Im Test: Festival-Armband von VIMPay („Fankarte“) mit integrierter Prepaid Mastercard (Update)

Aktualisiert am 25.07.2018

Bereits seit einiger Zeit geistert immer wieder das Thema „Wearables“ zu Payment-Zwecken durchs Netz. Die wohl bekannteste dieser „tragbaren“ Zahlungslösungen ist sicherlich die Apple Watch mit Apple Pay.

Darüber hinaus gibt es längst aber auch vergleichbare Lösungen anderer Hersteller. Seien es nun Samsung oder die Fitness-Tracker von Garmin und Fitbit. Alle diese Produkte haben natürlich eines gemeinsam: Das mobile Bezahlen ist eher als nettes Zusatzgimmick für diese nicht ganz günstigen Spielzeuge zu sehen.

Daneben gibt es aber auch eine andere Gruppe von Wearables: Armbänder, Schlüsselanhänger und sogar Ringe, die in ihrem Inneren einen NFC-Chip tragen. Ein Beispiel hierfür ist das Armband von VIMPay („Fankarte“). Anlässlich der Teilnahme an einem Workshop auf dem Hurricane Festival 2018 habe ich ein solches Bändchen mit 30€ Startguthaben kostenlos erhalten und möchte an dieser Stelle etwas näher auf die Funktionsweise eingehen.

 

Das Armband selbst besteht aus einem sehr weichen und angenehm zu tragenden Material. Es wird mit zwei Haken geschlossen, die in den dafür vorgesehenen Löchern sicher einrasten. Für zusätzliche Sicherheit gegen versehentlichen Verlust sorgt noch eine kleine Schlaufe.

Auf der Rückseite befindet sich eine Öffnung hinter der sich eine eine Miniversion einer Mastercard befindet:

Zum Größenvergleich: VIMPay Go Mini-Karte und normale Mastercard

Etwas hakelig wird es, wenn man sich das Armband anlegen möchte. Ich persönlich musste da ganz schön kämpfen. Aber einmal befestigt, sitzt es sehr bequem.

Registrierung und Guthabenaufladung

Bei einer Prepaid-Lösung stellt sich natürlich unmittelbar die Frage, wie man die Karte mit Guthaben aufladen kann. Hierfür muss man sich zunächst einmal die entsprechende App aus dem AppStore oder Google Play Store herunterladen.

Nach der Ersteinrichtung und Registrierung mit Mobilfunknummer, E-Mail Adresse, Wohnanschrift und Bankverbindung fügt man die „Fankarte“ als neues Device hinzu.

 

Das geschulte Auge erkennt sofort, dass man nunmehr zwei Konten mit getrennten Salden führt.

Die Aufladung erfolgt entweder vom als Referenzkonto hinterlegten Bankkonto per SEPA-Überweisung oder aber – instant – mit Hilfe eines Verfahrens das an SOFORT-Überweisung erinnert. In der App gibt man geführt von einem Assistenten alle notwendigen Daten des Online-Bankings inkl. Auswahl des gewünschten TAN-Verfahrens und die erhaltene TAN ein:

    

Das Guthaben wird zunächst dem Hauptkonto gutgeschrieben und muss in einem weiteren Schritt auf die Fankarte „geschoben“ werden:

 

Diesen Zwischenschritt finde ich ziemlich unnötig und nervig, lässt sich die im Armband integrierte Karte doch bequem über die App deaktivieren und wieder freischalten. Wer jetzt noch eine Garmin-Watch sein eigen nennt, wird wiederum ein weiteres Schattenkonto führen und ggf. Guthaben von A nach B nach C schieben dürfen.

An der Art der Aufladung stört mich aber noch eine weitere Geschichte: Als Sparkassen-Kunde habe ich neben meinem privaten Girokonto noch mein Tagesgeldkonto sowie diverse Firmenkonten samt Kreditkarten mit meiner Onlinebanking ID verknüpft.

Kontenübersicht. Mit der „Shield“-Taste lassen sich zu Demozwecken Daten in der App verfremden.

Standardmäßig werden alle mit der angegebenen Online-Banking ID verknüpften Konten und Kreditkarten importiert. Wer dies nicht wünscht, kann die nicht zu importierenden Konten/Karten abwählen. Sollten versehentlich zuviele Konten ausgewählt worden sein, so kann man diese später in der Multibanking-Funktion ausblenden. Um die Daten zu löschen, löscht man in den Einstellungen die Bankverbindung und bindet sie erneut ein.

In der Originalversion dieses Blogposts stand irrtümlicherweise, dass sämtliche Konten ohne vorherige Abfrage importiert werden.

Das Bezahlen

Das Bezahlen mit dem Armband funktioniert unspektakulär. Einfach an das Bezahlterminal halten und bei Beträgen von mehr als 25€ die PIN am Terminal eingeben. Vorausgesetzt der Kassendrachen ruft nicht, wegen des Verdachts das Terminal gehackt zu haben, die Polizei.

Sonstige Funktionen

Die App bietet weiterhin eine Multibanking-Funktion (nicht getestet)  als auch ein optional erhältliches Girokonto für 4,99€/Monat.

Die virtuelle Mastercard lässt sich neben dem Präsenzhandel auch online einsetzen. Kartennummer, CVC-Code und PIN lassen sich in der App einsehen.

Kosten

Die Kontoführung ist kostenlos. Ein Einsatz außerhalb der EUR-Zone ohne Fremdwährungsentgelte möglich. Laut Preisliste kostet eine Minikarte einmalig 15€.

Auf der Webseite befindet sich immer noch der Hinweis auf die Warteliste für das Armband. Allerdings konnte man ein mit 20€ geladenes Armband für eben diese 20€ auf dem Jazz Open erwerben:

 

Sinn und Nutzen

So ein Armband ist natürlich immer da praktisch, wo man nicht unbedingt mit seinem Portemonnaie unterwegs sein möchte, aber dennoch gerne in der Lage sein will bspw. Getränke und Speisen zu bezahlen. Wenn man mal die spezielle Situation in Deutschland außer Acht lässt, kommen einem da natürlich als Erstes Festivals und Sportveranstaltungen in den Sinn. Aber auch die morgendliche Joggingrunde mit anschließendem Brötchenkauf beim Bäcker oder die obligatorischen Pommes im Freibad.

Konzeptionelle Schwächen

Die Aufladung über das eigene Bankkonto ist sicherlich für viele Deutsche die bevorzugte Variante. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass im Falle der Nutzung auf einem Festival eine sofortige Aufladung nur möglich ist, wenn man seine TANs auf dem Smartphone empfängt. Oder mit TAN-Generator etc. auf Reisen geht.

Man merkt auch, dass man für den Einsatz bei Großveranstaltungen noch über kein so umfassendes Konzept wie das polnische Pendant DiPocket verfügt. Auf dem Open’er Festival in Gdynia ließen sich die vergleichbaren Bändchen nicht nur mit im voraus geladenem Guthaben erwerben, sondern man konnte diese auch vor Ort mit Bargeld an speziellen Automaten wieder aufladen. Solange die Karten nicht registriert wurden, ließen sie sich auch nur auf den Festivals des Veranstalters Alter Art einsetzen. Erst durch die Registrierung war eine Verwendung im internationalen Netz von Mastercard möglich.

Will man hier wirklich mit einem Open-Loop-System komplett auf bargeldlose Bezahlung setzen, wird man um entsprechende Antworten nicht herumkommen.

Fazit

Für die o.g. Einsatzzwecke sicherlich eine interessante Lösung. Im Alltag möchten wahrscheinlich nur die wenigsten Menschen mit Mastercard Merchandising durch die Stadt laufen (Verfasser mal ausgenommen ;-)), so dass sich hier eine Garmin oder Apple Watch eher anbieten dürfte.

Die Verquickung von Bezahlsystem, Multibanking und Girokonto in einer App finde ich eher suboptimal.

Möchte man mit dem Produkt in Wettbewerb zu Closed-Loop-Anbietern bei Großveranstaltern treten, so ist sicherlich noch Einiges an Arbeit notwendig.