25. September 2021

Sparkassen: girocard steht für In-App-Zahlungen per Apple Pay bereit

Da fährt man einmal für ein paar Tage in Urlaub und dann passiert zuhause in Deutschland endlich mal wieder etwas Spannendes. Also im Payment. Nachdem die Sparkassen vor fast einem Jahr als erste (und bislang einzige) Bankengruppe die girocard in Apple Pay für das Bezahlen am POS fit gemacht haben, folgte im Juli 2021 der nächste Schritt.

Bereits sein einiger Zeit ist ja bekannt, dass man mit der girocard endlich auch den Schritt in den eCommerce machen möchte. Dies ist nun über den „Umweg“ Apple Pay möglich. Es gibt allerdings ein paar Voraussetzungen:

  • Man benötigt ein Apple Gerät (iPhone, iPad, Mac-Computer)
  • Die Webseite (mit Safari-Browser) oder App muss die Bezahlung per Apple Pay ermöglichen
  • Der Zahlungsdienstleister muss die Bezahlmethode anbieten
Partner der ersten Stunde

Auch wenn die girocard sicherlich kein Neuling am Bezahlmarkt ist, so ist deren Einsatz im eCommerce natürlich eine absolute Premiere. Daher sollte es auch nicht verwundern, dass am Anfang erst einmal eine überschaubare Anzahl von Handelspartnern und Apps zur Verfügung stehen.

Zu den ersten Akzeptanzstellen gehören u.a. Media Markt, Lieferando und Flixbus. Mit LogPay gesellt sich der Abrechnungsdienstleister einer Vielzahl von HandyTicket-Apps hinzu. Nach nah.sh (Schleswig-Holstein) und dem Münchner Verkehrsverbund wird auch die BVG bald folgen. Es ist aber davon auszugehen, dass auch andere Kunden von LogPay früher oder später nachziehen werden. LogPay wickelt bspw. auch Zahlungen für die verbundübergreifende App HandyTicket Deutschland ab.

Mit Computop, Adyen und bald auch PayOne als Zahlungsdienstleister an Boot, sollte man in Zukunft sicherlich öfters dieser neuen Möglichkeit begegnen.

Käuferschutz

Wer heute irgendetwas online bestellt, dem stehen eine ganze Reihe von Bezahlmöglichkeiten zur Verfügung. Bei vielen dieser Bezahlarten genießen Besteller einen gewissen Schutz vor Leistungsstörungen, also bspw. Nichtlieferung oder Insolvenz des Händlers. Da ist nur logisch, dass die Sparkassen diese Art der Absicherung auch für Online-Zahlungen mit der girocard anbieten. In wie weit hier auf die Prozesse des Online-Bezahlverfahrens PayDirekt zurückgegriffen wird, ist mir aktuell nicht bekannt. Es wäre aber nur logisch, wenn mit dem Zusammengehen von Paydirekt, giropay, Kwitt und nicht zuletzt der girocard hier auf bestehende Strukturen aufgebaut werden würde.

Zwangsläufig stellt sich die Frage nach dem Käuferschutz natürlich früher oder später auch bei Präsenzzahlungen am POS. Heute ist so, dass die Anzahlung für eine neue Küche oder eine Flugreise unwiderruflich verloren geht, sollte der Verkäufer Insolvenz anmelden. Bei Bezahlung mit einer Kreditkarte vor Ort, springt zunächst der Acquirer ein.

Fazit

Für Kundinnen und Kunden der Sparkassen, die gleichzeitig über Apple Endgeräte verfügen, ist diese zusätzliche Möglichkeit sicherlich ein wichtiger Schritt. Ich denke, dass das Bezahlen von kleinen Beträgen wie bspw. Bustickets oder der Pizza via Lieferando gut angenommen wird. Man sollte nicht vergessen, dass viele Deutsche ihre Kreditkarte für größere Ausgaben oder den Urlaub einsetzen, im Alltag aber eigentlich alles über die girocard abwickeln. Auch die Ankündigung zwischen den Zeilen, eine digitale girocard für Google Pay zu planen, lässt aufhorchen. Das wäre ein Bruch mit der bisherigen Strategie, bei Android aufgrund von Datenschutzbedenken mit einer eigenen App arbeiten zu wollen.

Die Sparkassen haben (mal wieder) in Sachen girocard vorgelegt und ich bin wirklich neugierig in welcher Form die anderen Issuer hier nachziehen werden.

Nichtsdestotrotz gibt es auch im roten Lager noch ein paar ungeklärte Baustellen: Die SparkassenCard 2.0 (girocard mit Debit Mastercard als Co-Badge), die meiner Meinung nach ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Banken wäre, wird leider nur zögerlich von den Instituten adaptiert. Zu groß die Angst, dass man sich damit das kostenpflichtige Kreditkartenportfolio kannibalisiert. Dass man mit einer solchen Karte zusätzliche Erlöse mit denjenigen Kundinnen und Kunden generieren könnte, die bislang für Mastercard oder VISA-Zahlungen ein Produkt einer Drittbank nutzen, scheint man nicht zu sehen.

 

 

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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