Endlich: Apple Pay in Deutschland gestartet

Viel Zeit ist vergangen, seitdem Apple mit seinem mobilen Bezahldienst im Oktober 2014 in den USA gestartet ist. Jedes Apple Event ab da war auch stets begleitet von der Hoffnung, dass es nun auch in Deutschland endlich mit Apple Pay los ginge.

Bis wir in Sachen kontaktloser Kartenakzeptanz – abseits von Tankstellen und Discountern – einen einigermaßen akzeptablen Stand erreicht hatten, bei dem die Technologie Sinn macht und Zahlversuche nicht regelmäßig in Diskussionen mit Kassenpersonal und ggf. Polizei endeten, sollten aber schon noch ein paar Jahre vergehen. Man kann aber sagen, dass spätestens seit Mitte/Ende 2017 eine vernünftige Grundlage für einen Start bestanden hätte.

Dennoch sollte es bis zum 31.07.2018 dauern, bis in einem Nebensatz in einem „Earnings Call“ von Tim Cook erwähnt wurde, dass Apple Pay „later this year“ auch in Deutschland starten würde. Damals wurden eine Reihe von Banken genannt, die ab Start dabei sein sollten.

Etwas mehr als drei Monate später, hat sich verständlicherweise noch die eine oder andere Änderung ergeben, so dass nunmehr folgende Banken mit Karten zu ihren Girokonten ab Start dabei sind:

  • N26
  • Deutsche Bank
  • HypoVereinsbank
  • bunq (Mastercard und maestro)
  • comdirect
  • fidor Bank (inkl. O2-Banking)

Wer kein Konto bei einem der oben genannten Institute hat und auch keines dort eröffnen möchte, der hat die Möglichkeit eine entsprechende kontoungebundene Karte bei einem der folgenden Anbieter zu beziehen:

Prepaid:

Kreditkarten:

  • American Express
  • Hanseatic Bank (VISA)

Es bleibt zu hoffen, dass der Druck auf die noch nicht teilnehmenden Institute (insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken) schnell steigt, ihre zögerliche Haltung bzgl. Apple Pay aufzugeben. Man darf halt nicht vergessen, dass gerade die Kundinnen und Kunden der genannten Institute im Branchenvergleich überdurchschnittlich hohe Kontoführungsgebühren und Jahresbeiträge für Mastercard und VISA-Karten bezahlen, so dass deren Verweigerungshaltung eigentlich durch nichts zu rechtfertigen ist.

girocard

Abgesehen vom niederländischen Anbieter bunq (auch Maestro) starten alle Anderen erst einmal mit Mastercard, VISA oder American Express. Deren Akzeptanz steigt zwar in Deutschland kontinuierlich, dennoch gibt es immer wieder Händler und Gastronomen, die lediglich girocard akzeptieren.

Auch wenn inzwischen viele Deutsche eine – zumeist in Form einer Charge-Card mit monatlicher Abrechnung ausgestellte – VISA oder Mastercard besitzen, so wird diese eher selten für Alltagskäufe genutzt. Zu viele fürchten sich, trotz Online Banking und Banking Apps, immer noch vor einer unangenehmen Überraschung am Monatsende. Das ist zwar irrational, aber nicht so leicht aus den Köpfen zu vertreiben.

Daher wäre es zumindest mittelfristig sinnvoll, wenn die großen Verfechter der girocard hier schnell die technischen und kaufmännischen Voraussetzungen treffen würden, um eine Nutzung mit Apple Pay zu ermöglichen. Denn soviel muss auch SFG und BVR klar sein: Kunden, die sich einmal an die regelmäßige Nutzung einer Mastercard oder VISA eines Drittanbieters gewöhnt haben, wird man nicht mehr mit dem Argument beikommen können, dass die girocard ja alle Buchungen so schön übersichtlich auf dem Girokonto vereint. Dafür gibt es inzwischen genügend Apps die diesen Nachteil wett machen.

Für den schnellen Einstieg

Eine universell für jeden gültige Empfehlung zu geben, fällt mir schwer. N26 rühmt sich mit einer Kontoeröffnung in nur acht Minuten über deren App. Die Deutsche Bank hat schon vorab kommuniziert, dass sie ähnlich wie VIMpay und boon. eine virtuelle Karte im Instant Issueing-Verfahren bereitstellen wird. Damit entfällt natürlich die Wartezeit auf die Postzustellung der Plastikkarte und deren Aktivierung via Apple Wallet oder Banking-App.

Wessen Bank von VIMpay auch für Sofortaufladung unterstützt wird, dürfte für einen schnellen Test von Apple Pay mit diesem Anbieter m.E. am Besten fahren. Der Dienst ist kostenlos und es fallen auch keine Fremdwährungsentgelte an. Somit sollte man in ca. 15 Minuten testbereit sein.

Bei boon. benötigt man eine Mastercard oder VISA-Karte um sein Konto direkt aufladen zu können. Der Umweg über eine SEPA-Überweisung benötigt i.d.R. ein bis zwei Bankarbeitstage. Darüber hinaus ist boon. nur für aktuell drei Monate kostenlos. Die Monatsgebühr i.H.v. 1,49€ nach Ende des Testzeitraums bekommt man mit den einigermaßen regelmäßig stattfindenden Cashback-Aktionen allerdings leicht wieder heraus. Das setzt aber voraus, dass man sich regelmäßig informiert und ggf. „strategische“ Zahlungen tätigt, also bspw. für den maximal boninfizierten Umsatz Gutscheine bei Onlineshops erwirbt.

Die nächste Sau bitte!

Egal, wohin man in den letzten Wochen blickte: Wohl kaum eine andere Frage aus dem Paymentbereich hat die sozialen Medien so sehr beschäftigt, wie die Frage nach dem genauen Starttermin und welche Bank vielleicht doch noch vom Start weg dabei sein wird. Jedes Gerücht wurde dankbar aufgegriffen und x-fach kommentiert.

Da dieses Thema nun durch ist, wird es höchste Zeit dass wir unsere Kristallkugeln zurück in den Schrank stellen und uns anderen wichtigen Fragen widmen 😉

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