Keine Ausreden mehr: SumUp 3G im Test

Wer sich – so wie ich – mit dem Thema Bargeldloses Bezahlen beschäftigt, wird früher oder später an den Punkt gelangen, wo Händler aber auch andere Konsumenten im Freundes- und Familienkreis die üblichen Urban Legends bzgl. der Kosten der Kartenakzeptanz wiedergeben. Darüberhinaus wird auch der ganze Prozess der Beantragung und Einrichtung häufig als zu kompliziert dargestellt.

Bargeldbastionen mit neuen Preismodellen knacken

Alleine schon an der Tatsache, dass immer mehr der früheren Bargeldbastionen im Kleinstbetragsegment wie Bäckereien und Cafés fallen, müsste eigentlich jeder erkennen, dass die Kosten der Kartenakzeptanz inzwischen auf einem für Händler und Gastronomen akzeptablen Niveau liegen und es auch Preismodelle gibt, bei denen eben nicht pro Zahlung ein fixer Betrag fällig wird. Bei einem Brötchen zu einem Preis von 0,35€ würden selbst fünf Cent pro Zahlung für den Netzbetreiber die Kalkulation zerschlagen, auch wenn wie in diesem Fall die Autorisierung der Zahlung bspw. im girocard-Netzwerk kostenfrei wäre, da von 0,19% ausgehend eine Gebühr von unter einem Cent anfallen würde. Diese werden jedoch nicht aufgerundet und ebenfalls nicht kumuliert in Rechnung gestellt.

In der Vergangenheit habe ich bereits einmal die Pauschalpakete von VRPay Kompakt, dem Anbieter der genossenschaftlichen Bankengruppe vorgestellt. Deren Modell lehnt sich an die von den Mobilfunkern bekannten Tarife mit inkludiertem Datenübertragungsvolumen an und senken die Grenzkosten für die Durchführung einer Kartenzahlung auf Null.

mPOS-Terminals

Neben den klassischen Netzbetreibern und Akquirern haben sich in den letzten Jahren neue Anbieter mit sog. mPOS-Terminals in den Markt gedrängt. Diese einfachen Geräte zeichnen sich durch geringe Anschaffungskosten und einem einfachen, transparenten Gebührenmodell aus. Die meisten dieser Terminals werden über Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet gekoppelt. Wem die Funktionen der kostenlos mitgelieferten App nicht ausreichen, kann diese Terminals auch mit speziellen Kassensystemen koppeln.

Diese Einfachterminals werden in Diskussionen gerne einmal als das Allheilmittel zur weiteren Verbreitung der Kartenakzeptanz angesehen.

Um im Rahmen des Blogs einfach ein paar Dinge bequem von zuhause aus testen zu können, aber auch um in Diskussionen mit Händlern und Gastronomen beraten zu können, habe ich mir ein solches Terminal zugelegt.

SumUp 3G – Der Hybrid

Die Wahl fiel auf ein SumUp 3G-Terminal. Dieses Gerät zeichnet sich dadurch aus, dass es neben der Ansteuerung durch ein Smartphone per Bluetooth auch im Standalone-Betrieb über Mobilfunk zu betreiben ist. Hierzu ist eine SIM-Karte fest verbaut, für die keinerlei Gebühren anfallen. Dieses Gerät war im Rahmen einer Aktion für 59€ zzgl. MwSt. erhältlich.

Der Beantragungsprozess lief komplett online ab. Zu diesem Zweck mussten einige persönliche Daten, Daten über das Unternehmen (in meinem Fall: Freiberufler) und die Steueridentifikationsnummer angegeben werden. Ebenfalls mussten ein Auszahlungskonto und der Auszahlungsintervall (Täglich, Wöchentlich, Monatlich) festgelegt werden.

Wenige Tage später wurde mir das Terminal geliefert und war nach Eingabe eines Kennworts einsatzbereit. Im Lieferumfang enthalten waren auch ein paar Aufkleber für die Ladentüre oder den Kassenplatz.

Das Gerät selber ist etwas größer und schwerer als die üblichen Einfachterminals. Dadurch liegt es gut in der Hand. Man muss per Setup-Menü den Modus wählen. Im 3G-Modus funktioniert eine Kartenzahlung so, wie auch mit den bekannten mobilen Terminals von bspw. Ingenico. Betrag eingeben, OK drücken und den Kunden die Karte tappen, stecken oder swipen lassen. Zusätzlich gibt es eine Trinkgeldoption.

Möchte man das Terminal mit der dazu gehörigen SumUp-App per Bluetooth betreiben, so muss dies im Setup aktiviert werden und die Kopplung mit dem Smartphone stattfinden.

Der Prozess der Kopplung ist so ziemlich das Einzige, was an der Einrichtung kompliziert ist. Über den entsprechenden Menüpunkt in der App muss man zunächst die letzten drei Stellen der Terminalseriennummer bestätigen und dann wird im Hintergrund der Pairingprozess des Betriebssystems angestossen. Dabei kann es schon einmal zu Verbindungsproblemen kommen. Geschieht dies, so ist es ratsam das vielleicht schon einmal erfolgreich gekoppelte Terminal aus der Liste der Bluetooth-Geräte zu entfernen.

Ein anlassbezogener Mischbetrieb ist nicht möglich. Man muss jedes Mal den Betriebsmodus im Setup des Terminals wechseln. Das dauert zwar nur wenige Sekunden, ist mitunter aber dennoch nervig.

Die Durchführung einer Zahlung funktionierte sowohl per Chip&PIN als auch kontaktlos innerhalb weniger Sekunden.

Auffällig war hingegen, dass sich problemlos eine Zahlung per NFC durchführen ließ, obwohl sich im Portemonnaie mehr als eine kontaktlose Karte befand!

SumUp App und Dashboard

Die gratis verfügbare Smartphone und Tablet-App bietet alle Funktionen zur Einrichtung des Terminals und eines Produktkatalogs. Dennoch finde ich es persönlich bequemer, dies per Browser am Rechner zu erledigen.

Es lassen sich verschiedene Produktkategorien definieren. Jedes Produkt wiederum kann mit verschiedenen Varianten (Größe, Farbe etc.) versehen werden, die individuell bepreist werden können. Es wird der jeweilige Preis und der gültige Steuersatz für den Artikel erfasst. In den Einstellungen kann man festlegen, ob dies Brutto- oder Nettopreise sind.

Neben einer farblichen Kennzeichnung lässt sich auch ein Foto des Hauptartikels hinterlegen.

Darüber hinaus kann bei der Bezahlung ein Betrag frei eingegeben werden oder sogar auf Wunsch eine Barzahlungsoption aktiviert werden. In diesem Falle wird der Verkauf in der App aufgezeichnet und dem Kunden kann ein Beleg per E-Mail oder SMS zugestellt werden.

Ist ein WLAN oder Bluetooth-Drucker verfügbar, so kann ein Zahlungsbeleg selbstverständlich auch auf klassische Weise erzeugt werden.

Es lassen sich des Weiteren auch mehrere Mitarbeiter verwalten und bspw. mit Berechtigungen für das Rückerstatten von Transaktionen versehen.

Ich habe ein wenig mit den Möglichkeiten herumgespielt und bin der Meinung, dass sich gerade für kleine Betriebe selbst ohne kostenpflichtige Drittanbieter-Tools die komplette Abwicklung an einer einzelnen Kasse realisieren lassen. Was ich nicht testen konnte ist, wie das Ganze mit mehr als einem Terminal und einem Kundenaccount funktioniert.

Die Speisekarte eines Cafés oder Kneipe lässt sich mit den Grundfunktionen genauso einfach abbilden wie bspw. die Dienstleistungen in einer Reinigung oder Änderungsschneiderei. Für Handwerker, die in Privathaushalten tätig werden, lässt sich der zu zahlende Betrag manuell erfassen und ein Empfangsbeleg generieren. Die eigentliche Rechnung kann dann manuell erstellt und zugesandt werden.

Gebühren

Neben den einmaligen Kosten für das Terminal fällt lediglich ein fester Prozentsatz für jede Zahlung an. Es gibt aktuell zwei Preismodelle. Mit meinem Terminal war ein Gebührensatz von 1,9% für alle akzeptierten Karten (Mastercard, VISA, Maestro, V-Pay, American Express) im Rahmen des Tarifs SumUp Basic verbunden. Das einfachere Terminalmodell SumUp Air soll darüber hinaus noch Discover, CUP und Diners akzeptieren.

Da dieses Terminal keine Zulassung von der Deutschen Kreditwirtschaft besitzt, werden Zahlungen mit der girocard über das jeweilige Co-Badge Maestro oder V-Pay abgewickelt. Da ältere girocards diese nur gesteckt unterstützen, kann es sein, dass Kunden mit einer girocard nicht kontaktlos bezahlen können, obwohl dieses ansonsten funktioniert. Es gibt auch einige wenige girocards ohne Co-Badge. Diese funktionieren mit SumUp dementsprechend gar nicht.

Im Tarifmodell SumUp Plus für Unternehmen mit „vielen Kartenzahlungen“ gibt es darüber hinaus noch für „EC-Karten“ einen rabattierten Gebührensatz von 0,9%.

Anbieterseitig lassen sich im Übrigen keine Zahlungen unter 1€ autorisieren. Dies ist sowohl in der App als auch im Standalone-Betrieb mit dem SumUp 3G gesperrt!.

Leider, und das ist der wirklich einzige Kritikpunkt an SumUp, wird nirgends verständlich kommuniziert, was der Anbieter unter einer „EC-Karte“ versteht. In diversen Foren wurde immer wieder bemängelt, dass SumUp (aber auch iZettle) hier widersprüchliche Informationen über Schemes und angebliche Ländereinschränkungen durch ihren Support verbreiten.

Bei meinen Tests wurden neben internationalen Maestro-Cards (Revolut) auch Debit Mastercards aus anderen Ländern unter „EC-Karte“ in der Umsatzstatistik geführt. So ist also davon auszugehen, dass man sich inzwischen hier an der Unterteilung im Rahmen der EU-Regulierung in Sachen Interchange orientiert. Da ich jedoch das Basis-Tarifmodell ohne Unterscheidung nutze, lässt sich das nicht 100% verifizieren.

Kartenakzeptanz richtig kommunizieren

Die Anschaffung eines solchen Kartenterminals kann nur der erste Schritt sein. Möchte man, dass Kunden von dieser Möglichkeit auch rege Gebrauch machen, so sollte man als Geschäftsinhaber einige Dinge beachten.

  • Kennzeichnung der Kartenakzeptanz an Eingangstür und im Kassenbereich
  • Deutlich sichtbare Positionierung des Kartenterminals an der Kasse und dabei die Verwendung einer „ordentlichen“ Halterung. Gerade die kleinen Einfachterminals werden von Kunden nicht richtig wahrgenommen
  • Gastronomiebetreiber mit Bedienung sollten Hinweise am Tisch und/oder auf den Speisekarten anbringen
  • Hinweis auf der Webseite, der Facebook-Fanpage und Portalen wie FourSquare und Google anbringen
  • Direkte Ansprache der Kundschaft beim Bezahlvorgang

Fazit

Transparente Kosten, einfache Beantragung und Einrichtung führen dazu, dass man als Geschäftsinhaber nun wahrlich keine mehr Ausreden hat, seinen Kunden nicht die bequeme bargeldlose Bezahlung anzubieten.

Durch die nicht vorhandene Vertragsbindung ist ein solches mPOS-Terminal auch ideal um die ersten Schritte in Sachen bargeldlos zu unternehmen. Bei entsprechender Nachfrage und hohen Umsätzen kann man als Geschäftsinhaber jederzeit auf einen klassischen Terminalanbieter mit evtl. günstigeren Konditionen wechseln.