22. Januar 2021

Rückblick: Was ist aus meinen Wünschen an das Payment-Jahr 2020 geworden

Was für ein Jahr! Als ich meinen Wunschzettel in Sachen Payment für 2020 geschrieben habe, habe ich ja mit allem gerechnet, aber garantiert nicht mit dem, was uns alles dieses Jahr widerfahren ist.

Eine Pandemie, die den bargeldverliebten Deutschen plötzlich Lust auf das kontaktlose Bezahlen gemacht hat und dazu führte, dass mehr und mehr Geschäfte plötzlich Kartenterminals aufstellten. Mindestumsätze verschwanden vielerorts und die neuen Akzeptanzstellen nehmen in der Regel nicht nur die girocard.

Inzwischen greifen auch hierzulande viele Menschen wie selbstverständlich beim Bäcker nach ihrer kontaktlosen Karte oder dem Smartphone. Bei all der Euphorie über neue Akzeptanzstellen und mehr Transaktionen sollte man aber nicht vergessen, dass wesentliche Umsatzbringer im Kartengeschäft immer im Tourismus und Gastgewerbe liegen. Und da sah es dieses Jahr ziemlich mau aus.

Aber schauen wir doch mal auf meinen Wunschzettel vom letzten Jahr und was daraus wurde.

Google Pay statt eigener HCE-Lösungen

Nun ja. Die Anzahl der Banken in Deutschland die Google Pay für ihre Kundinnen und Kunden anbieten ist durchaus länger geworden. Das ist erst einmal positiv. Allerdings bleiben mit Sparkassen und Volksbanken die beiden größten Bankengruppen erst einmal bei ihren eigenen Lösungen.

girocard und Apple Pay

Was soll ich sagen. Bereits zum Launch der Sparkassen im letzten Dezember mit VISA und Mastercard zeigte man sich dort mit der Resonanz äußerst zufrieden. In der Zwischenzeit wurde im Netz heftig diskutiert, wie eine Implementierung der girocard wohl aussehen könnte oder ob es eine Mogelpackung werden würde, bei der das Co-Badge zum Einsatz kommt. Den Höhepunkt der Spekulationen erlebten wir im Frühjahr, als die Volks- und Raiffeisenbanken sich für eine Debit Mastercard als Basisprodukt in Apple Pay entschieden haben und der Implementierung der girocard eine Absage erteilten.

Vor einigen Wochen lancierte Apple dann erstmals eine Erfolgsmeldung mit konkreten Zahlen. So soll sich die Anzahl der Kartenaktivierungen von rund 500.000 Karten auf 1,5 Millionen seit Ende August, also dem Start der girocard in Apple Pay, verdreifacht haben. In sofern verwundert es auch nicht, dass man jetzt schleunigst den Weg in Richtung In-App Nutzung der girocard gehen möchte.

Da kann man nur sagen: Herzlichen Glückwunsch Sparkassen. Alles richtig gemacht.

Schluss mit der Ausgrenzung am POS durch nationale Payment-Verfahren

Mit dem Boom beim kontaktlosen Bezahlen kamen auch viele neue Angebote für kleinere Händler, die von Hause aus die Akzeptanz vom Mastercard und VISA mitbrachten. Selbst einer der letzten großen Vertriebskanäle für girocard-only Verträge, die zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörende VR-Payment hat inzwischen auch ihr kleines Produktpaket nachjustiert.

Aber dennoch gibt es neben vielen langjährigen Akzeptanzstellen mit „girocard-only“ immer noch neue Terminals, wie bspw. in einigen Bäckereien hier in Köln und Umgebung, an denen das „Nur EC-Karten“ klebt.

Da muss noch mehr passieren!

Peer-to-Peer Payment und Produkte für Micro-Merchants neu denken

Während des ersten Lock-Downs sah man durchaus kleinere Händler und Gastronomen, die mit QR-Codes, Kwitt & Co. herumexperimentiert haben.

Was immer noch fehlt: Eine bankenübergreifende und einfach zu nutzende Lösung. Kwitt setzt immer noch voraus, dass der Zahlungsempfänger in meinem Adressbuch eingetragen ist.

Für mich heißt es daher: Weiter PayPal nutzen.

Aufräumen bei EDEKA & Co.

Als Wahlkölner kommt man seltener zu EDEKA. Wir sind halt fest in der Hand von REWE. Aber laut vielen Rückmeldungen haben inzwischen Mindestumsätze abgenommen. girocard-only kommt bei EDEKA aber leider immer noch vor.

Ansonsten kann ich nur feststellen, dass die großen Franchiseketten inzwischen fast überall Terminals stehen haben und auch über eine sehr breite Kartenakzeptanz verfügen.

Tap & Pay wörtlich genommen

Kneipe war ja nicht unbedingt das Hot Topic des Corona-Jahres. Während eines Wochenendtrips nach Trier im Oktober war ich dennoch positiv überrascht, dass man in einem Weinlokal jedes Getränk einzeln an der Theke mit Karte bezahlen konnte und sich dies dort auch zu einer Art „neuem Normal“ entwickelt hat.

Mehr Card-Only wagen

Musikfestivals, Fußballspiele mit Publikum und vergleichbare Veranstaltungen haben ja kaum stattgefunden, d.h. die großen „Card-only“-Treiber fielen aus. Immerhin schaffte es hin und wieder ein Bäckermeister oder Gastronom mit seinem persönlichen „Bargeld-Verbot“ in die Zeitung.

Besonders erwähnen sollte man hier noch die Verkehrsbetriebe von Chemnitz (CVAG), die seit Herbst in ihren Bussen Fahrscheine nur noch bargeldlos verkaufen.

Aber auch wer als Händler Bargeld nicht komplett ausgesperrt hat, wies dieses Jahr mehr als deutlich auf das kontaktlose Bezahlen hin.

One more thing!

„Neben all den Wünschen auf technischer oder kaufmännischer Ebene, wünsche ich mir vor Allem dass meine lieben Landsleute das Jahr 2020 dazu nutzen, häufiger und wirklich für jeden Betrag zur Karte oder zum Smartphone zu greifen und dass einfach mehr Kundinnen und Kunden gegen Mindestumsätze und Kartenverweigerung aufbegehren und im Laden nicht nur ihre Meinung Kund tun, sondern auch Einkäufe stehen lassen.“

Ich denke, der Wunsch ist zu großen Teilen in Erfüllung gegangen. Mehr Transaktionen, weniger Mindestumsätze und immer mehr Menschen, die aufgrund weniger Bargeld in der Tasche, ihre Kaufentscheidungen auch von der Kartenakzeptanz abhängig machen. Ich höre im privaten, nicht payment-affinen Umfeld, aber auch online immer mehr Leute darüber schimpfen, wenn Händler Mindestumsätze ausrufen oder nur Bargeld akzeptieren.

So. Und jetzt überlege ich mir mal den Wunschzettel für 2021 😉

In diesem Sinne: Euch Allen ein friedliches und frohes Weihnachtsfest!

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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