Nationale Bezahlverfahren: Ein BLIK über die Neiße

International gesehen dominieren die Debit- und Kreditkarten der großen Marken Mastercard, VISA und American Express die Bezahlung sowohl am POS als auch online. Hinzu kommt mit Paypal ein Schwergewicht im Online-Handel, das es auch in Deutschland geschafft hat, zum Liebling der Kundinnen und Kunden zu werden.

Nichtsdestotrotz gibt es Abseits der globalen Player in fast jedem Land Alternativen. Bei China denkt man sofort an Alipay und We-Chat. In den Niederlanden gibt es iDEAL für Onlineeinkäufe und in deutschen Geschäften ist die girocard noch die unangefochtene Nummer Eins. Dazu kommen mit giropay, Paydirekt und SOFORT/Klarna weitere Anbieter mit großer Präsenz in den Webshops.

Heute werfe ich mal einen Blick auf die andere Seite von Oder und Neiße und stelle Euch BLIK vor.

BLIK wird aktuell von 13 polnischen Banken unterstützt und ist ein ziemliches Universalprodukt:

Bezahlen im Netz

Ein weiteres System, um in Onlineshops bezahlen zu können, braucht man nicht wirklich, oder? Gibt es da ein Bezahlproblem? Genauso dachte ich auch. Meine Neugierde verleitete mich dennoch zu einem Test und ich muss sagen, dass mich der Komfort ziemlich umgehauen hat.

Was war passiert? Ich habe vor einigen Tagen eine Fahrkarte bei KOLEO, einem Onlineticket-Portal verschiedener regionaler Bahngesellschaften erworben. BLIK war eine der Bezahlmöglichkeiten. Nach dem Anklicken des BLIK-Logos wurde ich aufgefordert, in meiner App einen Code zu generieren und in die Webmaske zu tippen. Zwei Sekunden später erhielt ich ein PDF mit meinem gewünschten Onlineticket. Soweit so unspannend.

Einige Tage später stand die Buchung des Tickets für die Rückfahrt an. Hierzu habe ich den Browser auf meinem Macbook genutzt und wieder auf BLIK geklickt. Statt der Abfrage nach einem sechsstelligen Code erhielt ich eine Push-Nachricht auf meinem Smartphone mit Link in die Mobile Banking App der Alior Bank. Inhalt: „Möchten Sie 27,10 PLN an Koleje Dolnośląskie überweisen?“. Ein Klick auf Ja und das Ticket war bezahlt. Ohne weitere Interaktion mit der Webmaske auf meinem Macbook.

Die Datenschützer und Security-Freaks werden jetzt sagen: Igitt Tracking vom Übelsten, aber als Benutzer muss ich sagen: Ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal auf ein Online-Payment System stoßen werde, was Paypal alt aussehen lassen würde. Aber alle Achtung: BLIK hat das geschafft.

In der Mobile Banking App werden die entsprechend berechtigten Online-Shops oder gar ganze Applikationen wie dem Safari Browser des iPhones angezeigt. Als Kunde kann man die Berechtigung jederzeit wieder entziehen. Diese Form des Whitelistings ist natürlich immer da von Vorteil, wo es schnell gehen muss, wie bspw. beim Buchen einer Fahrkarte auf dem Weg zum Bahnhof.

Bezahlen am POS

Eine Bezahlung am POS funktioniert vergleichbar zu der in Deutschland bekannten Netto-App. Auf Knopfdruck generiert man in der Mobile Banking-App seiner Hausbank einen Code und nennt diesen dem Kassenpersonal. Ein Code ist jeweils für 120 Sekunden gültig. Die Transaktion wird am eigenen Smartphone mit PIN bestätigt.

BLIK war lange Zeit die einzige bargeldlose Bezahlmöglichkeit beim Discounter Biedronka. Inzwischen akzeptiert man aber auch bei dieser Kette Debit- und Kreditkarten.

Peer-to-Peer Überweisungen

Bis zu 500PLN lassen sich ohne TAN an eine beliebige Mobiltelefonnummer senden. Die Funktion ist ähnlich wie das deutsche KWITT in die Mobile Banking App integriert:

Abhebung von Bargeld an polnischen Geldautomaten

Wer kennt das nicht: Das Portemonnaie liegt zuhause und man steht ohne Bargeld mitten in der Stadt. Seit einigen Wochen erlauben einige polnische Banken ihren Kunden das Geldabheben mittels Apple Pay aber mindestens genauso einfach geht es mit BLIK. Einfach den Code in den ATM tippen und Geld ziehen. So kann man Samstag Abends bei einer Kneipentour auch schnell mal Mami oder Papi um einen Hunderter anschnorren. Code per WhatsApp erhalten und ran an den Automaten. Die Auszahlung muss abschließend am Smartphone des Kontoinhabers noch bestätigt werden.

Zusätzlicher Bezahlweg bei anderen Zahlungsdienstleistern

Gerade dieser Punkt ist ebenfalls recht interessant: Betreiber von Onlineshops haben die Möglichkeit, direkt BLIK zu integrieren. Es ist aber ebenso möglich, über Konzentratoren die mehrere verschiedene Systeme anbieten (Kreditkartenzahlung, Sofortüberweisungen, eigene Wallets etc.) auf BLIK zu setzen. Dabei positionieren sich diese Anbieter auch mit ihrer Marke und Plattform in Richtung Endkunde. Das würde auf Deutschland bezogen etwa bedeuten, dass man sein Paypal-Konto mit Paydirekt aufladen könnte. Also eine Kooperation von zwei miteinander im Wettbewerb stehender Anbieter.

Fazit

Nationale Payment-Systeme müssen nicht zwangsläufig schlechte Kopien internationaler Systeme sein. Solange der Kunde die Wahl zwischen international verbreiteten Systemen und einer inländischen Lösung hat und somit niemand aufgrund seiner Hausbank diskriminiert wird, sind solche Alternativen durchaus sinnvoll.