yomo: Viele Fragen, keine Antworten!

Ich bin ja bekanntermaßen als „Sparkassenversteher“ in unserer kleinen, aber feinen, Paymentnerd-Community verschrieen und war daher um so mehr enttäuscht, nicht gleich zu den ersten Beta-Testern von yomo gehören zu dürfen, die bereits im Dezember 2016 eingeladen wurden.

Nach den ersten Testberichten von zugegebenermaßen kritischen Bloggern wie Torsten Maue (@tmmd), dessen Kritik ich teile, hatte ich die Hoffnung zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht etwas mehr vom endgültigen Produkt sehen zu können.

Ende April war es dann soweit. Unverhofft wurde ich zur Beta eingeladen und habe sodann erst einmal einen Samstag damit verbracht, die Preis- und Leistungsverzeichnisse der teilnehmenden Sparkassen zu studieren. Die Kreissparkasse Köln (@kskkoeln) stach positiv hervor, da sie beim Fremdwährungseinsatz der girocard auf ein Mindestentgelt verzichtete. Wie das mal später werden soll? Keine Ahnung. Die Frage scheinen sich die Sparkassen wohl selbst noch nicht gestellt zu haben.

Nun gut, der Onboarding-Prozess verlief einigermaßen reibungslos, wenn man davon absieht, dass der erste Videoident-Prozess fehlschlug. Dieser soll übrigens bei Endgerätewechsel immer wieder fällig werden. Die Kosten hierfür trägt die kontoführende Sparkasse aktuell. Wie sich das rechnen soll ist mir allerdings schleierhaft.

Seitdem habe ich also eine stylish aussehende girocard mit NFC und eine App, mit der man SEPA-Überweisungen ohne weitere TAN-Eingabe tätigen kann. Ach ja: Es gibt einen Schalter in der App, mit der man seine girocard temporär sperren kann. Das war es dann aber auch.

Zurück bleiben eine Menge unbeantworteter Fragen. Das fängt ganz banal schon einmal mit der GeldKarte-Funktion an. Die girocard unterstützt die GeldKarte und girogo. Leider muss man zum Aufladen der Karte an den Geldautomaten. In der App lässt sich weder ein Aboladen-Auftrag anlegen, noch ist es möglich die Karte über den PC zu laden, da die dafür benötigten giropay-Zugangsdaten (Onlinebanking) fehlen. Immerhin kann man wohl theoretisch etwas Geld auf ein Postbankkonto der EURO Kartensysteme überweisen und zwei Tage später dann… Ich erspare mir den Rest.

Ohne Onlinebanking-Zugang lassen sich weder giropay noch sofort.de nutzen. Gleiches gilt für das neue Online-Bezahlsystem Paydirekt. Somit bleiben dem yomo Kunden nur noch PayPal bzw. Bankeinzug um irgendwie im Internet etwas einzukaufen. Besser kann man seine Kunden nicht vergraulen.

Im Gegensatz zu Torsten finde ich, dass die Ausgabe einer girocard in Deutschland immer noch ein Muss ist. Das mag man doof finden, aber als Kartenzahler hat man eh schon genug Schwierigkeiten in Deutschland. Weitere selbst auferlegte Einschränkungen sind für den Durchschnittskunden da kaum zu rechtfertigen.

Gerade die Karten der Sparkassen bieten eine Vielzahl von Funktionen, die allesamt auf der yomo-Karte präsent sind, deren Nutzung aber nur eingeschränkt möglich ist. Offensichtlich hat da jemand nicht zu Ende gedacht. Wenn man yomo bewusst simpel hätte halten wollen, hätte man sinnvollerweise die GeldKarte-Funktion einfach weggelassen. Die ausgerufene Zielgruppe kann mit diesem Payment-Dinosaurier eh nichts anfangen.

Aktuell ist es sehr still um das Produkt. Im Slack-Forum diskutieren eher die Betatester untereinander, als dass seitens yomo hier substantielle Informationen in die Community getragen werden. Das ist in sofern Schade, als dass der aktuelle Entwicklungsstand nicht einmal ansatzweise dazu taugt, gegen die ursprünglich mal genannten Wettbewerber wie N26 anzutreten. Wenn also wirklich gerade der Launch in den AppStores vorbereitet wird, dann kann man das nur als Selbstmord bezeichnen.

Es fehlt einfach so viel, um yomo als Girokonto-Alternative zu bezeichnen, als dass man damit live gehen könnte. Die Geschwindigkeit, mit der Verbesserungen in der App in der Vergangenheit umgesetzt wurden, lassen auch nicht auf eine Art „Big Bang“ schließen. Dafür fehlt einfach noch so ziemlich alles, was ein Konto ausmacht.

Wenn wir mal die ganzen technischen Betrachtungen weglassen und den Vergleich mit den wirklich tollen Apps der Sparkassengruppe unterlassen, so bleibt eigentlich noch die Frage nach der Zielgruppe.

Wer interessiert sich für ein Bankkonto, mit dem man aktuell lediglich Überweisungen tätigen kann und innerhalb der Eurozone gut bargeldlos bezahlen kann, sowie innerhalb Deutschlands auf das größte Netz von Geldautomaten kostenlos zugreifen kann?

Ketzerisch gesprochen fallen mir dazu nur N26-Kunden ein, die mehr als fünf Mal im Monat kostenlos Bargeld am Automaten ziehen wollen und die die Akzeptanzlücke der N26-Karten mit einer kostenlosen girocard stopfen wollen. Hurra, ob das so gewollt ist!?

Zugegebenermaßen ist es sehr mutig, in so einem Stadium mit dem Produkt in den öffentlichen Betatest zu gehen, aber es muss doch irgendwie klar sein, dass der aktuelle Entwicklungsstand mehr Fragen aufkommen lässt, als durch die vorliegende App beantwortet werden. Das hätte man sich sicherlich vorher denken und sich entsprechend in der Kommunikation vorbereiten können. Schade eigentlich.

Im Gegensatz zu Torsten werde ich aber am Ball bleiben und berichten.