NFC statt Banknoten – Die KVB liegt richtig

Kommunaler ÖPNV-Anbieter zu sein ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Neben der chronischen Unterfinanzierung leiden sie vielfach unter Kommunalpolitikern die in Sonntagsreden bessere Leistungen fordern, aber seit Jahren weder einen aktuellen Nahverkehrsplan auf die Reihe bekommen, noch sich ihrer Aufgabenträgerschaft für den kommunalen Nahverkehr überhaupt bewusst sind. Die Nutzer spenden auch eher selten Lob.

Aber das, was momentan in Köln in Bezug auf die neuen Ticketautomaten abgeht, spottet jeder Beschreibung.

Die Kölner Verkehrsbetriebe haben sich dazu entschieden, knapp 900 Automaten (stationär und in den Fahrzeugen) neu zu beschaffen. Nachdem der Großteil der Altgeräte nur mit Münzen und GeldKarte, einige aber auch mit der girocard, zu benutzen waren, wollte man mit den neuen Geräten ins 21. Jahrhundert durchstarten.

Erstmals sollten alle Automaten, egal ob stationär und mobil, alle gängigen Debit- und Kreditkarten akzeptieren. Egal ob girogo mit der Sparkassencard oder die internationalen Verfahren PayPass/PayWave mit MasterCard oder VISA: Die neuen Automaten unterstützen alles.

Also alles toll? Nein, denn wir leben in Deutschland.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis der Kölner Stadtanzeiger sich darüber echauffierte, wie rückständig doch die KVB sei, da sie im Gegensatz bspw. zur Düsseldorfer Rheinbahn auf die Annahme von Banknoten verzichten.

Aber wer ist hier eigentlich rückständig?

In den Taschen der Deutschen befinden sich fast 100 Millionen girocards, hinzu kommen noch Millionen von MasterCards und VISA-Karten. Nachdem die großen Handelsketten den Rollout von NFC abgeschlossen haben, werden sich die Bankengruppen einer Ausgabe entsprechender Karten auch nicht mehr verschließen können. Egal, ob Apple Pay & Co. doch noch den Weg nach Deutschland finden.

Die Millioneninvestition in neue Automaten ist eine Entscheidung für die Zukunft. Bei einer geschätzten Lebensdauer größer zehn Jahren, kann ein Unternehmen es sich nicht leisten, Technik von gestern zu verbauen. Insbesondere dann nicht, wenn neben den Einmalkosten noch mit rund 400.000€ jährlichen Folgekosten für die Banknotenakzeptanz gerechnet wird.

Der Trend zur Kartenzahlung ist nicht zu leugnen, auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich noch weit hinten liegt. Neben der deutschen Bargeldverliebtheit, liegt m.E. die Hauptschuld aber auch bei Handel- und Dienstleistungsunternehmen, die mit Mindestumsätzen und Jammerei über die angeblichen Kosten, dem Kunden ein schlechtes Gewissen machen wollen.

Dennoch werden wir in fünf Jahren mit Sicherheit zurückblicken und uns fragen, wieso die „Blechschweine“ überhaupt noch Münzen akzeptieren.

Rückständig sind demnach der Kölner Stadtanzeiger und sein Boulevard-Pendant Express. Aber was kann man von Printmedien auch schon erwarten, die nicht einmal in der Lage sind, eine vernünftige App entwickeln zu lassen, mit der man als Abonnent bequem alle Printinhalte lesen kann.

B&B Hotel Böblingen – Abzüge in der B-Note

Ich verbringe rund 100 Nächte im Jahr in Hotels. Die meisten Übernachtungen davon in Hotels der Accor-Gruppe (meistens ibis) und einige bei NH.

Im Rahmen einer Kundenveranstaltung haben wir uns für das B&B in Böblingen entschieden, da es direkt gegenüber der Veranstaltungslocation „Motorworld Stuttgart“ liegt.

Die Erfahrung in anderen B&B´s in der Vergangenheit (Mannheim, Braunschweig) waren recht positiv und ich war auch schon vor zwei Jahren in Böblingen.

Vorweg: In den wichtigsten Punkten gibt es an diesem Hotel nichts auszusetzen, aber dennoch ziehen die weichen Faktoren das Haus ganz schön nach unten. Im direkten Vergleich zum ibis in Leinfelden-Echterdingen wo ich zuvor übernachtet habe, werden die Unterschiede doch sehr deutlich.

Das Zimmer ist recht ordentlich bemessen, nett und modern eingerichtet und im Bad hat man ebenfalls genug Platz. Unverständlich finde ich es, wenn der Seifenspender am Waschbecken bei Ankunft leer ist und auch am Folgetag nicht aufgefüllt wird. Da in der Dusche noch ein gefülltes Exemplar hing, war das kein Problem. Aber es fällt halt schon auf.

Während die Mittbewerber in den letzten Jahren bereits mehrfach in Sachen Kaffee nachgerüstet haben und die Qualität von Maschinen und Bohnen stets besser wurde, ist das, was das B&B da Kaffee nennt wirklich das Letzte. Die Maschine von Douwe Egberts produziert aus gefriergetrocknetem Pulver eine Brühe, die einfach ungenießbar ist. Da kann der Rest vom Frühstück OK sein, aber der Tag ist dennoch gelaufen. Solche Maschinen findet man ansonsten nur noch an irgendwelchen Autobahntankstellen in der Prärie. Glücklicherweise gibt es genügend Alternativen im Bahnhof nebenan.

Ich verstehe nicht, wieso hier am völlig falschen Ende gespart wird. Der Kaffee ist meist das Erste, was der Gast am Morgen wahrnimmt und somit die Laune in den nächsten Stunden bestimmt.

Aber eines ist mir fast noch negativer in Erinnerung geblieben und das kenne ich eigentlich so nicht. Während wir beim Check-In sehr freundlich empfangen wurden und bspw. auf Funktionsweise der Türschlösser und Wifi hingewiesen wurden, schien man die Gäste ansonsten nicht wirklich wahrzunehmen. Kein „Guten Abend“ beim Betreten des Hotels. Mitarbeiter die am PC beschäftigt waren, blickten nicht einmal auf. Ich weiß nicht, ob es am Klientel der Hotelgruppe liegt, dass man hier eher still und leise im Hintergrund seiner Arbeit nachgeht, aber das ist einfach nicht meins. Klar, es gibt auch Budget-Hotels wo man selten überhaupt einen Menschen zu Gesicht bekommt, aber irgendwie muss sich der Betreiber schon fragen, wo der eigene Anspruch liegt.

Das myWallet Vakuum, sponsored by Deutsche Telekom

Manchmal frage ich mich schon, wie in großen Unternehmen Entscheidungen getroffen werden und ob sich jemals jemand in den Vorständen dafür interessiert, was der gemeine Kunde davon hält.

Im konkreten Fall geht es um das plötzliche Ende des mobilen Bezahldienstes der Deutschen Telekom. Für die Nichteingeweihten: Die Telekom bietet mit der App „myWallet“ die Möglichkeit digitale Bezahlkarten auf die SIM zu laden, mit der dann im Laden per NFC bezahlt werden kann.

In anderen Märkten setzt T-Mobile auf die Zusammenarbeit mit Retailbanken und macht somit bspw. in Polen reguläre MasterCards der mBank oder Aliorbank mobil. Die österreichischen Kunden können sich ihre Bankomatkarte (maestro) selbst von den Sparkassen aufs Handy laden.

Bei uns in Deutschland ist aber alles anders. Die Banken zeigen hier leider wenig Interesse an der Kooperation mit den Mobilfunkanbietern und versenken lieber Millionen in unsinnige eigene Projekte wie bspw. dem Kontaktlosverfahren „girogo“ (Sparkassen) oder einem PayPal-Clone der zehn Jahre zu spät an den Start geht.

Also hat die Telekom an diese Stelle den Konzern eigenen Online-Bezahldienst Click&Buy gesetzt. Dieser wiederum wickelt die Bezahlkarten über die Münchner Wirecard-Bank ab. Wirecard arbeitet auch für die anderen Mobilfunkunternehmen in Deutschland und erbringt auch die Bankdienstleistungen bspw. für das Startup Number26.

Im November wurde nunmehr von der Telekom entschieden Click&Buy einzustellen. Davon sind dann auch die Bezahlkarten von myWallet betroffen. Als Einstellungsdatum wurde der 30.06.2016 genannt.

Kurze Zeit später war die Neubeantragung von myWallet-Karten bereits nicht mehr möglich. Kunden wurden auf „intensive Gespräche u.a. mit der Targobank“ hingewiesen. Inzwischen wurden die AGB´s auf die Einstellung des Dienstes angepasst und effektiv ist für den normalen Nutzer ab dem 31.05.2016 keine sinnvolle Nutzung mehr möglich. Der Telekom kann es also nicht schnell genug gehen.

Neben der angekündigten, aber bis heute nicht bestätigten, Zusammenarbeit mit der Targobank wurde auf der CeBit das Projekt „girocard kontaktlos“ per SIM vorgestellt. Hierbei handelte es sich um einen eindrucksvollen PoC (Proof of concept). Ein Fahrplan für den Rollout gibt es bis heute nicht öffentlich.

Für mich völlig unverständlich hierbei ist der Umstand, dass die Telekom sich höchst unglücklich Hals über Kopf aus diesem Markt verabschiedet, während zeitgleich der NFC-Rollout bei allen relevanten Handelsketten stattfand. Seit Januar 2016 macht NFC erstmals in Deutschland Sinn. Während ich zu Beginn als Kunde noch regelmäßig Schulungen für das Kassenpersonal halten durfte, passiert das in den letzten Tagen kaum noch. Die Technologie scheint so langsam bekannt zu werden.

Ich hätte von der Telekom erwartet, dass ein entsprechendes Nachfolgeprodukt ohne Übergangsfrist zur Verfügung steht.

Im Übrigen sollte die Telekom dringend darüber nachdenken, das Onboarding zu vereinfachen. Entweder wie Vodafone Spanien, wo man jede (auch deutsche) Karte hinterlegen kann oder aber ihre internationale Aufstellung dafür nutzen, dass man bspw. eine Bezahlkarte eines polnischen Kooperationspartners auch auf eine deutsche SIM-Karte laden kann.

Aus Kundensicht ist dieses Vakuum mehr als ärgerlich. Auch wenn bis zum 31.05. sicherlich noch ein paar Tage Zeit sind, schaue ich mich gerade aktiv nach Alternativen um. Mittlerweile würde ich sogar nicht einmal mehr vor einem Wechsel des Mobilfunknetzbetreiber Halt machen, obwohl ich seit 1994 im Netz der Deutschen Telekom mobil telefoniere.

Nein, ich will Eure Karte nicht!

Nachdem gestern schon wieder ein Brief von Payback in der Post lag, ist es jetzt an der Zeit mal etwas zum Thema zu schreiben.

Aber mal ganz von vorne: Ich bin seit ewigen Zeiten Payback-Benutzer, da ich häufig bei real,-, DM und Kaufhof eingekauft habe. Irgendwann kamen dann die Online-Aktionen hinzu und seitdem wir in der Firma mit Aral-Tankkarten ausgestattet sind, dann auch noch die Tankstellenumsätze. Da kommt über´s Jahr gerechnet schon einiges zusammen was ich dann zum Teil spende oder aber (Tankkartenumsätze) aus steuerlichen Gründen in Einkaufsgutscheine bei real,- umwandle.

Soweit so gut. Vor einigen Jahren hat Payback eine Bezahlkarte auf den Markt gebracht. Es handelte sich um eine maestro-Debitkarte und der Issuer war die inzwischen verblichene WestLB. Diese Karte war absolut kostenlos, hatte aber den Nachteil dass zu der Zeit die Akzeptanz von maestro ähnlich eingeschränkt war, wie die von VISA und MasterCard.

Dennoch hat diese Karte eine ganze Menge Fans bis heute. Und das liegt sicherlich nicht am Cashback in Punkten (1P für 10€ Umsatz), sondern vielmehr daran, dass diese völlig kostenlose Karte im Ausland ohne Fremdwährungseinsatz nutzbar ist, schon 2009 kontaktloses Bezahlen (PayPass)  geboten hat und man mit ihr sogar im Ausland online bezahlen kann. Einige Airlines erlassen bei deren Nutzung nämlich die Kreditkartengebühr! Zum Schluss sollen wohl noch rund 500.000 dieser Karten im Umlauf gewesen sein.

Irgendwann wurde die Abwicklung der Karte von der WestLB / Portigon auf die BW.Bank übertragen. Eine Möglichkeit zur Neubeantragung wurde zwar in Aussicht gestellt, letztenendes aber nie realisiert. Grund hierfür war wohl die Tatsache, dass nach Übernahme des Payback-Betreibers Loyalty Partner durch den Kreditkartenriesen American Express sich die Pläne für die Zukunft geändert haben.

Seit geraumer Zeit gibt es als Alternative eine VISA (BW.Bank) die im ersten Jahr kostenfrei ist, sowie eine American Express-Karte. Nun erinnern wir uns alle an die Zeit zurück, wo eine Amex-Karte so etwas wie ein Statussymbol war. Kein festgelegtes Kreditlimit, ein Schweizer Bankier der sich mit der Machete durch den Urwald schlägt, nur um dem Kunden eine verlorene Karte zu ersetzen.

Dabei scheinen viele Kunden zu vergessen, worum es bei einer Bezahlkarte (ich verwende bewusst nicht den Begriff „Kreditkarte“) eigentlich geht. Sie soll nämlich Bezahlprobleme lösen, indem der Kunde auch ohne Bargeld stets flüssig ist. Aber genau diese Anforderung erfüllt die Amex neben Diners und JCB zumindest in Deutschland am Wenigsten. In Deutschland regiert die Debitkarte girocard und immerhin haben nach heldenhaftem Einsatz der EU (Senkung der Interchange-Gebühren) mittlerweile die Discounter VISA und MasterCard für sich entdeckt. Im kleineren Einzelhandel und weiten Teilen der Gastronomie ist man noch lange nicht soweit. Den Schritt, dem Handel ähnliche Konditionen wie die anderen anzubieten, will Amex wohl nicht gehen.

Als Folge des mangelnden Interesses an einer solchen Karte, wurde aus dem einstigen Statussymbol American Express mittlerweile etwas, was ähnlich verramscht wird wie Plattenbauwohnungen in Guben oder Handyverträge bei E-Plus. Die einstige Jahresgebühr, die Amex „Mitgliedsgebühr“ nennt, wird bei vielen dieser Karten zumindest für das erste Jahr erlassen (so wie die Miete in der Plattenbausiedlung) und man findet Werber mittlerweile an jedem Flughafen, bei real,- hinter der Kasse (Handyverträge) und fragt sich: Was soll das?

Payback geht noch einen Schritt weiter: Die Jahresgebühr wurde komplett abgeschafft und die Menge der Zusatzpunkte die es wirklich nur bis Ende des Folgemonats gibt (also wirklich, in Echt jetzt, wir meinen das so) auch mittlerweile bis auf 40.000P (=40€) erhöht.

Jetzt kommen wir aber wieder zu meinem „Bezahlproblem“ was diese Karte nicht ansatzweise löst: Ich reise viel in Polen umher. Polen hat eine eigene Währung und für den Auslandseinsatz verlangt diese Karte 2,2% Aufschlag, während die Payback maestro ohne auskam. Hinzu kommt, dass die American Express-Karte im Gegensatz zu maestro, MasterCard und VISA in Polen ähnlich beliebt ist, wie Erika Steinbach.

Ergo: Es gibt für mich keinerlei Grund, diesen Vertrag abzuschließen. Dennoch scheint Payback es nicht aufgeben zu wollen und schickt mir weiterhin Post und versucht mir dieses, für mich wertlose, Stück Plastik schmackhaft zu machen.

Jetzt erzähle ich Euch, liebe Menschen von Payback, mal etwas von „conversion rate“:

Hättet ihr anstatt eines bunten Dummies mit meinem Namen drauf, eine echte Karte geschickt, die ich mit nur zwei drei Mausklicks aktivieren könnte, hätte ich es vielleicht mal ausprobiert. Kostet ja schließlich nichts.

Ihr, bzw. Euer Bankpartner, habt meine Kontodaten, mein Kartenlimit für Decoupled-Debit bei der maestro und auch die Info, dass ich die bisherige Karte wirklich aktiv nutze. Das hätte man auswerten können.

Aber so: Rundordner!