Brezeln bargeldlos: NFC Rollout bei Ditsch

Kontaktlose Kartenzahlung ist schneller und hygienischer als Zahlungen mit Münzen und Scheinen. An Orten, wo unverpackte Lebensmittel und hohe Kundenfrequenz zusammenkommen, kann die Technologie ihre Stärken also voll ausspielen.

Da ist es nur logisch, dass der Mainzer Brezelbäcker Ditsch seine Filialen bundesweit mit Kartenterminals ausstattet. Ditsch findet man hauptsächlich an hoch frequentierten Orten wie Bahnhöfen und in Einkaufzentren. Zum Sortiment gehören neben Brezeln auch Mini-Pizzen, Croissants und Baguette.

Ditsch setzt auf das altbekannte Verifone H5000-Terminal, wie man es auch von Lidl, Kaufland und Esso her kennt. Die Geräte sind gut erreichbar und im Blickfeld des Kunden montiert. Aktuell ziert das Gehäuse ein Hinweisschild auf die kontaktlose Bezahlung u.a. mit girocard, VISA und MasterCard.

Die Abwicklung der Zahlung funktioniert äußerst schnell. Die Anbindung an der Kassensystem erspart die manuelle Eingabe des Betrags und anschließende Bestätigung am Kassensystem. Die Autorisierungszeiten der Zahlung lagen zwischen „nicht messbar“ (MasterCard Credit) und knapp unter 2 Sekunden (girocard der Sparkasse mit Online-Präferenz).

Bei meinen Testeinkäufen gab es weder irgendwelche Mindestumsätze noch komische Kommentare bzgl. der Bonhöhe. Die Mitarbeiterinnen sagten allerdings jeweils „Sie können die Karte jetzt einstecken“. Es gab jedoch keine fälschlichen Aufforderungen zum Unterschreiben des Belegs. In sofern durch und durch ein positives Kundenerlebnis, wie man es gerade am Anfang bei fast allen anderen Retailern vermisst hat.

Im Gegensatz zu anderen Franchiseketten wie bspw. McDonald’s scheint man in Mainz das Thema Payment zentral und ernsthaft zu betreiben und seine Agenturpartner genannten Franchisenehmer auf der Reise in die neue Bezahlwelt mitzunehmen. Ich habe von anderen Twitterern bislang noch keine Hinweise auf Einschränkungen bzgl. Kartentypen oder Mindestumsätzen gehört. Fragen zum Thema beantwortet das Social Media-Team auf Facebook sehr schnell und liefert auch Feedback aus der Fachabteilung.

Inzwischen hat auch Yorma´s, die ebenfalls an Bahnhöfen mit ihren Convenience-Stores vertreten sind, angekündigt bald Kartenzahlung zu akzeptieren:

Stellt sich nun noch die Frage, wie die frisch zum Valora-Konzern gehörende neue Schwester BackWerk mit Kartenzahlung umgehen wird. Bislang konnte man sich nur dazu durchringen, ein NFC-basiertes ClosedLoop-Verfahren bei einigen Franchisestores zu implementieren. Gerade bei BackWerk begegnen einem immer wieder haufenweise Hinweise auf die ausschließliche Bargeldakzeptanz. Da scheint also auch Bedarf zu sein.

Mit Revolut in Danzig unterwegs

Vor Kurzem habe ich ein wenig über die Mehrwährungskarte von Revolut geschrieben. Während es damals um den Beantragungsprozess und die Funktionen in der dazugehörigen App ging, möchte ich Euch heute über meine Erfahrungen auf der ersten Reise mit Revolut nach Polen berichten.

Über das Einheitswochenende sollte es nach Gdańsk gehen. Die Reise begann, wie üblich, um 03:30 morgens am Freitag den 29.09.17. Mein Taxi habe ich per Taxi.eu-App extra mit Kartenakzeptanz bestellt. Um kurz vor Vier dann die ernüchternde Meldung „Karte nicht zugelassen“, die sich später auch im REWE to go des Kölner Bahnhof wiederholt hat. Leider hatte Revolut an dem Freitag ein Serverproblem, was sich bis in den späten Nachmittag hinziehen sollte. Nun gut. Ich reise halt nie mit nur Karten einer Bank. Von daher: Ärgerlich, aber verschmerzbar.

Irgendwann liefen dann die Server von Revolut wieder und ich konnte aus dem fahrenden Zug heraus ein kleines Problem lösen. Ich besaß noch ein polnisches EUR-Konto mit einem Guthaben von 15 Cent. Eine Kontoauflösung mit Guthaben war nicht möglich und eine Überweisung in EUR kostet 5 PLN (ca. 1,20€). Also was Tun?

Ganz einfach: Per Revolut 9,85 EUR auf das Konto überwiesen und mit der, noch aktiven, Debit MasterCard flugs 10 EUR zurück auf das Revolut-Konto geladen. Wie schön, dass der Dienst auch bei solchen Edgecases hilft 😉

Akzeptanz in Polen

Da man in Polen eigentlich überall mit Karte bezahlen kann, kam die Revolut MasterCard natürlich dementsprechend häufig zum Einsatz. Überall dort, wo man kontaktlos bezahlen konnte, wurde in PLN abgerechnet und zunächst das Zloty-Guthaben bei Revolut belastet.

Egal, ob gesteckt oder per NFC erhält man kurz nach der Transaktion eine Pushnachricht mit den Details. Bei bekannten Händlern wird auch deren Logo eingeblendet. Die Erkennung der Umsatzart (Lebensmittel, Freizeit, Transport etc.) ist ziemlich akkurat.

In der Danziger Region benötigt man Bargeld wirklich nur für die, in ausreichender Anzahl vorhandenen, öffentlichen Toiletten und für Trinkgeldzahlungen, da viele Wirte Tipping per Karte nicht erlauben.

ÖPNV in der Dreistadt – Tarifhölle par Excellence

Wer in der Dreistadt (Gdansk, Gdynia, Sopot) mit dem ÖPNV unterwegs sein möchte, der steht leider vor einem absoluten Tarifwirrwarr.

Je nach Stadt gibt es Fahrkartenautomaten (Kartenakzeptanz, teilweise NFC) oder nur Verkauf beim Fahrer. Es gibt Tickets des jeweiligen kommunalen Verkehrsbetriebs, Tickets des Verkehrsverbunds und Tickets für die S-Bahn ähnliche SKM.

Und man sollte wissen, dass ein Ticket für eine einzelne Fahrt „Bilet jednorazowy“ mit Verlassen des Fahrzeugs seine Gültigkeit verliert, also beim Umstieg ein weiteres Ticket benötigt wird. Natürlich gibt es auch ein „Bilet czasowy“ dass für eine Stunde gilt, aber nicht als Handyticket gelöst werden kann.

Wer diesen ganzen Mist umgehen möchte und dazu noch die regionalen Eisenbahnen (SKM, PKM, PR) nutzen möchte, geht an einen Schalter der SKM und verlangt nach einem „Bilet metropolitalny wszystkich organizatorów“ welches es als 24h und 72h Ticket gibt.

An den Schaltern der SKM kann man problemlos mit Mastercard, also auch mit der Revolut-Karte, bezahlen.

Vorsicht vor DCC („Dynamic Currency Conversion“)

Bei gesteckten Zahlungen (u.a. an Geldautomaten, aber auch am POS) kommt inzwischen fast immer die nervige Frage nach der Währungsumrechnung. Hier gilt es, wie bei allen anderen Karten auch, peinlich darauf zu Achten, dass man in der jeweiligen Landeswährung bezahlt.

Vereinzelt soll es DCC auch in Polen mittlerweile kontaktlos geben. Das ist mir dort bisher nicht untergekommen. Beim Check-out im Hotel Mercure wurde prompt auch bei kontaktloser Zahlung nach DCC gefragt. Etwas Wachsamkeit schadet aber nie!

Währungen halten

Viele werden jetzt sagen: Das kann meine N26, Fidor oder DKB-Karte (teilweise) auch! Wieso also Revolut?

Es gibt natürlich eine Reihe von anderen Angeboten in Deutschland, wo zum jeweils aktuellen Tageskurs ohne Aufschlag umgerechnet wird. Wie der Kurs am jeweiligen Tag aussieht, kann man als Kunde jedoch nicht beeinflussen.

Gerade für Menschen, die häufiger in bestimmte Länder reisen, kann es jedoch interessant sein, die jeweilige Landeswährung dann zu kaufen, wenn sie gerade mal etwas schwächelt.

Genau das, geht mit der Revolut-App mit wenigen Klicks. Da ich häufig in Polen bin, ist es für mich natürlich schon interessant, bei einem schwachen Zloty zuzugreifen.

Gerade bei sehr volatilen Währungen, kann man mit der Revolut App den einen oder anderen EUR sparen, wenn man sich rechtzeitig eindeckt.

Fazit

Jeder, der häufig in Länder ohne EUR reist, sollte sich Revolut definitiv einmal anschauen.

Aktuell gibt es eine spezielle Promotion für den deutschen Markt: Die normalerweise fälligen 6€ für den Versand der ersten Karte entfallen momentan, so dass man Karte und App völlig kostenlos selbst testen kann.

Warum viele Kartenzahlung als langsam empfinden

Eines der beliebtesten Argumente der Kartenzahlungsgegner lautet: „Kartenzahlung ist wesentlich langsamer als Barzahlung“.

Und in der Tat ist dieses Argument auch heute noch nicht immer völlig von der Hand zu weisen. Umso wichtiger ist es einmal zu beleuchten, woran das liegen kann und was jeder einzelne Kunde tun kann, damit das nicht so bleibt.

Die Dauer des Bezahlvorgang hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab, nämlich der eingesetzten Technik und den beteiligten Personen.

Kartenterminals und deren Anbindung an den Zahlungsdienstleister

Moderne Kartenterminals sind in der Lage Kartenzahlungen in wenigen Sekunden komplett abzuwickeln. Zwischen dem Bestätigen der PIN durch den Kunden und der Zahlungsgenehmigung vergeht im Idealfall nicht einmal eine Sekunde.

Neben einer schnellen Anbindung via DSL gibt es zusätzlich auch die Möglichkeit die Zahlung kleinerer Beträge komplett offline abzuwickeln und die Daten zeitversetzt zu übermitteln.

Neben einer direkten Prüfung der PIN gegen die Karte (Offline-PIN) kann der Kartenherausgeber einen gewissen Betrag festlegen, unterhalb dessen eine Online-Autorisierung nicht erfolgen muss. Die girocard hat darüber hinaus noch einen weiteren Speicher. Dort kann eine wöchentliche Gesamtsumme festgelegt werden, die offline abgerechnet werden kann. Der Zähler wird bei jeder Online-Zahlung oder Geldautomatenbesuch zurückgesetzt.

Früher war es auch nicht unüblich Terminals via ISDN oder sogar analogem Modem anzubinden. Neben der benötigten Zeit für den Aufbau der Verbindung, sorgen auch immer wieder kleine Alltagsfallen für Verzögerung. Das typische Beispiel ist das kleine Hotel, dessen wenige Amtsleitungen durch Gäste und das Fax der Rezeption belegt werden. Da kann es dann schon einmal eine Minute oder länger dauern bis ein Bezahlvorgang endlich abgeschlossen werden kann.

Gerade in der Gastronomie kommen heutzutage gerne Terminals mit WLAN-Anbindung oder GPRS-Mobilfunkkarte zum Einsatz. Bei beiden Technologien ist es natürlich wichtig, dass auch am hintersten Tisch oder Draußen auf der Terrasse ein Signal in ausreichender Stärke vorhanden ist. Dennoch  achtet hierauf kaum einer. Irgendwann werden die Gäste halt wieder entnervt zum Tresen gebeten, um ihren Deckel zu begleichen. Auch dadurch verliert man Zeit.

Fehlende oder schlechte Kassenanbindung der Terminals

Im Supermarkt oder bei McDonald’s ist es längst Standard, dass der zu zahlende Betrag von der Kasse an das Kartenzahlungsterminal übermittelt wird. Der Kunde muss dann idealerweise lediglich seine Karte vor das Terminal halten oder die Karte einstecken und mit der PIN die Zahlung freigeben.

An dieser Stelle lauern gleich mehrere Zeitdiebe:

  • Elektronisches Lastschriftverfahren (ELV) und ältere Kreditkarten erzeugen einen Beleg, den der Kunde unterschreiben muss. Da ein Kugelschreiber nur in den seltensten Fällen auf Thermopapier sofort funktioniert und auch die Unterschrift kontrolliert werden möchte, kann man diese Verfahren getrost als „Kartenzahlung zum Abgewöhnen“ bezeichnen.
  • Karten mit mehreren unterstützten Bezahlverfahren können Terminal und Kunde vor eine ziemliche Herausforderung stellen. Als Beispiel sei die Tankstellenkette ARAL genannt. Nach Einstecken der girocard in das Terminal von ICP wird erst einmal von lautem Klacken des Auswurfmechanismus begleitet, geprüft ob ARAL dem Kunden das Lastschriftverfahren „anbieten“ möchte oder doch eine durch PIN gesicherte Zahlung im girocard-Netzwerk erfolgen soll.
  • Eine fehlende Kassenanbindung sorgt dafür, dass die Kassenkraft das Terminal zunächst zu sich zieht, den Zahlbetrag eintippt und dann ggf. den Kunden noch um seine Karte bittet. Nach erfolgter PIN-Eingabe nimmt die Kassenkraft vielfach das Terminal wieder zu sich und kontrolliert Displayausgabe und den Händlerbeleg ob auch „Zahlung erfolgt“ vermerkt seht. Ggf. wird der Beleg dann wieder dem Kunden gereicht, um eine Unterschrift zu Leisten.
  • Eine schlecht programmierte Kassenanbindung, wie man sie bspw. bei Rossmann antrifft, sorgt für endlose Wartezeit zwischen der erfolgten Genehmigung der Zahlung und dem Ausdruck des Kassenbons. Auch Lidl hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Mal erwartete die Kasse bei bestimmten Bezahlarten eine manuelle Eingabe der Kassenkraft („Unterschrift? [0]=nein [1]=ja) oder nahm sich ohne ersichtlichen Grund eine Bedenkzeit von bis zu drei Sekunden bis zum Beginn des Bondrucks. Diese Probleme tauchen auch regelmäßig nach Updates der Kassensoftware wieder auf.
  • „Anwendungsauswahl am POS“ ist ein Zwangsfeature mit dem die EU uns Kunden beglückt hat. Seit dem 9.6.2016 sollte der Kunde wählen können, ob – entsprechende Akzeptanz vorausgesetzt – er mit girocard oder dem meist auf den Karten vorhandenen internationalen Co-Badge Maestro bzw. V-Pay zahlen möchte. Händler, die die entsprechende Verordnung wortgetreu umgesetzt haben, bieten dem Kunden nach Stecken der Karte erst einmal einen Auswahldialog, dessen Sinn weder der Kunde noch die meisten Kassenmitarbeiter verstehen. Beispiele sind Esso und die Restaurantkette Marché.

Faktor Mensch

Während die technischen Herausforderungen in der Regel durch aktuelle Terminals und eine gute Betreuung der Händler durch ihre Zahlungsdienstleister und Softwareentwickler verhältnismäßig leicht in den Griff zu bekommen sind, entsteht die meiste Wartezeit durch den Faktor Mensch.

Nehmen wir als Beispiel eine klassische Situation in einem Restaurant. Der Gast bittet um die Rechnung und die Servicekraft entschwindet sofort in Richtung Tresen, um dann mit Kassenbon und Portemonnaie zu den Gästen zurückzueilen. In diesem Fall hätte der Gast natürlich direkt „Mit Karte bitte“ sagen können. Die Servicekraft hätte aber auch aktiv fragen oder das mobile Terminal ungefragt mit an den Tisch bringen können.

Auch im Supermarkt sieht es selten besser aus. Selbst wenn der Kunde seine Karte bereits in der Hand hält, wird häufig erst der Betrag genannt und vom Kunden erwartet, dass er „Mit Karte bitte“ sagt. Wiederum vergehen endlose Sekunden.

Ein Extrembeispiel habe ich heute morgen an der Kasse bei ALDI erlebt. Eine Kundin hatte knapp 20€ zu bezahlen. Nach dem Einpacken der Ware in ihre mitgebrachte Tasche holte sie ihr Portemonnaie hervor, öffnete zuerst das Münzfach, dann das Banknotenfach, worauf sie feststellte, dass ihr Bargeldvorrat nicht ausreichte. Daraufhin bat sie um Kartenzahlung, schloss die beiden Fächer, öffnete ein weiteres Fach, kramte ihre girocard hervor, die sich in einer Schutzhülle befand. Karte gesteckt, PIN eingegeben, Karte wieder in die Schutzhülle und anschließend ins Portemonnaie bugsiert. Dieses geschlossen und in der Handtasche verstaut. Insgesamt hat der Vorgang fast eine Minute benötigt. Erst danach konnte der nächste Kunde (ich) abkassiert werden.

Der Herr hinter mir war schon sichtlich genervt, als er meine Karte sah. Während der Kassierer meine drei Teile scannte, bat ich direkt um Kartenzahlung, habe sofort die kontaktlose Karte ans Terminal gehalten und keine zwei Sekunden später war der Bon gedruckt.

Fazit

Neben den technischen Faktoren, die sich durch die weitere Verbreitung der kontaktlosen Zahlverfahren mit der Zeit relativieren, ist der größte Bremsklotz am POS immer noch der Mensch.

Im Interesse aller nachfolgenden Kunden und um mit dem Vorurteil der langsamen Kartenzahlung aufzuräumen bitte:

  • Rechtzeitig und klar verständlich den Wunsch mit Karte zu zahlen äußern
  • Die Karte bereit halten oder das Smartphone für die Zahlung vorbereiten
  • Gerade in hochfrequentierten Geschäften auf kontaktlose Zahlverfahren oder Karten mit PIN-Eingabe setzen

In diesem Sinne: Viel Spaß bei Eurem Training am POS 😉

Stuttgart: Mein erstes Barcamp

Ich habe in der Vergangenheit viele Konferenzen besucht. Meist waren dies Treffen von Anwendern einer bestimmten Software wie bspw. die DNUG Jahreskonferenzen oder auch Kundentage von IT-Unternehmen. Teilweise habe ich diese auch mit ausgerichtet oder war Sprecher zu dem einen oder anderen Thema.

Eines hatten alle Konferenzen bislang gemeinsam: Der größte Teil des Programms bestand aus Powerpoint-Vorträgen, garniert mit ein paar Live-Klicks, die einem zumeist passiven Teilnehmerkreis präsentiert wurden. Höhepunkt der Interaktion war zumeist die „Ask the IBM“-Session, die man eher „Schlag‘ die IBM“ nennen sollte.

Am Ende einer Session blieb es immer verdächtig ruhig. Außer den beiden üblichen Fragestellern in jeder Runde: Null Feedback. Freundliches Klatschen. Das wars. Das eigentliche Feedback bekam nur, wer sich zu den Leuten an den Kaffeetisch gesellte. Da wurden sich die Münder fusselig geredet.

Frontalunterricht wie zu Kaiser´s Zeiten

In den letzten Jahren reifte in mir eine immer stärker werdende Ablehnung gegen solche Veranstaltungsformen. Im Netz habe ich schon häufiger von den sogenannten Barcamps (auch Un-Konferenzen) gelesen. Dennoch hatte ich eine nur vage Vorstellung, was auf einem solchen Camp tatsächlich passiert.

Angefixt vom Blogger-Kollegen @tmmd habe ich mich dieses Jahr zum Barcamp Stuttgart angemeldet. Dieses Barcamp ist ein Themen offenes Barcamp. Im Gegensatz zu Treffen von Foodbloggern, Typo3-Cracks und Personalentwicklern, darf man sich hier nicht wundern, wenn neben Empfehlungsmarketing, SEO und Website-Tuning auch Spiele-Sessions, Erfahrungsberichte über Depressionen und BDSM auf dem Sessionplan auftauchen.

Die Konferenz bist Du!

Die Agenda des jeweiligen Barcamp-Tages wird am Morgen erst aufgestellt. Jeder, der eine Session anbieten möchte, stellt diese in wenigen Sätzen vor und fragt, wer sich dafür interessiert. Abhängig von der Anzahl der Interessenten und evtl. benötigter Technik wird dieser Session ein Zeitpunkt und ein Raum zugewiesen.

Ich wollte zuvor nicht glauben, dass sich auf der Basis bis zu 13 parallele Sessions auf die Beine stellen lassen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Rein ins kalte Wasser

Von Barcamp-Neulingen wird erwartet, dass auch sie sich mit einer Session einbringen. Damit verhindert man auch, dass die Hemmungen selbst aktiv zu werden, mit jeder tollen Session an der man teilgenommen hat, noch steigen.

Zu den jüngsten Sessiongebern gehörte ein Junge (ca. 10 Jahre) der eine Einführung in eine Programmiersprache gehalten hat.

Meine erste Sessions hießen „Hilfe, wir haben Lotus Notes!“ und „Cashless in Deutschland“. Zwei Themen, für die ich mich begeistere und wo es zu einem lebhaften und interessanten Austausch kam. Sowas wünsche ich mir eigentlich auch von der DNUG.

Fazit

Abgesehen davon, dass ich mir den Termin für 2018 (15./16.9.2018) in meinem Kalender blocke, werde ich mir überlegen, wir man mit Elementen dieses Veranstaltungskonzepts auch eigenen Events mehr Leben einhauchen kann.

Ich kann jedem nur empfehlen, mal an einem Barcamp teilzunehmen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Revolut – Der Joker auf Reisen

Nach dem das Ende der Payback Maestro Karte im Juni 2016 besiegelt wurde, stellte sich mir wieder die Frage: Wie gehst Du mit Fremdwährungsumsätzen um. Für meine Polen-Reisen hatte ich bis vor Kurzem noch ein Konto bei der Alior Bank. Aber schon bei meinem Aufenthalt in der Schweiz im Januar, hieß es wieder: 1% Aufschlag.

Klar hätte ich mir ein Konto bei N26 oder Fidor holen können. Aber der Deutsche trennt sich bekanntermaßen eher von seiner Ehefrau als von seiner Bank.

Eine inzwischen nicht mehr ganz so neue Lösung bietet das britische Fintech Revolut  mit einer Prepaid-Mastercard (NFC-fähig) und einer dazugehörigen Smartphone-App.

Was macht die Revolut-Karte

Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine Karte, mit der man ohne Aufschlag in aktuell 120 verschiedenen Währungen bezahlen kann und 25 Währungen halten kann.

Zwischen den Währungen kann man einfach in der App Gelder transferieren. An Werktagen ist der Kursaufschlag nur minimal und immer günstiger als bei den deutschen Geschäftsbanken. Am Wochenende wird der sog. Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis für eine Währung immer etwas höher. Wer also verreist, sollte immer darauf achten, genügend Reserven in der jeweiligen Währung vorzuhalten.

Bei Bezahlung wird zunächst das Guthaben in der jeweiligen Währung belastet. Reicht dieses nicht aus, so wird auf die anderen Währungen zurückgegriffen und die Beträge entsprechend umgerechnet.

Schön finde ich, dass man in der App auf vielfache Weise Sicherheitseinstellungen für die Karte beeinflussen kann. Von einer temporären Komplettsperre, der Änderung der PIN bis hin zur Sperrung von Umsätzen mit Magnetstreifen, NFC-Zahlungen un Geldautomatennutzung. Spannend finde ich die Möglichkeit Kartenumsätze nur zu genehmigen, wenn sich das Handy des Karteninhabers in Nähe des Bezahlterminals aufhält. Hierzu kommuniziert die App den Standort des Nutzers.

Leider unterstützt die Karte aktuell kein Mastercard SecureCode. Durch die Möglichkeit, Fernabsatz-Zahlungen in der App zu sperren, ist dies aber durchaus akzeptabel.

P2P-Überweisungen

Ähnlich, wie man es bereits von PayPal kennt, kann man per Revolut Geld an Freunde und Familie transferieren. Dabei scannt die App zuerst, wer von den Kontakten im Adressbuch auch Revolut-Nutzer ist. Geldversenden funktioniert aber auch sehr einfach an Nicht-Revolut-Nutzer. Für diese wird ein Link generiert, der sich per E-Mail oder SMS verschicken lässt. Der Empfänger klickt den Link an und gibt einfach seine Bankdaten ein oder kann sich an Ort und Stelle dafür entscheiden, Revolut-Nutzer zu werden.

Im Gegensatz zu KWITT der Sparkassen, funktioniert dies auch einwandfrei mit Konten im Ausland. Genau das Richtige für den „international Lifestyle“ den das Fintech propagiert.

Eine neue Funktion in der App unterstützt auch das Aufteilen von Rechnungen („Split bill“).

Geld aufladen

Geld lässt sich ganz einfach per SEPA-Überweisung auf das Revolut-Konto übertragen. Das dauert in der Regel unter zwei Tage. Für Zahlungen in EUR und GBP erhält der Benutzer eine eigene IBAN (GB-Konto). Wer Zahlungen in anderen Währungen entgegennehmen möchte, der kann sich für jede Währung getrennt Bankdaten in der App anzeigen lassen. Dabei handelt es sich dann aber um Sammelkonten und es ist wichtig, dass der Absender den in der App angezeigten Betreff auch wirklich in die Überweisung hineinschreibt.

Eine weitere Möglichkeit zum „Top-up“ ist der Einsatz von Debit- oder Kreditkarten. Mit der Android-App lassen sich NFC-fähige Karten direkt auslesen. Ansonsten kann man eine Karte auf per Fotoscan in die App übernahmen.

Erkennt das System die verwendete Karte als Debit-Karte (auf Basis der verwendeten BIN-Datenbank), so ist das Aufladen kostenlos. Bei Kreditkarten fallen 1% Gebühren an.

Meine Sparkassen-VISA wird jedenfalls als Debitkarte erkannt!

Die App unter iOS bietet auch die Möglichkeit, per Apple Pay sein Revolut-Konto aufzuladen. Zumindest mit der virtuellen Mastercard von boon ist dies jedoch nicht möglich.

UK-Konto ohne Adressnachweis

Da der Benutzer mit Revolut eine GB-IBAN erhält und mit dem Konto auch Überweisungen empfangen und senden kann, eignet es sich ideal für diejenigen die für eine kurze Zeit in UK leben und arbeiten wollen. Revolut bezeichnet sein Produkt auch als „vollwertiges UK-Konto“.

Normalerweise kann der Prozess mit „Proof of identity“ oder „Proof of Address“ ziemlich nervenaufreibend sein.

Der Registrierungsprozess

Die Registrierung für Revolut ist denkbar einfach: App herunterladen, starten und seinen Ausweis von beiden Seiten abfotografieren. Dazu verlangt die App noch ein Selfie und das war´s. Bei mir hat es keine Stunde gedauert, bis das Konto eröffnet wurde.

Die Kosten

In der Basisversion ist das Konto komplett kostenlos. Die Revolut-Karte kostet einmalig 6€ und ist drei Jahre gültig. Im Preis inbegriffen sind ATM-Verfügungen bis zum Gegenwert von 200€ pro Monat.

Der Versand einer Ersatzkarte kostet aktuell 8€.

Seit Kurzem wird auch eine Premium-Variante angeboten. Das monatliche ATM-Limit verdoppelt sich auf 400€ pro Monat und die Karte sieht etwas edler aus. Eine weltweit gültige Reisekrankenversicherung ist ebenfalls inkludiert wie weitere Limiterhöhungen beim Währungstausch und verbessertem Customer-Support. Ob einem das die 7€ pro Monat Wert sind, muss jeder selbst entscheiden. Klar ist aber auch, dass kein Startup auf Dauer rein von kostenlosen Services leben kann. Irgendwann muss irgendwie eine Monetarisierung stattfinden.

Fazit

Für Kunden von Filialbanken eine ideale Ergänzung des eigenen Kartenbestands aufgrund der nicht vorhandenen Fremdwährungsgebühren.

Das Produkt eignet sich wegen der geringen Kosten auch besonders für die Bankkunden, die nur mal gelegentlich etwas mit Mastercard bezahlen wollen/müssen und ansonsten im Alltag mit ihrer girocard auskommen. Mit effektiv 2€ pro Jahr Gebühren und kostenlosem Aufladen/Einsatz der Karte schlägt Revolut fast jedes Prepaid-Produkt. Die Möglichkeit, die Karte per App komplett zu sperren und in die Schublade zu legen ist für den Anwendungsfall genial.

Wer sich viel im Ausland aufhält und gelegentlich auch schon einmal Zahlungen in Fremdwährung entgegennehmen muss/möchte, der wird mit dem Produkt seine Freude haben.

Anfang Oktober erfahrt ihr dann, wie sich die Karte bei ihrem ersten Einsatz in Polen bewährt hat.

 

Die eigenen Finanzen im Blick, Dank Kartenzahlung

Ich wurde vor einigen Tagen von einem ehemaligen Auszubildenden gefragt, wie ich denn so den Überblick behalte, wo ich doch fast ausschließlich bargeldlos bezahle. De facto wird in Diskussionen rund um Bargeld vs. Karte immer wieder das Argument angebracht, dass man mit Kartenzahlung weniger Überblick über Ein- und Ausgaben habe.

Zusätzliche Nahrung bekommt dieses Argument dadurch, dass Akquirer auch im Jahr 2017 damit werben, dass Kunden durchschnittlich mehr ausgeben, wenn sie die Möglichkeit zur Kartenzahlung haben.

Da dieses Thema sehr spannend ist und es eine Menge Smartphone-Apps und Computer-Programme gibt, die den Benutzer hierbei unterstützen, möchte ich in diesem, ersten Beitrag erst einmal über die Grundvoraussetzungen und meine Herangehensweise schreiben.

Die Zettelwirtschaft

Viele Barzahler behaupten ja, dass der Blick ins Portemonnaie die ultimative Transparenz darstelle. Dabei vergessen Sie, dass sie dort lediglich den aktuellen Bestand eines weiteren Kontos sehen. Für den wirklichen Überblick müssten sie eigentlich parallel den Kontostand ihres Girokontos und den aktuellen Füllstand der Spardose sehen, in der jeden Abend die kleineren Münzen entsorgt werden.

Neben jeder Menge Bargeld tragen viele Menschen auch stapelweise Kassenzettel mit sich herum. Diese werden in aller Regel nie wieder angeschaut und bilden auch selten den kompletten Mittelabfluss ab. Wer fragt schon am Kiosk oder in der Kneipe nach einem Kassenzettel.

Mit Kartenzahlung hat man im Idealfall nur eine einzige App, die man im Blick haben sollte. Dass das nicht immer 100% so der Fall ist, dazu später.

Wichtig: Die Wahl des richtigen Kontos

Bei der Wahl der Bank ist, neben den Konditionen, auch entscheidend wie zeitnah Buchungen erfolgen. Gerade wer viele kleine Beträge mit Karte begleichen möchte, wird bei einer Bank, die erst nach rund drei Tagen Umsätze in der App oder im Online Banking darstellt, nicht glücklich werden. Gleiches gilt für die Kreditkarte: Eine monatliche Abrechnung auf Papier passt weder in unsere Zeit, noch zu uns Kunden die die Karten wirklich einsetzen. Im Zweifelsfalle hilft hier nur Fragen bei der Bank, oder bei Freunden die dort ein Konto haben.

Banken wie N26 und Fidor setzen dies sehr gut mit Push-Mitteilungen um. Allerdings haben beide keine girocard im Portfolio. Ich selbst bin Kunde einer Sparkasse. Sicherlich keine billige Option, dafür werden meine girocard-Umsätze zumindest als Vormerkungen in Echtzeit dargestellt. Buchungen mit der MasterCard leider erst rund 1,5 Tage später. Da hoffe ich noch auf Besserung in naher Zukunft.

Natürlich sollte das gewählte Kontomodell auch stets alle beleglosen Buchungen in der Monatsgebühr inkludiert haben. Weiterhin gibt es immer noch kostenlose Girokonten bspw. von der DKB oder ING-DiBa.

Kontaktloses Bezahlen

Gerade wer plant, auch kleinere Einkäufe mit Karte zu bezahlen, wird um eine Karte mit NFC nicht herumkommen. Aktuell gibt es da aber die abstruse Situation, dass die Akzeptanz von Maestro, Mastercard und VISA kontaktlos wesentlich verbreiteter ist.

Die DKB gibt aktuell gar keine kontaktlose girocard heraus und die TARGOBANK will sich diesen Service noch mit einer Extragebühr bezahlen lassen. ING-DiBa hat gerade angefangen, NFC-girocards an die Kunden zu verteilen. Dafür bieten aber alle drei Banken ihre VISA-Karten mit der Kontaktlosfunktion an.

Konsolidierung von Konten und Umsätzen

Gerade wer viel mit Payment-Apps experimentiert, kennt das Problem. Fast jedes System basiert auf dem Prepaid-Prinzip. Schnell kommt man an den Punkt, wo auf fünf Konten jeweils Beträge zwischen zehn und 150€ liegen. Keine so gute Idee.

Gleiches gilt für Leute, die aus welchen Gründen auch immer, mehrere Konten bei verschiedenen Banken unterhalten. Kann man machen, man sollte aber dann unbedingt darauf achten, dass man eine Smartphone-App findet, die alle Konten darstellen und die Salden summieren kann.

Ich habe in letzter Zeit hier sehr stark aufgeräumt und fast alles herausgeworfen, was auf dem Prepaid-System basiert.

Bei Kreditkarten mit monatlicher Abrechnung sollte man darauf achten, dass diese möglichst von dem Konto abgebucht werden, wo sich in der Regel ein entsprechendes Guthaben befindet und man nicht noch daran denken muss, Geld von A nach B zu überweisen. Neben unnötigen Sollzinsen besteht immer noch die Gefahr der Rücklastschrift und das ist bei Kreditkartenabrechnungen besonders ärgerlich, da dies gerne zur Kündigung oder zumindest zur Reduktion des Monatslimit führen kann.

Vorbereitungen abgeschlossen. Und nun…?

Grundsätzlich sollte man sich beim Shoppen mit der Karte natürlich auch immer die Frage stellen: „Brauch ich das wirklich?“. Beantwortet man sich diese Frage mit „Ja“, so wird die Karte gezückt.

Bei Debitkarten (egal ob girocard oder MasterCard / VISA) wird in der Regel sofort das verbundene Konto belastet. Der Umsatz sollte somit auch binnen Sekunden in Eurer App sichtbar sein.

Die Kartenzahlungsbelege aus diesen Umsätzen kann man mit den Kaufrechnungen (bei Ware mit Gewährleistung/Umtauschrecht) direkt irgendwo dauerhaft deponieren. In der Regel wird man die nie wieder benötigen. Ob man die nun sauber abheftet oder im Schuhkarton horten mag, darüber möchte ich nicht richten. Das muss jeder selber wissen.

Händler, die Zahlungen mit der girocard über das elektronische Lastschriftverfahren abwickeln, gibt es leider immer noch. Eigentlich sollte man in solchen Geschäften nach Möglichkeit ausschließlich mit Mastercard oder VISA bezahlen, das ist aber leider nicht überall möglich.

Genauso gibt es Orte, an denen Kreditkarten komplett offline abgewickelt werden und teilweise erst Wochen später die Belastung des Kontos erfolgt.

Die Zahlungsbelege zu diesen Zahlungen sollte man separat aufbewahren und frühestens dann vernichten, wann die Buchung erfolgt ist. Handelt es sich dabei nicht um 3,50€ für das Parkhaus, so sollte man die Summe im Hinterkopf und natürlich auch immer das entsprechende Guthaben auf dem Belastungskonto haben.

Regelmäßig Kontobewegungen checken

Gerade, wenn man sehr viel mit Karte bezahlt, ist es wichtig regelmäßig das Konto zu checken. Wer erinnert sich schon noch daran, ob man wirklich vor 21 Tagen einen Kaffee bei Starbucks getrunken hat. Viele Banken bieten über Pushmitteilungen auch die Möglichkeit, sich stets über Kontobewegungen auf dem Laufenden zu halten. Das sollte man nutzen.

Verschiedene Karten für verschiedene Zwecke

Einige empfehlen, für verschiedene Zwecke unterschiedliche Karten einzusetzen. Bspw. also eine Karte für die täglichen Ausgaben (in der Regel dann die girocard) und eine Karte eher für Anschaffungen, eigene Reisen oder Auslagen für die Firma auf Dienstreisen etc.

Das kann man durchaus tun. Allerdings hat sich das bei mir in der Praxis nicht bewährt. Das liegt zum Einen daran, dass nicht überall jeder Kartentyp akzeptiert wird. Binnen kürzester Zeit hat man dann den Coffee-To-Go oder die Sanifair-Buchung auf der Kreditkarte für Anschaffungen, während das Geschäftsessen mangels Akzeptanz des Gastronomen mit der girocard beglichen werden musste. Zum Anderen will man ja auch nicht immer alle Karten mit sich herumschleppen.

Ich habe das daher weitestgehend aufgegeben und beschränke mich darauf, für Umsätze in Fremdwährung eine Revolut-Karte zu verwenden, um Gebühren zu sparen.

Elektronische Haushaltsbücher

Einige Banken bieten im Rahmen ihrer Banking-Apps oder des Online-Bankings Tools zum Auswerten der Umsätze an. Weiterhin gibt es, wie Eingangs erwähnt, eine Vielzahl von Drittanbietern.

Im einfachsten Fall sind diese Helfer relativ blöd und erwarten vom Benutzer die manuelle Kategorisierung der einzelnen Umsätze. Einige lernen aus den Zuweisungen oder erkennen anhand der Zahlungsempfänger selbst einen Teil der Buchungen.

Vielfach nützt einem das automatisch erkannte Tag (bspw.) „Versicherung“ aber relativ wenig, da es sich dabei sowohl um die Hausrat- oder die Autoversicherung handeln kann. Wer also alle Autokosten auswerten möchte, darf hier gerne noch mal Hand anlegen.

Die meisten solcher Systeme bieten weiterhin noch die Möglichkeit, für Barzahlungen manuell zu erfassende Konten und Kontobewegungen zu führen. Gerade in der Übergangszeit in der man vielleicht erst damit anfängt, mehr mit Karte zu zahlen, sollte man auch die Barzahlungen mit einem solchen System notieren.

Ich werde beizeiten mal das eine oder andere Produkt testen und hier an dieser Stelle vorstellen.

Fazit

Man braucht eigentlich nur ein passendes Konto und die dazugehörigen Karten, ein wenig Vorbereitung und zum Schluss ein ganz klein wenig Disziplin beim Umgang mit den Belegen, um mit Kartenzahlung den Überblick zu behalten.

Im Idealfall reicht ein Blick in eine einzige App.

 

Payback Pay: Wie ruiniert man ein gutes Produkt

Als im Juni 2016 die Erweiterung zur äußerst beliebten Payback App erschien, war ich zunächst skeptisch. Wieder eine vom Handel initiierte Insellösung. Wieder mal etwas, was nur in Deutschland und nur bei bestimmten Partnern benutzbar ist.

Als unbestrittener Marktführer im Bereich Loyalty hatte Payback natürlich einige nicht zu unterschätzende Startvorteile: Nach der girocard ist die Payback-Karte mit Abstand Nummer Zwei in deutschen Portemonnaies. Die dazu gehörige App wurde alleine im Google Play Store über 5 Mio mal heruntergeladen. Das Rabattsystem genießt – trotz der Datenschutzparanoia der Deutschen – ziemlich hohes Ansehen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass man sehr behutsam mit den Informationen der Kunden umgeht und diese nicht, kurze Zeit nach Anmeldung, im Post- und E-Mail-Spam ertrinken. So weit so gut.

Wettbewerbswidrige IBAN-Diskriminierung

Klar war, dass ich die testen musste. Die Anmeldung erfolgte problemlos innerhalb der App. Einzig negativ fiel auf, dass man für den Einzug der Rechnungsbeträge via SEPA-Lastschrift nur IBAN-Nummern mit DE eingeben konnte. Diese Form der IBAN-Diskrimierung verstößt gegen Art. 9 der SEPA-Verordnung und kann einfach über ein Formular bei der Wettbewerbszentrale gemeldet werden. Da ich mein Hauptkonto bei einer deutschen Sparkasse führe, war das erst einmal kein Hindernis.

DM – Der erste Eindruck: Wow!

Mein erster Test führte mich zu DM, da die Drogeriemarktkette auch das erste Unternehmen war, dass die Akzeptanz von Payback Pay realisiert hat. Die Autorisierung erfolgt dort via QR-Code, den der Kunde bequem während des Kassiervorgangs an einem kombiniert Scan- und Bildschirmterminal selbst einlesen kann. Zum Schluss bittet man einfach um Zahlung mit Payback Pay. Das war´s. Ein absoluter No-Brainer. So sollte eine mPayment-Lösung funktionieren. Punkt.

real,- patzt

Auf DM folgte die Verbrauchermarktkette real,-. Hier entschied man sich, die QR-Codes  mit einem Handscanner einzulesen. Meine ersten Erfahrungen damit habe ich bereits im September 2016 in einem Artikel geschildert. Haderte ich zu Beginn lediglich mit den Handscannern und der Anzahl der benötigten Versuche zum Einscannen der QR-Codes, so hat sich inzwischen wohl irgendwas am Prozess geändert. In den letzten Monaten kam es immer wieder vor, dass zwar die Bezahlung mit Payback Pay funktionierte, aber keinerlei Punkte auf den Einkauf vergeben wurden. Da ein Nachkreditieren am Payback-Automaten im Markt lediglich die Basispunkte bucht, aber keinerlei Coupons und Sonderpunkte berücksichtigt, hieß das jedes Mal: Kassenbon einscannen und via Service-Center regulieren lassen.

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Da es hier jeweils nur um Beträge zwischen ein paar Cent und max. 2-3€ gingen, ist der Aufwand natürlich albern. Man sollte von einem Loyalty Programm erwarten, dass diese Prozesse ohne Eingriff von Mitarbeitern und Kunden sauber abgewickelt werden. Alles Andere steht in keinem Verhältnis zum Gegenwert der Punkte.

Da helfen dann auch keine Tipps wie dieser hier:

„Bitte beachte, dass Du dem Personal am besten gleich zu Begin mitteilst, dass Du mit PAYBACK PAY zahlen möchtest, damit die Kollegen vor dem Abschluss des scannen der Ware an der Kasse den Eintrag für PAYBACK PAY vornehmen können. Dann erhältst Du auch Deine PAYBACK Punkte.“

Kaufhof: Im grünen Bereich

Weitere Partner, die ich testen konnte waren ARAL und Kaufhof. Bei Kaufhof waren die Mitarbeiter in der Flagship-Filialle Köln Schildergasse teilweise überhaupt nicht geschult, während in einem Laden in Berlin-Lichtenberg an mehreren Kassen nur positive Resonanz zu verzeichnen war. Im Herbst 2016 musste der Betrag am Kartenterminal vom Kunden mit OK bestätigt werden. Das hat man inzwischen wohl wegkonfiguriert.

Nach Scan des Pay Codes erscheint ein Button auf dem Bildschirm der Kassenkraft und bietet die Zahlung mit Payback Pay an. Das ist in Ordnung.

ARAL: Nur NFC und das ausgerechnet mit ICP-Terminals

Die Tankstellenkette ARAL hat sich dazu entschieden, Payback Pay ausschließlich via NFC-Schnittstelle abzuwickeln und das, obwohl die Kassen recht gut funktionierende Scanner haben, die problemlos Barcodes vom Handydisplay ablesen können.

Abgesehen davon, dass man damit alle iPhone-User per se ausschließt, hat man sich aufgrund der eingesetzten ICP Kartenterminals nun wirklich keinen Gefallen getan. Diese Geräte zeichnen sich dadurch aus, dass sie schon mit von MasterCard zertifizierten  Payment-Apps immer mal wieder Ärger machen. Sei es SEQR oder Apple Pay wegen fehlerhafter CDCVM-Einrichtung.

Bei mir scheiterten sowohl die Bezahlung mit SEQR als auch mit Payback Pay bei ARAL. Danach griff ich dann zur altbewährten girocard, die zur Strafe dann auch noch per ELV belastet wurde.

Auf Twitter erhielt ich alle möglichen Ratschläge, wie ich mich zu verhalten habe. Ein Tweep meinte, ich müsse, nachdem das Terminal „Bitte Karte entfernen“ schreibt, noch 2-3 Sekunden mein Smartphone neben dem NFC-Leser belassen. Aha?!

Da ich das nicht auf mir sitzen lassen wollte, habe ich es heute noch einmal probiert. Die Mitarbeiterin bei ARAL wußte, dass man lediglich „Kartenzahlung“ an der Kasse aktivieren musste. Also los. Handy ans Terminal halten und dieses Mal erschien die Fehlermeldung „Bitte nur eine Karte vorhalten“ gefolgt von „Bitte Karte stecken“.

Urteil: Totaler Fail!

REWE – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

Nach den letzten Erfahrungen reduzierte sich der Einsatz von Payback Pay bei mir ausschließlich auf DM-Märkte. Zuletzt startete REWE mit Payback Pay und meine Lust, das auszuprobieren ist bereits irgendwo zwischen -100 und -99999 angelangt.

Bei REWE sollen sowohl NFC als auch die QR-Codes zum Einsatz kommen. Die u.a. von @klotzbrocken und @holimuk berichteten Schwierigkeiten verhießen nichts Gutes. Ungeschultes Personal trifft auf abstrusen Workflow.

In „meinem“ Markt in Köln Buchheim war die Mitarbeiterin jedoch geschult und wir haben die Zahlung mit dem QR-Code ausprobiert. Im Gegensatz zum normalen Barcode mit der Kundennummer, den der Kunde während des Kassiervorgangs selbst einlesen kann, muss der QR-Code von Payback Pay zum Schluss eingelesen werden. Das hält schon mal wieder unnötig auf.

Das Kassensystem rödelte eine Weile mit „Übertrage Daten“ um dann abzubrechen. Immerhin scheint die Gutschrift der Punkte für den Einkauf geklappt zu haben.

Einen zweiten Versuch – oder gar einen Versuch per NFC – wollte ich den nach mir folgenden Kunden nicht zumuten und habe kontaktlos mit der girocard bezahlt.

Urteil: Gerade in hochfrequentierten Lagen untauglich

Das Fazit

Dass das System Potenzial hat, steht außer Frage. Bei einer optimalen Implementierung wie bei DM ist es definitiv auch schneller, als die getrennte Abwicklung mit einer Payback-Karte und Zahlung mit einer zweiten Karte. Auch im Vergleich zu einer kontaktlosen Zahlung.

Da aber fast alle anderen beteiligten Partner irgendwie versucht haben, das System in ihr Kassensystem und die Abläufe „hineinzuprutschen“ hält die Bezahlung mit Payback Pay einfach viel zu sehr auf, so sie denn überhaupt funktioniert.

Speziell den Sinn der NFC-Implementierung verstehe ich überhaupt nicht, da man nicht nur Apple-User ausschließt, sondern sich noch alle möglichen Kompatibilitätsprobleme mit den NFC-Stacks der diversen Smartphone einfängt. Und das, wie im Fall von ARAL, mit nicht mehr ganz taufrischen und sowieso zickigen Bezahlterminals. Völliger Knieschuss.

Trotz der nun seit Beginn an laufenden Sonderpunkte-Aktionen für Payback Pay werde ich mich verabschieden und zur Zahlung mit kontaktlosen Karten resp. Android und Apple Pay zurückkehren.

Da muss ich mich nicht mit den Eigenheiten eines Systems und denen des jeweiligen Händlers auseinandersetzen. Ein normaler Kunde hätte hier eh schon lange die Reißleine gezogen.

Schlecht implementierte Bezahlsysteme braucht niemand.

 

App-basierte Handytickets sind kein Ersatz für moderne Ticketautomaten

Aus Sicht des Nutzers sind Handytickets eine praktische Sache, insbesondere dann, wenn man hierfür eine App nutzen kann, die nicht nur in der eigenen Stadt oder dem eigenen Verbund funktioniert.

Vorreiter war hier HandyTicket Deutschland welches aktuell mit VRR, VRS und VBB drei der größten deutschen Verkehrsverbünde abdeckt. Die Bezahlung geht schnell und einfach via monatlicher Rechnung oder aber als Prepaid-Konto.

Abgesehen davon, dass es natürlich viele Regionen gibt, wo andere Anbieter bevorzugt werden und man damit jeweils eine weitere App samt Registrierung und hinterlegten Zahlungsdaten benötigt, gibt es natürlich auch Städte, die darauf verzichten.

Im positiven Fall ist ein Handyticket eine Erleichterung für den Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.

Leider kann es aber immer mal wieder vorkommen, dass technisch etwas nicht rund läuft. Angefangen beim leeren Akku des Öffinutzers genau in dem Moment wo der Prüfdienst das Ticket sehen möchte. Einige der Apps funktionieren nicht zuverlässig, wenn kein Datenempfang (oder nur EDGE) möglich ist. Während man dies beim Ticketkauf noch nachvollziehen kann, so hört der Spaß auf, wenn auch das Anzeigen, eines mit dem aktuell benutzen Gerät, gekauften Tickets daran scheitert, dass sich das Handy mal wieder mit irgendeinem WLAN -Hotspot verbinden will. Diese Fälle gab es in der Vergangenheit leider häufiger. Gerade bei den Android-Versionen der Apps.

Für die Verkehrsbetriebe sind Handytickets natürlich in erster Linie auch eine Möglichkeit um Kosten einzusparen. Anstatt Fahrzeuge und wichtige Haltestellen mit teuren Automaten auszustatten, werden Benutzer bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf die Apps verwiesen. Wenn ich aber schon die Hardware des Öffinutzers für den Vertrieb meiner Fahrkarten nutze, dann müssen solche Lösungen aber auch gewissen Qualitätskriterien genügen.

Es darf weder das Fehlen einer gültigen Internetverbindung noch die Nichterreichbarkeit der eigenen Server dazu führen, dass der Kunde seine bezahlten Tickets nicht vorzeigen kann. Ebenfalls sollte ein leerer Akku niemals zum Problem des Kunden gemacht werden. Die Identifizierung über E-Mail Adresse oder Rufnummer sollte genügen, um mit einem Anruf beim Service-Center das Vorhandensein eines Tickets zu validieren. Idealerweise natürlich über eine Online-Verbindung mit Hilfe der mobilen Terminals des Prüfdiensts.

Ein immer wieder unterschätztes Problem sind die Bezahlmöglichkeiten. Gerade für Besucher aus dem Ausland sind Einschränkungen auf deutsche Bankkonten, giropay, Mobilfunkrufnummer deutscher Provider etc. eine unüberwindbare Barriere bei der Benutzung des ÖPNV. Das gleiche gilt natürlich auch für Apps, die nicht in verschiedenen Sprachen erhältlich sind.

Solange diese Fragen ungeklärt sind, solange müssen die Verkehrsbetriebe auch alternative Vertriebswege mit zeitgemäßen Bezahlmöglichkeiten anbieten. Wie so etwas geht, zeigen u.a. die kommunalen Verkehrsbetriebe der Stadt Breslau in Polen.

links: Stationärer Automat in Magdeburg (Münzen + GeldKarte)
rechts: Automat in Breslauer Bus mit ausschließlicher Kartenakzeptanz (inkl. kontaktlos)

Es kann nicht angehen, dass Hardware- und Betriebskosten der Vertriebsinfrastruktur und die Risiken der Verfügbarkeit von den Verkehrsbetrieben auf den Nutzer abgewälzt werden, ohne dass dieser dadurch auch nur einen einzigen spürbaren Vorteil hat. Die 3% Rabatt die bspw. der VRS seinen Nutzern gewährt sind da nur ein Anfang.

Daher wundert Euch nicht, dass ich trotz Smartphone auch immer wieder Tickets am Automaten kaufe und den Verkehrsbetrieben bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf den Zahn fühle.

Servicewüste TAXI

Ich glaube diese Situation hat jeder von uns schon einmal erlebt: Man kommt in einer fremden Stadt am Bahnhof oder Flughafen an, schwer bepackt mit Koffern und Notebook-Tasche, es regnet in Strömen und hat nur noch einen Wunsch: Auf dem schnellsten Weg ins Hotel.

Nichts einfacher als das denkt man sich. Schließlich gibt es dafür doch Taxen. Diese sind in Deutschland Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs und als solche von der kommunalen Taxiordnung reguliert. Darin werden neben den Tarifen auch Serviceleistungen wie die Akzeptanz von Kredit- und Debitkarten geregelt.

In Berlin schert man sich wenig

Berlin bspw. schreibt seinen Taxiunternehmen vor, dass ein funktionsfähiges Kartenterminal vorgehalten werden muss und mindestens drei gängige Kartentypen akzeptiert werden sollen. Andernfalls dürfen keine Passagiere befördert werden. Gelegentlich wird dies auch von der Berliner Polizei kontrolliert. Ein Novum. Als Entschädigung müssen Taxifahrer einen Zuschlag von 1,50€ erheben. Dass diese Form des Surchargings weit oberhalb der Kosten für die eigentliche Transaktion eigentlich gegen EU-Recht verstößt, scheint das Land Berlin nicht zu interessieren.

Dennoch wurde mir in der Hauptstadt mehrfach offen ins Gesicht gesagt, dass man sich um die Akzepztanzpflicht einen Kehricht schert.

Kleinkrieg der Kölner Taxizentrale mit mytaxi wichtiger als der Fahrgast

Die Kölner Taxiruf e.G. wiederum bietet seit einiger Zeit offiziell die Bezahlung mit Karten sowie der TAXI.EU-App an. Damit wollte man Fahrgästen und angeschlossenen Unternehmen ein Gegenangebot zur Hamburger mytaxi-App unterbreiten.

In der Praxis sieht es leider immer noch so aus, dass man am Hauptbahnhof oder Bahnhof Messe/Deutz fünf oder mehr Fahrer förmlich um Kartenzahlung anbetteln muss. Letztes Mal wurde ich tatsächlich gefragt, ob ich nicht zum Geldautomaten gehen könne. Geht´s noch?

Anstatt sich um die Fahrgäste zu kümmern, führt Taxiruf einen mehr als skurril anmutenden Kleinkrieg mit mytaxi. Das äußert sich dann auch darin, dass man schon wegen einer kritischen Nachfrage auf der Facebook-Seite gesperrt wird, während sich die Moderatoren und die dort aktiven Taxifahrer in einer Form äußern, die am gesunden Menschenverstand der beteiligten Personen zweifeln lässt.

Weiße Flecken

Während man sich in einer Großstadt immer noch neben einen Taxistand stellen und per mytaxi einen Wagen bestellen kann und für sich somit sicherstellt, dass die Bezahlung per App kein Problem darstellt, gibt es in unserem Land immer noch viele kleine und mittlere Städte, wo weder die Bestellung noch die Bezahlung per App möglich ist.

Das ist in sofern völlig befremdlich, als dass ich in München oder Frankfurt meistens auch problemlos den ÖPNV nutzen kann, aber gerade in kleineren Orten keine wirkliche Alternative zum Taxi besteht und vielfach die Wege länger – und somit teurer – sind.

Regulierungsaufgabe

Da die Aufgabenträger schon meistens mit der Qualitätskontrolle der kommunalen Verkehrsbetriebe überfordert sind und gerade bei den Taxikonzessionen Vetternwirtschaft nicht zu selten vorkommt, muss auch das Thema Payment endlich von der EU im Rahmen der Vorschriften zur Barrierefreiheit reguliert werden. Die Anforderung Bargeld, ggf. in passender Stückelung oder eine bestimmte, nur national verfügbare Bezahlkarte mit sich zu führen, stellt ein Nutzungshindernis dar und benachteiligt Bürger aus anderen EU-Ländern.

Hier ist Brüssel gefragt!

Bargeldlos in: Magdeburg

Nachdem ich @tmmd bislang meistens auf polnischem Staatsgebiet getroffen habe, folgte ich am ersten Augustwochenende 2017 seiner Einladung nach Magdeburg. Mein letzter Aufenthalt dort war so um 2003 und ich war damals in einem Hotel außerhalb untergebracht, so dass ich von der eigentlichen Stadt so gut wie nichts mitbekommen habe.

Die Anreise

Die Anreise erfolgte wie immer mit der Deutschen Bahn und einem Sparpreisticket mit Zugbindung. Um allen Eventualitäten vorzubeugen, fahre ich daher immer gerne etwas früher von zuhause los und nutze die Zeit für ein kleines Frühstück im Bahnhof. Die erste Überraschung erlebte ich noch im Kölner Hauptbahnhof. Der „Brezelbäcker“ Ditsch hat inzwischen NFC-fähige Kartenterminals installiert. Diese sind vom Kunden bequem bedienbar.

NFC-Test noch vor dem ersten Kaffee

Klar, dass ich hier natürlich einen ersten Test unternehmen musste. Da Ditsch explizit das girocard-Logo in der Liste der kontaktlos akzeptierten Karten aufführte, versuchte ich zuerst damit zu bezahlen. Leider hagelte es bei allen drei Versuchen Fehlermeldungen, so dass ich auf die MasterCard auswich. Die Abwicklung der PayPass-Zahlung war in weniger als einer Sekunde erfolgt und ist damit wirklich mehrfach schneller, als das Bezahlen mit Bargeld.

Das Motel One

In Magdeburg angekommen ging ich zunächst ins Hotel. Torsten hatte mir das „Motel One“ empfohlen. Während fast alle aktuellen Häuser der Kette Neubauten sind, wurde hier ein wirklich prachtvolles Gemäuer gegenüber dem Magdeburger Dom saniert. Wer schon einmal in einem Motel One übernachtet hat, der weiß das schicke Design der Häuser zu schätzen. Die Bezahlung der Hotelrechnung erfolgt vorab beim Check-In. Ich habe meine MasterCard verwendet. Die NFC-Funktion war „absichtlich“ am Terminal deaktiviert worden und die nette Dame an der Rezeption meinte, dass sie dies auch bei ihren privaten Karten explizit hat sperren lassen. Nun gut.

Noch ein Tipp für Sparfüchse: Zum Buchen des Hotelzimmers habe ich über das Cashback-Portal Shoop das Buchungsportal HRS aufgerufen und dort gebucht. So erhalte ich in Kürze noch etwas über 7€ zurück.

Magdeburger Verkehrsbetriebe

Die MVB verfügt über ein großes Netz an Straßenbahnlinien, mit denen man im dichten Takt – auch am Abend und am Wochenende – schnell von A nach B kommt. Ab 23:00 übernehmen – auch in der Woche – Nachtbusse den Verkehr. Das ist etwas, wovon man als Westdeutscher nur träumen kann. Eine Tageskarte ist für 5,10€ zu haben, was für die gebotene Leistung wirklich ein Schnäppchen ist.

Wer sein Ticket mit Karte bezahlen möchte, hat allerdings nur die Wahl zwischen der GeldKarte-Funktion an den stationären Automaten oder der Benutzung der Automaten der Deutschen Bahn. Die Automaten in den Fahrzeugen akzeptieren lediglich Bargeld.

Die über easyGO bereitgestellte Handyticket-Funktion ist leider auch keine Alternative. Im Gegensatz zu den Stadtwerken Bonn, erlaubt die MVB lediglich die Bezahlung über die Handyrechnung. Damit bleiben Kunden von vielen Mobilfunkdiscountern genauso außen vor, wie Besucher aus dem Ausland. Für mich als Firmenkunde stellt sich zusätzlich das Problem, dass wir die Funktion Providerbilling komplett haben sperren lassen.

Wenn Magdeburg wirklich 2025 als Kulturhauptstadt Europas auftreten möchte, sollte man sich langsam mal Gedanken über eine Ausschreibung für neue Ticketautomaten machen. Wie man in Köln und Berlin ja leidvoll erfahren durfte, kann das auch mal ein paar Jahre dauern, bis die Geräte dann endlich funktionsfähig zur Verfügung stehen.

Böhmische Knödel und Pasta

Am Freitag ging es für mich zunächst in Wenzel´s Prager Bierstuben zum Mittagessen. Wie der Name schon verrät, handelt es sich um ein Böhmisches Brauhaus. Für knapp 9€ gibt es die Klassiker als Mittagstisch. Davon wird man gut satt. Aktuell hat man einige exklusive Sommerbiere im Programm, die wirklich sehr zu empfehlen sind. Die Bezahlung war laut Aushang mit girocard und Maestro möglich. Da das Essen so lecker war, sind wir am Samstag Abend direkt noch mal zusammen dorthin gegangen.

Am Freitag Abend stand aber erst einmal ein Klassiker des kontaktlos bezahlten Essens auf der To-Do Liste: Vapiano. Hier werden so ziemlich alle Karten akzeptiert und bis auf die girocard auch kontaktlos. Ich entschied mich für die Nutzung meiner MasterCard. Das Essen war, wie bei Vapiano üblich, sehr lecker. Auffallend war nur, dass der Koch sich irgendwie mehr für die schnuckelige Blondine hinter mir interessierte als für den Garpunkt meiner Rinderfiletstreifen. Ich konnte es ihm ehrlich gesagt nicht wirklich verübeln.

Den Abend haben wir dann mit einem Highlight ausklingen lassen.

Strandbar bargeldlos

Die Strandbar Petriförder wirbt direkt am Eingang unübersehbar für das bargeldlose Bezahlen:

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Es ist hier selbstverständlich, dass man auch ein einzelnes Bier mit Karte bezahlen kann. Das dazugehörige, von VR-Pay bereitgestellte, Ingenieco-Terminal hatte allerdings ein Problem mit NFC. MasterCard-Transaktionen wurden mehrfach abgebrochen, so dass ich auf Chip & PIN ausgewichen bin. Torsten verwendete darauf hin seine 1822mobile girocard und wurde gleich mit ELV bestraft.

In der Form habe ich sowas noch nicht in Deutschland erlebt. Klar, in polnischen Diskotheken und Londoner Pubs ist es längst Usus, einzelne Getränke mit Karte zu begleichen, aber bei uns wird meistens ja noch ein Mindestumsatz erwartet, den man nur mit einer Lokalrunde knacken könnte.

Darüber hinaus ist die Lage an der Elbe einfach traumhaft. Der richtige Ort, um nach einem anstrengenden Tag bei einem Bier (Hefeweizen 0,5l für 3,90€) auszuspannen. Gelegentlich gibt es dort auch eine Grillhütte und weitere Getränkestände. Dort waren aber beim zweiten Besuch am Samstag keine Terminals sichtbar.

Übrigens: Auf Gläser wird 1€ Pfand erhoben. Die kann man mit Karte bezahlen, erhält sie aber in bar zurück. Der Trinkgeldbecher freut sich 😉

Frühstück – Die wichtigste Mahlzeit des Tages

Am Samstag ging es zum Frühstück ins Magado das abends Burger und Cocktails bietet. Für knapp über 10€ gibt es neben Kaffee ein recht umfangreiches Frühstücksbuffet. Spiegelei und Rührei werden in der Küche frisch zubereitet. Das gibt schon einmal 10 Pluspunkte. Es gibt doch nichts Schlimmeres als warm gehaltenes Rührei in Blockform.

Da weder an der Tür noch auf der Facebook-Seite irgendwelche Hinweise auf Kreditkartenakzeptanz zu sehen waren, haben wir unsere girocards benutzt.

Da ein wenig Abwechslung nicht schaden kann, wählten wir am Sonntag das Alex aus. Dabei handelt es sich um eine Restaurantkette. Das Haus in Magdeburg erstreckt sich über zwei Etagen. Im oberen Stockwerk war das gleiche Frühstücksbuffet noch einmal aufbaut. Entsprechend voll war es dann auch.

Das Buffet war deutlich umfangreicher als im Magado, aber meiner Meinung nach waren sowohl die Brötchen als auch das Rührei zwei Klassen schlechter. Aber dennoch muss man sagen, dass hier jeder auf seine Kosten kommt.

Bezahlt wurde kontaktlos mit MasterCard bzw. VISA.

Sehenswürdigkeiten

Zwischen den Mahlzeiten und der Arbeit gab es natürlich noch einiges zu besichtigen. Torsten ist ein wandelndes Geschichts- und Heimatkundelexikon und wußte zu jeder Brücke und jedem Bauwerk eine Geschichte zu erzählen.

Neben einem Rundgang durch den Magdeburger Dom standen u.a. der Wissenschaftshafen, die Elbauen am ehemaligen Güterbahnhof, eine der Eisenbahnhubbrücken, sowie ein Rundgang durch das ehemalige Sanierungsgebiet Buckau auf dem Programm.

Nach soviel Fußmarsch war am Freitag Nachmittag erst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen angesagt. Eher zufällig entdeckten wir das Café am Domfelsen welches ab 10€ zumindest girocard akzeptierte.

Am Samstag Abend sind wir auf den Albinmüller-Turm gestiegen. Oder viel mehr gefahren, da ich den Aufzug vorzog. Erstmals gab es verlängerte Öffnungszeiten bis 1 Uhr nachts, so dass man theoretisch den Sonnenuntergang hätte fotografieren können. Leider spielte das Wetter nicht so mit. Dennoch hatte man von da oben eine gigantische Aussicht:

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Um auf den Turm zu gelangen, galt es ein Drehkreuz überwinden. Hierzu musste man 2€ einwerfen. Eigentlich sollte dies die einzige geplante Barausgabe des Wochenendes werden.

Mindestumsatz für die Tageskarte zum Elbauenpark und Jahrtausendturm

Eines der Highlights von Magdeburg ist umfraglich der Jahrtausendturm. Ursprünglich nur für die Dauer der Gartenschau gedacht, steht das Gebäude nunmehr seit 18 Jahren und ist mit 60 Metern das höchste Holzgebäude Deutschland. Innen lassen sich 6000 Jahre Menschheitsgeschichte auf mehreren Etagen erleben. Die Ausstellung ist insbesondere für Kinder interessant, da es hier viel zum Anfassen und Ausprobieren gibt.

 

 

Eine Tageskarte kostet 6€. Laut Webseite kann man an der Hauptkasse mit girocard bezahlen. Vor Ort versicherten sich gleich drei Mitarbeiter gegenseitig, dass sie die Anweisung hätten, nicht unter 20€ (Torsten hat 10€ gehört) Karten zu akzeptieren. Man gab mir eine Postkarte mit einem Feedback-Formular mit. Da ich inzwischen das Kontaktformular der zuständigen Gesellschaft im Netz entdeckt habe, entschied ich mich für die digitale Variante. Die erste Reaktion, die ich am Montagnachmittag erhielt, lässt darauf schließen, dass die Mitarbeiter entweder falsch informiert waren oder sich spontan den Mindestumsatz ausgedacht haben.

Auch hier wieder der Hinweis auf 2025!

Weitere Stationen

Neben dem obligatorischen Snack bei McDonalds (Kontaktlos, alle gängigen Karten) standen noch ein Mittagessen im Espressokartell (Kontaktlos, alle gängigen Karten, ab 10€) sowie die Cocktailbar One (alle gängigen Karten ab 15€, kein NFC) auf dem Programm. Da mein Lieblingscocktail Mojito hier um 5,20€ liegt, mussten es schon drei werden, um den Mindestumsatz zu erreichen. Aber ich denke das ist für eine Cocktailbar OK.

Nicht so toll ist allerdings, dass man in Sachsen-Anhalt wohl in der Gastronomie noch rauchen darf. Selbst in Läden mit Restaurantbetrieb fanden sich noch Aschenbecher.

Die Rückreise

Da ich noch ein wenig Zeit hatte, bin ich noch ein wenig durch den Bahnhof gelaufen. Neben McDonalds gibt es hier einen SPAR Express der kontaktlose Kartenzahlung ohne Mindestumsatz akzeptiert. Die von Sanifair betriebene WC-Anlage lässt sich ebenfalls mit der passenden Kreditkarte kontaktlos öffnen.

Fazit

Zugegebenermaßen ist der Test verständlicherweise leicht unfair, da Torsten ebenfalls ein Kartenfreak ist und natürlich die Empfehlungen entsprechend ausgesprochen hat.

Während die von der Stadt Magdeburg betriebenen Einrichtungen noch Nachholbedarf haben, lässt es sich in der Gastronomie gut ohne Bargeld auskommen.

Man sollte sich aber auf jeden Fall auch die Mühe machen und nach der Akzeptanz fragen. Leider bringen nicht alle Wirte entsprechende Akzeptanzsticker an. Was da die Motivation ist, kann ich leider nicht sagen.

Rückblickend kann man aber auch sagen, dass Torsten an diesem Wochenende wahrscheinlich häufiger zur girocard gegriffen haben mag, als in den letzten drei Jahren zusammen.