VRS und KVB pushen die Nutzung von Handytickets (Update)

Zugegeben, schnell auf dem Weg zur Haltestelle, über das Smartphone eine Fahrkarte für Bus und Bahn erwerben zu können, ist schon praktisch. Je nach Verkehrsmittel und Verkehrsunternehmen muss man sich weder in der Schlage vor einem Ticketautomaten, noch womöglich dazu im Regen, in der Schlange beim Einstieg einreihen.

Handytickets sind daher schon seit Langem eine Erfolgsstory und eine der Mobile Payment Anwendungen schlechthin, bei denen die Deutschen keine Berührungsängste zeigen.

Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass mit solchen Tickets natürlich auch immer Nachteile verbunden sind. Ist der Akku leer, wird es im Falle einer Fahrkartenkontrolle nervig. Ob man mit einer Verwarnung nach Vorlage des Tickets im Servicecenter, einem erhöhten Beförderungsentgelt i.H.v. 60€ oder völlig unbehelligt davon kommt, hängt im Wesentlichen vom Verkehrsunternehmen ab. Da in vielen Städten inzwischen verschiedene Handticket-Anbieter akzeptiert werden, gibt es auch nicht die eine zentrale Helpdesk-Rufnummer, wo der Prüfdienst anrufen könnte.

Wer als Verkehrsunternehmen auf diese Weise die Vertriebstechnik in den Verantwortungsbereich der Nutzerinnen und Nutzer überträgt, kann sich in solchen Fällen allerdings nicht einen schlanken Fuß machen und stur stellen.

Die Notwendigkeit, sich für die Verwendung mobiler Tickets, je nach Region bei verschiedenen Anbietern zu registrieren und dort Zahlungsdaten fest zu hinterlegen, machten Handytickets lange Zeit gerade auf Wochenendreisen eher unattraktiv. Dem ursprünglich mal als Lösung für alle VDV-Unternehmen gestartetem Anbieter HandyTicket Deutschland liefen nach und nach die Partner davon, um eigene Lösungen zu implementieren. Inzwischen ist die Deutsche Bahn mit ihrem DB Navigator glücklicherweise in die dort hinterlassene Lücke gesprungen und bietet für immer mehr Regionen auch Öffi-Tickets an.

Die Situation in Köln und Umgebung (VRS) bis Ende 2018

Die Kölner Verkehrsbetriebe KVB setzen seit Längerem auf den Vertrieb von Tickets per Smartphone und sind nach eigenen Angaben durchaus erfolgreich dabei. Als Partner dient dabei HandyTicket Deutschland. Dabei haben Nutzerinnen und Nutzer die freie Wahl, ob sie sich die allgemeine App des Anbieters installieren oder aber eine spezielle App der KVB, die auch den hauseigenen Leihfahrrad-Dienst (via nextbike) integriert.

Darüber hinaus lassen sich mobile Tickets auch über den bei den Stadtwerken Bonn (ebenfalls Teil des Verkehrsverbund Rhein-Sieg) favorisierten Partner easy.GO sowie dem DB Navigator beziehen. Anfangs waren via DB Navigator allerdings nicht alle Ticketarten verfügbar.

Im Gegensatz zum Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) war man bei der Rabattvergabe auf Mehrfahrtenkarten sehr pragmatisch vorgegangen: Der Rabatt einer 4er-Karte wurde beim vierten Kauf eines Tickets der gleichen Preisstufe abgezogen. Beim VRR hingegen musste man als Nutzer in Vorleistung gehen und – wie am Automaten – eine 4er oder 10er Karte der gleichen Preisstufe vorab erwerben.

Bis Ende 2018 erhielten Nutzerinnen und Nutzer des HandyTickets des Weiteren 3% Rabatt auf ihren Kauf.

Der Anbieter HandyTicket Deutschland akzeptiert zur Bezahlung Mastercard, VISA und American Express. Weiterhin lässt sich das Konto dort als Guthabenkonto betreiben. Eine schnelle Aufladung kann via giropay erfolgen. Etwas länger dauert es mit einer herkömmlichen SEPA-Überweisung auf ein Referenzkonto.

Der DB Navigator bietet neben der Bezahlung mit Kreditkarten auch die Nutzung von PayPal, Sofortüberweisung, sowie Lastschrift an. Paydirekt funktioniert aktuell nur für Fahrkarten des Fernverkehrs.

easy.GO über die Stadtwerke Bonn unterstützt neben Carrier-Billing über die Mobilfunkanbieter (eingeschränkter Zugang für Kunden von Mobilfunkprovidern) auch Paydirekt und Paypal zur Zahlung.

Neuerungen ab 2019

Seit Anfang Januar gelten neue Preise im VRS. Der Rabatt auf Mehrfahrtenkarten ist entfallen, so dass man diese am Automaten nur noch aus Bequemlichkeitsgründen erwerben kann. Der finanzielle Vorteil von zuletzt 5% ist dahin. Die Kosten für ein Einzelticket am Automaten erhöhten sich von 2,90€ auf 3,00€. Neu ist jedoch, dass man beim mobilen Kauf via App durchgängig 10% Rabatt erhält und somit lediglich 2,70€ für eine einzelne Fahrt im Stadtgebiet von Köln zu berappen sind.

Weiterhin gelten die ehemaligen Tageskarten nicht mehr nur bis zum Betriebsschluss des gestempelten Tages sondern volle 24 Stunden ab Entwertung!

Update: Partnerwechsel beim Handyticket

Die KVB war bislang der einzige Partner der Lösung „HandyTicket Deutschland“ im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Allerdings wird die KVB zum 31.03.2019 aus der Lösung aussteigen. Inzwischen ist eine neue KVB-App für iOS und Android verfügbar, die auf ein anderes System aufsetzt.

Nutzerinnen und Nutzer müssen sich daher erneut registrieren. Dies erfolgt entweder via Webseite oder direkt in der App. Die Verwaltungsoberfläche nutzt die Domain „mobilesticket.de“ wie auch bspw. der Karlsruher Verkehrsverbund.

Als Zahlungsmittel stehen Debit-/Kreditkarten (American Express, Mastercard, VISA), PayPal, SEPA-Lastschrift, Carrierbilling über die Mobilfunkrechnung, sowie Vorausbezahlung zur Auswahl. Sein Prepaidkonto kann man im letzten Fall dann via Überweisung, Giropay oder „eps-Überweisung“ (nur AT-IBAN!), aufladen. Die Abrechnung erfolgt über die Firma LogPay (wie bisher).

Wer sich nicht schon wieder bei einem neuen Dienst registrieren möchte und viel in Deutschland unterwegs ist, sollte sich den DB Navigator der Deutschen Bahn AG anschauen. Dort lassen sich ebenfalls VRS-Tickets erwerben. Lediglich der Prozess zum Erhalt einer Quittung (Reisekostenabrechnung!) ist ziemlich umständlich gelöst.

Trotz HandyTicket-Offensive: Investition in neue Automaten

Während man in vielen anderen Regionen des Landes Investitionen in neue Automatentechnik mit Verweis auf die Handyticket-Angebote vor sich herschiebt, haben die Kölner in den letzten Jahren moderne Automaten mit kontaktloser Kartenakzeptanz eingeführt. Neben 112 stationären Automaten, wurden 738 mobile Automaten in den Fahrzeugen installiert.

Sehr zum Leidwesen der Ewiggestrigen hatte man aus Kostengründen auf den Einbau von Banknotenakzeptoren verzichtet.

Meiner Meinung nach hätte man auch gleich auf die Annahme von Münzgeld verzichten können. Neben dem logistischen Aufwand der Versorgung mit und Entsorgung von Münzgeld, sind die mechanischen Bauteile an solchen Automaten immens störanfällig. Dies gilt natürlich insbesondere in den Fahrzeugen, wo ständig Vibrationen und Stöße auf die Mechanik einwirken.

Ein System, wie es von Mennica Polska für die Verkehrsbetriebe in Wrocław (Breslau) konzipiert wurde, würde sicherlich helfen, weitere Kosten einzusparen und die Nutzung des ÖPNV für Gelegenheitsnutzer attraktiver zu machen.