14. April 2021

Meine Wünsche und Aussichten auf das Payment-Jahr 2021

Nach diesem für das bargeldlose Bezahlen in Deutschland so fulminante und bedeutsame Jahr, was kann da noch kommen? Lohnt es sich wirklich, nochmals einen Wunschzettel zu schreiben? Nachdem wir inzwischen in Sachen Kartenakzeptanz im internationalen Vergleich ziemlich aufgeholt haben, habe ich mir natürlich diese Frage gestellt.

Es soll sogar Menschen geben, die dieses Jahr noch keinen einzigen Cent bar ausgegeben haben (Grüße gehen an @tmmd nach Magdeburg). Man sollte bei aller Euphorie dennoch nicht vergessen, dass es hierzulande immer noch eine ganze Reihe von Betrieben gibt, wo der Chef oder die Chefin Karten doof finden und sich die Kundschaft treu ergeben fügt.

Auch einige andere Punkte von meinen Wunschzetteln der Vergangenheit sind immer noch offen. Da muss also noch etwas passieren bis wir uns alle selbstzufrieden zurücklehnen können. Natürlich gibt es auch immer wieder den einen oder anderen Grund, einen Blick in die Glaskugel zu werfen.

In-app Payment mit Apple Pay (und Google Pay)

Wer häufiger via Smartphone in Apps und auf Webseiten einkauft, der kennt das Problem. Am Ende will der Einkauf schrecklicherweise auch noch bezahlt werden. Gerade mobil ist bislang Paypal immer noch die einfachste Form gewesen. Möchte man hingegen mobil mit einer nicht hinterlegten Kreditkarte bezahlen, fängt der Spaß an: Kartendaten heraussuchen und feldweise via Copy & Paste in die Maske eintragen. Danach möchte dann häufig noch die SCA durchlaufen werden.

Der Goldstandard heißt hier eindeutig Apple Pay. So schnell zahlt es sich selbst mit Paypal nicht mehr. Ich wünsche mir wirklich, dass mehr Apps und Webseitenbetreiber die Funktionalität in naher Zukunft übernehmen werden.

Kartenakzeptanz mit dem Smartphone

Tap to Pay mit dem Smartphone
Tap to Pay mit dem Smartphone

Bereits vor über drei Jahren startete Mastercard Polska einen Feldversuch mit der kontaktlosen Kartenakzeptanz via Smartphone. Zum Einsatz kam eine Lösung aus Kanada. Nachdem man sich bereits hierzulande inzwischen an den Anblick und die Nutzung von mPOS-Terminals gewöhnt hat, dürfte der nächste Schritt auch nicht mehr zu kollektiver Angststarre führen.

Ich träume mal ein wenig: Geschäftskunden erhalten einfach einen Menüpunkt in ihrer Banking-App mit der es sofort losgehen kann. Ohne KYC, ohne gesonderte Anmeldung, ohne Download. Shortcut mit Deeplink wird auf dem Homescreen erzeugt. Fertig. Und das zu Konditionen wie sie SumUp und iZettle bieten.

Wer gewisse Umsatzgrenzen überschreitet, dem kann die Hausbank dann immer noch einen sinnvolleren Vertrag und/oder ein klassisches Terminal verkaufen.

Micromerchants und P2P

PayPal-QR_Code

Angesichts der Angebote von SumUp und iZettle, aber auch der vielen KMU-Pakete klassischer Zahlungsdienstleister kann sich wohl kein Händler heute mehr über „zu hohe“ Kosten für die Akzeptanz von Kartenzahlungen beschweren. Mit der Verbreitung kontaktloser Karten und Mobile Payment lässt sich mit den ab 19€ verfügbaren mPOS-Terminals auch am kleinsten und mobilsten Verkaufsstand ein komfortables Setup arrangieren.

Nun ist es aber so, dass es dennoch genügend Selbstständige gibt, denen das irgendwie alles zu viel Aufwand ist. Stellvertretend für viele andere Branchen stelle man sich mal diese ganzen Stände vor, wo am Straßenrand Erdbeeren verkauft werden oder vielleicht auch die Dame, die aus ihrem Bulli heraus, strategisch an der Autobahnausfahrt gelegen, Sonntags Blumen verkauft.

Wie schön wäre es, wenn man ohne irgendwelchen Stress durch Eingabe der Handynummer oder Scannen eines QR-Codes einen Betrag überweisen könnte und der Zahlungseingang per SMS oder Push-Nachricht bestätigt würde.

Gleiches gilt natürlich auch für Zahlungen zwischen Privatleuten. Die Systeme gibt es längst, nur funktionieren sie an vielen Stellen weder einfach, noch intuitiv. Insbesondere dann, wenn Sender und Empfänger bei unterschiedlichen Banken sind.

Debitkarten von VISA und Mastercard

VISA Debit (Muster, (c) VISA Inc.)
VISA Debit (Muster, (c) VISA Inc.)

Debit Mastercard und VISA Debit gibt es ja schon länger, auch wenn man zu Anfang im Grunde eine Kreditkarte mit einem Schattenkonto und verzögerter Lastschrift zweckentfremdet hat. Mit jungen Banken wie N26, Revolut, Vivid, Tomorrow, aber auch bspw. der ING haben diese Karten inzwischen eine recht ordentliche Verbreitung.

In welcher Form die DKB, die Comdirect und andere Issuer ihre VISA Debit-Karten herausbringen werden und gegen das bestehende Kartenportfolio positionieren dürfte spannend werden. Ich denke, die Vorteile der internationalen Karten sind hinlänglich bekannt. Funktional sind sie, Stand heute, der girocard jedenfalls überlegen wenn auch die girocard am POS immer noch einen Vorsprung bei der Akzeptanz besitzt.

girocard In-app und Online

iPhone und dieses komische Bargeld

Die Sparkassen wollen die girocard via Apple Pay für In-App Käufe aufbohren. Von den Genossenschaftsbanken las ich jüngst bei Finanz-Szene, dass man eine Online-Lösung auch ohne Apple Pay plane. So gut es für die Zukunft der girocard auch sein mag, dass man endlich bestrebt ist den technischen Rückstand auf Mastercard und VISA einzuholen, um so fragwürdiger finde ich die Vorgehensweise.

Durch die rosarote Brille geblickt, könnte man natürlich von einer optimalen Arbeitsteilung sprechen. Sparkassen machen zunächst Apple Pay POS und In-App, die Genossen kümmern sich derweil um das klassische Online-Geschäft und die Privatbanken adaptieren später Beides. Nun ist es in Wirklichkeit aber so, dass man bei den Genossen seit je her mit dem Geschäftsgebaren des „Obsthändlers“ aus Cupertino fremdelt und die Sparkassen irgendwie Gefallen an der Rolle des Innovators gefunden haben, während die Privatbanken höchst unterschiedliche Signale senden.

Als Karteninhaber käme ich mir da ziemlich veräppelt vor, wenn für Apple Nutzer demnächst folgendes Szenario Wirklichkeit werden würde:

Use case Sparkasse Volksbank
Apple Pay am POS girocard Debit Mastercard (Zusatzkarte)
Apple Pay in-App girocard Debit Mastercard (Zusatzkarte)
Webshop Debit Mastercard (Co-Badge) girocard

War es nicht gerade das Bestreben, Payment einfacher und für jedermann verständlich zu machen?

Selbst wenn sich am Ende, alles zum Guten fügen würde, so erkennt man als Außenstehender schon das große Problem: Es gibt nicht das eine Unternehmen, das sein Produkt am Bedarf des Marktes ausrichtet und weiterentwickelt, sondern eine ganze Reihe von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen und Sachzwängen. Das dürfte, auch im Hinblick auf das nächste Thema, noch spannend werden.

european payment initiative und die epi Debitkarte

Ursprünglich war mal geplant, eine von den großen Schemes unabhängige europäische Infrastruktur auf Basis der Echtzeitüberweisungen zu schaffen, die dafür sorgt dass Geld zwischen natürlichen Personen und Unternehmen ohne Mittler durchgeführt werden können. Gerade der deutsche Handel träumte davon, kostenlos mit seinen Kundinnen und Kunden Zahlungen abwickeln zu können. Freilich ohne zu erwähnen, dass Karteninhaberinnen und Karteninhabern heute eine Reihe von Rechten zusteht, während eine einmal ausgeführte Überweisung einfach mal (nahezu) unumkehrbar ist, was bei Leistungsstörungen jeglicher Art zum Problem werden kann. Und zwar zu Lasten des Kunden.

Inzwischen drängt insbesondere die Deutsche Bundesbank die Banken, hier „all-in“ zu gehen und zusätzlich ein europäisches Debit-Scheme auf die Beine zu stellen, welches die bisherigen nationalen Lösungen bündelt und auch bspw. Ländern wie den Niederlanden eine Alternative zu den Mastercard und VISA bieten soll. Inzwischen hört man, dass neben der girocard auch das ganze „andere Zeug“ wie giropay, Paydirekt und Kwitt in epi eingekübelt werden soll.

Das wäre allerdings nicht der erste Anlauf. Die Rückseiten eurer früheren „EC-Karten“ und die darauf aufgebrachten Logos zeugen von den verschiedenen europäischen Kooperationen der letzten 20 Jahre. Weiß wer ohne zu Googeln, wofür EufiServ, edc und eaps stehen?

Man vernimmt, dass bis Ende 2022 eine solche epi-Debitkarte stehen soll. Die Schlagzeilen beherrschte aber vor Allem die Suche nach einem geeigneten CEO, der dann vor Antritt des Jobs auch noch abgesprungen ist. Guter Start. Nicht.

Rein logisch betrachtet, frage ich mich natürlich, wieso man sich erst Ende 2015 zu einer Zeit, wo Kartenzahlung nun wirklich kein Nischenthema mehr war, die Anteile an VISA Europe mit 21 Mrd. EUR hat vergolden lassen. Damals hatte man alles, was eine Karte so braucht: Eine bekannte Marke, funktionierende Technik, gültige Regelwerke, Millionen von Akzeptanzstellen weltweit und mehr als 500 Millionen Karteninhaberinnen und Karteninhaber alleine in Europa. Verrückt!

Das Thema hat sicherlich Popcorn-Potenzial. Enjoy!

Google Pay vs. „Mobiles Bezahlen“ & Co.

Kartenauswahl, hier Mastercard nebst girocard

 

Auch das Thema nehmen wir dann mal mit ins neue Jahr. Die Sparkassen wollen ihre App „Mobiles Bezahlen“ weiter ausbauen. Ob man sich damit mittelfristig gesehen wirklich einen Gefallen tut?

Ich glaube allerdings nicht, dass es da 2021 eine Wende geben wird. Dazu müssten einfach mehr Kundinnen und Kunden Druck machen.

Apps bündeln, SCA und TAN zusammenlegen

Wer heute sein Konto bei einer der „klassischen“ Banken und Sparkassen führt, der wird mit einer ganzen Reihe von Apps „beglückt“. Im Falle der Sparkassen sind dies: Sparkasse Mobile Banking, S-ID-Check („SCA für Kreditkarten“), S pushTAN, Mobiles Bezahlen (Android), S Investor und vielleicht auch noch eine App mit regionalen Kundenbindungsprogrammen.

Nun kann man trefflich darüber streiten, ob ein riesiger Monolith besser ist als kleinere, handlichere Apps die dafür schneller aktualisiert und ausgebaut werden können.

Zumindest die Grundfunktionen Banking, Zahlungsfreigabe und unter Android auch das Bezahlen sollten in eine App. Idealerweise auch das Empfangen von Zahlungen wie oben beschrieben.

Gerade wenn es um die Freigabe von Kreditkartenzahlungen und Überweisungen geht, ist es nicht nachvollziehbar wieso man hier drei Apps mit abweichendem Registrierungsprozess benötigt. Lustigerweise funktioniert die Apple Pay-Aktivierung der Karten über die pushTAN-App…

Der digitale Kassenbon

Der größte Aufreger vor Corona war 2020 wohl das Thema Bonpflicht. Ein Jahr später kann man sagen, dass die Welt nicht untergegangen ist. Bei meiner Bäckerei funktioniert das digital schon eine Weile. Es ist aber immer noch ein PITA-Prozess, mit dem Smartphone zu bezahlen und anschließend mit einer anderen App (Fotokamera oder spezielle QR-Code App) den Code zu scannen.

Besser machen es da die Payback-Partner. Während DM aus völlig unverständlichen Gründen („DS-GVO“) seine tolle Lösung eingestellt hat, so kann man inzwischen u.a. bei REWE und real,- mit Payback Pay in einem Schritt punkten und bezahlen und erhält den Bon per E-Mail.

Diesen Level der Integration sollten sich die Kartenherausgeber und Netzbetreiber in Deutschland mal als Maßstab nehmen, um eine eigene Lösung auf Basis hinterlegter Bezahlkarten zu bieten. Mit einer klugen Lösung, die ohne zig Apps und Registrierungen auskommt, könnte man einen tollen Anreiz schaffen, in Zukunft häufiger mit Karte zu bezahlen.

So richtig klasse wäre es natürlich, wenn nicht nur ein PDF-Abbild des Kassenbons zur Verfügung stünde, sondern auch Umsatzdaten bspw. auf Basis der Standard-Warenklassifikation, die sich dann in eine beliebige Haushaltsbuch-App laden ließen!

(Danke an @frnkbrnhrd für die Inspiration)

Fremdwährungsgebühren und Reisepakete

Das hier fällt auch ganz klar in die Kategorie „Wünsch Dir was!“. Einer der Hauptgründe für das Eröffnen von Konten und die Beantragung von Karten bei Drittanbietern ist für viele Bankkundinnen und Bankkunden die Bepreisung von Fremdwährungseinsatz und die Geldautomatennutzung auf Auslandsreisen.

Wer beruflich oder privat viel außerhalb der Eurozone unterwegs ist, den schmerzen die zusätzlichen 1%-2,5% Aufschlag auf den Wechselkurs genauso wie die üblicherweise kaum unter 5€ zu veranschlagenden Automatengebühren.

Viele Sparkassen bieten inzwischen kostenlose Bargeldabhebungen im Ausland mit der Gold-Kreditkarte an und verzichten ebenfalls auf das Auslandseinsatzentgelt am Geldautomaten, während bargeldlose Zahlungen weiterhin völlig sinnfrei bepreist werden.

Ich wünsche mir wirklich, dass man hier auch den betriebswirtschaftlichen Unsinn dieses falschen Anreizes erkennt. Bei bargeldlosem Einsatz erhält die Bank Einnahmen aus dem Interbankenentgelt, bei Nutzung von Geldautomaten werden hingegen Gebühren für das verwendete Zahlungsnetzwerk fällig.

Das wäre für mich, und viele andere Kunden von Filialbanken, sicherlich ein Beweggrund das eine oder andere Zweitkonto zu schließen.

Abnehmende Bargeldliebe

2020 hat ja schon gezeigt, dass die Deutschen durchaus in der Lage sind, ihre Karten nicht nur für den Bargeldbezug am Geldautomaten einzusetzen. Vielleicht wird 2021 ja das Jahr, wo man deutsche Touristen nicht schon aus der Ferne am dicken Portemonnaie erkennt. Wenn jetzt noch Birkenstocks und Tennissocken zuhause bleiben würden 😉

Aber bevor das passiert, muss erst einmal Corona besiegt werden…

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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