1. Dezember 2020

Sparkassen: girocard ab sofort mit Apple Pay nutzen

Mitte Juli, kündigten die Sparkassen die Unterstützung von Apple Pay für ihre Debitkarten auf Basis der girocard bereits an. Sie bereiteten damit vielen Spekulationen rund um die Frage, ob wirklich die girocard digitalisiert werden soll oder nicht vielleicht doch das Co-Badge oder gar eine Debit Mastercard zum Einsatz kommen sollen ein Ende. Die Kommunikation hierzu gestaltete sich mehr als eindeutig:

Werbebanner der Sparkassen zum Start der girocard in Apple Pay NEU: Die Ersten mit GIROCARD

Neben der Aktualisierung der entsprechenden Webseite wurden laut t3n in den letzten Tagen auch POS-Kits an die Kunden vom Sparkassen-Händlerservice verschickt.

girocard zur Apple Wallet hinzufügen

Kartendummy mit girocard Logo. Quelle: Apple Kartendummy mit girocard Logo. Quelle: Apple

Im Gegensatz zu den von den Sparkassen ausgegebenen Mastercard und VISA-Karten, funktioniert das Hinzufügen der girocard nur über die Sparkasse-App. Eine Aktivierung über das Abfotografieren der Kartennummer, wie bei Mastercard und VISA, funktioniert nicht. Das manuelle Eingeben der Kartendaten habe ich nicht getestet. (Hierzu formatiert man die Kartennummer wie folgt: „680“+“Kurz-BLZ“+“Kontonummer“+die sog. Luhn-Ziffer die sich bspw. hier online errechnen lässt.)

Im Menü „Apple Pay“ findet Ihr nun nicht nur – falls vorhanden – die verfügbaren Kreditkarten, sondern auch Eure girocard. Diese lassen sich sowohl der Wallet auf dem iPhone als auch der Apple Watch hinzufügen. Die Aktivierung erfordert eine gültige TAN die im Idealfall über die App S-PushTAN generiert wird.

Aktuell ist wie zu erwarten, kein In-App Payment und kein Online-Payment möglich.

In iOS 14 soll allerdings ein Support für die girocard als Bezahlnetzwerk enthalten sein. In sofern bleibt die weitere Entwicklung natürlich spannend. Insbesondere, da es aktuell mal wieder Bestrebungen gibt, die verschiedenen Bezahlsysteme der deutschen Kreditwirtschaft und zu bündeln und perspektivisch die bestehenden nationalen Bezahlsysteme in eine europäische Gesamtlösung einzubringen.

Einlösung eines Versprechens

Die Sparkassen haben mit der Einführung der digitalen girocard ihr Versprechen „Apple Pay für Alle“ zweifelsohne erfüllt.

Kundinnen und Kunden müssen keine zusätzlichen kostenpflichtigen Karten bestellen und können nunmehr auch mit ihrer Debitkarte bezahlen. Und das jetzt auch bei den Händlern und Gastronomen, die ausschließlich girocard akzeptieren. Und davon gibt es eine Menge, auch wenn es hier in Deutschland große regionale Unterschiede gibt.

Darüber hinaus bleiben bei dieser Lösung fast alle Vorteile der girocard erhalten. Die Abrechnung erfolgt direkt und ohne Schattenkonto wie bei den Volks- und Raiffeisenbanken, vom eigenen Girokonto. Die Limite orientieren sich an den Werten der Plastikkarte, der Kontostand und evtl. Kontokorrent werden direkt bei der Autorisierung berücksichtigt.

Das Fehlen des Co-Badges

Ohne Maestro resp. V-Pay ist die digitale girocard im Wesentlichen nur im Inland einsetzbar. Der Auslandseinsatz beschränkt sich auf einige wenige Terminals, bspw. in Ski-Gebieten in Österreich, die über deutsche Netzbetreiber angebunden sind.

An den sog. mPOS-Terminals, die in kleineren Geschäften immer beliebter werden und sogar bei der Deutschen Bahn in der Bordgastronomie zum Einsatz kommen, wird die digitale girocard ebenfalls nicht funktionieren. Da muss dann wieder die Plastikkarte herhalten.

Betrachtet man die reine Anzahl solcher Terminals in freier Wildbahn in Deutschland, so ist die Einschränkung im Moment noch überschaubar, zumal die seit Frühjahr 2019 ausgegebenen Sparkassenkarten inzwischen auch über ein kontaktloses Co-Badge verfügen. Allerdings sorgt jedes „Nicht-Funktionieren“ bei den meist unbedarften Beteiligten für Verwirrung und teils abstruse Theorien.

Die Sparkassen planen jedoch, zunächst mit einigen ausgewählten Instituten, eine Migration des Co-Badges in Richtung Debit Mastercard. Nicht nur zwischen den Zeilen war zu lesen, dass die girocard in Apple Pay sicherlich nicht die letzte Entwicklung in Sachen Mobile Payment sein wird. Es ist daher davon auszugehen, dass früher oder später auch eine Debit Mastercard (bzw. VISA Debit) in der Sparkasse-App auftauchen und diese Lücke schließen wird.

Weitere Pläne

Wie heute bekannt wurde, stehen die Themen In-App Payment und das Bezahlen im Web-Browser auf dem Mac für 2021 auf der Agenda. Das ist in sofern sehr sportlich, weil neben den Voraussetzungen auf Seite der Kartenherausgeber sowohl Shop-Betreiber als auch diejenigen Unternehmen etwas Tun müssen, die für die Abwicklung von Zahlungen in Webshops zuständig sind. Nach den Erfahrungen mit Paydirekt dürfte wohl nur eine Lösung eine Chance haben, die keine großartigen technischen Anpassungen erfordert. Auf Kundenseite dürfte alles, was über das Abtippen einer auf der Karte aufgebrachten Nummer hinaus geht, schon ein Showstopper sein wenn alternativ PayPal oder Lastschrift angeboten werden.

Inaktive Bezahlmethoden girocard und Revolut Maestro Inaktive Bezahlmethoden girocard und Revolut Maestro

 

Ein paar Besonderheiten

Was unterscheidet die girocard in Apple Pay von anderen Karten? Wer auf einen Terminalbeleg blickt, stellt fest dass die zumeist aufgedruckten letzten vier Ziffern den letzten drei Stellen der eigenen Kontonummer plus der eingangs erwähnten Luhn-Ziffer entspricht. Damit meldet das Smartphone im Gegensatz zu Mastercard und VISA nicht eine eigens generierte Alias-Kartennummer auf Basis der Geräte-ID („DUN“).

In der öffentlichen Diskussion wurde die Verwendung dieses sich vom Benutzer neu generierbaren Alias als Argument gegen die Nachverfolgbarkeit der Kundschaft benutzt. Da der durchschnittliche User jedoch kaum nach jedem Bezahlvorgang seine Karte neu aktiviert, sollte dies im echten Leben jetzt nicht so schwer ins Gewicht fallen.

In der Praxis bedeutender dürfte allerdings die Möglichkeit sein, aus der PAN das Bankkonto des Kunden zu errechnen und eine Lastschrift im Rahmen des ELV-Verfahrens zu generieren. Ob der Handel aber wirklich so verrückt ist und riskiert, dass bei erfolgreicher Lastschrifterstellung das Endgerät des Benutzers einen Fehler anzeigt? Man weiß es nicht. Zuzutrauen wäre es ihnen.

Wer Apple Pay schon etwas länger nutzt, für den dürfte es ungewöhnlich sein, dass eine Transaktionsbestätigung lediglich von der Apple Wallet generiert wird, aber die normalerweise vom Institut erzeugte Push-Mitteilung nur im Rahmen des „Kontoweckers“ nach finaler Buchung, also 1-2 Tage später, verschickt wird. Aber auch das ist zu vernachlässigen, da Kunden den Betrag i.d.R. an der Kasse, am Terminal, in der Wallet App und nochmals auf dem Beleg zu sehen bekommen. Viel wichtiger finde ich, dass die Vormerkung sofort in der Sparkasse-App und im Onlinebanking sichtbar ist.

Unterstützt wird die girocard übrigens erst ab dem iPhone 6s, während die üblichen Kreditkarten ab dem 6er-Modell supported werden. Gleiches gilt für die Apple Watch. Ab Series 1 wird unterstützt. Die Apple Watch „First Generation“ (Series 0) hingegen nicht.

Im Vergleich zum Dezember 2019 als die Sparkassen mit Mastercard und VISA an den Start gingen, ist die Liste der nicht teilnehmenden Institute kürzer geworden. Aktuell immer noch nicht dabei sind:

  • Sparkasse Wittenberg
  • Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld
  • Stadtsparkasse Wunstorf

Kundinnen und Kunden des Direktbankangebots der Frankfurter Sparkasse 1822direkt schauen ebenfalls weiter in die Röhre.

Bargeldauszahlung im Handel

In den letzten Jahren habe ich meine girocard i.d.R. fast nur noch für Bargeldauszahlungen am Geldautomaten und zunehmend auch im Handel benötigt. Die meisten Händler erlauben die Auszahlung nur via girocard und deren Terminals fordern zum Stecken auf. Eine Ausnahme bildet ALDI Süd, die neben der girocard auch Barauszahlungen mit Mastercard unterstützen. Während ich mit der Sparkassen-Mastercard via Apple Pay im Dezember noch gescheitert bin (musste Stecken), funktioniert dies mit der digitalen girocard in Apple Pay ohne Probleme. Wieder ein Grund weniger, noch eine Plastikkarte mit sich herumzuschleppen.

Fazit

Die girocard in Apple Pay ist ein Gewinn für alle Sparkassenkundinnen und -kunden. Sie wird sicherlich die Verbreitung von Mobile Payment in Deutschland, abseits der Payment-Nerd-Bubble, weiter voranbringen und aufgrund der direkten Verbindung zum Girokonto sicherlich entsprechende Beliebtheit erzielen.

Startseite in Sparkasse-App mit Aktivierungsbutton
Startseite in Sparkasse-App mit Aktivierungsbutton

 

Auch dort, wo bislang nur die girocard akzeptiert wird, kann nun auch mit dem iPhone oder der Apple Watch bezahlt werden. Umso wichtiger wird nun, dass auch die letzten Terminals im Handel endlich die girocard kontaktlos akzeptieren. Da ist zwar in den letzten Monaten viel passiert, dennoch erlebe ich es immer wieder, dass Terminals die theoretisch NFC-fähig sind, kontaktlose Zahlungen gar nicht oder nur mit internationalen Karten akzeptieren.

Funktionen wie Bargeldauszahlung im Handel sollten von allen Anbietern nunmehr auch kontaktlos angeboten werden. Bislang ist dies bspw. bei Lidl nicht der Fall. Darüber hinaus sollten jetzt auch zügig die NFC-Leser an den Geldautomaten aktiviert werden, so dass man bald wirklich sein Portemonnaie gefahrlos zuhause lassen kann.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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