Das Leihfahrradsystem der KVB – Ein erster Praxistest

Das Leben in der Großstadt hat viele Vorteile. Einer davon ist der Umstand, dass man im Grunde ohne Auto auskommen kann. Neben dem öffentlichen Nahverkehr der auch spät am Abend auf den Hauptachsen noch im dichten Takt unterwegs ist, werden neue Mobilitätskonzepte natürlich zuerst in den Metropolen getestet und eingeführt.

Nicht mehr ganz so neu ist die Idee der Leihfahrräder. Einer der Vorreiter war die Deutsche Bahn, die ein flexibles System schon vor Jahren vorgestellt hat. Seit Kurzem mischt auch unsere KVB in dem Bereich mit. Zusammen mit dem Partner nextbike wurden über 900 Fahrräder innerhalb Kölns verteilt, die nun auf radelnde Kundschaft warten.

Zu Berücksichtigen ist aber, dass das Bediengebiet leider nicht die komplette Stadt Köln umfasst und Fahrräder außerhalb eigentlich nicht zurückgegeben werden dürfen.

Aber eines nach dem Anderen. Zunächst zur Anmeldung: Der Prozess ist sehr einfach und schnell über die Webseite kvb-rad.de zu erledigen. Nach Hinterlegung der Kartendaten (MasterCard/VISA/Amex) werden zunächst neun Euro auf das Konto geladen. Diese kann der frisch gebackene Leihrad-Nutzer dann sofort abradeln.

Der Prozess der Ausleihe bzw. Rückgabe funktioniert wahlweise über eine App auf dem Smartphone oder über den im Fahrrad integrierten Bordcomputer (Rufnummer+PIN). Bei den ersten Tests gab es Schwierigkeiten mit der Synchronisation und es kam eigentlich immer vor, dass mehrere Versuche zur Rückgabe benötigt wurden. Aber hier sind Verbesserungen angekündigt.

Die Fahrräder verfügen über einen bequemen Sattel und ein meiner Meinung nach etwas zu rudimentär konstruiertes Gepäckfach am Lenker. Eine Drei-Gang-Narbenschaltung und Rücktrittsbremse versetzen mich zwar ein wenig in meine Kindheit zurück und versuchen gar nicht erst, mit meiner 27-Gang-Schaltung des Trekking-Bikes zu konkurrieren. Für den üblichen Stadtverkehr reicht das vollkommen.

Ein großer Vorteil der Implementierung in Köln (im Gegensatz zu nextbike in München) besteht darin, dass innerhalb definierter Gebiete eine Rückgabe an jeder Straßenkreuzung erfolgen kann und man nicht auf bestimmte Stationen angewiesen ist. In der Praxis findet man die Räder aber auch vor den Werkstoren von Firmen, an den Rad-Stangen vor Wohnhäusern und auch schon einmal ein 200 Meter außerhalb der eigentlichen Bedienzone. Aber keine Angst: Das Rad steht dort nie lange. Ein anderer dankbarer Kunde freut sich, etwas weniger Laufen zu müssen.

In der Praxis findet man die Räder dann zumindest in dem von mir befahrenen Gebiet in Köln-Mülheim eigentlich überall. Die App hilft hier bei der Lokalisierung.

Was kostet der Spaß?

Der Regeltarif beträgt 1€ für jede angefangene halbe Stunde. Besonders interessant ist das System aber für Abo-Kunden der KVB. Mit dem eTicket lässt sich nicht nur das Bike entleihen, sondern KVB-Kunden fahren grundsätzlich die erste halbe Stunde für umsonst. Damit eignet sich das KVB-Rad insbesondere für den vielleicht etwas längeren Heimweg von der Stadtbahn-Haltestelle. Ich für meinen Teil erspare mir so die Warterei auf den Anschlussbus am Wiener Platz.

Wer kein KVB-Abo hat sollte entweder eines abschließen oder kann für 48€/Jahr ein Abo bei nextbike abschließen und erhält ebenfalls jeweils die erste halbe Stunde kostenlos.

Was ist nicht so gut?

Die oben beschriebenen Schwierigkeiten bei der Entleihe bzw. Rückgabe via Bordcomputer können ziemlich aufhalten. Zu allem Überfluss wurde das System wohl so geändert, dass nunmehr die Rückgabe ausschließlich über den Bordcomputer erfolgt. Bei mir hat das bislang nie funktioniert. Hier steht ein Test noch aus.

Die App

Die App gibt es leider nur für Android und iOS. Wer – wie ich – einen BlackBerry besitzt, kommt wieder nur auf Umwegen an die App. Eigentlich unverständlich. Eine Veröffentlichung in der BlackBerry-World und die dazu notwendige Repakettierung dauert keine Stunde. Würde die KVB als Kompromiss den auf allen BlackBerry 10-Geräten vorinstallierten Amazon AppStore nutzen, wäre nicht einmal dieser Schritt notwendig. Es wäre wirklich schön, wenn die KVB hier wie HandyTicket Deutschland sich durchringen könnte, die paar notwendigen Handgriffe durchzuführen bzw. vom App-Entwickler durchführen zu lassen.

Fazit

Insgesamt ist das KVB Rad eine coole Sache und passt zum Lebensstil einer Metropole. Wenn die paar kleinen technischen Hürden beseitigt werden und das Bediengebiet noch erweitert würde, wäre das sehr begrüßenswert.

2 Gedanken zu “Das Leihfahrradsystem der KVB – Ein erster Praxistest

  1. wir haben heute erstmalig das kvb-rad ausprobiert: wir wollten zu dritt in Köln verschiedene Punkte anfahren. Dort wollten wir dann eine Pause machen und dann weiterfahren.

    Erster Praxistest:
    Wir haben uns bei kvb-rad angemeldet, die Bedienungsanleitung ausgedruckt und sind losgezogen.

    Das erste Rad war nicht vorhanden.

    Das zweite Rad hatte einen Platten.

    Das dritte verlor Luft und musste ausgetauscht werden.

    Die Pausenfunktion mit C war auch nach zahlreichen Versuchen nicht geglückt, auch die Hotline konnte sie uns nicht erklären; jedoch sollten die fälschlicherweise abgemeldeten Räder wieder angemeldet sein.

    Auch das funktionierte nicht.

    Letztlich blieben wir dann während der Pause neben den Rädern stehen, ohne sie abzuschließen.

    Also ein voller Erfolg! Wir gratulieren zu Ihrem System. Und werden es sicher nicht mehr benutzen.

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