22. Januar 2021

Verwirrende Preisangaben: Wissen mPOS-Anbieter überhaupt was sie da tun?

Die Anbieter sog. mPOS-Terminals sind im Kommen. Die einfachsten Modelle gibt es ab 19€ im Media Markt oder der Metro zu kaufen. Beantragung und Einrichtung eines Händlerkontos und eines solchen Terminals denkbar einfach. Darüber hinaus waren sie die Ersten, die in Deutschland die Kosten für die Kartenakzeptanz klar kommuniziert haben. Keine Grundgebühr, keine Kosten pro Transaktion. Lediglich ein oder zwei verschiedene, umsatzabhängige, Gebührensätze. So weit, so einfach. Oder?

Was ist eine „EC-Karte“?

Die meisten Kund*innen von iZettle und SumUp werden einen Vertrag haben, der zwei unterschiedliche Gebührensätze kennt. In der Regel 0,95% für EC-Karten und bspw. 2,75% für Kreditkarten. Und bereits hier fängt die Ungenauigkeit an. Was ist denn bitte eine „EC-Karte“?

Diese Frage führt in Nerd-Foren zum bargeldlosen Zahlungsverkehr regelmäßig zu ausufernden Diskussionen, bei denen man einfach nur schreien möchte: „Geht raus Spielen! Alle!“. Aber als Geschäftsinhaberin oder Geschäftsinhaber möchte ich natürlich schon wissen, welche Karte meiner Kundschaft mich wie viel kostet.

Da diese mPOS-Terminals bis heute keine Zulassung der Deutschen Kreditwirtschaft zur Teilnahme am girocard-Netzwerk besitzen, kann es schon mal keine girocard sein. Die Abrechnung erfolgt über das sog. Co-Badge, also heutzutage Maestro (von Mastercard) oder VPay (von VISA). Damit scheiden die, glücklicherweise höchst selten anzutreffenden, girocards ohne Co-Badge aus. Allerdings müssen die Nutzerinnen und Nutzer der Smartphone-Lösungen wie Mobiles Bezahlen oder Apple Pay ebenfalls draußen bleiben, sollten sie lediglich über eine girocard verfügen.

Da Maestro und VPay mehr oder weniger auslaufende Produkte sind und der Fokus längst auf Debit Mastercard und VISA Debit liegt und diese, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, beim Pricing vergleichbar sind, sollten also eine Debit Mastercard von N26 oder eine VISA Debit von der ING doch ebenfalls als „EC-Karte“ gelten. Mal ganz abgesehen davon, dass Mastercard seine Debitkarte als „EC-Karte unserer Zeit“ bewirbt.

Jung und naiv wie ich bin, machte ich mich auf die Suche nach einer verständlichen Definition.

iZettle

Die Webseite von iZettle spricht inzwischen ganz frech von einer „Zahlung mit Girocard (EC-Karte)“ und das ganz ohne Fußnote. Sehen wir jetzt mal vom fehlenden Hinweis auf die Notwendigkeit des Co-Badges ab, stellt das zumindest klar dass alle anderen Karten teurer sind.

iZettle Gebühren
iZettle Gebühren

 

Was iZettle an der Stelle aber nicht berücksichtigt ist, dass die ersten roten Sparkassenkarten inzwischen mit Debit Mastercard als Co-Badge ausgeliefert werden.

Ebenfalls nicht klar ersichtlich: Wie wird mit Maestro und V-Pay Karten umgegangen, die keine girocard-Funktion enthalten (bspw. Maestro-Karte von N26) oder im Ausland ausgegeben wurden (u.a. Maestro in Apple Pay von bunq oder Revolut)?

Da nicht davon auszugehen ist, dass ein internationaler Anbieter hier anders als über die AID der verwendeten Zahlungsart und vielleicht dem Land, in dem die Karte ausgestellt wurde noch irgendwelche Unterscheidungen im Billing-Backend vornimmt, dürfte eine solche Karte also zum höheren Satz abgerechnet werden.

Unter „Kosten und Gebühren“ taucht der Begriff „girocard“ übrigens nicht auf.

Ein ganz klarer Fall von irreführenden Preisangaben!

SumUp

Ich selbst besitze u.a. zum Testen für den Blog ein SumUp 3G-Terminal. In meinem Vertrag werden sämtliche Kartenzahlungen zu einem einheitlichen Satz von 1,9% abgerechnet. Jedoch ist dies nur eines von mehreren Preismodellen.

Im Dashboard gibt es für Kunden mit einheitlichem Gebührensatz jedoch eine statistische Unterscheidung zwischen Kredit- und EC-Karten. Eine verwendete Debit Mastercard wurde dort unter „EC-Karten“ aufgeführt:

Die Statistik könnte hilfreich sein, um sich vielleicht für ein Preismodell mit Abstufungen zu entscheiden. Nur doof, wenn am Ende ein großer Teil der als „EC-Karte“ angezeigten Transaktionen dann doch zu einem höheren Satz abgerechnet werden.

Schauen wir uns also zunächst einmal den öffentlichen Teil der Webseite an:

SumUp Gebühren auf Webseite
SumUp Gebühren auf Webseite

 

Hier wird dann die Unterscheidung in „EC-Karte per Chip & PIN“ bzw. anderen Karten- und Bezahlarten vorgenommen.

Die erste Reaktion lautet natürlich: „WTF?!“. Wieso soll eine Transaktion mit der gleichen Karte und kontaktlos durchgeführt plötzlich teurer sein, als eine gesteckte Transaktion. Ja, es gibt das Problem dass einige ältere girocards ihr Co-Badge nicht kontaktlos unterstützen, aber das ist zum Einen ein zeitlich begrenztes Problem und würde zum Anderen nicht den Preisunterschied erklären. Denn, was nicht funktioniert, kann auch nicht berechnet werden.

Auch hier bleibt SumUp eine verständliche Erklärung schuldig.

Ich mache mich also selbst auf die Suche. Auf einer der Hilfeseiten finde ich etwas mehr Information zu den möglichen Transaktionsgebühren:

Hilfeseite von SumUp: Gebühren
Hilfeseite von SumUp: Gebühren

 

Hier spricht SumUp schon einmal von den beiden Tarifen („Basic“ = 1,9% für alle) und „Plus“. Es erfolgt ein deutlicher Hinweis auf VPay und Maestro, was Debit Mastercard und VISA Debit eigentlich ausschließt. Wäre da nicht der Hinweis im Dashboard…

Folgt man dem Link auf der Hilfeseite, so findet man unter Transaktionsgebühren jetzt plötzlich die schon von der Homepage bekannte Unterscheidung:

Preisangaben SumUp
Preisangaben SumUp

 

Der Schlusssatz mit dem Hinweis auf „alle Kartenterminals“ ist natürlich ebenfalls irreführend, da die Konditionen wohl nicht für bestehende Verträge gelten. Der Hinweis auf „Basic“ und „Plus“-Tarif fehlt ebenfalls. Wenn schon auf diese Seite verlinkt wird, so sollte man schon den Hinweis auf möglicherweise abweichende Bestandsverträge oder auch vom Kunden wählbare Optionen hinweisen.

Also auch hier alles andere als verlässliche Informationen für interessierte Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber.

Concardis Optipay

Bei Concardis merkt man, dass die sich offensichtlich schon etwas länger mit dem Thema Kartenzahlung beschäftigen. Die Webseite unterteilt die Gebühren klar und verständlich nach Debitkarten (0,95%) und Kreditkarten (2,60%).

Diese Definition ist eindeutig und folgt damit nicht nur der EU-Regulierung. Vielmehr bildet man genau die Begriffe ab, die seit einiger Zeit auf den Karten der deutschen Banken zu finden sind:

VISA Debit (Muster, (c) VISA Inc.)
VISA Debit (Muster, (c) VISA Inc.)

 

In sofern ist an der Preisauszeichnung nichts zu bemängeln. Klappt man die FAQs auf, so erscheint auch ein Hinweis auf das Thema girocard:

Concardis: Hinweis auf girocard
Concardis: Hinweis auf girocard

 

Fazit

Von jedem Unternehmen werden zurecht ordentliche und nachvollziehbare Preisangaben erwartet. Dort, wo es unterschiedliche Tarifmodelle gibt, egal ob beim Mobilfunkunternehmen, der Hausbank oder der Krankenversicherung, müssen diese klar benannt werden. Preisangaben haben sich auf eben jene Modelle zu beziehen. Punkt.

Mich verwundert es zutiefst, dass man bei iZettle und SumUp weder willens, noch in der Lage ist, vernünftige Preisangaben zu tätigen. Wenn wie hier im extremsten Fall der fast 2,9-fache Satz für eine Leistung in Rechnung gestellt wird, ohne dass inhaltlich und vertraglich eindeutig ersichtlich ist, auf welcher Basis dies stattfindet, verstösst das für mich ganz klar gegen Wettbewerbsregeln. Dass dieses Vorgehen völlig unnötig ist, beweist Concardis.

Wieso es hier noch keine Abmahnungen und Unterlassungsklagen gehagelt hat, finde ich merkwürdig. An der mangelnden Sichtbarkeit der beiden Unternehmen kann es jedenfalls nicht liegen.

Warten wir also auf den ersten Betreiber einer Sparkassen-Kantine der geschockt und ungläubig die Abrechnung anschaut, obwohl doch alle seine Gäste brav mit einer SparkassenCard 2.0 (girocard + Debit Mastercard) bezahlt haben.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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