Warum Monopole im Kartenzahlungsmarkt schädlich sind

In der Geschichte hat bislang noch nie ein Monopol dem Konsumenten gedient. Vielmehr dient ein Solches stets der Gewinnmaximierung des/der Monopolinhaber und verhindert Innovation und marktgerechte Preise für den Kunden.

Nun besitzt die Deutsche Kreditwirtschaft mit der girocard (landläufig ec-Karte genannt) kein echtes Monopol, jedoch sorgt ein Marktanteil von 92% nicht gerade dafür, dass Wettbewerber Innovationen zuerst an der konservativ-rückständigen deutschen Bevölkerung testen.

Da seit Jahrzehnten jeder Bankkunde in Deutschland bei Kontoeröffnung eine girocard ausgestellt bekommt, befinden sich mehr Karten im Umlauf als unser Land Einwohner hat. Ursprünglich einmal als Garantiekarte für ausgestellte Schecks gedacht, hat sie sich quasi zum einzigen flächendeckend akzeptierten bargeldlosen Zahlungsmittel in Deutschland entwickelt. Händler können neben dem PIN-basierten Verfahren mit garantierter Zahlung auch zwischen verschiedenen Lastschrift basierten Systemen wählen.

Damit der Kunde auch im Ausland flüssig bleibt, wird neben einigen bilateralen Kooperationen (EAPS, EufiServ) ein internationales Debit-Verfahren zusätzlich auf die Karte gebracht. Hierbei handelt es sich um maestro von MasterCard und – immer häufiger auch – V-Pay von VISA. Aus Sicht des deutschen Bankkunden läuft also alles perfekt. Oder etwa nicht?

Besucher aus dem Ausland reiben sich immer wieder verwundert die Augen, wie groß doch die weißen Flecken bei uns sind und wo es überall noch heißt: „Mindestumsatz 10 EUR“ oder „Keine Kartenzahlung“.

Wieso ist das so? Nun, zum Einen haben wir Deutschen immer noch eine nahezu erotische Beziehung zum Bargeld, die auch nach dem Ende der D-Mark wundersamer Weise kaum abgekühlt ist. Zum Anderen ist die der Marktmacht der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) geschuldete Gebührenstruktur nicht unbedingt geeignet, weitere Handels- und Dienstleistungssegmente zu erschließen.

Mit einem Basisentgelt für die Autorisierung einer Zahlung von 7 Cent (früher 8 Cent) empfiehlt sich die Karte nicht gerade für Kleinbeträge wie bspw. dem Einkauf in der Bäckerei oder den Ticketkauf im Bus. So verwundern Mindestumsätze, wie sie einige Händler immer noch fordern, nicht im Geringsten.

Abhilfe sollte hier ein weiteres, auf der Karte aufgebrachtes, System schaffen: Die GeldKarte. Diese Prepaid-Lösung sollte irgendwann einmal sogar zu einem europaweiten Standard werden. Allerdings wurde diese weder von den deutschen Kunden akzeptiert, noch hat die Zusammenführung mit dem niederländischen Chipknip oder dem österreichischen Quick jemals stattgefunden.

Im Jahr 2015 gibt es immer noch keine im Markt etablierte Lösung für günstige und schnelle kontaktlose Zahlung im Laden per NFC. Der Versuch der Sparkassen mit girogo dem Zombie GeldKarte neues Leben einzuhauchen kann man getrost als gescheitert bezeichnen. Selbst in der ehemaligen Pilotregion in und um Hannover haben viele Händler die Lesegeräte wieder abgebaut oder haben auf die NFC-Systeme der internationalen Kartenanbieter gewechselt.

Während sich in vielen Ländern mit den dort ausgegebenen Debitkarten auch online bezahlen lässt, ist dies in Deutschland nicht möglich. Entweder der Händler bietet auf eigenes Risiko den Einzug via Lastschrift an oder der Kunde muss sich eines weiteren Dienstes (PayPal, giropay etc.) oder einer anderen Karte bedienen.

Auch bei Reisen ins Ausland sind die von den Banken ausgegebenen Karten nicht unbedingt vorteilhaft. Viele Sparkassen verlangen bspw. neben einem prozentualen Fremdwährungsaufschlag auch eine Mindestgebühr für die bargeldlose Zahlung mit ihrer maestro-Karte in Ländern die nicht Teil der Währungsunion sind (in meinem Fall immerhin 84 Cent!)

Für Gäste aus dem Ausland sorgt ein solch starkes nationales Zahlungssystem auch dafür, dass ihre Karten an vielen Orten nicht akzeptiert werden. Die Discounter im Lebensmitteleinzelhandel haben inzwischen zwar immerhin auch die internationalen Debitmarken V-Pay und maestro freigeschaltet, jedoch nützt dies leider keinem polnischen Gast. Dort werden mittlerweile fast ausschließlich Debit-Varianten von VISA und MasterCard ausgegeben. Selbstverständlich mit NFC!

Dank eines vor langer Zeit geschlossenen Gentlemen´s agreement sind sie auch (noch) sicher vor all zu hartnäckiger Konkurrenz durch MasterCard und VISA. Anders ließe sich deren Lethargie im deutschen Markt auch kaum erklären.

Gekniffen sind wieder mal nur die Konsumenten die neidisch auf die Entwicklungen in den Nachbarländern schauen müssen und sich nicht zu selten grün und blau ärgern.

13 Gedanken zu “Warum Monopole im Kartenzahlungsmarkt schädlich sind

  1. Ein richtig großes Problem sind die hohen Kosten bei der Fremdautomaten-Nutzung. Sparkassen, Volksbanken und privatwirtschaftliche Banken gönnen sich da gegenseitig nichts. Das ist aber auch typisch deutsch. Schon in Österreich sieht es wesentlich kundenfreundlicher aus.
    In Großbritannien gibt es auch ein nationales System namens LINK (mit eigener EMV-App), bei dem grundsätzlich alle Nutzer kostenlos abheben können. Es gelten Grundsätze wie „dem Kunden darf nur von seiner Hausbank oder (nicht und) der automatenbetreibenden Bank ein Entgelt belastet werden“, „wer direkte Kundenentgelte verlangt, bekommt kein Interbankenentgelt“ oder „finanzielle Inklusion durch Aufstellung kostenlos nutzbarer Automaten auch in wirtschaftsschwachen Wohngebieten“.

    Das mit den Fremdwährungsgebühren ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Gerade im gelobten (Eng-)Land ist das wesentlich schlimmer. Vielleicht der Insellage geschuldet, aber dagegen sind die Konditionen in der BRD sehr fair.

    Ein abschreckendes Beispiel ist in Deutschland die Echterdinger Bank (na gut, es ist eine sehr kleine Bank in einem kleinen Ort, aber solche werden strukturell immer größere Probleme haben). Fremdwährungsgebühr für Maestro- oder V-PAY-Einsatz 5 Euro pro Transaktion! => https://www.echterdinger-bank.de/content/dam/f1848-0/bilder_style_2013/System/11-2014%20-%20Stand%20November%202014.pdf

    Das Problem ist auch, dass MasterCard und VISA im Grunde aus Vereinigungen von Mitgliedsbanken entstanden sind und deswegen auf die lokalen Gegebenheiten Rücksicht nehmen müssen. Wo es in einem Inselstaat schon vor zwanzig Jahren hieß, „Visa Delta – Making Cheques a Ker-Ching of the Past“, traut sich hierzulande das innovative Number26 nicht mal, das Wort Debitkarte auf ihre Website zu schreiben (obwohl deren Angebot faktisch eine Debit MasterCard ist). Peinlich…

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    1. 5 EUR für einen Einsatz der maestro im Ausland? Die haben echt den Schuss nicht gehört. Wie verhindert man die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel effektiv? Genau so. Ich würde aus Prinzip mit der Karte zwanzig Bustickets á 35 Cent in Warschau ziehen und dann gegen die Gebühren klagen.

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      1. Also das hat mich auch aus den Socken gehauen. Selbst die Konten für die Kundschaft mit Schufa-Problemen à la Wirecard Prepaid Trio sind da großzügiger.

        Meine These ist aber, dass girocard vor allem deswegen so populär ist, weil man die Kunden über teils wucherische Fremdautomatengebühren melkt. Sechs Euro sind unfair und die Behauptung mancher Analysten, Deutschland sei ein Land der Barzahler auch wegen der hohen Geldautomatendichte, kann man nur als Zynismus bezeichnen. (Jedenfalls solange nur eine relative Minderheit bei Consors, ING-DiBa, DKB oder DAB ist.)

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  2. Wenn ich von Bekannten höre, dass sie mit rund 350 EUR Bargeld herumlaufen wird mir immer ganz anders. Wenn ich wirklich mehr als die üblichen 10-20 EUR Bargeld brauche, findet sich in zivilisierten Gegenden fast immer ein Automat einer Sparkasse. Und das bei technisch versierten Geeks, denen sonst keine Linux-Shell zu kryptisch sein kann und die gerne mal zuhause GSM-Funkzellen nachbauen.

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    1. Aber an Wowiwostoker Bahnhöfen z.B. findet man oft nur ReiseBank, ING-DiBa oder Euronet. Die Mieten für die Stellflächen dürften wohl ein erhebliches Problem sein. In Flughäfen, Messehallen usw. ist es auch Glückssache. Da hat Glück, wer eine V oder MC zücken kann und fast überall an Bargeld kommt.

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      1. Ja. Die Berliner Sparkasse wollte nach Aufgabe ihrer Filiale in den Arkaden des Ostbahnhofs einen Automaten im Gebäude aufstellen. Man wurde sich aber über die Gebühren nicht einig.

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  3. Da ich gefragt wurde, wo ich den Missbrauch sehe, da doch die Gebühren weit unter denen der „Kreditkarten“ liegen:

    Abgesehen davon dass in Deutschland die meisten Karten eher Chargecards sind, gibt es ja auch noch internationale Debitkarten-Produkte. Neben maestro und V-Pay existieren auch Debit-Varianten von VISA und MC. Bei Beträgen unterhalb 5-6 EUR (7 EUR bei Debitkarten) sind die klassischen MC/VISA günstiger als eine Zahlung per girocard aufgrund des Mindestentgelts bei der girocard.

    Der Verbraucher erhält zwar ein an sich gutes Zahlungsmittel, wird aber gerade im Bereich der Sondergebühren (Ausland, Bargeldabhebung) häufig geschröpft.

    Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Wenn ich automatisch jedem Bankkunden (unabhängig von der Bonität) eine Karte genau eines Typs ausstelle dann fokussiert sich die Akzeptanz genau auf diesen einen Kartentyp. Viele Händler und Gastronomen – selbst in Städten wie Berlin – sehen weder den Bedarf noch die Problemlage mit ausländischen Besuchern die durch ein nationales Payment-System von der Teilnahme ausgeschlossen werden.

    In der Regel steht ja auch nicht der Wirt abends an der Kasse. Die Mitarbeiter stammeln zumeist ein „Only ec-Karte“ und der Gast weiß sofort „Ah, the silly Germans!“. Von daher kommt das Feedback auch selten an die Stelle, wo Veränderungen ausgelöst werden können. Zumal in Deutschland noch stets uralte Urban legends bzgl. der Gebühren die Diskussion beeinflussen.

    In so einem Umfeld schafft man weder Anreize für andere Anbieter hier aktiv zu werden und über Preise und Innovation für Bewegung zu sorgen, noch fördert es die Innovationsfreude der deutschen Kreditinstitute.

    Wenn man alleine überlegt, dass die DK mit der Konzeption und dem Test von girogo über vier Jahre vertrödelt hat und heute wieder genau an dem Punkt steht, wo man 2011 war, dann lässt einen das erschaudern. Im Jahr 2011 wurde in Polen bereits an jeder Ecke die Zahlung mit PayPass/PayWave akzeptiert.

    Von daher wäre es sinnvoller gewesen, wenn mit der Umstellung auf SEPA eines der internationalen Debit-Systeme bei uns eingeführt worden wäre.

    In den Niederlanden hat man so auf einen Schlag das Problem mit den meisten Touristen erschlagen, da dort ein ähnliches Problem durch das nationale PIN-System entstanden ist. Problematisch bleibt es aber für Gäste aus Ländern mit diskriminierungsfreier Kartenakzeptanz aller Systeme und Marken. Dort wurde vermehrt auf Debitkarten von MasterCard und VISA umgestellt. Und die werden auch in NL kaum akzeptiert.

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  4. In einem zweiseitigen Markt wird sich ein neuer Mitbewerber nur durchsetzen können, wenn er beiden Seiten (Händlern und deren Kunden) ein attraktives Angebot machen kann. Da hat die girocard auf Seiten der Händler erst einmal einen großen Startvorteil: Sie ist sehr weit verbreitet, verfügt über eine attraktive Gebührenstruktur (vom Randfall Micropayment mal abgesehen) und garantiert dem Händler die Zahlung. Aus Kundensicht sind die Vorteile der girocard bei weitem nicht so stark, es bleibt eigentlich nur die weite Verbreitung bei den Händlern.

    Allerdings gibt es in diesem Markt auch keinen Lock-in – jeder Kunde und jeder Händler kann mit relativ geringem Aufwand auch alternative Zahlungsmittel verwenden. Warum sollte er das aber machen? Ich denke, hier liegt der Knackpunkt. Bisher sind die Innovationen im Markt einfach nicht besonders überzeugend.

    Internationale Nutzbarkeit und Micropayments sind Randfälle. NFC ist im Vergleich zu einer normalen Chip+pin-Transaktion eine minimale Verbesserung in der Geschwindigkeit des Zahlungsvorgangs, vor allem wenn sie durch sehr viel höheren Gebühren erkauft werden sollen. Die Girocard ist im Moment einfach gut genug, auf die Innovation die die viel zitierten „10X besser“ ist, warten wir noch.

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    1. Wer mal NFC – bei entsprechender Verbreitung – im Alltag genutzt hat, der sieht das etwas anders.

      Egal ob ich auf einem Indierock-Festival mein Bier erwerben möchte, dringend das Bahnhofs-WC aufsuchen möchte oder aber nicht vor dem Besuch des Kebapladens noch einen Umweg über den nächsten GA machen möchte. Die Kombination aus einfacher Handhabung und hoher Verbreitung (woanders….) machen NFC sehr interessant.

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      1. Wenn eine Kombination aus einfacher Handhabung, hoher Verbreitung aber dafür hohen Gebühren ein prinzipiell konkurrenzfähiges Angebot wäre, könnte ein Anbieter eines NFC-basierenden Zahlungsverfahrens in den Markt eintreten, indem er die (zukünftigen) Einnahmen aus den Gebühren für den Vertrieb verwendet.

        Wieso versucht das niemand?

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      2. Na, das Problem ist wohl auch, dass z.B. Visa offenbar gar nicht will, man will es sich wohl nicht verscherzen mit den großen Banken, die alle ihre girocard tragen (und selbst bis auf einige Direktbanken wie Fidor, ING-DiBa oder Consorsbank gar keine Visa- oder MasterCard-Debitkarte zum Konto herausgeben). Die Interchange-Gebühren sind für Visa Debit in Deutschland genauso unverschämt hoch wie für Visa Credit, während man in Ungarn oder Polen schon heute wesentlich niedrigere Beträge und dazu eine klare Debit/Credit-Differenzierung hat. http://www.visaeurope.com/media/images/germany_irf-73-17785.pdf

        Und auch die Gebühren für reines V Pay in Deutschland gleichen exakt denen im girocard-Verfahren.

        Der deutsche Händler ist geizig genauso wie der deutsche Kunde auf Billigbillig steht. Deswegen dominieren auch antiquierte Zahlungsmethoden wie ELV, was ja gar keine echte Kartenzahlung ist, und bei Visa Debit oder Debit MasterCard würde dieser „Vorteil“ wegfallen.

        Ich zücke immer meine kontaktlose Visa, ob bei McDonalds, der Apotheke oder dem Kaisers in Berlin. Inzwischen haben sich die Leute dran gewöhnt auch angesichts der vielen Touristen, auch wenn gerade etwa in der Apotheke manch einer sagt, „Sie sind der einzige, der bei uns so zahlt“.

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  5. Das mit den hohen Gebühren ist ja eine dieser Urban legends. Die Autorisierungsentgelte verändern sich dadurch nicht.

    Und wieso maestro und V-Pay in Deutschland nicht eigenständig in den Markt drängen ist ja auch recht naheliegend, wenn auch für den Kunden nachteilig.

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    1. Nachtrag. In AT und NL, wo maestro der Standard ist, reden wir auch nicht von den 0,89% sondern von Sätzen die m.W. irgendwo zwischen den auch bei uns üblichen 0,2%-0,3% liegen. In Österreich machen die Sparkassen bei maestro PayPass mit (während die kontaktlose GeldKarte Quick ein Nischendasein fristet) und in NL startet der Rollout von NFC auch gerade.

      In den Niederlanden sieht man überall Aufkleber „Pinnen voor klein bedrag? Ja graag!“ oder den Hinweis dass man aus Sicherheits- und Kostengründen lieber Kartenzahlung sieht.

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