Meine Wünsche an das Payment-Jahr 2020

Zu Silvester 2018 habe ich einen Blogpost mit meinen Wünschen an das Payment-Jahr 2019 veröffentlicht und am 24.12.2019 Resumee gezogen. Zusammenfassend kann man sagen, dass 2019 viele wichtige Weichen gestellt wurden. Dennoch bleibt eine Menge zu Tun.

Google Pay statt eigener HCE-Lösungen

Wenn wir mal wieder kurz ins Ausland schauen: Banken wie Alior in Polen haben ihren Kunden bereits sehr früh Mobile Payment-Lösungen auf Basis von NFC-fähigen SIM-Karten und später HCE bereitgestellt. Einige Zeit bestanden diese Angebote parallel zur Integration der Karten in Google Pay, wurden aber inzwischen vielfach aufgrund schwindender Kundennachfrage eingestellt.

Ich kann die Sicherheitsbedenken der deutschen Banken gegenüber Google gut verstehen. Für sich genommen, sind Lösungen wie Mobiles Bezahlen der Sparkassen oder die digitalen Karten der Volksbanken nicht schlecht. Jedoch gehen sie davon aus, dass man sämtliche Karten von einer Bank bezieht. Das passt aber selbst außerhalb der Payment-Bubble für kaum einen Kunden.

Damit beraubt man Mobile Payment leider einem seiner größten Vorteile, nämlich alle Karten zentral an einem Ort halten zu können.

Ich hoffe, dass der sich abzeichnende Erfolg von Apple Pay hier zu einem Umdenken führen wird.

girocard und Apple Pay

Ich hoffe, dass der Start der girocard in Apple Pay nicht erst gegen Ende des Jahres passieren wird. Auch wenn die girocard in der Payment-Bubble jetzt nicht unbedingt zu den Lieblingen zählt, so muss man aber auch einmal Realitäten anerkennen. Mit rund 100 Millionen ausgegebenen Karten ist sie de facto der Standard in Deutschland und häufig das einzige bargeldlose Zahlungsmittel vieler Bürgerinnen und Bürger.

Die girocard in Apple Pay würde sicherlich einen weiteren Schub für Mobile Payment bedeuten. Ich fände es auch wichtig, wenn man hier direkt an die Tokenisierung des Co-Badges denken würde, so dass die Karte zumindest innerhalb der EUR-Zone mobil genutzt werden kann. Idealerweise mit Debit Mastercard und VISA Debit anstelle von Maestro und V Pay.

Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die eine hoffentlich stattfindende Integration der girocard in Google Pay.

Schluss mit der Ausgrenzung am POS durch nationale Payment-Verfahren

In Deutschland kennt jeder die gefürchteten Zettel „Nur EC-Karte/keine Kreditkarten“, in Portugal heißt es „nur portugiesische Karten (MultiBanco)“. Da ist man in den Niederlanden mit „Alleen PIN“ (Maestro / V Pay) zwar etwas weiter, das hilft aber Kunden aus Ländern wo Maestro nur noch ein exotisches Nischenprodukt einzelner Banken ist (Polen), kein Stück weiter.

Insgesamt hat sich zwar seit 2015 vieles in Deutschland verbessert, aber Verträge nur mit girocard sind dennoch keine Seltenheit.

Sieht man mal vom durchaus berechtigten Kostenargument bei vielen Verträgen ab, so muss man sich aber schon fragen, warum man bspw. mit einem SumUp-Terminal innerhalb von wenigen Minuten die Akzeptanz der wesentlichen Schemes sichern kann und im klassischen Akquiring nichts ohne schriftliche Anfrage mit wirtschaftlichen Eckdaten, entsprechende Verträge und VU-Nummern funktioniert.

Wäre ich Netzbetreiber, so würde ich ähnlich dem Konzentratorenmodell bei girocard, wo die Autorisierungsentgelte zwischen (kaufmännischem) Netzbetreiber und den drei Bankengruppen verhandelt und dann den angeschlossenen Händlern angeboten werden können, ein Fallback für die Autorisierung von Mastercard, VISA und Amex anbieten. Hat der Händler keine eigene VU-Nummer, so erfolgt die Abwicklung über den Netzbetreiber vielleicht nicht zu Discount-Gebühren, aber in einem Rahmen wo ich als kleiner Händler keinen Kunden zum Geldautomaten schicken muss. Wer dann merkt, dass diese Kartenarten häufiger genutzt werden, kann ja immer noch den klassischen Weg gehen und so Geld sparen.

Die europäische Politik hat in den letzten Jahren sehr viel für die Stärkung von Konsumenten im Binnenmarkt getan, da ist es ein Wunder, dass es hier noch keine regulatorischen Vorgaben gibt.

Peer-to-Peer Payment und Produkte für Micro-Merchants neu denken

Im Freundes-, Kollegen- und Familienkreis benutzen wir seit einigen Jahren sehr exzessiv PayPal zum Ausgleich von Verbindlichkeiten. Egal ob für den Anteil an einem gemeinsamen Geburtstagsgeschenk oder zum Aufteilen des Kneipendeckels. PayPal ist sehr bequem, private Zahlungen lassen sich inzwischen auch mit Kreditkarten tätigen und es hat fast jeder. Einige wenige „Außenseiter“ nutzen dann halt die klassische Überweisung. Darüber hinaus lässt sich Guthaben recht schnell zur weiteren Verwendung auf ein hinterlegtes Bankkonto transferieren. Die Laufzeit beträgt dabei i.d.R. max. 24 Stunden. Seit Kurzem gibt es die kostenpflichtige Option der SEPA Instant-Überweisung.

Als US-Unternehmen ist PayPal aber auch nicht ganz unproblematisch. So soll es einfache Suchwortfilter geben, die zur Sperrung von Konten führen. So soll eine Überweisung „für Nico“ schon ausreichen, da die Abkürzung halt nicht nur für Nicole oder Nicola steht, sondern auch für die Naftiran Intertrade Company. Dabei soll es sich um ein Vehikel u.a. zur Umgehung von US-Sanktionen gegen den Iran handeln.

Micro-Merchants schrecken oft die hohen PayPal-Gebühren ab, zumal es in Deutschland noch keine richtige POS-Lösung abseits von QR-Codes mit PayPal.me Links gibt.

Die Schweden haben Swish, in den Niederlanden gibt es die iDEAL Händler-App und in Polen ist BLIK mit „Przelew na telefon“ beliebt.

Und bei uns? Sparkassen und Volksbanken bieten KWITT an. Von der KWITT-Händler-App hat man allerdings seit einem Jahr nichts mehr gehört. Dann gibt es noch Paydirekt. P2P-Überweisungen funktionieren dort aber nicht für Sparkassenkunden, denn man hat ja KWITT im Portfolio. Von den vielen anderen Banken mal ganz abgesehen, so funktionieren Moneybeam (N26) und RevMe (Revolut) halt auch nur in der eigenen Blase.

Um hier endlich einmal einen Schritt weiter zu kommen, sollten sich sämtliche Banken im SEPA-Raum zusammen tun und eine Lösung auf Basis von Instant-Überweisungen zur Verfügung stellen. Sonst wird auch dieser Zug für die Banken in den meisten Ländern ohne sie abfahren. Neben den GAFA steht auch AliPay am Spielfeldrand und schaut sich das Geschehen interessiert an.

Aufräumen bei EDEKA & Co.

EDEKA ist als Verbund die größte Kette im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Neben sieben Regionalgesellschaften, die alle anders ticken, darf auch jeder selbständige Kaufmann oder selbständige Kauffrau selbst entscheiden, wie es mit dem bargeldlosen Bezahlen in ihren Läden aussieht.

Das Ergebnis: Häufig Mindestumsätze, girocard-only Akzeptanz selbst in einigen großen Märkten, komisch konfigurierte Terminals, nicht funktionierende NFC-Schnittstellen u.s.w.

Während REWE, die ähnlich organisiert ist, das Thema Payment mit Ausnahme ganz weniger Intensivpflegefälle inzwischen im Griff hat, scheint bei EDEKA beim bargeldlosen Bezahlen alleinig das Ausverhandeln möglichst optimaler Konditionen im Mittelpunkt zu stehen.

Für uns bargeldlos zahlenden Kunden ist der Besuch eines EDEKA-Marktes stets ein Glücksspiel. Ich hoffe wirklich, dass von Seiten der in diesem Bereich engagierten Kaufleute langsam Druck in Richtung der Zentralen ausgeübt wird, denn dieser Akzeptanzzoo wirkt sich negativ auf das Bild der gesamten Gruppe aus.

Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Franchiseketten wir Burgerking, KFC, Coffee Fellows. Insbesondere beim Multifranchiser SSP Deutschland hat man hier noch erheblichen Nachholbedarf.

Tap & Pay wörtlich genommen

Auch wenn es 2019 quasi zur Normalität geworden ist, dass man bei vielen Bäckereien mit Karte bezahlen kann, so wird spätestens für die Kneipentour am Abend der Gang zum Geldautomaten fällig. Ich würde mir wünschen, dass im Rahmen der Belegausgabepflicht auch die Kartenakzeptanz endlich zum Standard am Zapfhahn wird!

Mehr Card-Only wagen

Ich bin wahrlich kein Freund eines Bargeldverbotes und ich finde, dass bare und unbare Bezahlmethoden durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Es gibt aber eine ganze Reihe von Anwendungsfällen, wo der Verzicht auf Bargeldakzeptanz handfeste Vorteile bietet.

Zu den Vorteilen gehören u.a. mehr Sicherheit, bessere Hygiene oder einfach kürzere Kassierzeiten.

Die typischen Einsatzgebiete mit den meisten Vorteilen für alle Beteiligten sind u.a. der ÖPNV, Sportstadien und Musikfestivals.

Bislang war es meist leider so, dass man sich im ÖPNV nicht getraut hat, in Sportstadien und Musikfestivals mit Closed-Loop herumexperimentiert hat und am Liebsten sich die ganze Show von einem Banking/Payment-Partner hat sponsern lassen.

Inzwischen sollte aber auch der letzte Veranstalter gemerkt haben, dass kontaktloses und bargeldloses Bezahlen viele Vorteile bietet und ein Sponsoring zwar einen netten Mitnahmeeffekt darstellt, aber auf jeden Fall nicht den einzigen Beweggrund.

Als Payment-Sponsor würde ich die Bedingungen für ein Sponsoring drastisch verändern, da nur so eine nachhaltige Wirkung erzielt werden kann. Ich erinnere mich noch zu gut an das Hurricane 2018 in Scheeßel, wo trotz unübersehbarer Terminals und 1€ Mastercard-Rabatt ein Großteil der Besucher den Geldautomaten von IC Cash der bargeldlosen Zahlung mit allen gängigen Karten vorgezogen hat. Die Kartennutzung soll auch 2018 nur bei rund 20% gelegen haben, wobei die Nutzung gegen Ende der drei Tage „aus unerklärlichen Gründen“ gestiegen sein soll…

Die Konzepte wie das Verteilen von Prepaidkarten oder Armbändern und der Möglichkeit der Bargeldaufladung an Automaten vor Ort existieren ja schon lange und werden auf Festivals wie dem Open’er im polnischen Gdynia seit Jahren erfolgreich umgesetzt. Man könnte das Ganze sinnigerweise direkt um Instant-Issueing für Apple und Google Pay erweitern.

Und sind wir doch mal ehrlich: Wer einmal die Vorteile des kontaktlosen oder mobilen Bezahlens in so einem Veranstaltungsrahmen für sich entdeckt hat, der wird dies auch abseits des Fußballstadions oder des Festivalackers weiter nutzen wollen.

(Die Situation im deutschen ÖPNV ist aus vielerlei Gründen aktuell so hoffnungslos, dass ich dem Thema einen eigenen Beitrag widmen werde.)

Neben all den Wünschen auf technischer oder kaufmännischer Ebene, wünsche ich mir vor Allem dass meine lieben Landsleute das Jahr 2020 dazu nutzen, häufiger und wirklich für jeden Betrag zur Karte oder zum Smartphone zu greifen und dass einfach mehr Kundinnen und Kunden gegen Mindestumsätze und Kartenverweigerung aufbegehren und im Laden nicht nur ihre Meinung Kund tun, sondern auch Einkäufe stehen lassen.

In diesem Sinne: Guten Rutsch!