10. Mai 2021

Preise von iZettle und SumUp in den verschiedenen EU-Ländern

In einem meiner letzten Blogbeiträge ging es um die unterschiedlichen Gebührensätze bei den mPOS-Anbietern in Deutschland. Problematisch war dort die nicht klare Unterteilung, welche Kartenarten bzw. Schemes nun welche Gebühren verursachen.

Stellt sich natürlich die Frage, ob es so etwas auch in anderen europäischen Ländern gibt und wie dort kommuniziert wird. Zu diesem Zweck habe ich mir die Mühe gemacht und alle Standard-Gebührensätze von iZettle und SumUp in der EU, Großbritannien und der Schweiz zusammengetragen. Da iZettle nicht in allen Ländern aktiv ist, enthält die Tabelle viele „n.a.“ Spalten. Auffallend ist auch, dass in Kroatien als einzigem EU-Staat, keiner der Beiden aktiv ist.

mPOS Preise

Generated by wpDataTables

Datenstand: 09.01.2021

„EC-Karte“ als DACH-Phänomen

Der Begriff EC-Karte wird logischerweise nur im deutschsprachigen Raum verwendet. Wechselt man auf die französischsprachige Seite von SumUp in der Schweiz, so wird auch die korrekte Bezeichnung „Debitkarte“ verwendet.  Schaut man auf die Hilfeseiten zu den Gebühren, so werden sowohl in der Schweiz als auch in Österreich lediglich Maestro und VPay als Debitkarten geführt. Und das, obwohl in beiden Ländern erste Banken diese Karten gegen Debit Mastercard und VISA Debit austauschen.

Bevorzugung von Debitkarten auch in Nordeuropa

Neben DACH kennen noch Dänemark und Finland zwei getrennte Gebührensätze. Auch hier wird nur in Debit- und Kreditkarten unterteilt, allerdings ohne Nennung der betreffenden Schemes.

Nicht nachvollziehbare Preisunterschiede zwischen Rate 1 und Rate 2

Natürlich sind Kreditkarten etwas teurer in der Abwicklung. Im Wesentlichen unterscheidet sich aber nur die Höhe des Interbankenentgelts. Für Kreditkarten werden 0,3% fällig, für Debitkarten 0,2%. Die anderen Preiskomponenten („Kreativer Bereich“) dürften, von kleineren Ausnahmen einmal abgesehen, gleich hoch sein.

In Europa sind weiterhin die Kosten für die Abwicklung der Debitkarten Debit Mastercard und Maestro, resp. VISA Debit und VPay nahezu identisch. Die Scheme-Fees für die Debit Mastercard lagen im Übrigen zumindest vor einiger Zeit noch etwas unter denen von Maestro.

Wesentliche Preisunterschiede dürfte es nur bei der Verarbeitung nicht-regulierter Karten ausserhalb der EU oder Firmenkarten sowie American Express geben.

Die aktuelle Preisdifferenzierung und vor Allem der Unterschied bis hin zum Faktor 2,9 passen weder zu den Kosten, noch zur weiter fortschreitenden Migration weg von den B-Brands, hin zu den Debitkarten der Hauptmarken.

Regionale Preisunterschiede

Aufgrund Unterschiede im jeweiligen Marktumfeld gibt es, wie nicht anders zu erwarten war, Unterschiede in den Gebührensätzen für die Abwicklung aber auch in der Kommunikation.

Während man in Deutschland gebeten wird, bei höheren Umsätzen eine Anfrage zu stellen, wird in Italien und Spanien seitens iZettle bereits auf der Webseite kommuniziert, dass die Raten bis zu 1% (Italien) und 0,99% (Spanien) bei entsprechenden Umsätzen sinken können.

Auffallend ist der Preissprung an der Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden. Während in den Niederlanden aufgrund niedriger Pauschalgebühren ohne ad-valorem-Anteil 1,9% für alle Kartenarten aufgerufen werden, sind es in Belgien 2,75%. Dafür, dass die Grenze vielfach aus nicht mehr als einem Farbstrich auf dem Bürgersteig besteht schon bemerkenswert.

Spannend aber auch, dass man in einem Markt der ähnlich wie Deutschland von Debitkarten dominiert wird, keine Preisunterscheidung macht. Das lässt sich aber auch gut nachvollziehen. Geschäfte mit großen Bonhöhen greifen selbstverständlich zum klassischen Terminal mit fester Rate pro Transaktion. SumUp und iZettle sind gerade dort interessant, wo es um Kleinstbeträge geht und wo eine ad-valorem Gebühr nicht so ins Gewicht fällt, wenn auf der anderen Seite keinerlei Fixkosten mehr anfallen.

Die niedrigsten Gebühren gibt es, über alle Kartenarten gesehen, in Polen (1,49%) und Spanien (1,5%). Am Teuersten ist die Abwicklung in Skandinavien (ohne Schweden), dem Baltikum und bspw. Belgien. Während die polnische Platzierung wenig verwundert, so hätte ich doch gerade in den baltischen Staaten und Skandinavien mit niedrigeren Sätzen gerechnet. Dort ist das Bezahlen mit Karten sehr weit verbreitet und dementsprechend sollte eigentlich der Wettbewerb unter den Anbietern schärfer sein.

Mit 0,9% für Debitkarten ist die Kartenakzeptanz mit dem richtigen SumUp-Tarif in Deutschland übrigens am Günstigsten von allen verglichenen Ländern.

Damit ist wieder eine beliebte Urban Legend widerlegt, nämlich dass die Kartenakzeptanz in Deutschland deswegen lange Zeit so schlecht war, weil in anderen Ländern wesentlich geringere Gebühren anfallen. Und ja, ich weiß dass die mPOS-Terminals nur einen kleinen Marktanteil besitzen.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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