Aktuelles aus Kontaktlos-Land

Der Februar neigt sich seinem verdienten Ende zu. Zeit für eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Entwicklungen rund um die kontaktlose Kartenzahlung in Deutschland.

girocard kontaktlos gestartet

Nachdem sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen bereits seit dem Sommer 2016 kontaktlose girocards ausgeteilt haben, wartete alles noch auf den Startschuss im Handel.

Wie man schon 2015 und 2016 beim Start der internationalen Kontaktlos-Verfahren bei den großen Einzelhändlern – mit Ausnahme des Vorpreschen von ALDI Nord im Sommer – erleben konnte, passiert für den interessierten Konsumenten lange nichts und dann geht es Schlag auf Schlag. Den Anfang machte die REWE Mitte Februar.

Alter Bug in Lidl-Kassen

Keine zwei Wochen später funktionieren bereits in vielen Filialen von Lidl die Terminals auch mit der kontaktlosen girocard. Leider scheint ein alter Bug aus Maestro-PayPass-Zeiten wieder implementiert worden zu sein. Nach der kontaktlosen Bezahlung erscheint auf dem Kassenbildschirm die Abfrage „Unterschrift? Ja(=1), Nein(=)“. Die Kassenkraft muss dann eine der beiden Optionen wählen. Vorher gibt es keinen Bon-Druck. An dieser Stelle habe ich bereits mehrfach in Lidl-Märkten Minuten meines Lebens verschwendet, weil man mir nicht glauben wollte und lieber darauf wartete, dass vielleicht doch der Bon noch irgendwann gedruckt wird.

Gemeinsame Pressemitteilung von ALDI Nord und ALDI Süd

Beachtenswert am heutigen Tage war die gemeinsame Pressemitteilung der beiden ALDI-Gruppen zur Einführung der kontaktlosen girocard. Bei ALDI Nord hätte ich ja noch mit einer zeitnahen Einführung gerechnet, da man dort auf das Brot&Butter-Terminal H5000 setzt, wie es bspw. auch bei Lidl zum Einsatz kommt und als erstes Terminal die Zertifizierung durch die DK erhalten hat. ALDI Süd hingegen, setzt auf einen im deutschen Markt (noch) nicht so verbreiteten Terminaltyp. Dass man hier quasi ohne Verzögerung in den Roll-Out übergeht zeigt einmal mehr, wie ernst Handel und Banken es damit meinen, die rund zehn Jahre Rückstand auf technologisch fortgeschrittenere Länder wie Polen oder UK aufzuholen.

Was macht Esso mit girogo?

Die deutsche Esso war einer der ersten Konzerne, die das auf der GeldKarte basierende girogo in enger Kooperation mit den Sparkassen ausgerollt haben.

Girogo konnte sich im Handel genauso wenig durchsetzen wie die GeldKarte. Meiner Meinung nach werden die Branchennischen, in denen die GeldKarte heute noch oftmals einziges unbares Zahlungsmittel darstellt, noch eine Weile überleben. Dafür haben zu viele Verkehrsbetriebe und Kommunen ihre Automaten mit entsprechender Technik ausgestattet und betreiben diese getrennt vom girocard-Netzwerk.

Da die neuen SparkassenCards kontaktlos primär mit girogo arbeiten, in sofern das Händlerterminal dieses Verfahren unterstützt, stellt sich natürlich die Frage, ob man bei Esso weiterhin an girogo festhält und damit Kunden verwirrt oder girogo zu Gunsten von girocard kontaktlos einstellt. Zum Verständnis: Besitzt der Kunde eine geladene GeldKarte oder einen aktiven Abo-Ladeauftrag, so soll für alle Beträge bis einschließlich 25€ diese belastet werden. Wie sich das Terminal ohne Abo-Ladeauftrag verhält, kann ich noch nicht sagen. Schlimm fände ich es, wenn hier das sog. POS-Laden anspringen würde, wo der Kunde gegen Eingabe der PIN den von der DK festgelegten Betrag i.H.v. 35€ auf den Chip lädt. Das hat in der Vergangenheit schon zu heftigen Diskussionen in diversen Foren geführt.

PayPass und PayWave bei den Sparkassen

Vor einigen Tagen tauchte eine interessante Webseite auf meinem Radar auf: S-KontaktlosZahlen.de. Seit geraumer Zeit halten sich Gerüchte, dass die Sparkassen nach dem Start der girocard nunmehr auch ihr Kreditkartenportfolio modernisieren. So sollen ab Juli 2017 ausgegebene oder ersetzte Karten nunmehr NFC-fähig sein und endlich die Eingabe der PIN auf Platz 1 der CVM-List haben. Ein nicht nur aus Sicherheitsaspekten überfälliger Schritt.

Das Unterschreiben eines Belegs stellt im Vergleich zur schnellen PIN-Eingabe eine ziemliche Komforteinbuße dar und sorgt dafür, dass die Nutzung der Kreditkarten bei vielen Kunden auf höhere Beträge oder den Einsatz im eCommerce beschränkt bleibt.

Die ersten Kommentare auf Twitter lauteten dann auch sinngemäß: „Ich glaube, die Hölle gefriert“. Manchmal geschehen halt doch noch Wunder.

Apple Pay: Gerüchte und Alltagstauglichkeit

Mit boon können nun auch in Deutschland lebende User in den Genuss von Apple Pay kommen. Sicherlich noch mit einem kleinen Umweg, aber der Anfang ist gemacht.

Während es bei ersten Tests im Sommer 2016 mit einer britischen boon-Karte noch häufig zu Zahlungsabbrüchen kam, die auf den Einsatz des Autorisierungsmerkmals CDCVM zurückzuführen waren, scheinen diese nunmehr der Vergangenheit anzugehören.

Egal ob Lidl, ALDI Süd, Aral, Esso, REWE, McDonalds oder auch bei kleineren Händlern und Gastronomen: Überall klappte die Zahlung ohne Probleme, vorausgesetzt die kontaktlose Akzeptanz von MasterCard war gegeben.

Damit steht ein Einsatz im Alltag nichts mehr entgegen. So wundert es auch nicht, dass mal wieder die Gerüchteküche brodelt und einen baldigen offiziellen Start in Deutschland voraussagt, während andere Experten auf die vielen ungeklärten technischen und kaufmännischen Fragen hinweisen.

Lassen wir uns überraschen. Bis dahin wünsche ich Euch viel Spaß mit der kontaktlosen girocard, mit boon von Wirecard und/oder den vielen inzwischen kontaktlos funktionierenden Debit- und Kreditkarten deutscher und internationaler Banken.

2 Gedanken zu “Aktuelles aus Kontaktlos-Land

  1. Das klingt nun alles schön und gut. Dennoch lebt man in Deutschland in zwei verschiedenen Welten.

    Die Welt der großen Handelsketten, ob Aldi, Kaufhof, Media Markt oder McDonald’s, wo inzwischen fast überall Kreditkarten gehen und man auch einen 1-Euro-Einkauf damit bezahlen kann.

    Und die Welt des „Das zahlt man doch nicht mit Karte“. Gerade kleine Händler sind oft nicht auf dem aktuellen Stand. Es wird da noch viel Überzeugungsarbeit brauchen. Zweifelhaft, ob die örtliche Sparkasse oder Volksbank, bei der so jemand oft ist, das leisten kann oder will – die ja gerade mit dem Pfund der großen Geldautomatennetze wucherten. Es hat ja zehn Jahre ganz gut geklappt, den Verbraucher unmündig zu halten, bis der Direktbank-Boom langsam ins Rollen kam (den es in England oder auch in Polen in dieser Form nicht gibt) und die Verantwortlichen zum Handeln zwang.

    Ich war dieses Wochenende in Witten am Hauptbahnhof. Der „k Presse + Buch“ hat den Mindestumsatz offenbar abgeschafft. In der nahegelegenen Stadtgalerie war die Gastronomie aber ein Trauerspiel. Die goldene Möwe, in Berlin immer sichere Anlaufstelle für Plastikfans, war nicht vertreten, und ansonsten hatte darin nur eine türkische Pizzeria ganz klein und verschämt ein altes Electronic-Cash-Logo am Tresen.

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