Brezeln bargeldlos: NFC Rollout bei Ditsch

Kontaktlose Kartenzahlung ist schneller und hygienischer als Zahlungen mit Münzen und Scheinen. An Orten, wo unverpackte Lebensmittel und hohe Kundenfrequenz zusammenkommen, kann die Technologie ihre Stärken also voll ausspielen.

Da ist es nur logisch, dass der Mainzer Brezelbäcker Ditsch seine Filialen bundesweit mit Kartenterminals ausstattet. Ditsch findet man hauptsächlich an hoch frequentierten Orten wie Bahnhöfen und in Einkaufzentren. Zum Sortiment gehören neben Brezeln auch Mini-Pizzen, Croissants und Baguette.

Ditsch setzt auf das altbekannte Verifone H5000-Terminal, wie man es auch von Lidl, Kaufland und Esso her kennt. Die Geräte sind gut erreichbar und im Blickfeld des Kunden montiert. Aktuell ziert das Gehäuse ein Hinweisschild auf die kontaktlose Bezahlung u.a. mit girocard, VISA und MasterCard.

Die Abwicklung der Zahlung funktioniert äußerst schnell. Die Anbindung an der Kassensystem erspart die manuelle Eingabe des Betrags und anschließende Bestätigung am Kassensystem. Die Autorisierungszeiten der Zahlung lagen zwischen „nicht messbar“ (MasterCard Credit) und knapp unter 2 Sekunden (girocard der Sparkasse mit Online-Präferenz).

Bei meinen Testeinkäufen gab es weder irgendwelche Mindestumsätze noch komische Kommentare bzgl. der Bonhöhe. Die Mitarbeiterinnen sagten allerdings jeweils „Sie können die Karte jetzt einstecken“. Es gab jedoch keine fälschlichen Aufforderungen zum Unterschreiben des Belegs. In sofern durch und durch ein positives Kundenerlebnis, wie man es gerade am Anfang bei fast allen anderen Retailern vermisst hat.

Im Gegensatz zu anderen Franchiseketten wie bspw. McDonald’s scheint man in Mainz das Thema Payment zentral und ernsthaft zu betreiben und seine Agenturpartner genannten Franchisenehmer auf der Reise in die neue Bezahlwelt mitzunehmen. Ich habe von anderen Twitterern bislang noch keine Hinweise auf Einschränkungen bzgl. Kartentypen oder Mindestumsätzen gehört. Fragen zum Thema beantwortet das Social Media-Team auf Facebook sehr schnell und liefert auch Feedback aus der Fachabteilung.

Inzwischen hat auch Yorma´s, die ebenfalls an Bahnhöfen mit ihren Convenience-Stores vertreten sind, angekündigt bald Kartenzahlung zu akzeptieren:

Stellt sich nun noch die Frage, wie die frisch zum Valora-Konzern gehörende neue Schwester BackWerk mit Kartenzahlung umgehen wird. Bislang konnte man sich nur dazu durchringen, ein NFC-basiertes ClosedLoop-Verfahren bei einigen Franchisestores zu implementieren. Gerade bei BackWerk begegnen einem immer wieder haufenweise Hinweise auf die ausschließliche Bargeldakzeptanz. Da scheint also auch Bedarf zu sein.

Bargeldlos zur CeBIT 2017

Mein erstes Mal ist schon eine ganze Weile her: Anno 1992 war ich zum ersten Mal auf der CeBIT als Gast. Mein erstes Mal als Unteraussteller war 1993 am Stand von ZyXEL Communications. Zur Hochzeit der damals noch nicht Post/BZT-zugelassenen Modems mit denen man sich in privaten Mailboxen einwählen konnte. Ich habe also quasi das Ende des Postmonopols und den Start der digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 hautnah miterlebt.

Schon zu der Zeit war ich kein Freund von Bargeld und glücklich darüber, dass man in den Messerestaurants mit Kreditkarte bezahlen konnte. Leider war das in den frühen 1990ern an den vielen Wurstständen, Snackbars und Eisständen noch nicht möglich.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Die NFC-Welle rollt über unser Land und selbst die sonst so zurückhaltenden Discounter sind Apple Pay-ready. Man sollte meinen, dass dies auch seine Spuren auf der Welt größten ITK-Messe hinterlassen hätte. Aber lest selbst.

Die Anreise

Wie üblich habe ich die Reise mit der Bahn angetreten. Während zu Anfang des Jahrtausends schon drei Monate vorher nicht mehr an eine Sitzplatzreservierung zu Messezeiten zu denken war, sieht das anno 2017 anders aus. Selbst vier Wochen vor dem Reisedatum waren noch Sparpreise erhältlich. Für die Fahrt in der 1. Klasse (Hin mit dem IC2 und zurück mit einem ICE) habe ich knapp 75€ bezahlt. Das kann sich sehen lassen.

Mein Frühstück habe ich wie immer bei REWE To Go im Kölner Hauptbahnhof gekauft. Im IC2 gibt es nämlich nur einen Am-Platz-Service der auf Bargeld besteht. Am Montag kam noch hinzu, dass die Experten es nicht einmal geschafft haben, Kaffee zu liefern. Wohl dem, der vorgesorgt hat.

Da mein Ticket lediglich bis Hannover Hbf galt, tat sich hier die erste Falle auf. CeBIT-Tickets gelten wohl seit einigen Jahren nicht mehr automatisch als Ticket für den ÖPNV im Großraum Hannover. Mit der City-Ticket-Funktion des Fernverkehrstickets kann man aber lediglich die U-Bahn 8/18 zur Messe Nord nehmen. Wer sich also in einen Metronom zum Messebahnhof Laatzen setzt, fährt schwarz.

Die Automaten der Üstra akzeptieren übrigens immer noch nur die deutsche girocard und GeldKarte. Für eine Messestadt ist das mehr als peinlich. Aber Düsseldorf ist da ja auch keinen Deut besser.

Die Bahnen waren angenehm leer und es gab auch keinerlei Schlange am Eingang. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Aber bei einem Rückgang von 800.000 Besuchern im Rekordjahr 2001 auf jetzt erwartete 200.000 Besucher auch kein Wunder.

Auf dem Messegelände

Mit erster Besuch führte mich zum Stand von SecuSmart, der BlackBerry-Tochter die unsere Kanzlerin mit einem speziell gesicherten BlackBerry Q10 ausgestattet hat. Kollegen meiner Firma GFI haben dort am Montag und Dienstag interessierten Kunden Rede und Antwort zu den BlackBerry-Softwarelösungen gestanden.

Auf dem Weg dorthin hieß es natürlich: Augen offen halten.

Sowohl auf dem Außengelände als auch in den Hallen waren an den Verkaufsständen leider keinerlei Akzeptanzsticker zu sehen. Neben den Registrierkassen waren auch keine Kartenterminals zu sehen.

Mit Ausnahme eines „Healthy-Food“-Stands in Halle 11, dort wo sich viele Startups präsentierten, waren Kartenterminals nur in den Restaurants zu finden.

Damit hat sich gegenüber 1992 eigentlich so gut wie nichts verändert. Immerhin ließ sich in der Pizzeria an Halle 14 kontaktlos mit Apple Pay bezahlen. Das Essen war lecker und preislich völlig im Rahmen.

Besonders positiv zu erwähnen: Ich habe den Bewirtungsbeleg irgendwo auf dem Messegelände verloren. Meine E-Mail-Anfrage mit den Kartenzahlungs- und Produktdaten wurde von der Catering-Firma der Messe prompt beantwortet. Bereits am frühen Morgen erhielt ich ein PDF mit einer Belegkopie. Das nenne ich wirklich mal 1a Service!

Nach einigen weiteren Standbesuchen habe ich mich mit Juliane und David von MasterCard in besagter Halle 11 zum Kaffee getroffen. Es ist immer wieder schön, Menschen die man sonst nur von angeregten Twitter-Diskussionen kennt, im echten Leben zu treffen. Und beschäftigte natürlich die Frage, wie es mit Payment in den nächsten Jahren weiter geht und welche besonderen Herausforderungen wir in Deutschland noch zu bewältigen haben.

Vertane Chance

Die CeBIT war immer die Leitmesse für IT und Kommunikation und das Aushängeschild für den Technologiestandort Deutschland. Auch Akquirer sowie die Hersteller von Kartenterminals und Online-Payment-Lösungen waren früher immer mit großen Ständen vertreten.

Wo, wenn nicht nicht hier, sollte man eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen?

Es ist schon klar, dass für die überschaubare Anzahl von Messetagen nicht für jeden Eisstand ein Verifone H5000 gekauft oder dauerhaft gemietet werden kann. Genau hierfür wurden aber die Einfachterminals entwickelt, die es von Concardis, iZettle und Co. ohne Grundgebühr für kleines Geld zu kaufen gibt. Bei den Margen sollten die 0,95%-2,7% absolut keine Rolle spielen. Und wenn doch, können das Magnum oder die Bratwurst gerne 10 Cent teurer werden. Auf der Messe achtet da eh niemand drauf.

Weiterhin frage ich mich, wieso es problemlos möglich ist, vom kompletten Messestand, bis hin zur Kaffeemaschine und Zierpflanzen alles für die fünf Tage mieten zu können. Nur  bei Kartenterminals scheint dies immer ein Problem zu sein.

Wo sind die Akquirer oder sogar die Schemes mit entsprechenden Angeboten? Es kann doch nicht so schwer sein, für solche Events mal 100-200 aktuelle Terminals auf Lager zu halten und so Werbung in eigener Sache zu betreiben. Ich gehe sogar soweit, dass man im Grunde auch auf sämtliche Interchange- und Technikgebühren verzichten sollte und den Käufern darüberhinaus 5-10% Rabatt auf die gekauften Artikel gewähren oder aber auf die Bargeldakzeptanz komplett verzichten sollte.

Auf einer Messe für Fachpublikum wird sich sicherlich niemand finden, der nicht mindestens eine girocard im Gepäck hat.

Die Rückfahrt

Zum Schluss wurde es noch mal ein wenig hektisch, da ich noch meinen Mantel in Halle 6 abholen durfte. Aber ich habe es dennoch pünktlich zum Hauptbahnhof geschafft.

Auf den Bahnsteigen stehen immer noch die von GEILE Warenautomaten betriebenen Snackautomaten mit girogo-Akzeptanz. Der Bezahlprozess hat dort nie, wie auf dem Automaten beschrieben, funktioniert. Statt „Select, Tap, Go“ musste man „Tap, Select, Tap, Go“ machen. Auch nur etwas für Eingeweihte. Auf den Hinweis der falschen Anleitung und der vom Kartensensor nicht abgeschliffenen MasterCard und VISA-Logos hat GEILE nie geantwortet. Das kennt man aber von Selecta in Deutschland auch. Ganz anders die Schweizer!

Die Automaten funktionieren allerdings, wie einige andere auch, nicht mehr mit den neuen Sparkassen-Karten mit girocard kontaktlos und girogo auf einer Karte. Ich habe das im November gemeldet und es sollte eigentlich kurzfristig behoben werden. Leider Fehlanzeige. Aber nun gut: girogo ist eh tot und die GEILE Automaten werden bundesweit eh sukzessive von Selecta-Automaten abgelöst.

Der Zug lief pünktlich in Hannover ein. Zeit, für einen Kaffee aus dem BordRestaurant, der mir an den Platz gebracht wurde. Leider musste ich hierfür meine MasterCard aus der Hand geben. Eigentlich ein No-Go aber die Bahn ist da einfach noch nicht soweit.

 

 

Bargeldlos in Genf

Anlässlich der Installation einer Unified Communication-Lösung, die MIFID II konform auch die Telefonate, die über Mobiltelefone geführt werden, aufzeichnet, hat es mich für zweieinhalb Tage nach Genf verschlagen.

Selbstredend habe ich nebenbei auch testen wollen, wie es um die Akzeptanz bargeldloser Bezahlverfahren in der Schweiz steht.

Aufgrund meines Kartenportfolios hatte ich nicht wirklich Lust, Bargeld am Automaten zu ziehen (4,50€ mit der SparkassenCard +1%) und habe es dieses Mal wirklich auf Zero-Cash angelegt. Da ich mit der SparkassenCard (girocard plus maestro) mind. 0,77€ pro Zahlung berappen darf, war die Karte der Wahl eine MasterCard Gold meiner Sparkasse mit 1% Fremdwährungszuschlag. Weil die Karte dazu noch Chip&Signature und kein NFC unterstützt, war der Kugelschreiber mein bester Freund.

Die Reise habe ich, wie meistens, mit der Bahn unternommen. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt in der ersten Klasse des ICE hat 140€ gekostet. Ich habe es als Handyticket bezogen und mit besagter MasterCard beglichen. Für die Fahrt zum Hauptbahnhof musste ich noch ein Einzelticket bei der KVB erwerben. Das Ganze natürlich als Handyticket.

An der Haltestelle wurde ich von einem Anfangzwanziger angesprochen, ob ich ihm nicht einen Fuffi für das Ticket wechseln könnte. Meine Hinweise auf die GeldKarte („habe ich nicht geladen“) und die App der KVB bzw. HandyTicketDeutschland („habe ich auch nicht“) fand wenig Gegenliebe. Da habe ich mir es erspart zu fragen, ob dieser Payment mäßig unterversorgte Mensch vielleicht die PayPal App auf seinem iPhone hat. Ich hätte ja meine, stets geladene, GeldKarte nehmen können, um ein Ticket für ihn zu kaufen. Das nur am Rande.

Für die Reise habe ich mich im REWE-to-Go am Kölner Hauptbahnhof noch mit etwas Proviant eingedeckt. Den Kleinbetrag von 3,80€ habe ich kontaktlos mit einer Debit MasterCard beglichen. Das erstaunt dort inzwischen auch niemanden mehr.

Mit dem ICE ging es nach Basel SBB und weiter mit Umstieg in Biel/Bienne mit einem Neigetechnikzug (ICN) nach Genf. Die Fahrt verlief inkl. der zwei Umstiege reibungslos. Im Zug habe ich meine letzten EUR-Münzen gegen einen Kaffee getauscht. Ich war ehrlich gesagt zu faul, um aufzustehen und selbst ins Bistro zu rennen oder den APS-Mitarbeiter mit der Karte loszuschicken.

In Genf angekommen, ging es erst einmal ins Hotel. Das ibis Centre Gare liegt nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof und wurde vor Kurzem im neuen ibis Design renoviert. Das Frühstück hätte etwas umfangreicher sein können. Da bin ich aus Wien und Kraków ehrlich gesagt Besseres gewohnt. Ansonsten ist dieses Hotel nur zu empfehlen. Freundliche Mitarbeiter, gute Lage und bequeme ibis-Betten.

Da uns am ersten Abend nicht gerade nach Experimenten zu Mute war, zog es uns zum Essen ins Vapiano. Im Nachhinein betrachtet war das wohl ein Fehler. Das Preisniveau lag, wie in der Schweiz üblich, mind. um den Faktor 2,5 höher als in Deutschland. Dafür war das Essen OK, aber nicht brilliant. Zu ähnlichen Preisen haben wir in Genf Besseres erhalten.

Beim Vapiano fiel zuerst auf, wie normal DCC mittlerweile in der Schweiz ist. Dieses System, dass dem Kunden den Service bietet, in Heimatwährung zu bezahlen, ist aufgrund der schlechten Wechselkurse ein Quell ständigen Ärgers. Vorgabemäßig war an den Würfelterminals die Belastung in EUR eingestellt. Die Bedienung (Pfeiltaste nach unten oben am Würfel, dann OK unten auf dem PINPad) ist für Ungeübte doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Weiter ging es in eine Brasserie am Place du Molard mit Hausbrauerei. Ein halber Liter Bier kostet, je nach Sorte, zwischen 8,40€ und 9,40€. Hier wurden ebenfalls alle Karten genommen und es kam wieder die Frage nach DCC.

Den Rückweg haben wir mit der Tram angetreten. Das ist übrigens eine ganz tolle Sache der Genfer Hoteliers. Jeder Gast erhält für die Dauer seines Aufenthalts eine Karte für den ÖPNV. In unserem Fall war diese drei Tage gültig, was einem Preisvorteil von 30 CHF entspricht.

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Das ÖPNV-Netz ist gut ausgebaut. Es fahren in dichtem Takt eine Vielzahl von Bussen, Trolleys und Trams. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der City liegt aber irgendwo im Bereich den man auch zu Fuß schaffen könnte. Für diejenigen, die ihre ÖPNV-Tickets bezahlen müssen, bieten die Automaten neben der Zahlung mit CHF und EUR (!)-Münzen auch die Akzeptanz aller gängigen Karten an. Das las sich auf einer Travelseite zu Genf übrigens ganz anders. Das nur am Rande.

Insgesamt zwei Mal waren wir in der Spaghetti Factory zu Mittag. Das Essen war um Längen besser als im Vapiano Genf, die Mitarbeiter super aufmerksam und freundlich und überraschte dadurch, dass DCC gar nicht erst angeboten wurde. Man hatte seine mobilen Terminals auch nicht von Six….

Abends hatte ich noch einen englischen Pub im Visier, aber dort gab es keine Akzeptanzzeichen der Tür, dafür aber Burger zu McDonalds-Konditionen (11 CHF). Also haben wir noch etwas weitergesucht und eine nette Pizzeria gefunden. Dort hingen zwar auch keine Akzeptanzlogos, aber wir wurden dort quasi vom Chef mit den Worten „Credit card? No Problem!“ empfangen und in den Arm genommen. Das Pizzen waren wirklich gut, auch wenn Preise um 23CHF bei uns Touristen aus Niedriglohnländern ein Stöhnen hervorrufen.

Die letzte Stationen waren ein Starbucks und die Hotelbar des ibis. Der Starbucks bot kein DCC an. Das Hotel jedoch schon. Die Dame an der Rezeption hat beim Checkout auch offen zugegeben, dass sie jedem Gast die Zahlung immer in Landeswährung empfiehlt.

Am Ende der Reise stand der (CHF) Bargeldzähler bei 0€. Das musste dann mit Hefeweizen im ICE gefeiert werden. Natürlich mit MasterCard bezahlt.

Was die Verbreitung der Kontaktloszahlung angeht: Eigentlich sieht man fast überall NFC-fähige Terminals. In der Gastronomie wo der Kellner das Terminal bedient, wird aber dennoch die Karte defaultmäßig gesteckt.

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Fazit:

Bargeldlos in der Schweiz geht, auch wenn es sicherlich Orte gibt, die noch keine Karten akzeptieren. Für einen umfänglichen Test müsste man aber auch Bäckereien, kleinere Dienstleistungsgeschäfte etc. mit einbeziehen. Dazu war in den zwei Tagen aber leider keine Zeit. Im und um den Genfer Hauptbahnhof hat man aber überall die Akzeptanzlogos der gängigen Kartenanbieter in der Tür hängen sehen.

Update zum Thema DCC:

Der Schweizer Zahlungsdienstleister verspricht den Kunden eine Rückerstattung, wenn der Kurs seiner Hausbank günstiger als DCC sein sollte. Das finde ich in sofern bemerkenswert, als dass dies bei den im Terminal angezeigten Kursen durchgängig der Fall war. Da hofft man wohl darauf, dass der Kunde zu faul ist.

Unterwegs im ÖBB Nightjet

Die meisten Bahninteressierten werden es bereits mitbekommen haben. Nach mehreren Fahrplanwechseln mit Linienkürzungen und Streichungen, hat sich die Deutsche Bahn endgültig aus dem Geschäft mit den klassischen Nacht- und Autozügen verabschiedet.

Offiziell wird dieser Schritt mit den hohen Verlusten und dringendem Investitionsbedarf begründet. Kenner der Materie werfen der DB allerdings einige üble Taschenspielertricks vor, die die Verluste künstlich in die Höhe getrieben haben, um die Nummer beim Aufsichtsrat durchzubekommen.

Sei es, wie es mag. Neben einigen saisonalen Angeboten privater EVUs, sind die österreichischen Bundesbahnen in die Bresche gesprungen und haben ehemals gemeinsam betriebene Linien nun unter eigener Regie übernommen. Einige ehemalige DB-Angebote in Richtung Schweiz haben die ÖBB ebenfalls übernommen.

Warum Nachtzug

Da ich fast alle meine Reisen mit der Bahn tätige, stehe ich häufiger vor dem Problem, dass Reisezeit und nutzbare Zeit am Zielort nicht unbedingt in einem guten Verhältnis zu einander stehen. Für die Strecke von Köln nach Wien benötigt der direkte ICE 9h15. Die schnellste Verbindung mit Umstieg in Frankfurt immerhin noch 8h15. Rechnet man den Vor- und Nachlauf mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein, so gehen fast immer zehn Stunden für eine Strecke drauf. Sicher, man kann im ICE arbeiten, dösen, essen oder sich betrinken. Der Tag aber, ist so oder so hinüber.

Mit dem Nachtzug hingegen gewinnt man im Idealfall einen Tag. Gerade für verlängerte Wochenenden in der Donaumetropole ideal!

Im konkreten Fall habe ich ein paar Tage rund um den Jahreswechsel 2016/2017 in Wien verbracht (siehe auch: Bargeldlos in Wien). Entgegen dem ursprünglichen Plan am 2. Januar nach Hause zu fahren und erst gegen 23:00 in der Wohnung zu sein, habe ich am 23.12. noch einmal spontan nach Preisen für den Nightjet am 01.01. gesucht. Trotz der relativ kurzen Zeit bis Reiseantritt habe ich noch einen guten Preis erhalten (siehe unten). Rechne ich die gesparten Übernachtungskosten von knapp 100€ inkl. Frühstück heraus, so kann man das Ticket durchaus als Schnäppchen bezeichnen. Da lohnte es sich auch, das bereits vorhandene Sparpreisticket für den ICE gegen Gebühr zu stornieren.

Freier Eintritt in die Lounge

Die ÖBB bietet allen Reisenden im Schlafwagen, unabhängig von einer Statuskarte, den freien Zugang zu ihren Lounges am Tag der Reise. Da das Wetter an dem Tag zusehends schlechter wurde, war ich für das Angebot sehr dankbar.

Die Lounge im neuen Hauptbahnhof verfügt über bequeme Sitzlandschaften mit Tischen und Steckdosen an fast jedem Platz. Neben den üblichen Softdrinks und – genießbaren – Kaffeespezialitäten gab es auch Gösser Pilsener aus der Flasche, ein paar Knabbersachen und etwas, was wie Kuchen aussah.

Die dreieinhalb Stunden bis zur Abfahrt des Nightjets vergingen dort wie im Flug.

Das Boarding

Ich wurde von zwei Stewards des Caterers „Newrest Wagon Lits“ freundlich empfangen. Der jüngere der beiden Herren sollte übrigens ab Passau die Zugführerbinde übernehmen. Er hatte nämlich die entsprechende Ausbildung in seiner Zeit bei der DB absolviert.

Nach Abfahrt in Wien wurden erst einmal die Tickets kontrolliert und die Bestellungen für das Frühstück und den Weckdienst aufgenommen.

Jeder Schlafwagengast wurde darüberhinaus mit einem kleinen Willkommenspaket begrüßt, in dem sich u.a. Hausschlappen, eine Piccolo-Flasche Prosecco und Ohropax-Stöpsel befinden.

Das Abteil

Ein Argument der DB für die Einstellung des Nachtverkehrs war auch das veraltete Wagenmaterial und der angeblich niedrige Standard. Der Schlafwagen des Zuges war von der Bauart  WLABmz173.1 und von der DB Autozug übernommen. Erkennbar auch an der rot/lichtgrauen Lackierung. Bis zur Überarbeitung durch die ÖBB wird der auch noch einige Monate so weiter fahren.

Die Einschätzung aus dem Bahntower kann ich so gar nicht nachvollziehen. An vielen Stellen im Abteil und Dusche/WC an den Waggonköpfen kam schon das aus den ICE bekannte Holz in Multiplex-Optik zum Einsatz. Die Betten auch im 2. Klasse-Abteil haben eine angenehme Breite von einem Meter und eine bequem harte Matratze. Lediglich die Fensterdichtungen hätten mal überarbeitet werden können.

Im Standard-Abteil findet sich hinter Klapptüren ein Waschtisch mit Spiegel und Steckdose für Rasierer.

Die Abteile lassen sich verschließen. Für den Zutritt von Außen gibt es eine Schlüsselkarte mit Lochkartenmuster.

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Eine weitere Steckdose befindet sich am Kopf des untersten Bettes und ist für eine Leistung von 150W ausgelegt. Wer also mit vielen Geräten und/oder mehreren Reisenden in so einem Abteil unterwegs ist, sollte über Akkupacks und Mehrfachstecker nachdenken. Hier könnte die ÖBB sicher noch etwas nachlegen. Genauso wäre WLAN sinnvoll.

Sanitäre Einrichtungen

Im Schlafwagen gibt es – neben den in die Deluxe-Kabinen integrierten Duschen und WC´s – jeweils ein WC und ein kombiniertes WC mit Duschkabine am Kopf. Die Sauberkeit war gegeben. Lediglich die Papierkörbe sind ein wenig zu klein, so dass stets benutzte Papierhandtücher hinaushingen. Das sieht nicht schön aus. Aber im Grunde kennt man das aus den ICE. Einige Pappnasen verstehen die englische Aufschrift „Push“ nicht und stopfen ihre Papiertücher in sämtliche Öffnungen der Schränke der WC-Kabine….

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Wer morgens wirklich duschen möchte, sollte aber ein Deluxe-Abteil wählen. Schließlich kann niemand garantieren, dass zur gewünschten Zeit die Kabine frei ist. Wer, wie ich, am Zielort wohnt, kann sich den Aufpreis lieber sparen und stattdessen zu Hause duschen. Als Alternative gibt es in vielen größeren Stationen in Deutschland aber auch Duschkabinen in den WC-Anlagen der Bahnhöfe.

Verpflegung an Bord

Nachdem die Ticketkontrolle durchgeführt wurde, hatte ich die Möglichkeit beim Steward eine Kleinigkeit zu Essen zu bestellen.

Ich habe mich für eine Gulaschsuppe entschieden, die recht schmackhaft, aber ein wenig zu kühl war. Für 5,60€ inkl. recht sättigender Sandwiches als Beilage ein mehr als fairer Preis, der allerdings bar zu entrichten war.

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Um besser Essen zu können, wurde ein kleiner Tisch aufgebaut. Diese befinden sich normalerweise hinter Klappen im Gang des Waggons. Nach dem Essen wurde der Tisch schnell wieder abgebaut und das Bett ausgeklappt.

Kann man im Schlafwagen wirklich schlafen?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Es soll ja Leute geben, die selbst ohne Alkoholeinfluss tief und fest auf einer Bassbox in der Disco schlafen können. Ich bin da leider etwas empfindlicher und das ist auch das große Manko der Schlafwagen.

Zum Einen gibt es eine ganze Reihe von Lichtquellen, wie bspw. floureszierende Aufkleber, beleuchtete Schalter und ein kleiner Spalt unten an der Tür, wo sich das Blech etwas verzogen hat.

Zum Anderen brummt quasi die ganze Zeit die Belüftung. Lediglich beim Flügeln des Zuges in Nürnberg sowie während Recuperationsphasen ist es eine Weile ruhig. Das kann schon ganz schön nervig sein. Getoppt wird der Soundteppich allerdings von der Spülung des WCs im Deluxe-Abteil inmitten des Waggons. Man liegt quasi direkt mit dem Ohr daneben.

Aus den genannten Gründen war an Tiefschlaf nicht zu denken. Allerdings fühlte ich mich am Tag danach dennoch nicht wirklich gerädert und bin nach kurzem Aufenthalt zu Hause frohen Mutes ins Büro gefahren. Somit konnte ich problemlos einen Urlaubstag einsparen, den ich ansonsten sinnlos im Zug verbracht hätte.

Vielleicht ist das aber auch alles Gewöhnungssache. Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach den Prosecco statt des Bieres trinken. Von Sekt werde ich nämlich immer schon nach drei Schluck müde.

Das Frühstück

Das Wecken erfolgte vereinbarungsgemäß eine Stunde vor Ankunft in Köln. Wie angekündigt, kam 10 Minuten später der Steward mit dem Klapptisch und Frühstückstablet vorbei.

Im Preis sind sechs Komponenten inbegriffen. Jede weitere kostet einen Aufpreis von einem EUR (alles bar zu bezahlen). Das Heißgetränk kann man sich kostenlos nachfüllen lassen.

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Der Kaffee war genießbar, die Brötchen OK. Man merkte ihnen aber an, dass sie vom Vorabend waren. Ich glaube etwas Brot als Alternative würde einen noch besseren Eindruck hinterlassen.

Wie komme ich an ein Ticket und was kostet es?

Tickets lassen sich sowohl über bahn.de als auch oebb.at beziehen. Da die DB für eine Übergangszeit noch Tickets mit BahnCard-Rabatt verkaufen darf, ist aktuell für Schlafkabinen die DB die bessere Adresse. Ein weiterer Vorteil bei der DB: Sparpreis-Tickets lassen sich teilweise stornieren. Bei einem Nightjet-Ticket gilt das lediglich für den Fahrkartenanteil (ohne Reservierung Schlafplatz) und es werden aktuell 19,50€ Stornogebühren zusätzlich abgezogen. Tickets sind als PDF zu erhalten und müssen aber ausgedruckt mitgeführt werden.

Für die einfache Strecke in einer Einzelkabine habe ich 151,90€ bezahlt. Die unterschiedlichen Abteilkategorien findet ihr hier.

Fazit

Die Reise im Nachtzug ist nach wie vor eine gute Alternative auf längeren Strecken. Vielfach lässt sich auch noch Geld dabei sparen. Auf jeden Fall spart man aber eine Menge Zeit.

Die ÖBB tut wirklich Alles, damit sich der Gast wohlfühlen kann. Die Inklusivleistungen für Schlafwagengäste sind vorbildlich.

Demnach wird das sicher nicht die letzte Fahrt im ÖBB Nightjet gewesen sein.

Eine Sache aber sollte die ÖBB unbedingt überdenken: Es kann nicht sein, dass sich die Deutsche Bahn aus dem Geschäft zurückzieht, der ÖBB die notwendigen Investitionen und das unternehmerische Risiko überlässt und dann nicht nur günstigere Preise anbieten kann, sondern darüber hinaus noch die Vertriebsprovision einstreicht.

Die ÖBB sollte tunlichst dafür sorgen, dass über oebb.at stets der günstigste Preis verfügbar ist und die BahnCard wie VorteilsCARD und Halbtax-Abo die üblichen 25% Rabatt sicherstellen.