Open’er Festival: No cash? Where is the problem?

Wie einige andere aus unserer Community, so wurde auch ich von MasterCard zum Hurricane-Festival ins niedersächsische Scheeßel eingeladen. 2017 wollte man dort zum ersten Mal die Kartenzahlung mit einem offenen System näher bringen. Leider befand ich mich zu der Zeit schon auf dem Weg nach Polen, wo einige Tage später das Open’er Festival startete. Daher kam meinem Kollegen @MaxFassbrause und mir die Idee auf, mal einen Vergleich anzustellen.

Da sich die Meisten wohl leider nicht so mit Polen beschäftigen, vorweg mal ein paar Worte zum Veranstaltungsort und zum Thema Kartenzahlung in Polen.

Gdynia – lebenswerteste Stadt in Polen

Bei den auch bei uns üblichen Rankings gewinnt Gdynia regelmäßig Vergleichstests was das Thema Lebensqualität angeht. Das liegt zum Einen sicher an der hervorragenden Lage an der Ostsee mit einem Stadtstrand, so wie man es vielleicht von Barcelona kennt. Zum Anderen hat sich Gdynia in den letzten Jahren mit seinem Hafen zu einer der Wirtschaftszentren Polens entwickelt. Hier ist das Pro-Kopf-Einkommen am Höchsten und das sieht man auch.

So verwundert es auch nicht, dass der Veranstaltungskalender der Stadt prall gefüllt ist und inzwischen der eine oder andere Anwohner über die damit einhergehende Verkehrsbelastung klagt.

Die Anreise nach Gdynia ist von mehreren deutschen Flughäfen aus nach Danzig problemlos möglich. Unter Anderem fliegt WizzAir von Dortmund aus. Mit der Bahn erreicht man Gdynia täglich einmal durchgängig von Berlin aus mit einem EuroCity der PKP IC. Umsteigeverbindungen gibt es über Poznań oder Szczecin.

Kartenzahlung in Polen

Polen ist ein Beispiel dafür, dass auch in Ländern mit einer hohen Bargeldaffinität sich durchaus Kartenzahlung flächendeckend durchsetzen kann. Den Anfang machte MasterCard mit PayPass bereits in 2008. Bei meinen ersten Polenaufenthalten war ich 2009 schon in der Lage fast überall mit Karte zu bezahlen. Viele Händler hatten damals schon NFC-Terminals, die meine Payback Maestro ohne Stecken akzeptierten.

Heute sieht es so aus, dass es mit wenigen Ausnahmen in den Städten kein Café, keine Bäckerei und auch keinen Foodtruck mehr gibt, wo man nicht mindestens ein Kartenzahlungsterminal für seine Kunden bereit hält.

Die polnische Regierung, die ja nicht gerade für die Moderne steht, hat gerade erst wieder bekräftigt, dass jeder Bürger in der Lage sein muss, für sämtliche öffentlichen Dienstleistungen aber auch in privaten Geschäften bargeldlos bezahlen zu können. Polen ist da auf einem sehr guten Weg.

Größte Verbreitung in Polen haben Debit-Varianten von MasterCard und VISA. Akzeptiert werden aber selbstverständlich auch Maestro und V-Pay Karten, obwohl diese im Inland nicht (mehr) ausgegeben werden.

Während bei uns noch viele Kaufleute des rückständigen Marktführers EDEKA ausländische Kunden diskriminieren, in dem sie ausschließlich girocard akzeptieren, stellt in Polen jeder Kebapladen Kartenzahlung auch Touristen aus dem Ausland zur Verfügung.

Lediglich mit der Akzeptanz von American Express ist es hier nicht so gut bestellt. Nur wenige Geschäfte haben das Piktogramm an ihren Türen kleben, wobei ich das Gefühl habe, dass die Zahl aktuell zunimmt.

Die Festivallocation

Das Open’er Festival wird auf einer riesigen Fläche des Flughafens Gdynia-Kosakovo ausgetragen. Der Airport ist ein ehemaliger Militärflughafen und wurde in den letzten Jahren für den zivilen Luftverkehr ausgebaut. Aufgrund von Subventionsstreitigkeiten mit der EU ist er allerdings bis heute nicht in Betrieb gegangen. Hintergrund ist auch, dass der benachbarte Flughafen in Danzig (ca. 30 km Entfernung) nicht ansatzweise ausgelastet ist.

Während des Festivals fahren im Minutenabstand Busse vom Hauptbahnhof zum Festivalgelände und wieder zurück. Hierfür hat man bei sämtlichen Betrieben der Region Busse bestellt. Es dürften so um die 150 Fahrzeuge sein, die mit einer kleinen Betriebspause non-stop dafür sorgen, dass die Gäste sicher zum Gelände und wieder zurück kommen.

Während des Festivals haben alle Mobilfunkanbieter ihr LTE-Netz verstärkt. Nachdem es 2014 hier zu einigen peinlichen Ausfällen kam, konnte ich dieses Jahr problemlos Filmaufnahmen vom BlackBerry nach Facebook hochladen und auch das Surfen im Netz war problemlos möglich.

Zwischen den beiden Hauptbühnen befinden sich unzählige Getränke und Imbissstände. Hinzu kommen mehrere Sponsorentempel, wie von MasterCard und Bacardi die abends laut die Technomucke aufdrehen und wo entsprechend getanzt wird. So richtig habe ich nicht verstanden, was das mit einem Festival zu Tun hat. Aber bitte: Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Mittlerweile ist das Line-up ziemlich bunt gemischt. Neben ewigen Größen des Rocks wie den Foo Fighters gibt es inzwischen auch einiges aus dem Bereich Hip-Hop und elektronischer Musik.

Speisen und Getränke

Einer der Hauptsponsoren ist Heineken, nach dem das Festival früher auch benannt war. Daher gibt es dort hauptsächlich Heineken-Biere zu kaufen. Ein Becher (ca. 0,4l) kostet dieses Jahr 9 PLN (2,13€).

Hinzu kommen einige nett gestylte Lounges wo auch Zywiec, Paulaner, Desperados und Co. im Angebot sind. Alle Biere haben aber einen geringeren Alkoholgehalt, was man durchaus auch schmecken kann.

Fruchtsäfte und Wasser gibt es an den Ständen von Tymbark. Red Bull und Nescafé sind hier aber genauso unterwegs wie auch Jägermeister. Ob es einen Jäger Alkoholfrei gibt? Betrunkene Menschen sieht man hier auf dem Festival nämlich äußerst selten!

Das Angebot an Speisen ist vielfältig und reicht von den in Gdynia sehr beliebten belgischen Fritten (16 PLN/3,78€) über Pizza (ab 21 PLN/4,96€), Nudeln (20 PLN/4,72€) hin zu Sushi, Burgern (auch vegan) und polnischen Gerichten wie Bigos (um die 20 PLN/4,72€). Mein Favorit ist allerdings der wirklich mächtige Pulled Pork Burger für 25 PLN/5,90€.

Komplettiert wird das Ganze durch Crepe und Stroopwafel-Ständen. Man kann sich auf dem Gelände durchaus ein paar Tage durchfuttern. Trotz täglich rund 20 km Fußmarsch wird die Waage einem das kaum verzeihen.

Die Preise sind zwar durchaus höher als in der Stadt aber immer noch im Rahmen.

Bezahlung

Das Open’er Festival arbeitet seit 2008 mit MasterCard zusammen. Sämtliche Stände, egal ob Getränke, Essen oder Merchandising sind an das Bezahlsystem des Festivals angeschlossen. Seine Abbuchungen erhält man daher auch vom Festival und nicht vom einzelnen Händler. Die Foodtrucks haben i.d.R. aber noch eigene Terminals für den Notfall dabei. Früher wurden diese auch benötigt, um VISA-Zahlungen anzunehmen. Die Akzeptanz aller Karten abseits von MasterCard und Maestro gibt es nämlich erst seit 2016.

Um die kontaktlose Kartenzahlung zu promoten, wurden in den vergangenen Jahren tausende Prepaid-MasterCards ausgegeben. Diese konnten auf dem Festival gegen Bargeld aufgeladen werden. Restguthaben, und das ist natürlich ein Vorteil eines offenen Systems, ließ sich in jedem Geschäft auf den Kopf hauen, das MasterCard akzeptierte.

Die Abwicklung von Kartenzahlungen, egal ob kontaktlos mit Karte oder Smartphone, mit Chip & PIN oder Chip & Unterschrift erfolgt schnell und routiniert. Man merkt gleich, dass an den Verkaufsständen keine Menschen arbeiten, die privat nie Karten benutzen. Bzgl. der verschiedenen Zahlmethoden gab es auch nie Unstimmigkeiten und Rückfragen.

Um die Wartezeit zu verkürzen wurde die 50 PLN-Grenze für kontaktlose Bezahlungen ohne PIN aufgehoben. Gesteckt mussten allerdings sämtliche Beträge per PIN oder Unterschrift bestätigt werden. NoCVM gab es nicht.

Sämtliche Zahlungen mit Karten in EUR wurden in PLN abgerechnet. Es kam kein DCC zum Einsatz mit dem viele Händler und Gastronomen in Polen versuchen, noch eine schnelle Mark extra zu verdienen.

Als Terminals stehen dieses Jahr ipp 220 von Ingenico mit abgesetztem PIN-Pad und NFC-Leser zur Verfügung. Diese sind überall gut zugänglich.

MasterCard Promotion

Da sich das kontaktlose Bezahlen in Polen mittlerweile so etabliert hat, wie bei uns das Bezahlen mit Bargeld, wurden 2016 schon die alternativ erhältlichen Wertmarken eingestampft. Stattdessen führte man erstmals ein NFC-Festivalbändchen mit MasterCard-Technologie ein.

Die NFC-Armbänder lassen sich auf dem Festivalgelände gegen Bargeld aufladen. Dazu kann man entweder an einen Schalter gehen oder dies gleich selbst an einem der an vielen Stellen zur Verfügung stehenden Self-service-Terminals erledigen.

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Bei einer Aufladung von mehr als 50 PLN erhält der Kunde 10 PLN Gratisguthaben automatisch hinzu.

Zusätzlich zur Kartenzahlung lassen sich dieses Jahr auch Getränke und einige Snacks per Festival-App bestellen und per MasterPass bezahlen. Interessant hierbei ist, dass dem Kunden 25% Rabatt gewährt werden. Ein Bier (0,4l) kostet so nur 6,75 PLN anstatt 9 PLN.

Beim erstmaligen Aufrufen der Funktion wird man gefragt, ob man bereits eine Masterpass-Wallet besitzt:

 

Auf dem nächsten Screen erhält man eine Übersicht von polnischen Banken, die eine gebrandete Version der Wallet anbieten. Ganz klein unten versteckt sich dann der Link um direkt auf die Wallet mit MasterCard-Branding zuzugreifen. Aber Achtung: Nach versehentlicher Auswahl einer polnischen Bank gelangt man nur durch Löschen der Cookies wieder zu diesem Punkt zurück. Einer von vielen Punkten, der Masterpass irgendwie hakelig erscheinen lässt. Unter iOS war das Ganze übrigens komplett integriert in der App und wesentlich einfacher zu handhaben.

Mit meinen deutschen Sparkassen-Kreditkarten war die Zahlung, wie eigentlich immer in den letzten Jahren nicht möglich. Erst nach Hinterlegung einer polnischen Debit-MasterCard funktionierte dann auch die Bezahlung nach der man einen 2D-Barcode erhält. Mit diesem geht man dann zum Heineken-Stand seines Vertrauens. Allerdings gibt es dort pro Stand wohl nur einen Handscanner zwecks Validierung des Barcodes.

Alles in Allem eine nette Idee, aber der Bezahlprozess mit Masterpass ist für Android Telefone dermaßen zeitaufreibend, dass man schon sehr erpicht auf 50 Euro-Cent Ersparnis pro Bier sein muss, um sich das anzutun. Abgesehen von meinem Sparkassen-Problem dauern sämtliche Schritte mit Masterpass so lange, dass es einfach keinen Spaß macht. Wenn man unbedingt PayPal kopieren möchte, dann aber auch bitte in Sachen Geschwindigkeit und Einfachheit.

Wirklich nirgends Bargeld?

Während man für wirklich nichts auf dem Festival Bargeld benötigt, in sofern man nicht sein Festivalarmband aufladen möchte, gibt es jedoch an einer Stelle Bargeld zurück:

Normale alkoholische Getränke dürfen nicht mit in den Bereich vor den Bühnen genommen werden. Dort wird ein ultra-ultra-Light Bier von Heineken verkauft (gefärbtes Wasser). Die dickwandigeren Becher erfordern einen Pfand von 6 PLN der zwar bargeldlos kassiert, aber mit Münzen erstattet wird. Dort sitzt jemand auf einem Hocker mit einer Kiste voller 2 PLN-Münzrollen.

Geldautomaten auf dem Gelände

Geldautomaten befinden sich i.d.R. neben den NFC-Bändchenausgaben. Ich habe vier Stück gezählt, es soll aber noch ein paar mehr geben. Sie werden dieses Jahr von Planet Cash betrieben und lassen sich in polnischer oder englischer Sprache nutzen.

Angeboten werden neben der Barabhebung auch PIN-Services und das Aufladen polnischer Prepaid-Handies.

Der voreingestellte Abhebebetrag liegt bei 20 PLN und damit eher auf Notfallbargeld für Kartenzahler ausgerichtet. Man konnte aber in 20 PLN Schritten einen beliebigen Betrag bei 2000 PLN eingeben.

Mit meiner deutschen Mastercard wurde mir DCC mit einem Aufschlag von rund 10% angeboten, jedoch netterweise nur einmal zum Abschluss der Transaktion gefragt. Hier ist Euronet eindeutig nerviger.

Die Abbuchung von meiner Mastercard erfolgte ohne Betreiberentgelt zum Firstdata-Kurs.

Schlangen waren an den Automaten im Gegensatz zu vor noch einigen Jahren nicht zu sehen. Was auch daran liegt, dass inzwischen die durchaus wahrnehmbaren niederländischen und deutschen Gäste vermehrt mit eigenen Karten dort bezahlen.

Fazit

Bargeld wird in Gdynia auf dem Open’er Festival schon lange nicht mehr benötigt.

 

 

BackWerk Bezahlkarte: Ernsthaft?

Eine der am Schnellsten wachsenden Franchiseketten in Deutschland ist BackWerk aus Essen. Viele der SB-Bäckereien findet man in 1a Lagen wie Einkaufsstraßen und Bahnhöfen. Genau wie bei ALDI Süd und Lidl legt in man letzter Zeit mehr Wert auf ein modernes Erscheinungsbild und gesteigerte Aufenthaltsqualität wie bspw. im Bremer Hauptbahnhof.

Die BackWerk-Franchisebetriebe akzeptieren in Deutschland fast ausschließlich, wie so viele ihrer Wettbewerber, lediglich Barzahlung. Eine Ketten weite Payment-Strategie gab es bislang leider nicht. Dass es durchaus Nachfrage nach einer unbaren Bezahlmethode gibt, zeigen nicht nur einzelne Franchisenehmer die Karten akzeptieren, sondern auch viele Filialen in denen mehr Schildchen mit „No card payment“ hängen als es dort Brötchen zu kaufen gibt.

Für Stammkunden, die sich auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig einen Kaffee und ein belegtes Brötchen holen kommen so schnell werktäglich 4€ zusammen. Macht in einem durchschnittlichen Arbeitsmonat also 88€ Bargeldbedarf. Was liegt also näher, als dem Kunden hier das Leben zu erleichtern.

Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen in der Essener Franchisezentrale. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit einer Vertreterin des Unternehmens vor zwei Jahren auf einem unserer Kundentage erinnern, wo ich damals deutlich darauf hingewiesen habe, dass die Zukunft den kontaktlosen Verfahren mit gängigen Bank- und Kreditkarten gehört.

Vor einigen Tagen veröffentlichte BackWerk auf seiner Facebook-Seite eine News über die neue BackWerk-Karte. Eine NFC-basierte Kundenkarte die sowohl Loyalty-Funktionen besitzt (anstelle der Stempelkarte die einem den jeweils elften Kaffee gratis gewährt) und zur Bezahlung in den Bäckereien dienen soll. Für Android-Nutzer gibt es das ganze auch als App.

Die Sache hat nur einen Haken: Man kann online zwar seinen Konto- & Punktestand einsehen aber das war es dann auch. Das Aufladen der Karte funktioniert ausschließlich gegen Bargeld in den teilnehmenden BackWerk-Filiallen.

Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2017. Das Jahr, indem nicht nur der NFC-Rollout bei den großen Handelsketten (mit Ausnahme von EDEKA, aber das ist eine andere Geschichte) abgeschlossen ist, sondern kompatible Terminals in Cafés, Gaststätten, Zeitungsläden und sogar an den Bahnhofstoiletten finden sind. 2017 ist auch das Jahr, indem die Sparkassen ihre Kreditkarten mit NFC ausstatten werden. Und selbst für den Otto-Normalverbraucher hat sich etwas getan: Des Deutschen liebste Karte, die girocard, ist kontaktlos. Genossenschaftsbanken und Sparkassen planen schon die Einführung der girocard als App für Android Smartphones.

Das Thema NFC nimmt langsam Fahrt auf. Ich sehe täglich stets mehr Leute kontaktlos auch für kleinere Beträge bezahlen. Vor einem Jahr war ich noch der Exot der partout seine Karte (oder das Smartphone) nicht aus der Hand geben wollte. Das ändert sich gerade schlagartig.

So richtig kann das mit der Closed-Loop-Karte also nicht Euer Ernst sein, oder? Klar, ihr sagt auf Eurer Facebook-Seite dass das bargeldlose (haha) Bezahlen nur ein Nebenaspekt sei. Aber mal im Ernst: Dieses ganze Stempelkartengedöns ist doch sowas von 1978. Wenn ich im Bahnhof stehe und die Schlange bei BackWerk zwei Mal länger ist, als bei Le Crobag, dann hole ich dort meinen Kaffee.

Ihr werdet jetzt sagen: Aber Starbucks macht doch auch so etwas. Ja, aber zum Einen ist BackWerk nicht Starbucks und zum anderen bietet deren Kundenkarte das Aufladen per Kreditkarte im Web oder im Store an und es gibt dazu dauerhafte Anreize wie den Extrashot Espresso im Gegenwert von 80 Cent. Pro Kaffee versteht sich.

Nun gut, der Kaffee ist bei Starbucks auch etwas teurer als bei Euch. Aber dennoch versucht man es dem Kunden in Sachen Payment gleich auf mehrere Arten leichter zu machen. Starbucks hat mit Ausnahme einiger von SSP betriebenen Stores seit Jahren kontaktlose Kartenterminals und das ohne einen Mindestumsatz. Ich zahle dort regelmäßig auch einen einfachen Espresso mit MasterCard.

Beruhigend finde ich übrigens, dass sich neben mir noch eine Vielzahl anderer User auf Facebook fragen, wieso man nicht auf kreditwirtschaftliche Standards gesetzt hat.

Da kann man nur sagen: Zeichen der Zeit nicht erkannt!

Achtung: Autom. Währungsumrechnung (DCC) jetzt auch kontaktlos

Alle Jahre wieder, immer kurz nach Beginn der Hauptreisezeit, häufen sich die Beschwerden über überhöhte Kartenabrechnungen bei Einsatz in Fremdwährung. Das dahinterliegende System nennt sich DCC (Dynamic Currency Conversion) und soll dem Kunden im Idealfall die Möglichkeit geben, günstiger als zu den Konditionen seines Kartenherausgebers, im Ausland zu bezahlen.

Zumindest bei deutschen Kunden trifft das nur in seltenen Fällen zu. Solche könnten sein, wenn bspw. Kunden der Deutschen Bank oder vieler Sparkassen ihre girocard (Maestro oder V-Pay-Funktion) einsetzen. Hier wird häufig ein Minimalentgelt (0,77€-1,50€) pro Zahlung angesetzt.

In aller Regel aber, trifft das für deutsche Kunden nicht zu, die zur MasterCard oder VISA-Karte greifen und normalerweise zwischen 0% und 1,85% Umrechnungsgebühr bezahlen würden. Der Aufschlag der Händler liegt fast immer deutlich darüber.

Die Regeln besagen, dass der Kunde aktiv vor die Wahl gestellt werden muss. Entweder durch die Kassenkraft (die teilweise mit Suggestivfragen gezielt in die Irre führt) oder direkt am Terminal. Wenig intuitive (oder bewusst verwirrende) Bedienerführung sorgen dann auch oft dafür, dass der Kunde am Ende gegen seinen Willen der Umrechnung zustimmt.

Bislang galt der Tipp: Wenn möglich kontaktlos zahlen. Leider ist der nun obsolet. Ich habe heute das erste CCV-Terminal gesehen, wo nach dem „Tap“ der Kunde nach der Währungsumrechnung gefragt wurde. Das lief zwar in diesem Falle sehr transparent ab, hat aber dennoch nicht verhindert, dass ich unkonzentriert wie ich war, daneben getippt habe.

Also: Schön aufgepasst am POS und im Zweifelsfalle die Kassenkraft bitten zu stornieren!

Update 11.05.2017: Nach mehreren Leserhinweisen, soll es DCC bei NFC schon seit Längerem geben und bspw. auch in Polen angewandt werden. Also: Augen auf an der Kasse!

boon & Apple Pay im Alltagstest

Auch wenn Apple Pay noch nicht offiziell in Deutschland gestartet ist, so gibt es dennoch mit boon von Wirecard eine auch für den Laien leicht über den französischen AppStore zu beziehende Prepaid-Alternative zur eigenen Kreditkarte in der Wallet.

Boon ist im Frühjahr 2016 zunächst in UK gestartet. Aufgrund der doppelten Währungsumrechnung habe ich das Produkt zunächst nur zu gelegentlichen Tests eingesetzt, um festzustellen, in wie weit die Terminals der Händler in Deutschland schon kompatibel waren. Denn schon damals wurde den Nutzern von Apple Pay versprochen, dass sie an jedem NFC-fähigen Terminal weltweit willkommen wären. Das war zu der Zeit allerdings noch Wunschdenken.

Jetzt, mit dem Marktstart in Frankreich, macht boon natürlich auch für einen deutschen Konsumenten Sinn. Die Registrierung bei wirecard erfordert keine Fake-Adresse und man kann bequem via SEPA-Überweisung sein Konto schnell und kostenlos auffüllen. Die manuelle Aufladung ist weiterhin mit VISA-Karten einiger Issuer kostenlos.

Nach nunmehr rund drei Monaten mit boon, ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wie alltagstauglich ist Apple Pay in Deutschland im Jahre 2017 wirklich?

Supermärkte und Discounter

Egal, ob Lidl, ALDI oder REWE: Mit boon ist man überall flüssig und der Zahlungsprozess läuft angenehm schnell vonstatten. Mindestumsätze gibt es hier nicht. Über EDEKA kann ich leider nichts Positives sagen. Die Märkte, die ich kenne, arbeiten noch mit alten Artema Hybrid-Terminals und nehmen teilweise sogar 10€ Mindestumsatz. Logisch, dass ich da lieber zum Wettbewerber gehe.

Essen und Trinken

Starbucks akzeptiert schon seit Langem kontaktlose Zahlungen. Das funktioniert mit Apple Pay ebenfalls. Bei McDonalds, KFC und Burger King kann man sagen: Überall, wo MasterCard kontaktlos akzeptiert wird, funktioniert auch boon. Es gibt nur noch wenige Franchisenehmer, die sich auf die girocard oder gar Barzahlung beschränken.

Vapiano, als einer der ersten deutschen Ketten mit PayPass-Akzeptanz, verarbeitet auch Zahlungen mit Apple Pay zuverlässig. Der Wettbewerber L´Osteria hat hingegen NFC an allen Terminals deaktiviert.

Auf Reisen

Positiv getestet wurden die Tankstellen Esso und Aral, wobei ich bei Aral aber auch gelegentlich auf Terminals gestossen bin, die Fehlermeldungen produzierten. Hier ist es immer sinnvoll, eine normale Karte dabei zu haben.

Sowohl an Autobahnraststätten als auch an großen Bahnhöfen ist es inzwischen möglich, die Toiletten mit NFC zu bezahlen. Bei Sanifair funktioniert Apple Pay problemlos. Die Rail & Fresh-Toiletten von Hering sorgen noch manchmal für Probleme. Auch hier ist eine zweite Kreditkarte (oder eine 1€-Münze) sehr zu empfehlen.

Bahn- und ÖPNV-Tickets lassen sich heute noch nicht mit Apple Pay erwerben. Die meisten kommunalen Betriebe beschränken ihre NFC-Akzeptanz auf girogo. Die Deutsche Bahn hat NFC in ihren Reisezentren deaktiviert und deren Automaten haben heute noch keine entsprechenden Lesegeräte.

Abseits des Mainstreams

Dass die großen Kettenbetriebe bereits für Apple Pay ausgerüstet sind, verwundert nicht weiter. Damit ein Zahlungssystem im Alltag funktioniert, ist es jedoch wichtig, wie es um die Akzeptanz in kleineren Geschäften und Restaurants bestellt ist.

Meine Challenge bestand daher auch darin, genau an solchen Orten zu testen, wo man es nicht unbedingt erwartet.

Egal, ob in der Apotheke in Duisburg-Ruhrort, einem Griechen in Ottersweier, der Linde in Sasbach oder an der Hotelbar im ibis: Das System funktioniert einfach. Inzwischen haben auch viele kleinere Betriebe im Rahmen der üblichen Zyklen neue Terminals erhalten, die Mastercard und VISA kontaktlos verarbeiten.

Klar, dass es fast überall noch ungläubig staunende Gesichter gab, aber das sind wir Payment Nerds ja schon von unseren kontaktlosen Karten gewöhnt.

Immerhin konnte ich in den letzten drei Monaten etwas über 1.500€ geschäftlichen und privaten Umsatz über boon abwickeln.

Alles super, oder?

Ja, aber mit einer Einschränkung: Betrachtet wurden natürlich nur Akzeptanzstellen, die heute schon MasterCard kontaktlos verarbeiten. Interessant hierbei: Restaurants in der Badischen Provinz gehören häufiger dazu als solche in der Kölner Innenstadt, wo es häufig heißt „Nur Bargeld“ oder „EC-Karte ab 20€“.

Insgesamt inzwischen eine gute Ausgangsbasis für den Marktstart von Apple Pay in Deutschland, aber für den großen Durchbruch fehlen natürlich noch die ganzen Läden, die heute ausschließlich auf Bargeld setzen.

Wenn man aufmerksam lauscht, so scheint auch hier langsam ein Umdenken einzusetzen und die Anzahl der Terminals steigt insgesamt. Ob hier aber konsequent auf die Implementierung aller Kartenverfahren gesetzt wird, oder aber bei girocard kontaktlos Schluss sein wird, bleibt abzuwarten.

Hier liegt der schwarze Peter aber ganz eindeutig bei den Acquirern, ihre unsägliche und in Zeiten von N26 & Co. überholte Kommunikationsstrategie in Richtung ihrer Kunden zu ändern. Die Kreditkarte, die häufig gar keine ist, ist schon lange nicht mehr nur Zahlungsmittel der kaufkräftigen, zumeist ausländischen Touristen, die sich eher seltener in eine Gelsenkirchener Straßenbahn verirren.

Für viele Bankkunden sind MasterCard oder VISA inzwischen die präferierten Zahlungsmittel, Die girocard dient häufig nur noch als Backup, so sie sie nicht ganz verschmähen.

Bargeldlos zur CeBIT 2017

Mein erstes Mal ist schon eine ganze Weile her: Anno 1992 war ich zum ersten Mal auf der CeBIT als Gast. Mein erstes Mal als Unteraussteller war 1993 am Stand von ZyXEL Communications. Zur Hochzeit der damals noch nicht Post/BZT-zugelassenen Modems mit denen man sich in privaten Mailboxen einwählen konnte. Ich habe also quasi das Ende des Postmonopols und den Start der digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 hautnah miterlebt.

Schon zu der Zeit war ich kein Freund von Bargeld und glücklich darüber, dass man in den Messerestaurants mit Kreditkarte bezahlen konnte. Leider war das in den frühen 1990ern an den vielen Wurstständen, Snackbars und Eisständen noch nicht möglich.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Die NFC-Welle rollt über unser Land und selbst die sonst so zurückhaltenden Discounter sind Apple Pay-ready. Man sollte meinen, dass dies auch seine Spuren auf der Welt größten ITK-Messe hinterlassen hätte. Aber lest selbst.

Die Anreise

Wie üblich habe ich die Reise mit der Bahn angetreten. Während zu Anfang des Jahrtausends schon drei Monate vorher nicht mehr an eine Sitzplatzreservierung zu Messezeiten zu denken war, sieht das anno 2017 anders aus. Selbst vier Wochen vor dem Reisedatum waren noch Sparpreise erhältlich. Für die Fahrt in der 1. Klasse (Hin mit dem IC2 und zurück mit einem ICE) habe ich knapp 75€ bezahlt. Das kann sich sehen lassen.

Mein Frühstück habe ich wie immer bei REWE To Go im Kölner Hauptbahnhof gekauft. Im IC2 gibt es nämlich nur einen Am-Platz-Service der auf Bargeld besteht. Am Montag kam noch hinzu, dass die Experten es nicht einmal geschafft haben, Kaffee zu liefern. Wohl dem, der vorgesorgt hat.

Da mein Ticket lediglich bis Hannover Hbf galt, tat sich hier die erste Falle auf. CeBIT-Tickets gelten wohl seit einigen Jahren nicht mehr automatisch als Ticket für den ÖPNV im Großraum Hannover. Mit der City-Ticket-Funktion des Fernverkehrstickets kann man aber lediglich die U-Bahn 8/18 zur Messe Nord nehmen. Wer sich also in einen Metronom zum Messebahnhof Laatzen setzt, fährt schwarz.

Die Automaten der Üstra akzeptieren übrigens immer noch nur die deutsche girocard und GeldKarte. Für eine Messestadt ist das mehr als peinlich. Aber Düsseldorf ist da ja auch keinen Deut besser.

Die Bahnen waren angenehm leer und es gab auch keinerlei Schlange am Eingang. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Aber bei einem Rückgang von 800.000 Besuchern im Rekordjahr 2001 auf jetzt erwartete 200.000 Besucher auch kein Wunder.

Auf dem Messegelände

Mit erster Besuch führte mich zum Stand von SecuSmart, der BlackBerry-Tochter die unsere Kanzlerin mit einem speziell gesicherten BlackBerry Q10 ausgestattet hat. Kollegen meiner Firma GFI haben dort am Montag und Dienstag interessierten Kunden Rede und Antwort zu den BlackBerry-Softwarelösungen gestanden.

Auf dem Weg dorthin hieß es natürlich: Augen offen halten.

Sowohl auf dem Außengelände als auch in den Hallen waren an den Verkaufsständen leider keinerlei Akzeptanzsticker zu sehen. Neben den Registrierkassen waren auch keine Kartenterminals zu sehen.

Mit Ausnahme eines „Healthy-Food“-Stands in Halle 11, dort wo sich viele Startups präsentierten, waren Kartenterminals nur in den Restaurants zu finden.

Damit hat sich gegenüber 1992 eigentlich so gut wie nichts verändert. Immerhin ließ sich in der Pizzeria an Halle 14 kontaktlos mit Apple Pay bezahlen. Das Essen war lecker und preislich völlig im Rahmen.

Besonders positiv zu erwähnen: Ich habe den Bewirtungsbeleg irgendwo auf dem Messegelände verloren. Meine E-Mail-Anfrage mit den Kartenzahlungs- und Produktdaten wurde von der Catering-Firma der Messe prompt beantwortet. Bereits am frühen Morgen erhielt ich ein PDF mit einer Belegkopie. Das nenne ich wirklich mal 1a Service!

Nach einigen weiteren Standbesuchen habe ich mich mit Juliane und David von MasterCard in besagter Halle 11 zum Kaffee getroffen. Es ist immer wieder schön, Menschen die man sonst nur von angeregten Twitter-Diskussionen kennt, im echten Leben zu treffen. Und beschäftigte natürlich die Frage, wie es mit Payment in den nächsten Jahren weiter geht und welche besonderen Herausforderungen wir in Deutschland noch zu bewältigen haben.

Vertane Chance

Die CeBIT war immer die Leitmesse für IT und Kommunikation und das Aushängeschild für den Technologiestandort Deutschland. Auch Akquirer sowie die Hersteller von Kartenterminals und Online-Payment-Lösungen waren früher immer mit großen Ständen vertreten.

Wo, wenn nicht nicht hier, sollte man eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen?

Es ist schon klar, dass für die überschaubare Anzahl von Messetagen nicht für jeden Eisstand ein Verifone H5000 gekauft oder dauerhaft gemietet werden kann. Genau hierfür wurden aber die Einfachterminals entwickelt, die es von Concardis, iZettle und Co. ohne Grundgebühr für kleines Geld zu kaufen gibt. Bei den Margen sollten die 0,95%-2,7% absolut keine Rolle spielen. Und wenn doch, können das Magnum oder die Bratwurst gerne 10 Cent teurer werden. Auf der Messe achtet da eh niemand drauf.

Weiterhin frage ich mich, wieso es problemlos möglich ist, vom kompletten Messestand, bis hin zur Kaffeemaschine und Zierpflanzen alles für die fünf Tage mieten zu können. Nur  bei Kartenterminals scheint dies immer ein Problem zu sein.

Wo sind die Akquirer oder sogar die Schemes mit entsprechenden Angeboten? Es kann doch nicht so schwer sein, für solche Events mal 100-200 aktuelle Terminals auf Lager zu halten und so Werbung in eigener Sache zu betreiben. Ich gehe sogar soweit, dass man im Grunde auch auf sämtliche Interchange- und Technikgebühren verzichten sollte und den Käufern darüberhinaus 5-10% Rabatt auf die gekauften Artikel gewähren oder aber auf die Bargeldakzeptanz komplett verzichten sollte.

Auf einer Messe für Fachpublikum wird sich sicherlich niemand finden, der nicht mindestens eine girocard im Gepäck hat.

Die Rückfahrt

Zum Schluss wurde es noch mal ein wenig hektisch, da ich noch meinen Mantel in Halle 6 abholen durfte. Aber ich habe es dennoch pünktlich zum Hauptbahnhof geschafft.

Auf den Bahnsteigen stehen immer noch die von GEILE Warenautomaten betriebenen Snackautomaten mit girogo-Akzeptanz. Der Bezahlprozess hat dort nie, wie auf dem Automaten beschrieben, funktioniert. Statt „Select, Tap, Go“ musste man „Tap, Select, Tap, Go“ machen. Auch nur etwas für Eingeweihte. Auf den Hinweis der falschen Anleitung und der vom Kartensensor nicht abgeschliffenen MasterCard und VISA-Logos hat GEILE nie geantwortet. Das kennt man aber von Selecta in Deutschland auch. Ganz anders die Schweizer!

Die Automaten funktionieren allerdings, wie einige andere auch, nicht mehr mit den neuen Sparkassen-Karten mit girocard kontaktlos und girogo auf einer Karte. Ich habe das im November gemeldet und es sollte eigentlich kurzfristig behoben werden. Leider Fehlanzeige. Aber nun gut: girogo ist eh tot und die GEILE Automaten werden bundesweit eh sukzessive von Selecta-Automaten abgelöst.

Der Zug lief pünktlich in Hannover ein. Zeit, für einen Kaffee aus dem BordRestaurant, der mir an den Platz gebracht wurde. Leider musste ich hierfür meine MasterCard aus der Hand geben. Eigentlich ein No-Go aber die Bahn ist da einfach noch nicht soweit.

 

 

Bargeldlos in Genf

Anlässlich der Installation einer Unified Communication-Lösung, die MIFID II konform auch die Telefonate, die über Mobiltelefone geführt werden, aufzeichnet, hat es mich für zweieinhalb Tage nach Genf verschlagen.

Selbstredend habe ich nebenbei auch testen wollen, wie es um die Akzeptanz bargeldloser Bezahlverfahren in der Schweiz steht.

Aufgrund meines Kartenportfolios hatte ich nicht wirklich Lust, Bargeld am Automaten zu ziehen (4,50€ mit der SparkassenCard +1%) und habe es dieses Mal wirklich auf Zero-Cash angelegt. Da ich mit der SparkassenCard (girocard plus maestro) mind. 0,77€ pro Zahlung berappen darf, war die Karte der Wahl eine MasterCard Gold meiner Sparkasse mit 1% Fremdwährungszuschlag. Weil die Karte dazu noch Chip&Signature und kein NFC unterstützt, war der Kugelschreiber mein bester Freund.

Die Reise habe ich, wie meistens, mit der Bahn unternommen. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt in der ersten Klasse des ICE hat 140€ gekostet. Ich habe es als Handyticket bezogen und mit besagter MasterCard beglichen. Für die Fahrt zum Hauptbahnhof musste ich noch ein Einzelticket bei der KVB erwerben. Das Ganze natürlich als Handyticket.

An der Haltestelle wurde ich von einem Anfangzwanziger angesprochen, ob ich ihm nicht einen Fuffi für das Ticket wechseln könnte. Meine Hinweise auf die GeldKarte („habe ich nicht geladen“) und die App der KVB bzw. HandyTicketDeutschland („habe ich auch nicht“) fand wenig Gegenliebe. Da habe ich mir es erspart zu fragen, ob dieser Payment mäßig unterversorgte Mensch vielleicht die PayPal App auf seinem iPhone hat. Ich hätte ja meine, stets geladene, GeldKarte nehmen können, um ein Ticket für ihn zu kaufen. Das nur am Rande.

Für die Reise habe ich mich im REWE-to-Go am Kölner Hauptbahnhof noch mit etwas Proviant eingedeckt. Den Kleinbetrag von 3,80€ habe ich kontaktlos mit einer Debit MasterCard beglichen. Das erstaunt dort inzwischen auch niemanden mehr.

Mit dem ICE ging es nach Basel SBB und weiter mit Umstieg in Biel/Bienne mit einem Neigetechnikzug (ICN) nach Genf. Die Fahrt verlief inkl. der zwei Umstiege reibungslos. Im Zug habe ich meine letzten EUR-Münzen gegen einen Kaffee getauscht. Ich war ehrlich gesagt zu faul, um aufzustehen und selbst ins Bistro zu rennen oder den APS-Mitarbeiter mit der Karte loszuschicken.

In Genf angekommen, ging es erst einmal ins Hotel. Das ibis Centre Gare liegt nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof und wurde vor Kurzem im neuen ibis Design renoviert. Das Frühstück hätte etwas umfangreicher sein können. Da bin ich aus Wien und Kraków ehrlich gesagt Besseres gewohnt. Ansonsten ist dieses Hotel nur zu empfehlen. Freundliche Mitarbeiter, gute Lage und bequeme ibis-Betten.

Da uns am ersten Abend nicht gerade nach Experimenten zu Mute war, zog es uns zum Essen ins Vapiano. Im Nachhinein betrachtet war das wohl ein Fehler. Das Preisniveau lag, wie in der Schweiz üblich, mind. um den Faktor 2,5 höher als in Deutschland. Dafür war das Essen OK, aber nicht brilliant. Zu ähnlichen Preisen haben wir in Genf Besseres erhalten.

Beim Vapiano fiel zuerst auf, wie normal DCC mittlerweile in der Schweiz ist. Dieses System, dass dem Kunden den Service bietet, in Heimatwährung zu bezahlen, ist aufgrund der schlechten Wechselkurse ein Quell ständigen Ärgers. Vorgabemäßig war an den Würfelterminals die Belastung in EUR eingestellt. Die Bedienung (Pfeiltaste nach unten oben am Würfel, dann OK unten auf dem PINPad) ist für Ungeübte doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Weiter ging es in eine Brasserie am Place du Molard mit Hausbrauerei. Ein halber Liter Bier kostet, je nach Sorte, zwischen 8,40€ und 9,40€. Hier wurden ebenfalls alle Karten genommen und es kam wieder die Frage nach DCC.

Den Rückweg haben wir mit der Tram angetreten. Das ist übrigens eine ganz tolle Sache der Genfer Hoteliers. Jeder Gast erhält für die Dauer seines Aufenthalts eine Karte für den ÖPNV. In unserem Fall war diese drei Tage gültig, was einem Preisvorteil von 30 CHF entspricht.

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Das ÖPNV-Netz ist gut ausgebaut. Es fahren in dichtem Takt eine Vielzahl von Bussen, Trolleys und Trams. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der City liegt aber irgendwo im Bereich den man auch zu Fuß schaffen könnte. Für diejenigen, die ihre ÖPNV-Tickets bezahlen müssen, bieten die Automaten neben der Zahlung mit CHF und EUR (!)-Münzen auch die Akzeptanz aller gängigen Karten an. Das las sich auf einer Travelseite zu Genf übrigens ganz anders. Das nur am Rande.

Insgesamt zwei Mal waren wir in der Spaghetti Factory zu Mittag. Das Essen war um Längen besser als im Vapiano Genf, die Mitarbeiter super aufmerksam und freundlich und überraschte dadurch, dass DCC gar nicht erst angeboten wurde. Man hatte seine mobilen Terminals auch nicht von Six….

Abends hatte ich noch einen englischen Pub im Visier, aber dort gab es keine Akzeptanzzeichen der Tür, dafür aber Burger zu McDonalds-Konditionen (11 CHF). Also haben wir noch etwas weitergesucht und eine nette Pizzeria gefunden. Dort hingen zwar auch keine Akzeptanzlogos, aber wir wurden dort quasi vom Chef mit den Worten „Credit card? No Problem!“ empfangen und in den Arm genommen. Das Pizzen waren wirklich gut, auch wenn Preise um 23CHF bei uns Touristen aus Niedriglohnländern ein Stöhnen hervorrufen.

Die letzte Stationen waren ein Starbucks und die Hotelbar des ibis. Der Starbucks bot kein DCC an. Das Hotel jedoch schon. Die Dame an der Rezeption hat beim Checkout auch offen zugegeben, dass sie jedem Gast die Zahlung immer in Landeswährung empfiehlt.

Am Ende der Reise stand der (CHF) Bargeldzähler bei 0€. Das musste dann mit Hefeweizen im ICE gefeiert werden. Natürlich mit MasterCard bezahlt.

Was die Verbreitung der Kontaktloszahlung angeht: Eigentlich sieht man fast überall NFC-fähige Terminals. In der Gastronomie wo der Kellner das Terminal bedient, wird aber dennoch die Karte defaultmäßig gesteckt.

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Fazit:

Bargeldlos in der Schweiz geht, auch wenn es sicherlich Orte gibt, die noch keine Karten akzeptieren. Für einen umfänglichen Test müsste man aber auch Bäckereien, kleinere Dienstleistungsgeschäfte etc. mit einbeziehen. Dazu war in den zwei Tagen aber leider keine Zeit. Im und um den Genfer Hauptbahnhof hat man aber überall die Akzeptanzlogos der gängigen Kartenanbieter in der Tür hängen sehen.

Update zum Thema DCC:

Der Schweizer Zahlungsdienstleister verspricht den Kunden eine Rückerstattung, wenn der Kurs seiner Hausbank günstiger als DCC sein sollte. Das finde ich in sofern bemerkenswert, als dass dies bei den im Terminal angezeigten Kursen durchgängig der Fall war. Da hofft man wohl darauf, dass der Kunde zu faul ist.

Unterwegs im ÖBB Nightjet

Die meisten Bahninteressierten werden es bereits mitbekommen haben. Nach mehreren Fahrplanwechseln mit Linienkürzungen und Streichungen, hat sich die Deutsche Bahn endgültig aus dem Geschäft mit den klassischen Nacht- und Autozügen verabschiedet.

Offiziell wird dieser Schritt mit den hohen Verlusten und dringendem Investitionsbedarf begründet. Kenner der Materie werfen der DB allerdings einige üble Taschenspielertricks vor, die die Verluste künstlich in die Höhe getrieben haben, um die Nummer beim Aufsichtsrat durchzubekommen.

Sei es, wie es mag. Neben einigen saisonalen Angeboten privater EVUs, sind die österreichischen Bundesbahnen in die Bresche gesprungen und haben ehemals gemeinsam betriebene Linien nun unter eigener Regie übernommen. Einige ehemalige DB-Angebote in Richtung Schweiz haben die ÖBB ebenfalls übernommen.

Warum Nachtzug

Da ich fast alle meine Reisen mit der Bahn tätige, stehe ich häufiger vor dem Problem, dass Reisezeit und nutzbare Zeit am Zielort nicht unbedingt in einem guten Verhältnis zu einander stehen. Für die Strecke von Köln nach Wien benötigt der direkte ICE 9h15. Die schnellste Verbindung mit Umstieg in Frankfurt immerhin noch 8h15. Rechnet man den Vor- und Nachlauf mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein, so gehen fast immer zehn Stunden für eine Strecke drauf. Sicher, man kann im ICE arbeiten, dösen, essen oder sich betrinken. Der Tag aber, ist so oder so hinüber.

Mit dem Nachtzug hingegen gewinnt man im Idealfall einen Tag. Gerade für verlängerte Wochenenden in der Donaumetropole ideal!

Im konkreten Fall habe ich ein paar Tage rund um den Jahreswechsel 2016/2017 in Wien verbracht (siehe auch: Bargeldlos in Wien). Entgegen dem ursprünglichen Plan am 2. Januar nach Hause zu fahren und erst gegen 23:00 in der Wohnung zu sein, habe ich am 23.12. noch einmal spontan nach Preisen für den Nightjet am 01.01. gesucht. Trotz der relativ kurzen Zeit bis Reiseantritt habe ich noch einen guten Preis erhalten (siehe unten). Rechne ich die gesparten Übernachtungskosten von knapp 100€ inkl. Frühstück heraus, so kann man das Ticket durchaus als Schnäppchen bezeichnen. Da lohnte es sich auch, das bereits vorhandene Sparpreisticket für den ICE gegen Gebühr zu stornieren.

Freier Eintritt in die Lounge

Die ÖBB bietet allen Reisenden im Schlafwagen, unabhängig von einer Statuskarte, den freien Zugang zu ihren Lounges am Tag der Reise. Da das Wetter an dem Tag zusehends schlechter wurde, war ich für das Angebot sehr dankbar.

Die Lounge im neuen Hauptbahnhof verfügt über bequeme Sitzlandschaften mit Tischen und Steckdosen an fast jedem Platz. Neben den üblichen Softdrinks und – genießbaren – Kaffeespezialitäten gab es auch Gösser Pilsener aus der Flasche, ein paar Knabbersachen und etwas, was wie Kuchen aussah.

Die dreieinhalb Stunden bis zur Abfahrt des Nightjets vergingen dort wie im Flug.

Das Boarding

Ich wurde von zwei Stewards des Caterers „Newrest Wagon Lits“ freundlich empfangen. Der jüngere der beiden Herren sollte übrigens ab Passau die Zugführerbinde übernehmen. Er hatte nämlich die entsprechende Ausbildung in seiner Zeit bei der DB absolviert.

Nach Abfahrt in Wien wurden erst einmal die Tickets kontrolliert und die Bestellungen für das Frühstück und den Weckdienst aufgenommen.

Jeder Schlafwagengast wurde darüberhinaus mit einem kleinen Willkommenspaket begrüßt, in dem sich u.a. Hausschlappen, eine Piccolo-Flasche Prosecco und Ohropax-Stöpsel befinden.

Das Abteil

Ein Argument der DB für die Einstellung des Nachtverkehrs war auch das veraltete Wagenmaterial und der angeblich niedrige Standard. Der Schlafwagen des Zuges war von der Bauart  WLABmz173.1 und von der DB Autozug übernommen. Erkennbar auch an der rot/lichtgrauen Lackierung. Bis zur Überarbeitung durch die ÖBB wird der auch noch einige Monate so weiter fahren.

Die Einschätzung aus dem Bahntower kann ich so gar nicht nachvollziehen. An vielen Stellen im Abteil und Dusche/WC an den Waggonköpfen kam schon das aus den ICE bekannte Holz in Multiplex-Optik zum Einsatz. Die Betten auch im 2. Klasse-Abteil haben eine angenehme Breite von einem Meter und eine bequem harte Matratze. Lediglich die Fensterdichtungen hätten mal überarbeitet werden können.

Im Standard-Abteil findet sich hinter Klapptüren ein Waschtisch mit Spiegel und Steckdose für Rasierer.

Die Abteile lassen sich verschließen. Für den Zutritt von Außen gibt es eine Schlüsselkarte mit Lochkartenmuster.

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Eine weitere Steckdose befindet sich am Kopf des untersten Bettes und ist für eine Leistung von 150W ausgelegt. Wer also mit vielen Geräten und/oder mehreren Reisenden in so einem Abteil unterwegs ist, sollte über Akkupacks und Mehrfachstecker nachdenken. Hier könnte die ÖBB sicher noch etwas nachlegen. Genauso wäre WLAN sinnvoll.

Sanitäre Einrichtungen

Im Schlafwagen gibt es – neben den in die Deluxe-Kabinen integrierten Duschen und WC´s – jeweils ein WC und ein kombiniertes WC mit Duschkabine am Kopf. Die Sauberkeit war gegeben. Lediglich die Papierkörbe sind ein wenig zu klein, so dass stets benutzte Papierhandtücher hinaushingen. Das sieht nicht schön aus. Aber im Grunde kennt man das aus den ICE. Einige Pappnasen verstehen die englische Aufschrift „Push“ nicht und stopfen ihre Papiertücher in sämtliche Öffnungen der Schränke der WC-Kabine….

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Wer morgens wirklich duschen möchte, sollte aber ein Deluxe-Abteil wählen. Schließlich kann niemand garantieren, dass zur gewünschten Zeit die Kabine frei ist. Wer, wie ich, am Zielort wohnt, kann sich den Aufpreis lieber sparen und stattdessen zu Hause duschen. Als Alternative gibt es in vielen größeren Stationen in Deutschland aber auch Duschkabinen in den WC-Anlagen der Bahnhöfe.

Verpflegung an Bord

Nachdem die Ticketkontrolle durchgeführt wurde, hatte ich die Möglichkeit beim Steward eine Kleinigkeit zu Essen zu bestellen.

Ich habe mich für eine Gulaschsuppe entschieden, die recht schmackhaft, aber ein wenig zu kühl war. Für 5,60€ inkl. recht sättigender Sandwiches als Beilage ein mehr als fairer Preis, der allerdings bar zu entrichten war.

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Um besser Essen zu können, wurde ein kleiner Tisch aufgebaut. Diese befinden sich normalerweise hinter Klappen im Gang des Waggons. Nach dem Essen wurde der Tisch schnell wieder abgebaut und das Bett ausgeklappt.

Kann man im Schlafwagen wirklich schlafen?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Es soll ja Leute geben, die selbst ohne Alkoholeinfluss tief und fest auf einer Bassbox in der Disco schlafen können. Ich bin da leider etwas empfindlicher und das ist auch das große Manko der Schlafwagen.

Zum Einen gibt es eine ganze Reihe von Lichtquellen, wie bspw. floureszierende Aufkleber, beleuchtete Schalter und ein kleiner Spalt unten an der Tür, wo sich das Blech etwas verzogen hat.

Zum Anderen brummt quasi die ganze Zeit die Belüftung. Lediglich beim Flügeln des Zuges in Nürnberg sowie während Recuperationsphasen ist es eine Weile ruhig. Das kann schon ganz schön nervig sein. Getoppt wird der Soundteppich allerdings von der Spülung des WCs im Deluxe-Abteil inmitten des Waggons. Man liegt quasi direkt mit dem Ohr daneben.

Aus den genannten Gründen war an Tiefschlaf nicht zu denken. Allerdings fühlte ich mich am Tag danach dennoch nicht wirklich gerädert und bin nach kurzem Aufenthalt zu Hause frohen Mutes ins Büro gefahren. Somit konnte ich problemlos einen Urlaubstag einsparen, den ich ansonsten sinnlos im Zug verbracht hätte.

Vielleicht ist das aber auch alles Gewöhnungssache. Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach den Prosecco statt des Bieres trinken. Von Sekt werde ich nämlich immer schon nach drei Schluck müde.

Das Frühstück

Das Wecken erfolgte vereinbarungsgemäß eine Stunde vor Ankunft in Köln. Wie angekündigt, kam 10 Minuten später der Steward mit dem Klapptisch und Frühstückstablet vorbei.

Im Preis sind sechs Komponenten inbegriffen. Jede weitere kostet einen Aufpreis von einem EUR (alles bar zu bezahlen). Das Heißgetränk kann man sich kostenlos nachfüllen lassen.

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Der Kaffee war genießbar, die Brötchen OK. Man merkte ihnen aber an, dass sie vom Vorabend waren. Ich glaube etwas Brot als Alternative würde einen noch besseren Eindruck hinterlassen.

Wie komme ich an ein Ticket und was kostet es?

Tickets lassen sich sowohl über bahn.de als auch oebb.at beziehen. Da die DB für eine Übergangszeit noch Tickets mit BahnCard-Rabatt verkaufen darf, ist aktuell für Schlafkabinen die DB die bessere Adresse. Ein weiterer Vorteil bei der DB: Sparpreis-Tickets lassen sich teilweise stornieren. Bei einem Nightjet-Ticket gilt das lediglich für den Fahrkartenanteil (ohne Reservierung Schlafplatz) und es werden aktuell 19,50€ Stornogebühren zusätzlich abgezogen. Tickets sind als PDF zu erhalten und müssen aber ausgedruckt mitgeführt werden.

Für die einfache Strecke in einer Einzelkabine habe ich 151,90€ bezahlt. Die unterschiedlichen Abteilkategorien findet ihr hier.

Fazit

Die Reise im Nachtzug ist nach wie vor eine gute Alternative auf längeren Strecken. Vielfach lässt sich auch noch Geld dabei sparen. Auf jeden Fall spart man aber eine Menge Zeit.

Die ÖBB tut wirklich Alles, damit sich der Gast wohlfühlen kann. Die Inklusivleistungen für Schlafwagengäste sind vorbildlich.

Demnach wird das sicher nicht die letzte Fahrt im ÖBB Nightjet gewesen sein.

Eine Sache aber sollte die ÖBB unbedingt überdenken: Es kann nicht sein, dass sich die Deutsche Bahn aus dem Geschäft zurückzieht, der ÖBB die notwendigen Investitionen und das unternehmerische Risiko überlässt und dann nicht nur günstigere Preise anbieten kann, sondern darüber hinaus noch die Vertriebsprovision einstreicht.

Die ÖBB sollte tunlichst dafür sorgen, dass über oebb.at stets der günstigste Preis verfügbar ist und die BahnCard wie VorteilsCARD und Halbtax-Abo die üblichen 25% Rabatt sicherstellen.

Bargeldlos in Wien

„Zwischen den Jahren“ soll es sich besonders entspannt im Büro arbeiten lassen. Um die Kolleginnen und Kollegen nicht dabei unnötig zu stören, habe ich mich für eine Kurzreise nach Wien entschieden.

Ich war zuvor zwei Mal dort. Immer nur für ein kurzes Wochenende. Viel zu wenig für eine so große und schöne Stadt.

Wie meistens, bin ich auch dieses Mal mit der Bahn dorthin gefahren. Das Sparschiene-Ticket (1. Klasse ICE Direktverbindung, 77€) habe ich über die Seite der ÖBB gebucht, da unsere DB etwas teurer war. Beim Buchen mit meiner MasterCard überraschte mich dann erstmals die Zweifaktor-Authentifizierung über eine TAN in der „S-ID-Check“ App.

Entgegen meinen persönlichen Präferenzen, aber aufgrund der Zugbindung, entschied ich mich ein Taxi über die taxi.eu-App und nicht über myTaxi zu bestellen. myTaxi ist bei Vorausbestellungen leider sehr unzuverlässig in Köln. Aber auch mit der offiziellen App der etwas bräsigen Taxiruf Köln e.G. kann man inzwischen bargeldlos bezahlen. Evtl. muss man dafür fünf Fahrer am Bahnhof abklappern und vier Konzessionsnummern aufschreiben und bei der Stadt Köln anschwärzen. Bestellt man über die App mit Hinweis „EC-Kartenzahlung“ hat man die Probleme aber nicht. Ich wurde von einem Fahrer abgeholt, dem ich vor wenigen Wochen gezeigt habe, wie er über sein Taxi-Dispo-Display eine App-Zahlung initiieren kann. Auch hier ist – wie fast überall – der Kunde derjenige der schulen darf.

Im ICE konnte man selbstverständlich im BordRestaurant mit Karte zahlen. Um nach Stunden langem Dösen im Sitz zwei drei Schritte gehen zu können, habe ich auf den Am-Platz-Service verzichtet. Dabei muss man auch immer seine Karte unbeaufsichtigt aus der Hand geben. Das mag ich nicht so.

Um in Wien mobil zu sein, habe ich mir über die Handyticket-App der Wiener Linien eine Wochenkarte (16,20€) gekauft. Dies ging problemlos auch Wochen im Voraus. Bezahlt wurde mit MasterCard. An den Automaten der U-Bahn lassen sich Tickets auch bargeldlos beziehen. In den Fahrzeugen und an einigen oberirdischen Haltestellen findet man jedoch Automaten aus der Steinzeit und das Angebot besteht lediglich aus einem Einzelfahrschein (Erwachsene oder Kind):

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Das Verkehrsangebot der Wiener Linien ist meiner Meinung nach ausgezeichnet. Der Takt bleibt dicht bis nach Mitternacht. Viele Straßenbahn- und unzählige Buslinien ergänzen die gut ausgebaute U-Bahn. Dank vieler Tangential- und Querlinien der Tram, kommt man überall sehr schnell hin und muss nicht erst in die City, um dann wieder hinaus zu fahren. Als Kind des Ruhrgebiets kommen einem da die Tränen. Das gab es bei uns auch alles und fiel in Wellen der Idiotie der NRW-Politiker zum Opfer. Selbst heute noch werden Außenäste von Strassenbahnen stillgelegt.

Die ersten drei Nächte habe ich im ibis Styles Wien City verbracht. Das Hotel liegt an einer viel befahrenen Straße und direkt an der Hochbahnstrecke der U6. Aber keine Angst: Die Fenster sind sehr gut isoliert und der Ausblick ist für ÖPNV-Nerds wie mich einfach nur gigantisch:

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Sieht die Kreuzung nicht etwas nach Schönhauser/Ecke Eberswalder im Prenzlauer Berg aus?

Wie man am Foto erahnen kann, verfügte das Zimmer über eine kleine Dachterrasse. Dank strahlendem Sonnenschein ließ es sich hier gemütlich im Freien einen Kaffee trinken. Der ist im ibis Styles übrigens – genau wie der umfangreiche Frühstück – im Preis enthalten. In der Lobby steht eine Kaffeemaschine, an der sich jeder Gast bis 22:00 Uhr bedienen kann. Schön wäre es, wenn zusätzlich zu den typischen To-Go Bechern Tassen bereitstünden. Das verursacht mit der Gastro-Spülmaschine nur wenig Aufwand und die Umwelt würde es freuen.

Das Styles ist eines meiner aktuellen Lieblingshotels von Accor. Die Zimmer sind sehr stylish eingerichtet. Dank zweimaliger Upgrades kann ich allerdings nicht sagen, wie die Standardzimmer sind. Mein Besuch im ibis Styles Berlin Mitte vor einigen Tagen war da leider sehr ernüchternd.

Das Wiener Styles verfügt über eine kleine Bar. Seine Getränke kann man sich einfach auf die Zimmerrechnung setzen lassen. Speisen gibt es jedoch keine. Dafür findet man in unmittelbarer Nähe das Café Blaustern. Den Tip erhielt ich beim ersten Aufenthalt im Januar von einem Mitarbeiter des Hotels. Und ich muss sagen: Top!

Es gibt dort auch noch später am Abend warme Gerichte in wirklich netter Atmosphäre. Kartenzahlung war auch hier kein Problem. Direkt an der Tür klebten alle Akzeptanzsticker. Da meine beiden Bons jeweils über 20€ lagen, kann ich nicht sagen, ob ein Mindestumsatz für Kartenzahlung erwartet wird.

Auffällig in der Nachbarschaft war noch ein Würstlstand, der ab 4€ Kredit- und Debitkarten akzeptiert hat. Genauso ein Dönerverkauf mit angeschlossenem Minimarkt (MU 5€).

Bei meinen vielen Fahrten mit dem ÖPNV habe ich auch immer wieder einen Blick in die üblichen Läden an den Bahnhöfen geworfen. Aber Bäckereien, Kioske, Dönerstände, Asia-Imbisse haben fast ausnahmslos keine Sticker im Fenster und Terminals ließen sich auch nicht von Außen erkennen. Das gleiche galt für die Weihnachts-/Wintermärkte der Stadt.

Nach drei Nächten bin ich aus Preisgründen in ein anderes ibis Hotel umgezogen. Es handelte sich dabei um das ibis Wien City in der Schönbrunner Str. Auch dieses Hotel ist gut an die Öffis angebunden, jedoch ist die Straße etwas gewöhnungsbedürftig.

Auch hier wieder gewohnt gute ibis-Qualität. Mein Zimmer war schon im neuen dunkelgrau-rot Look. Die warmen Farben machen das Zimmer wirklich gemütlich. Auffällig war die Größe. Die sonst immer etwas gedrungene Bank zwischen Fenster und Bett war hier sehr sehr lang. In dem Zimmer kann man gerne auch mal länger verweilen.

Das Hotel verfügte über eine 7/24h Bar und der Betreiber meint – im Gegensatz zu vielen anderen Ibis-Hotels – das auch Ernst. Keine dunklen Räume, hochgestellten Stühle etc. Hier konnte man jederzeit frisch gezapftes Gösser Pils erhalten. Daneben ein paar Ibis-Paninis, Suppe, Würstchen und Chili-con-Carne aus der Dose (O-Ton).

Auch hier war das Setzen des Konsums auf die Zimmerrechnung kein Problem. Was – wie auch im Styles -aufgefallen ist, ist die Tatsache dass man darauf verzichtet hat, dem Gast irgendwelche Zettel zur Unterschrift vorzulegen. Hier scheint man seinen Gästen zu vertrauen. Andererseits schützt einen die Unterschrift als Gast aber auch davor, dass man versehentlich oder absichtlich die Zeche für jemand Anderen bezahlen darf.

Das Sammeln auf der Zimmerrechnung bietet die altbekannten Vorteile: Erhalt der Loyalty-Punkte und einfache Kartenzahlung beim Check-out. Aber dazu kommen wir später noch einmal.

Nach dem Check-in im Ibis Wien Mitte habe ich mich mit der Tramlinie 6, die quer durch den 10. Bezirk führt und ein Wien zeigt, dass an Köln Kalk erinnert, auf den Weg zum Zentralfriedhof gemacht. Dort habe ich im Concordia Schlössl am Eingang 1 zu Mittag gegessen. Den Tip habe ich von einer Twitter-Followerin erhalten.

Der Laden hat schon seinen Charme. Leider muss man dazu sagen, dass am Eingang weder Akzeptanzlogos klebten, noch auf Speisekarte oder der Webseite ein Hinweis auf Kartenzahlung vorhanden war. Ich war mental schon darauf vorbereitet, etwas von meiner Barreserve anzutasten, habe aber dennoch gefragt. Der Ober meinte dann „Eigentlich erst ab 20€, aber passt scho“. So konnte ich dann auch meine 15,50€ mit der Karte begleichen. Fragen hilft!

An einem Abend war ich mit Kollegen im Einstein in der Nähe des Rathauses zum Abendessen verabredet. Auch hier war Kartenzahlung kein Problem. Lediglich die girocard versagte mit „Chip nicht lesbar“, obwohl selbst auf dem Terminal noch der maestro-Aufkleber pappte. Also durfte meine Debit MasterCard herhalten. Nun gut.

Zwischendurch war ich noch bei Mc Donalds (NFC an EASY-Order Terminals) und beim Wienerwald im Hauptbahnhof. Dort riss dann meine No-Cash-Serie endgültig und das für einen nahezu ungeniessbaren Fraß. Das Backhendl war trocken und wie Gummi. Das kenne ich aus München anders.

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende. Am 01. Januar hieß es dann: Abschied nehmen. Vor dem Check-out dann erst einmal die tolle Nachricht erhalten, dass der Acquirer six, an dessen Systemen ca. 90% aller österreichischen POS-Terminals hängen, mal wieder einen Totalausfall zu beklagen hat.

Da das Hotel auch an six angeschlossen war und der Imprinter irgendwo im Keller lag, blieb den Mitarbeitern nur noch die Option, eine Fotokopie der MasterCard anzufertigen und nach Wiederherstellung des Dienstes „Cardholder not present“-Transaktionen durchzuführen. Wehe dem, der keine Kreditkarte hat. Mit der girocard hätte man dann erst einmal zum Automaten laufen dürfen (die waren von der Störung nicht betroffen).

Leider war es am Neujahrstag plötzlich kälter geworden, so dass bis auf einen kurzen Ausflug zum Grab von Falco auf dem Zentralfriedhof, Zeit totschlagen angesagt war. Mein Nachtzug geht erst um 20:30 ab Wien Hauptbahnhof.

Also erst einmal zur L`Osteria am Hauptbahnhof. Auch wenn es sich hierbei um einen deutschen Franchise-Betrieb handelt, so bin ich doch mittlerweile echt begeistert. Das Preisniveau liegt irgendwo im Bereich von Vapiano aber man wird am Platz bedient und in allen drei bislang besuchten Filialen immer überaus freundlich und schnell.

Inzwischen hatte man bei six wohl wieder die Server neu gestartet, so dass die Kartenzahlung problemlos funktionierte. Es gab allerdings eine kleine Überraschung:

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Ihr seht richtig: Die Transaktion wurde über das Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft abgewickelt.

Frisch gestärkt ging es dann weiter in die Lounge der ÖBB zu der man mit einem Schlafwagenticket freien Zugang hat. Das Ticket hat mit BahnCard 25-Rabatt als „Sparpreis Europa“ übrigens 151,90€ gekostet und gilt für eine Einzelkabine 2. Klasse. Gebucht habe ich es bei der Deutschen Bahn, weil lustigerweise es hier umgekehrt zur Hinreise war und die ÖBB wesentlich mehr Geld für das Ticket sehen wollte.

Der Vollständigkeit halber noch eine Liste der bar getätigten Zahlungen:

  • 3,50€ Döner (Mindestumsatz 5€ für Karte)
  • 3,00€ bar gegebene Trinkgelder (Rest über Karte)
  • 9,70€ für ungeniessbaren Wienerwald-Fraß
  • 2,00€ für ein Schließfach im Hauptbahnhof

Fazit

Positiv fiel auf, dass wenn irgendwo Karten akzeptiert wurden, immer die gängigsten vier Karten vertreten waren. Vielfach auch Amex und JCB. In den von mir besuchten Supermärkten Eurospar und Billa (REWE) wurde die Bezahlung per NFC angeboten. Bei Billa war ein Double-Tap fällig, da zunächst das Vorhandensein eines Stammkundenkontos gecheckt wurde. In der Gastronomie wurden zwar NFC-fähige Terminals verwendet, jedoch stets die Karte gesteckt. Im Einstein wurde ich auch noch über die Gefahren von NFC „aufgeklärt“.

Allerdings findet man im Alltag, genau wie bei uns in Deutschland, genügend Läden die keine Karten akzeptieren oder intransparent mit Mindestumsätzen agieren. Egal ob Bäcker oder Restaurant. In sofern kann man sagen: Nur ein minimaler Unterschied zu Berlin. Sorry liebe Österreicher!

Bargeldlos in Den Haag

Hier also nun ein neuer Beitrag aus meiner Reihe „Bargeldlos in…“. Wie immer habe ich nicht den Anspruch, einen allumfassenden Statusbericht zur Verbreitung von Kartenzahlung in der jeweiligen Region abzuliefern, sondern berichte vielmehr von den Eindrücken die ich als „unvorbereiteter Reisender“ mitnehme.

Die Niederlande sind ein klassisches Debitkarten-Land. Schon viel früher als bei uns, war es üblich, bei jeder Gelegenheit seine Karte zu zücken. So gibt es wohl auch nur noch wenige Läden, wo man nur bar bezahlen kann.

Das eigene nationale Bezahlsystem wurde im Rahmen der SEPA-Einführung durch das internationale Verfahren maestro ersetzt. Eine Bank gibt m.W. auch V-Pay Karten an ihre Kunden heraus.

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Demnach ist man als deutscher Bankkunde mit seiner girocard, auf der sich fast immer auch maestro oder V-Pay befindet, gut ausgestattet. Die Akzeptanz von MasterCard und VISA ist noch nicht so weit verbreitet. Da sieht es ähnlich aus, wie bei uns. Einige Bars hier in der Nähe haben ziemlich überdimensionierte VISA und MasterCard Sticker im Fenster hängen. Damit möchte man wohl Touristen signalisieren, dass sie ihr hoffnungslos überteuertes Bier auch mit internationalen Karten bargeldlos bezahlen können.

Allerdings scheint sich das durch die Einführung von NFC und die Senkung der Interchange-Gebühren langsam zu verändern. Immer öfters werden auch MasterCard und VISA im Alltag akzeptiert.

Die Anreise

Die Reise begann wie so häufig in Köln. Das Ticket für den Zug nach Den Haag (ICE bis Utrecht, dann IC) habe ich online gebucht und als mobiles Ticket im DB Navigator abgespeichert. Da es bei internationalen Fahrscheinen keine City-Option gibt, musste ich mir noch für 2,80€ im Bus ein Einzelticket lösen. Das ging ganz praktisch mit der GeldKarte, auf der ich immer etwas Guthaben für solche Zwecke geladen habe. Da ich nächste Woche eine neue Karte erhalten werde, habe ich den Rest an einem Sparkassen-Automaten entladen. Zur Sicherheit habe ich auch noch etwas Bargeld gezogen. Man weiß ja nie 😉

Nachdem es beim Starbucks im Kölner Hauptbahnhof ein paar technische Probleme gegeben hat, gingen dann auch die ersten 2,75€ für einen Kaffee in bar drauf.

Angekommen in Den Haag führte der erste Weg zum Sanifair WC. Die üblichen 70 Cent ließen sich problemlos kontaktlos bezahlen. Als fauler Mensch habe ich das iPhone mit Apple Pay (englische Debit MasterCard von boon) gezückt. Leider gibt es hier ein paar Abzüge in der B-Note. Die Sanifair WC sind leider nur bis 21 Uhr geöffnet. Danach werden alle Reisenden auf die Benutzung des Behinderten-WCs verwiesen. Ganz abgesehen davon, dass dieses die Bezahlung mit abgezähltem Münzgeld erwartet, dürften sich die wirklich auf diese Toilette angewiesenen Personen bedanken, wenn dieses nach einem Saufgelage in der Stadt mal wieder aussieht wie Sau.

Da das Frühstück etwas spärlich ausfiel, habe ich mir im Burger King noch schnell etwas zu Essen geholt. Bei den fest montierten Terminals (CCV VX 820) war die kontaktlose Bezahlung deaktiviert. Beim Stecken meiner Karte lachte mich dann auch direkt die Meldung „DCC Check“ an. Hier will der Betreiber offensichtlich noch mal ein paar Cent extra verdienen. Mit der SparkassenCard war allerdings kein DCC vonnöten. Eine kleine Anmerkung am Rande: Die niederländische Bahn betreibt viele der Läden in den Bahnhöfen selbst und ist somit einer der größten Franchisenehmer diverser Ketten in den Niederlanden. In diesem Falle gehörte der Burger King allerdings zu HMSHost, die wiederum ein Teil der italienischen Autogrill-Kette sind und offensichtlich auf ahnungslose Touristen setzt.

Bargeldloser ÖPNV

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Ins Hotel ging es mit der Tram, die auf einem Hochbahnsteig im Hauptbahnhof hält. Der ÖPNV und Bahnverkehr in den Niederlanden funktioniert landesweit mit einer NFC-basierten Chipkarte. Der Fahrgast muss beim Betreten und Verlassen jeweils ein- und auschecken.

Eine solche OV chipkaart gibt es umpersonalisiert in vielen Läden zu kaufen oder personalisiert auf Bestellung per Webseite. Kunden aus Deutschland können die Gebühr mit PayPal entrichten. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Guthaben auf die Karte zu laden: Fahrkartenautomaten in den Bahnhöfen, Lade- und Abholsäulen, Internetseite und Abo-Laden. Das Abo-Laden funktioniert aber nur mit iDeal, dem niederländischen Pendant zu PayPal und PayDirekt. An den Ladesäulen kann man auf jeden Fall mit maestro und V-Pay bezahlen. MasterCard und VISA werden nicht überall akzeptiert.

Im Webshop der Haager Verkehrsbetriebe HTM lassen sich auch Tageskarten etc. auf die Karte buchen und mit MasterCard und VISA bezahlen. Das gebuchte Ticket kann man sich dann an einer Abholsäule auf die Karte laden. Oder mit etwas Zeitverzug auch an jedem Checkin-/out-Terminal in den Verkehrsmitteln.

Was ich nicht so gut gelöst finde ist die Tatsache, dass man bspw. Tageskarten nicht mit vorhandenem Guthaben auf der Karte bezahlen kann und zwangsweise immer per Bankkarte bezahlen muss. Um Zutritt zu den Zügen der NS zu erhalten, müssen (2. Klasse) immer mindestens 20€ Restguthaben auf der Karte sein und man muss einmalig (Gültigkeit 20 Jahre) an einem Automaten der NS sein Reiseprofil hinterlegt haben (Klasse, Rabattkarten etc.)

Aber insgesamt ist das System ein Traum. Man zahlt nur für die Strecke, die man wirklich gefahren ist. Das Lösen von Zuschlägen (Sprinter) ist mit einem Wink an einer Sprinterzuschlagsäule auf dem Bahnsteig erledigt. Man muss halt nur daran denken, immer brav auszuchecken. Trickreich wird es erst, wenn man mit Zügen verschiedener Bahngesellschaften reist. Dann heißt es: Auch beim Umsteigen in der richtigen Reihenfolge auf dem Bahnsteig aus- und wieder einchecken.

Man kann über die Webseite des Betreibers seine komplette Reisehistorie einsehen. Mit wenigen Klicks erstellt man so seine Fahrtkostenabrechnung für den Arbeitgeber.

Ich frage mich, wieso die deutschen Verkehrsbetriebe so etwas nicht hinbekommen und stattdessen der ÖPNV in jeder Region unterschiedlich funktioniert.

Für Touristen gibt es immer noch die Möglichkeit, ein Tagesticket oder Stundenticket bar beim Fahrer oder im Hotel zu erwerben. In den roten R-Net Trams gibt es auch Fahrkartenautomaten. Diese akzeptieren auch alle Karten.

In Amsterdam ist man dabei, die Bargeldannahme in den Fahrzeugen komplett abzuschaffen. Ein Papierticket (mit NFC) gibt es dann nur noch gegen PIN oder kontaktlose Zahlung.

Auf der Suche nach Nahrung

Für einen Samstag Abend war die Stadt verdächtig leer. Hier und da gab es ein paar Restaurants mit mehr als drei Gästen. Der Blick auf die Speisekarte ließ mich dann doch erst einmal schlucken. Die Zahlen die dort zu lesen waren hätte ich in Złoty ohne Weiteres bezahlt. In Euro war mir das dann doch zu viel. Da werde ich für morgen erst einmal schauen, wo es sich denn wirklich lohnt hinzugehen.

Den Hunger habe ich dann im Vapiano erfolgreich stillen können. Das System funktioniert in den Niederlanden genau wie bei uns. Bargeld- und kontaktlose Bezahlung sind selbstverständlich. Glücklicherweise hat man hier auf Krombacher verzichtet und stattdessen Heineken im Ausschank.

Hotelbar – Pinnen ja graag

Im Gegensatz zu ibis in Deutschland haben die Hotelbars der Kette in den Niederlanden – wie überall anders auch – separate Kartenterminals. Der Gast muss also nicht mit rüber zur Rezeption laufen und dort bezahlen. Als Punktesammler schreibt man seine Bar-Umsätze aber besser aufs Zimmer. Nur so werden diese auch mit Treuepunkten belohnt! Ich habe mich für´s Pinnen entschieden. Neben mir standen ein paar junge Deutsche die erst einmal doof schauten, weil jemand ernsthaft zwei Bier mit Karte bezahlt. Trotz 10% ibis-Business-Rabatt lag der Preis immer noch über 10€ und so fühlte ich mich ein wenig an Paris erinnert.

Gegen mieses Wetter hilft nur …

Leider war der Sonntag so verregnet, wie es angekündigt wurde. Um die Laune etwas zu steigern, habe ich mir einen Laden gesucht, der polnische Küche serviert. Im Internet bin ich auf die spannende Kombination aus Kebab, Pizza und Kuchnia Polska aufmerksam geworden:

Im Bosfor Kebab erhält man vorne die üblichen türkischen Fastfood-Spezialitäten und Pizza. Im hinteren Teil arbeitet in einer offenen Küche ein Team von Polinnen an den Klassikern der polnischen Küche:

Eine Portion Żurek, der herrlichen Sauerteigsuppe und acht frisch gerollte Pierogi kosten 9,50€. Das sind Preise die mehr als akzeptabel sind. Nach Bestellung auf Polnisch erhält man dann einen Zettel. Mit dem muss man wieder nach Vorne zum türkischen Pizzabäcker. Selbstverständlich kann auch hier wieder mit Karte bezahlt werden. Das Terminal akzeptiert auch kontaktlose Zahlung.

Trotz der hervorragenden Stärkung und den am Sonntag in Den Haag weitestgehend geöffneten Geschäften wollte bei dem Wetter keine besonders gute Laune aufkommen. Das Kinoprogramm war auch eher zum Abgewöhnen.

Das Wetter hatte dann doch noch ein Einsehen

Auch wenn es am Sonntag ganz und gar nicht danach aussah, so wurde der Montag doch noch schön. Damit die Abreise nicht so hektisch wird, habe ich auf die Kofferaufbewahrung im Hotel verzichtet und diese stattdessen im Hauptbahnhof in ein Schließfach gestellt. Die Automaten lassen sich ausschließlich bargeldlos bezahlen. Der Automat forderte die PIN meiner MasterCard ein. Das hat Seltenheitswert, ist aber im Ausland auch bei Chip&Signature-Karten nicht ungewöhnlich.

Auf dem Weg zum Bahnhof fiel mir bereits ein kleiner Blumenladen auf, der in einem Anhänger auf dem Bahnhofsvorplatz untergebracht ist. Auch hier die bekannten Schilder „Pinnen? Ja graag“ deutlich sichtbar. Ich frage mich, wann die Deutsche Kreditwirtschaft hier endlich eine ähnliche Kampagne für die girocard startet.

Befreit vom Gepäck ging es nun für ein paar Stunden an den Strand. Das Wetter hatte Erbarmen und so konnte ich dann doch noch ein paar Sonnenstrahlen einfangen. Vielleicht die letzten für diese Saison. Die meisten Strandcafés wurden bereits abgebaut.

Das typische Frühstück („Frikandel met friets“) und weitere Leckereien kann man an den diversen Buden am Strand erwerben. Bis auf eine Ausnahme akzeptieren auch alle die Bezahlung mit maestro und V-Pay. Allerdings hängen teilweise noch mehrsprachige Schilder dort „No Credit/Debet cards“ direkt neben „Pinnen? Ja graag!“. Davon ließ ich mich nicht abhalten und bezahlte die 3,50€ mit maestro. Einige andere deutsche Touristen schauten wieder ungläubig, wie jemand für unter 100€ mit Karte zahlen kann. Dass sie nicht für den armen ausgebeuteten Betreiber Geld eingesammelt haben, war alles.

Nach ca. 12km Wanderung am Strand entlang reicht es mir dann irgendwann. Ich wollte auch nicht unbedingt die letzte Fahrtmöglichkeit nach Utrecht nehmen, von wo aus mein ICE fuhr. Also zurück zum Bahnhof und noch schnell etwas bei Starbucks getrunken und gegessen.

Um für den nächsten Besuch gewappnet zu sein, habe ich noch etwas Guthaben auf meine OV chipkaart geladen. Die Ladesäule der niederländischen Bahn bot auch das Laden mit MasterCard für einen kleinen Aufpreis von 50 Cent an. Ich habe dankend abgelehnt und dann doch die SparkassenCard gewählt.

Etwas Reiseproviant habe ich dann noch an einem Kiosk am Bahnhof Utrecht Centraal mitgenommen. Auch hier wurden wieder alle Karten kontaktlos akzeptiert.

Inzwischen sitze ich im ICE nach Köln zurück.

Fazit

Neben ein paar Euro Trinkgeld und der Benutzungsgebühr für ein WC in der kleinen Mall am Strand von Scheveningen blieb der Bargeldvorrat unangetastet. So sollte es eigentlich auch sein.

Allerdings lief der Großteil der Transaktionen über maestro. Besucher aus Ländern, in denen lediglich MasterCard oder VISA Debitkarten herausgegeben werden, haben in den Niederlanden noch wenig Freude. Es bleibt zu hoffen, dass die Senkung der InterChange-Raten durch die EU-Verordnung hier in der nächsten Zeit etwas Bewegung in den Markt bringt.

Die nächsten Wochenendtrips im Oktober führen mich nach Berlin. Der Cashless-Test dürfte deutlich negativer ausfallen. Wie ernst ich es mit der Bargeldvermeidungsstrategie angehen werde und wie zynisch mein Bericht wohl ausfallen wird, man weiß es nicht 😉

Seit Kurzem: In Kölner Taxis bargeldlos bezahlen

Ein häufiger Kritikpunkt an den Taxi-Unternehmen ist, dass sie sich teils vehement der bargeldlosen Zahlung verweigern. Diese Haltung hat mit dafür gesorgt, dass sich Apps wie myTaxi so schnell haben durchsetzen können. Auch gegen den Widerstand der Taxizentralen.

In Köln hatte man ein Einsehen und seine Fahrzeugflotte mit moderner Technik ausgerüstet. Dazu gehört sowohl ein NFC-fähiges Kartenterminal oder die Möglichkeit via taxi.eu-App auch per PayPal zu bezahlen.

Da, ähnlich wie in den Supermärkten, die Fahrer teilweise nicht geschult wurden oder unwillig sind, hier ein Tutorial von der Webseite der Taxi Ruf Köln eG

Payment mit der taxi.eu App ist recht simpel. Das Bordsystem des Taxis generiert einen Code, den man in der App eingeben muss.

Ich rate dennoch jedem Fahrgast, vor dem Einsteigen den Fahrer zu fragen, ob er Kartenzahlung oder App-Bezahlung mit taxi.eu anbietet und wenn nicht, das nächste Taxi anzusteuern!

Mehr Infos gibt es auch auf den Social-Media-Auftritten bei Twitter und Facebook. Aber Achtung: Die Leute, die diese Accounts betreiben sind recht „speziell“. Die Art und Weise wie da kommuniziert wird schwankt zwischen unterhaltsam und peinlich.

Wer dauerhaft mitlesen möchte, sollte es sich verkneifen dort zu kommentieren. Oft reicht eine kritische Frage und man wird dauerhaft gesperrt. Insbesondere, wenn man positiv über myTaxi schreibt.