22. Januar 2026
Navigo Pass

Nahverkehr in Paris: Mit Navigo Liberté+ sparen und auf Rechnung reisen (Update)

Update zur Registrierung unten

Es ist noch nicht all zu lange her: Wer einmal in Paris zwischen zwei Zügen umsteigen und dafür den Bahnhof wechseln musste, der hat sicher schon unangenehme Bekanntschaft mit den langen Schlangen vor den wenigen Fahrkartenautomaten der Pariser Metro gemacht.

Kurzer Rückblick

Seit letzten Jahr gibt es die Möglichkeit Tickets über die Apple Wallet zu kaufen und auf eine virtuelle Navigo-Karte zu laden. Android Nutzer haben hierfür die App der Ile-de-France Mobilités. (Leider konnte ich das nicht testen, da ich mein Samsung Galaxy S22 zuhause vergessen habe. Sorry!)

Meine entsprechenden Berichte findet ihr hier:

Tarifreform und Reisen auf Rechnung

Zum 1. Januar gab es eine Tarifreform. Die 10er-Carnets gehören sowohl auf Papier als auch digital der Vergangenheit an. Stattdessen gibt es heute folgende Einzelfahrkarten:

  • Bus/Tram – Ticket zu 2,00€ (resp. 1,60€ mit Navigo Liberté+)
  • Metro/RER – Ticket zu 2,50€ (resp. 1,99€ mit Navigo Liberté+)
  • Tageskarte Zone 1-5 zu 12,00€
  • Einzeltickets zu den Pariser Flughäfen

Das Bus/Tram-Ticket gilt 90 Minuten, das Metro/RER-Ticket 120 Minuten. Mit dem Metro/RER-Ticket ist ein Umstieg in Bus und Tram möglich.

Der Kauf der Tickets über die Apple Wallet ist zwar grundsätzlich recht einfach, aber dennoch ein zusätzlich notwendiger Schritt, der bei mehreren Fahrten am Tag nervig werden kann, insbesondere wenn bei Umstiegen noch überlegen muss, ob das Ticket was sich gerade in der Wallet befindet, noch gültig ist.

Hier greift das neue Angebot Navigo Liberté+ an. Dabei handelt es im Wesentlichen um ein kostenloses Abo. Der Saldo wird einmal im Monat per Lastschrift von einem beliebigen Bankkonto eingezogen. Das funktioniert sowohl mit einem deutschen Sparkassen-Konto als auch mit Revolut.

Die Registrierung

Die Registrierung erfolgt auf dem iPhone über die App IdF Mobilités. Ab einem gewissen Punkt wird man aus der App heraus auf eine Webseite gelenkt, um die Einrichtung des Kontos zu vervollständigen. An dieser Stelle habe ich immer wieder die Meldung erhalten, dass ich abgemeldet wurde und mich wieder anmelden solle. Nach ein wenig Basteln und Fluchen konnte ich einen Workaround finden. Die App nutzt die Systemsprache, in meinem Fall Deutsch. Stellt man die App auf Englisch um, klappt es auch mit der Registrierung.

Diesen Fehler habe ich dem App-Entwickler gemeldet. Dieser hat geantwortet, dass ich das bitte auf der IdF-Mobilités Seite erneut melden solle und fügte einen Link anbei. Gesagt getan. Zwei Wochen später erhielt ich von dort auf Englisch die Antwort, dass sie keine E-Mails auf Englisch beantworten. Angesichts der Tatsache, dass in der Pariser Metro die Durchsagen in vielen Linien auch auf Deutsch erfolgen doch ein wenig ein Anflug klischeehaftem Verhalten der Franzosen.

Update zur Registrierung

Nach einigen Kommentaren habe ich nochmals mit einer anderen Rufnummer, einer anderen E-Mail Adresse und Android statt iOS die Registrierung durchlaufen lassen. Bei der Registrierung über die Webseite https://www.iledefrance-mobilites.fr/ lässt sich problemlos durch Klicken der Landesfahne eine andere Vorwahl auswählen. Ich habe die erneute Registrierung mit einer SIM aus dem polnischen T-Mobile-Netz durchgeführt.

Die Beantragung des Navigo Liberté + Passes scheitert jedoch inzwischen wie beschrieben an der ausländischen Telefonnummer oder an der Adresse im Ausland.

Damit hat sich die Sache für Neukunden erledigt. Schade!

Die Nutzung

Nachdem die Registrierung erfolgreich abgeschlossen wurde, konnte ich die Navigo Liberté+ Karte meinem iPhone hinzufügen. Theoretisch lässt sich auch eine Karte für die Apple Watch generieren, aber mit meiner recht betagten Apple Watch 4 LTE wollte das nicht klappen. Auf dem iPhone habe ich die Karte direkt als Default-Karte für den ÖPNV-Express-Modus hinterlegt. Das sorgt dafür, dass man das Gerät nicht zum Checkin entsperren und die Navigo-Karte auswählen muss. Weiterhin soll dieser Modus auch dann noch funktionieren, wenn sich das iPhone bereits mangels Batteriestand abgeschaltet hat.

In Bussen und Straßenbahnen hält man das iPhone an einen der violetten Leser im Fahrzeug. Bei den Bussen ist es meist so, dass ein Solobus den Validator vorne beim Fahrer hat, während bei Gelenkbussen diese auch in den anderen Eingängen montiert sind. Auch bei der Metro ist lediglich ein Check-In beim Zutritt zum Bahnhof notwendig. Ausnahmen gibt es dort, wo sich Metro und Regionalzüge (RER) die Bahnhofsanlagen teilen. Bei der RER muss man nämlich ein- und auschecken.

Bei meinen zugegebenermaßen recht wilden Hin- und Herfahrten fiel sofort auf, dass die App die Fahrpreisberechnung sehr fahrgastfreundlich gestaltet. Nicht nur, dass bei einem Umstieg von Bus in Metro nachträglich das Bus-Ticket (1,60€ rabattiert) in ein Metro/RER-Ticket (1,99€ rabattiert) gewandelt wurde, sondern bei Rund- und Rückfahren wurden jeweils exakt die maximalen Gültigkeitsdauern des Tickets berücksichtigt.

Wer hier mit Einzelfahrkarten unterwegs gewesen wäre, hätte aus Bedenken bzgl. Rund- und Rückfahrten sicherlich häufiger ein weiteres Ticket entwertet, da bei uns in Deutschland diese inzwischen fast überall ausgeschlossen sind und man sich im Ausland nicht noch wegen 2€ dem Vorwurf des Schwarzfahrens aussetzen möchte.

Erreicht man den Preis für eine Tageskarte i.H.v. 12€ tritt auch bei Nutzung von Navigo Liberté+ ein Fare Cap ein.

Fazit

Sieht man mal von dem Problem bei der Registrierung ab, ist dieses Angebot für alle interessant die auch nur gelegentlich in Paris unterwegs sind und sich nicht mit den Tarifen vor Ort herumschlagen wollen. Dazu reicht es schon, einfach mal ein Wochenende in der Stadt der Liebe zu verbringen, damit sich das Angebot lohnt.

Man erhält nicht nur die beiden Einzelfahrscheine rabattiert (1,99€ statt 2,50€, resp. 1,60€ statt 2,00€) sondern es werden auch die Tarifregeln im Sinne des Fahrgastes angewandt. Damit kommt man wenigen Fahrten am Tag immer günstiger weg als mit normalen Fahrscheinen und das ganz ohne monatliche Kosten. Die Obergrenze von 12€ pro Tag sorgt dafür, dass man auch bei vielen Fahrten nie mehr bezahlt, als wenn man sich direkt für die Tageskarte entschieden hätte. Da können deutsche Verkehrsbetriebe noch eine ganze Menge lernen.

Wünschenswert wäre jedoch, wenn man statt einer Lastschrift auch eine Debit- oder Kreditkarte direkt hinterlegen könnte.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional, Payment Nerd Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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6 Gedanken zu „Nahverkehr in Paris: Mit Navigo Liberté+ sparen und auf Rechnung reisen (Update)

  1. Hi Marc-Oliver,
    ich scheitere scheinbar daran, dass ich keine französische Mobilnummer besitze. Die Registrierung hat noch funktioniert, die persönlichen Daten (Dt. Adresse und Mobilnummer) beim Anschluss des Abonnements werden abgelehnt.

    Wie ist Dir das gelungen? Oder hat es sich ggf. verändert?

    Liebe Grüße, Marcus

    1. Hi Marcus,
      ich habe damals zunächst das Konto mit meiner dt. Adresse aber als Land „Frankreich“ angelegt.
      Beim Abschluss mit der iOS App musste ich diese auf Englisch umstellen, damit ich den letzten Schritt starten konnte.
      Keine Ahnung, ob sich da etwas verändert hat. Ich würde das auch ungerne ausprobieren indem ich das Konto lösche.

    1. Du weißt, dass Du damit meinen Ehrgeiz entfachst, dass am Wochenende mit einer anderen Rufnummer noch mal auszuprobieren? Ich berichte!

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