herrscht, eine Situation die sie sich größtenteils selbst zuzuschreiben hat, einfach einen Zug irgendwo enden zu lassen ist ein No-Go. Sicherlich ist Dortmund jetzt kein Kaff und genügend Anschlüsse vorhanden, aber: Der durchschnittliche Reisende ist mit einer solchen Situation völlig überfordert. Wenn dann auch noch die Reisendenbetreuung am Bahnsteig fehlt ist es nicht weit zur völligen Panik.

Ich durfte von Berlin bis Dortmund umzingelnd von nörgelnden und überforderten Passagieren sitzen. Keine Freude. Ein paar der Mitreisenden waren lange Zeit keine Bahn mehr gefahren. Nach heute werden sie das auch garantiert nicht mehr machen.

Mir tun die Mitarbeiter in den Zügen leid, die die sich ändernden Informationen auch nur scheibchenweise erhalten und das weitergeben, was ihnen vorliegt. Das muss besser und vor Allem weitsichtiger gehen.