5. März 2024
Kalendereintrag 31

Jahresrückblick auf das Payment-Jahr 2023

Alle Jahre wieder, rund um Weihnachten, ist es an der Zeit auch einen kleinen Rückblick aus Sicht dieses Blogs auf das Payment-Jahr zu werfen. Es ist insgesamt hier ruhiger geworden. Die Frequenz der Beiträge hat deutlich abgenommen.

Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum Einen war dieses Jahr von vielen beruflichen Projekten u.a. auch im Bereich Payment bestimmt. Zum Anderen muss man aber auch feststellen, dass das Bezahlen mit Karte und Smartphone inzwischen auch in Deutschland so alltäglich geworden ist, dass ein wenig der Reiz des Exotischen verflogen ist.

Maestro-Aus – zumindest ein Bißchen

Einer der großen Aufreger in der Presse, zu dem man neben viel Clickbait vor Allem schlecht recherchierten Müll gelesen hat (sorry, not sorry!) war das geplante Aus des bei uns hauptsächlich als Co-Badge verwendeten Maestro-Systems von Mastercard. Geplant war, dass nach dem 30.06.2023 in den meisten Märkten keine Maestro-Karten mehr neu ausgegeben werden dürfen.

Da nicht alle Banken bzw. ihre technischen Dienstleister so richtig darauf vorbereitet waren, gibt es heute immer noch Banken, die fleißig Maestro ausstellen dürfen und es tun.

SparkassenCard 2.0 – Rollout

Am Besten vorbereitet auf das geplante Aus von Maestro waren zweifelsohne die deutschen Sparkassen. Diese haben bereits seit Längerem ein neues Produkt vorbereitet, welches die girocard mit Debit Mastercard oder Visa Debit kombiniert und das sowohl auf der physischen Karte als auch digital in Apple Pay und Mobiles Bezahlen.  Während ich die Karte bereits seit Oktober 2022 testen durfte, startete der große Rollout bei der Mehrheit der Institute im Juni diesen Jahres.

Apple Pay: Die letzten Nachzügler

Es gab nur noch einige wenigen Banken, die bislang kein Payment-Angebot für Apple-User hatten.

Die Essener National-Bank, die bislang ebenfalls ohne Apple Pay-Unterstützung unterwegs war, startete bereits im April ausgerechnet und exklusiv mit der girocard und ist damit die erste Bank außerhalb des Sparkassen-Sektors, die ihre girocard Apple Kundinnen und Kunden digital zur Verfügung stellt. Leider blieb es bis jetzt auch dabei. Weder das Co-Badge noch die Kreditkarten der National-Bank möchten mit dem iPhone genutzt werden.

Im Herbst haben dann zuerst die Postbank und dann Santander Deutschland ihre Mastercard bzw. Visa-Karten für Apple Pay fit gemacht. Bei der Postbank funktioniert übrigens auch Google Pay.

Somit dürften nur noch wenige der hiesigen Kreditinstitute nicht mit dabei sein.

Apple hat übrigens angekündigt die NFC-Schnittstelle auch für andere Anbieter zu öffnen.

Vermischtes: Digitaler Euro, epi, girocard in Frankreich

Mangelnder Zeit geschuldet, sind einige Themen bei mir hinten über gefallen. Dazu gehören natürlich die Bemühungen der EZB mit dem digitalen Euro eine Alternative zum Bargeld zu schaffen. Bei der europäischen Payment-Initiative EPI soll es mit einer Wallet-Lösung namens Wero vorangehen.

Wesentlich näher am realen Leben kam dagegen eine andere News unscheinbar über LinkedIn daher: Die erste girocard-Zahlung in Frankreich, die über ein dort handelsübliches Terminal abgewickelt wurde. Inkl. Online-PIN und Single-Tap über 50€. Die Älteren werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass es bereits vor vielen Jahren derartige Initiativen (EDC, eaps) gab, die teilweise auch umgesetzt wurden.

Kartenakzeptanz

In Sachen Kartenakzeptanz hat sich auch 2023 einiges getan. Fast wöchentlich liest man davon, dass bis hinunter in die Regionalligen Stadion-Caterer auf bargeldlosen Würstchenverkauf setzen oder das große Musikfestivals sich für Open Loop-Payment entscheiden.

Inzwischen gibt es, u.a. durch Portale wie payved.de *) mit ausgelöst, mehr Transparenz bei den Kosten der Kartenakzeptanz. Viele Anbieter werben inzwischen recht offen mit ihren Gebührensätzen via Instagram, Facebook & Co.

Dadurch werden auch immer mehr neue Akzeptanzstellen gewonnen, die bislang ausschließlich auf Bargeld setzten. Bei wem mehrfach täglich Gebühren um die 1% in der Timeline landen, der dürfte auch weniger empfänglich für die üblichen Urban Legends betreffend Kosten sein.

Konsumenten erwarten Kartenakzeptanz

Eine der erfreulichsten Nachrichten dieses Jahres bot wohl die von Mastercard in Auftrag gegebene GfK-Studie zum Bezahlverhalten der Deutschen. Inzwischen erwarten 89% der Konsumentinnen und Konsumenten, dass ein Geschäft bargeldlose Bezahlmöglichkeiten anbietet. 39% haben bereits ein Geschäft wieder verlassen oder es gar nicht erst betreten, weil dort keine Kartenzahlung möglich war.

Im Gegensatz dazu waren es 2022 lediglich 76% die Kartenakzeptanz erwarten, bzw. 36% die ein Geschäft verlassen oder gar nicht erst betreten haben.

Diese Zahlungen machen Hoffnung darauf, dass Gastronomen und Händler in Zukunft nicht mehr damit durchkommen, ihren Kundinnen und Kunden grundlegenden Kundenservice zu verweigern. Das sollten sich gerade auch die Gastronomen ansehen, die nach Abebben der Covid-Pandemie die frisch angeschafften Kartenterminals wieder in den Schubladen verschwinden ließen.

Fehlt was?

Fehlt euch ein Thema? Habe ich etwas vergessen, was in Sachen Payment 2023 relevant war? Wenn ja, schreibt es einfach unten in die Kommentare!

In diesem Sinne: Kommt gut und gesund rüber nach 2024!

*) Das Informationsportal payved.de wird von einem Unternehmen betrieben, an dem der Autor dieses Blogposts wirtschaftlich beteiligt ist.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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4 Gedanken zu “Jahresrückblick auf das Payment-Jahr 2023

  1. Wearables wie Schlüsselanhänger, Ringe und Armbänder hast du meiner Meinung nach vergessen. Da hat sich dieses Jahr einiges auf dem Markt getan. Zum Beispiel bieten Tapster (Schlüsselanhänger und Ringe) und Paycelet (Armbänder) meiner Meinung nach echt einen Mehrwert wenn es ums kontaktlose bezahlen geht und kombinieren die Funktion mit einer ansprechendenen Optik, für mich insbesondere die Armbänder.

    1. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich diese Gadgets nicht unbedingt ansprechen. Zum Einen habe ich eine (ältere) Apple Watch und zum Anderen war zumindest früher die Nutzung nur über Umwege wie Curve möglich. Das hat sich wohl gebessert.

  2. Ein aktueller Trend (lt. Presse): Gastronomen bieten auf Barzahlung bis 5% Rabatt. Angeblich, weil Kartenzahlungen so teuer sind. Der Sinn erschließt sich mir nicht.

    1. Da die Kosten der Kartenakzeptanz weit darunter liegen, kann man nur Vermutungen anstellen. Neben dem bösen Wort mit der Steuer kann es natürlich auch sein, dass die Läden in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, Lieferanten bar bezahlen müssen und einfach froh über jeden Euro sind, der direkt in der Kasse landet. Aber alles in Allem natürlich nichts, was im Sinne der Gäste ist.

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