4. August 2021

Aus Barclaycard wird in Deutschland Barclays

Die deutsche Niederlassung von Barclaycard ist seit 30 Jahren in Deutschland aktiv und zählt wohl zweifellos zu den Kreditkartenpionieren hierzulande. Die Muttergesellschaft Barclays Bank blickt auf eine über dreihundertjährige Geschichte als Universalbank zurück, die aber dennoch immer wieder Vorreiter für Entwicklungen war. So war es Barclays, die 1958 mit Hilda Harding die erste Frau zur Filialleiterin berief und 1964 den weltweit ersten Geldautomaten im Norden Londons aufstellten.

Während man sich als Folge des Brexit gezwungen sah, sich 2020 aus dem Kreditkartengeschäft in Frankreich zurückzuziehen, wird man in Deutschland zum Jahresende den bereits 2018 in den USA vollzogenen Schritt eines Rebrandings von Barclaycard zu Barclays durchführen. Angesichts des sog. Passporting, welches die Nutzung einer Banklizenz eines EU-Landes in allen anderen EU-Ländern ermöglicht, mag man natürlich bezweifeln ob der Schritt nicht vielleicht doch eher mit dem Marktumfeld in Frankreich und der eigenen Position dort begründet war.

In Deutschland jedenfalls zählt man nach eigenen Angaben über 1,4 Millionen Kundinnen und Kunden, deren Karten in den nächsten Monaten unabhängig vom Ablaufdatum getauscht werden.

Gründe für den Markenwechsel

Barclaycard gibt an, dass man in Deutschland ja längst mehr anbiete als reine Kreditkartenprodukte. Das stimmt in sofern, als dass auch andere Arten von Kredite angeboten werden. Vom Konsument*innenkredit über einen Autokredit bis hin zur Absatzfinanzierung für Amazon.

Während die gewöhnlichen Kund*innen mit dem Namen Barclays zunächst einmal eine traditionsreiche englische Bank verbinden, fehlt dem Unternehmen in Deutschland allerdings das wichtigste Bankprodukt, nämlich ein Girokonto. Ob sich das Schlachtschiff Barclays wirklich in das Gemetzel am deutschen Markt begeben möchte, darf bezweifelt werden. Da dürfte es schon sinnvoller sein, die Kund*innen der Direktbanken abzugreifen, deren Kreditkarten in diesem Jahr erstmals mit einer Gebühr versehen wurden und eine ideale Zielgruppe für die Barclaycard VISA darstellen.

PIN statt Unterschrift

Die wohl wichtigste Änderung für Karteninhaber*innen ist der Wechsel von der Unterschrift hin zur PIN für Zahlungen am POS. Während die Sparkassen bspw. diesen Schritt bereits 2017 vollzogen haben, müssen Kund*innen von Barclaycard im Geschäft immer noch unterschreiben, wenn der Betrag 50€ übersteigt oder die Karte gesteckt wurde und das Kassenpersonal tatsächlich aufpasst.

Leider ist bislang nicht bekannt, ob es Features wie die Vergabe einer Wunsch-PIN oder das Ändern der PIN an Geldautomaten mit PIN-Services (im Ausland) geben wird.

Während das Unterschreiben für viele lästig ist, so bietet die Unterschrift immerhin noch die Möglichkeit, bei ungefragter Umrechnung von Fremdwährung in EUR via DCC Einfluss zu nehmen und statt einer Unterschrift zu leisten, den Händlerbeleg durchzustreichen und eine Stornierung zu verlangen.

Kein Instant-Issueing

Aus Gründen der Nachhaltigkeit und auch,  weil stets mehr Menschen mit dem Smartphone bezahlen, kann man den Schritt des Austauschs des kompletten Kartenbestands durchaus kritisch sehen. Meine Barclaycard VISA hat jedenfalls noch kein Terminal gesehen. Ich bezahle stets mit meinem iPhone oder der Apple Watch im Geschäft und könnte gut und gerne ganz auf das Plastik verzichten.

Leider wird es auch in Zukunft erst einmal keine Möglichkeit geben, eine Barclays-Karte rein virtuell zu erhalten. Auch ist damit wohl nicht geplant, die Karte direkt nach Beantragung via Apple Pay oder Google Pay nutzen zu können. Bislang musste man als Neukunde über eine Woche warten, bis alle notwendigen Informationen und die Karte im Briefkasten lagen.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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