Hurricane Festival 2018 – Mastercard und FKP Scorpio ermöglichen bargeldloses „Scheeßeln“

Vom 22.-24.06.2018 fand wieder das diesjährige Hurricane Festival im niedersächsischen Scheeßel statt. Mit dabei waren namhafte Bands wie Franz Ferdinand, Kraftklub, Biffy Clyro, Arctic Monkeys und Madsen. Bereits zum zweiten Mal sorgte eine Kooperation mit Mastercard für die Möglichkeit der bargeldlosen Zahlung mit allen gängigen Debit- und Kreditkarten.

Auf Einladung von Mastercard hatte ich die Gelegenheit, mir das Ganze begleitet von einem Workshop (dazu später mehr) vor Ort einmal näher anzuschauen.

War beim letztjährigen Festival der Karteneinsatz auf Getränkestände im In-Field beschränkt, so hatte man dieses Jahr auch einen großen Teil der festaufgebauten „Foodies“ im In-Field angebunden. Bei vielen Foodtrucks herrschte allerdings weiterhin Barzahlungspflicht. Darunter waren leider auch diejenigen, bei denen die angebotenen Speisen besonders positiv aus der Masse hervorstachen.

Wer mit seiner Mastercard an einem der über 400 Terminals bezahlte, bekam einen Preisnachlass von 1€ pro Getränk oder Speise. Die Kosten hierfür übernahm wieder Mastercard. Darüber hinaus konnte man auch mit Maestro, VISA, V-Pay und girocard bezahlen. Für ältere Kreditkarten die weder NFC-Chip noch PIN-Abfrage haben, hat man an den H5000-Terminals Stifte für das Unterschreiben auf dem Display befestigt.

An den großen Getränkeinseln hat man gleich eine ganze Batterie von Terminals mit Wetterschutz angebracht. Zusammen mit den Hinweistafeln auf die 1€ Rabatt bei Zahlung mit Mastercard ist das schon wirklich mehr als nur ein Wink mit dem Zaunpfahl doch bitte die Karte zu zücken.

Darüber hinaus gab es mit PENNY noch eine weitere Aktion. Für jede Zahlung mit Mastercard über 5€ gab es einen 3€ Rabattcoupon für den nächsten Einkauf. Eine vergleichbare Aktion gab es mit Rossmann für Mastercard NFC-Zahlungen im letzten Jahr schon einmal.

Die Autorisierung mit einer kontaktlosen Mastercard (Credit) der Sparkasse, aber auch Apple Pay (boon.) und Google Pay (DiPocket) funktionierte reibungslos und schnell. Da macht sich der Aufwand des Veranstalters bezahlt, der jedes Jahr kilometerweise Kabel im Acker verbuddelt und anschließend wieder herausreißt. Die Anbindung der Terminals mit mehreren Gigabit ist eine echte Ansage.

Biervorbestellung mit Masterpass

Als besonderes Gimmick konnten die Besucher über die offizielle Festival App Bierpaletten vorbestellen und direkt in der App mit der Wallet-Lösung Masterpass bezahlen. Dabei unterstützt Masterpass auch Kreditkarten anderer Anbieter.

Auf dem Open’er Festival in Gdynia konnte man 2017 mit dem gleichen System auch einzelne Getränke „in-App“ bezahlen und erhielt dafür 25% Rabatt. Zur Abholung genügte das Vorzeigen des Barcodes an einem der Getränkestände die mit einem entsprechenden Lesegerät ausgestattet waren. Angesichts der 100% Abdeckung mit NFC-Terminals auf dem Open’er Festival musste man den Leuten schon einen Anreiz geben, um mal „etwas Neues“ auszuprobieren 😉

Beobachtungen zum Nutzungsverhalten

Bei diversen Rundgängen habe ich natürlich immer mit Adleraugen darauf geschaut, wie die anderen Festivalteilnehmer bezahlen. Gefühlt waren am Samstag ca. 10% aller Bezahlungen Kartenzahlungen. Am Sonntag Nachmittag stieg der sichtbare Anteil deutlich.

Im Rahmen einer Backstage-Tour wurde 2018 ein Anteil von 20% genannt. Im Jahr 2017 sollte, bei wesentlich weniger Akzeptanzpunkten, der Anteil ebenfalls 20% gewesen sein (ca. 70% der Zahlungen erfolgten dabei mit einer Mastercard).

Im Blickfeld der Mastercard-Lounge befanden sich zwei Geldautomaten der IC Cash Services mit stolzen direkten Kundenentgelten. Dennoch bildeten sich zeitweise längere Schlagen vor den Geräten. Da dürften sich diese Woche beim Blick auf den Kontoauszug doch einige Leute etwas ärgern.

Kooperation mit den Sparkassen

Neben Mastercard fungierten auch die Sparkassen als Co-Sponsor des Festivals. Auf einer eigenen Website erhielt man umfangreiche Informationen über die Bezahlmöglichkeiten auf dem Festival. Um stilecht „tappen“ zu können, konnte man auch gleich eine Mastercard im passenden Hurricane-Design bestellen.

Im unteren Bereich des Mastercard-Pavillons sollte man „die Zukunft des mobilen Bezahlens“ testen können. Durch das pure Vorhalten eines NFC-fähigen Smartphones an den Präsentationsbildschirm ließ sich eine Zahlung simulieren. Zur Belohnung verteilten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sparkassenteams kleine Goodies wie bspw. Weitwinkel-Objektive zum Anklemmen an Smartphones.

Was auf den ersten Blick wie eine sinnvolle Symbiose wirkt, da gerade viele Jüngere während ihrer Ausbildung oder Studium (noch) ein Konto bei einer der 397 Sparkassen besitzen, ist aber bei genauerem Hinsehen doch eher ein Hemmschuh.

Bei fast allen Sparkassen gibt es die Mastercard nur gegen eine zusätzliche Grundgebühr oder allenfalls in bestimmten Kontomodellen gratis. Die von einigen Sparkassen als „Mastercard Basis“ angebotenen Prepaidkarten sind von den Konditionen meist her uninteressant. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Sparkassen die in der Regel auf VISA setzen.

Die Prozesse der Sparkassen sind – vorsichtig formuliert – auch nicht gerade auf ein massenhaftes Instant-Issueing ausgelegt, so dass man all denjenigen ohne Mastercard oder mit alten nicht NFC-fähigen Karten kein niederschwelliges Angebot vor Ort unterbreiten konnte. Ganz anders da doch die WZ-WBK in Polen, die auf den früheren Open’er Festivals zehntausende Prepaidkarten vor Ort verteilt hat.

Das wäre im Übrigen ein wirklich geeigneter Ort gewesen, um ein Produkt wie yomo mit der von vielen Beta-Testern gewünschten Debit Mastercard zu promoten und Blankokarten samt Kontoeröffnung vor Ort zu verteilen. Genug der Träumerei…

Jedenfalls wird hier wieder die Komplexität des deutschen Kartenmarkts deutlich. Die in der DK organisierten Kreditinstitute sind einerseits der größte Vertriebskanal für Mastercard und VISA, andererseits noch stets zu sehr auf das eigene Produkt girocard fokussiert.

Das Festival

Zum Abschluss noch kurz ein paar Worte zum Festival: So ein Line-up ist ja immer Geschmacksache und die großen Festivals sind immer bemüht, eine möglichst große Bandbreite abzudecken. Ich habe mich auf jeden Fall über Madsen und Franz Ferdinand sehr gefreut. Das komplette Line-up findet ihr noch für einige Zeit hier.

Obwohl das Festivalgelände „mitten auf dem Acker im Nirgendwo“ liegt, standen für mein Empfinden die Bühnen viel zu nah beieinander. Dadurch hat man an vielen Stellen stets einen Klangteppich im Ohr. Dementsprechend ist das Hurricane auch kein Festival wo man ganz entspannt auf der Wiese liegen und der Musik lauschen kann.

Nicht beschweren konnte man sich auch über die Getränkepreise: 0,4l Beck´s kosteten 4€. Beck´s alkoholfrei war schon für 3€ zu haben. Von den Preisen konnten wir Mastercard-Zahler dann noch jeweils 1€ abziehen.

Auf Festivals gibt es häufig eine ziemlich grenzwertige Versorgung mit Sanitäranlagen. Anders in Scheeßel: Die rund 1600 Dixie-Klos wurden auch während des Festivals in Schuss gehalten. So gab es Mitarbeiter die sich regelmäßig um  „das Gröbste“ und das Nachlegen von Toilettenpapier kümmerten. Wem das noch nicht reichte, für den standen zwischen Green- und Blue-Stage einige Toilettencontainer mit WC´s zur Verfügung.

 

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