22. Oktober 2021

Beobachtungen rund um DCC (Dynamic Currency Conversion) (Update 20.07.21)

Die Umrechnung von Kartenzahlungen in Fremdwährung ist sicherlich eines der größten Aufregerthemen beim bargeldlosen Zahlungsverkehr. Es ist auch eines, über das man bei Banken und den Kartenfirmen nur ungern spricht. Allenfalls hinter vorgehaltener Hand erfährt man, wie viele Beschwerden während der Reisesaison eingehen und wie sauer Kunden über diese moderne Form der Wegelagerei sind.

Ursprünglich wurde DCC geschaffen, um einen Wettbewerb beim Fremdwährungseinsatz zu ermöglichen, da einige Banken ohne Reisepakete gerne mal zugelangt haben. Aber schon vor Jahren gab es mit den damals durchschnittlich 3,75% Aufschlag nur wenige Rechenbeispiele, wo das für deutsche Bankkund*innen aufging. Insbesondere, wo es gerade in Deutschland immer noch viele Kreditkarten gibt, die auf eine Bepreisung des Fremdwährungseinsatzes komplett verzichten.

Um so mehr war man in den letzten Jahren insbesondere in Mittel- und Osteuropa bemüht, die Terminalsoftware so hart an den Rand der Legalität zu optimieren, dass Konsument*innen fast keine Chance mehr hatten, diesem Betrug zu entgehen, wenn das Kassenpersonal nicht seiner Verpflichtung zur aktiven Einholung der Zustimmung nachgekommen ist. Da sich die Acquirer mit dem jeweiligen Händler die unrechtmäßig erlangte Beute teilen, kann sich jeder vorstellen, in wie viel Prozent der Fälle ordnungsgemäß abgerechnet wurde.

Drohende Regulierung

Irgendwann um das Jahr 2018 kam das Thema auf die politische Agenda in Brüssel. Mastercard und VISA untersagten plötzlich DCC für sogenanntes „Travel-Money“. Damit sollten Multiwährungskarten, die speziell für den Einsatz in verschiedenen Währungen konzipiert wurden, explizit DCC untersagen, damit Kund*innen nicht u.U. sogar doppelte Umrechnungskosten haben.

Ich habe in der Vergangenheit mehrfach versucht herauszufinden, welche Produkte denn nun genau davon betroffen sind und ob das auch für bestehende Karten von bspw. Revolut gilt. Anfragen diesbzgl. sind leider alle im Sande verlaufen. Irgendwie scheint das ein Reizthema zu sein.

Inzwischen müssen, EU sei Dank, die genauen Konditionen der Umrechnung angezeigt werden. Das nützt natürlich nur etwas, wenn der Kunde zur Zeit der Kursanzeige und Abfrage Zugriff auf das Terminal hat.

Da ich gerade in Polen verweile und aktuell keine polnische Bankkarte mehr besitze, bietet sich die Gelegenheit doch einmal ein paar Tests durchzuführen. Da diese im personenbedingten Verkauf immer etwas schlecht zu dokumentieren sind, habe ich mir ein Bestellterminal von McDonalds ausgesucht. Allerdings kann ich sagen, dass auch bspw. bei der Drogeriekette Rossmann die gleiche Software zum Einsatz kommt.

Angesichts des angezeigten Aufschlags von rund 7,5% für diesen „Service“ erscheint der Hinweistext, auf dem von Torsten fotografierten Kassenbon wie blanker Hohn!

Ich habe für meine Tests verschiedene Karten eingesetzt. Der obige Dialog erscheint bei Verwendung von Apple Pay (Barclaycard VISA) nach (!) der Zahlungsfreigabe m iPhone. Man sieht zum Einen sehr schön den Wechselkurs, den man via DCC bezahlen soll. Mehrere Stichproben haben Aufschläge von rund 7,5% ergeben. Das deckt sich insofern auch mit den 6,44% die bspw. das polnische EVU PKP InterCity beim Online-Verkauf von Bahntickets aufruft. Wäre ich nicht an einem Automaten gestanden, so wäre zu diesem Zeitpunkt das Terminal längst wieder in Händen der Kassenkraft gewesen. Das wurde früher in das Gastronomie übrigens dadurch gefördert, dass zwischen Zahlungsfreigabe durch den Kunden und der Anzeige eine extra lange Pause eingeschoben wurde. Etwas, was man als Händler ja eigentlich gerade nicht möchte. Somit förderte man gezielt Abzocke.

Da ich zur Zahlung eine gewöhnliche Kreditkarte verwendet habe, wunderte mich die Aufforderung nicht wirklich. Jetzt wollte ich es aber wissen und bin nochmals zum gleichen Terminal gelaufen und habe Revolut getestet. Wenn nicht Revolut, was soll sonst unter Travel-Money fallen?

Der Grund für die Stille

Der erste Versuch fand auch wieder via Apple Pay mit einer aktuellen VISA von Revolut statt. Wieder kam der Umrechnungsdialog hoch. Na sowas. Doch alles nur heiße Luft?

Nächster Versuch dann mit einer älteren Mastercard von Revolut. Zack Zahlung in PLN durch. Keine DCC-Anfrage obwohl diese früher bei dieser Karte auch hochkam. Was ist passiert? Gibt es einen Unterschied zwischen Mastercard und VISA.

Nein, es ist vertrackter. Die Mastercard stammt noch aus einer Zeit, als Revolut seine Karten als „Prepaid“ gekennzeichnet und in Heimatwährung GBP ausgegeben hat. Irgendwann ist man dazu übergegangen, die Karten als Debitkarten zu chippen und das Land des jeweiligen Kunden zu hinterlegen.

Damit kam man dem vielfachen Wunsch der Kund*innen nach, mit Revolut auch Leihwagen anmieten zu können oder die Karte offline, bspw. an Bord eines Flugzeuges, zum Getränkekauf zu verwenden. Das passte in sofern auch ganz gut zur Strategie von Revolut, als dass man immer offener dafür warb, aus Revolut doch sein Hauptkonto zu machen.

Wir hätten einen USP haben können…

Mit dem Wunsch, mehr als nur digitale Wechselstube zu sein, hat man sich bei Revolut leider eines echten USP beraubt, nämlich dem einer DCC-sicheren Karte. Revolut täte gut daran, wenn sie neben Karten aus Metall oder in Regenbogenfarben vielleicht wieder optional Prepaid-Karten anbieten würden. Das ist zwar in Sachen Status uncool, spart aber Geld!

Kein Wunder also, dass man bei Revolut komischerweise nie eine wirkliche Antwort auf meine Frage geben wollte!

Weiteres Vorgehen

Bislang habe ich eine Handvoll Buchungen getätigt. Ich werde die kommenden Tage verstärkt die Revolut Mastercard einsetzen und schauen, ob ich jemals nach DCC gefragt werde.

Update 13.07.2021

Angeregt von einer Diskussion auf Facebook, wurde ich neugierig. Es stand die Vermutung im Raum, dass nicht Prepaid vs. Debit den Unterschied machen, sondern die Herkunft der Karte. Die VISA war eine auf EUR gechippte Karte, während Mastercard als Herkunftsland UK und Währung GBP auswies. In UK gab es mit dem EU-Austritt ja auch einige Änderungen!

Ich habe heute dazu noch einmal eine neue virtuelle Mastercard mit Revolut erzeugt. Die BIN verrät uns Debit als Typ und Deutschland als Herkunftsland. Also wieder zwei Espresso bei McDonalds bestellt. VISA kam mit DCC hoch. Mastercard nicht. Spannend war, dass mir bei Verwendung der VISA-Karte noch eine kleine Logo-Animation angezeigt wurde. Ob man damit Kund*innen besänftigen kann, die versehentlich auf den Knopf mit 7,41% Aufpreis geklickt haben? Man weiß es nicht.

Update 14.07.2021

Mit einer Mastercard Credit (Sparkasse) ebenfalls kein DCC. Jetzt wird es wirklich verrückt.

Update 20.07.2021

Den Rest der Woche habe ich noch verschiedene Terminals testen können. Unter Anderem auch mit einer Maestro-Karte von Revolut. Auch hier kein DCC-Dialog, obwohl ein Kunde vor mir mit einer VISA-Karte die Transaktionswährung wählen musste/durfte.

In der Zwischenzeit haben mich dann noch einige Nachrichten von Leuten erreicht, die noch im Juni DCC-Abfragen mit Mastercard in Tschechien (OK, das ist nicht Polen), Spanien (Curve Mastercard, bekanntermaßen in GBP ursprünglich ausgestellt) hatten.

Fazit

Über einen Zeitraum von anderthalb Wochen konnte ich in Polen beobachten, dass Kartenprodukte aus dem Hause Mastercard keinen DCC-Dialog angezeigt haben, während dies mit verschiedenen VISA-Karten der Fall war. Ob es sich um eine Besonderheit in Polen handelt, andere Länder ggf. nachziehen und ob auch irgendwann VISA dem Spuk ein Ende bereitet oder ob dies nur eine temporäre Angelegenheit ist, ist nicht klar. Aktuell würde ich auf Reisen daher weiterhin grundsätzlich vorsichtig bleiben.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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