Merzenich Bäckereien: E-Bon statt Thermopapier

Die Vorgeschichte

Zum 01.01.2020 wurde im Rahmen der sog. Kassensicherungsverordnung, die eine Ausrüstung elektronischer Kassen mit einem manipulationssicheren Aufzeichnungs- und Speichermedium (TSE) verpflichtend vorsieht, gleichzeitig die Pflicht zur Belegausgabe eingeführt.

Zwischen der Verabschiedung der entsprechenden Regelung und deren Inkrafttreten sind drei Jahre vergangen. Zeit genug, sollte man meinen, um sich auf diese Änderung vorzubereiten.

Aber wie so häufig in unserem Land, passiert erst einmal gar nichts und je näher der Tag X kommt, desto lauter wird das Gebrüll der Lobbyisten und populistischer Politiker die sich in deren Fahrwasser begeben.

Ziel ist es, den massenhaften Steuerbetrug in bargeldlastigen Branchen einzudämmen. Schätzungen gehen von mind. zehn Milliarden Euro Schaden für den Steuerzahler pro Jahr aus.

Darüber hinaus findet man dort wo Schwarzgeld generiert wird, auch häufig Beschäftigungsverhältnisse bei denen keine, oder zu geringe Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden. Grund genug, um hier als Gesetzgeber endlich tätig zu werden.

Was der Gesetzgeber aufgrund des Widerstands von CDU und CSU leider nicht abgeschafft hat: Die offene Kasse als legale Alternative. Damit haben wir also die absurde Situation, dass derjenige der eine elektronische Kasse betreibt, höchste Sicherheitsstandards zu erfüllen hat, während verkürzt gesprochen Wettbewerber in der gleichen Branche weiterhin jeglicher Aufzeichnungspflicht entbunden sind.

Das Modell einer verpflichtenden Fiskalkasse, wie es in vielen Ländern der EU seit Jahren üblich ist, werden wir mit der neuen Verordnung also weiterhin nicht haben. Interessanterweise sind es die gleichen handelnden Personen in CDU und CSU, die im Falle von Griechenland auf die Einführung ebenjener Fiskalkassen gedrängt haben, während man den heimischen Betrieben dieses „bürokratische Monster“ lieber nicht zumuten möchte.

QR-Code statt Papier

Während die Lobbyisten und Populisten in Berlin immer noch gemeinsam im Chor winseln, haben die ersten Händler längst pragmatische Lösungen für das Problem gefunden.

So bspw. die mittelständische Bäckereikette Merzenich mit ihren rund 50 Filialen in und um Köln. Dort hat man in den letzten Monaten die Kassensysteme modernisiert und im gleichen Zug auch die Möglichkeit zur bargeldlosen Zahlung (girocard, Mastercard, VISA, Maestro, V Pay, JCB, CUP) eingeführt.

Die Kassen verfügen über einen kleinen, zum Kunden ausgerichteten Bildschirm, der die bonnierten Produkte und die Gesamtsumme anzeigt. Nach Abschluss des Kassiervorgangs, egal ob Bar- oder Kartenzahlung) wird ein QR-Code eingeblendet, unter dem der Kassenzettel abrufbar ist.

Der Kunde erhält nach dem Scannen des QR-Codes einen Link auf eine .JPG-Datei mit dem Kassenbon, sowie bei bargeldloser Bezahlung auch dem Kundenbeleg des Kartenterminals.
Das Abrufen erfolgt wahlweise über die im Telefon eingebaute Foto-App oder über die App des Kassenherstellers. Letztere bietet eine einfache Möglichkeit, den Bon abzuspeichern.
Das Abspeichern des 30 Tage abrufbaren Belegs funktioniert natürlich auch über den Browser. Dort gibt es mit dem sog. „Invokation-Framework“ verschiedene Möglichkeiten der Speicherung und des Weiterleitens bspw. per E-Mail.

Der Kassenbon wird im JPG-Format bereitgestellt und umfasst auch den ggf. erzeugten Kartenzahlungsbeleg.

Die für Android bereitgestellte APP ist sehr rudimentär gehalten. Beim Öffnen eines gespeicherten Bons darf man bei längeren Bons erst einmal so lange Zoomen, bis man die Schrift erkennen kann. Eine Export-Funktion ins Dateisystem, Konvertierung nach PDF oder das Versenden per E-Mail wurden ebenfalls noch nicht implementiert.

Update 08.02.2020:

Inzwischen ist auch die iOS App im App Store verfügbar und es lassen sich die Dateien exportieren bzw. per Mail versenden. Eine PDF-Variante steht leider noch nicht zur Verfügung.

Der Anbieter sollte hier schnellstmöglich noch ein wenig Komfort für die Nutzerinnen und Nutzer nachrüsten, damit das Ganze auch Spaß macht.

Kassenbon als Teil des Bezahlvorgangs

Betrachtet man den Prozess des Bonerhalts isoliert, so ist die Variante über den QR-Code bei entsprechender Montage des Kundenbildschirms durchaus ein gangbarer Weg und die Möglichkeit, ganz ohne App und Registrierung auszukommen, wird sowohl den Datenschutzsensibelchen als auch denjenigen gerecht, die ihre Smartphones nicht mit noch mehr Händler-Apps vollmüllen möchten.

Leider laufen Bezahlung und Bonerhalt hier völlig auseinander. Wer seine Brötchen bar bezahlt, wird also nach dem Verstauen des Wechselgeldes im Portemonnaie und dem Verstauen des Portemonnaies selbst, erst einmal sein Smartphone aus der Tasche kramen müssen, dieses ggf. entsperren und die Foto-App starten. Bei klassischer Kartenzahlung, egal ob kontaktlos oder gesteckt, sieht der Prozess ähnlich aus.

Wer mit dem Smartphone bezahlt, hat hier einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil, zumal im Regelfall das Telefon nach Abschluss der Kartenzahlung noch entsperrt sein dürfte, muss aber dennoch mit zwei Apps hantieren.

Hier wäre es wirklich sinnvoll, an einer Integration der beiden Prozesse zu arbeiten. Wer mich kennt, weiß dass ich der Letzte bin, der für irgendwelche Kundenkarten oder händlerindividuelle Apps wirbt.

Apple und Google sollen für das Thema Kundenbindung zwar entsprechende Funktionen in ihren Wallets bereithalten, aber auch hier dürfte eine Registrierung beim Händler oder eines händlerübergreifenden Systems a la Payback vonnöten sein.

Der pragmatischste Ansatz wäre jedoch ein Anderer: Sowohl Apple Pay als auch Google Pay erlauben In-App Payment in Webseiten und Apps. Wie wäre es damit, wenn der QR-Code zunächst eine Bezahlseite im Browser starten würde. Nach Freigabe durch den Nutzer würde die Zahlung online ausgelöst und der Bon heruntergeladen. Es müsste lediglich von der Webseite des Zahlungs- und Rechnungsproviders ein Feedback an die Kasse über die erfolgte Zahlung gegeben werden. Aber ich bin mir sicher, dass sich das lösen ließe.