iOS 13.1 und AusweisApp2: Geht es jetzt endlich los mit eGovernment und eID?

Als im November 2010 der neue Personalausweis mit RFID-Funktion an den Start ging, sollte dies der Startschuss für den massiven Aufbau digitaler Bürgerservices werden. Neben staatlichen Stellen sollten auch private Unternehmen in die Lage versetzt werden, den Personalausweis online für die Authentifizierung von Kundinnen und Kunden zu nutzen.

Der Plan scheiterte zunächst an einer ganzen Reihe von Problemen. Der Benutzer benötigte nicht nur einen kompatiblen Kartenleser (bspw. CyberJack RFID Standard von REINER SCT), entsprechende Treiber und Software zur Nutzung von Kartenleser und Ausweisfunktion, sondern auch einen Brief mit einer PIN. Diese wurde aber nur optional ausgestellt und viele Benutzer dürften diese irgendwo unauffindbar vergraben haben.

Da wundert es auch nicht, dass die Nutzung trotz einiger Pioniere auf Anbieterseite eher verhalten bis nicht messbar war. Die SCHUFA wird bspw. noch als Anbieter gelistet, hat den Dienst allerdings eingestellt. Die DKB wiederum versteckt ihre Antragsstrecke für das DKB Cash-Konto dermaßen gut, dass das Auffinden des richtigen Links schon sehr viel wissenschaftliche Neugier benötigt.

Aber gerade viele Deutsche sind bei der Nutzung von Technologie doch eher arg zurückhaltend und erst, wenn etwas wirklich einfach zu Nutzen ist und darüber handfeste Vorteile bietet, wird davon Gebrauch gemacht. Das erkennt man gerade ganz gut an der Entwicklung bei der Kontaktloszahlung mit girocard.

Da ich jedoch für Home-Banking mit HBCI-Karte und das Aufladen der GeldKarte schon einen kompatiblen Chipkartenleser besessen habe und als Paymentnerd doch eher experimentierfreudig bin, gilt das für mich natürlich nicht.

Android-Smartphone als Kartenleser

Da die wenigsten Nutzer für das einmalige Eröffnen eines Bankkontos und der gelegentlichen Verlängerung der Anwohnerparkplakette rund 80€ für einen Kartenleser ausgeben möchten, ist die Nutzung der NFC-Schnittstelle des Smartphones natürlich eine sehr sinnvolle Alternative. Für Android existiert eine entsprechende App seit 2017.

Wie man aber auch beim Mobile Payment beobachten konnte, eignet sich Android eher schlecht, um neue Technologien im (deutschen) Massenmarkt zu etablieren. Das hat allerdings wenig mit dem Betriebssystem und den Endgeräten zu Tun, sondern eher mit der Nutzerstruktur. Ein Marktanteil von 80% bedeutet hier eben auch, dass ein Großteil der Nutzerinnen und Nutzer sich des Preises wegen für Android entschieden haben und ihre Telefone hauptsächlich für WhatsApp, Facebook und Telefonieren nutzen.

Das ist in sofern schade, als dass gerade Android wegen der Offenheit des Betriebssystems und der Vielfalt der Hardware natürlich am Besten dafür geeignet wäre, schnell neue Technologien bereitzustellen.

iOS 13.1 & AusweisApp2

Mit iOS 13.1 hat Apple die NFC-Schnittstelle des iPhone ein weiteres Stück geöffnet und bietet nunmehr die Möglichkeit auf elektronische Ausweisdokumente zuzugreifen. Somit kann die AusweisApp2 nunmehr auch mit dem iPhone (ab iPhone 7) genutzt werden. Dabei gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten der Nutzung.

Zum Einen können direkt aus der AusweisApp2 auf dem iPhone einige Anbieter aufgerufen werden. Auf diesem Wege kann man Einblick in sein Rentenkonto bei der DRV Bund erhalten. Hierzu muss anscheinend aber auf Anbieterseite die Integration angepasst werden, denn andere Seiten meldeten Fehler beim Verbinden mit einem Service auf dem localhost 127.0.0.1.

Wesentlich spannender ist daher die Möglichkeit der Nutzung des iPhones als Remote-Kartenleser für die AusweisApp2 auf macOS. Unter der Voraussetzung, dass sich Rechner und iPhone im selben WLAN befinden, kann man nunmehr bequem an seinem Rechner eine Online-Registrierung vornehmen und für das Auslesen des Ausweises sein Telefon nutzen.

Die Einrichtung erfolgt sehr intuitiv, man sollte aber wissen, dass das Verbinden über den WLAN-Hotspot des iPhones oder USB-Schnittstelle (Tethering) nicht zum Erfolg führt.

Ich habe zum Test meinen Punktestand beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg abgefragt. Auch das funktionierte einwandfrei. Die Kommunikation zwischen iPhone Xs und Personalausweis läuft sehr stabil.

Jedoch muss ich sagen, dass das Wiederverbinden nach Neustart manchmal etwas hakelig ist. Da sollte man wirklich noch einmal schauen, wie man das zuverlässiger baut.

eID: Wettbewerbsvorteil beim Onboarding

Die AusweisApp2 unter iOS 13.1 funktioniert mit den o.g. kleinen Einschränkungen sehr gut und ist bestens dazu geeignet, der Nutzung des neuen Personalausweises endlich den längst überfälligen Anschub zu verschaffen.

Wer bisher schon Dienste auf Basis des neuen Personalausweises angeboten hat, täte nunmehr gut daran, diese offensiver zu bewerben. und sich so einen Vorsprung vor dem Wettbewerb zu sichern.

Technologieaffine Menschen erwarten nicht nur von ihrer Bank und dem Handel, dass Apple oder Google Pay als Zahlungsmittel angeboten werden, sondern bewerten bei jedweden Dienstleistern auch den Komfort beim Onboarding sehr kritisch.

Wirklich niemand hat Freude daran, zum anderen Ende der Stadt zu fahren, um eine Stunde in der Schlange für die Durchführung eines Postidents zu stehen oder stundenlang in der Warteschlange für Videoident zu verharren. Auch das Abfotografieren von Ausweisdokumenten wie bei bunq kann u.U. tückisch werden.

Wo bleibt eGovernment?

Ein großer Teil der Angebote für den elektronischen Personalausweis stammt aus dem öffentlichen Sektor. Allerdings sind wir noch weit davon entfernt, dass sich öffentliche Standarddienstleistungen bundesweit einheitlich online nutzen lassen.

Dem stehen der Föderalismus mit seinen 16 Bundesländern und die kommunale Selbstverwaltung entgegen.

Auch tut sich der Bund mit IT-Projekten in seiner Zuständigkeit bekanntermaßen sehr schwer. Das Elend rund um die elektronische Patientenakte dürfte den meisten noch genauso in Erinnerung sein, wie die ewigen Diskussionen um zentrale Strafregister.

Um ehrlich zu sein: Ich habe jegliche Hoffnung aufgegeben, dass dieser Staat und seine Verwaltung in seiner Gesamtheit zu meinen Lebzeiten in der Gegenwart ankommen werden. Einzelne lobenswerte lokale Initiativen sind zwar nett, aber dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.