Kurz angetestet: American Express-Karte von Payback

Vorgeschichte

Vor rund acht Jahren hat American Express die deutsche Firma Loyalty Partner, die Betreiberin von Payback, für sagenhafte 500 Millionen Euro gekauft. Logisch, dass es irgendwann auch eine American Express-Karte mit Payback-Branding geben würde. Interessanterweise vermarktet man aber immer noch mit der BW-Bank zusammen eine VISA-Karte.

Sollte in der Anfangsphase die Amex-Karte nur in der ersten Zeit kostenlos sein, so hat man irgendwann damit begonnen, die Karte auf Lebenszeit ohne Mitgliedschaftsgebühr zu vermarkten und den Absatz mit 1000 (10€) bis 4000 (40€) zusätzlichen Payback-Punkten zu fördern.

Zeitweise war die Werbung derart penetrant, dass ich mich auf Twitter mehrfach zu unflätigen Kommentaren habe hinreißen lassen und diese Praxis auch in einem Blogbeitrag kritisiert. Ich war halt jung und brauchte die Karte nicht.

Geänderte Ausgangslage durch Apple Pay

Vorweg: Ich hatte Stand Dezember 2018 kein wirkliches Bezahlproblem. Neben der Kombination aus girocard und Kreditkarte (Mastercard) meiner deutschen Hausbank, habe ich allerlei Prepaid-Karten von Fintech-Unternehmen für den Blog getestet (Revolut, DiPocket, boon., VIMpay) und die meisten davon nach Ende des Tests nicht gekündigt. Immerhin boon. und VIMpay bieten eine Unterstützung für Apple Pay an. Darüber hinaus existieren ja auch noch die Debit Mastercards meiner polnischen Bank (in €, GBP und PLN), die ebenfalls Apple Pay unterstützen. Die polnische Bankverbindung habe ich eigens im Sommer 2018 für Apple Pay reaktiviert (Konten waren gelöscht, Identifikation aber noch gültig). Ursprünglich habe ich diese mal vor Urzeiten eröffnet, weil einige Online-Systeme früher zwingend polnische Karten erwartet haben um bspw. Guthaben auf ein T-Mobile-Konto zu laden. Inzwischen geht das glücklicherweise auch ohne.

Also warum der Sinneswandel? Ganz einfach: Bedingt durch meine vielen geschäftlichen Reisen bietet sich ein echtes „Credit“-Produkt an. Nach über zwei Jahren Nutzung von Apple Pay via boon. merke ich, dass mich alleine das Herauskramen der Plastikkarte schon so nervt, dass ich eine geschäftliche Ausgabe lieber via Apple Pay mit einer meiner Debit/Prepaid-Karten begleiche, als die eigentlich dafür vorgesehene Kreditkarte zu nutzen, die mich immerhin 89€ im Jahr kostet.

Unter den Launchpartnern von Apple Pay befand sich, neben American Express noch die Hanseatic Bank mit einer VISA-Karte, als einzige Credit-Produkte, die nicht an die Eröffnung eines Girokontos gebunden sind. Die VISA ist in der Grundversion ebenfalls kostenlos.

Die Wahl ist dennoch auf Amex gefallen, da es hier immerhin noch 0,5% Einkaufsrabatt via Payback gibt und sich in den letzten Monaten sehr viel auf der Akzeptanzsseite getan hat. Darüber hinaus bietet die Hanseatic VISA in der kostenfreien Variante „bis zu“ 2.500€ monatlichen Verfügungsrahmen. Da ich recht häufig Monate im Voraus Hotels und Bahntickets buche und bezahle, gibt es durchaus Monate wo das knapp werden könnte. Und Ziel der Aktion war es ja, geschäftliche Umsätze nicht wieder über x Konten verteilen zu müssen, auch wenn das an manchen Stellen akzeptanzseitig schwierig werden dürfte.

Der Beantragungsprozess

Die Beantragung erfolgte über einen „Freunschaftswerbung“-Link, den ich vom Blogger Robert (aka BavarianGeek) erhalten habe. Robert erhielt übrigens 4.000 Punkte, die 40€ entsprechen, auf sein Payback-Konto. So macht Werben Spaß!

Ich habe den Prozess auf meinem Smartphone durchlaufen. Neben den üblichen Daten wie Name, Anschrift, Geburtsdatum und Bankverbindung (die mind. zwei Jahre bestehen sollte), wurde lediglich nach dem Nettoeinkommen gefragt. Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie einst die Commerzbank für die BahnCard-Kreditkarte einen x-seitigen Fragebogen online gestellt hat und niemand auf die Idee gekommen ist, dass wenn ein potentieller Kunde die damals rund 6500€ für eine BahnCard 100 First aufbringen kann, man dieses Prozedere vielleicht etwas straffen könnte. Conversion Rate Zero bei mir damals.

Weiterhin kann man im Antrag die PIN für die Karte festlegen. Nach Absenden des Antrags erfolgte eine Vorprüfung Im Hintergrund und eine vorläufige Bestätigung des Kartenvertrags. Dazu gab es die Möglichkeit entweder ein Formular für das PostIdent-Verfahren auszudrucken sowie einen Link, um das gleich Live am Smartphone durchführen zu können. Da es schon sehr spät am Abend war, habe ich mich dazu entschlossen das VideoIdent-Verfahren am nächsten Tag durchzuführen.

Die Wartezeit auf einen freien Agent betrug fast eine Stunde. Angesichts des ApplePay-Ansturms kurz vor Weihnachten allerdings auch kein Wunder. Dafür gab es eine einfache Lösung: Handy (mit Ladekabel) einfach auf dem Schreibtisch liegen lassen und weiterarbeiten 😉 Der eigentliche Identifizierungsprozess war dann aber innerhalb weniger Minuten abgeschlossen.

Kurze Zeit später erhielt ich eine Bestätigung über die erfolgreiche Identifizierung und weitere E-Mails mit Informationen bspw. zum Lastschrifteinzug. Interessanterweise hat sich ein Tippfehler in die BIC meiner Bankverbindung eingeschlichen. Wie das passieren konnte? Keine Ahnung, aber eine gute Gelegenheit um den vielbeschworenen Amex-Service am Telefon live testen zu können.

Ein kurzer Anruf unter Nennung der Referenznummer des Kartenantrags ergab, dass man das schon manuell korrigiert hätte und dem Einzug der Monatsrechnung nichts im Wege stehen würde. Wartezeit: Unter einer Minute. Das passt!

Auslieferung und Aktivierung der Karte

Der Kartenantrag wurde spätabends am 18.12. gestellt und die Legitimierung fand am 19.12. statt. Ich habe die Karte am 02.01. im Briefkasten vorgefunden. Die Aktivierung der Karte kann entweder telefonisch, per Webseite oder innerhalb der Amex App stattfinden. Ich habe mich für die Aktivierung mit der iOS App entschieden.

Die Karte wird einfach mit der App fotografiert. Danach muss man noch die hinterlegte E-Mail Adresse eingeben und ein Kennwort vergeben. Diese Daten gelten dann auch für die Online Services.

Weiterhin fragt das System weitere Daten wie bspw. die Mobilfunknummer ab. Meine Mobilfunknummer wurde, warum auch immer, von der App nicht akzeptiert, ließ sich aber im Webportal nachtragen.

Als Nächstes habe ich die Karte für das iPhone und die Apple Watch aktiviert. Das ging soweit auch unproblematisch. Lediglich die Freigabe für die Watch hat etwa 30 Minuten gedauert. Beim iPhone waren das weniger als 30 Sekunden.

In den darauf folgenden Tagen erreichten mich noch einige E-Mails mit Hinweisen darauf, dass ich a) die Karte aktivieren könnte, b) die Karte benutzen könnte, c) mit der Karte Payback Punkte sammeln könnte und d) dass die Karte für Apple Pay geeignet sei. Für meinen Geschmack etwas zu viel E-Mail Kommunikation, aber wenn man 60€ (40€ für den Werber, 20€ für den Geworbenen) plus die Kosten für das Onboarding betrachtet, so soll die Karte natürlich nicht ungenutzt im Portemonnaie des Nutzers vergammeln.

Da ich es irgendwie beim Beantragen wohl übersehen habe, musste ich über das Payback-Service-Center, dessen Rufnummer ebenfalls auf der Rückseite der Karte vermerkt ist, noch das neu angelegte Payback-Konto für die Amex-Karte mit meinem bestehenden Konto verbinden lassen. Das ging aber sehr unkompliziert am Telefon.

Erste Einsätze

Als Erstes mal habe ich die Karte bei den von mir genutzten Reisewebsites hinterlegt und als zusätzliche Karte bei PayPal registriert. Leider ließ sich aus der Vormerkung, über die der Kunde per Push-Nachricht informiert wird und die in der App einzusehen ist, nicht der Code für PayPal auslesen. Daher konnte die Verifizierung erst nach erfolgter Buchung (ca. 2 Tage) erfolgen.

Die ersten Zahlungen per NFC via Apple Pay (Watch) und online verliefen völlig problemlos. Aber das war eh nicht anders zu erwarten. Für Apple Pay Nutzer hat sich Amex noch ein kleines Schmankerl ausgedacht. Alle Zahlungen, egal ob mit Watch, iPhone, Plastikkarte oder online, werden auf dem iPhone in der Apple Pay Zahlungsübersicht der Wallet dargestellt.

POS-Zahlungen habe ich bislang bei REWE und ALDI Süd getätigt. Einige User berichten immer noch über Probleme mit kontaktlosen Zahlungen über 25€ bzw. 50€. Anscheinend scheint es noch Terminals zu geben, die einige für „ExpressPay“ – so heißt die Amex-Variante von PayPass und Paywave – notwendige Updates und Einstellungen nicht mitgemacht haben. Bei den gängigen Einzelhändlern und Systemgastronomen dürften keine Probleme zu erwarten sein.

Wichtig wäre noch zu wissen, dass American Express recht hohe Fremdwährungsgebühren von 2% verlangt, wobei zunächst eine Umrechnung in US-Dollar stattfindet.

Ein Vorteil hat die Karte aber dann doch im Ausland: Amex unterbindet DCC, d.h. selbst mit 2% Fremdwährungsgebühr kommt man wesentlich günstiger weg, als wenn Händler ungefragt per DCC in EUR umrechnen!

Verfügungsrahmen

Während man bei Mastercard und VISA, bei fast allen Kartentypen, einen vom Kartenherausgeber festgelegten und mitgeteilten, monatlichen Verfügungsrahmen hat, rühmt sich Amex damit, dass es kein festgelegtes Ausgabenlimit gibt.

Das regt natürlich immer wieder zu Spekulationen an: „Was passiert, wenn ich mit der Karte plötzlich den Porsche bezahlen möchte….“.

In der Praxis dürfte das Kreditlimit doch stark von den Nutzungsgewohnheiten des Kunden abhängig sein. Immerhin gibt es auf der Webseite inzwischen eine Testfunktion. Man kann einen beliebigen Betrag angeben und das System zeigt an, ob dieser autorisiert werden kann oder nicht. Das sollte man vielleicht nicht zehn Mal am Tag ausprobieren, ist aber eine gute Möglichkeit um vor Bezahlen einer größeren Anschaffung auf Nummer sicher zu gehen.

Amex im Alltag

Wie sich die Karte im Alltag schlägt, lest ihr in Kürze im zweiten Teil!