Kurz angetestet: Curve Proxy-Mastercard

Bereits seit Längerem ist Curve am Markt verfügbar. Dabei handelt es sich um die Kombination aus einer NFC-fähigen Mastercard und einer Smartphone-App in der man seine bestehenden und hinterlegten Debit- und Kreditkarten verwalten kann.

Im Gegensatz zu Prepaid-Angeboten wie Revolut und boon. werden mit Curve getätigte Umsätze 1:1 einer der hinterlegten Kartenkonten belastet. Ein vorheriges Aufladen wie bei den zuvor genannten Anbietern entfällt. Über die App steuert man, welches Kartenkonto belastet werden soll.

Vielreisende dürften sich darüber freuen, dass Curve bis zu 500 GBP/Monat keinen Aufschlag in Fremdwährung erhebt. Weiterhin sind in der kostenlosen Basisversion („Curve Blue“) Barabhebungen am Geldautomaten bis zum Gegenwert von 200 GBP kostenlos, wobei Curve „free domestic ATM-withdrawals“ bewirbt.

Einrichtung und Registrierung

Die Einrichtung von Curve verläuft blitzschnell und problemlos. Es werden einzig Adressdaten und das Geburtsdatum abgefragt. Man benötigt kein Video-Ident und es müssen auch keinerlei Dokumente hochgeladen werden.

Das Hinterlegen diverser Mastercard und VISA-Karten erfolgt durch einfaches Abfotografieren (oder manueller Eingabe der Kartendaten). Je nach Kartenherausgeber öffnet sich ein Sicherheitsdialog der die Eingabe einer SMS-TAN, die Bestätigung in einer Push-TAN-App oder auch einfach gar keine Interaktion erwartet. Bei einer Business-Mastercard wurde mir stattdessen ein kleiner Betrag mit einem Code abgebucht und anschließend wieder storniert.

Curve versucht anhand der BIN die ausgebende Bank zu erkennen und blendet im positiven Falle ein Abbild der Karte des Kunden ein.

Ich konnte, neben Karten der Sparkasse,_ problemlos auch polnische Mastercards (Alior Bank) und eine Revolut VISA hinterlegen.

Aktuell werden keine American Express-Karten (mehr) unterstützt. In UK läuft allerdings eine Closed-Beta und es ist damit zu rechnen, dass Amex 2019 europaweit zurückkehren wird.

Business vs. Consumer

Die Curve-Karten gibt es in einer Consumer und einer Business-Variante. In der Business-Variante ist die sogenannte Interchange-Gebühr nicht auf 0,2% vom Umsatz gedeckelt. Der Händler bezahlt also höhere Gebühren, aus denen sich Curve finanzieren kann.

Ich habe bei der Registrierung nicht wissentlich „Consumer“ oder „Business“ angeklickt. Da ich aber eine Business-Mastercard hinterlegt habe, scheint man mir automatisch eine Business-Card angelegt und zugeschickt zu haben.

Die blau-violett schimmernde Plastikkarte erreichte mich in einem schlicht aber nett gestaltetem Papierkuvert rund sieben Tage nach Beantragung.

„Curve Black“

Die kostenpflichtige Variante nennt sich „Curve Black“ und bietet kostenlose ATM-Nutzung bis zum Gegenwert von 500 GBP/Monat. Für einmalige 50 GBP erhält man des Weiteren ein „Tumi“-Portemonnaie.

„Go back in time“ – Umbuchen fehlgeleiteter Kartentransaktionen

Jeder, der mehrere Karten in seinem Portemonnaie mit sich herumträgt, dürfte das Problem kennen. Man hat versehentlich ein Bahnticket für die nächste Geschäftsreise mit der Karte zum Haushaltskonto bezahlt oder aber das schnelle Mittagessen bei McDonalds landete versehentlich auf der Firmenkarte.

Normalerweise endet so etwas meistens mit Diskussionen mit der Buchhaltung oder Reisestelle. Mit Curve hat man jedoch die Möglichkeiten, Zahlungen mit einem Gegenwert bis zu 1000 GBP innerhalb von 14 Tagen zu stornieren und einer anderen Karte zu belasten.

 

Das funktioniert pro Zahlung allerdings nur einmal. Der Prozess ist dabei kinderleicht durchzuführen.

Nachteile und Fallen

Die Curve-Karte wird über Global Processing Services auf der Isle of Man abgewickelt. Das ist der gleiche Dienstleister, mit dem auch Revolut zusammenarbeitet. In der Vergangenheit gab es dort mehrere Ausfälle, so dass Kartenzahlungen nicht durchgeführt werden konnten. Darüber hinaus gibt es meiner Meinung nach zu häufig Wartungsfenster bei GPS. Diese werden aber bei Curve wenigstens per Push-Nachricht angekündigt.

Die Karte hat als „Heimatwährung“ GBP eingestellt. Wer viel in Polen und anderen Ländern ohne EUR unterwegs ist, kennt das Problem. Händler versuchen dem Kunden die Umrechnung in die Heimatwährung der Karte zu ihren horrenden Konditionen aufzuschwatzen. Mit GBP als Hauptwährung kann einem das aber natürlich auch zuhause in Deutschland – da wo man es am Wenigsten erwartet – und allen anderen EUR-Ländern passieren.

Überschreitet man die Limits in Bezug auf Fremdwährungen oder verfügt am Wochenende, gibt es teilweise höhere Aufschläge, als sie einige Banken und Deutschland berechnen.

Sinn und Zweck

Was ist aber nun der Sinn hinter Curve und für wen ist Curve geeignet? Jeder, der mehrere Debit- und Kreditkarten besitzt und diese zu unterschiedlichen Zwecken einsetzt. Im Idealfall können so selten genutzte Karten einfach zuhause verbleiben. Man benötigt nur noch die Curve-Karte im Portemonnaie. Und zur Sicherheit eine weitere Karte (siehe oben).

Viele Kreditkarten klassischer Banken berechnen Fremdwährungsentgelte zwischen 1% und 2,2%. Mit Curve lassen sich so alle Vorteile (hohes Kreditlimit, Bonusprogramme) der Hausbank auch außerhalb der EUR-Zone nutzen.

Mobile Payment

Aktuell besitzt die Curve-Card einen NFC-Chip. Die App unter Android unterstützt keine Zahlungen per HCE. Google Pay und Apple Pay werden zur Zeit ebenfalls nicht unterstützt, sie stehen aber schon seit einer Weile auf der Roadmap. Wann es denn endlich soweit sein wird, kann niemand sagen. Sollte der Fall jedoch eintreten, können auch die Kundinnen und Kunden der sich verweigernden Banken wie Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen in den Genuss der jeweiligen Mobile Payment-Lösung kommen, ohne auf ihre gewohnte Kreditkarte verzichten zu müssen.

Fazit

Technisch eine zweifellos interessante Lösung mit dem Nachteil, dass aktuell noch keine Mobile Payment-Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Wie sich so ein Dienst dauerhaft finanzieren kann, ist mir allerdings ziemlich schleierhaft.