Das Verbrauchermagazin „test“ versucht Mobile Payment zu testen

In wohl kaum einem Land in Europa verstehen die Menschen so wenig von den Möglichkeiten und der Technik des bargeldlosen Bezahlen wie in Deutschland. Es dauert keine fünf Minuten nach der Veröffentlichung eines Artikels im Netz, bis die ersten „Nur Bares ist Wahres!“, „Kreditkarten führen in die Verschuldung“ und „Es geht den Staat nichts an, wo und was ich einkaufe“-Kommentare online zu finden sind.

Wenig hilfreich dabei ist auch, dass selbst die sog. Qualitätsmedien oft munter Begriffe durcheinander werfen. Dass die mittlerweile seit 2007 in „girocard“ umbenannte Bankkarte immer noch „ec-Karte“ genannt wird, mag das geringste Problem sein. Das nur vorweg.

Heute früh wurde ich via Twitter auf einen Artikel im Verbrauchermagazin „test“ – herausgegeben von der Stiftung Warentest – aufmerksam. Dort beschreibt ein Reporter seinen Versuch, beim Discounter ALDI Nord zu bezahlen.

Der Autor beschreibt sehr treffend das in Deutschland herrschende Chaos bei den bargeldlosen und kontaktlosen Zahlungssystemen. Aufgrund mangelnder Akzeptanz von VISA und MasterCard auf der einen Seite und völlig realitätsfernen Versuchen der Sparkassen auf der anderen Seite, mit girogo der GeldKarte neues Leben einzuhauchen, zeichnet sich ein kaum zu vermittelnder Flickenteppich bei der Akzeptanz der Systeme.

Jedoch sehe ich die Aufgabe eines Verbrauchermagazins nicht darin, die eigene Ahnungslosigkeit der Mitarbeiter zur Schau zu stellen. Es ist die originäre Aufgabe, den Konsumenten über solche Systeme aufzuklären.

Der genannte Discounter ALDI Nord beschreibt auf seiner Webseite in den FAQ sehr ausführlich, welche Systeme akzeptiert werden. Hier wird ebenfalls der Unterschied zwischen der nationalen girocard und den internationalen Systemen V-Pay und maestro erklärt. Kürzer und besser kann man es nicht machen.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir Artikel in der „test“ negativ aufgefallen sind. Im Frühjahr 2010 wurde die maestro-Karte von Payback beschrieben. Die Karte besaß und besitzt zwei sehr interessante Vorteile: Der Kartenherausgeber verzichtet auf Fremdwährungsentgelte (i.d.R. zwischen 1% und 2,2% vom Umsatz) und sie verfügt über CVC-Code und MasterCard Secure-Code. So ausgestattet kann man bei einigen Airlines online buchen und muss keinen Kreditkartenzuschlag bezahlen. Diese Karte ist seit 2009 mein ständiger Begleiter auf Auslandsreisen. „test“ attestierte dennoch: „Diese Karte ist überflüssig“.

Bei aller Kritik an diesem Artikel: Er sollte allen Beteiligten am Markt dennoch zu Denken geben. Banken, Sparkassen, Netzbetreiber und Händler müssen endlich eine gemeinsame und stringente Vermarktungsstrategie für kontaktlose und mobile Bezahlmethoden finden. Inkompatibilitäten und Akzeptanzhemnisse sind abzubauen.

Großveranstaltungen bieten ideale Voraussetzungen um neue Technologien bekannter zu machen. So hat MasterCard sukzessive alle wichtigen Open-Air-Festivals in Polen im Sponsoring. Egal ob Open´er Festival in Gdynia oder Przystanek Woodstock im Oderbruch: Überall heißt es PayPass statt Cash.

Die anstehende Regulierung des Interbankenentgelts bietet Unternehmen wie B+S oder TeleCash auch eine ideale Steilvorlage um ihre CRM-Systeme auf der Suche nach girocard/ELV-Only Händlern zu durchforsten.

Sorgt dafür, dass 2016 endlich auch bei uns gilt: „Ein Terminal, alle Karten!“

8 Gedanken zu “Das Verbrauchermagazin „test“ versucht Mobile Payment zu testen

  1. Insgesamt stimme ich dem Artikel zu. Der sogenannte Test, der gemacht wurde ist unterirdisch. Ebenso wie ein iPhone hätten die Tester auch einen Bade-latschen neben das Lesegerät halten können um sich dann zu beschweren das es nicht funktioniert.

    Bei einem Punkt möchte ich jedoch einhaken:

    > “Es geht den Staat nichts an, wo und was ich einkaufe”

    Nö, den Staat geht das nichts an. Die Verkuppelung von Versicherungsunternehmen und Banken wiederum finde ich bedenklich. Ich zumindest möchte nicht beim Abschluss einer z. B. Lebensversicherung darauf aufmerksam gemacht oder ‚gerated‘ werde, das ich häufiger mal im Red-Light District Geld abhebe (welch wüster Lebenswandel – Menschen wie diese sind Risiko Kandidaten für eine Versicherung).

    Ob man dort seine Drogenkarriere finanziert oder einfach nur in der Nähe lebt bzw. arbeitet interessiert eine Statistik nämlich nicht.

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    1. Genau an der Stelle muss ich Dir auch Recht geben. Den Staat und auch Deinen Versicherer geht das nichts an.

      Was die Bargeld-Fetischisten an der Stelle aber nicht verstehen: Es ist wesentlich „verdächtiger“ mit gewisser Regelmäßigkeit 200EUR am Automaten im Rotlichtviertel abzuheben als im REWE auf der gleichen Straße sein Bier mit Karte zu bezahlen 😉

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  2. Oh ja. Ich habe auch mal einen Bericht einer selbsternannten Wirtschaftsjournalistin aus Deutschland über Number26 gelesen. Dass das ja eine Kreditkarte (na ja…) sei und damit alltagsuntauglich, usw. (Die Leute von N26 haben zwar auch, so ich es wahrnehmen konnte, am Anfang nicht den professionellsten Presseumgang gepflegt, aber das Produkt ist nicht schlecht.)

    Ein polnischer Kommentator musste sie dann darauf aufmerksam machen, dass es eher das alte Europa, also Länder wie DE, AT, CH, NL sind, wo man noch auf Maestro und V Pay setzt, während Banken anderer Staaten andere Wege gegangen sind.

    Zugegebenermaßen ist die Payback Maestro ein sehr spezielles Produkt, und für den Durchschnittstouri, der in seinem Türkeiurlaub nur das Hotel mit Karte zahlt und zweimal zum Lira ziehen an den Geldautomaten geht, nicht allzu interessant. Aber man liest ja einen Testbericht, um von echten Fachleuten eine Bewertung zu lesen…

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  3. “Ein Terminal, alle Karten!”

    Benutze gerne Kreditkarten in Kombination mit NFC. Jedoch kann ich gut verstehen dass manche Geschäfte auf Kartenzahlungen verzichten.

    A.) Die Geschäfte legen drauf, da Gebühren und..

    B.) Falls diese die Gebühren weiter verrechnen, so zieht der Kreditkarten Anbieter das Terminal ein.

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    1. Na ja. Die Gebühren bröckeln auf breiter Front und auch zuvor waren Zahlungen mit MasterCard/VISA für Kleinbeträge unter 5-6€ günstiger als mit der girocard.

      Bargeldlogistik kostet im Übrigen auch Geld.

      Aber ich sehe das mal ganz pragmatisch: Als Gastronom stöhne ich sicherlich auch über die Kosten für Strom und Gas. Dennoch lasse ich meine Gäste nicht im Dunkeln kaltes Essen futtern.

      Bargeldlose Zahlung gehört zum elementaren Kundenservice einfach dazu. Wer das nicht verstanden hat, sollte einfach seinen Laden dicht machen.

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    2. Chaos perfekt: seit einiger Zeit wurde beim online-Bezahlen mit meiner Mastercard (miles&more) immer der „SecureCode“ abgefragt, so weit so gut. Neulich lag ein Brief im Briefkasten: „mit folgendem 15stelligen code können sie sich online in unserem Portal für SMS-TAN ihre Mobilfunkrufnummer freischalten“.
      Das habe ich dann auch versucht, aber im online portal stand nur „ihre Mobilfunknummer xyz ist bereits hinterlegt“. Na gut dachte ich, passt ja dann. Zur sicherheit mal beim Kundenservice nachgefragt was das dann soll, sagte man mir nach einigen Tagen dann auch schon, dass sich alles erledigt hat, ich kann den code entsorgen.
      Heute dann eine online Zahlung gemacht. Neben dem SecureCode werden nun plötzlich auch ein paar Ziffern der „Servicekartennummer“ abgefragt. Zusammen mit dem Hinweis, daß diese Art der Authentifizierung nur noch ein paar Tage geht, dann müsse ich mich endlich für SMS Tan registrieren.
      Gehts noch doofer? Wieviel Verwirrung verträgt der Mensch?
      Was machen da erst ältere oder mit der Technik nicht so vertraute Menschen, raffen die das überhaupt noch?

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  4. Am vergangenen Donnerstag habe ich festgestellt, dass die für Zahlungen von über 25 Euro bei mywallet erforderliche PIN wieder nicht stimmte. Daher wurden noch am selben Nachmittag die virtuellen Karten (bereits zum zweiten Mal!) vom Smartphone (Samsung) gelöscht. Man wolle sich dann wieder melden.

    Heute (Montag vormittag) habe ich immer noch keine neuen Karten auf dem Handy. Wenn es wieder so läuft wie vergangene Woche, dann erhalte ich also zum dritten Mal eine Plastikkarte per Post und kurz danach die PIN – die dann hoffentlich funktioniert.

    Das ist aber nur der vorläufige Höhepunkt einer langen Geschichte…

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