5. August 2021

Solide und einfach online eröffnet: Girokonto bei der Berliner Sparkasse

Warum Sparkasse?

 

Um es vorweg zu nehmen:  Das Eröffnen eines neuen Sparkassenkontos beschäftigt mich seit längerem. Spätestens seitdem die Sparkassen letztes Jahr im August die girocard für ApplePay bereitgestellt haben. Und ja: Ich wohne auf dem Land und benötige in vielen Geschäften eine girocard. Aber auch das Bezahlen mit der AppleWatch möchte ich seit Beginn der Pandemie so gar nicht mehr missen. Als langjähriger Freund der Genossenschaftsidee brauchte es aber schon ein bißchen Überwindung um nach 15 Jahren wieder ins Sparkassenlager zu wechseln. War der Grund damals die antiquierte IT der Sparkassen im Online-Banking , so war der Grund diesmal die im Vergleich zu den Genossen fortschrittliche IT der Sparkassen im Online-Banking. Zumal – so hat der Prozess gezeigt – man als Kunde endlich mal nicht mehr das Gefühl hat, dass nur ein bisher analoger Prozess nach außen als „digital“ dargestellt wird.

Die Wahl fiel auf die Berliner Sparkasse, da diese mit dem Online-Konto für 3 € (inklusive Buchungsposten und Kartenzahlungen, exklusive Instant Payment – dafür fallen zusätzlich 25 Cent an) ein für die Sparkassen relativ günstiges Angebot haben. Ein Mindestgeldeingang ist nicht erforderlich. Und eine berufliche Tätigkeit meinerseits in Berlin wird dann auch dem Regionalprinzip doch noch gerecht. Nicht anfreunden kann ich mich allerdings mit dem Vorgehen vieler Sparkassen, ein günstiges Konto mit Einzelpostenabrechnung für jede Buchung oder dann gleich ein Pauschalkonto für beleglose und beleghafte Überweisungen, dann aber gleich zu hohen monatlichen Preisen anzubieten. Da sind die Berliner Vorreiter ihrer Zunft. Abgesehen bei den Kreditkartenentgelten (laufend und im Auslandseinsatz), da ist meines Erachtens keine Sparkasse vorne mit dabei.

Auszug aus dem Preis- und Leistungsverzeichnis zum Online-Konto

über aus meiner Sicht für den täglichen Gebrauch relevante Entgelte

Kontoführung monatlich 3,00 €
Sparkassen-Card (Debitkarte mit VPay) jährlich 8,50 €
Online-Überweisungen, Buchungsposten, Kartenzahlungen inklusive
Instant Payment 0,25 €
Bargeldabhebungen bei Sparkassen (Inland) inklusive
Bargeldabhebungen mit Sparkassen-Card (Ausland – alle Währungen) oder mit Kreditkarte im EWR in € 2 % mindestens 7,50 €
Auslandszahlungen mit Sparkassen-Card oder Kreditkarte in Fremdwährung 1,9 %
Kreditkarte Standard (Visa) monatlich 3,25 €
Kreditkarte Gold (Visa) monatlich 6,50 €
Bargeldabhebungen mit Kreditkarte in Fremdwährung (Ausland) inklusive

siehe hierzu auch die Aufstellung gemäß Entgeltverordnung

Interessant ist hier, dass aus der Preispolitik der Sparkassen abgeleitet werden kann, dass der Kunde im EU/EWR-Ausland in € am liebsten mit der Karte bezahlen soll. In anderen Fremdwährungen soll er doch bitte lieber Bargeld abheben. Alles eine Frage der Risikoverteilung und der Frage, wer für das Risiko geradesteht und bezahlt.

Rein von den laufenden Gebühren her muss sich das Konto nicht verstecken. Geht der Trend doch auch bei den Direktbanken hin zu Kontoführungspreisen in dieser Höhe, wenn ein Mindestgeldeingang (meist 700 €) unterschritten wird.

Das On-Boarding

Abgeschreckt von den vielen Negativ-Erfahrungen von @JensRReinhardt auf Twitter, verschob ich den Prozess der Kontoeröffnung erst mal auf 2021. Er hatte seit November mit vielen Hürden versucht, bei der Berliner Sparkasse ein neues Girokonto zu eröffnen. Zudem war mir dadurch bekannt, dass beim zugehörigen Kartendienstleister zwischen den Jahren eine Systemumstellung alle Prozesse erstmal auf Eis legt. Das war wohl auch einer der Gründe für sein anfängliches Scheitern. Als aber die Erfolgsmeldungen auf Twitter wieder mehr wurden, stand einer Online-Kontoeröffnung nichts mehr im Wege. Und eines beweisen die Erfahrungen auf Twitter auch: man bekommt auch beim Einsteigermodell einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut, der alles noch zum Guten wenden kann. Auch das Twitter-Team der @berlinersparkasse hatte sich in den Prozess löblich begleitend eingeschaltet.

App oder Web-Anwendung

Ich habe mich für die Web-Anwendung zum Ausfüllen entschieden. Zum einen ist es praktischer, die notwendigen Eingaben zur Person über die Tastatur am Mac einzugeben. Zum anderen konnte ich so die ganzen pdf-Dokumente wie AGB, Datenschutzvereinbarungen und und und, dann doch bequemer „anlesen“ und in meinen Dateien speichern. Ein Kritikpunkt am mittlerweile gescheiterten Yomo der Sparkassen war ja, dass man im Zweifelsfall zig Preisverzeichnisse und Vereinbarungen auf dem Display des Mobiltelefons lesen musste und hier keine schöne lesbare Übersicht bekam. Am 07.01.2021 um 10:30 Uhr startete ich die Eingabe und war – ich lies mir allerdings Zeit – nach zehn Minuten durch.

IDNow

Zur Verifizierung war es dann am einfachsten, sich über die IDNow-App zu identifizieren. Soweit ich sehen konnte, war das die einzige Möglichkeit, eine Kontoeröffnung online vorzunehmen. Auf PostIdent am Schalter habe ich zudem schon länger keine Lust – man weiß ja nie, wann die nächste Poststelle, die das anbietet, mit ihren nur noch rudimentären Öffnungszeiten Einlass gewährt. Zudem kannte ich das Verfahren bereits von der Kontoeröffnung bei einer sogenannten Neo-Bank. Die App war um 10:42 startklar. Mit Eingabe der über die Web-Anwendung und per E-Mail mitgeteilten ID-Nummer konnte der Verifikations-Prozess beginnen. Dieser dauerte – entgegen von @klotzbrocken zuvor gewitterten mehreren Tagen – nur acht Minuten. Die Hälfte davon war Wartezeit, der Rest gute und stabile Kommunikation mit dem Service-Mitarbeiter. Da waren sie also die magischen 8 Minuten, mit denen ein anderer Marktteilnehmer Werbung für eine Kontoeröffnung betreibt. Offenbar erwirbt die Sparkassengruppe über die S-Mehrwert GmbH ausreichend Slots zur Bedienung ihrer Neukunden.

Warten auf die Post und „App“ geht’s

Dass die Kontoeröffnung erfolgreich war, bekam ich über die E-Mail-Benachrichtigung am Freitag mit, in der davon die Rede war, dass im Online-Postfach wichtige Dokumente auf den Abruf warten. Warum soll sonst was im Online-Postfach sein? Man kann geteilter Meinung sein, ob es noch zeitgemäß ist, nun auf die Post warten zu müssen. Standard ist es bei vielen Banken allemal und gestört hat mich das nicht. Wenn man das Wochenende abzieht, waren die erforderlichen Briefe für eine Ersteinrichtung alle innerhalb von drei Arbeitstagen, als am Dienstag darauf, im Briefkasten. Mit diesen Daten waren innerhalb von wenigen Minuten die S-TAN-App und die Sparkassen-App eingerichtet. Im Vergleich zur DKB ein Prozess, der kaum Fragen offen lässt. Bei der DKB habe ich im Familienkreis schon mehrfach mitbekommen, dass – obwohl für unsereins relativ einfach gestaltet – nicht technikaffine User ohne Hilfe nicht so einfach zurecht kamen.

Nach zehn Arbeitstagen kam mit dem letzten Brief auch die girocard im grauen Berliner Design, ein paar Tage zuvor war die PIN im Briefkasten. Die war aber vorerst sowieso nur für die Akten – und für einen vielleicht mal nötigen Bargeldbezug am Sparkassenautomaten. Apropos: wann war ich das letzte mal ein einem Automaten?

girocard aus dem Stand in ApplePay einsetzbar

Ein großer Vorteil ist, und das sollte mittlerweile zum Standard gehören, dass die girocard mit den Zugangsdaten für die App auch sofort in ApplePay für alle Geräte verfügbar ist. Somit war – nachdem das Startguthaben per Instant Payment innert Sekunden auf dem neuen Konto eingegangen war – auch die girocard innert Sekunden fix und fertig einsatzfähig.

Die Nutzung des Kontos

Mein Ziel ist es, möglichst alle Zahlungen mit nur einer als Standard voreingestellten Karte zu tätigen. Das fördert zum einen die Übersicht aller Zahlungen auf einem Konto. Zum anderen entfällt das ständige Überlegen, welche Karte man den im jeweiligen Laden überhaupt akzeptiert. Da ist man mit der girocard – bei allen Nachteilen – immer noch am sichersten. Im Ausland kann man ja jederzeit auf eine andere Standardkarte umstellen. Das ist selbst bei mir, der grenznah wohnt und in normalen Zeiten oft die Grenze passiert, noch im Rahmen. Und das Debit-Konzept mit sofortiger Zahlung vom Konto zur Abrechnung täglicher Ausgaben gefällt mir ganz gut. Nur noch im Hotel, bei der Buchung von Flugreisen oder Mietwägen sehe ich einen wirklichen Vorteil der Charge-Karte.

Die anfänglich berichteten Probleme der girocard in ApplePay bei bestimmten Terminals konnte ich selbst noch nicht beobachten. Bisher liefen die Zahlungen bei allen Einsatzstellen ordnungsgemäß durch.

Die App ist – so finde ich – übersichtlich. In nächster Zeit sollen noch die Logos der abbuchenden Händler in die Umsatzanzeige mit eingebaut werden. Da sollen die ersten Sparkassen bereits dabei sein. Ein nettes Gimmick, das die Fintechs wie revolut oder N26 vorgelegt haben.

Ein großes Plus vor allem auch gegenüber der VR-Banking-App: girocard-Zahlungen, die online abgerechnet werden, werden sofort als vorgemerkte Posten angezeigt. Das sollte heutzutage Standard sein. Instant Payment geht eingehend und ausgehend – und das auch aus der App. Bei den Genossen muss man hierzu zwingend an den PC und die Web-Anwendung aufrufen.

 

Besonders einfach lief auch die Nutzung der Funktion „Fotoüberweisung“ in der App. Eine Funktion die mir in den wenigen Fällen, in denen noch Rechnungen per Überweisung zu bezahlen sind, das Eintippen in der App oder gar am PC erspart und die ich als große Erleichterung beim Bezahlen empfinde. Eine Tätigkeit, die man verständlicherweise nicht gerne macht. Und auch der Kontowecker, der im Online-Konto natürlich kostenfrei enthalten ist, befriedigt das Informationsbedürfnis bei Kontoumsätzen. Bzgl. Kartenzahlungen über die girocard in ApplePay nutze in ihn nicht, da mir eine Systemmeldung von ApplePay ausreicht und ich im Übrigen gewohnt bin, meine Kontoumsätze regelmäßig zu checken. Aber auch hier ist für den, der es wünscht, die Push-Mitteilung als zusätzliches Sicherheitsmerkmal für unberechtigte Kartenzahlungen schnell eingestellt.

Fazit

Der Eröffnungsprozess für ein neues Sparkassen-Konto braucht sich, wenn die jeweilige Sparkasse die online möglich macht, nicht hinter dem von sogenannten Neobanken verstecken. Wem – wie mir – ein Konto auch etwas wert ist, wer also nicht nur auf die kostenlosen Angebote zusteuert, für den bietet sich in nur kurzer Zeit ein vollumfängliches Konto in einer handwerklich stabilen App mit Zugang zu vielen weiteren Angeboten der jeweiligen Sparkasse. Der größte Pluspunkt ist meines Erachtens die auch in ApplePay eingebundene girocard, die es ermöglicht, ApplePay auch bei der Vielzahl an girocardOnly-Händlern einzusetzen. Dies ist in Deutschland gerade in ländlichen Gebieten – aber auch in Berlin – immer noch häufig der Fall. Die Diskussion, ob das gut oder schlecht ist, wie es auf Twitter bereits hinlänglich diskutiert wurde und wird, möchte ich gar nicht führen. Fakt ist, es ist so.

Und deshalb ist auch die Halblösung der Volks- und Raiffeisenbanken, hier für ApplePay auf eine täglich abrechnende Debit-(Kredit)Karte zu setzen für mich kein Ersatz. Den auf Twitter geäußerten Vorschlag des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbank hierzu auf die App Mobiles Bezahlen in Android-Systemen zu wechseln, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber und zur Illustration, wie Ernst man es im Lager der Genossen aktuell mit technischen Herausforderungen nimmt. Aber man beobachtet dort immerhin – gleiche Quelle – den Markt – weiterhin. Und so eine girocard in ApplePay ist mir aktuell viel lieber als eine Metallkarte. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

Einzig, wer oft im Ausland ist und gerne mit Karte zahlt, benötigt eine zusätzliche günstige Kreditkarte für diesen Zweck.

Und letztendlich braucht es mit der vorliegenden App auch kein Yomo. Ein akzeptables und übersichtliches Preismodell der vielen Sparkassen bei Online-Konten würde völlig ausreichen. Aber daran scheiterte Yomo ja bekanntlich. Smileys im Überweisungszweck aber auch metallene Karten sollen andere machen…

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