Rückblick: Was ist aus meinen Wünschen an das Payment-Jahr 2019 geworden

Das Jahr naht mit Riesenschritten seinem Ende entgegen. Im Fernsehen laufen bereits seit Wochen die Sendungen mit Rückblicken auf 2019. Zeit also, dass ich hier auf meinem Blog auch ein paar Zeilen schreibe.

Letztes Jahr habe ich zu Silvester eine Wunschliste geschrieben. Schauen wir zunächst einmal, was sich davon erfüllt hat und was nicht:

Kostentransparenz

Dieses Jahr sind einige Netzbetreiber und Akquirer dazu übergegangen, zumindest für einige ihrer Pakete Preise ins Netz zu stellen. Leider ist es immer noch ein weiter Weg bis zu dem Punkt, an dem man einfach Angebote vergleichen kann, da selten mehr als die Konditionen zur Abwicklung von Zahlungen im girocard-Netzwerk online zu finden sind.

Ich darf an dieser Stelle schon einmal ankündigen, dass zu diesem Thema hier demnächst mehr erscheinen wird.

Mehr Aktivität auf Seiten von Händlern und Gastronomen

Zweifelsohne hat bspw. die Anzahl der Bäckereien mit Kartenakzeptanz zugenommen. Mittelständische Ketten wie Merzenich in und um Köln, aber auch Kamps, BackWerk und andere setzen dabei auf fest montierte Terminals mit Kassenanbindung, so dass Kunden auf den ersten Blick erkennen können, dass man dort bargeldlos bezahlen kann.

Viele junge Gastronomiekonzepte setzen auf Service beim Bezahlen. Einige wenige wagten auch den Schritt, sich der Bargeldannahme komplett zu entledigen. Dies ist aber noch eine Minderheit die den daraus resultierenden Medienwirbel, samt der üblichen negativen Reaktionen aus gewissen Ecken, für die Steigerung der eigenen Bekanntheit nutzt.

Auf einem der Kölner Weihnachtsmärkte hat die Sparkasse Köln-Bonn 50 Terminals an Händler verteilt. Ein guter Schritt, um diese Bargeldbastion zu knacken. Ein Bericht hierzu folgt auch in Kürze an dieser Stelle.

Ein Ort, dem nachgesagt wird, dass sich dort am Effektivsten das Zahlungsverhalten beeinflussen lasse, sind Sportstätten. Bei den Fußballbundesligisten hat sich hier nach der JustPay-Pleite und dem einsetzenden Verwesungsgeruch bei GeldKarte und girogo einiges getan. Es wird noch stets viel experimentiert, so kommen neben der regulären Kartenakzeptanz (bspw. BVB, FC Bayern) auch BlueCode (1. FC Köln) und App-basierte Lösungen mit Paydirekt-Integration (Schalke 04) zum Einsatz. Reines Closed-Loop Payment ist glücklicherweise ein Auslaufmodell. Eishockey-Freunde können ihr Bier inzwischen vielfach auch bargeldlos bezahlen. Bspw. bei den Kölner Haien in der Lanxess Arena und ganz frisch bei der Düsseldorfer EG im ISS Dome.

Zusammenfassend kann man sagen: Es ist 2019 viel passiert. Langsam wird es Zeit für „Pinnen? Ja graag!“ bei uns. Aber lest einfach mal weiter.

Inselakzeptanz bekämpfen

Unternehmen, die ausschließlich girocard akzeptieren, werden glücklicherweise weniger. Sowohl die Diskussion um Mobile Payment, das Wachstum von Banken wie N26 & Co. die keine girocard herausgeben, aber auch der Wunsch ausländischen Gästen bargeldloses Bezahlen anzubieten, führten dazu dass nicht nur viele Akzeptanzstellen ihre Verträge erweitert haben, sondern auch dass bei neuen Akzeptanzstellen meist alle gängigen Karten genommen werden.

Es kann einem als Muttersprachler allerdings durchaus passieren, dass man wortreich dazu genötigt wird die girocard statt Mastercard oder VISA zu benutzen, auch wenn das Terminal durchaus die internationalen Schemes akzeptiert. Hinter vorgehaltener Hand hört man dazu immer wieder mal abenteuerliche Geschichten. Bei einem bekannten Kölner Lederwarenfachgeschäft erhält man 3% Rabatt, wenn man zunächst eine Kreditkarte zückt und sich dann zur Nutzung der girocard „überreden“ lässt.

Etwas kontraproduktiv ist es dabei, dass ausgerechnet einer der im Kleinstbetragsegment aktivsten Anbieter (VR Pay) sein Einsteigerpaket auf die Akzeptanz der girocard beschränkt. Je nach Einstellung der Volks- oder Raiffeisenbank in der jeweiligen Region, findet man dort dann auch viele Geschäfte vor Ort, die nur das nationale Kartenprodukt akzeptieren.

Wer mich kennt weiß, dass ich die Notwendigkeit einer starken Alternative zu einem von US-Anbietern dominierten Markt durchaus anerkenne, auch wenn mir eine europäische Lösung mit voller Interoperabilität wünsche. Nur sollte es halt nicht so sein, dass bei kolportierten 35% der Akzeptanzstellen Menschen von der bargeldlosen Bezahlung ausgeschlossen werden, nur weil sie ihr Konto vielleicht bei der BNP Paribas, Lloyds, Revolut oder Alior Bank haben.

Niedrigschwellige Akzeptanzlösungen

Neben den mPOS-Anbietern leider in Deutschland noch Fehlanzeige. Dafür muss man aber sagen, dass dass das Bestellen und die Inbetriebnahme eines solchen Terminals ein echter No-Brainer ist. Das sollte jeder kleine Betrieb hinbekommen. Siehe auch -> hier.

„Pinnen? Ja Graag!“-Kampagne in Deutschland

2019 kann man wohl getrost als das Jahr bezeichnen, in dem Cashless-Payment werbemäßig wie nie zuvor thematisiert wurde. Neben der „Ich zahl VISA“-Kampagne, den Aufklärungsspots von DKB und VISA, PayPal mit seiner Debit Mastercard, gab es zweifellos kein Entrinnen vor den Aktionen der EURO Kartensysteme für die girocard.

Mit dem Lebensmitteldiscounter Lidl wirbt man – langfristig – für Kartenzahlung ab dem ersten Cent mit Pappschildchen an den Terminals und den Warentrennern.

Aber nicht nur die Konsumentinnen und Konsumenten wurden bedacht. Im Herbst gab es eine dreiteilige Webinarreihe mit Informationen für Händler rund um das kontaktlose Bezahlen (nicht nur) mit girocard.

Mit dem Launch von Apple Pay bei den Sparkassen am 10. Dezember startete auch die „Normal“-Kampagne in der es unter Anderem darum geht, dass das Bezahlen von Alltagseinkäufen mit Smartphone und Kreditkarte „völlig normal“ sei.

Deutlich vorbei sind also die Zeiten, wo Kreditkarten von den etablierten Banken nahezu ausschließlich über die „Statusschiene“ vermarktet wurden.

Parallel dazu findet man „Kontaktlos“-Werbung der Sparkassen inzwischen auf den Bildschirmen bei Yorma´s und sogar auf Sanifair-Toiletten. Es gibt da wahrlich kaum ein Entrinnen aktuell.

girocard, Apple Pay und Google Pay

Die Liste der Banken, die in Deutschland Apple Pay unterstützen ist 2019 deutlich länger geworden. Neben internationalen Angeboten wie Revolut und Monese, den deutschen Pionieren N26 und Fidor, komplettieren DKB, Deutsche Bank, Commerzbank und Sparkassen die Reihen.

Inzwischen kann man getrost sagen, dass Mobile Payment zumindest auf der Angebotsseite kein Randphänomen mehr ist. Auch wenn es keine konkreten Zahlen gibt, äußerten sich bislang alle beteiligten Banken positiv über ihren Marktstart.

Darüberhinaus gibt es in Deutschland auch erste Angebote für Garmin Pay und Fitbit Pay.

Die girocard hat es zwar 2019 nicht in die Wallets der beiden großen Betriebssystemhersteller geschafft, aber zumindest gibt es ein Commitment der Sparkassen und genossenschaftlichen Banken für eine Umsetzung in 2020 für iPhone & Co.. Damit sollte das Bezahlen mit dem iPhone dann wirklich für alle „völlig normal“ werden.

Zukunft der Co-Badges

Völlig unerwarteter Weise zeichnet sich ausgerechnet in diesem Bereich Bewegung ab. Zunächst tauchte auf einem Kongress im Frühsommer eine Folie mit einer Debit Mastercard im klassischen Design einer roten SparkassenCard auf. Inzwischen gibt es wohl weitere Mockups mit Debit Mastercard als Co-Badge auf einer girocard der Sparkasse. Das passt im Übrigen dazu, dass VISA mit ihrer VISA Debit marketingseitig auch in Deutschland in den Startlöchern steht.

Sieht man mal von den Niederlanden ab, wo Maestro und ein paar V PAY-Karten in weiten Teilen des Handels als das einzige unbare Zahlungsmittel gelten, erscheint es wenig sinnvoll, dass beide Konzerne B-Brands am Leben erhalten, die mit wenigen Ausnahmen nur am POS funktionieren. Maestro hat sich in den meisten Ländern im eCommerce nie durchgesetzt und galt vielerorts maximal als Feigenblatt auf windigen Flugbuchungsportalen um dort die Forderung nach einer kostenlosen Zahlungsart abdecken zu können, wohlwissend dass diese eh nur eine Minderheit der Kunden nutzen konnte.

Und sonst?

Kommunale Verkehrsbetriebe wie bspw. die Stadtwerke Bonn (SWB) haben die Akzeptanz an den bestehenden Automaten erweitert, so dass man dort endlich auch mit Kreditkarten bezahlen kann. In einigen Verbünden hat die DB ihre Automaten mit NFC-Lesern nachgerüstet.

Neue Apps machen das Reisen im öffentlichen Nahverkehr einfacher („mobil.nrw“) oder günstiger Dank Luftlinientarif wie im VRS.

Mit Uber kann man in Städten wie Köln und Berlin erleben, wie man Mobilitätsdienste und deren Bezahlung optimal gestaltet.

Kurzum: Auch wenn weite Teile der Bevölkerung mental noch im Zeitalter von Scheinen und Münzen verharren, so kann man zweifelsohne eine Entwicklung in Richtung elektronischer Bezahlsysteme erkennen, die nicht nur langsam an Fahrt gewinnt sondern auch kurz davor steht, die notwendige Eigendynamik zu entwickeln um wirklich disruptiv wirken zu können.

In Kürze gibt es hier auch meine Wünsche an das Payment-Jahr 2020 zu lesen….

In diesem Sinne allen Frohe Weihnachten!

 

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