Uber in Köln getestet (aktualisiert)

Vor einigen Tagen ist der amerikanische Fahrtvermittler Uber mit seinem Dienst UberX in Köln gestartet. Zuvor gab es vergleichbare Angebote bereits in einigen anderen deutschen Städten wie Düsseldorf und Berlin.

Es ist nicht der erste Versuch, auf dem stark regulierten deutschen Markt Fuß zu fassen. UberPop wurde von den Gerichten u.a. in Frankfurt am Main ganz schnell wieder einkassiert. Die Idee, Fahrer ohne Personenbeförderungsschein in ihren Privatfahrzeugen Fahrgäste befördern zu lassen, war dann doch etwas zu revolutionär für unser Land. So hat man in der Zwischenzeit sowohl mit der Vermittlung konzessionierter Taxen als auch Funkmietwagen und Limousinenservices experimentiert.

Mit UberX hat man das Modell der Funkmietwagen adaptiert. Diese müssen nach Beendigung der beauftragten Fahrt wieder zurück zur Basis oder auf direktem Wege zum nächsten Abholauftrag. Das Warten auf Fahrgäste auf öffentlichen Plätzen ist nicht erlaubt. Auch Fahrer von Funkmietwagen benötigen einen PBS, wobei inzwischen auf den Nachweis der Ortskenntnis verzichtet werden kann.

Die Uber-App

Die Uber-App ist stylish schwarz und weiß gehalten und entspricht auf dem ersten Blick vergleichbaren Produkten aus dem Taxi-Umfeld, also bspw. mytaxi oder Taxi.EU. Man sieht auf den ersten Blick auf einem Kartenausschnitt, wenn sich Fahrzeuge in der Nähe befinden. Vermutlich aus Google Maps werden einige Standardadressen wie „Zuhause“ und „Arbeit“ vorgegeben. Dazu wird auch das letzte Fahrziel angezeigt, so dass man wiederkehrende Fahrten sehr einfach buchen kann.

Funkmietwagen rechnen Fahrten ausschließlich nach Entfernung ab. Eine zeitabhängige Komponente, wie beim Taxi, gibt es zumindest bei UberX daher nicht. Laut AGB gibt es aber Städte, die keine fixen Entfernungspreise kennen. Vermutlich handelt es sich dabei um Städte, in denen Uber ausschließlich konzessionierte Taxen vermittelt.

Hat man sein Ziel gewählt, so zeigt Uber die verfügbaren Dienste und den Fahrpreis an. Für die Taxi-Option wird kein Preis angezeigt, obwohl Wettbewerbe auf Basis der jeweils vor Ort gültigen Taxiordnung eine Schätzung abliefern.

Nach Aufgabe der Bestellung wird ein verfügbares Fahrzeug gesucht und, wenn erfolgreich, zeigt die App den Infos über Fahrer und Fahrzeug. Das kennt man so auch von mytaxi.

Da bei UberX der Fahrpreis feststeht, wird bereits jetzt eine Autorisierungsanfrage bei der hinterlegten Kreditkarte gestartet. Am Ziel angekommen, kann man sofort aussteigen. Im Anschluss erhält man die Aufforderung zur Bewertung und die Möglichkeit, Trinkgeld zu geben. Bei einer Stadtfahrt in Köln, wurden 1€, 2€ und 5€ als fixe Auswahl angeboten. Es gibt aber auch einen Menüpunkt zur freien Eingabe.

Hier liegt dann auch der Hauptvorteil gegenüber regulären Taxi-Apps oder Kartenzahlung im Taxi. Normalerweise lesen die Fahrer den Preis am Ende der Fahrt vom Taxameter ab und tippen ihn in die Fahrer-App von mytaxi ein oder geben den Betrag manuell in ein Kartenterminal ein. Selbst bei Verwendung von Taxi.EU, einem Produkt dass in die Taxi-Computer der Kölner Taxiruf integriert ist, sind es noch ein paar Schritte, bis der Kunde endlich bezahlen kann. Der Kunde muß sodann noch den auf seinem Smartphone erscheinenden Betrag bestätigen und ggf. um Trinkgeld erweitern. Steht das Taxi dabei vor dem Bahnhof und das Telefon hat sich bereits mit dem Hotspot der DB verbunden, kann es passieren, dass erst einmal gar nichts passiert, weil das Telefon auf die Eingabe von Verbindungsdaten für den Splashscreen des Hotspots wartet.

Die Rechnung für die Fahrt lässt sich über einen Link in einer Benachrichtigungsmail abrufen. Eine Quittung für das Trinkgeld erhält man bei UberX in Deutschland nur im Rahmen der E-Mail.

An der Rechnung fällt sofort auf, dass Uber mit 19% MwSt. abrechnet, während Taxen für Strecken unter 50km den vergünstigten Satz von 7% abrechnen. Damit ist UberX für Firmenkunden noch einmal ein Stück günstiger, als reguläre Taxen.

Bei meinen beiden Testfahrten fielen zwei Dinge sofort positiv auf: Auf der rechten Rheinseite waren wesentlich mehr Uber-Fahrzeuge als Taxen, die für mytaxi fahren, unterwegs. Die Wartezeiten waren wesentlich kürzer und beide Fahrzeuge waren nagelneu (Toyota Auris und Toyota Prius, jeweils in Hybrid-Ausführung).

Aktualisierung: War die Verfügbarkeit zu „normalen“ Zeiten sehr gut, so sah die Lage am Pfingstmontag gegen 5:30 schon ganz anders aus. Es wurden fünf Anläufe zur Bestellung benötigt. Das Einzige Fahrzeug befand sich am anderen Ende der Stadt und hatte ca. 15 Minuten Anfahrt.

Die Uber-App unterstützt auch Apple Pay als Zahlungsmittel, so dass man je Fahrt entscheiden kann, über welche Karte die Fahrt abgerechnet werden soll. Allerdings lassen sich auch mehrere Karten direkt im Profil hinterlegen, so dass Apple Pay nicht zwingend notwendig ist.

Aktualisierung: Die voreingestellte Karte erhält eine Autorisierungsanfrage. Während oder selbst nach der Fahrt, kann der Kunde noch die zu verwendende Karte wechseln und erhält eine Bestätigung per E-Mail über die erfolgte Aufhebung der Autorisierungsanfrage. Top!

Die politische Diskussion rund um Uber

Natürlich ist UberX mehr, als nur ein weiteres Angebot, um von A nach B zu gelangen. Funkmietwagen gibt es in Westdeutschland seit Jahrzehnten und sind vom Gesetzgeber stark reguliert und allgemein gut überwacht, da die örtlichen Taxizentralen von sich aus jeglichen Verstößen beim lästigen Wettbewerb nachgehen und melden.

Das amerikanische Unternehmen Uber ist aber weltweit für sein sehr rüpelhaftes Umgehen mit Wettbewerbern, Partnern und Mitarbeitern bekannt. Damit ruft es natürlich auch in Deutschland sofort unzählige Kritiker auf den Plan. Fast jedem drängt sich sofort der Vergleich mit Amazon auf. Ein Konzern, der Milliardengewinne schreibt, vor Ort so gut wie keine Steuern zahlt und dabei Einzelhandel und kleinere Wettbewerber im Online-Business in den Ruin treibt. Darüber hinaus duldet Amazon massenhaften Umsatzsteuerbetrug seiner Marketplace-Händler.

Bei aller Kritik an Amazon darf man aber nicht vergessen, dass der Marketplace kleineren Händlern Absatzmöglichkeiten bietet, die man mit einem eigenen Webshop nur schwer erreichen würde. Ähnlich sieht es bei UberX für die Partner aus. Klassische Funkmietwagen sind eher etwas für Eingeweihte. Sie werden von Hotels und anderen Unternehmen gebucht. Im B2C-Bereich gibt es wohl nur wenige, die bspw. mit Flughafen- oder Bahnhofsfahrten zum Festpreis, nennenswerte Sichtbarkeit erlangen konnten. Mir fällt da auf Anhieb lediglich ein Betrieb in Moers ein, der das geschafft hat. Für fast alle Endkunden, ist die Rufnummer der örtlichen Taxizentrale (oder eine Taxi-App) die erste Wahl, wenn es um die Nutzung eines Fahrdienstes geht.

Mit Uber als globalem Vermittler hingegen, wird dieser seit jeher vorhandene Wettbewerb plötzlich für jedermann sichtbar und auf Knopfdruck nutzbar. Man muss nicht mehr im Branchenbuch oder bei Google gezielt suchen, zumal ich stark bezweifle, dass der normale Bürger weiß, was ein Funkmietwagen ist und wie er sich von einem Taxi unterscheidet.

Insofern ist es natürlich kein Wunder, dass die Taxizentralen Sturm gegen Uber laufen und massenhaft Menschen mobilisieren. Die Taxi-Branche ist seit Jahrzehnten stark reguliert und man hat sich es dort ganz bequem eingerichtet. Steigende Kosten und lange Standzeiten hat man dadurch kompensiert, dass die Städte Erhöhungen der Tarife im Rahmen der Taxiordnung einfach durchgewunken haben.

Gerade in Köln wurden darüberhinaus Kundenbeschwerden über lange Zeit komplett ignoriert und der Aufgabenträger (Stadt Köln) hat sich da ebenfalls einen schlanken Fuß gemacht. Erst in letzter Zeit hat man den Druck ein wenig erhöht und bspw. Kartenakzeptanz verpflichtend eingeführt. Jedoch ist es auch heute noch so, dass man vielfach von den Fahrern abgewimmelt wird, wenn man mit Karte bezahlen möchte oder am Ziel angekommen erst einmal das Terminal fünf Minuten booten muss. Es beim Start der Schicht zu Starten wäre ja auch zuviel verlangt.

Die in doppelter Hinsicht niedrigeren Preise (km-Preis plus Steuersatz) bieten natürlich erst einmal Angriffsfläche und lassen den Vorwurf von Lohndumping ertönen. Das Ganze ergänzt um die Komponente der Steuermoral der bösen US-Unternehmen.

Dazu muss man aber wissen, dass gerade die Taxi-Unternehmen es häufig nicht so genau mit der Versteuerung ihrer Einnahmen oder der ordnungsgemäßen Beschäftigung ihrer Fahrerinnen und Fahrer nehmen. Da Uber selbst keine Fahrzeuge und keine Fahrer beschäftigt, obliegt dies in Deutschland den Partnerfirmen, d.h. neben Lohnsteuer und Sozialversicherung der Mitarbeiter, fallen auch Einkommens- und Gewerbesteuer für die Partnerunternehmen vor Ort an. Da Uber selbst aktuell noch Millionen Investorengelder verbrennt, hätte der deutsche Fiskus auch keinen steuerlichen Anteil an den Vermittlungsprovisionen zu erwarten.

Beide Fahrer waren sehr von den neuen Möglichkeiten, die ihnen Uber bietet, angetan. Einer war schon sehr lange in der Branche unterwegs und auch der Meinung, dass es notwendig sei, dass Bewegung in den Markt kommt.

Aus diesem Grunde sollten sich Bürger und insbesondere Politiker genau fragen, ob sie sich vor den Karren der von Vetternwirtschaft geprägten Taxigenossenschaften spannen lassen wollen und eine seit Jahrzehnten schlecht funktionierende Branche weiter vor dringend benötigten Veränderungen schützen wollen.

Die ökologische Komponente

Städte wie New York ächzen unter der Verkehrslast, die die neuen Fahrdienste mit sich gebracht hat. Dort, wo UberPop verfügbar ist, bekommen auch die Öffi-Betriebe die neue Konkurrenz zu spüren, da gerade wenn man mal zu Dritt oder Viert unterwegs ist, ein Uber oftmals günstiger kommt.

Hier gilt es natürlich, als Stadt sinnvoll regulierend einzugreifen. Die polnische Stadt Kraków verbietet es Uber-Fahrern bspw. das historische Stadtzentrum zu befahren und hat sog. Pick-Up-Points ausgewiesen. Darüber hinaus muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge nicht explodiert und Angebot und Nachfrage so austariert bleiben, dass die Fahrzeuge zwischen den Einsätzen nicht zur Rückkehr zur Basis gezwungen werden und somit unnötige Kilometer verfahren werden.

Durch das Ausweisen von Funkmietwagen-Parkplätzen in den Stadtteilen, als Alternative zur Rückkehrpflicht, ließen sich bspw. auch attraktive Angebote für die Überbrückung der letzten Meile von der Stadtbahnhaltestelle nach Hause schaffen, wo Taxen heute vielfach Kilometer lange Anfahrtswege aus dem Stadtzentrum zurücklegen müssen, da die früher fast überall vorhandenen Taxistände gerade abends nahezu alle verwaist sind, in sofern sie noch existieren.

Last but not least helfen zwei Dinge, um die Umweltprobleme, die der Verkehr mit sich bringt, in den Griff zu bekommen: Das Schaffen eines attraktiven ÖPNV-Angebots, das neben günstiger und schneller Beförderung sicherzustellen, gerade in den Abendstunden nicht zu Angsträumen verkommt und ein aktives Management ergänzender Verkehrsangebote und die Vernetzung der Verkehrsträger.

Die Städte als Aufgabenträger werden nicht umhinkommen, sich in Zukunft mehr mit der Materie zu beschäftigen. Die Zeiten, in denen man die Verantwortung zu den Unternehmen verschiebt, die man eigentlich steuern und kontrollieren soll, sind eindeutig vorbei.