Stuttgart: Mein erstes Barcamp

Ich habe in der Vergangenheit viele Konferenzen besucht. Meist waren dies Treffen von Anwendern einer bestimmten Software wie bspw. die DNUG Jahreskonferenzen oder auch Kundentage von IT-Unternehmen. Teilweise habe ich diese auch mit ausgerichtet oder war Sprecher zu dem einen oder anderen Thema.

Eines hatten alle Konferenzen bislang gemeinsam: Der größte Teil des Programms bestand aus Powerpoint-Vorträgen, garniert mit ein paar Live-Klicks, die einem zumeist passiven Teilnehmerkreis präsentiert wurden. Höhepunkt der Interaktion war zumeist die „Ask the IBM“-Session, die man eher „Schlag‘ die IBM“ nennen sollte.

Am Ende einer Session blieb es immer verdächtig ruhig. Außer den beiden üblichen Fragestellern in jeder Runde: Null Feedback. Freundliches Klatschen. Das wars. Das eigentliche Feedback bekam nur, wer sich zu den Leuten an den Kaffeetisch gesellte. Da wurden sich die Münder fusselig geredet.

Frontalunterricht wie zu Kaiser´s Zeiten

In den letzten Jahren reifte in mir eine immer stärker werdende Ablehnung gegen solche Veranstaltungsformen. Im Netz habe ich schon häufiger von den sogenannten Barcamps (auch Un-Konferenzen) gelesen. Dennoch hatte ich eine nur vage Vorstellung, was auf einem solchen Camp tatsächlich passiert.

Angefixt vom Blogger-Kollegen @tmmd habe ich mich dieses Jahr zum Barcamp Stuttgart angemeldet. Dieses Barcamp ist ein Themen offenes Barcamp. Im Gegensatz zu Treffen von Foodbloggern, Typo3-Cracks und Personalentwicklern, darf man sich hier nicht wundern, wenn neben Empfehlungsmarketing, SEO und Website-Tuning auch Spiele-Sessions, Erfahrungsberichte über Depressionen und BDSM auf dem Sessionplan auftauchen.

Die Konferenz bist Du!

Die Agenda des jeweiligen Barcamp-Tages wird am Morgen erst aufgestellt. Jeder, der eine Session anbieten möchte, stellt diese in wenigen Sätzen vor und fragt, wer sich dafür interessiert. Abhängig von der Anzahl der Interessenten und evtl. benötigter Technik wird dieser Session ein Zeitpunkt und ein Raum zugewiesen.

Ich wollte zuvor nicht glauben, dass sich auf der Basis bis zu 13 parallele Sessions auf die Beine stellen lassen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Rein ins kalte Wasser

Von Barcamp-Neulingen wird erwartet, dass auch sie sich mit einer Session einbringen. Damit verhindert man auch, dass die Hemmungen selbst aktiv zu werden, mit jeder tollen Session an der man teilgenommen hat, noch steigen.

Zu den jüngsten Sessiongebern gehörte ein Junge (ca. 10 Jahre) der eine Einführung in eine Programmiersprache gehalten hat.

Meine erste Sessions hießen „Hilfe, wir haben Lotus Notes!“ und „Cashless in Deutschland“. Zwei Themen, für die ich mich begeistere und wo es zu einem lebhaften und interessanten Austausch kam. Sowas wünsche ich mir eigentlich auch von der DNUG.

Fazit

Abgesehen davon, dass ich mir den Termin für 2018 (15./16.9.2018) in meinem Kalender blocke, werde ich mir überlegen, wir man mit Elementen dieses Veranstaltungskonzepts auch eigenen Events mehr Leben einhauchen kann.

Ich kann jedem nur empfehlen, mal an einem Barcamp teilzunehmen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Revolut – Der Joker auf Reisen

Nach dem das Ende der Payback Maestro Karte im Juni 2016 besiegelt wurde, stellte sich mir wieder die Frage: Wie gehst Du mit Fremdwährungsumsätzen um. Für meine Polen-Reisen hatte ich bis vor Kurzem noch ein Konto bei der Alior Bank. Aber schon bei meinem Aufenthalt in der Schweiz im Januar, hieß es wieder: 1% Aufschlag.

Klar hätte ich mir ein Konto bei N26 oder Fidor holen können. Aber der Deutsche trennt sich bekanntermaßen eher von seiner Ehefrau als von seiner Bank.

Eine inzwischen nicht mehr ganz so neue Lösung bietet das britische Fintech Revolut  mit einer Prepaid-Mastercard (NFC-fähig) und einer dazugehörigen Smartphone-App.

Was macht die Revolut-Karte

Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine Karte, mit der man ohne Aufschlag in aktuell 120 verschiedenen Währungen bezahlen kann und 25 Währungen halten kann.

Zwischen den Währungen kann man einfach in der App Gelder transferieren. An Werktagen ist der Kursaufschlag nur minimal und immer günstiger als bei den deutschen Geschäftsbanken. Am Wochenende wird der sog. Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis für eine Währung immer etwas höher. Wer also verreist, sollte immer darauf achten, genügend Reserven in der jeweiligen Währung vorzuhalten.

Bei Bezahlung wird zunächst das Guthaben in der jeweiligen Währung belastet. Reicht dieses nicht aus, so wird auf die anderen Währungen zurückgegriffen und die Beträge entsprechend umgerechnet.

Schön finde ich, dass man in der App auf vielfache Weise Sicherheitseinstellungen für die Karte beeinflussen kann. Von einer temporären Komplettsperre, der Änderung der PIN bis hin zur Sperrung von Umsätzen mit Magnetstreifen, NFC-Zahlungen un Geldautomatennutzung. Spannend finde ich die Möglichkeit Kartenumsätze nur zu genehmigen, wenn sich das Handy des Karteninhabers in Nähe des Bezahlterminals aufhält. Hierzu kommuniziert die App den Standort des Nutzers.

Leider unterstützt die Karte aktuell kein Mastercard SecureCode. Durch die Möglichkeit, Fernabsatz-Zahlungen in der App zu sperren, ist dies aber durchaus akzeptabel.

P2P-Überweisungen

Ähnlich, wie man es bereits von PayPal kennt, kann man per Revolut Geld an Freunde und Familie transferieren. Dabei scannt die App zuerst, wer von den Kontakten im Adressbuch auch Revolut-Nutzer ist. Geldversenden funktioniert aber auch sehr einfach an Nicht-Revolut-Nutzer. Für diese wird ein Link generiert, der sich per E-Mail oder SMS verschicken lässt. Der Empfänger klickt den Link an und gibt einfach seine Bankdaten ein oder kann sich an Ort und Stelle dafür entscheiden, Revolut-Nutzer zu werden.

Im Gegensatz zu KWITT der Sparkassen, funktioniert dies auch einwandfrei mit Konten im Ausland. Genau das Richtige für den „international Lifestyle“ den das Fintech propagiert.

Eine neue Funktion in der App unterstützt auch das Aufteilen von Rechnungen („Split bill“).

Geld aufladen

Geld lässt sich ganz einfach per SEPA-Überweisung auf das Revolut-Konto übertragen. Das dauert in der Regel unter zwei Tage. Für Zahlungen in EUR und GBP erhält der Benutzer eine eigene IBAN (GB-Konto). Wer Zahlungen in anderen Währungen entgegennehmen möchte, der kann sich für jede Währung getrennt Bankdaten in der App anzeigen lassen. Dabei handelt es sich dann aber um Sammelkonten und es ist wichtig, dass der Absender den in der App angezeigten Betreff auch wirklich in die Überweisung hineinschreibt.

Eine weitere Möglichkeit zum „Top-up“ ist der Einsatz von Debit- oder Kreditkarten. Mit der Android-App lassen sich NFC-fähige Karten direkt auslesen. Ansonsten kann man eine Karte auf per Fotoscan in die App übernahmen.

Erkennt das System die verwendete Karte als Debit-Karte (auf Basis der verwendeten BIN-Datenbank), so ist das Aufladen kostenlos. Bei Kreditkarten fallen 1% Gebühren an.

Meine Sparkassen-VISA wird jedenfalls als Debitkarte erkannt!

Die App unter iOS bietet auch die Möglichkeit, per Apple Pay sein Revolut-Konto aufzuladen. Zumindest mit der virtuellen Mastercard von boon ist dies jedoch nicht möglich.

UK-Konto ohne Adressnachweis

Da der Benutzer mit Revolut eine GB-IBAN erhält und mit dem Konto auch Überweisungen empfangen und senden kann, eignet es sich ideal für diejenigen die für eine kurze Zeit in UK leben und arbeiten wollen. Revolut bezeichnet sein Produkt auch als „vollwertiges UK-Konto“.

Normalerweise kann der Prozess mit „Proof of identity“ oder „Proof of Address“ ziemlich nervenaufreibend sein.

Der Registrierungsprozess

Die Registrierung für Revolut ist denkbar einfach: App herunterladen, starten und seinen Ausweis von beiden Seiten abfotografieren. Dazu verlangt die App noch ein Selfie und das war´s. Bei mir hat es keine Stunde gedauert, bis das Konto eröffnet wurde.

Die Kosten

In der Basisversion ist das Konto komplett kostenlos. Die Revolut-Karte kostet einmalig 6€ und ist drei Jahre gültig. Im Preis inbegriffen sind ATM-Verfügungen bis zum Gegenwert von 200€ pro Monat.

Der Versand einer Ersatzkarte kostet aktuell 8€.

Seit Kurzem wird auch eine Premium-Variante angeboten. Das monatliche ATM-Limit verdoppelt sich auf 400€ pro Monat und die Karte sieht etwas edler aus. Eine weltweit gültige Reisekrankenversicherung ist ebenfalls inkludiert wie weitere Limiterhöhungen beim Währungstausch und verbessertem Customer-Support. Ob einem das die 7€ pro Monat Wert sind, muss jeder selbst entscheiden. Klar ist aber auch, dass kein Startup auf Dauer rein von kostenlosen Services leben kann. Irgendwann muss irgendwie eine Monetarisierung stattfinden.

Fazit

Für Kunden von Filialbanken eine ideale Ergänzung des eigenen Kartenbestands aufgrund der nicht vorhandenen Fremdwährungsgebühren.

Das Produkt eignet sich wegen der geringen Kosten auch besonders für die Bankkunden, die nur mal gelegentlich etwas mit Mastercard bezahlen wollen/müssen und ansonsten im Alltag mit ihrer girocard auskommen. Mit effektiv 2€ pro Jahr Gebühren und kostenlosem Aufladen/Einsatz der Karte schlägt Revolut fast jedes Prepaid-Produkt. Die Möglichkeit, die Karte per App komplett zu sperren und in die Schublade zu legen ist für den Anwendungsfall genial.

Wer sich viel im Ausland aufhält und gelegentlich auch schon einmal Zahlungen in Fremdwährung entgegennehmen muss/möchte, der wird mit dem Produkt seine Freude haben.

Anfang Oktober erfahrt ihr dann, wie sich die Karte bei ihrem ersten Einsatz in Polen bewährt hat.

 

Die eigenen Finanzen im Blick, Dank Kartenzahlung

Ich wurde vor einigen Tagen von einem ehemaligen Auszubildenden gefragt, wie ich denn so den Überblick behalte, wo ich doch fast ausschließlich bargeldlos bezahle. De facto wird in Diskussionen rund um Bargeld vs. Karte immer wieder das Argument angebracht, dass man mit Kartenzahlung weniger Überblick über Ein- und Ausgaben habe.

Zusätzliche Nahrung bekommt dieses Argument dadurch, dass Akquirer auch im Jahr 2017 damit werben, dass Kunden durchschnittlich mehr ausgeben, wenn sie die Möglichkeit zur Kartenzahlung haben.

Da dieses Thema sehr spannend ist und es eine Menge Smartphone-Apps und Computer-Programme gibt, die den Benutzer hierbei unterstützen, möchte ich in diesem, ersten Beitrag erst einmal über die Grundvoraussetzungen und meine Herangehensweise schreiben.

Die Zettelwirtschaft

Viele Barzahler behaupten ja, dass der Blick ins Portemonnaie die ultimative Transparenz darstelle. Dabei vergessen Sie, dass sie dort lediglich den aktuellen Bestand eines weiteren Kontos sehen. Für den wirklichen Überblick müssten sie eigentlich parallel den Kontostand ihres Girokontos und den aktuellen Füllstand der Spardose sehen, in der jeden Abend die kleineren Münzen entsorgt werden.

Neben jeder Menge Bargeld tragen viele Menschen auch stapelweise Kassenzettel mit sich herum. Diese werden in aller Regel nie wieder angeschaut und bilden auch selten den kompletten Mittelabfluss ab. Wer fragt schon am Kiosk oder in der Kneipe nach einem Kassenzettel.

Mit Kartenzahlung hat man im Idealfall nur eine einzige App, die man im Blick haben sollte. Dass das nicht immer 100% so der Fall ist, dazu später.

Wichtig: Die Wahl des richtigen Kontos

Bei der Wahl der Bank ist, neben den Konditionen, auch entscheidend wie zeitnah Buchungen erfolgen. Gerade wer viele kleine Beträge mit Karte begleichen möchte, wird bei einer Bank, die erst nach rund drei Tagen Umsätze in der App oder im Online Banking darstellt, nicht glücklich werden. Gleiches gilt für die Kreditkarte: Eine monatliche Abrechnung auf Papier passt weder in unsere Zeit, noch zu uns Kunden die die Karten wirklich einsetzen. Im Zweifelsfalle hilft hier nur Fragen bei der Bank, oder bei Freunden die dort ein Konto haben.

Banken wie N26 und Fidor setzen dies sehr gut mit Push-Mitteilungen um. Allerdings haben beide keine girocard im Portfolio. Ich selbst bin Kunde einer Sparkasse. Sicherlich keine billige Option, dafür werden meine girocard-Umsätze zumindest als Vormerkungen in Echtzeit dargestellt. Buchungen mit der MasterCard leider erst rund 1,5 Tage später. Da hoffe ich noch auf Besserung in naher Zukunft.

Natürlich sollte das gewählte Kontomodell auch stets alle beleglosen Buchungen in der Monatsgebühr inkludiert haben. Weiterhin gibt es immer noch kostenlose Girokonten bspw. von der DKB oder ING-DiBa.

Kontaktloses Bezahlen

Gerade wer plant, auch kleinere Einkäufe mit Karte zu bezahlen, wird um eine Karte mit NFC nicht herumkommen. Aktuell gibt es da aber die abstruse Situation, dass die Akzeptanz von Maestro, Mastercard und VISA kontaktlos wesentlich verbreiteter ist.

Die DKB gibt aktuell gar keine kontaktlose girocard heraus und die TARGOBANK will sich diesen Service noch mit einer Extragebühr bezahlen lassen. ING-DiBa hat gerade angefangen, NFC-girocards an die Kunden zu verteilen. Dafür bieten aber alle drei Banken ihre VISA-Karten mit der Kontaktlosfunktion an.

Konsolidierung von Konten und Umsätzen

Gerade wer viel mit Payment-Apps experimentiert, kennt das Problem. Fast jedes System basiert auf dem Prepaid-Prinzip. Schnell kommt man an den Punkt, wo auf fünf Konten jeweils Beträge zwischen zehn und 150€ liegen. Keine so gute Idee.

Gleiches gilt für Leute, die aus welchen Gründen auch immer, mehrere Konten bei verschiedenen Banken unterhalten. Kann man machen, man sollte aber dann unbedingt darauf achten, dass man eine Smartphone-App findet, die alle Konten darstellen und die Salden summieren kann.

Ich habe in letzter Zeit hier sehr stark aufgeräumt und fast alles herausgeworfen, was auf dem Prepaid-System basiert.

Bei Kreditkarten mit monatlicher Abrechnung sollte man darauf achten, dass diese möglichst von dem Konto abgebucht werden, wo sich in der Regel ein entsprechendes Guthaben befindet und man nicht noch daran denken muss, Geld von A nach B zu überweisen. Neben unnötigen Sollzinsen besteht immer noch die Gefahr der Rücklastschrift und das ist bei Kreditkartenabrechnungen besonders ärgerlich, da dies gerne zur Kündigung oder zumindest zur Reduktion des Monatslimit führen kann.

Vorbereitungen abgeschlossen. Und nun…?

Grundsätzlich sollte man sich beim Shoppen mit der Karte natürlich auch immer die Frage stellen: „Brauch ich das wirklich?“. Beantwortet man sich diese Frage mit „Ja“, so wird die Karte gezückt.

Bei Debitkarten (egal ob girocard oder MasterCard / VISA) wird in der Regel sofort das verbundene Konto belastet. Der Umsatz sollte somit auch binnen Sekunden in Eurer App sichtbar sein.

Die Kartenzahlungsbelege aus diesen Umsätzen kann man mit den Kaufrechnungen (bei Ware mit Gewährleistung/Umtauschrecht) direkt irgendwo dauerhaft deponieren. In der Regel wird man die nie wieder benötigen. Ob man die nun sauber abheftet oder im Schuhkarton horten mag, darüber möchte ich nicht richten. Das muss jeder selber wissen.

Händler, die Zahlungen mit der girocard über das elektronische Lastschriftverfahren abwickeln, gibt es leider immer noch. Eigentlich sollte man in solchen Geschäften nach Möglichkeit ausschließlich mit Mastercard oder VISA bezahlen, das ist aber leider nicht überall möglich.

Genauso gibt es Orte, an denen Kreditkarten komplett offline abgewickelt werden und teilweise erst Wochen später die Belastung des Kontos erfolgt.

Die Zahlungsbelege zu diesen Zahlungen sollte man separat aufbewahren und frühestens dann vernichten, wann die Buchung erfolgt ist. Handelt es sich dabei nicht um 3,50€ für das Parkhaus, so sollte man die Summe im Hinterkopf und natürlich auch immer das entsprechende Guthaben auf dem Belastungskonto haben.

Regelmäßig Kontobewegungen checken

Gerade, wenn man sehr viel mit Karte bezahlt, ist es wichtig regelmäßig das Konto zu checken. Wer erinnert sich schon noch daran, ob man wirklich vor 21 Tagen einen Kaffee bei Starbucks getrunken hat. Viele Banken bieten über Pushmitteilungen auch die Möglichkeit, sich stets über Kontobewegungen auf dem Laufenden zu halten. Das sollte man nutzen.

Verschiedene Karten für verschiedene Zwecke

Einige empfehlen, für verschiedene Zwecke unterschiedliche Karten einzusetzen. Bspw. also eine Karte für die täglichen Ausgaben (in der Regel dann die girocard) und eine Karte eher für Anschaffungen, eigene Reisen oder Auslagen für die Firma auf Dienstreisen etc.

Das kann man durchaus tun. Allerdings hat sich das bei mir in der Praxis nicht bewährt. Das liegt zum Einen daran, dass nicht überall jeder Kartentyp akzeptiert wird. Binnen kürzester Zeit hat man dann den Coffee-To-Go oder die Sanifair-Buchung auf der Kreditkarte für Anschaffungen, während das Geschäftsessen mangels Akzeptanz des Gastronomen mit der girocard beglichen werden musste. Zum Anderen will man ja auch nicht immer alle Karten mit sich herumschleppen.

Ich habe das daher weitestgehend aufgegeben und beschränke mich darauf, für Umsätze in Fremdwährung eine Revolut-Karte zu verwenden, um Gebühren zu sparen.

Elektronische Haushaltsbücher

Einige Banken bieten im Rahmen ihrer Banking-Apps oder des Online-Bankings Tools zum Auswerten der Umsätze an. Weiterhin gibt es, wie Eingangs erwähnt, eine Vielzahl von Drittanbietern.

Im einfachsten Fall sind diese Helfer relativ blöd und erwarten vom Benutzer die manuelle Kategorisierung der einzelnen Umsätze. Einige lernen aus den Zuweisungen oder erkennen anhand der Zahlungsempfänger selbst einen Teil der Buchungen.

Vielfach nützt einem das automatisch erkannte Tag (bspw.) „Versicherung“ aber relativ wenig, da es sich dabei sowohl um die Hausrat- oder die Autoversicherung handeln kann. Wer also alle Autokosten auswerten möchte, darf hier gerne noch mal Hand anlegen.

Die meisten solcher Systeme bieten weiterhin noch die Möglichkeit, für Barzahlungen manuell zu erfassende Konten und Kontobewegungen zu führen. Gerade in der Übergangszeit in der man vielleicht erst damit anfängt, mehr mit Karte zu zahlen, sollte man auch die Barzahlungen mit einem solchen System notieren.

Ich werde beizeiten mal das eine oder andere Produkt testen und hier an dieser Stelle vorstellen.

Fazit

Man braucht eigentlich nur ein passendes Konto und die dazugehörigen Karten, ein wenig Vorbereitung und zum Schluss ein ganz klein wenig Disziplin beim Umgang mit den Belegen, um mit Kartenzahlung den Überblick zu behalten.

Im Idealfall reicht ein Blick in eine einzige App.

 

Payback Pay: Wie ruiniert man ein gutes Produkt

Als im Juni 2016 die Erweiterung zur äußerst beliebten Payback App erschien, war ich zunächst skeptisch. Wieder eine vom Handel initiierte Insellösung. Wieder mal etwas, was nur in Deutschland und nur bei bestimmten Partnern benutzbar ist.

Als unbestrittener Marktführer im Bereich Loyalty hatte Payback natürlich einige nicht zu unterschätzende Startvorteile: Nach der girocard ist die Payback-Karte mit Abstand Nummer Zwei in deutschen Portemonnaies. Die dazu gehörige App wurde alleine im Google Play Store über 5 Mio mal heruntergeladen. Das Rabattsystem genießt – trotz der Datenschutzparanoia der Deutschen – ziemlich hohes Ansehen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass man sehr behutsam mit den Informationen der Kunden umgeht und diese nicht, kurze Zeit nach Anmeldung, im Post- und E-Mail-Spam ertrinken. So weit so gut.

Wettbewerbswidrige IBAN-Diskriminierung

Klar war, dass ich die testen musste. Die Anmeldung erfolgte problemlos innerhalb der App. Einzig negativ fiel auf, dass man für den Einzug der Rechnungsbeträge via SEPA-Lastschrift nur IBAN-Nummern mit DE eingeben konnte. Diese Form der IBAN-Diskrimierung verstößt gegen Art. 9 der SEPA-Verordnung und kann einfach über ein Formular bei der Wettbewerbszentrale gemeldet werden. Da ich mein Hauptkonto bei einer deutschen Sparkasse führe, war das erst einmal kein Hindernis.

DM – Der erste Eindruck: Wow!

Mein erster Test führte mich zu DM, da die Drogeriemarktkette auch das erste Unternehmen war, dass die Akzeptanz von Payback Pay realisiert hat. Die Autorisierung erfolgt dort via QR-Code, den der Kunde bequem während des Kassiervorgangs an einem kombiniert Scan- und Bildschirmterminal selbst einlesen kann. Zum Schluss bittet man einfach um Zahlung mit Payback Pay. Das war´s. Ein absoluter No-Brainer. So sollte eine mPayment-Lösung funktionieren. Punkt.

real,- patzt

Auf DM folgte die Verbrauchermarktkette real,-. Hier entschied man sich, die QR-Codes  mit einem Handscanner einzulesen. Meine ersten Erfahrungen damit habe ich bereits im September 2016 in einem Artikel geschildert. Haderte ich zu Beginn lediglich mit den Handscannern und der Anzahl der benötigten Versuche zum Einscannen der QR-Codes, so hat sich inzwischen wohl irgendwas am Prozess geändert. In den letzten Monaten kam es immer wieder vor, dass zwar die Bezahlung mit Payback Pay funktionierte, aber keinerlei Punkte auf den Einkauf vergeben wurden. Da ein Nachkreditieren am Payback-Automaten im Markt lediglich die Basispunkte bucht, aber keinerlei Coupons und Sonderpunkte berücksichtigt, hieß das jedes Mal: Kassenbon einscannen und via Service-Center regulieren lassen.

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Da es hier jeweils nur um Beträge zwischen ein paar Cent und max. 2-3€ gingen, ist der Aufwand natürlich albern. Man sollte von einem Loyalty Programm erwarten, dass diese Prozesse ohne Eingriff von Mitarbeitern und Kunden sauber abgewickelt werden. Alles Andere steht in keinem Verhältnis zum Gegenwert der Punkte.

Da helfen dann auch keine Tipps wie dieser hier:

„Bitte beachte, dass Du dem Personal am besten gleich zu Begin mitteilst, dass Du mit PAYBACK PAY zahlen möchtest, damit die Kollegen vor dem Abschluss des scannen der Ware an der Kasse den Eintrag für PAYBACK PAY vornehmen können. Dann erhältst Du auch Deine PAYBACK Punkte.“

Kaufhof: Im grünen Bereich

Weitere Partner, die ich testen konnte waren ARAL und Kaufhof. Bei Kaufhof waren die Mitarbeiter in der Flagship-Filialle Köln Schildergasse teilweise überhaupt nicht geschult, während in einem Laden in Berlin-Lichtenberg an mehreren Kassen nur positive Resonanz zu verzeichnen war. Im Herbst 2016 musste der Betrag am Kartenterminal vom Kunden mit OK bestätigt werden. Das hat man inzwischen wohl wegkonfiguriert.

Nach Scan des Pay Codes erscheint ein Button auf dem Bildschirm der Kassenkraft und bietet die Zahlung mit Payback Pay an. Das ist in Ordnung.

ARAL: Nur NFC und das ausgerechnet mit ICP-Terminals

Die Tankstellenkette ARAL hat sich dazu entschieden, Payback Pay ausschließlich via NFC-Schnittstelle abzuwickeln und das, obwohl die Kassen recht gut funktionierende Scanner haben, die problemlos Barcodes vom Handydisplay ablesen können.

Abgesehen davon, dass man damit alle iPhone-User per se ausschließt, hat man sich aufgrund der eingesetzten ICP Kartenterminals nun wirklich keinen Gefallen getan. Diese Geräte zeichnen sich dadurch aus, dass sie schon mit von MasterCard zertifizierten  Payment-Apps immer mal wieder Ärger machen. Sei es SEQR oder Apple Pay wegen fehlerhafter CDCVM-Einrichtung.

Bei mir scheiterten sowohl die Bezahlung mit SEQR als auch mit Payback Pay bei ARAL. Danach griff ich dann zur altbewährten girocard, die zur Strafe dann auch noch per ELV belastet wurde.

Auf Twitter erhielt ich alle möglichen Ratschläge, wie ich mich zu verhalten habe. Ein Tweep meinte, ich müsse, nachdem das Terminal „Bitte Karte entfernen“ schreibt, noch 2-3 Sekunden mein Smartphone neben dem NFC-Leser belassen. Aha?!

Da ich das nicht auf mir sitzen lassen wollte, habe ich es heute noch einmal probiert. Die Mitarbeiterin bei ARAL wußte, dass man lediglich „Kartenzahlung“ an der Kasse aktivieren musste. Also los. Handy ans Terminal halten und dieses Mal erschien die Fehlermeldung „Bitte nur eine Karte vorhalten“ gefolgt von „Bitte Karte stecken“.

Urteil: Totaler Fail!

REWE – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

Nach den letzten Erfahrungen reduzierte sich der Einsatz von Payback Pay bei mir ausschließlich auf DM-Märkte. Zuletzt startete REWE mit Payback Pay und meine Lust, das auszuprobieren ist bereits irgendwo zwischen -100 und -99999 angelangt.

Bei REWE sollen sowohl NFC als auch die QR-Codes zum Einsatz kommen. Die u.a. von @klotzbrocken und @holimuk berichteten Schwierigkeiten verhießen nichts Gutes. Ungeschultes Personal trifft auf abstrusen Workflow.

In „meinem“ Markt in Köln Buchheim war die Mitarbeiterin jedoch geschult und wir haben die Zahlung mit dem QR-Code ausprobiert. Im Gegensatz zum normalen Barcode mit der Kundennummer, den der Kunde während des Kassiervorgangs selbst einlesen kann, muss der QR-Code von Payback Pay zum Schluss eingelesen werden. Das hält schon mal wieder unnötig auf.

Das Kassensystem rödelte eine Weile mit „Übertrage Daten“ um dann abzubrechen. Immerhin scheint die Gutschrift der Punkte für den Einkauf geklappt zu haben.

Einen zweiten Versuch – oder gar einen Versuch per NFC – wollte ich den nach mir folgenden Kunden nicht zumuten und habe kontaktlos mit der girocard bezahlt.

Urteil: Gerade in hochfrequentierten Lagen untauglich

Das Fazit

Dass das System Potenzial hat, steht außer Frage. Bei einer optimalen Implementierung wie bei DM ist es definitiv auch schneller, als die getrennte Abwicklung mit einer Payback-Karte und Zahlung mit einer zweiten Karte. Auch im Vergleich zu einer kontaktlosen Zahlung.

Da aber fast alle anderen beteiligten Partner irgendwie versucht haben, das System in ihr Kassensystem und die Abläufe „hineinzuprutschen“ hält die Bezahlung mit Payback Pay einfach viel zu sehr auf, so sie denn überhaupt funktioniert.

Speziell den Sinn der NFC-Implementierung verstehe ich überhaupt nicht, da man nicht nur Apple-User ausschließt, sondern sich noch alle möglichen Kompatibilitätsprobleme mit den NFC-Stacks der diversen Smartphone einfängt. Und das, wie im Fall von ARAL, mit nicht mehr ganz taufrischen und sowieso zickigen Bezahlterminals. Völliger Knieschuss.

Trotz der nun seit Beginn an laufenden Sonderpunkte-Aktionen für Payback Pay werde ich mich verabschieden und zur Zahlung mit kontaktlosen Karten resp. Android und Apple Pay zurückkehren.

Da muss ich mich nicht mit den Eigenheiten eines Systems und denen des jeweiligen Händlers auseinandersetzen. Ein normaler Kunde hätte hier eh schon lange die Reißleine gezogen.

Schlecht implementierte Bezahlsysteme braucht niemand.

 

App-basierte Handytickets sind kein Ersatz für moderne Ticketautomaten

Aus Sicht des Nutzers sind Handytickets eine praktische Sache, insbesondere dann, wenn man hierfür eine App nutzen kann, die nicht nur in der eigenen Stadt oder dem eigenen Verbund funktioniert.

Vorreiter war hier HandyTicket Deutschland welches aktuell mit VRR, VRS und VBB drei der größten deutschen Verkehrsverbünde abdeckt. Die Bezahlung geht schnell und einfach via monatlicher Rechnung oder aber als Prepaid-Konto.

Abgesehen davon, dass es natürlich viele Regionen gibt, wo andere Anbieter bevorzugt werden und man damit jeweils eine weitere App samt Registrierung und hinterlegten Zahlungsdaten benötigt, gibt es natürlich auch Städte, die darauf verzichten.

Im positiven Fall ist ein Handyticket eine Erleichterung für den Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.

Leider kann es aber immer mal wieder vorkommen, dass technisch etwas nicht rund läuft. Angefangen beim leeren Akku des Öffinutzers genau in dem Moment wo der Prüfdienst das Ticket sehen möchte. Einige der Apps funktionieren nicht zuverlässig, wenn kein Datenempfang (oder nur EDGE) möglich ist. Während man dies beim Ticketkauf noch nachvollziehen kann, so hört der Spaß auf, wenn auch das Anzeigen, eines mit dem aktuell benutzen Gerät, gekauften Tickets daran scheitert, dass sich das Handy mal wieder mit irgendeinem WLAN -Hotspot verbinden will. Diese Fälle gab es in der Vergangenheit leider häufiger. Gerade bei den Android-Versionen der Apps.

Für die Verkehrsbetriebe sind Handytickets natürlich in erster Linie auch eine Möglichkeit um Kosten einzusparen. Anstatt Fahrzeuge und wichtige Haltestellen mit teuren Automaten auszustatten, werden Benutzer bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf die Apps verwiesen. Wenn ich aber schon die Hardware des Öffinutzers für den Vertrieb meiner Fahrkarten nutze, dann müssen solche Lösungen aber auch gewissen Qualitätskriterien genügen.

Es darf weder das Fehlen einer gültigen Internetverbindung noch die Nichterreichbarkeit der eigenen Server dazu führen, dass der Kunde seine bezahlten Tickets nicht vorzeigen kann. Ebenfalls sollte ein leerer Akku niemals zum Problem des Kunden gemacht werden. Die Identifizierung über E-Mail Adresse oder Rufnummer sollte genügen, um mit einem Anruf beim Service-Center das Vorhandensein eines Tickets zu validieren. Idealerweise natürlich über eine Online-Verbindung mit Hilfe der mobilen Terminals des Prüfdiensts.

Ein immer wieder unterschätztes Problem sind die Bezahlmöglichkeiten. Gerade für Besucher aus dem Ausland sind Einschränkungen auf deutsche Bankkonten, giropay, Mobilfunkrufnummer deutscher Provider etc. eine unüberwindbare Barriere bei der Benutzung des ÖPNV. Das gleiche gilt natürlich auch für Apps, die nicht in verschiedenen Sprachen erhältlich sind.

Solange diese Fragen ungeklärt sind, solange müssen die Verkehrsbetriebe auch alternative Vertriebswege mit zeitgemäßen Bezahlmöglichkeiten anbieten. Wie so etwas geht, zeigen u.a. die kommunalen Verkehrsbetriebe der Stadt Breslau in Polen.

links: Stationärer Automat in Magdeburg (Münzen + GeldKarte)
rechts: Automat in Breslauer Bus mit ausschließlicher Kartenakzeptanz (inkl. kontaktlos)

Es kann nicht angehen, dass Hardware- und Betriebskosten der Vertriebsinfrastruktur und die Risiken der Verfügbarkeit von den Verkehrsbetrieben auf den Nutzer abgewälzt werden, ohne dass dieser dadurch auch nur einen einzigen spürbaren Vorteil hat. Die 3% Rabatt die bspw. der VRS seinen Nutzern gewährt sind da nur ein Anfang.

Daher wundert Euch nicht, dass ich trotz Smartphone auch immer wieder Tickets am Automaten kaufe und den Verkehrsbetrieben bzgl. bargeldloser Bezahlmöglichkeiten auf den Zahn fühle.

Servicewüste TAXI

Ich glaube diese Situation hat jeder von uns schon einmal erlebt: Man kommt in einer fremden Stadt am Bahnhof oder Flughafen an, schwer bepackt mit Koffern und Notebook-Tasche, es regnet in Strömen und hat nur noch einen Wunsch: Auf dem schnellsten Weg ins Hotel.

Nichts einfacher als das denkt man sich. Schließlich gibt es dafür doch Taxen. Diese sind in Deutschland Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs und als solche von der kommunalen Taxiordnung reguliert. Darin werden neben den Tarifen auch Serviceleistungen wie die Akzeptanz von Kredit- und Debitkarten geregelt.

In Berlin schert man sich wenig

Berlin bspw. schreibt seinen Taxiunternehmen vor, dass ein funktionsfähiges Kartenterminal vorgehalten werden muss und mindestens drei gängige Kartentypen akzeptiert werden sollen. Andernfalls dürfen keine Passagiere befördert werden. Gelegentlich wird dies auch von der Berliner Polizei kontrolliert. Ein Novum. Als Entschädigung müssen Taxifahrer einen Zuschlag von 1,50€ erheben. Dass diese Form des Surchargings weit oberhalb der Kosten für die eigentliche Transaktion eigentlich gegen EU-Recht verstößt, scheint das Land Berlin nicht zu interessieren.

Dennoch wurde mir in der Hauptstadt mehrfach offen ins Gesicht gesagt, dass man sich um die Akzepztanzpflicht einen Kehricht schert.

Kleinkrieg der Kölner Taxizentrale mit mytaxi wichtiger als der Fahrgast

Die Kölner Taxiruf e.G. wiederum bietet seit einiger Zeit offiziell die Bezahlung mit Karten sowie der TAXI.EU-App an. Damit wollte man Fahrgästen und angeschlossenen Unternehmen ein Gegenangebot zur Hamburger mytaxi-App unterbreiten.

In der Praxis sieht es leider immer noch so aus, dass man am Hauptbahnhof oder Bahnhof Messe/Deutz fünf oder mehr Fahrer förmlich um Kartenzahlung anbetteln muss. Letztes Mal wurde ich tatsächlich gefragt, ob ich nicht zum Geldautomaten gehen könne. Geht´s noch?

Anstatt sich um die Fahrgäste zu kümmern, führt Taxiruf einen mehr als skurril anmutenden Kleinkrieg mit mytaxi. Das äußert sich dann auch darin, dass man schon wegen einer kritischen Nachfrage auf der Facebook-Seite gesperrt wird, während sich die Moderatoren und die dort aktiven Taxifahrer in einer Form äußern, die am gesunden Menschenverstand der beteiligten Personen zweifeln lässt.

Weiße Flecken

Während man sich in einer Großstadt immer noch neben einen Taxistand stellen und per mytaxi einen Wagen bestellen kann und für sich somit sicherstellt, dass die Bezahlung per App kein Problem darstellt, gibt es in unserem Land immer noch viele kleine und mittlere Städte, wo weder die Bestellung noch die Bezahlung per App möglich ist.

Das ist in sofern völlig befremdlich, als dass ich in München oder Frankfurt meistens auch problemlos den ÖPNV nutzen kann, aber gerade in kleineren Orten keine wirkliche Alternative zum Taxi besteht und vielfach die Wege länger – und somit teurer – sind.

Regulierungsaufgabe

Da die Aufgabenträger schon meistens mit der Qualitätskontrolle der kommunalen Verkehrsbetriebe überfordert sind und gerade bei den Taxikonzessionen Vetternwirtschaft nicht zu selten vorkommt, muss auch das Thema Payment endlich von der EU im Rahmen der Vorschriften zur Barrierefreiheit reguliert werden. Die Anforderung Bargeld, ggf. in passender Stückelung oder eine bestimmte, nur national verfügbare Bezahlkarte mit sich zu führen, stellt ein Nutzungshindernis dar und benachteiligt Bürger aus anderen EU-Ländern.

Hier ist Brüssel gefragt!

Bargeldlos in: Magdeburg

Nachdem ich @tmmd bislang meistens auf polnischem Staatsgebiet getroffen habe, folgte ich am ersten Augustwochenende 2017 seiner Einladung nach Magdeburg. Mein letzter Aufenthalt dort war so um 2003 und ich war damals in einem Hotel außerhalb untergebracht, so dass ich von der eigentlichen Stadt so gut wie nichts mitbekommen habe.

Die Anreise

Die Anreise erfolgte wie immer mit der Deutschen Bahn und einem Sparpreisticket mit Zugbindung. Um allen Eventualitäten vorzubeugen, fahre ich daher immer gerne etwas früher von zuhause los und nutze die Zeit für ein kleines Frühstück im Bahnhof. Die erste Überraschung erlebte ich noch im Kölner Hauptbahnhof. Der „Brezelbäcker“ Ditsch hat inzwischen NFC-fähige Kartenterminals installiert. Diese sind vom Kunden bequem bedienbar.

NFC-Test noch vor dem ersten Kaffee

Klar, dass ich hier natürlich einen ersten Test unternehmen musste. Da Ditsch explizit das girocard-Logo in der Liste der kontaktlos akzeptierten Karten aufführte, versuchte ich zuerst damit zu bezahlen. Leider hagelte es bei allen drei Versuchen Fehlermeldungen, so dass ich auf die MasterCard auswich. Die Abwicklung der PayPass-Zahlung war in weniger als einer Sekunde erfolgt und ist damit wirklich mehrfach schneller, als das Bezahlen mit Bargeld.

Das Motel One

In Magdeburg angekommen ging ich zunächst ins Hotel. Torsten hatte mir das „Motel One“ empfohlen. Während fast alle aktuellen Häuser der Kette Neubauten sind, wurde hier ein wirklich prachtvolles Gemäuer gegenüber dem Magdeburger Dom saniert. Wer schon einmal in einem Motel One übernachtet hat, der weiß das schicke Design der Häuser zu schätzen. Die Bezahlung der Hotelrechnung erfolgt vorab beim Check-In. Ich habe meine MasterCard verwendet. Die NFC-Funktion war „absichtlich“ am Terminal deaktiviert worden und die nette Dame an der Rezeption meinte, dass sie dies auch bei ihren privaten Karten explizit hat sperren lassen. Nun gut.

Noch ein Tipp für Sparfüchse: Zum Buchen des Hotelzimmers habe ich über das Cashback-Portal Shoop das Buchungsportal HRS aufgerufen und dort gebucht. So erhalte ich in Kürze noch etwas über 7€ zurück.

Magdeburger Verkehrsbetriebe

Die MVB verfügt über ein großes Netz an Straßenbahnlinien, mit denen man im dichten Takt – auch am Abend und am Wochenende – schnell von A nach B kommt. Ab 23:00 übernehmen – auch in der Woche – Nachtbusse den Verkehr. Das ist etwas, wovon man als Westdeutscher nur träumen kann. Eine Tageskarte ist für 5,10€ zu haben, was für die gebotene Leistung wirklich ein Schnäppchen ist.

Wer sein Ticket mit Karte bezahlen möchte, hat allerdings nur die Wahl zwischen der GeldKarte-Funktion an den stationären Automaten oder der Benutzung der Automaten der Deutschen Bahn. Die Automaten in den Fahrzeugen akzeptieren lediglich Bargeld.

Die über easyGO bereitgestellte Handyticket-Funktion ist leider auch keine Alternative. Im Gegensatz zu den Stadtwerken Bonn, erlaubt die MVB lediglich die Bezahlung über die Handyrechnung. Damit bleiben Kunden von vielen Mobilfunkdiscountern genauso außen vor, wie Besucher aus dem Ausland. Für mich als Firmenkunde stellt sich zusätzlich das Problem, dass wir die Funktion Providerbilling komplett haben sperren lassen.

Wenn Magdeburg wirklich 2025 als Kulturhauptstadt Europas auftreten möchte, sollte man sich langsam mal Gedanken über eine Ausschreibung für neue Ticketautomaten machen. Wie man in Köln und Berlin ja leidvoll erfahren durfte, kann das auch mal ein paar Jahre dauern, bis die Geräte dann endlich funktionsfähig zur Verfügung stehen.

Böhmische Knödel und Pasta

Am Freitag ging es für mich zunächst in Wenzel´s Prager Bierstuben zum Mittagessen. Wie der Name schon verrät, handelt es sich um ein Böhmisches Brauhaus. Für knapp 9€ gibt es die Klassiker als Mittagstisch. Davon wird man gut satt. Aktuell hat man einige exklusive Sommerbiere im Programm, die wirklich sehr zu empfehlen sind. Die Bezahlung war laut Aushang mit girocard und Maestro möglich. Da das Essen so lecker war, sind wir am Samstag Abend direkt noch mal zusammen dorthin gegangen.

Am Freitag Abend stand aber erst einmal ein Klassiker des kontaktlos bezahlten Essens auf der To-Do Liste: Vapiano. Hier werden so ziemlich alle Karten akzeptiert und bis auf die girocard auch kontaktlos. Ich entschied mich für die Nutzung meiner MasterCard. Das Essen war, wie bei Vapiano üblich, sehr lecker. Auffallend war nur, dass der Koch sich irgendwie mehr für die schnuckelige Blondine hinter mir interessierte als für den Garpunkt meiner Rinderfiletstreifen. Ich konnte es ihm ehrlich gesagt nicht wirklich verübeln.

Den Abend haben wir dann mit einem Highlight ausklingen lassen.

Strandbar bargeldlos

Die Strandbar Petriförder wirbt direkt am Eingang unübersehbar für das bargeldlose Bezahlen:

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Es ist hier selbstverständlich, dass man auch ein einzelnes Bier mit Karte bezahlen kann. Das dazugehörige, von VR-Pay bereitgestellte, Ingenieco-Terminal hatte allerdings ein Problem mit NFC. MasterCard-Transaktionen wurden mehrfach abgebrochen, so dass ich auf Chip & PIN ausgewichen bin. Torsten verwendete darauf hin seine 1822mobile girocard und wurde gleich mit ELV bestraft.

In der Form habe ich sowas noch nicht in Deutschland erlebt. Klar, in polnischen Diskotheken und Londoner Pubs ist es längst Usus, einzelne Getränke mit Karte zu begleichen, aber bei uns wird meistens ja noch ein Mindestumsatz erwartet, den man nur mit einer Lokalrunde knacken könnte.

Darüber hinaus ist die Lage an der Elbe einfach traumhaft. Der richtige Ort, um nach einem anstrengenden Tag bei einem Bier (Hefeweizen 0,5l für 3,90€) auszuspannen. Gelegentlich gibt es dort auch eine Grillhütte und weitere Getränkestände. Dort waren aber beim zweiten Besuch am Samstag keine Terminals sichtbar.

Übrigens: Auf Gläser wird 1€ Pfand erhoben. Die kann man mit Karte bezahlen, erhält sie aber in bar zurück. Der Trinkgeldbecher freut sich 😉

Frühstück – Die wichtigste Mahlzeit des Tages

Am Samstag ging es zum Frühstück ins Magado das abends Burger und Cocktails bietet. Für knapp über 10€ gibt es neben Kaffee ein recht umfangreiches Frühstücksbuffet. Spiegelei und Rührei werden in der Küche frisch zubereitet. Das gibt schon einmal 10 Pluspunkte. Es gibt doch nichts Schlimmeres als warm gehaltenes Rührei in Blockform.

Da weder an der Tür noch auf der Facebook-Seite irgendwelche Hinweise auf Kreditkartenakzeptanz zu sehen waren, haben wir unsere girocards benutzt.

Da ein wenig Abwechslung nicht schaden kann, wählten wir am Sonntag das Alex aus. Dabei handelt es sich um eine Restaurantkette. Das Haus in Magdeburg erstreckt sich über zwei Etagen. Im oberen Stockwerk war das gleiche Frühstücksbuffet noch einmal aufbaut. Entsprechend voll war es dann auch.

Das Buffet war deutlich umfangreicher als im Magado, aber meiner Meinung nach waren sowohl die Brötchen als auch das Rührei zwei Klassen schlechter. Aber dennoch muss man sagen, dass hier jeder auf seine Kosten kommt.

Bezahlt wurde kontaktlos mit MasterCard bzw. VISA.

Sehenswürdigkeiten

Zwischen den Mahlzeiten und der Arbeit gab es natürlich noch einiges zu besichtigen. Torsten ist ein wandelndes Geschichts- und Heimatkundelexikon und wußte zu jeder Brücke und jedem Bauwerk eine Geschichte zu erzählen.

Neben einem Rundgang durch den Magdeburger Dom standen u.a. der Wissenschaftshafen, die Elbauen am ehemaligen Güterbahnhof, eine der Eisenbahnhubbrücken, sowie ein Rundgang durch das ehemalige Sanierungsgebiet Buckau auf dem Programm.

Nach soviel Fußmarsch war am Freitag Nachmittag erst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen angesagt. Eher zufällig entdeckten wir das Café am Domfelsen welches ab 10€ zumindest girocard akzeptierte.

Am Samstag Abend sind wir auf den Albinmüller-Turm gestiegen. Oder viel mehr gefahren, da ich den Aufzug vorzog. Erstmals gab es verlängerte Öffnungszeiten bis 1 Uhr nachts, so dass man theoretisch den Sonnenuntergang hätte fotografieren können. Leider spielte das Wetter nicht so mit. Dennoch hatte man von da oben eine gigantische Aussicht:

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Um auf den Turm zu gelangen, galt es ein Drehkreuz überwinden. Hierzu musste man 2€ einwerfen. Eigentlich sollte dies die einzige geplante Barausgabe des Wochenendes werden.

Mindestumsatz für die Tageskarte zum Elbauenpark und Jahrtausendturm

Eines der Highlights von Magdeburg ist umfraglich der Jahrtausendturm. Ursprünglich nur für die Dauer der Gartenschau gedacht, steht das Gebäude nunmehr seit 18 Jahren und ist mit 60 Metern das höchste Holzgebäude Deutschland. Innen lassen sich 6000 Jahre Menschheitsgeschichte auf mehreren Etagen erleben. Die Ausstellung ist insbesondere für Kinder interessant, da es hier viel zum Anfassen und Ausprobieren gibt.

 

 

Eine Tageskarte kostet 6€. Laut Webseite kann man an der Hauptkasse mit girocard bezahlen. Vor Ort versicherten sich gleich drei Mitarbeiter gegenseitig, dass sie die Anweisung hätten, nicht unter 20€ (Torsten hat 10€ gehört) Karten zu akzeptieren. Man gab mir eine Postkarte mit einem Feedback-Formular mit. Da ich inzwischen das Kontaktformular der zuständigen Gesellschaft im Netz entdeckt habe, entschied ich mich für die digitale Variante. Die erste Reaktion, die ich am Montagnachmittag erhielt, lässt darauf schließen, dass die Mitarbeiter entweder falsch informiert waren oder sich spontan den Mindestumsatz ausgedacht haben.

Auch hier wieder der Hinweis auf 2025!

Weitere Stationen

Neben dem obligatorischen Snack bei McDonalds (Kontaktlos, alle gängigen Karten) standen noch ein Mittagessen im Espressokartell (Kontaktlos, alle gängigen Karten, ab 10€) sowie die Cocktailbar One (alle gängigen Karten ab 15€, kein NFC) auf dem Programm. Da mein Lieblingscocktail Mojito hier um 5,20€ liegt, mussten es schon drei werden, um den Mindestumsatz zu erreichen. Aber ich denke das ist für eine Cocktailbar OK.

Nicht so toll ist allerdings, dass man in Sachsen-Anhalt wohl in der Gastronomie noch rauchen darf. Selbst in Läden mit Restaurantbetrieb fanden sich noch Aschenbecher.

Die Rückreise

Da ich noch ein wenig Zeit hatte, bin ich noch ein wenig durch den Bahnhof gelaufen. Neben McDonalds gibt es hier einen SPAR Express der kontaktlose Kartenzahlung ohne Mindestumsatz akzeptiert. Die von Sanifair betriebene WC-Anlage lässt sich ebenfalls mit der passenden Kreditkarte kontaktlos öffnen.

Fazit

Zugegebenermaßen ist der Test verständlicherweise leicht unfair, da Torsten ebenfalls ein Kartenfreak ist und natürlich die Empfehlungen entsprechend ausgesprochen hat.

Während die von der Stadt Magdeburg betriebenen Einrichtungen noch Nachholbedarf haben, lässt es sich in der Gastronomie gut ohne Bargeld auskommen.

Man sollte sich aber auf jeden Fall auch die Mühe machen und nach der Akzeptanz fragen. Leider bringen nicht alle Wirte entsprechende Akzeptanzsticker an. Was da die Motivation ist, kann ich leider nicht sagen.

Rückblickend kann man aber auch sagen, dass Torsten an diesem Wochenende wahrscheinlich häufiger zur girocard gegriffen haben mag, als in den letzten drei Jahren zusammen.

Endlich: BVG erweitert Kartenakzeptanz

Überraschend hat der Verkehrsbetrieb der deutschen Hauptstadt BVG bekanntgegeben, ab sofort neben girocard, Maestro und GeldKarte auch MasterCard, VISA, V-Pay und Diners an seinen alten gelben Ascom-Automaten zu akzeptieren. Vorausgegangen sei ein Test mit den am Flughafen Tegel aufgestellten Automaten des gleichen Typs.

In der Vergangenheit musste sich die BVG viel Spott in den sozialen Medien gefallen lassen, war sie doch neben der noch rückständigeren Hamburger Hochbahn der letzte Großstadtbetrieb, der seinen Nutzern keine adäquate Auswahl an bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten offerierte. Touristen aus „Non-Maestro“-Ländern wurden gezwungenermaßen zu Barzahlern oder mussten ihre Tickets bei der S-Bahn-Berlin im Kundencenter erwerben. Erst seit Kurzem akzeptieren die Automaten der S-Bahn auch Kreditkarten.

Nach einer wegen Insolvenz geplatzten Ausschreibung hat sich die Beschaffung neuer Automaten immer wieder verzögert. Die inzwischen in einigen Straßenbahnen in Betrieb genommenen Geräte sollten aber auch wieder lediglich girocard, Maestro und GeldKarte annehmen.

Offensichtlich wollte man nicht länger hinter Weltmetropolen wie Oberhausen (Rheinland) und Fürth zurückbleiben und hat die alten Automaten noch entsprechend angebunden.

Spannend bleibt einzig und alleine die Frage, wieso man das Nischenprodukt American Express nicht akzeptiert, dafür aber die noch seltener anzutreffende Diners Club-Karte.

So oder so ist das für die vielen Berlin-Touristen, die aus Ländern stammen, wo keine Maestro-Karten mehr ausgegeben werden, eine wirkliche Erleichterung.

 

netbank: girocard aussortiert

Wie vor einigen Tagen bekannt wurde, sortiert die netbank zum Anfang Oktober die girocard aus und ersetzt diese durch eine Debit MasterCard.

Damit reitet einer der langjährigen Direktbankpioniere die nächste Attacke auf das Brot- und Butterprodukt der Deutschen Kreditwirtschaft. Neben Fidor und N26, die seit je her ausschließlich auf Produkte aus dem Hause MasterCard setzen, sowie Deutscher Bank und Commerzbank, die die Debit MasterCard als kostenpflichtige Alternative anbieten, haben wir hier den ersten Fall, wo eine etablierte Bank dem nationalen System den Rücken kehrt.

Kunden müssen sich umgewöhnen

Für den Kunden bedeutet diese Entscheidung allerdings Licht- und Schatten zugleich. Für 10€ Jahresgebühr (0€ ab 400€ monatlichem Geldeingang) erhält er ein modernes Debit-Produkt, welches weltweit in Geschäften vor Ort und im Internet akzeptiert wird. Dass die Kontaktlostechnologie PayPass zum Einsatz kommt, ist selbstverständlich.

Mit Deaktivierung der girocards verlieren die Kunden aber auch die Möglichkeit, an den Geldautomaten des Cashpools kostenlos Geld abzuheben. Lediglich eine kostenfreie Auszahlung pro Monat ist im Paket enthalten.

Da in Deutschland bislang aber auch die girocard Voraussetzung für kartengestützte Barabhebungen im Handel ist, bleibt den Kunden dieser Weg leider auch verschlossen. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die netbank über Kooperationen diese Lücke schließen wird.

Weiterhin haben Kunden mit der Debit Mastercard aktuell in Deutschland noch eine eingeschränkte Akzeptanz. Gleiches gilt für klassische Debitkartenländer wie die Niederlande, wo man das fehlende Maestro Co-Badge schmerzlich vermissen wird.

Ob man sich als Bank mit einer solchen Hauruck-Aktion ohne Fallback für den Kunden wirklich Freunde macht, mag bezweifelt werden.

Auswirkungen auf Seiten der Akzeptanzstellen

Sollten sich mehr Geldhäuser zu diesem Schritt entschließen, wird der Druck auf Handel und Gastronomie irgendwann aber so groß werden, dass eine ausschließliche Akzeptanz von girocard bald Geschichte sein dürfte.

Hier sind aber vor Allem auch die Dienstleister gefragt: Wer heute seinen Kunden noch girocard-only Akzeptanzverträge anbietet und seine Bestandskunden nicht offensiv zur Erweiterung bestehender Verträge bei gleichzeitig guten Konditionen drängt, hat die Zeichen der Zeit verschlafen und wird die nächste Marktbereinigungsphase wohl nicht überstehen.

Aber was verspricht sich die Bank davon?

Die Herausgabe einer Debit- oder Kreditkarte kostet zunächst einmal Geld. Neben den reinen Produktionskosten werden Lizenzgebühren an die jeweiligen Kartenfirmen fällig. Weiterhin muss natürlich eine technische Infrastruktur für die Autorisierung und Abwicklung der Bezahlungen vorgehalten werden.

Die Mehrheit der in Deutschland tätigen Kreditinstitute geben ihren Kunden eigentlich zwei Karten aus. Eine girocard für den Einsatz im Inland. Auf diesen Karten wird in fast allen Fällen noch ein internationales Co-Badge wie Maestro oder V Pay aufgebracht. Auch das kostet Geld.

Wer nun noch im Internet einkaufen gehen möchte, der kommt meist um eine zusätzliche Kreditkarte nicht herum. Direktbanken geben auch diese vielfach ohne Jahresgebühr heraus und haben somit aktuell dreifache Kosten pro Kunde.

Es ist also sehr leicht nachvollziehbar, dass viele Banken sich nach einer Möglichkeit sehnen, ihren Aufwand hier zu reduzieren und dem Kunden möglichst nur ein einziges Kartenprodukt zur Verfügung stellen wollen, welches sämtliche Bedürfnisse abdeckt.

Auswirkungen der Zahlungskontenrichtlinie

Laut EU-Richtlinie hat jeder, sich rechtmäßig in der EU aufhaltende, Mensch ein Recht auf ein sog. Basiskonto pro EU-Land. Die Richtlinie sieht weiterhin vor, dass zu einem solchen Basiskonto die Möglichkeit zur bargeldlosen Bezahlung im Handel aber auch die Möglichkeit zur Abwicklung von Einkäufen im Internet gehört.

In Ländern, wie bspw. Irland und UK ist dies kein Problem, da i.d.R. immer eine Debitkarte von Mastercard oder VISA zum Konto ausgegeben wird.

Die Niederlande, als typisches Debitkartenland setzt für Online-Einkäufe auf iDeal, das mit SOFORT-Überweisung und giropay vergleichbar ist. In sofern ist das Fehlen einer Mastercard oder VISA zumindest für den nationalen Online-Markt nicht so wichtig.

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat ihrerseits auf ihr Millionengrab Paydirekt und das wesentlich erfolgreichere Giropay verwiesen, um die Auflagen der EU zu erfüllen. Dass das aus Kundensicht eher eine Lachnummer ist: Geschenkt.

Um die Anforderungen an ein Basiskonto auf Bankenseite zu erfüllen, bliebe einem Institut wie der Netbank also nur die Möglichkeit, sich einem der beiden Systeme anzuschließen oder aber gleich den Weg über ein international anerkanntes Online-Zahlungsmittel zu gehen. Genau das haben sie mit ihrer Entscheidung pro Debit Mastercard getan.

Fazit

Kurzfristig wird die Entscheidung wohl die meisten Kunden ziemlich nerven. On the long run aber werden wir Kunden uns über mehr Zahlungsmöglichkeiten im Handel und der Gastronomie freuen können. Wenn ihr also in der Kneipe ab Oktober einen traurigen netbank-Kunden treffen solltet, der verzweifelt nach dem letzten 10er im Portemonnaie sucht: Gebt ihr oder ihm ein Bier aus!

 

girocard kontaktlos – Den richtigen Moment verpasst (Updated)

Man war sich sicher: 2017 sollte das Jahr der kontaktlosen girocard werden. Zuvor hat die beliebteste Bezahlkarte fast fünf Jahre bei der Einführung der NFC-Technologie verloren, indem ihr vornehmlich die Sparkassen einen Umweg über das Prepaidsystem girogo samt entsprechendem Feldtest in der Region Hannover verordnet haben.

Nachdem die genossenschaftlichen Kreditinstitute das Thema girogo inkl. der GeldKarte zu einer Zeit, wo die Sparkassen gerade auf Hochtouren liefen und die Werbetrommel rührten, quasi im Vorbeigehen beerdigt haben, war allen Beteiligten klar, dass schleunigst eine direkt mit dem Girokonto verbundene Lösung her muss.

Grund hierfür war sicherlich auch, dass die ersten Handelsketten in Deutschland plötzlich entdeckten, dass es neben der girocard auch noch andere Systeme im Markt gibt. Im Mai 2015 machte ALDI Nord den überraschenden Anfang und gab bekannt, ab sofort kontaktlose Zahlungen mit V Pay und maestro zu unterstützen. Keine zwölf Monate später haben alle wesentlichen Wettbewerber die flächendeckende Akzeptanz von maestro, V Pay, MasterCard und VISA inkl. NFC umgesetzt.

In sofern war es für viele Leute unverständlich, dass man seitens der Genossen noch in aller Ruhe einen Feldversuch in Kassel durchführen wollte, wo die Technologie doch inzwischen Mainstream sei. Auch wenn Kartenchips, Händlerterminals und das girocard Netzwerk längst unter Volllast erprobte Komponenten waren, so darf man natürlich nicht vergessen, dass dennoch ein neues System mit neuen Softwarekomponenten ausreichend getestet werden wollte.

Auf Los geht’s los. Oder doch nicht?

Sowohl Volks- und Raiffeisenbanken als auch die meisten Sparkassen haben im Sommer 2016 damit begonnen, ablaufende girocards durch Exemplare mit Kontaktlostechnologie zu ersetzen. Kunden hatten natürlich auch die Möglichkeit, vorzeitig eine neue Karte zu erhalten. So sollten zum Dezember 2016 rund 10 Mio Karten bereits getauscht worden sein.

Inzwischen nahm auch die Verbreitung NFC-fähiger Kartenterminals abseits der großen Player im Lebensmitteleinzelhandel zu. Die Bezahlung mit Apple Pay in einer badischen Landgaststätte inzwischen möglich.

Kurz vor Jahresende wurde es noch einmal spannend: Terminals, die girocard kontaktlos akzeptieren möchten, benötigen eine Zertifizierung. Als Erstes erhielt diese kurz vor Weihnachten das H5000 von Verifone (Lidl, Kaufland, ALDI Nord, Esso).

Damit war auch klar: Den Big Bang zum 2. Januar wird es nicht geben. Allerdings haben sowohl Lidl als auch die beiden ALDI-Konzerne bekanntgegeben, dass das kontaktlose Bezahlen mit der girocard schnellstmöglich flächendeckend eingeführt werden soll.

Wie immer, wenn ALDI und Lidl etwas tun, machten sie es richtig: Sowohl an den Eingangstüren als auch im Kassenbereich wurden neue Akzeptanzsticker mit Wellensymbol angebracht.

Hätte dieser Elan nur angehalten.

Unklare Kennzeichnung

Ein altbekanntes Problem der girocard ist leider immer noch die große Unbekanntheit des Namens. Bei vielen Einzelhändlern findet man auch zehn Jahre nach der Umbenennung verschiede Varianten der obsoleten „EC“-Aufkleber.

Schon bei den nächsten größeren Rollouts hielt der altbekannte Schlendrian Einzug: Auf der Webseite der REWE sprach man von „Girokarte“, selbst bei vielen von REWE selbst betriebenen Filialen findet man nach wie vor das „EC“-Logo.

Kaufland hat sich leider kein Beispiel am Schwesterunternehmen Lidl genommen und die Akzeptanz weder offiziell verkündet, noch den in den Jahren angewachsenen Zoo von Akzeptanzstickern im Kassenbereich bereinigt.

Und hat jemand etwas von EDEKA gehört?

DM hat im Mai – wie immer – mustergültig die kontaktlose Akzeptanz der girocard eingeführt. Der Wettbewerber Rossmann wollte eigentlich im zweiten Quartal seine ziemlich lahme Kasseninfrastruktur aktualisieren. Status: Unbekannt.

Ansonsten ist es aktuell ziemlich ruhig um das Thema. Leider.

Da das kontaktlose Bezahlen in Deutschland nach wie vor eine eher exotische Sache ist, bei der regelmäßig Kunden das Personal in den Läden schulen muss, ist eine klare Kennzeichnung am POS eigentlich eine Selbstverständlichkeit, damit man sich als Kunde nicht noch zusätzlich zum Deppen macht.

Natürliche Partner weiter außen vor

Wo, wenn nicht im Fastfood- und Convenience-Segment, ließen sich die Vorteile des kontaktlosen Bezahlens besser erleben? Zwar gibt es einige lokale Bäckereiketten die inzwischen ihre Liebe zur unhygienischen Münze ablegen, aber bei den wirklich relevanten Playern bleibt die girocard weiterhin nur gesteckt willkommen: Starbucks, McDonalds und Konsorten.

Die meisten BurgerKing-Restaurants erhalten ihre Kartenterminals von CardProcess (VR-Pay), einem Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Hier hieß es diese Woche noch: „Karte unbekannt!“. Wieso man sich nicht einmal um seine eigenen Kunden richtig kümmert, ist mir völlig unverständlich.

Mit MasterCard und VISA auf der sicheren Seite

Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren haben wir in Deutschland den Punkt erreicht, wo man mit einer MasterCard oder einer VISA-Karte was das kontaktlose Bezahlen angeht, eine wesentlich höhere Akzeptanzdichte als mit dem Marktführer girocard, der stolz wirbt „Mit Karte heißt: Mit girocard“ besitzt.

Die vielen Direktbankkunden wurden seit Jahren an die Nutzung ihrer „Kreditkarte“, die oftmals eine Debitkarte ist, gewöhnt. Sowohl bei ING-DiBa als auch der DKB ist die VISA-Karte inzwischen kontaktlos.

Die Sparkassen haben zum 1.7.17 ihr Kreditkartenportfolio mit NFC ausgestattet. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken begann man bereits 2016 – zunächst mit den Goldcards.

Wenn man sich aber nicht sicher sein kann, dass die girocard kontaktlos akzeptiert wird, man aber gleichzeitig eine kontaktlose Kreditkarte besitzt, bei der die Wahrscheinlichkeit höher ist, dann erzieht man die Kunden zur Nutzung eben dieser Kreditkarte. Die Umstellung, weg von der langsameren Unterschrift und ggf. Personalausweiskontrolle, hin zur Bezahlung mit PIN dürfte den Effekt noch beschleunigen.

Klar ist aber auch: Wer sich einmal daran gewöhnt hat, zuerst die MasterCard oder VISA-Karte aus dem Portemonnaie zu ziehen und sich einmal daran gewöhnt hat, mit der Monatsabrechnung eine Auflistung von 20 Coffee-To-Go zu erhalten, der wird auch dabei bleiben, insbesondere wenn die generelle Akzeptanz der internationalen Schemes auch abseits der großen Handels- und Food-Franchiseketten weiterhin so stark steigt.

Ein Zurück zur girocard, wenn vielleicht in einem oder zwei Jahren auch der letzte sein Terminal umgestellt hat, halte ich für eher unwahrscheinlich, auch wenn den meisten von uns (mir inklusive) die Verwendung von Debitkarten für alltägliche Ausgaben mehr zusagt.

Der Wettbewerb schläft nicht

Insofern kann man es nur als Ironie der Geschichte bezeichnen, wenn das Zögern der Deutschen Kreditwirtschaft bei der rechtzeitigen Einführung einer kontaktlosen Debitkarte in Kombination mit der von Markt und MasterCard/VISA erzwungenen Ausgabe von NFC-fähigen Kreditkarten dazu führt, dass man dem eigenen Heiligtum den entscheidenden Stoß versetzt hat.

Die Einführung der Debit MasterCard vor zwei Jahren war wohl nur der erste Schritt. Weitere werden folgen. Garantiert!

Persönlich finde ich das sehr traurig. Zum Einen bin ich ein Befürworter von Wettbewerb und zum Anderen kann ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von vornehmlich US-dominierten Unternehmen auch nicht schaden.

Update 07.09.2017

Inzwischen akzeptieren immer mehr an VR Pay/CardProcess angeschlossene BurgerKing Filialen die girocard auch kontaktlos. Positiv getestet u.a. Bremen Hbf und Monheim.

Kaufland hat damit begonnen, den Sticker-Zoo an den Kassen zu bereinigen und einen einzelnen Aufkleber mit allen aktuellen Logos anzubringen. Zuerst gesehen in Duisburg-Ruhrort.