Klarna Smooth VISA in der Praxis

Am 15. April 2019 tauchte in Apples AppStore kurzzeitig eine Werbung für die Klarna App mit kostenloser und Apple Pay fähiger VISA-Karte auf. Da musste ich natürlich sofort zuschlagen. Wie sich später herausstellte, war da jemand etwas voreilig und es sollte noch bis zum 2. Juli dauern, bevor die Karte für Apple Pay aktiviert werden konnte.

Aber eines nach dem Anderen. Zunächst einmal stand da die Beantragung an. Das ging sehr einfach über die App. Man muss lediglich seine Onlinebanking-Zugangsdaten des Kontos eingeben, welches belastet werden sollte. Klarna startet dann einige Abfragen, wie man sie auch von deren Dienst SOFORT-Überweisung kennt. Dazu wird über die Schufa noch eine Identitätsfeststellung des Handels durchgeführt. Das wars. Über die Prozedur kann man geteilter Meinung sein. Insbesondere dann, wenn wie bei den Sparkassen üblich auch Drittinhaberkonten wie bspw. Firmenkonten unter der gleichen Kennung erreichbar sind, muss man schon ziemlich schmerzfrei sein, um den den Dienst zu nutzen. Laut Aussagen von KLARNA muss über das verknüpfte Girokonto mindestens eine erfolgreiche SOFORT-Zahlung gelaufen sein, damit einem Kunden die VISA-Karte angeboten wird.

Als Kunde kann man aus einer Reihe von mehr oder weniger kreativen Designs seine Karte wählen. Passend zum Titel dieses Blogs, sollte es dieses hier werden:

Einige Tage nach Beantragung erhielt ich dann auch Post. In einem äußerlich eher unspektakulären Umschlag befand sich im Inneren die Karte in einer Art mit Flausch ausgestatteter Grußkarte. Smooth von der Optik, aber irgendwie auch unnützer Verpackungsmüll.

Ab dem ersten Tag ließ sich die Karte auch mit Google Pay verwenden, was auch gut war, da man nirgends eine PIN für die Karte festlegen konnte (nur für die App als Alternative zum Entsperren mittels Fingerprint oder FaceID). Bis heute lässt sich diese nicht in der App einsehen oder setzen. Wie gut, dass der Anbieter CDCVM unterstützt und man die PIN bei Mobile Payment wirklich nur an völlig totkonfigurierten Terminals benötigt.

Konditionen

Die Smooth VISA kommt ohne Grundgebühr aus. Es fallen auch keine Fremdwährungsentgelte an. Ein Test mit einer Zahlung in einem polnischen Restaurant zeigte auch, dass der angesetzte Wechselkurs keine versteckten Aufschläge enthielt.

Nutzt man die Möglichkeit der Teilzahlung, so wird es natürlich teuer. Die Zinsen liegen hierfür um die 12% und damit höher als bspw. die Dispo-Zinsen bei der DKB.

Es besteht übrigens keine Möglichkeit, mit der Karte auf direktem Wege Bargeld zu beziehen. Man kann aktuell aber bspw. ein Revolut-Konto über den Umweg Apple Pay oder Google Pay aufladen.

Als echte „Credit“-Karte funktioniert die Plastikvariante der KLARNA Smooth VISA übrigens auch in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn.

Abrechnungsformen

Hier wird es spannend und genau das macht dieses Produkt für den einen oder anderen vielleicht interessant. Über die App kann man wählen, ob getätigte Umsätze 1:1 direkt dem hinterlegten Girokonto belastet werden sollen (SEPA-Lastschrift) oder ob diese zunächst für 14 Tage kreditiert werden. Dabei kann man über einen Slider bequem einstellen, ab welcher Grenze kreditiert werden soll.

Leider lässt sich nur ein Bankkonto verknüpfen, was ich persönlich schade finde, da man so analog zu Curve etwas mehr Flexibilität hätte, wenn man für verschiedene Ausgaben verschiedene Konten verwendet.

Möglichkeit 1: Sofortiger Ausgleich

Beim sofortigen Ausgleich wird jede Kartenzahlung nach erfolgter endgültiger Belastung durch den Händler per Lastschrift vom hinterlegten Girokonto eingezogen. Die allererste Lastschrift benötigte mehrere Bankarbeitstage. Bei den darauf folgenden Belastungen sieht es so aus, dass die Vormerkung nach erfolgter endgültiger Belastung am Tag darauf im Online-Banking auftaucht. Diese Abrechnungsweise entspricht dem Modell „Decoupled Debit“ wie wir es von sehr geschätzten und leider eingestellten Produkten wie der Payback Maestro und T-Mobile Wallet kannten.

Einen Haken gibt es bei der Geschichte schon: In der Abbuchung steht nirgends im Betreff der Händlername und das Kaufdatum. Das wurde damals von der Payback Maestro besser gelöst. Stattdessen gibt es eine ID-Nummer, die unter der jeweiligen Zahlung in der Klarna App einsehbar ist. Da Klarna bislang nicht per Outbank etc. abrufbar ist, trägt das nicht gerade zur Übersicht bei. Wer seine Bankumsätze mit Hilfe entsprechender Apps kategorisieren möchte, muss nun jeden Kaffee von Hand taggen. Nicht gerade smooth!

Natürlich könnte man den Verwendungszweck verlängern oder aber sogar über das Feld „abweichender Zahlungsempfänger“ die benötigte Information mitgeben. Doch bislang stellt sich Klarna auf Anfragen stur und verweist auf die hunderttausenden automatischen Buchungen pro Tag. Dumm nur, dass andere Zahlungsdienstleister das hinbekommen!

Möglichkeit 2: Teilzahlung ab einer gewissen Schwelle

Mit dieser Einstellmöglichkeit lassen sich bequem die alltäglichen Ausgaben wie der Coffee To-Go auf dem Weg ins Büro oder der Gelegenheitseinkauf beim Discounter direkt begleichen, während bspw. eine Rechnung über eine Autoreparatur erst einmal als Verbindlichkeit auf dem Konto verbleibt.

Möglichkeit 3: Kreditierung aller Zahlungen

Damit wird die Karte zur echten Kreditkarte. Alle Zahlungen laufen erst einmal auf dem Kreditkartenkonto auf. Der User hat die Möglichkeit, diese innerhalb von 14 Tagen zinsfrei zu begleichen. Dabei kann pro Kartenumsatz gewählt werden, ob dieser sofort eingezogen werden soll oder an einem beliebig wählbaren Tag im 14-Tage-Zeitraum:

In der App sieht man auf einen Blick, welche Beträge zur Zahlung fällig sind und kann entsprechend reagieren, um nicht in die Zinsfalle zu laufen.

Mögliche Kreditfalle

In den schier endlosen Diskussionen um das Thema bargeldlose Zahlung wird ständig das Argument in den Ring geworfen, dass Leuten ohne Bargeld die Übersicht über ihre verloren ginge und sie sich schnell in der Kreditfalle wiederfinden würden.

Der Klarna App kann man sicherlich nicht vorwerfen, dass es dort an der Übersicht bzgl. der eigenen Verbindlichkeiten mangelt. Allerdings wird es einem aber auch verdammt einfach gemacht, fällige Zahlungen aufzuschieben. Man kann in der App den Verfügungsrahmen prüfen und laut einiger Aussagen von anderen Twitterern liegt der meist knapp unter 1000€. Nicht gerade wenig wenn man bedenkt, dass die Karte bei den Meisten als Zweit- oder Drittkartenprodukt im Portemonnaie vorhanden sein dürfte.

Betrachtet man jetzt die vom Marketing anvisierte Zielgruppe, so richtet sich das Produkt sicherlich eher an jüngere und finanziell unerfahrene Leute.

Ich für meinen Teil finde die Möglichkeiten, die die Karte bietet zwar höchst interessant, aber im Alltag will ich mich gar nicht erst damit beschäftigen müssen, irgendwo noch einen Button drücken zu müssen, damit 50€ eingezogen werden, da ich ansonsten Zinsen darauf zahlen müsste.

Nach meinem Test habe ich den Slider dann auch direkt wieder auf „sofortigen Einzug“ zurückgestellt!

Fazit

Nettes Produkt mit Schwächen (Buchungstext, PIN-Frage, nur ein Girokonto verknüpfbar). Ideal für die Leute die eine flexible Debitkarte in Apple Pay/Google Pay benötigen und nicht über ein Zweitkonto gehen wollen, welches regelmäßig betankt werden will. Wer Probleme damit hat, am Monatsende seinen Einkauf zu bezahlen: Finger weg!