Das erste Mal: „girocard kontaktlos“

Die Entwicklung der Kontaktlos-Verfahren

Nahezu zehn Jahre sind vergangen, seitdem MasterCard seine Kontaktlostechnologie „PayPass“ in Europa eingeführt hat. Im Herbst 2009 brachte Payback mit der WestLB eine maestro-Karte heraus, die erstmals das Bezahlen per NFC mit einer deutschen Debitkarte ermöglicht hat.

Erste Tests in Deutschland

Rund 2,5 Jahre später startete die Deutsche Kreditwirtschaft einen ersten Piloten in der Region um Hannover. Aber die DK wäre nicht die DK, wenn hier nicht ein Sonderweg eingeschlagen worden wäre. Wohl auf Druck der Sparkassen setzte man auf das schon damals nahezu tote GeldKarte-System und damit auf eine Prepaid-Lösung. Aus Sicherheitsgründen.

Wie erfolgreich der Test mit girogo war, ließ sich am ehemaligen Hotspot Hannover Hbf sehr gut erkennen. Schon im Januar 2013 hatten alle Händler ihre Terminals wieder abgebaut. Auch der WC-Betreiber Sanifair hatte die Kartenleser kurz darauf bereits wieder deaktiviert. Einzig ein paar Snackautomaten auf den Bahnsteigen haben bis heute überlebt. Da die Bahn anscheinend einen Deal mit Selecta abgeschlossen hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die alten Geräte von GEILE verschwinden werden.

So war es nur logisch, dass die Genossenschaftsbanken sehr früh verkündeten, dass sie die Zukunft woanders sähen und mal eben im Vorbeigehen auch das Ende der kontaktbehafteten Zahlung mit der GeldKarte verkündeten. Die Institute der dritten Säule haben sich das Schauspiel eh Geld sparend vom Spielfeldrand angeschaut.

Bei den Sparkassen hingegen, schien man die gleichen Zahlen komplett anders gewertet zu haben. Oder es traute sich niemand zuzugeben, dass der Ansatz GeldKarte ein Desaster war. So statteten fast alle Sparkassen ab Herbst 2012 ihre Kunden mit neuen girogo-fähigen Karten aus, obwohl längst klar war, dass früher oder später die GeldKarte sterben wird.

Verschenkte Zeit

Da man aus Schmerzen bekanntlich am Besten lernt und jeder ein anderes Level besitzt, ab dem es richtig weh tut, entschlossen sich die Sparkassen nunmehr, einer Bindung der kontaktlosen Kartenzahlung an das Girokonto nicht mehr im Wege zu stehen. Seit Herbst 2016 werden neue SparkassenCards also mit der Funktion girocard kontaktlos ausgegeben.

Das System wurde zuvor unter Federführung der Volks- und Raiffeisenbanken in der Region Kassel 2016 noch ausgiebig getestet. Dabei fragt man sich natürlich schon, wieso man eine Technologie testen muss, die zwischen Sommer 2015 und Frühjahr 2016 ihre Funktionsfähigkeit auf MasterCards und VISA-Karten bei fast allen großen Handelsketten in Deutschland unter Beweis gestellt hat. Im Ausland hat sie das sowieso.

Wenn ein Pferd tot ist, steig ab!

Die Sparkassen wären aber nicht die Sparkassen, wenn sie dem Kunden nicht noch den toten Gaul girogo irgendwie unterjubeln würden. Wer eine rote SparkassenCard sein eigen nennt, wird an girogo-fähigen Terminals bei Zahlungen unter 25€ zuerst das Guthaben auf seinem GeldKarte-Chip verwenden. Bei Vorliegen eines Auftrags zum Abo-Laden wird dann auch gleich wieder aufgefüllt. Erst bei Beträgen über 25€ kommt girocard kontaktlos zum Einsatz.

Da nur noch wenige Händler auf girogo setzen, dürften sich die Fälle also bald auf Fahrkartenautomaten und Stadtbibliotheken reduzieren.

Die erste Zahlung

Spannend war lange Zeit die Frage, welche Handelskette als erstes ihre NFC-Terminals für die girocard freischalten würde. Die Frage ist seit letzter Woche beantwortet. Es handelt sich um die Kölner REWE-Gruppe mit ihren Supermärkten und dem Discounter PENNY.

Da das Twitterteam so freundlich war, und anfragenden Tweeps auch gleich mitgeteilt hat, ob ihr Markt bereits freigeschaltet wurde, konnte ich dann heute auch die erste Zahlung mit girocard kontaktlos durchführen.

Wie nicht anders zu erwarten: Karte ans Terminal, alle vier LEDs leuchten grün, „biep!“ und das war´s. Die Belastung wurde im selben Moment bereits als vorgemerkter Posten in meiner Banking-App angezeigt.

Also alles in Allem völlig unspannend für den modernen Bankkunden. Meine erste Zahlung mit PayPass habe ich übrigens im Frühjahr 2010 in einem Coffeeheaven in Warschau getätigt. Dort ist das kontaktlose Bezahlen seit Jahren üblich und es gibt keinen noch so kleinen Betrag, den man nicht „zbliżeniowo“ bezahlen könnte.