Bargeldlos auf dem Weihnachtsmarkt in Köln

Auch wenn bald schon wieder Ostern ist: Diesen Blogpost will ich Euch dann doch nicht vorenthalten….

Die deutschen Weihnachtsmärkte gelten immer noch als eine absolute Bargeldbastion. Hier regieren Münzen, Scheine und Pappschachteln als Kassenersatz. Das ist in sofern erstaunlich, als dass die Weihnachtsmärkte an Rhein und Ruhr jedes Jahr Heerscharen von niederländischen Touristinnen und Touristen anziehen, die es von zuhause gewohnt sind, jeden noch so kleinen Betrag „zu pinnen“.

Daher rieb ich mir höchst verwundert die Augen, als ich im KSTA davon las, dass die Sparkasse KölnBonn den Standbetreibern auf dem Markt der Engel (Neumarkt) insgesamt 50 Kartenterminals zur Verfügung gestellt hat und diese, neben eigenen bereits vorhandenen Terminals, eine lückenlose Kartenakzeptanz sicherstellen sollen.

Man muss wirklich anerkennen, dass Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken in der letzten Zeit sehr aktiv das Interesse an Kartenakzeptanz unter ihren kleinen und mittelständischen Unternehmenskunden fördern. Damit will man, an die positiven Resultate der Einführung von girocard kontaktlos und Mobile Payment-Lösungen anknüpfend, auch endlich die vielen Whitespots in der Akzeptanz bekämpfen.

Testbesuch am 08.12.2019

Leider hatte ich im Dezember so gut wie gar keine Zeit, um das Angebot ausführlich zu testen. Am Sonntag den 08.12. gelang es mir nachmittags immerhin, einen kurzen Rundgang zu unternehmen.

Zwei Tage vor dem Start von Apple Pay bei den deutschen Sparkassen, habe ich zwecks Test ein Android-Telefon mit der App „Mobiles Bezahlen“ der Sparkasse mitgenommen.

Ich habe mich, aus der U-Bahn-Station kommend, an einem der Seiteneingänge aufs Gelände begeben. Dort lief ich schnurstracks auf einen Stand mit u.a. Grünkohl zu. Für mich immer ein Highlight der kalten Jahreszeit.

Eine Portion kostete 5€ und ließ sich problemlos bargeldlos bezahlen. Hierzu wurde ein CCV VX680 Terminal vom anderen Ende des recht breiten Standes geholt. Die Autorisierung im girocard Netzwerk erfolgte in einer Geschwindigkeit, mit der man auch an so einem frequentierten Ort leben kann.

Mit dem Essen in der Hand, hörte ich hinter dem Tresen ein Gespräch über Kartenzahlung. Ich habe mich da mal eingeklinkt. Heraus kam, dass der Mitarbeiter völlig gegen Kartenzahlung ist und kam mit den üblichen Argumenten, die Tobias Baumgarten in seinem Blog so schön zusammengefasst hat.

Neben der persönlichen Abneigung wies er auch darauf hin, dass das an einem gut besuchten Tag nicht funktioniert und den ganzen Betrieb aufhält. Wenn jeder mit Karte bezahlen wollen würde, würden sie wesentlich weniger verkaufen. Mein Argument, dass man dann auch mehr Terminals beschaffen könnte und diese fest und ergonomisch montieren können, verfing nicht. Er wies immer wieder auf die Besonderheit seines Geschäfts hin. Ich habe dann darauf verzichtet, ihm die Frage zu stellen, wieso das dann außerhalb Deutschlands überall problemlos auch im Hochfrequenzgeschäft umgesetzt wird.

Nach Verzehr des Grünkohls habe ich noch die eine oder andere Runde gedreht. Die Glühweinstände hatten allesamt keine Hinweise auf die Kartenakzeptanz angebracht. Terminals waren auch keine zu sehen. Sichtbar waren Terminals allenfalls bei Händlern, die etwas höherpreisige Ware feilboten.

Abschließend fiel mir an einem Bratwurststand noch ein prominenter Hinweis auf einen Mindestumsatz von 10€ auf. Aber satt war ich ja zum Glück schon.

Da war also noch jede Menge Luft nach oben. Meine Rückfrage zur bisherigen Nutzung des Angebots hat die Sparkasse KölnBonn auf Twitter wie folgt kommentiert:

Feedback von anderen Besucherinnen und Besuchern

Um die Aktion vernünftig bewerten zu können, bedarf es natürlich weiteren Feedbacks. Folgt man dem Twitter-Thread, so sieht man ähnliche Bewertungen auch von anderen Twitterern.

Hier mal eine kleine Auswahl an Tweets:

Per E-Mail erreichte mich dann zu Neujahr noch eine recht ernüchternde Zusammenfassung. Zumindest scheint sich gegen Ende noch etwas in Bezug auf die Kennzeichnung der Stände getan zu haben. Der Autor der E-Mail besuchte den Markt der Engel am 20.12.

  • An den Eingängen zum Weihnachtsmarkt standen überall Schilder mit dem Hinweis „Mit Karte bezahlen“. (Anmerkung MOS: Diese Schilder sind mir am 08.12. nicht aufgefallen)
  • Versuch am Glühweinstand – „Funktioniert aktuell nicht“, obwohl ein „EC-Schild“ angebracht war.
  • Reibekuchen – „Haben kein Gerät“
  • Wurst/Grill – „Derzeit nicht möglich“
  • Weihnachtsgeschenk 1 – „Klar können Sie mit Karte bezahlen“. Es kam ein eigenes Terminal von der Volksbank zum Einsatz.

    In den Vertragen zur Standmiete soll ein Passus enthalten gewesen sein, der die Anbieter verpflichten sollte, dass diese bargeldloses Bezahlen anbieten sollten. Dabei war es egal, ob eine bestehende Lösung verwendet wird oder man auf das Angebot der Sparkasse KölnBonn zurückgreifen würde

  • Weihnachtsgeschenk 2 – Terminal lag prominent auf dem Tisch mit Schild „Hier mit Karte zahlen“

Fazit

Die Sparkasse KölnBonn hat hier einen richtigen und wichtigen Schritt unternommen und der Weg über den Ausrichter des Marktes war sicherlich vielversprechender, als über die Akquise einzelner Standbetreiber.

Anscheinend wurde im Verlauf des Marktes noch etwas an der Kennzeichnung verbessert. Das nützt aber nichts, wenn die Standbetreiber die Kartenzahlung dann mit Mindestumsätzen, „kaputten Terminals“ oder sonstigen Hürden sabotieren.

Klar, man hätte seine rund 3.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allesamt zu Testkäufern machen können und gezielt dorthin schicken.

Aber sind wir mal ehrlich: Veränderung auf dem Gebiet wird es nur dann geben, wenn erstens die Kundinnen und Kunden bargeldloses Bezahlen stärker nachfragen und im Zweifelsfall einfach häufiger Ware liegen lassen und zweitens, wenn die Händlerinnen und Händler von den Vorteilen wirklich überzeugt wurden.

Hier darf es einfach nicht bei der Ausgabe mobiler Terminals bleiben, die im Zweifelsfall in der Schublade versteckt werden. Mit einer optimalen Gestaltung des POS in Bezug auf barrierefreie und ergonomische Montage der Terminals, Kassenanbindung oder hilfsweise der Verwendung von Terminals mit einer zweiten Tastatur zur Betragseingabe, lässt sich gerade das Geschwindigkeitsargument entkräften.

Wo sich natürlich jede Bank schwer tut, ist das Verkaufen bargeldloser Bezahlmethoden in einer Branche, die auch 2020 weiter mit offenen Kassen um die Belegausgabepflicht herumkommen dürfte.